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Full text of "Lateinische Gedichte des X. und XI. Jahrhunderts"

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M 


i86^kX 


LATEINISCHE  GEDICHTE 


V^v.^ 


DES  X.  UND  XI.  JH.  ^' 


.dcn^ 


HERAUSGEGEBEIV  VOIN 
JA[C.  GRIMM  UIVD  ANDR.  SCHMELLER. 


GOTTINGEN 

IM  VERLAGE  DER    DIETERICHSCHEN   BLCHHANDLUNG. 

18  38. 


FREIHERRIN  JOS.  YON  LASSBERG 
ZU  MERSBLRG  AM  BODENSEE. 


V  O  R  R  E  U  E. 


Di 


'ie  hier  mltgellieilteii  beilrage  zur  lateinischeii 
poesie  des  initlelalters  lioffe  ich  solleu  ^villkoinmen  sein 
und  vielleicht  geeiguet,  unhallbare  gesiclitspuucte  zu 
verriicken,  unter  welchen  diese  gewohulich  ius  auge 
gefafst  wird.  ISIan  ist  bereit  gewesen  sie  geriug  zu 
«chatzen  ,  ohne  sle  vorher  ersl  eiumal  vollstandig  keu- 
nen  zu  lerueu.  Sie  hat  fast  nur  duldung  erlangeu  kon- 
nen,  je  uaher  der  classischen  dichtkunst  sie  zu  treteu 
schien,  und  gerade  das  niiiste  an  ihr  herausgestellt  wer- 
deii ,  was  sie  von  jener  zumeist  eutferule  und  auf  be- 
sondere  wege  brachte.  "SYo  zwei  elemeute  sich  biuden, 
zieht  uns  der  daraus  hervorgeheude  schmelz  an,  nicht 
das  eutschiedne  iibergewicht  des  eineu  ,  in  welchcin 
blofs  eine  uubehagliche  allgemeiue  triibuug  zuriick  gc- 
blieben  ist.  Der  ursprung  der  romausprachen  aus  dem 
bediirfuis  des  volks,  sich  natiirlich  uud  ohne  fessel  aus- 
zudriicken,  rechtfertigt  uud  erklart  zugleich  den  aller 
neueren  poesie,  die  sich  der  alteu  enlgegeusetzle,  uiid 
sie  endlich  iiberwaud.  Sicher  hat  der  vulgarslil  liir 
uns  grofsern  reiz  als  der  gelehrte,  weil  jeuer  uaiv  uud 
eigen  sein  kaun  ,  dieser  kiinsllich  uud  fremd  bleibl ;  aii 
absoluten  vorziigen  liegt  es  dabei  uicht.  Wie  weuige 
lesen  Petrarchas  laleinische  biicher  uud  wie  viele  seiue 
ilalienischen  gcdiclile.  Dem  laleiu  des  mitlelallers,  bci 
allcr   verdcrbnis,    darl   oll    iioch    wenn    eiue  ungeleuke 


VI 


iind  sclnverfallige  docli  iilcht  gaiiz  uiilei-driickte  naliir- 
lichkeit  zugeslanden  werden ;  als  im  sechzehnlcu  jahr- 
liundert  liefere  bekannlschaft  niit  den  chassikern  anfieng 
iind  der  gescliinack  sich  reinigle,  ^vurden  die  edelsten 
krafle  in  erleicliterter  und  gehobner  nachalinuing  der 
laleinischen  poesie  vergeudet.  danials  schiillelten  alle 
gelehrlen  aus  ihreni  erniel  lliefsende  hcxdmeler,  ^vel- 
clien  iiichls  abgieng  als  natioiialitiit  uud  die  feinheit  des 
iiachbiklens,  dessen  aiiforderungen  durch  forlgeselzte  be- 
tradiluiig  der  classischen  Averke  beslandig  gesteigert  vvei'- 
den.  solche  verse  vermochten  iiie  das  volk  zu  erciuicken, 
mir  der  bildung  jener  zeit  genug  zu  thun  ,  Nviilirend  sich 
die  fort  oder  zuriickschreitende  der  folgenden  bald  wie- 
der  von  iiinen  abwandte.  Was  halle  niclit  die  poelische 
eingobung  eiiies  EobanusHessu?,  Pelrus  Lolicliius,  Nicode- 
nnis  Frischlin  und  vieler  anderer  auferbauen  iiiogen,  wenn 
sie  der  niutlersprache  zu  slatta^n  gekommen  ware.  diese 
dichter  zogen  das  scheinleben  einer  vollendeleren ,  un- 
nachalimliclieu  form  deni  wahren  vor,  das  sich  auf  ver- 
wilderlem  aber  fruchlbarem  boden  des  valerlandes  selb- 
staudig  und  schopferisch  erzeugt  halte.  Seit ,  nach 
liberlangem  riiigen ,  iinsere  sprache  sich  wieder  los 
inachte,  ist  die  hervorbringung  lateinisclier  gedichle  bil- 
lig  in  eiige  schranken  gewichen ,  und  mehr  ein  prob- 
sliick  erwoibner  gelehrsamkeit ,  oder  spielende  lusl  an 
dem  strauben  und  nacligeben  einer  fremden  zunge  als 
freier  trieb  wirksamer  poesie  :  sie  tragen  nicht  aus  was 
sie  erslreljen  und  laufen  gefahr  aufs  schnellste  verges- 
sen    zu  werden. 

INlit  den  einlliissen  der  laleinisclien  sprache  kreuzen 
und  begegnen  sich  diircli  das  ganze  mitlelaller  die  ge- 
schicke  dcr  einlicimischen.  das  steigende  bediirfnis  ver- 
feineiler  ausdrucksweise  war  hnlb  geneigt  und  halb  ge- 
drungen  sich  des   fremden   miltels  zu   bedicnen.      Pocsie 


VII 


glbt  die  grundlage  lier  zii  dem  gedeilieii  aller  llleratur, 
vermag  sie  aber  iiicht  alleia  iind  oline  liinzulrelende 
geislige  kraft  der  prosa  aufzubrrngen.  Naclidein  das 
chrislenlhuin  die  nocli  aus  heidnisclicr  wurzel  cnlspios- 
sene  dichlung  des  achlen  und  neunlen  ialirlmnderls  ") 
verabsiiumt  oder  ausgerotlet  halle,  niusle  die  deulsche 
poesie  eine  zeillang  still  slelin,  einer  pliaiize  nicht  uii- 
gleich,  der  das  lierz  ausgebrochen  isl ,  uiul  ersl  iui 
zwulflen  und  dreizehnlen  begann  ihr  sliel  auszuschla- 
gen  :  diesem  frohliclien  wachslhum  ^var  deunoch  abzu- 
vvelken  beschieden ,  weil  ihm  keiue  schiilzende  prosa 
zur  seite  trat.  Als  im  sechzehnlen  jahrhundert  die 
deutsche  prosa  sich  ermannte  ,  fehlte  die  niacht  der 
poesie,  nnd  der  neuversuchlcn  un\ollbiirligen  poesie 
des  siebzehnten  war  die  prosa  abgestorben.  Iliidlich 
im  aclitzehnlen  gelang  die  vereinigung  bcider,  und  (ort- 
aij  konnte  nichls  mehr  dic  bliile  und  fruchl  uiisrer 
literatur  aulhallen, 

Den  samen  laleinischer  dichlkunst  trugen  Italiener 
nach  Gallien  und  Brilannien ,  crst  von  da  ^vurde  er 
Dculschland  zugefiihrl.  Djaconlius  ,  Sidonius  ApoIIina- 
ris ,  Venantius  Fortunatus ,  in  etvvas  weiterem  absland 
Aldhelm  und  Beda  reilien  sich  an  die  letzten  zuglinge 
der  aussterbenden  romischen  poesie,  uamenllich  aii  Au- 


')  die  alliteration  ist ,  iil)er  Saclisen  liinaus,  (iir  Hoclideutscli- 
land  erwiesen,  und  wer  an  der  menge  altiioclideutsclier ,  vorotfrie- 
disclier  gediclite  zweifelii  wiil,  selie  das  voii  Reginbert  im  j.  821 
aufgestelite  verzeicliiiis  der  biiciier  zu  Siiidleozesouwa  (spilter  Rei- 
clieiiau)  ,  worunter:  'in  vige^iiiio  primo  lil)eilo  continentur  XII  car- 
mina  theodiscae  linguae  (tlieodisca  iingua)  formata  .  .  .  in  vige- 
simo  secnndo  libello  liabentur  .  .  .  cormina  diversa  ad  docendam 
tlieodiscam  iiiiguam.'  iseugart  episcop.  constant.  p.  536.  547.  550. 
iii  ilirer  mufsc  scliiiebeii  die  nionclie  nacli  miiiidliclier  iiberliefe- 
ruiig  deutsclie  lieder   auf,    gewis  aus  uielir  als  eiaer  absiclit,    >iel- 


Mll 


soniiis  untl  Claudiaii ,  nian  diirfle  einzelue  Nvie  Boethius 
noch  hierher  oder  schon  dorthin  zahlen.  ani  richtig- 
sten  liebt  die  niiltellateinische  poesie  niit  den  christli- 
chen  dichtern  an ,  und  alle  lieidnisclien  fallen  der  rii- 
uiisclien  zu.  \Yer  den  ^verlli  der  alleslen  chrisllichen 
poelen  in  das  was  sie,  fast  ohne  eigiies  verdienst ,  er- 
eibt  oder  unverlernl  haben  ,  setzen  v\ill,  niag  es  thuuj 
mir  sclieint  er  niehr  von  deni  stof  abzuhangen,  und  da 
\vo  der  oft  liebliche  Forlunalus  das  frankische  konigs- 
geschlechl  oder  auslrasische  gegenden  besingl  ,  gewinnt 
er  gleich  an  leben  ,  ^vie  Claudians  ungeineine  elcganz 
durch  den  leblosen  iiihalt  sciner  gedidite  gedriickt,  die 
jiicht  geringere  des  Ausonius  in  seiner  anniuligen  Mo- 
sella  IjOher  gefarbt  wird.  Fiir  Deutschland  *)  fangeu 
die  laleinischen  dicliler  erst  seit  Hrabanus  IMaurus  an, 
und  in  den  schulen  zu  Fulda ,  IMainz,  Sanctgallen,  Con- 
slanz,  Slrafsburg,  TuU ,  Piiini,  Trier,  Corvei ,  Tegeiyi- 
see,  Freisingen  luid  eiiiigen  andern  empfieng  die  kunst 
■vs'eitere  pllege.  kaum  muchte  es  einer  an  feincni  talent 
dcm  Walafrid  Stral^o  zuvor  gelhan  haben,  dessen  hor- 
tulus  weiche  verse  von  innigem  gefiihl  darbielet.  volks- 
mafsige   ankiange  scheinen  ihm  jedoch   frenid. 

Dafs  diese  auch  spaler  noch  nichl  verschoUen  "waren 


leiclit  nncli  ziim  anbau  deiitscher  grammatik ,  nacli  Carl  dcs  grofseii 
beispiel  (Eginliart  cap.  29  inclioavit  et  grammaticam  pntrii  ser- 
nionis.)  Weiin  ilirer  sclion  eine  einzige  abtei  iiber  ein  duzend 
verwalirte,  wie  viel  mufs  sicli  anderwarts  des  aufgezeiclineten, 
nnd  gar  im  munde  des  volks  unaufgesclirieben ,  damals  gefunden 
li;>ben? 

•)  hier  abgesehn  von  Vandalen,  Gotlien  und  Langobarden  des 
5.  6  7  jli. ;  lateinische  gedichte  der  africanisclien  Vandalen  unter 
Tlirasamund  und  Hilderic  von  Tuccianns,  Eteinundis  und  andern 
hat  Mevers  aiitiiologie  n*^'  545.  54G.  51*5  '^"  'I*^"'  gct''-  konig 
Sisebiitus  (a.   GoO)  n"  388. 


IX 


II nd  tlie  inouclie  nebeu  ihren  geistlichen  dichtungeu 
aderu  der  einheiniischen  sage ,  -welche  in  der  gesamten 
nation  so  iippig  gewucliert  hatte,  zu  hegen  strebten, 
bewahrt  uusere,  mit  besoudrer  vorliebe  auf  das  zehnte, 
einigei-mafsen  aucli  das  eilfle  jalirliundert  gerichtele 
sammluug;  es  macht  freude  dem  verkannten  wieder 
einige  gunst  zu  bereiten.  denn  schwerlich  slelit  irgend 
eine  zeit  iibel  beriiclitigter  in  der  geschichte  imsrer  lite- 
ralur,  sie  gilt  sogar  fiir  die  epoche  des  aufsersten  ver- 
falls  aller  kunst  und  wissenschaft.  Wer  mag  sich  aber 
einbilden  ,  dais  uuler  den  saclisischen  und  frankischen 
konigen,  als  das  deulsche  reich  auf  dem  gipfel  seiner 
maclit,  und  in  Widukind ,  Thietmar,  Wippo ,  Richer, 
Hermann  iind  Lambert  ernsler  siun  fiir  vaterlandische 
geschichte  -wach  vvar,  die  laleiuische  dichlkunst  sollte 
ungepflegt  geblieben  sein  ?  damals  vvar  die  geistlichkeit 
riiiiriger,  uud  welterfahrner  als  naclilier,  wie  liatte  sie 
die  poesie  unversucht  gelassen  ?  Wenn  auch  die  deut- 
sche  sprache  selbst  in  diesen  jahrhuuderten  ,  uud  aus 
ursachen  deren  entwicklung  nicht  weiler  liierher  ge- 
horl  ,  keiner  fortbildung  tlieilhaft  wuide  ;  bei  dem  volke 
muslen  noch  altere  lieder  leben,  sagen  in  menge  und 
fiille  dauern ,  deren  einflufs  auf  monchische  naclidich- 
tung  nun  nicht  lUnger   wird  diirfen   verkanut  werden. 

Die  drei  grofseren  gediclite  Waltharius,  Rudlieb  und  / 
ecbasis  captivi  ,  so  ungleich  sie  sind ,  gehoren  zusam- 
nien  und  trageu  die  eigeuthiimlichkeit  ihrer  zeit  in  vol- 
lem  mafse  an  sich  ;  sie  erganzen  unsere  vorstellung  von 
dem  dichlerischen  vermogen  des  zehnten  jahrhunderts, 
die  wir  lange  nur  aus  dem  werke  der  sachsischen 
Hrosuilh  *)  eutnehmeu  konnten.     Alleu  dreien  liegt  eiu-  , 


*)    oi\er  Clamorialidus  ,  wie  sie  sicli  selbst  ubersetzt :  Hrosiiitli 
fiir   Hrotlisuitli,    a!id.    Hruudsuiii(J.      die    poesie    der  gaiideslieimer 


heiinlsclier  slof  iinler,  "\vle  ilui  ilie  aleniannisclie ,  bai- 
risclie  uncl  lotliriuglscbe  iiberlieferung ,  \ielleicbt  uoch 
iu  denlscbeu  liedern ,  an  haud  reichte,  welcben  aufzu- 
fasseu  die  geistlichen  des  ueunten  jb.  zu  voruclini,  ge- 
lebrt  und  fromni  wareu.  dle  kluster  und  scbulen,  wc- 
nigstens  da  wo  deulsclie  zimge  hersclite,  balteu  ini 
zehuten  jb.  uielu-  heiterkeit  und  frobeu  nuit  gewonuen. 
Hrabans  und  ^^'alafrids  '*)  diclitungen  sliul  nocli  elwas 
aullker,  alleiu  slreng  und  Irocken  ;  die  des  zebulen  jh. 
vergiileu  ueuanselzeude  roheit  liln  und  wiedei'  durch 
einen  baucli  vou  friscbe  luid  nnlur ,  der  jcneu  abgelit.  In 
ibrer  bedeutsamen  eigeulbiinillcbkeit  wird  zunial  die 
YOn  Rudlieb,  so  liickenbaft  sle  hervortreleu  nuifs ,  iiber- 
jaschen  ;  vollslandlg  erliallen  -wiirde  sie  grijfseres  auf- 
sehu  niacheu  als  was  cs  nur  sonst  in  niiltellateiuischer 
poesie  gibt.  Zwiscben  ^"\  allbarius  luid  der  ecbasls  be- 
slebt  zufiilllg  sogar  orlllcbe  beriiluuiig ,  iiisofcru  boldc 
ibre    liandhing    uacli    deni  ATas^au  uud   veriuullich  gauz 


iionne  ist  niilder  und  sclieuer  als  die  der  monclie,  aber  iiiclit  uii- 
gebildet :  von  weitliclier  sage  verrath  sie  gar  niclits  meiir.  lieb- 
lingsausdriicke  des  zelinten  jli,  wie  quo  fiir  ut,  fore  fiir  esse,  po- 
tis  est,  tuum  velle,  vestrum  coniplevi  velle  jocundum ,  sibi  fiir 
illi,  satagis  tollere,  satagis  ponere ,  certabaiit  se  subdere,  factor 
fiir  deus,  gaza,  plasma,  protoplastus,  sciolus ,  orcidiius,  eous, 
congaudere,  glomerare,  baccliica  munera,  Cainena,  iiomullus,  po- 
pellus,  im  versscliluls  eandem,  eundem,  mulierem ,  Imjiis,  liorum, 
im  fiinften  fufs  bedeutungsloscs  namque  oder  deiiique,  iiifinitixe 
praet.  wie  disposuit  petiisse,  jussit  vixisse,  posset  rexisse  fiir  po- 
tuisset  regere ,  und  anderes  melir  liat  sie  besoiiders  niit  Waltliariiis 
gemein,  einige  ausgesuclite  altertliumliclie  formen ,  wie  die  prono- 
niiiialen  niis  und  tis ,  debriiis  fiir  ebrius  sind  ilir  eigen.  Eine  neue 
ausgabe  ware  erwiinsclit. 

*)  Walafrids  werk  ist  gut,  aber  uiibequem ,  bei  Caiiisius  ed. 
Basnage  II.  2,  18-1-264  Iieiaiisgcgel^en ;  iiiaii  sollte  es  niit  dcii  nielir 
zerstreuten  gedicliteii  Hrabyiis  eiiinial  besonders  zutanimenstellen. 


XI 


dei'selben  gegeiul  legen.  Das  zog  vlelleiclit  nielir  tlen 
berausgeber  an ,  als  es  antlern  iiierkAviircHg  sclieineii 
wird.  Die  gemeiuschaft  der  drei  gediclite  bewahrt  sicli 
aber  auch  sonst.  In  jedeni  weissageu  schwere  triiume 
den  endlichen  ausgang :  Haganons  (Walth.  621),  der 
multer  fliudl.  16,  8"9)  und  des  wolfs  (ecb.  230)  und  wie 
Nib.  13.  14  zeigou  bilder  von  thieren  die  kiuifligen  ge- 
scliicke  an.  Zwar  geschielit  dasselbe  schon  in  uianchen 
alleren,  so  wie  jiiugereu  sageu ,  doch  ist  jeue  einslim- 
muug  zu  beachten.  Formliche  'gebete  'werden  aiisge- 
sprochen  \Yallh.  1161.  Iiudl.  10,  71.  ecb.  795.  Dafs 
zwei  der  gedichte  fischiianien  verzeichuen,  uud  das  drille 
uah  daran  war ,  es  auch  zu  thun,  ist  s.  327  wahrge- 
uommeu,  weuigsteus  verslehn  beide  helden,  "NVallher 
und  Rudlieb,  sich  auf  den  fischfang.  lu  Rudliel)  und 
der  ecbasis  wird  durch  ineiuauderfiigung  von  erzahlung 
und  begebenheit  die  darstellung  eiuigemal  verwickelt 
und  in  liaufiger  wechselrede  beiuahe  dramatisch  *);  die 
des  Wallharius  ist  uugleich  eiufacher  gehalten. 

Dieser  einfachheit  einer  deuuoch  rcichen  fabel  wegeu 
wird  man  kaum  anslehu ,  der  schijnen  und  fesseluden 
glelchmafsigkeit  des  Wallharius  den  eislen  raug  unter 
den  drei  dichtuugen  einzuraumeu.  es  isl  epische  warme 
darin ,  dcreu  kraft  selbst  allere  formgewalligere  werke 
der  Rumer  iiberbieteu  kouute.  soviel  vermag  ein  ech- 
ter  gelialt  dcr  volkspoesie  sogar  in  iiberselzungeu  die 
zur  blofsen  schuliibung  augeslellt  wurdeu.  Y\  eit  gciin- 
geren  werlh  in  anspruch  uehmeu  darf  die  ecbasls,  iii 
welche  horazische  verse  eingeschallet  sind ,  wle  der 
sancallische    dlchler    den    yirgil    nachahjut.        Gar    keiu 


*)  aucli  die  beigefiigten  iinnien  der  redenHen  (s.  295)  geniali- 
nen  an  den  dialog  zwisclien  ^  usnciis  uikI  Rlienus  bei  Ernioldus 
Nigellus  (Pertz  2,  517.  5!  8.) 


XII 


solclies  nnister  schwebt  dem  eigeutliunilicheren  veiTasser 
des  lUidlieb  vor.  hat  nian  sich  einnial  niit  seiner  selt' 
sanien,  aber  nicht  ungewandten  handhabung  des  lateins 
verlraiit  geniaclit,  so  wird  dem  naiven  ,  behenden  uud 
wirklich  dichterischeu  vorlrage  der  begebenheiteu  voUes 
recht  widerfahten.  Es  ist  kein  gewohnliches  talent, 
was  sich  hier  allenthalben  kund  gibt  uud  durch  die  uu- 
bequemlieit  einer  frenideu  spraclie  bricht ;  so  viel  feines 
gefiihl,  solches  geschick  eine  versclihingne  sage  zu  er- 
greifen ,  durchzufiihreu  und  auszustalteu  halle  man  um 
diese  zeit  nicht  erwarlet.  sie  ist,  wenu  ein  funnhches 
deulsches  lied  noch  vorlag  (was  viel  zweifelliafler  schei- 
neu  wird  als  beim  "NYahharius)  von  dem  dichler  wirk- 
lich  iu  sich  aufgenommen,  verarbeitet  und  bereichert 
worden  ,  wiihrend  im  AYahharlus  eher  eiiie  schwacliung 
der  deutschen  queUe  angenommeu  werden  mufs.  Fro- 
muuds  kiihnere  darstelhing  braucht  ihre  gleichnissfe  uicht 
aus  einem  classiker  zu  borgen ,  sondern  kann  sie  selbst 
erfinden;  sie  verfallt  dafiir  schon  auf  ausmalihingen, 
die  dein  gang  der  fabel  einlrag  lliuii  aber  durch  sich 
gefallen.  \Yillkommne  eiuzelheilen  dieses  gedichts  wer- 
deu  noch  lange  auszubeuteu  uud  zu  erlauteru  seiu ;  ich 
beschrrinke  mich  liier  auf  naclilese  einiger  bemerkun- 
gen.  YN  ie  lebhaft  sind  die  vergleiche  des  laufes  oder 
tauzes  niit  dem  flug  der  schnellen  schwalbe  und  dem 
kreisen  des  falken  (l,  51.  8,  49.)  '  Vou  deu  vertrauteu 
und  taglicheu  dienern  des  konigs  wird  3,  197  gesagt : 
vehili  glandes  semper  flanl  regis  ad  aures,  wie  unter 
dem  waldbaum  das  gerausch  der  eicheln  bei  jedem  hift- 
zug  vernehmbar  ist,  schwebt  um  des  konigs  ohren  der 
dienendeu  hoflinge  geiliisler  *').   INleiu  bescheidner  freuud, 


*)  icli    wiistc   iiiclit  dafs  olirriiige  in  eiciielforni  getragen  wor- 
deti  seien,  woran  sicli  sonst  denken  liefse. 


XIII 


iler  die  idyllisclie  wahrlieil  vieler  scliilderungen  dieses 
gedichts  und  dessen  werlli  fiir  anfklarung  der  silten  und 
gebrauche  unseres  allerthuins  (s.  229)  vollkoninieu  er- 
kennt  und  bereils  in  das  licht  setzt,  hat,  -wie  sein  eig- 
nes  verdienst  uin  die  bekanntniachung  und  erganzung 
der  bruchstiicke  ,  wol  auch  den  gewinn  zu  gering  an- 
geschlagen  (s.  201),  der  sich  fiir  die  altereu  niythen  und 
sagen  aus  ihnen  ergil)t.  Was  konnte  dem  forscher  will- 
konininer  sein,  als  der  aufschlufs  aus  so  friiher  zeit 
liber  die  ansicht  von  der  natur  des  zarrggeschlechts  iin 
siebzehnten  fraginenl?  die  menschen  inistrauen  den  triig- 
lichen  geschcipfen  ,  die  zwerge  ini  gegenlheil  leiten  ihv 
langes  lebeu  und  ilire  gesundheil  her  von  ihrer  ein- 
fachen  kosl  und  treuherzigkeit.  beides  stimnit  noch 
vollig  zu  der  bis  auf  heute  forllebenden  sage.  die 
zwerge  verstelin  sich  auf  die  heilsanikeit  der  krauler, 
und  entweichen,  ein  gutes,  slilles,  friedliches  volk,  aus 
ihrer  heiniat  Sor  den  boshaften  menschen'  (mythol. 
s.  255),  deren  heinilicher  blick  sie  belauscht  und  deren 
neuerungen  ihnen  das  land  verleiden.  auch  die  elbi- 
sche  schouheit  und  pracht  der  zwergin  (parva,  nimis 
pulchra,  sed  et  auro  vesleque  compta)  wird  ganz  wie 
spaterhin  (mytli.  253)  vorgeslellt.  Das  elngreifen  der 
hauptfabel  von  Rudlieb  in  die  alideuiscJie  heldensage  un- 
terliegt  keinem  zweifel,  lafst  sich  abei;  bei  abgerissen- 
heit  der  einzelnen  sliicke  und  unvollstandigkeit  unserer 
fionstigen  iiberlieferungen,  bis  jelzt  niindestens,  nicht 
mehr  geniigend  uachweisen.  Es  ist  nirgend  liindeutung 
auf  eine  vorgelegne  schrift,  aber  die  blofse  sage  kann 
in  eigennainen  und  umstanden  gelreu  gewesen  sein. 

Man  erfahrt  schatzbare  nachrichten  iiber  das  ofFent- 
liche  treiben  zwischen  kcinigen  bei  friedensunterhand- 
lungen,  die  hin  uud  her  gehendeu  gesandtschaften  iind 
die  gegenseilig  gebotnen,    zum  theil  aber  unangenomm- 


XIV 


ncii  gcsclieuke,  wobei  bosomlers  die  rangverlirilfiiisse 
feiii  beobaclilet  werden.  Icli  hebe  den  vers  liervor : 
Obviiis  ad  pontem  veiiit  is  tibi  nos  dinmenfem ,  Pax  ibi 
firnialur  (3,  22.)  es  war  iiraller  brauch ,  dafs  krieg- 
fiihrende  herscher  iii  der  niille  des  llusses,  der  ilire 
reiche  schied,  gleichsam  jeder  noch  auf  seinem  giund 
steliend,  fiir  den  friedensbund  zusaniinentrafen  und  ihu 
beredelen.  das  alleste  zeugnis  bietet  Tacilus  (hist.  5, 
26):  'pelito  colloquio  scindituv  Nabaliae  flnminis  pons, 
in  cujiis  ahrupta  progressi  duces.'  daiin  beini  frieden 
zwisclien  Heinrich  1  und  Carl  dem  einfaliigen  von  Frank- 
reich ,  annal.  lobiens.  ad  a.  923  (Perlz  2,  210):  'eotleiu 
antio  Karolus  cuin  Henrico  rege  Germanorum  foedus 
iuiit,  et  ab  amore  (ob  aniorem)  Henrici  lothariensi 
regno  cessit.  juratum  est  utrlmqiie  ab  episcopis  et 
comilibus  in  medio  Reni  fluminis  apud  Bonnam,'  vgl.  Ba- 
luze  capitul.  2,  299.  Spater  eiue  zusammenkunft  der 
kcinige  Friedricli  uud  Ludwig  im  j.  1162  (Helmold  1, 
90):  'et  misit  caesar  ad  regeiu  Frauciae  Ludovicum,  ut 
occurrerct  sibi  apud  Laonam ,  quae  est  in  terra  Bur- 
guudiouum ,  juxla  Ararim  fluvium,  ad  redinlegraudum 
iinitatem  ecclesiae  ....  Ludovicus  rex  Franciae,  cujus 
praecipue  exspectabatur  adventus,  ubi  iiilellexit  caesarem 
appropiare  cum  exercitu  et  armis  mullis,  dubitavit  oc- 
currere  ei.  sei  propler  fidem  sacramentorum  venit  ad 
locum  placili  conslilulo  die,  hoc  esl  in  decollatione  Jo- 
hannis  baplistae  et  exhibuit  se  in  ponfis  medio ,  ab  hora 
tertia  usque  ad  horain  nouam  quod  rex  Franciae  acci- 
piens  pro  oniine  laoit  manus  suas  in  flumine,  ob  teslimo- 
nium  quasi  qui  fidem  pollicitam  reddiderit,  et  digrediens 
iude  abiit  ipso  vespere  Divionein.  veuiens  ergo  noclu 
caesaretc,  So  noch  unserer  tage  bei  dem  tilsiter  frieden 
trafen  sich  Napoleon  und  Alcxauder  von  Pmfsland  auf  dem 
Memel  in   eiuem  nacheu,  und  die  geschichte  kennt  meh- 


rere  iibergnben  von  neiiverniahllen  konigstoclitern  aiif 
(Jer  mUle  des  grcnzflusses  zweier  gel)iele.  jeclwedeni  llieil 
sollle  die  volle  freiheit  des  enlschlnsses  und  die  niug- 
lichkeit  des  riickschritts  gesichert  sein.  Nicht  uuafinlich 
sind  zusainnienkiinfle  benachbarter  konige  oder  zwei- 
kanipfc  beiderseiliger  Iielden  auf  insel/i.  es  geniigt  hier 
an  die  drei  konige  Lolhar,  Ludwig  und  Karl  auf  der 
Saoninsel  Anille  bei  INlaron  im  j.  842  zu  eriunern. 

Grofsniiillg  wiililt  der  machligere  konig  von  den 
gleichsani  zuni  tribut  daigebrachten ,  umslandlich  doch 
lebhaft  geschilderlen  gaben  des  besiegten  nur  weniges, 
kann  aber  dcr  neigung  nicht  widerslchn  sich  ein 
paar  schneeweifser ,  schwarzfiifsiger  biiren ,  so  wie  die 
schwiilzende  elsler  imd  den  slaar  fiir  seine  tochler  an- 
zueignen  (3,  207.  208,  vgl.  3,  84  If.  3,  136.)  aiich  im 
achten  bruchsliick  ^verden  mit  vorliebe  gelehrige  slaaren 
Yorgefiihrt,  die  jeneiu  zeitaller  selir  behagt  haben  miisscn. 
nicht  weniger  anmulig  ist  die  ahrichiung  der  hiiren  zu 
aufrechteni  einiertragen  und  belusligendem  tanz  niil  sin- 
genden  spiehveihei-n  dargeslellt ;  das  scheint  mir  uralle 
heidnioche  vergniigung,  wider  welche  dic  geisllichkeit 
eiferte  :  ^nullus  presbyter  ....  turpia  joca  vel  cum  urso 
vel  turnafricihus  anle  se  facere  .'  .  .  consenliat.'  (Regino 
de  eccl.  discipl.  2,  213.)  vom  umfiihren  des  baren  liabe 
icli  bei  andrer  gelegenheit  geredet  (mylh.  455)  und  eine 
stelle  aus  Vilkinasaga  cap.  121.  122  ist  zumal  merk- 
wiirdig.  Die  sage  vom  luchsstein  findel  sich  nirgend  so 
ausfiihrlich ,  wie  hier,  berichtel ;  man  erklart  ihren  ur- 
sprung  aus  einer  falschen  etymologie  des  worles  lyn- 
curiuin,  worin  Xvy^  und  ovQOV  erblickt  wurde.  Beck- 
niann  zu  INIarbod  p.  50  hat  sich  nachzuweisen  bemiiht, 
dafs  wirklich  der  harn  einiger  thiere  erharte, 

So  gewandl  die  erzahlung  dieser  oiFentlichen  ange- 
legenheiten    verflochlen    ist,    wird    man    doch  die  einfa- 


VIX 


cliPie  von  Rudlieb  uud  deni  rollikopf,  wie  sic  bei  vcr- 
scliiedneii  vvirten  niit  dem  allen  und  jungen  \veib  her- 
bergen,  uugeachtet  des  scbadens,  den  eine  belracbtlicbe 
liicke  stiftet,  bevvegter  und  ergreifender  flnden.  von 
eineni  stilleu  hausbalt ,  der  durcb  den  tod  eiues  geiz- 
lialses  in  volle  befriedigung  ausgeschlagen  ist ,  wendet 
sicb  das  gedicht  zu  dem  leicbtfertigen  einer  jungen  stief- 
muHer ,  die  aber  zulelzt  in  tiefster  reue  ihren  felillritt 
biifst.  im  fiinflen  fragment  begegnen  einige  freie  stel- 
len,  die  sicb  aber  im  zehnten  )h.,  ^vo  ein  grofser  tlieil 
der  geistlichkeit  von  dem  ehlichen  leben  sicli  nicht  ans- 
schlofs,  selbst  ein  nioncb  verslatlen  durfte.  die  ih-eierlei 
strafen ,  unter  ^velcben  die  verbreclierin  dem  mildgesinn- 
ten  gericbt  selbst  die  Avabl  lafst  (6,  45-63),  sind  ganz 
im  geiste  der  poesie  des  alten  recbts,  das  sie  in  mebr 
als  einem  betracht  erlaulern ,  und  das  ersaufeu  in  eineni 
fafs  Avird  eben  aucb  im  TJnibos  168.  169  verbangt.  die 
asche  des  verbrannten  leichnams  der  missethateriu  soll 
ins  wasser  gestreut  vverden,  daniit  sie  nicbt  als  scbaden- 
frobe  liexe  >volken  sammeln,  regen  hindern ,  hagel  stif- 
ten  konne.  Aber  aucli  die  ganze  iibrige  dichtung  ist 
reicb  an  einzelnen  der  erklarung  werlhen  und  zum 
theil  nocb  bediirftigen  ziigen ,  aus  vvelcben  sich  die 
nicht  einfarbige  sondern  lebensvolle  sitte  und  denkungs- 
art  iener  lange  zu  vvenig  gekannten  tiichtigen  zeit  er- 
kennen  lafst.  Und  VAer  mag  sie  kurzab  raub  sclielten, 
\venn  er  bier  liest,  -Nvie  die  liebende  nuitter  nach  dem 
abreisenden  sobn  durchs  gitter  ibre  augen  weidet  und 
das  gesinde  auf  die  zaune  steigt ,  um  ihm  langer  nach  zu 
schauen  (I,  52.  53)?  AVie  hiibscb  ist,  bei  der  besclirei- 
bung  eines  gastmabls,  angebracbt ,  dafs  die  kinder  erd- 
beeren  im  -wald  aufsuchen ,  in  kleine  gefafse  oder  in  zu- 
sammengebundnen  bast  (13,  85-87^?  Solche  erfreuende 
einzelnheiten    reiclit  uns  Waltharius    nichl,    dem    docb 


XVII 


keineswegs  elgenlluimllche  vorziige  abgehn ;  todter  iind 
unausgestalteler,  bis  auf  ein  ])aar  umstande  iiber  die 
konlgliche  hofhallung,  blelbt  die  darstellung  des  loth- 
ringischen  monchs. 

Im  anhang  werden  kleiuere,  nicht  in  der  erzahlen- 
den  langzeile  verfafsle,  sclion  melir  liedermafsige ,  ge- 
dlchle  mitgethellt,  deren  bekannlmachung  andere  her- 
ausgeber  leicht  ganzllch  abgelelmt  hatten ,  dle  von  mir 
aber  gern  iibernommen  worden  ist,  sle  stehn  in  der 
arbeit  und  im  elndruck  um  elne  stufe  nledrlger  als 
jene  grcifseren,  sind  ihnen  jedoch  meislens  gleichzeitlg 
und  vervollslandlgen  unsere  anschaunng  von  dem  poe- 
llsclien  bereich  jener  fernen  jalirluinderte.  es  scheint 
"Wiinschenswerth ,  dafs  sie  noch  relchliclier  aus  hand- 
schriften ,  in  denen  sle  zerstreut  verborgen  liegen  kon- 
nen,  hervorgesucht  werden.  icli  halte  sie  fiir  versuclie, 
aus  der  menge  deutscher  volksgesange,  dle  damals  auf 
offenen  sirafsen  und  wegscheiden  erschollen ,  luid  nlemals 
niedergeschriebcn  dcn  nachlebenden  gesclileclitern  nicht 
bekannt  werden  konnten,  wenlgstens  elnzelne,  zur  er- 
helterung  der  gelstlichen  welt,  lateinlsch  zu  behandeln. 
Lauter  licichst  elnfache,  augenblickllch  in  dle  sinne 
folleude ,  aber  immer  anziehende,  eincm  gemischten 
kreise  der  horer  behagliche  stoITe  des  manlgfalllgsten 
gehalts,  traglsch,  comlsch,  mythisch ,  aus  der  geschichte 
oder  der  thierfabel  enlnommen ,  am  liebsteu  aber 
schwankhaft  oder  spottlsch ,  zuweilen  avich  wol  mit  an- 
gehangter  lehre  inid  geistlicher  vermalinung.  Ein  sol- 
cher  vorlrag  heifst  bald  cantilena  ,  bald  ^'ersiis ,  bald  IikJus 
oder  jociis,    nimur  luid  falmla  '*)  y    woraus  die  deutschen 

*)  ein  ludicrum  carmen  de  convivio  caelitum,  das  ein  Franke 
des  neunten  jli.  gediclitet  liaben  mag,  ist  aus  einer  hs.  des  zehn- 
ten  von  Endiicher  codd.  vindob.  s.  296-298  mitgetheilt  worden. 
In  des  weit  spatern  Thomae  Cantipratani  bonnm  nniversale  de  apibus 

1> 


XVIII 


benenmiugcn  licd ,  leich ,  mdri  zu  erralheu  sind ;  sie  wiir- 
tlen  dem  volk  auf  pliilzen  und  kreuzwegeu,  dem  rei- 
chen  iiber  seinem  gaslmabl  vorgespielt  und  vorgesungen. 
zeugnisse  dafiir  finden  sich  gesammelt  in  der  vorrede 
zum  zweiten  band  deulscher  sagen  *),  Wenn  im  ein- 
gang  des  Unibos  gesagt  ist: 

ad  mensam  magni  principls 

esl  rumor  unius  bovis, 

praesenlatur  ut  fabula 

per  verba  jocularia, 
so  kann  das  nicht  auf  das  lateinische  lied  selbst,  wollle 
man  sich  auch  das  feslgelag  eines  geistlichen  herrn  da- 
bei  denken  ,  bezogen  werden  ,  sondern  nur  auf  ein  in 
verslandlicher  volkssprache  gesungnes ,  spater  lateiuisch 
nachgedichtetes.  dann  aber  mogen  einzelue  solcher  lie- 
der  lateinisch  entsprungeu  seiu ,  ohne  deutsches  vorbild. 
Lage  uns  ihrer  eine  grofsere  zalil  vor,  besonders  der 
deutschen ,  fast  ganz  verlornen ,  wie  manches  licht  wxirde 
daraus  hervorgehu  iiber  die  alteu  sagen ,  mythen  und 
marchen.  es  freule  mich  in  den  anmerkungen  s.  344.  382 
einige  spuren  ihres  zusammenhangs  mit  jiingeren  xiberlie- 
ferungen,  deren  ausdauer,  selbst  in  unscheinbaren  ziigen, 
dadurch  bestatigung  empfiingt,  aufzuweiseu.  an  sich 
geringfiigiges  gewiunt  sclion  werth  uach  solcheu  ver- 
gleichungen  weit  abstehender  zeiten. 

Uoch  ich  breche  diese  betrachtungen  iiber  den  in- 
halt  der  herausgegebnen  gedichte  ab,  ida  es  mir  ange- 
legner  ist  hier  noch  ihre  form  zu  erwagen. 


ed.  Colveiier,  Duaci  1627  p.  456.  457  ist  gedacht  des  'cantus  tur- 
pissimus  de  beato  Martino ,    plcnus  luxuriosis  plausibus  per  diver- 
sas  terras  Galliae  et  Teutoniae  promulgatus;'  doch  wol  in  latein. 
*)  Ven.  Fortunatus    ad   Bertechramnum   episcopum   (burdega- 
lensem)  ed.  mogunt.  p.  89 : 


XIX 


Den  drel  grofseren  liegl  der  hexameter  znni  grund, 
wclclier  im  Rudlieb  und  der  ecbasls  gewolinlich  aucli 
leoniniscli  -vvird.  Das  zwolfte  und  dreizelinte  jli.  zielien 
die  elegisclie  verbindung  des  hexanieters  nilt  dem  pentame- 
ter  vor ,  selbst  fiir  die  blofse  erziihlnng,  wie  Isengrimus 
und  Reinardus*)  zeigen.  dafs  aucli  der  luparius  beiderlel 
vcrse  Iiat,  widersprlclit  vielleicht  der  annabme,  INIarbod 
babe  ihn  verfafst  (s.  307),  dessen  grofseres  gedicht  reln 
hexametrisch  ist.  Wenigslens  scheinen  die  latcinlschen 
dichter  in  Dcutscbland  um  die  ieit  des  zehnten  jh.  vor- 
zugsweise  dem  hexamelcr  zu  huldigen  ,  aucli  bci  Abbo 
lindet  er  sicb,  IJrosuilh  bat  clcgiscbes  mafs  nur  in  ei- 
nem  ihrer  gedicbte,  abcr  grade  dcm  ausgezelchnelslen, 
dem  Gangolf.  der  altere  aquilaniscbe  Ermoldus  Nigel- 
lus  wahlte  es ,  gleich  dcm  noch  friihercn  Venanlius  For- 
tnnalns  fiir  scine  gcNVubnlichen  kiirzeren  gedichte,  wiih- 
reud  dieser  in  der  vita  IMartlni  den  langeren  flufs  dcr 
erzahlnng  hexaniclriscb  anshalt.  Die  verse  des  M\illha- 
rins,  diinkt  micb ,  sind  gescbickter  gebiklet ;  beide  an- 
dere  dlchter  zwangte  daneben  aucb  dcr  relm ,  doch  bat 
dle  ccbasis  hin  nnd  wieder  einige  nicht  unebne  bexa- 
mctcr.  die  spracbe  dcs  balriscbcn  mtinchs  ist  dafiir  zu 
eisenlhiimlicb  und  selbslandig.     Icb  habe  den  fiinffiifsler 


Per  loca,  per  populos,  j>er  ccmpita  cuncta  videres 
Currere  versiculos,  plebe  favente,  tuos. 
*)  icli  kann  niclit  uniliin  vorliiufig  eine  entdeckung  Laclimanns 
iiber  den  bislier  unbeknnnten  dicliter  des  Ueinardus  niitzutlieilen. 
die  berliner  bibliotliek  besitzt  ein  ms.  der  flores  auctorum  (Reiiib. 
s,  LVIII)  aus  dem  U  jli.  (nis.  Diez.  occid.  60),  worin  von  fol. 
5a  an  excerpte  aus  Reinardus  mit  der  rubrik: 

Magr    niiiardus    de    ysengrino    et    reinardo. 
wo   lci)te  dieset  rnogister  Nirardu.s?  bis  jetzt  weigert  die  belgisclie 
und  iiordfranzosisclie  literargescliiclite  alle  auskunft. 

b  ''- 


\x 


ecb.  286  gelassen ,  weil  er  dem  verfasser  entschliipft 
sein  konule,  sonst  ware  leichl  zu  bessern  : 

Hunc  niorem  repelam,  nunc  ad  mea  prlsca  recurram. 

Verletzungen  der  quantitJit  konimen  vor.  iTve  im 
begiun  des  verses  hatle  viellcicht  Wallh.  1053  sollen 
geduldet  \>'erden;  ich  wagte  sogar  Rudl.  4,  56  btTves 
(fiir  boves)  zu  erganzen ,  deun  welches  andere  haus- 
ihier  kcinnte  zur  tranke  gefiihrt  werden ,  da  schafe, 
ziegen  und  schweine  genannt  sindl'  auch  mochte  der  dat 
bobus  (freilich  slalt  bovibus)  verfiihren.  3,  199  offeu- 
bar  bona  fiir  bona.  spera  Walth.  1152  fiir  sphaera, 
sperulae  Rudl.  3,  366  fiir  sphaerulae  lafst  sich  soust 
nachweisen  *),  ecb.  682  wird  sperula  scandiert  =  sphae- 
rula:  der  Baier  kiirzt  auch  aenesis  in  enesis.  dagegen 
ecb.  70  septlma  fehler  fiir  septima.  ganz  hergebracht 
im  miltellateiu  ist  dle  production  der  penulllma  iu  mu- 
lieri,  mulierem ,  mulieres  Walth.  324.  560.  Rudl.  3, 
387.  462.  487.  7,  34.  15,  14.  Abbo  1,  182.  Facelus  59. 
]Marbodus  de  gemm.  281.  518  und  Hrosuith  durchge- 
hends.  Entschuldlguug  verdient  die  verlangerung  kur- 
zer  vocale  in  der  caesur  bei  Fromund  und  IMalclujs, 
zumal  des  a  der  nomiuatlve:  Rudl.  1,  28.  31.  46.  77. 
138.  141.  2,  46.  84.  137.  158.  229.  247.  3,  1.  2.  8.  9. 
78.  115.  175.  193.  194,  199.  311.  320.  325.  342.  344. 
362.  369.  398.  454.  458.  470  und  durch  das  ganze  ge- 
dicht,  beinahe  gleichoft  in  der  ecbasis :  37.  41.  105. 
168.  221.  272.  390.  394.  428.  466.  470.  576.  627.  651. 
696.  814.  818.  934.  947.  952.  986.  994.  1026.  1028. 
1139.  nirgeuds  im  Wallharius  und  bei  Hrosuilh ,  wol 
aber  nicht  alleiu  bei  spalereu,  z.  b.  Saxo  granim.  35,  51 


*)  Prudentius  in  apotlieosi : 

Cujus  ad  arbitrium  spliera  mohiiis  atqne  rotunda. 
und  Walafrid  p.  252 :  declivique  spherara  loco. 


XXI 


iind  liaiiflg  Gollfried  von  Vilerbo,  sondern  aiicli  bei 
altereu  ,  vvie  z.  b.  Dracontius,  ja  liin  uud  wieder  schon 
bei  classikern ,  z.  b.  Statius  Theb.  12,  303.  Ovid  ars 
ani.  1,  511.  In  alinlichem  fall  erfolgt  production  des  e 
zumal  der  iufinilive  und  vocalive  Pvudl.  1,  5.  82.  85. 
2,  15.  37.  50.  73.  131.  143.  150.  201.  204.  3,  4.  71. 
252.  384.  560  u.  s.  vv.  etwas  sellner  in  der  ecb.  70. 
99.  706.  Die  arsis  des  drillen  fufses  eilaiigt  durch  die 
ruhe  des  einschnitts  melir  gewicht  und  zieht  so  den 
kurzen  vocal  in  die  lange.  consonanlisclien  endungeii 
wie  er,  us,  it,  at  geschicht  selbst  iu  der  classischen 
melrilN.  nicht  selleu  ein  gleiclies.  Die  zweisilbigen  vers- 
schliisse  aureis,  aureum  (\"\'allh.  335.  1059)  sind  in  der 
ordnung,  vgl.  ballei  Virg.  Aen.  10,  495.  Nicht  aljer  die 
kiirzungen  des  ablativischen  o  der  gerundien  im  dacty- 
lus  des  fiinfleu  fufses,  welche  sich  alle  drei  dichter  ver- 
stalten :  recubaudo  sequcnles,  lolerando  laboreni ,  lu- 
dendo  praeire  (VYallh.  359.  425.  766);  dando  salutis, 
])ro[)erando  revisunt,  expandendo  crusenna  (Rudl.  2, 
55.  78.  5,  119);  duceudo  faligaut  (ecb.  1052);  \gl.  pur- 
gando  rcsolvit,  imilando  labores  (Marbod.  de  gemni. 
318.  503.)  *)  Correption  der  zweiten  silbe  des  wortes 
ecclesia  (eigentlich  —  w)  Rudl.  4,  106.  6,  107.  ecb.  857 
fiiulet  schon  bei  Venaut.  Fort.  p.  77  statt,  und  wird 
uoch  andre  gewahr  haben. 

Der  hauch  H  behauptet  in  deulschen  eigennamen 
die  einheimische ,  consouantische  scharfe  uud  verschmilzt 
meistenthcils  nicht  mit  dem  vorausgehenden  vocal,  oder 
eiuem   INI    uach    vocal :    uonuue    Hlltguut    (Walth.  36) ; 


')  im  zweiten  oder  dritten  fufs  rlciitig :  quae  simulando  spem 
^Riidl.  1,  58);  rufus  ridendo  (6,  22);  aber  sclion  Walafrid  iui 
funfteu  (p.  221): 

More  orbatorum  placidum  deflendS   patronum. 


x\n 


dala  Hagaiioni(1350);  iil  Hagano  (1328);  regno  HiTno- 
rum  (155);  *)  elapsuni  Haganonem  (123);  primum  Ha- 
gano  (119);  primatiTm  Herricus  (35);  pace  quidem 
Huni  (69);  landem  Hagano  (1421);  M  und  H  ^virken 
dann  position.  diesem  brauch  ziifolge  ist  auch  bei  ei- 
nem  lat.  wort  scandierl :  stantem  huic  (^Yalth.  406), 
wie  AB  gewahren,  C  suclit  zu  andern :  slante  hinc 
atque  inde.  Rudl.  19,  13  verslaltete  ich  mir  die  er- 
ginzung:  quam  hoc  (zweisilbig  unelidiert) ,  wer  sie  zu 
kiihn  fuidet,  mag  leseu  quam  et  hoc  oder  allenfalls 
quam  iUud.  Erm.  NigelUis  setzt  aurea  hostiola  (Pertz 
2,  505.)  Umgekehrt  wird  elidiert  ecb.  1185  qui  hos  = 
qu'o8;  Wahh.  477  ire  Haganona  =  ir'aganona  jubebat 
in  der  aufgenommnen  lesart,  es  hatle  auch  mit  B  ge- 
schrieben  werden  diirfen :  ire  Haganon  audebat.  Haga- 
nonem  imitetur  (129)  ist  Haganon'imitetur.  Dies  schwau- 
ken  gab  den  metrikern  neue  freiheit  **). 

Der  worlverstelhingen  im  Rudlieb  ,  die  bei  schnel- 
lem  lesen  das  verstaudnis  beeiutrachtigen ,  ist  s.  228  se- 


*)  autb  bei  Walafrid  ofter,   z.  b.  de  visionibus  Wettini : 
Atque   magisterio  Hettonis   traditur  ainii, 
elidiert  aber  p.  236  iii  einem  pentameter : 

Praemia  nos  meritis  veile  Heribaide  pntes. 
**)  wir  liaben  geselin,  dafs  der  einsclinitt  des  hexameters  kur- 
zen  vocal  verlangern  kann.  im  pentameter  bewirkt  er  sogar,  dafs 
der  auslautende  vocal  (oder  M)  von  dem  anlautenden  vocal  oder 
H  der  andern  verslialfte  gesondert  bleibt.  Hrosuith  hat  pentame- 
ter  wie  folgende : 

et  libat  tumulo   |   oscula  marmoreo. 
raptus  amore  suae   j    iiidomitae  dominae. 
conjunx  lasciva  |   affuerat  subito. 
und   Ven,  Fortunatus  p.  38,  75.  164: 

venit  ad  Iieredem  |  Iioc  opus  atque  locus. 
cingit  te  totum  |  liinc  liouor,  inde  favor. 
te  petit  illa  sibi    |  ,  haec  retinere  cupit. 


XXIII 


(laclit  wordeii  ;  sie  liegen  aber  iin  geschmack  dei  zeit 
und  zeigen  sich  auch  auderswo,  z.  b.  wenu  Ermoldus 
sagt  (Pertz  2,  502): 

x\d  hanc,  Ebo,  fidem  gentem  revocare  sludeto, 
mufs  construiert  werdeu :  hauc  gentem  ad  fidem  revocare. 
Auch  einzehie  'Nvorler  uud  besonders   eigennamen  durch 
zwischenschiebung  zu  trennen  liebt  Erniold: 

Er  uiodulata  tibi  conscripsit  carmina  moldus. 
Pertz  2,  523. 

Nort  quoque  franclsco  dicuntur  nomiue  manni 
das.  2,  501. 

Engilin  ipsc  pius  placido  tunc  tramite  fieim  *) 
das.  2,  504. 
Abbo  pflegt  que  niiltenhin  zu  driingen :  1,  361  ocqueci- 
dens;  2,  54  iuquesulas;  2,  187  inquesulam  fiir  occi- 
densque,  insulasque ,  iusulamque.  Derglelcheu  lafst 
slch  noch  vieles  saninielu  uud  niag  der  iiberkiinsllichea 
wortuntereinanderwerfung  altnordischer  scaldeu  an  seite 
gesetzt  vverden. 

Das  miltelalter  hegt  eine  enlschiedne  vorliebe  nicht 
blofs  fiir  hexauieler,  sondern  auch  fiir  gereimle  d.  i. 
kon/niscJie ,  welche,  obschou  unrichtlge  doch  allgeutein 
verstandllche  und  gefiige  benennung  ich  beibehalle.  der 
schlufs  des  vcrses  halt  reim  niit  der  hauptcaesur,  also 
meistenlheils  der  ersleu  silbe  des  dritlen  fufses. 

Derglelchen  reime  lassen  sich  nun  bereits  aus  clas- 
slschen  dichtern  aufzelgen ,  aber  nur  spurweise ,  luid 
elnigenial  in  absichlllcher  forniel,  z.  b.  in  Vlrgils  i)hai'- 
maceulria  80  wo  das  auf  Ilquesclt  relmende  durescil  je- 
doch  die  erste  und  zweite  silbe  des  dritlen  fufses  fiillt.  bei 
spateren  dlchlern  hiiufigcr,  z.b.  Claudlan  iu  Prob.  el  01}  br. 
93.     Flava  cruenlarum  praeleudilur  umbrajubarum. 


*)  aiso  Ikiui  ,  zweisilbig. 


XXIV 


102.     Saiicia   dividuis    clarescunl  mibila  sulcis. 

142.  Sunt  njiiii  pubenles  allo  de  seniine  fralres. 
:n  des  Ausonius  INIosella  sind  die  verse  273.  276.  279. 
282.  286.  288.  304.  305.  321. 'leoninisch.  uicht  wenige 
findet  man  bei  TertuUian ,  Sedidius,  Draconlius  u.  a., 
nur  ininier  vereinzelt  und  nicht  ini  ganzeu  gedicht 
durcligefiihrt.  Uberhaupt  aber  sind  sie  doppellcr  art, 
iudem  sie  entweder  die  caesursilbe  alleiu  oder  auch  die 
vorausgehende  zweite  des  zweilen  fufses  ergreifen ,  je- 
nes  in  dividuis  :  sulcis,  dieses  iu  cruentarum :  jubarum 
erslere  deu  stumpfeu ,  letztere  den  klingenden  rei- 
meu  vergleichbar.  jene  lindeu  sich  haufiger  und  uuge- 
sucht  schou  bei   classikern. 

lu  Deutschlaud  erscheiueu  leoniuische  verse  gleich 
mit  dem  begiuu  der  lateinischeu  dichtkuust,  und  sind 
die  liebliugsforni  der  monche  vom  neunteu  bis  zum 
fuufzehnteu  jahrhuudert.  dichter ,  welcheu  es  gelaug, 
geuauer  iu  das  studium  der  classiker  eiuzudriugen,  such- 
ten  sich  zwar  des  fesselnden  reims  oft  zu  entledigen 
und  ihre  hexameter  ohne  ihu  zu  bauen ;  sellen  aber 
setzeu  sie  das  vollig  durch  und  fast  iminer  laufen  leo- 
uinische  dazwischeu.  iu  ihnen  ergeht  sich  die  kloster- 
poesie  am  behaglichsten  uud  ihre  feierlichkeit  fordert 
sie,  daher  inschriften  fiir  graber  und  glockeu  ,  kleinere 
spriiche  *)  uud  memorabilieu  fast  nur  in  ilineu  verfafst 
wurdeu.  sie  toueu  auch  uicht  selten  klangvoll  und 
prachtig.  Von  Hraban  und  Walafrid  Strabo  ha- 
beu  sich  mehrere  erhalten  ,  docli  in  des  lelztgenannten 
liortulus  bililen  sie  weit  die  minderzahl  (1.  3.  17,  31. 
37.  43.  44.  47  u.  s.  w.) ;  auch  iu  dem  laugeren  gedicht 
de    visionibus    Wetlini.     Leouine    des    stralsburger    Er- 


*)  es  sel  nur  an  die  iimsclirift  anf  Hen  siegeln  frankischer  und 
schwabischer  konige  als  rOmischer  kaiser  erinnert: 
Ronia  caput  mundi  regit  orbis  frena  rotundi. 


XXV 


kenbaltls  (Waltli.  s.  61)  sind  beiRonigsLofeii  s.491.492 
zu  lesen ;  vom  vleiien  Eckeliard  wird  ilirer  ein  ganzer 
codex  (u^  393)  zu  Sanclgallea  aufbewalirt  (Perlz  2,  54)> 
aus  ■Nvelcliem  die  rliythmi  (riclitiger  versus)  de  sancto 
Otmaro,  welche  er  als  knabe  nacli  Nolker  Labeos  dic- 
taten  geferligt  hatte,  bei  Pertz  2,  55-58  gedruckt  stehn. 
die  casus  sancti  Galli  hebeu  hin  und  wieder  andere  im 
zehnteu  jh.  gedichtele  aus  (Perlz  2,  90.  91.  119.  122), 
^vorunter  auch  einzelne  unseres  alteren  Eckehards.  darf 
er  fiir  den  hauplverfasser  des  Waltharius  gellen,  so  ist 
cr  ihnen  in  dieser  grofseren  dichtung  ziemlich  ausge- 
wichen  ,  docli  schleichen  sich  manche  ein  (28.  64.  157. 
158.  159.  163.  170.  185.  202.  206.  217.  220.  221.  224. 
233.  236.  237.  230.  242.  243.  246.  250.  255.  260.266 
u.  s.  w.),  soU  man  glauben  aus  nachlassigkeit  oder  zu 
vermeiutem  schmuck?  in  Geralds  prolog  herschcn  die 
leonine  merklicher  vor,  und  fasl  mcichte  man  schliefsen, 
dafs  die  iiberarbeilung  sie  heruach  zu  tilgen  geslrebt 
hatte,  wievvol  aiich  der  widmung  sorgfaltigerer  aus- 
druck  sie  kouute  al)sichtlich  gehauft  haben.  Im  Pvud- 
lieb  sind  fast  alle  verse  leoninisch  '*)  ,  doch  mit  vielen 
freiheiten  fiir  vocale  luid  consouanten ,  dcnn  auch  ver- 
schiedne  vocale  binden  sich  (4,  61.  66.  68.  83  u.  s.  w.) 
und  durch  einzelne  consonanten  meiir  oder  weniger 
wird  uichts  verschlagcn ;  beispiele  auf  allen  blalteru. 
Fast  ebeuso  in  der  ecbasis,  neben  elwas  streugeiem 
reim ;  die  eingeschalteleu  horazischen  verse  macht  ge- 
wohnlich  schon  der  inangelnde  kenullich  *'•"'),  luid  ilui 
lierbeizuziehen  miissen  sie  sich  eiuigemal  abandem  las- 

*)  der  reitn  felilt  z.  b.  4,  62.  73.  6,  4. 

")  aucii  darum  siiid  die  s.  318  angezogncn  verse  593-95, 
TOO.  721.  22  sciiwerlicli  des  verfassers.  723  ist  nacli  Ovid  met.  1, 
11,  verandert,  wo  es  lieifst: 

Nec  nova  crescendo    repnrabat  cornua  Plioebc. 
698  ist  aus  Virgils  Aen.   12,  677. 


XXVI 


sen,  auderemal  bot  der  Romer  selbsl  schon  den  slumpfen 
reim,  z.  b.  119.  142.  155.  162.  186.  214;  den  leoiiin 
zierl  vorzugsweise  der  volle,  klingende.  Ungefahr  wie 
IMalchus  hiilt  es  Hrosuilh,  auch  bei  ilir  sind  klingreime 
weit   sellner  als  bei   Fronnind  *). 


*)  fiir  die,  welclie  andere  gleiclizeitige  und  jiingere  leonine 
vergleiclien  miigen ,  sclireibe  icli  nocli  beispiele  lier.  Tliietniars 
von  Merseburg  (f  1018)   prolog: 

Pson  adscribatur  niilii ,    si  qnid  in  lioc  variatur 
Libro  vel  desit,  testis  cuni  parvuius  adsit  etc. 
eine  urk.  von  1051  bei  Scliaten  1,  543  liat  auf  die  dreieinlieit  die- 
sen  vers: 

In  deitate  patris  proli  sit  lionor    generalis, 
In  nutu  nati  decus  vel  sapientia  patri, 
In  vi  paraclisis  virtus  sit  utriusque  perliennis. 
Die  nomina  volucrum  ,    ferarum    etc.    (altd.  bl.   1,  348)  sind  leoni- 
uiscli  und  vielleiclit  sclion  im  10  jli.  entsprungen ,  denn  bis  ins  11 
reiclien  die  hss.  (vgl.  s.  322.)     Von  Catos  leliren  gibt  es  wol  melir 
als  eine  leoninisclie  bearbeitung,  die  iiltere  wird  Marbod  (opp.  col. 
1634)  beigelegt,    wozu    neulicli    Eadliclier   (codd.    vindob.   1,   173) 
supplemeiite  herausgegeben  liat;   eine  niclit  viel  jiingere  mit  lauter 
klingenden  reimen  stelit  in  einem   linzer   cod.    des    12  jli.    (HoflTm. 
fundgr.  2,  105.)     bei    Marbod  de   gemniis    liersclien    sonst  reimlose 
liexameter ,  docli  mangelt  es  niclit  an  stumpfen  reimen   (7.  23.  32- 
46.  49.  54  etc),    selbst  nicht   an   klingenden    (93.    123.  247.  419. 
421.)     Macer  Floridus  (ein  dicliter  des  zehnten  jli.,  aber  kein  deut- 
scher)  hat    wenige    leonine    (106.    110.    156.    193.    194.    195.  225. 
226);  desto  hiinfiger  werden  sie  in   den  spuriis  Macri.     Unter  den 
60  hexametern  des   13  jli, ,  welche  eine  iibersetzung  von  Wolframs 
AVilhelm    versuchen    (Lachm.    varr.  XLlll.  XLIV),    erscheinen   die 
leonine   nur    mafsig.     Oie  Saxonia    des  eimbeker   und  goslarer  ca- 
nonicus  Dietrich  Lange  (Meibom  1,  806-812),    liat  meist  klingende 
reime ,  deren  einige  hier  folgen  miigen ,    weil   sie  der  verschiednea 
jahrhunderte  ungeachtet  (Laiige  ist  aus  der  zweiten  lialfte  des  vier- 
zehnten)  an  die  darstellung  iin  Rudlieb  erinnern : 
p.  806.  Non  est  exosus  populus  ueque  stans  otiosus  — 
Multi  barones  de  Graecis  nobiliores  — 
Hi  per  tres  stabant  turmas,    pariter  properabant  — 


XXVII 

Wie  niin  in  der  classisclien  poesie  die  liaiiptcaesur 
ilire  libliclie  stelle  verlassen  kann,  so  ruckeu  iiiit  ilir 
auch  die  reinie;  es  geniige  liier  die  vYiclitigsten  fiille  an- 
zugeben. 

Seltner  ist  der  reim  sclion  auf  die  Lebung  des 
zvveiten  fuCses  gelegt,    ecb.  1221: 

Laus  doimntj  qui  nie  salvarat    dente  lup/Wo, 
wo  Froniund  leicht  geschriehcn   lialle : 

Laus  qui  lue   doniino  salvarat   denlc    hipiiio. 
llaufiger  auf  die   licplhcmiiiieris ,    d.  i.    die    hebung    des 
vierten,  z.  b.  WaUli.   1304: 

Hic  rex  Guntharius  coepfilm  niedilalur  ineptiiin. 
ecb.  566.  833: 

Accelerare  palatinJm  quod  conderel  aulaw. 

Dum  rapit  liunc  judaea  nian2<5  bene  conscia  cuj/ir^. 
RudL  1,  10.  70: 

Seu  bello  seu  vena/ji  seu  quolibet  ac/fi. 

Ut  non  deseruisset  sc  nolitve  perire. 
Hrosuitb : 

Francorum  genlis    dominoi-  praeuohilis   ahno*. 


Graeci  blavotas  volucres  tunc  non  bene  notas, 
Falcones ,  nisos,   velut  res  (?  volucres)   non  antea  visos 
Huc  apportabant ,  ad  terram  dum  properabant. 

p.  807.  Suntque  pliilomelae  (1.  pliilonienae)  jain  Cliristi  numine  plenae, 
Jsam  voiucres  tales  sistunt  Cliristi  moniaies  — 
Est  et  avis  kivit,  quae  beilat  quam  cito  vivit  — 
Non  est  in  mundo  volucer  volitans  ut   liirundo  — 

p.  808.  Agricultura  dant    centesies  sua  jura. 

Zuletzt   nocli    die  weit    alteren   des  Langobarden,    der   den 

prolog  zu  Rotliars  gesetzen  abfarste: 

Est  error  spretus ,   quo  langobarda  juventus 
Errabat.    verum  loquitur    nunc   pagina   sensum 
Edicti,  rectis  quod  strinxit  Rotliar  lialtenis. 
Walcausus  meritiis,    ()uem  laudat  scriba  disertus, 
rsoslrorum  regum   suut  liinc  exordia  legum. 


XXVfll 

Bei  so  weit  nacli  hinlen  geschobnem  rcini  pllegt  aber 
auch  wol  einer  zugleich  die  arsis  des  zweiten  fulses 
einzunehmen,  so  dafs  sich  dann  drei  vvcirter  im  verse 
binden,  Wallh.  prol.  p.59;   Rudl.  6,  3.  7,  11;   ecb.  658: 

Ludendji'//?  niagis  est  doiniuum  quam  sil  rogiland»//?. 

Poenilc«7  vel  eum  rugik/7  mala  quae  facieb/i/. 

Et  \evhiim  profert  plen/////  ceu    pollinis   o\iim. 

Ponia  velu/7,  niiranda   candf ,   sed   amigdala  [^ondl*). 
Abbo    t,  343   niil   unreiniendeni  schlurs : 

Ergo  cvn  regina  pol/  componere  quibo. 
INlinder  schicklich  legt  sich  der  drei  reinie  ersler  auf  die 
ihesis  des  ersten  fufses,    ecb.    601: 

Tam  cito  se  sociare  toro  nec   jungere  disco, 
oder  auf  die  senkungen  des  zweiten  luid  vierlen,  ecb.  813: 

Condolui  tib/,    non   parcens  mih/ ,    cougrua  vex/. 
Am  ungiinstigslen  wirkt ,  wie  niich  diinkt,    die  theilung 
des  hexamelers  in  zwei  genaue  hiilften,  wo  reiche  reime 
den  dritten  fufs   gerade  wie    den  sechslen    fiillen,   sogar 
iu  den  zweilen   und  fiinflen  niilreichend,  ecb.  232.  471: 

]Me  circumvoIi///i/i//^,  dente  sed  asperi/«7/a«/. 

Totus   conlic»//  gri-x,  atque  crucis  siluit  lex. 
gehoren    liierher   auch,    ohne    reichen   reim,    und    ganz 
stumpf,  aus  Puidl.   I,  47,  9,  4? 

Nou  abscondere  quil  w  quin  hanc  mox  reperire/ 

Ex  illa  sit  quem  di:  fonle  levaveris  inqu<^. 
Folgende  beide  sind   luiter  einauder  ahnllch  gebildet,  Je- 
doch   verschieden,     dercu    halflen    jede  eigens    fiir    sich 
reimen,  Kudl.  6,  56.  ecb,   158: 

Fiscib//5  ut  cili//5  vorer  aut  diris  cocodrill/A- 

Quid  calid/////  gelid///// ,    donuno/7/m    quid  famulo//////. 

')  virgilianisclien    verseii  vergieiclibar  wie  : 

Congredior,  fer  sacra  pater,  et  concipe  focdiis. 
\vo  die  zweite  silbe  voii  patcr  durcli  den  eiudruck  der  caesur  pro- 
diiclioa  crlaiirt. 


XXIX 


Da  die  caesur  anslofsende  vocale  oder  ]M  und  vocal  vor 
elision  schiitzt  (s.  XXII)  ;  sowirdaus  gleichem  gruud  der 
reim  auf  dem  vocal  oder  dem  M  ruhen  diirfen ,  wenn 
sclion  vocal  folgt ,  Hrosuilh  : 

Exoplans  vel  summafim  atlingere  saliim. 
doch    Rudl.  3,    82  trift  der  abschnitl  nicht  liinter  quin- 
deni ,  sondern  onagri,  und  man  scandiere: 

Et  bis  quinden'  onagri  tolidemque    cameli, 
weshalb  hier  nur  einfaclier  reim. 

Dem  hexameler  widersteht  zerschneidung  in  zwei 
gleiclie  lijilften ;  dem  peniameier  ist  sie  wesenllich  ,  indeni 
drillhalb  fiilse  jeden  seiner  iheile  bilden.  Seiuc  caesur 
bietet  sich  also  dem  reim  noch  naliirlicher  dar,  als  die 
des  hexametcrs,  und  in  mittellateinischen ,  elcgisclies 
niafs  liallenden  gedichlen,  z.  b.  dem  Gangolf  der  Ilrosuilh 
trift  man  ihn  fast  allenthalben ;  jiingere  beispiele  gewah- 
ren  die  Reinli.  s.  416  If.  abgedruckten ,  ziemlich  rohen 
gedichle  luid  der  raparius  (kinderm.  3,241.)  Doch  l»a- 
ben  ihn  altere  pentamcter,  wie  Hrabans  und  Fortunats 
sellen  ,  ebenso  wenig  die  spateren  des  12  und  13  jh., 
z.  b.  im  Reinardus.  In  Deutschland  mindestens  hat  sich 
der  leoninische  reim  vorzugsweise  dem  hexameter  zu- 
gewandt. 

Aus  den  bisher  gepflognen  untersucliungen  sleigt 
nuu  die  weitere  und  anziehendere  frage  hervor  nach 
dem  verhallnis  dieser  leoninischen  verse  zu  der  natio- 
nalen  weise  unserer  deulschen  poesie  selbst,  die  auch 
ihrerseits  auf  die  lateinische  einflufs  geaufsert  haben 
konnte? 

Durch  Lachmanns  erorterung  der  allhochdeutschen 
belonung  und  verskunst  ist  die  bahn  gelichtet  worden, 
auf  welcher  hier  vorgeschritten  werden  mufs.  er  hat 
aus  beobachtung  der  mittelhochdeulschen  gedichte  ein 
gesetz  der  hebungen  und    senkungen  entdeckt,  das  auch 


XXX 


tlen  altliochdeulsclien  sclion  zum  griincle  liegt ,  und  auf 
deni  accent,  wie  das  nielrum  der  classischen  dichler 
aiif  der  quantitat ,  beides  unabhangig  von  reim  und 
alUteralion,     die  jedoch  liinzutreten   konnen,  beruht. 

Dals  der  deulsche  vers  blols  rbylhmiscli,  nicht  me- 
trisch  gebildet  werde,  erkannten  bereils  die  sanclgaller 
mOnche.  ihre  casus  erzahlen  (Pertz  2,  91),  wie,  unge- 
fahr  im  jalir  917,  am  tage  der  unschuldigcn  kinder, 
nacli  altem  gebrauch  ,  biscliof  Salon)on  von  den  schii- 
lern  scherzhaft  zum  meister  gewahlt  wurde  luid  die 
knaben  sich  nun  mit  lateinischen  spriichen  bei  ilim  los- 
kauften:  'parvuli  latine  pro  nosse,  medii  nVimice,  cae- 
teri  vero  metrice  .  .  .  illum  affantur.'  die  jiingslen  bracli- 
ten  nichts  als  lateinische  prosa  vor,  die  mittlern  be- 
tonte  verse  (nach  deutscher  arl) ,  die  erwachsnen  nie- 
trisch  gemessene.  ein  paar  dieser  letztern  werden  zur 
probe  angefiihrt,  hexameter  mit  leoninischemVeim ;  man 
sahe  gern  auch  eiuen  der  rhylhmischen ,  wahrschein- 
lich  ebenfalls  gereimten ,  verse  milgetheilt.  doch  die 
geistlichkeit  schatzte  nur  das  melrische  dichteu  (vgl. 
Waltharius  s.  58)  und  liels  sich  die  rhythmische  iibung 
nebenher  gefallen. 

Es  haben  sich  aber  sonst  solche  lateiuische  rhylh- 
men  erhalten ,  nanientlich  das  aus  dem  verlomen  alt- 
deutschen  liede  Rafperis  getreu  von  dem  vierten  Ecke- 
hard  in  latein  iibertragne  gedicht,  welches  hier  aus  je- 
ner  sangaller  hs.  393  pag.  247  eingeriickt  werden  mag, 
weil  bei  Pertz  2,  33  nur  davon  die  zehn  ersten  zeilen 
stehn  *).  Ratperls  lebenszcit  fallt  in  deu  ausgang  des 
neunten  jh.,  die  des  iibersetzers  in  das  erste  drittel  des 
eilften  (Waltharius  s.  57.)     die  rubrik  lautet  so  : 


*)   ich  verdanke  die  genaue  ahsclirift  wiedernm  meinem  frennde 
Joseph  von  Latsherg. 


XXM 


Ratperlus  nionacluis  ,  Notkerl,  qnem  in  sequenllis  nil- 
ramur,  condiscipulus,  feclt  carnien  barbarlcum  populo 
in  laudem  sancli  Galli  canendum.  quod  nos  multo  Im- 
pares  homini,  ul  tam  dulcls  melodla  latine  luderet,  quam 
proxlme  potuimus,  in  lalinum  transtulimus.  nun  das 
lied    selbst. 

t     NiMic  inciplendum  est  mihi  magnum  gaudium. 
Sanctiorem  nuHum  quam  sancliun  unquam  Gallum 
IVIIsIl  fillum  Hibernla ,   receplt  palrcm  Sueuia. 
Exultemus  omnes,   laudemus  Christum  pariles 
Sanctos   aduocantem  et  glorificantem. 

2  i^ursu  pergunt  reclo  cum    agmlne  collecto, 
Trla  tranant  marla ,  celeuniant  Cluislo  gloria, 
Columbanus,  Gallus,   INIagnoaldus   et  Theodorus, 
Chlllano  soclo,    post  functo  sacerdotio, 

Gallos  peruagantur,    Francls  immorantur. 

3  Jrienouanl  Luxouium  in    Chrlsli  caulas  ouium, 
Passi  mocho  uarias  Brunhildis  et  insidias, 
Tristesspernunt  FrancIam,conlendunt  etlnSueuiam, 
Castro  de  Turegum  adnauigant  Tucconium, 
Docent   fidem  gentem ,  louem  linquunt  ardentem. 

4  JL  ucconio  ingrato  hinc  excommunicato 
Uadunt  in  dlrectum  ,  examen  ut  collectum, 
Qugrunt  aluearia  temptantes  loca   uaria, 
Arbonam    per  lacum    aduolllant  potamicum. 
CoIIIglt  TJuilllmarus  illos  Chrislo  carus. 

5  JTerglt  hlnc  Brlgantium  grex  gentes  baptlzantlum. 
Columbanus  amplum  hlc  Chrlsto  sacrat  templum, 
Docet  paruum   clerum  cantare  deum  iierum. 
Latrones  et  duos  occidunt  fratres  suos, 

Fugit  mox  Italiam ,  terram  procul    aliam. 


2,  4   iiber   den    worten  Chiliano   socio   mit  rotlier  sclirift:    sic 
iii  teutouico  caiiitur. 


XXXTI 


6  Gallus  infirmalur,    ab  uia    relardalur, 

Cui  inandat   niolus  quod  reslet  Columbanus, 
Missas  numquam  celebret  se  uiuum  quoad  sciret. 
Repetit  febricitans  Arbonam,  Chrislum    supplicans 
Egros  alleuanlem ,  faciat  se  ualentem. 

7  Jrresbiter  Christo  carus  dat   leclum  Uuillimarus, 
Conualescens  Gallus  siluarum  fit  mox  auidus. 
Dux  fit  Hiltibaldus,  occurrit  locus    commodus, 

^    Clamant  damna  dgmones,  retentant  Gallum  uepres, 
Diaconus  accurrit,   lapsaus  illum  distulit. 

8  (jallus  forle  psalmum  in  ore  tenet  ahnum : 
Requies  hoc  est  mea  per  Sf^culorum  spcula, 
Semper  hic  liabiiabo,  deiun  meum  inuocabo. 
Hihibalt  percare   iam  noli  me  uelare, 
Libet  sic  iacere ,  noli  suslinere. 

9  Instat  tandem  triduo  uir  domini  ieiuuio, 
Consecrando  locum  litabat    uota  precum, 
Fit  ambobus  ardor,  procumbit  omnis  arbor, 
Regnat  uis  ilammarum   condensa  per   siluarum, 
Infert  ursus  truncos  igui  passini  aduectos. 

10  "anem  Gallus  bestie  mirando  dat   modesti^, 
Mox  ul  hunc  uorauit,   in  fugam  festinauit 
lussa  siluis  cedere  ,    hic  nullum  posl    hac    l^dere. 
Diacon  iacebat  soporans  et  uidebat, 

Qua  uirtute  Gallus  pollet    dei  famulus. 

11  riinc  de  loco  dgmones  abegit  et  serpentes, 
Ducis  sanat  filiam ,  quam  salan  uexat  rabidam, 
Exit  ore  toruus  colore  tamquam  coruus, 
OlFert  Gallo  dona  pro  mente  uirgo  sana, 

Que  dispersit  sanclus,  dedit  et  pauperibus. 


7,  2  fiir  siluarum  am  rand  die  correctur   deserti. 

8,  5  iiber  sustinere:  uel  subleuare. 
10,  3  es  stelit  c^dere. 


xxxiri 

12  Op'^"'  illiim    popuhis  pontificem  et   clerus, 
Qiiissacranduni  proprium  lohannem  dat  discipulimi, 
Hinc    superno   numine    in   moutis  stans   cacumine 
Spirilum  abbalis  locandum    cum    beatis 

E  conspeclu   terro    angelos   uidet  ferj  c. 

13  Uolum  mox  inliibiUim   post  patris    litat    obitum 
Gaudet  pisce   magno   pelroso    caplo  slagno, 
Trabem    breuiorcm  dat  prece    longiorem, 
Peigit   hinc   ad   caslrum  ob   Michahelis  feslum, 
Egit  missas  more  .  spiritus  tonat  ab   ore. 

14  xLjgrotat  iu   castro  eleclus  deo    nostro, 

Posl  lleliim,  post  gemilum  defungens  efllal  spirilum, 
IMichahel   fidelis  locauit  hunc  in  colis, 
Accurrit  episcopus  Ilens  ad  magislii  corpus. 
Caligas  eius  induit  claudus  et  exiliit. 

15  Cjorpus  est  nudatum  ,   ut  solet ,   ob  lauatum, 
Pienes  et  sacralos  niiranlur  uulueratos, 
Capsam   cKiusam  panduut  calenam  et  offendunt, 
Cruore    perfusum   horrebaut  et   cylicium, 
Clamant,    o  felicem   suimet  caruificem. 

16  -tj(|uis   liinc  indomitis  sacratum   corpus  marlyris 
Prgsul  in»ponebal ,  infreues   et  laxabat, 
Currunt  iu  direclum  ad   cello   palris  tecUnn. 
Sequitur  cum  clero  lohannes  alque  populo, 
Kyrieleison  clamaut  et   delletum  tumulant. 

17  lohannes  noli  flere ,  magistrum  crede   uiuere. 
Uiuit ,  inquam ,  Gallus,  bealior  iam  uullus, 
Uiuit  per  miracula,    dans  scutum  ad   obstacula, 
ludex  inter  dextros  sessurus  in  sinistros 

lu  tremendo  examine.     gloria  libi  domine. 
Beim    abdruck    sind    alle    in    der    handschrift    iiber  die 
fiinf  erslen  strophen ,  wechselnd  mit  rother  und  schwar- 

13,  2  petrose. 


zer  dlnle,  geselzlen  musicalisclien  zeiclien  Aveggeblieben, 
aus  welchen  sicli  wiedeikelir  der  niclodie  nacli  je  fiinl 
zeilen  klar  ergibl.  *)  auf  den  bau  der  einzelnen  verse 
selbsl  schcint  dies  strophisdie  verhallnils  keinen  ein- 
flufs  zii  haben.  In  Otfrieds  altdeutscheni  dichtwerke 
herscht  keine  solche  abtheilung,  es  zerfiillt,  v>"ie  die 
nanienspiele  der  widniungen  aussveisen  ,  ganzlicli  in 
slrophen  von   zvvei   langzeilen. 

Sonst  aber  ist  zwischen  den  olfrlcdischen  langzeilen 
iind  denen  dcs  Galluslieds  unverkeinibai  e  alinlichkeit, 
jede  halfte  zeigt  die  vier  hebungen  niil  den  ausgedriick- 
ten   oder  auch   fehlenden  senkungen.     Jiian   veigleiche : 

7,  3.  dux  fit  Hillibaldus.     occurrit  lucus  cuinmodus. 

IV.  23,  39.    antwurlila  Ifndu.  ther  l^eisor  ewinigo  tho. 
6,  2.   cui    mandat  motus.    quod  restet  Culumbanus. 

5,  3.  ducet  parvum   cle'runi.  cantare    deum  verum, 

V.  23,  20.  iillo    thio  scunf.    wio  wunnisiim  tliar  wJiri. 
II.  17,  2  luweraz  girali.    scal  salzan    wuroltdali. 

8,  5.  libet  sjc  jacere.     noii  sustinere. 

IV,  16,  2.  libar  e'inan  l\Ijngun.  sid  tho  thesen  thingon. 
nur  daJs  im  ganzen  die  zweite  lialfte  der  ersten  meik- 
lich  vonvlrgt ,  d.  h.  in  dieser  die  senkungen  ofler  man- 
geln.  soU  ich  es  Jiach  der  silbenzahl  ausdriicken ,  so 
lindel  sich,  dafs  die  zweile  halfle  haufig  aus  achl  und 
sieben  ,  sellner  aus  sechs  silben  besleht,  die  ersle  dage- 
gen  oft  aus  sechs  uud  siebeu ,  nienials  aus  acht.  Die  acht 
silben  verleiheii  der  zweiten  halfle  jambischen  klang: 

in  Chrisli  caulas  ovium 

silvarum  fit    mox  avidus 


*)  niclit  uiinierkwiirdig.  soilte  das  aufsclilufs  zn  bringen  ver- 
niogen  iiber  die  nocli  diinitle  zerlegung  mlid.  erziilileiider  gediciite 
Wolfranis  und  Hartmnnns  in  abselinitte  von  dreilsig  zeilen,  deren 
Jeder  ziitn  hpfiiif  der  recitatiou  fiir  sechs  pentaden  eingericlitet 
wiire  ? 


XXXV 


per  seculoinini  seciila 

quam  sataii  vexat  rabidam 

in  montis  stans   cacumine 

defungens    efllat    spirilum  *) 
die  seclis  silben  der  ersten  hiilfie  des  verses  Irochaischen: 

vadunt  in  direcliun 

docent  parvum   clerum 

regnat  vis  llammarimi 

inferl  ursus  truncos 

spiritum  abbatis 

gaiidet  pisce  magno 
oder  aucli  dcr  zweilen  : 

Francis  imnioranlur 

et  glorificanlem 

illos  Chrislo   caros 
wie  bei  0.  in   erster  halfte:     ilemes   nu     all^    J.    6,    15. 
in   zweiter:    ubar  burgi  sino  IV.   7,  81. 

thar  man  inan   pin«jt  IV.   7,  77. 
allerdings  scheint  die    schhifszeile    jeder    slrophe    sechs- 
silbige  halften   zu  liebcn 

sanctos  advocantem.     et  glorificantem. 
Gallos  pervaganlur.     Francis  immorantur. 
docl»   3,  5  Joven)  lintjuunt  ardentem  ;    4,  5   coUigit  Wil- 
limarus ;  7,  5  hapsans   illum   distulit   u.  s.  w.     schwcilich 
soll  9,  5    nach    der    lateinischen    regel    gelesen   werden : 
igni  pass'  adveclos,  noch  weniger  15,  3   caten'  et   olfen- 
duut.      synalophe,  uach  Otfrieds  weise,    ware  zuliissig: 
in  tremendo  examine  17,  5. 
Ein   versuch  lage    nahe ,    Ratperts    ganzes    lied ,     dessen 


*)  vgl.  O.  111.  18,  59:    so  er  uns  emmlzigen  duat. 
111.  18,  68:  tliaz  emmizigen  fniina  meid. 
111.   18,  72:  si  tlialitun  er  tlies  filu  forn. 

c* 


XXXVI 

aiisdrucken  der  iiberselzer  sichll^ar  aiif  deni  fufse  folgt, 
herziistellen ;   an   eiuigeni   sei  es  hier  gemig : 

i,  4.  frovvenies  nu  alle.     lobunle  Christ  giljch^. 
5.  der  die  wiJion  ladut.     joh   liarlo   niicliillichut. 

4,  2.  farant  gilicho  iii  riliti.  susu  b?ano   iiiipi. 

3.  iro  char  io  suochanlo.     ubar  al   oiili  llioganlo. 

4,  5.  samauut  Wilinari.     sie   Chrisle  lilii   liuri. 

5,  2.  Cohinibaniis  Nvilun.     dar  Chrisle  wihit  chilicliun. 
5,  4.  scachara  dur  zuene.     irslaliant  i^ruoder  sine. 

5.  iliuhit  paldo  in  Walholant.     fciro  in  anderaz  lant. 

7,  4.  wiofant  scadon   dursa.     haltaiit  Callon  dorna. 

8,  2.  scal  ih  lar  raNvun,      fon  ewon   unz  in   ewon. 

4.  Hiltibalt  liob  niaii.     ni  cliuri  niir  firbiolan. 

14,  4.  der  biscof  suello  liof.     zi  des  nieistres  lichi  wiof. 

5.  sino  liosun  ana  suanc.    ein  halzer  inti  dana  spranc. 

15,  1.   ward  diu  lih  intnachulot.   zi  wasganne  so  niau  tuot. 
2.  dio  heiligun  lancha.     sehant  se  all^  wunta. 

4.  jehant  saligon.     slnes  selbes  scarjon. 

16,  5.  kyrjeeleison  singant.     biweinotan  bifelhant. 

17,  1.  Johannes  ni  churi  weindn.  den  nieislar  wizzis  leb^n. 
2.  lebel  sageii  ih   dir  ein.     saligoro  nist   nihein. 

ich  habe  absichllich  der  ersten  halfle  iii  8,  2.  15,  4  fiinf 
silben,  in  17,  1  acht  gestaltet,  was  iin  lat.  text  uie  ge- 
schieht. 

Richten  wir  nochnials  den  gedanhen  auf  jenes  in 
der  canlilena  sancti  Galli  deutlicher  als  bei  Otfried  wahr- 
nelnnbare  vorwiegen  des  zweiten  halbverses  oder  kiir- 
zen  des  ersten  ;  so  scheint  sich  ein  nicht  unebner  ver- 
gleichungspunct  zwischen  der  blols  betonten  deutschen 
langzeile  und  der  anlik  geniesscnen  des  hexanieters  her- 
vorzuthun.  der  hexaineter  legt  die  hauplcasur,  wie  wir 
sahen,  noch  weniger  in  seine  niitle,  sondern  nach  der 
ersten  silhe  des  drilten  fufses,  so  dafs  zwei  ungleiche 
theile  entspiingen,  die  sich  wie  2Jt :  3,V  verhalteu.      Die 


XXXVII 

accenliuerle  langzeile,  obschon  in  jeder  lialfle  gleichviel 
hebungen  einschliefsend ,  pllegt  nicht  selten  der  erslen 
lialfle  seclis  silben ,  der  z^veiten  sieben  ,  oder  jener  sie- 
ben,  dieser  acht  zu  erllreilen,  was  elwa  den  verhaltnis- 
sen  3  :3.i  oder  3tt:4  enlspraclie.  die  silbenzalil  schwaukt 
zwischen  13  \nid  15;  der  hexameter,  zu  silben  berech- 
net,  vvird  aber  wenigslens  13  zahien  niiissen ,  nieist  15 
entlialten  inid  bis  zu  17  waclisen  kcMinen.  iui  tolalein- 
druck  treten  sicli  also  beide  versarten  uahe ,  und  es 
geht  gut  an ,  otfriedische  langzeilen,  deren  silben  freier 
laufen  als  das  lat.  Galluslied,  in  hexanieler  zu  waudeln, 
wie  aucli  schon  Lachniann  gesagt  liat.  ich  niochte  so- 
gar  annehnien,  dafs  unsre  vorfahreu  den  liexameter  be- 
giinstigten  ,  weilseine  hauplcasur  (uach  wenigstens  5, 
aber  auch  6  und  7  silben)  deni  einschiiill  ihrer  nalio- 
ualen  langzeile,  der  gerade  so  dcn  reim  enipfieng,  auiser- 
ordentlich  gleicht.  Insoferu  hatte  der  verfasser  des  Wal- 
tharius  leichtes  spiel  mit  deni  deutsclien  heldenlied,  das 
er  uachaliuite.  es  gibt  hexameter  im  Rudlieb  die  nian, 
wie  sie  sind,  ohne  alle  anderung  fiir  betoute  langzei- 
leu  liallen  diirfle,    z.  b.  6,  76: 

a  modu  uon  duniinani.   sed   me  dicant   huinicidani 
wenn  auch  in   zweiler  halfle  die  hebungen  anders   lallcu 
als  z.  b.  Ratpert  2,    4  : 

Cliiliano    sucio.    post  funclo   sacerdoliu. 
Kudl.  6,  88   uiit  gelilgtem  'aute': 

mater  et  ut  duminu.    slt  els  uec  lit   nove'rca. 
der    Irochaische    ausgang     huinicidain ,    ut    noverca    ver- 
slufst  gegen  die  deutsclie  betouuug.     diese  unahnlichkeil 
abgerecliuet ,    liefse  sich    auch  Wallh.    16   umselzen   in  : 

nauique  marem  geuuit.    c]uem  Guuthari  vocitavit. 
iiberhaupt  vergleichen  sich  viele  erste   halflen  der  hcxa- 
meter,  z.  b.  iudolis  egiegiae;   tempore  (pio    validis ;  lio- 
libus    iusinuaut ;    uomiue    AVallharium;    uud    auf    allen 


\X\V!U 

fall  erhellt,  >vie  nnmiltelbar  der  inliaU  nietrlscher  lang- 
zeilen  in  die  begrenzung  blofs  belonler  aufgenomnien 
•werden  konnte. 

Die  ganze  saclfe  gewinnt  nbcli  erliuhten  reiz,  wenii 
Avir  auf  den  zusammenhaiig  der  allhochdeutsclien  ge- 
reimten  mit  der  alteren  alliterierenden  langzeile,  andrer- 
seits  aber  mit  der  gesamten  mittelhochdeutsclien  vers- 
kunst  achten. 

Dafs  die  urspriinglicli  auf  blofsem  accent  beruliende 
laiigzeile  an  sich  weder  mit  deni  reim  des  anlauls  noch 
des  auslauts  zu  schaffen  habe,  wurde's.  XXX  gesagt.  sie 
kenut  nur  das  leichtere  band  der  belonung,  -wie  der 
liexameter  das  der  cjuanlitativen  messung,  nicht  die 
liistigere  keltc  des  reims.  wesenllicli  uud  gemein  ist 
beiden  aber  die  luhe  einer  die  zeile  fast  in  zvvei  hiilf- 
ten  theilenden  liauplciisur,  auf  welche  gerade  der  spa- 
ter  enlwickelle  reim  sich  niederlafst,  bis  er  alhiialich 
das  iibergewicht  erlangen  und  den  grundsatz  der  quan- 
litfit  wie  des  accent    beeinlrachligen  kann. 

Auch  iiber  die  hebungen  und  senkungen  alllterier- 
ter  verse  hat  sicli  die  lachmannische  forschung  sclion 
verbreitet,  und  muglichkeit  des  iibergaugs  alliterierter  in 
otfriedische  langzeilen  durch  eiu  vvirkliches  beispiel 
schlagend    dargelhan.  0.  I.   18,   0 

thar  ist  lib  ana  tod.  lioht  iina  finslri 
stammt  buchstablich  aus  der  alliteiMtionspoesie ,  sei  es 
niin  blofs  im  gediichtnis  iiberliefert  oder  gradezu  aus 
Muspilli  16.  17  enllehnt.  sogar  der  mangelnde  reim 
verkiindet  erborgung  ,  wie  in  der  ecbasis  bei  den  hora- 
zischen  versen. 

In  dieser  langzeile  von  acht  hebungen  und  nirgend 
anders  haben  -wir  den  iiralfen,  volksmiifsigen  i>ers  des 
deutsc/ien  helden/iedes  zu  suchen,  da?.  vvie  es  scheint,  bis 
ins  achte  jh.  seinen  schmuck   nus  der  alliteration.  nach- 


IIXIX 

lier  aber  aiis  deni  reim  entnalini.  ein  gediclit  voii 
Wallliari,  >vie  es  saugaller  moiiclien  noch  bekaniit  seiii 
koiinle,  nuifs  in  einer  von  beiden  weisen  erkliingen 
sein.  Wer  dcr  niilseren  veriindening  unseres  epos  von 
da  bis  ziini  scbliisse  des  zwoHlen  jli.,  weil  die  quelle 
versiegt  ist,  ini  gclste  nocli  nachspiiren  will,  hat  zweier- 
Jei  anzuschlagen  ,  die  niinderung  der  langzeile  um  zwei 
liebungen ,  iind  die  verlegung  des  reinis  aus  der  casur. 
Dafs  der  silbeiizahl  und  den  Iiebungeu  allnialicher 
abbruch  geschah ,  lafst  sicli  begreifen  aus  der  vorschrei- 
lenden  schwachung  und  sliimpfung  der  ableiluugen  und 
llexionen.  geselzt,  iiii  niunde  der  sanger  waren  alle 
einzelncn  ausdriicke  und  vvorler  einer  epischen  zeile 
treu  durch  den  lauf  der  jahrliunderte  forlgetragen  vvor- 
deii ;  vvie  viel  voller  und  niachliger  liaile  sie  im  neun- 
ten  als  im  zwolflen  jh.  lijnen  nuissen.  die  tradilion 
inochle  sich  liin  und  vvieder  auf  allerlluiniliche  fornien 
erslrccken  ,  das  gaiize  koniile  sie  niclit  vor  einer  gewis- 
sen  verdichlung  und  zusanimenschriiinpfung  bewahren. 
Der  allhochdeulsche  vers  weifs  vou  keinem  eigenllich 
klingenden  reiin ,  inir  voii  slumpfem;  den  klingenden 
begriindet  eben ,  dafs  bci  langer  penullima  der  accent 
dcr  letzlen  silbe  gescliwiichl  uiid  der  hebung  unfaliig 
wird.  eiiie  njenge  zweisilbige  leime,  die  bei  Olfried 
zwei  hebungen  Irugcn,  geslallelen  dei;  niittelhochdeut- 
schen  dichlkunsl  blofs  eine.  lii  don  Nibelungen  lial  dio 
langzeile  meislens  nur  sechs  hebnngen,  fiir  jeden  tlieil 
drei,  im  erslen  wirkle  der  klingende  einschnitt  auf  un- 
lerdriickung  einer  hebung  hin ,  beim  zweilen  forderlo 
sie  dann  die  durch  gesang  oder  recitation  bedingle 
gleichmafsigkeit.  nach  silben  bevechnet  (was  viel  uii- 
hicherer  isl)  wiirden  sich  gewohnlich  sieben  liir  die 
ersle,  fiinl  lur  die  zweile  halbzeile  finden  ,  also  jene, 
nicht  diese    vorherschcn.     dies    alle?    selzt    vielfache   an- 


Xti 


(lerungen  voraiis ,  iind  es  niiisle  iingcniein  scli^vierig 
scheinen ,  epische  langzeilen  des  dreizehnlen  jh.  niit 
seclis  hebungen  iimzuslellen  in  die  des  ncunlen  niit  acht 
liehunGcn.  Aber  nif.hl  zu  iibeisehn  sind  die  deullichen 
spiiien  vierter  liebungcn  sowol  iin  zweilcn  llieil  der 
vieiien  zeile  jeder  slrophe  (Lachni.  zu  ]\ib.  4o,  4),  als 
zu^veilen  auch  noch  iin  ersten  theil  fiir  alle  zeilen  (zu 
Nib.  118,  2.)  llegel  der  hofischen  inhd.  kunst  war  fvir 
jiUe  slumpfen  rciine  der  kurzzeile  an  den  vier  hebun- 
gen  festzuhalten ,  den  klingenden  aber  nur  drei  zu  ver- 
leilien  ,  so  dafs  der  stuni])fgereimle  vers  vollig  dein  ot- 
friedischen  ,  dcr  klingeiide  dein  des  Nibelungenliedes 
entspricht :  auf  sieben  zuriickgefiihit ,  vvird  die  slumpfe 
zeile  gewohnlich  aclit ,  die  klingende  sieben  zahlen.  ]n 
der  nlid.  poesie  ,  schon  seit  Ilans  Sachs  ,  hal  zwar  die 
slumpfe  zeile  aclit  silben  behallen  ,  die  klingende  liin- 
gegen  ncun  angenomnien,  ^vas  sich  noch  allgeineiner  so 
ausdriicken  lafst ,  die  kliiigeiule  zeile  pflegt  inimer  eine 
silbe  niehr  als  die  slumpfe  zu  enipfangen,  z.  b.  in  den 
iiblichen  jamben  jene  eilf,  diese  zehn  silben  zu  haben. 
nach  alid.  vveise  hiefse  das  der  zeile,  die  jetzl  klingend 
ist ,  eine  ganze  hebuiig  melir  zulegen  als  ilir  gebiihrt; 
aber  die  iin  mhd,  gewohnlich  anfgehobne  gleichheit  der  ]ie- 
buiigen  fiirbeiderlei  reime  wurde  dadurch  nhd.  hergcslelll, 
daraus  folgt  klar,  dafs  sich  die  iiilid.  ungleicliheit  der 
hcbiingen  lediglich  liislorisch  erkliirl ,  d.  i.  die  drei  he- 
bungen  des  klingenden  reims  miissen  zuriickgeleitet 
vverden   aiif  vier    ahd.   liebuiigen  *). 

IMit   diesem    aufkominen    klingender     reime    in    der 

*)  den  iibergang  von  der  n'li(l.  weise  znr  nlid.  bilden  dentlicli 
die  reiinzeilen  auf  zweisilbige  worter  niit  kurzer  peiiultinia,  welclie 
stnmpfreiniigen  zeilen  gieicligeatlitet  werden  d.  Ii.  bei  neun  silben 
vier  liebungeii  niatlicn.  iiacli  silben  l)ereclinet  siiid  die  nilid.  kiirz- 
zeiien  dreifarli,  von  sieben,  aclit  iiihI  iieun  sill)eii.     indeni  sicli  die 


XLT 


nilid.  poesie  sclieint  niir  niin  aiich  die  verlegung  des 
innern  reinis  aus  der  casurslelle  unnultelbar  in  zusani- 
menliang.  Das  klingende,  niclit  niehr  in  beiden  silben 
•volllicbige  wort  versagle  sich  deni  reim  auf  den  slumpfen 
sclihjfs  der  langzeile,  und  nian  ^var  gencilhigt  fiir  die- 
sen  ein  band  im  schhifs  der  folgenden  zeile  zu  suchen. 
das  lied  vou  den  Nibelungen  und  von  Gudrun  lassen 
die  ersle  und  zweile,  so  wie  dritte  und  vierte  zeile 
jedvveder  slrophe  auf  einander  selbsl  reimen,  stalt  wie 
friilier  auf  den  einschnitt.  Diese  neuerung  durchzufiih- 
ren  mufs  •wieder  genug  in  dem  e]iOS  umgebildel  haben, 
es  wird  schwer  zu  bcslinimen  sein ,  in  welcher  zeit, 
ob  crst  im  zwolflen  oder  schon  im  eilften  jh.  innere 
reime  aufhorten,  schlufsreime  anhuben?  Vielleicbt 
dafs  auch  dabei  ein  analoges  verhaltnis  der  miltel- 
lat.  dichlkunst  darf  erwogen  werden  :  hexameter  kom- 
nien  zum  vorschcin  ,  die  ihren  innern  casuneim  in  den 
schluls  verriicken.  so  geschieht  namentlich  durcli  das 
ganze  gedicht  von  Pilalus  *),    dessen  erste  slrophe  lautet : 


kurze  jener  penultima  allmalicli  anfliob,  muste  die  spatere  poesie 
daliin  strelien  ,  deii  siebensilbigen  vers  aucli  in  einen  neunsiibigen 
zu  verwaiuleln.  In  den  kurzzeiieii  altrranzusi.sclier  dicliter  er- 
sciieint  liiiigst  uiui  iiberail  das  iilid.  veriialtnis,  dem  stumpfen  vers 
werden  aclit,  dem  klingenden  iieun  silben  gegeben ;  diese  bemer- 
kcnswertlie  abweicliung  von  der  glciciizeitigen  mlid,  regel  berulit 
darauf,  dafs  die  romaiiisciien  diciiter  in  die  natur  des  kliiigenden 
reims  sirli  leiciiter  fanden  als  die  miid.  Ausnaiinisweise  laiilen  je- 
docli  fast  bei  allen  nilid.  diclitcrn  (Conrad  abgerecimet)  sciion  kling- 
reimige  ^erse  niit  vier  liebungen  unter,\vas  den  niid.  braucli  vorbe- 
reitet  und  erklart. 

*)  Lcyser  iiist.  poet.  nied.  aevi  p.2125.  Endliciier  codH.  vin- 
dob.  lat.  1,  162  iind  277.  da  sicii  das  nilid.  gediclit  des  12  jii. 
(Mnfsm.  147a)  auf  ein  lateinisclies  bucli  bezieiit,  so  darf  man  wol 
diese  nietriscbe  beaibeitung  dafiir  uelimen  iiiid  weiiigstens  aucli 
dem  12  jii.  beilegen. 


XLII 


Urbs  fuit    anliqna,  veleres    lianc  conslilueruiU, 
Moganus  atque    Scia  *) ,    llunien   rivusque    dederunt 
Nomen ,  et  inde  fuit  primiim  JNIoguncia  dicla 
Nomine  composito,  non  esl  asserlio  ficta. 
ferner  in    dem  sogenannlen    Facetus '■*),  ^velcljer  anhebl : 
Cum   nil    ulllius    humanae   credo  saluti 
Quam    niorjim   novisse  modos  et   moribus  uti. 
Es   lafsl  sicli   freilich   niclit  nachweisen ,   dals  hier  friilier 
der  leoninisclie  reim ,    ^vie   sonst,    auf  der  casur  haflele; 
doch    die    neigung  zum   reim    der    zeilenschliisse  scheint 
in  der    lateinischen   und    deulsclien   poesie  zugleich    vor- 
zulreten.     In   den  jiingeren   epeii  ,    und  spurweise  schon 
den  Nibelungen   f.-illt    auch   wieder  ein  innerer  reim    auf 
den    einschnitt,     doch    niclit    um    ihn    mit    dem    schliifs, 
vielmehr    dem    einschnitt    der    folgenden     zeile    zu     ver- 
kniipfen  ,    so    dafs    nunmehr    die     stunipfen    reime    von 
klingenden  gekreuzt  werden ,  und  alles  gefiihl  der  allen 
langzeile  schwindet. 

Langer,  eiiigeschnlttner  zeilen  bedarf  das  epos,  ca- 
suren  sind  gleichsam  seiiie  beslandigen  alhemziige;  die 
erzahlung  in  kurzzellen  ist  unepisch,  iiud  man  kanii 
von  ihr  sageii,  dafs  sie  nicht  reclit  zu  atliem  koinnie  '■'**), 


*)  der  bacli  Zi  oder  Zei,  Fuclis  besciir.  von  Maiiiz  I, 
302.  310. 

**)  VViggerts  zweites  sclierflein,  Magdeb.  1836  s.6 — 27.  der 
iirspning  des  werks  ist  nocii  unausgeniittelf,  es  gibt  verscliiedne 
bearbeitungen  (Eiidlicher  codd.  lat.  vindob.  1,  159.  160.)  Eiii- 
zelne  stropiien  bei  Wiggert  liaben  aufser  dein  sclilufsreim  nocli 
einen  innern,    z.  b.  24: 

Omiiis  liomo  quacunque  donio  qua  lege  fruatur, 
Provideat  quando  taceat  vel  quando  loqnatnr 
ebenso  133.   134;    wogegen    136.   137    oliiie   scliluisreim    uiid    ge- 
wohnliclie    leonine    siiid. 

*"'*)  man  niuls  untersclieideii,  dals  lange  zeilen  sicli  in  liinze 
cilcii  aufl"'seii    und    dafs    gediclilc  urspriinglii  h    in  kiir/en    verCat^t 


XLIU 

Dle  langzeile  der  allfranzoslschen  epen  war  doppelt, 
entweder  von  zehn  silben,  niit  deni  einschnitt  nach  der 
vierten,  oder  von  zwolfen,  niit  dem  einschnitl  nach  der 
sechslen.  der  eigentliclie  reim  hat  sich  ihr  noch  niclit 
enlwickelt,  blofs  ein  slreben  nach  ilim  ,  die  vocalische 
assonanz.  Aus  deni  zwolfsilbigen  vers  ist  der  neufran- 
zosische  gereimte  alexandriner  hervorgegangen ,  der  in 
zwei  gleiclie  sliicke  zerfallt,  wie  der  pentameter,  was 
beide  gcgen  den  zehnsilbigcn  vers  iind  den  liexameler 
in  nachlheil  slellt,  doch  bei  klingendem  ausgang  lafst  er 
ii)  der  zweilen  hrilfle  cine  siebente  silbe  iiberfliefsen, 
wir  haben  gesehn,  dafs  auch  der  ahd.  vers  zur  kiir- 
zung  der  erslen  halfte  geneigte ,  weniger  deutlich  bei 
Otfried  ,  als  Ratpert.  die  nibelungische  slroplie  thut  es 
zum  mindesten  enlschieden  in  ihrer  vlerten  zelle.  Auch 
des  slavischen  volkslieds  sel  noch  gedacht,  es  hat  zehn 
sllben  oder  fiinf  hebungen  in  jeder  zeile,  den  elnschnlit 
nach  der  zweiten  hebung,  also  mit  belrachllichem  iiber- 
gewichl  der  zwelten  halfte.  ich  gebe  beispiele  aus  ser- 
bischen  liedern : 

schta  se  bjeli   |   u  gorl  zelenoj, 

il  se  snieg   |,  il   su  labudovi? 

nijesetz  kara    |    zvljezdu   danllzu, 

dje  si  bila    |  ,  dje  si   dan   gublla;* 
gewohnllch  kein   reim ,  doch  kann  er   zulrelen,  uiul   ei- 
gveift  dnnn   scliliifs  uud   casur ,    wie  in    der   lelzlen    an- 
gefiihrlen  zeilc,    oder  in   folgenden : 


sinH  ;  denn  sonst  liiitten  wir  in  zwei  stiimpfen  kiirzzeilen  der  klage 
jedesmal  deii  aiten  episclien  vers.  in  den  langzeilen  der  edda 
fiililt  si<li  nocii  der  aucli  aus  der  aliiteration  liervorgeliende  zu- 
sanimeiiliang  beider  tlieile.  weder  die  klage  nocli  der  Parzivnl 
liifst  sicii  in  langzeilen  darslellen  ,  weil  dann  stumpfe  mit  a<lit  iind 
klingende  mit  seclis  lieljuiigen  neben  einander  liefcn  ;  wol  aber 
Otfried.  der  keine   klingenden  verse  liat. 


XLIV 


da  je  vila    |  ,    iia  \isclie  bi  bila. 

na  ranieua   |  ,  ka'  sve  ua  kaiiieiia. 

Ivo  prosi  I  ,  diischde  se  ponosi. 
dieser  nacli  innen  hin  gelegle,  die  langzeile  selbst  niclit 
verlassende  slavische  reini  slimnit  zu  deni  allhochdeut- 
schen  wie  zu  dem  leoninischen  ,  weicht  aber  von  den 
romanischen  endecasillabe  ab ,  die  in  die  folgende  zeile 
forl  reinien  ,  wie  das  lied  von  den  Nibelungen. 

Die  klcincren  gedichic  des  anliangs  entfalten  mehr- 
fache  melra ,  alle  sind  gereimt  und  in  slrophen.  Am 
wenigsten  einfach  ist  das  lied  auf  ffeinrich  II,  dem  wahr- 
sclreinlich  eine  bestimmte  melodie  unlerlag;  jede  seiner 
strophen  endigl  mit  eineni  leoninischen  hexameter.  He- 
riger  luid  Alverad  liaben  sechszeilige  slrophen  von  fiinf, 
die  drei  iibrigen  dichtungen  vierzellige  von  acht  silben, 
in  jambischem  schvvung,  wie  es  schon  die  millellatei- 
nische  dichtkunst  friiherer  jahrhiniderte  liebfe.  Unter 
vielen  beispielen  nenne  ich  den  hymnus  des  Venan- 
tius  Fortunatus  de  Leontio  episcopo  (l,  16)  und  deu 
beriihmten  in  honorem  sanctae  crucis    (2,  7): 

Agnoscat  omne  saeculum 

Anlislitem    Leonlium, 

Burdegalense  praemiuni, 

Dono  superno  redditum. 
nnd     Vexilla   regis  prodeunt, 

Fulget    crucis  mysterium, 

Qua  carne  carnis   condilor 

Suspensus  est  patibulo. 
Die  weise  scheint  besonders  in  Deutscldand  luid  na- 
mentlich  in  lothringischem,  niederlandischem  gebiet,  lange 
zeilen  hindurch,  beliebt.  Docen  (misc.  2,  191)  fiihrl 
aus  trieiischer  gegeud  folgcnden  anfang  eines  liedes, 
veinuitlich   des  dreizehnten  ili.    an  : 


XLV 


Sol  solis  in  slellifero 

Stellas  excedit    radio, 

Sed  unica    quani  diligo 

Mihi  placet  et  populo. 
Hierher  gehcirt  iiun  auch  das  merkwiirdige  neulich  von 
Leo  enldeckle  berliner  bruchstiick  des  lateinischeu  Gre- 
goiiui*),  der  freilich  der  fabel  nach  von  bedeutendereni 
iinifang  gewesen  sein  niufs.  es  erstreckt  sich  iiber  die 
verse  741-775  des  hartniaiuiischen  gedichts  und  zer- 
fallt,  wie  niich  diiukt,  wiederuni  in  vierzeilige  slrophen, 
die  ich  folgenderniafsen   herslelle: 

1 


Sic   loca    veniislissima 
Caede  vaslavit  inaxima. 

2.  Urbs  nulla    fuerat, 

Quani  non  bellans  vaslaverat, 
Una  tanlum  remanserat, 
Quae  principalis  fuerat. 

3.  Quae  vix  sola  subsisleret, 
Si  non  totam  protegeret, 
Qui  solus  regit   onuiia 
Per  seculorum  secula. 

4.  Ul  procedamus 

Nunc  Iiis    fuiem  faciamus; 

Mente  altendanuis, 

Sic  ad  puerum  redeamus. 

5.  Ergo  per  omnia, 

Dum  transit    stagna  marina, 


•)  blatter  fur  lit.  uiiterli.  Leipzig  1837  18  dec.  no.  .^53 
p.  1431.  1432. 

4,  2  ini  abdruck  liujus  finem. 

4,  3  urentis  acta  damus.  vielleiclit  aucli:  ventis  atteudamus, 
auf  die  winde,   die   das  kind    uber   die   see   fiilir^ten? 


XLVl 


Est  conservalus, 
Ut  erat  Jonas    quarduaiuis. 
6.     1«  celi  ventre, 

Sensu  typice  famulante 


7 gesla, 

Quae  post  jfient  nianifesta, 
Nam  defertur  infanlulus, 
Couservalus  divinitus, 

8.  Cuni  propria  navicula, 
Per  jnarina  pericula, 
Veneralque  ad  insulam, 
Quae  continebat.  cellulam, 

9.  Quam  vilae  venerabilis 
Cum   niullis  sibi  subditis 
Piis   ornalus  moribus 
Abbas  rexit  Gregorius. 

10.     Qui  binis    piscatoribus 

Praeceperat  allentius, 

Ut  praepararent 

Se  diluculo  [et  navigarent.] 
Der  stropliische  grundsalz  scheint  mir  bestatigt  zu  wer- 
den  durch  3,  4,  welche  zeile  ganz  zu  dem  schlusse  des 
Unibos  stimmt,  daun  durcli  den  grofsen  buchslaben  der 
hs.  bei  Ut  4,  1,  womit  ein  neuer.absatz  begann.  Was 
nun  aber  am  meisteu  auiTallt,  die  jamben  (wenn  man 
sie  so  nennen  will)  verrathen  sich  als  iibeiarbeitung 
alterer  leouinischer  verse,  die  unverkennbar  durch- 
blicken  *) : 

4,  1.  2.  ut  procedanuis,   nunc  his  finem  faciamus, 

*)  liierdurch  werden  die  vorliin  s.  XXXVII  besproclinen  beriili- 
ningen  des  liexameters   mit   der    volksweise   crlantert. 


XLVH 

4,  3.  4.  nienle  attendamus,  sic  ad  piierum  redeanius 

5,  2 dum  transit  stagna  niarina 

5,  3  est  conserratus,  ut  erat  lonas     .... 

6,  1.  2.  in   ceti  ventre,    sensu  typice  famulaute 

7,  t.  2 gesta,  quae  post  fient  manifesta 

10,  3.  4.  ut  praepararent  se  diluculo  navigareut, 

wobei  allerdings  einigemal  der  prosodie  gewalt  ange- 
than  wird.  Anfangs  zvvar  walinte  ich ,  das  fragment 
konne  nach  dem  deutschen  gedicht,  dessen  reinliche, 
der  ersten  bekannlmacliung  sclinell  gefolgle  ,  ausgabe 
wir  diesen  augenblick  erlangen,  versucht  sein,  etwa  wie 
die  begonnene  iibersetzung  von  Wolframs  Wilhelni. 
allein  das  gegentheil  hat  weit  mehr  fiir  sich,  Hartmann, 
wenn  nicht  alles  triegt,  halte  das  lateiuische  gedicht  vor 
augen ,  und  sciue  dichlerehre  befahrt  dabei  so  "wenig 
etwas  als  bei  den  allfianzosichen  texten  ,  die  er  behan- 
delte,  so  zu  verscljonen  und  zu  erhohen  verstand  er, 
selbsl  in  treuer  nachfolge,  die  stoife.  das  aufgefundue 
lat.  fragment  bielet  gerade  eine  slelle,  wo  dic  erweite- 
rung  des  umdichlei"s  wenig  erscheinen  kann.  Darf  die 
hs.  noch  dem  zwolften  jh.  zugesprocheu  -werden,  so 
niufs  auch  darum  das  lat.  gedicht  als  alter  vorangehen, 
luid  ich  ware  nichl  enlgegen,  es  gar  schon  dem  eilften 
jh.  beizulegen.  Der  lummehr  gespannten  aufmerksam- 
keit  gliickt  es  vielleicht  eiuen  volIstUndigen  codex  des 
lat.  Gregorius   ausfindig  zu   n>achen. 

Trochaischeu  silbenfall  Avird  man  in  mittellateinU 
schen  liedern  von  deutschen  dichtern  selten  antreffen ; 
er  scheint  niehr  in  Italien ,  Frankreich  und  England  zu 
liaus,  uud  gewahrt  eigenlhiimliche  anmut.  Ein  altes 
beispiel  aiis  zehntem  jh.  gibt  das  carmen  de  convivio  cae- 
lilum  bei  Endiicher,  von  dem  ich  einige  stellen  hersetze: 
David  cytharam  percussit, 
Et     INIaria  t^mpana, 


XLVIII 

ludilh   choreas  ducebat, 
Et  lubal  psaUeria.  — 
Cumque  omnes  ire  vellenf, 
Rex   ait  respiciens 
Nunc  per  omnem  nuptlaruni 
Frequenlate  vos  diem. 
IJnde  gaudens   laetabatur 
Imperator  Karohis 
Cuni  francigenis   poetis 
Cum   gallis  *)  bibentibus. 
in  diesem  mafs  ist  bei   Marlianus    Capella  die  cautilena: 
Scande  coeli  templa   virgo 
Digna  tanto   foedere, 
Sed  socer  subire  celsa 
Poscit  astra  Jupiler. 
Auch  die  'versus  de  Aquilegia'  bei  Endlicher  s.  300-302, 
der  sie  niit  recht  in  langzeilen   darstellt ,    wie  es  ebenso 
im  carmen    coelilum    und  bei    Marlianus    geschehn    darf. 
die    erste  mit  A  beginnende   strophe  lautet: 
Aquilegia  gloriosa  quondam  urbs   et  inclila, 
Bellicosa,  triumphalis,    Venetum    metropolis, 
Attila  quam   saevus   olim   funditus  everlerat 
und  so    folgen  andere    slrophen    durch    alle    buchstabeii 
des  alphabets,  genau  wie  in  den   beiden    dichtungen  des 
iieunten    jh.,    welche    icli   altd.    wald.    2.  31-34  aufge- 
nommen  hatte.     das  eine  hebt    an ; 

Aurora  cuni  primo  mane   telram    noctem  dividens, 
Sabbatum   noii  illud  fuit,  sed  Saturni  doliuni, 
De  fraterna  rupta  pace  gaudet  daemou  impius. 
das  andere: 

Audite  omnes  fines  terrae   errore  cum  tristitia, 
Quale  scelus  fuit  factum   Benevento  civitas, 
Lhuduicum  comprenderunt  sancto  pio  augusto. 

*)  hier  siiid  iiocli  Gallier  deii   Fr«iikeii  entgegengestellt. 


\LI\ 


das  letzte  gedicht  ist  einlgeinal  bls  zur  iinverstandlicli- 
keit  roli ,  das  zweite  sclioii  geglatteter,  und  doch  nicht 
ohue  poetische  kraft.  Alle  diese  langzeilen  haben  funf- 
zehn  silben,  in  der  zweiten  halfte  eine  weniger  als  in 
der  erslen;  reime  brechen  zufaUig  und  unregelniafsig 
liervor,   bisweilen  in    der  niiUe : 

Laude  pugna   non  est  digna   nec  canalur  melode. 
Pater  niater  soror  frater,  quos  amici  ileverant. 
Ihnen    am  nachsten  reicht  der    volkston    spaiiischer  ro- 
manzen. 

Ungleich  Heblicher  und  formvollendeter  slnd  die 
jiingeren  lateinischen  dichtungen  des  zwolften  und  drci- 
zehnten  jh.,  fiir  welche  WaUherus  IVIapes  das  musler 
gegeben  zu  haben  scheint;  in  der  gewohnlichen  weise 
stroplien  von  vier  dreizehnsilbigen  zeilen ,  mit  demsel- 
ben  klingenden  reim ,  dem  einschnitt  nach  der  sieben- 
ten  silbe.     so  die  bekannten  lieder: 

Tertio  capilulo  memoro  tabernam 
und  Aestuans  interius  ira  vehemenli; 
so  auch  in  dem  schijnen  carmen  de  Phyllide  et  Flora*): 

Susurrabat  modicum  ventus  tempestivus, 

Locus  erat  viridi  gramine  festivus, 

Et  in  ipso  gramiiie  defluebat  rivus 

Vivus  alque  garrulo  murmure  lascivus. 
Eine   andere  weise  durchflicht    die   reime    oder   legt    sie 
nach  innen ,  hat  auch   abweichende  silbenzahlung : 

Versa  est  in  luctum    cithara  Waltheri, 

Non   quia  se    ductum  extra  gregem  cleri 

Vel  ejectus  doleat,  ut  abjecti  lugeat 

Vilitatem  morbi, 

Sed  quia  considerat,  quod  finis  accelereat 

Inprovisus   orbi. 


•)  Dooen    iii  Aretins  beitr.  9,  302  -  309. 


In  deulscher  gegend  zur  zeit  des  dreizehnten  jli.  ver- 
fafst  ist  folgendes  lied  niit  ganz  kurzen,  frisch  und  leb- 
liaft  klingenden  zeilen ,  die  in  deulsche  ^vorle  iiberge- 
hen,   >vie  auch  sonst  ofter  geschieht: 

Stetit  puella 

Rufa  tunica, 

Si  quis    eam  tetlgit 

Tuuica  crepuit.     eia. 

Stetit  puella 

Tanquam  rosula, 

Facie  splenduit 

Et  os  ejus  floruit.     eia. 

Stetit  puella 

BI  einem  bounie, 

Scripsit    aniorem 

An  eiuem  loube. 
hier  bequemt  sich  die  fremde  sprache  ganz  der    landes- 
arl  und  wirkt  uni  so  sicherer. 

Nach  diesen  ausfiihrungeu  oder  audeutungen,  deneu 
einhalt  zu  thun  zeit  ist,  ergibt  sich  genugsam ,  was  die 
mittellateinische  poesie  erreicht  und  verfehlt  hat,  aber 
auch,  wie  wenig  vorbeigegangen  werden  kanu  sie  geuau 
zu  studieren,  sie  fliefst  auf  die  heimische  dichtkuust  eiu 
und  empfaugt  vou  dieser  eiudriicke,  sie  erhebt  ihre  stimme 
da,  wo  jeue  zum  schweigeu  gebracht  ist,  zu  ihr  hat  sicU 
eiue  nienge  vou  slof  gefliichtet,  den  jeue  erzeugle  aber 
keiu  niitlel  mehr  hatte  zu  erhallen.  Ziehen  beide  ne- 
beneiuander,  so  ist  es  lehrreich  zu  vergleichen,  auf  welclie 
weise  sie  sich  bald  hemmen  bald  unterstiitzen.  Eine  be- 
deuteude  zahl  lateiuischer  gedichte  des  zehnten,  eilfteu  und 
zwolfteu  jh.  war  vorhauden,  die  mit  dem  aussterbeu  der 
althochdeutscheu  uud  dem  aufbliiheu  der  mittelhoch- 
deulschen   poesie  vielfacli  zusammeuhangeu. 

Ist  es  fiir  solche  ausichteu  ueueu  bodeu  zu  begriiu- 


LT 


den  der  ausgabe  vorllegender  denkmale  des  alterlluims 
einigerniafsen  gelungen,  so  darf  man  lioifen,  dafs  weitere 
entdeckungen  und  forscliungen  das  hier  geleistete  bald 
iibertreffen,  berichtigen  und  vollfiihren  vverden.  Zu  den 
bediirfnissen  gehort  auch  eine  ganzliche  uniarbeilung  des 
leyserschen  werks  ,  das  selne  guten  dienste  gelhan  hat, 
alleln  schon  lange  nicht  mehr  ausreicht;  es  kunnte  selir 
ansehnlich  vervollstandigt  und  dennoch  zusammengezo- 
gen  werden.  Fiir  das  mlUellateiuische  worlerbuch  brin- 
gen  Rudlieb  und  die  ecbasls  eiuigen  nicht  unverachtliclien 
zuwachs ;  aus  Waltharlus,  der  weniger  darbielet,  lialle 
doch  noch  mehr  slch  zusammenslellen  lassen,  was  zufalli" 
versiiumt  wurde.  Weder  in  ihm,  noch  in  den  iibrigen  ist 
alles  schwierige  erklart,  und  zumal  leidet  die  ecbasis  an 
unverstjindlichen  slellen.  die  erganzung  der  liicken  inx 
Rudlleb  kann  bei  erneuerter  durchsicht  inimer  welter  ge- 
trleben  werden ;  vorlaufig  schlen  es  rathsam  bei  dem  ver- 
suchten  es  bewenden  zu  lassen.  Um  auch  noch  eine  or- 
thographische  klelnigkeit  zu  beriihren,  so  ware  ein  leicli- 
les  gewesen  slch  in  die  gewohnheit  der  heutlgen  phllo- 
logie  zu  fiigen,  und  viele  ae  statt  oe  (caelum,  maestus), 
immer  aber  i,  auch  vor  vocalen,  statt  j  zu  schreiben.  deiu 
jetzt  vorriickenden  ae  wlrd  es  schwer  fallen  die  grenze 
zu  slecken  und  elne  reactlon  des  oe  nicht  ausblelben. 
was  den  consonanten  j  anlangt,  so  dringen  wir  im  alt- 
deutschen  auf  seine  unterscheidung,  ohne  welche  sich  die 
nicht  sellnen  iibertrllle  des  i  in  )  (z.  b.  jetzt  statt  des  iil- 
teren  ietzt)  niclit  deulllch  machen  Ilefsen,  wie  auch  mil- 
tellat.  arjele  fiir  ariele  vorkommt.  wer  allenlhalben  i 
schreibt,  sollle  ebcnsowenig  v  von  u  scheiden  und  letz- 
terem  treu  bleiben.  vor  sechzlg,  slebzig  jahren  schrie- 
ben  dle  philologen  gern  im  anlaut  vt,  vnus,  vllus,  vter- 
que,  lulautend  aber  nauls,  niutault,  prauum ;  die  danl- 
schen,   wenn  Ich  nichl  irre ,  br.iuchen   noch  heute  solche 


LII 


inlautende  v  stalt  u.  was  fromml  aber  die  schreibung 
ieiunus,  triiugus  oder  gar  ieivnus,  •wo  gelesen  werden 
soll  jejunus,  trijugus  ?  die  autoritat  der  handsctirirten 
und  selbst  der  inscriptiouen  entscheidet  nichts  fiir  unsere 
ausgaben  der  classiker,  inscriptionen  werden  iiberall  ca- 
pitales  V,  biicher  des  fiiuften,  sechsleu  )h.  iiberall  un- 
ciales  U  fiir  vocal  wie  consonant  haben,  und  urs.priing- 
lich  sind  beide  ein  unddasselbe  zeichen.  wie  es  aber  niitzt 
parui  von  parvi,  voluere  von  volvere,  deseruisse  (Rudl.  1, 
70)  von  deservisse  (1,  5)  zu  sondern ,  wird  auch  iam- 
bus  von  jam ,  lulus  von  Julius  u.  s.  w.  vortheilhaft  ge- 
schieden.  Gezv/eifelt  habe  ich  wegen  dnrchfiihrung  des 
ae  fiir  e  oder  g;  hatleu  iiberall  sehr  alte  und  gleich- 
zeilige  handschriften  vorgelegen ,  wie  vorhin  bei  dem 
Gallusliede,  so  ware  ihnen  gefolgt  worden.  weniger 
schien  daran  gelegen  das  beslandige  schwanken  der  spii- 
teren  copien  zu  achten.  das  blofse  e  fordern  auch 
nicht  reime  wie  citharae:  ipse  ecb.  939;  laetitiae  :  osten- 
dere  Unib.  42;  tenipore:  transfugae  das.  48;  diese  dicht- 
kunst  nimmt  es  niit  den  vocalen  ini  reim  nicht  genau. 
es  war  also  vortheilhafler  die  vocative ,  iufiuitive  und 
adverbia  auf  -e  von  den  eigentlichen  -ae  gesondert  zu 
halten. 

Was  sonst  diesem  buche  maugelt  wird  man  leich- 
ter  entschuldigen.  es  ist  stiickweise,  uuter  oft  abge- 
wandten  gedanken,  aus  collectaneeri  ohne  meine  eignen 
biicher  fertig  geworden.  die  nothwendigen  ausschnitte 
des  zweiten  bogens  erinnern  mich  an  den  16  decem- 
ber,  den  letzten  von  mir  in  Gottingen   zugebrachten  tag. 

Cassel  4.  april  1838. 

Jacob    Grimm. 


WALTHARIUS. 


WALTHARIUS. 


T 

X  erlK 


ia  pars  orbls,    fratres,   Eiiropa  vocalur, 
IMoribus  ac  linguis   varias  et  iiomine  gentes 
Dlstingueus  cullu  ,  tum  rcUigione  sequcslrans. 
Inter  quas   gens  Pannoniae  residere  probatur, 
5     Quam  tamen   et  Hunos   plerumque  vocarc  solennis. 
Hic  populus  fortis  virtute  vigebal  et  armis, 
Non  circum  positas  solum  domitans  regiones, 
Littoris  Oceani  sed    pertransiverat  oras, 
Foedera  supplicibus  donans   sternensque   rebelles. 

10     Ullra  millenos  fertur  dominarler  annos. 

Attila  rex  quodam  tulit  illud  tempore  regnum, 
Impiger  antiquos  sibimet  renovare  triumplios. 
Qui  sua  castra  movens   mandavit  visere  Francos, 
Quorum   rex  Gibicho   solio  pollebat  iii   allo , 

15     Prole  recens  orla  gaudens,    quam  postca  narro : 
jNamque  marem  genuit,  quem  Guntharium  vocitavit. 
X*  ama  volans  pavidi  regis  transverberat  aiires, 
Dicens  hostilem  cuneum  transire  per  Histrum , 
Vincentem  numero  stellas  atque  amnis  arenas. 

20     Qui,    non  confidens  armis   et   robore  plebis, 
Concilium   cogit,    t[uae  sint  facienda  requirit. 
Consensere  omncs:    foedus   debere  precari, 
Et  dextras,   si  forte  darent,    conjungere  dextrls, 
Obsidibusque  datis  censum  persolvere  jussum; 

25     Hoc  melius  fore,    quam  vitam  simul  ac  regiouem 
Perdiderint,    natosque   suos  pariterque   maritas. 


9  donat  sternitque  G.  11  Etcilo  1,  und  immer  so.  15  de  te 
recens  A.  16  uocitarunt  A.  18  liystrum  B.  jstrum  C.  20 
uel  B.       23  Et  si  forte  darent   dextras  I. 

1  * 


WALTHARIUS. 


Nobilis  hoc  Hagano  fnerat  suh  tempore  tyro, 
Imlolis  egregiae,   veniens  de  gerniine  Trojae; 
Hunc,  quia  Guntharius  nonduni  pcivenit  ad  aevum, 

30     Ut  sine  niatre  queat  vitani  retinere  tenellani , 
Cum  gaza  ingenti  decernunt  niitlere  regi. 
Nec  niora;    legati  censum  juvenemque  ferentes 
Deveniunt,    pacemque  rogant  ac  foedera  firmant. 
xempore,    quo   validis  steterat  Burgundia  sceptris, 

35     Cujus   primatum  Herricus  forte  gerebat, 

Filia  huic  tanlum   fuil   uuica  nomine  Hiltgunt, 
Nobilitate  quidem  polleus  ac  slemmate  formae. 
Debuit  haec  heres  aula  residere  paterna, 
Atque  diu  congesta  frui ,    si  forte  liceret. 

40Jamque  Avares  firma  cum  Francis  pace  peracta 
Suspendunt  a  fine  quidem  regionis  eorum. 
Altila  sed  celeres  niox  huc  defleclit  habenas, 
Nec  tardant  reliqui  satrapae  vestigia  adire. 
Ibaut  aequati  numero,    sed  et  agmine  longo ; 

45     Quadrupedum  cursu  telkis  concussa  geinebat, 
Scutorum  sonilu  pavidus  superintonat  aether. 
Ferrea  silva  micat  totos  rutilando  per  agros; 
Haud  aliter,   primo  quam  pulsaus  aequora  mane 
Pulcher  in  extremis  renitet  sol  partibus  orbis. 

50     Jamque  Ararim  Rodauumque  amnes  trausiverat  altos, 
Atque  ad  praedandum   cuneus  dispergilur  omnis. 
r  orle  Cavillouis  sedit  Herricus,    et  ecce 
Attollens  oculos  speculator  vociferatur 
'Quaenam  condenso  cousurgit  pulvere  nubes? 

55     Vis  inimica  venit,    portas  jain  claudite  cunctas.' 
Jam  tum  quid  Franci  fecissent  ipse  sciebat 

30  nouellam  I.  34-39  liat  I  nacii  51.  35  heriricus  B.  hen- 
ricus  I.  36  hildcund  B.  37  formae  C.  40  namque  B.  42 
illuc  flectit  C.  44  aequali  C.  52  cabillonis  sedit  heriricus  B. 
54  consurgiint  B.  C. 


WALTnARIUS. 


Princeps,    et  ciinclos   conipellat:  sic  seniores 

'Si  gens  tam   fortis,    cui  nos  siniilare   nequinius, 

Cessit  Pannoniae,    qiia  nos  virtute  putalis 

60     Huic  conferre  manuni  et  patriani  defendere  dulcem? 
Est  satius,    pactuni   faciant  censumque   capessant. 
Unica  nata   mihi  est,    quam  tradere  pro  regione 
Non  dubito :    tantum  perganf  qui  foedeia  firment.' 
Abanl  legali  lolis   gladiis   spoliati , 

65     Hostibus  insinuant,    quod  regis  jussio   niandat, 
Ut  cessent  vastare  rogaut.      Quos  Attila  duclor, 
Ut   solitus   fuerat,    blande   suscepit,    et  inquit 
'Foedera  plus   cupio,    quam   proelia  mittere   rulgo. 
Pace  quidem  Huni   malunt  regjiare,    sed  arniis 

70     luviti  fei'iunt,    quos  cernunt  csse  rebelles. 

Rex  ad   nos  veniens   paceni  del  alijue   resuniat.' 
■T-Jxivit  princeps,    asporlans  innunieialos 

Tliesauros,    pactumque  feril ,    ualanique  reliuquit. 
Pergit  iu  exiiium   pulcherrima  gemma   parenluni. 

75  i-  o&tquam    complevit  pactum  ,    statuilque  tributum, 
Atlila  iu  occiduas   promoverat   agmina   partes. 
Namque  .Aquitauorum    tuuc  Alphere   regna   leneJ)at 
Quem  sobolem   sexus  narrant  liabuisse  virilis, 
Nomine  AValtharium ,    priniaevo  llore  nitenteni. 

80     Nam  jusjurandum  Herricus  et  Alphere  reges 
Inter  se   dederant,    pueros   quod   cousociareut, 
Cum  prinium  tempus  nubeudi   venerit  illis. 
Hic  ubi  cognovit,    gentes  has  esse  domatas , 
Coeperat  ingenti   cordis   trepidare  pavore. 

85     Nec  jam   spes  fuerat  saevis   defendier  arniis. 

'Quid  cessemus'   ait,   '  si  bella  movere  nequimus  :* 


58  siniulare  C.  59  uos  C.  quam  nos  A.  62  milii  quani  B.  1. 
63  firmant  B.  66  cessant  B.  71  dextraui  det  B.  1.  T3  reli- 
quit  A.  1,       75  couijjletuni  A.       78  sexus  sobolem  1.   Hl   ut  I. 


6  WALTHAllIUS. 


Exempla   eii   jiobis  Burgunclia,    Fraucia  douant. 
Non  iucusaniur,    sl  talibus  aequiparauiur. 
Legatos  inilto,    foetlusque  ferire  jubebo, 

90     Obsidis  inque   vicem  dilectum  porrigo   nalum , 
Et  jamnunc  Hunis  censum  persolvo  futurum.' 
Sed  quid  plus  remorer?    dictum  compleverat  aclis. 
Tunc  Avares  ,    gazls  onei-atl  denique  multis, 
Obsidibus  sumplis  Ilaganone ,    Hiltgunde   puella, 

95     Nec  non  Walthario  redlerunt  pectore  laeto. 
xxttlla,    Pannonlas  ingressus  et  virbe  receplus, 
Exulibus  pueris  magnam    exhibult   pletalem, 
Ac  velutl  propilos  nulrire  jubebat  heredes , 
Virglnls  et  curam  reginae  mandat  liabere. 

100   Ast  adolescentes   proprils   conspeclibus  ambos 

Semper  adesse  jubet;     sed   et   artibus  imbult   illos , 
Praesertlmque  jocis  belli  sub   tempore  habendis. 
Qui  simul  Ingenio  crescentes   meutls   et  aevo, 
Robore  vlucebaut  forles,    animoque  sophistas, 

105  Donec  jam  cunctos  superarent  fortiter  Hunos. 
JMilltlae   prlmos  tunc  Allila  fecerat  Illos, 
Sed  liaud  imnierito ;    cjuonlam,  si  quando  moveret 
Bella,  per  insignes  isli   mlcuere  triumphos. 
Idcircoque  ulmis  prluceps   dilexerat  ambos. 

110  Virgo   etlam  capllva,   dco  praestaute  supremo, 
Keglnae  vultum  placavlt,    et  auxit  amorem , 
INIoribus    exliniis  operumque  industria  abuudans. 
Postremum   custos   thcsauris   provida  cunctis 
Efficitur,    modicumque  deest ,    quin  regnet  et  ipsa ; 

115  iSam,    quicquid  voluit,    de  rebus   fecit  el  aclls. 
JLnterea  Gibicho  defuugitur,    ipseqiie  regno 
Guutliarlus  successit ,    et  Ih*co  Paunoniarum 

87  exemphim  C.  exempla  in  A.  91  Denicjue  nnnc  T.  92 
demoror  1.  98  alnmnos  1.  99  felilt  C.  1.  109  illos  A.  117 
Guntliarins   regno  .siiccessit  1. 


WALTHARIUS. 


Foedera   dissolvit,   censumque  subire  negavit. 
Hoc  ubi  jam  primum  Hagano  coguoverat  exul, 

120     Nocte  fugam  molitur,    et   ad  dominum  properavit. 
Waltharius   tameu    ad  pugnas  praecesserat  Hunos , 
Et  quocunque  iret,    mox  prospera  sunt  comitata. 
Ospirin   elapsum   Haganonem  regia  conjux 
Atteudens,    doniino  suggessit   talia  dicta 

125     'Provideat  caveatque,    precor,   sollertia  regis , 
Ne  vesti-i  imperii  labatur  forte  columna, 
Hoc  est,  Wallharius  vester  discedat  amicus, 
In   quo  magna  potestatis  vis  exlitit  Hunis, 
Nam  vereor,   ne  fors  fugiens  Haganonem  imitetur. 

130     Idcircoque  meam  perpendite  nunc  rationem  , 
Cum  primum  venial,    haec  illi  dicite  verba 
"Servitio   in   nostro  magnos  plerumque  labores 
Passus  eras,  ideoque  scias,    quod  gralia  nostra 
Prae  cunclis  temet  nimiura  dilexit  amicis, 

135     Quod  volo  plus  factis  te  quam  cognoscere  dictis. 
Elige  de  satrapis  nuptam  tibi  Pannoniarum , 
Et  nou   pauperiem  propriam  perpendere   cures. 
Amplificabo  quidem  pariter  te  rure  domique, 
Nec  quisquam,  qui  dat  sponsam,  post  faota  pudebit." 

140     Quod  si  completis,  illuni  stabilire  potestis.' 
Complacuit  sermo  regi,    coepitque  parari. 
W  altharius  venit,  cui  princeps  talia  pandit, 
Uxorem  suadens  sibi  ducere.   sed  tamen  ipse, 
Jam  lum  praemeditans  ,   quod  post  compleverat  actis, 

145     luvestiganti  his  suggestibus  obvius  infit 

'  Vestra  quidem  pietas  est   quod  modici    famulatus 
Causam  conspicitis.    sed  quod  mea  sergia  meutis 


123  in  Ospiria  das  letzte  i  radiert  A,  128  Iiiilus  B.  C. 
135  Nunc  volo  I.  138  ualde  te  B.  I.  141  parare  C.  145  His 
instigaudi  B.   iusligauti  1.       147  seruia  B. 


8  WALTHARIUS 

Intuilu  feilis,    nunquam  meruisse  valerem. 
Sed  preco:-  ut  servi  caplatis  verba  fiJelis : 

150     Si  nuplam  accipiam  domiiii  praecepta  secundum, 
Vinciar  in  primis  curis  et  amove  puellae, 
Atque  a  servitio  regis  plerumque  retardor. 
Aedificare  domos,    cultumque  intendere  ruris 
Cogor,    et  lioc  oculis  senioris  adesse  moratur, 

155     Et  solitam  regno  Hunorum  impendere  curam. 
Namque  voluptalem  quisquls  gustaverit,  exln 
Intolerabilius  consuevit  ferre  labores. 
Nil  tam  dulce  mihi ,    cjuam  semper    inesse  fideli 
Obsequio   domini;    quare ,  precor,  absque  jugali 

160     Me  vinclo  permitte  meam  jam  ducere  vilam. 

Si  sero  aut  medlae  noclis  mihi  tempore  mandas, 
Ad  quaecunque  jubes  securus  et  ibo  paratus. 
In  bellis  nullae  persuadent  cedere  curae, 
Nec  uall  aut  conjuxretrahentque  fugamque  movebuut. 

165     Testor  per  propriam   temet,  pater  optime,  vitam, 
Alque  per  invictam  nunc  gentem  Pannonlarum , 
Ut  non  ulterius  me  cogas  sumere  taedas.' 
His  precibus  vlctus  suasus  rex  deserlt  omnes, 
Sperans  Waltharium  fuglendo   recedere    nunquam. 

170  V  enerat  iuterea    satrapae  certisslma  fama : 

Quandam,   quae  nuper  superala,    reslstere  gentem, 
Ac  bellum  Hunls  confestim  inferre  paratam. 
J- unc  ad  Wallliarium   converlilur  aclio  rerum; 
Qul  mox  mllitiam   percensuit  ordlne  totam , 

175     Et  bellatorum   confortat  corda  suorum, 

Hortans  praeteritos  semper   memorare  triumphos, 
Promltlensque   istos  soHla   virtute  tyrannos 
Sternere,  et  externis  terrorem  imponere  lerris. 


150  vincior  C.      152  ciiris  B.     157  doiores    1.     161   niedio  A.  I. 
167  aiterius  H.        169  luialtarius  B.        178  inipeiidere  C. 


WALTHARIUS. 


Nec  niora,   cousurgit  sequiturque  exerciUis  omuis. 

180     Ecce  locum  puguae  conspexerat,   et  numeratani 
Per  latos  aciem  campos  digessit  et  agros,- 
Jamque  iufra  iactum   teli   congressus   uterque 
Constilerat  cuneus  ;  tunc  undique  clamor  ad  auras 
Tollitur,    horrendam   confundunt   classica  vocem , 

185     Contiuuoque  hastae  volitaut  hinc  indeque  densae. 
Fraxinus  et  cornus  hidum  miscebat  iu  unum, 
Fuhninis   inque   modum   cuspis  vibrata  micabat. 
Ac,  veluti  Boreae  sub  tempore  nix  glomerata 
Spargitur,  haud   ahter  saevas  jecere  sagittas. 

190     Poslremum,   cunclis  utroque   ex  agmine   pilis 

Absuujptis,  manus  ad  mucronem  verlilur  omnis, 
Fulmineos  promunt  enses,  chpeosque  revolvuut, 
Coucurrunt  acies  denuim ,  pugnamque  restaurant. 
Pectoribus  partim  rumpuutur  pectora  equorum, 

i'J5     Slernitur  et   quaedani  pars-  duro   umbone  virorum. 
Wallharius   tamen  in  medio  furit  agmine  belli, 
Obvia  quaeque   metens  armis ,    ac  limite  pergens. 
Hunc  ubi  conspiciunl   liosles  lanlas  dare  strages, 
Ac  si  praesentem  meluebant   cernere  mortem, 

200     Et  quemcunque  locum  seu   dextra  sive  sinistra 
WaUharius  peteret,    cuucti  mox  terga  dederuut, 
Et  versis  scutis  laxisque  feruntur  habenis. 
Tunc  imitata  ducem    gens  maxima   Pannouiarum 
Saevior  insurgil  caedemque   audacior  auget , 

205     Dejicit  obslantes,   fugientes  prolerit,  usque 

Dum  caperet  plenum  belli  sub  sorle  triumphum. 
Tum  super  occisos  ruit  et  spoHaverat  omues, 


183  nfiqiie  H.  184  horrenda  confundit  cl.  voce  H.  193 
concurrit  A.  196  beilo  A.  B.  H.I.  200  dextrain  siiie  sinistrani  B.  H. 
203  liunc  mirata  D.  pannoniorum  D.  204  felilt  A.  C.  D.  1.  205 
deicit  A.  B.  1.       206  capit  et  A.    douec   perciperet  D. 


10  WALTtlARIUS. 

Et  tandem  tliiclor  recavo  vocat  agmina  cornii. 
Ac  primus   frontem  festa  cum  froude  revinxit, 

210     Viclrici  lauro   cingens  sua  tempora  vulgo ; 

Post  liunc  signiferi,   sequitur  quos  cetera  pubes. 
Jamque  triumphali  retlierunt  stemmate  compti 
Et  patriam  iugressi,   propria  se  quisque  locavit 
Sede.     sed  ad  solium  mox  Waltharius  properavit. 

215  Jticce  palatiiii  decurrunt  arce  minislri , 

lllius  aspectu   hilares,    equitemque  tenebaut, 
Donec  vir  sella  descendei-et  inclitus   alta. 
Si  bene  res  vergant?  lum  demum  forte  requlrunt. 
Ille  aliquid  modicum  narrans  intraverat  aulani ; 

220     Lassus  enim  fuerat,  regisque  cubile  petebat. 
lUic  Hiltgundem  solam   ofFendit  residentem; 
Cui  post  amplexus  atque  oscula  dulcia  dixit 
'Ocius  huc   potum  ferlo,    cpila  fessus  anhelo.' 
Illa  mero  talhim   complevit  mox  pretiosum , 

225     Porrexitque  viro ,  qui  signans  accipiebat, 

Virgineamque  nianum    propria   constriuxit.     at  illa 
Astitit,  et  vullum  reticens  intendit  herilem, 
W^althariuscjue  bibens  vacuum  vas  porrigit  olli, 
Ambo  etenim  norant  de  se  sponsalia  facta. 

230     Provocat  et  tali  caram  sermone  puellam 

*Exilium   pariter  patiinur  jam   tempore  tanto, 
Nou  ignorantes,    quid  nostri  forte  parentes 
luter  se  nostra  de  re  fecere  futura. 
Quare  diu  tacito  premimus  haec  ipsa  palato?' 

235     Virgo,  per  hironiam  meditaus  haec  dicere  sponsuui, 
Paulum  conticuit,   sed  postea  talia  reddit: 

208  recavo  ductor  D.  216  equites  C.  219.  Qui  tantum  I, 
224  calicem  D.  227  couspexit  D.  230  caram  tali  D.  231  patimur 
pariter  j.  t.  lougo  D.  1.  232  ignoramus  enim  quod  nostri  quon- 
dam  H.  284  quam  ne  A.  quid  ne  D.  quam  diu  nos  t.  p  tunc 
i.  p.  I.       236    dixit  D. 


WALTHARIUS.  Jl 

'Quld  lingua  simulas,   quod  ab  inio  peclore  damuas 
Oreque  persuades,    toto  quod  corde  refutas  ? 
Sit  veluti  talem   pudor  iiigeus  ducere  luiptam.' 

240     Vir  sapieus  coutra  respondit  et  iululit  ista 

'Absit,  quod  uiemoras !  dextrorsum  poiTige  sensum. 
Noris,    me  nihilum  simulata   meute  locutum; 
Nec   quiccjuam   nebulae  vel   falsi   iulerfore  crede. 
INullus  adest,    uobis  exceptis  namque  duobus. 

245     Si  uossem  temet  mihi  promplam  inq^endere  meutem, 

Atque  fidem  votis  servare  per   omuia  caulis; 

Pandere   cuucla  tibi  cordis  misteria   vellem.' 

A  andem  virgo,    viri  genibus  curvata ,   jorofatur 

'Ad  quaecuuque  vocas  nie,  domne,  sequar  studiose, 

250     Nec  quicquam  placitis  malim  praeponere  jussis.' 
Ille  dehinc   'piget  exilii  me  denlque  noslri, 
Et  patriae  lines  reminiscor  saepe  relictos : 
Idcircocpie  fugam  cupio   celerare  latentem ; 
Quod  jam  prae   multis   potuissem  forte  diebus, 

255     Si  non  Hiltgundem  solam  remauere  dolerem.' 
Addidit  lias  imo   virgimcula   corde  loquelas 
'Verum  velle   meum,    solis  his  aestuo  rebus, 
Praecipiat  dominus,    seu  prospera  sive   sinislra, 
Ejus  amore  pali  toto  sum  pectore  praesto.' 

260     Wallharius  taudem  sic  virginis  inquit  in  aurem 
'Publica   custodem  rebus  te  nempe  poteslas 
Fecerat,    idcirco  memor   haec  mea  verba  notato : 
Inprimis   galeam  regis    tunicam«|ue  trilicem 
Assero ,    loricam  labrorum  insigue  fereutem 


23r  qiiod  ab  C.  238  ore  milii  fingis  toto  H.  quod  toto  cordc  D. 
240  respondens  rettulit  D.  242  nolis  me  nicliilum  D.  243  nel)uii  D. 
fraudis  vel  falsi  1.  245  temet  num  promtam  D.  246  voris  D. 
249  at  quocunque  D.  250  mali  D.  251  exitu  (?  exitii)  D. 
2.i3  meditor  I.  255  liiitgundam  D.  257  feiilt  A.  C.  D.  J.  260  iu 
auie  D.       261   te  reljus  uamque.       264   afTero  (Vj  A.    alfer  H. 


12  WALTHARIUS. 

265     Diripe,    blna  dehinc  mediocria  scrinia  tolle. 
His   arniillarum   tantum  da  pannonicarum, 
Donec  vix  unum  releves  ad  pectoris  imum. 
Inde  quater  binum  mihi  fac   de  more  coturuum, 
Tantundemque  tibi  palrans  imponilo;    vasis 

270     Sic  fors  ad  summum  complentur  scriuia  labrum. 
Insuper  a  fabris  hamos  clam  posce  retorlos. 
Nostra  viatica  sint  pisces  siniul  alque  volucres , 
Ipse  ego  piscator,    sed  et  auceps  esse  coartor. 
Haec   intra   ebdomadem  caute  per   singula   comple. 

275     Audisti,    quid  habere   vianli  forle  necesse   est. 
Nuuc  quo  more  fugam   valeamus  inire  rechido : 
Postquam  septenos  Phoebus  remeaverit  orbes, 
Regi  ac  reginae,    satrapis,    ducibus,  famulisque 
Suniptu  permagno  convivia  laeta  parabo , 

280     Atque   omui  iugenio  potu  sepelire  studebo, 

Donec  nullus  erit,  qui  sentiat,  hic  quod  agendum  est. 
Tu  lamen  interea  mediocriter  utere  vino, 
Atque  silim  vix  ad  mensam  restiuguere   cura ; 
Cum  reliqui  surgant,    ad  opuscula  nota  recurre. 

285     Asl  ubi  jam  cunctos  superat  violentia  potus, 

Tum  simul  occiduas   properemus  quaerere  partes.' 
Virgo  memor  praecepta  viri  complevit,    et  ecce 
Praefinita  dies  epularum  venit,    et  ipse 
Waltharius  magnis  iustruxit  sumptibus  escas ; 

290     Luxuria  iu  media  residebat  d.enique  mensa. 

Ingrediturque  aulam  velis  rex  undique  septam, 
Heros  maguanimus  solito  quem  corde  salutans 
Duxerat  ad  solium,  quod  compsit  bissus  et  ostrum. 

267  onu3  H,  268  deinde  D.  269  tantundem  quanti  paternis  A. 
patratoD.  274  inter  liebdomadamD.  276  NecC.  Hinc  I.  277febusD. 
278.  279  regi  ac  reginae  satrapis  couvivia  laeta  parabo  D.  279 
magnifico  I.  281  hoc  quid  A.  liic  quid  C.  lioc  quod  D.  I.  283  re- 
stringere  B.  I.    292  more  B.  1.    293  quem  C.  queui  bissus  compsit  B.  I. 


WALTHARIUS.  13 

Consedit,    laterlque  duces  liinc  indeque  binos 

295     Assedisse  jubet.     reliquos  locat  ipse  minister. 
Centenos  siniul  accubitus  iniere  sodales, 
Diversasque  dapes  libans  couviva  resudat; 
His  et  sublatis  aliae  referuntur   edendae, 
Atque  exquisiluni   fervebat  niignia  per  aurum. 

300     Aiirea  bissino  tantum   stant  gausape  vasa, 
Et  pigmentatos  crateres  Baccbus  adornat, 
Illicit  ad  baustum  species  dulcedoque  polus. 
"VYaltbarius  cunclos  ad  vinuni  liorfalur  et  escas. 
irostquam  epulis  absumpta  quies  mensaeque  remotae, 

305     Heros  jam  dictus  dominum   laetanler  adorsus 

Inquit   'in   lioc ,    rogilo ,    clarescat  gratia  veslra, 
llt  vos  inprimis  reliquos  nunc  laetificetis.' 
Et  sinuil  in  verbo  nappam  dedit  arte  peractam, 
Ordiue  sculpturae  referenlem  gesta  priorum ; 

310     Quam  rex  accipiens  baustu  vacuaverat  uno, 
Confestimque  jubet  reliquos  imitarier  omnes. 
Ocius  accurrunt  pincernae  moxque  recurrunl; 
Pocula  plena  dabaut  et  inania  suscipiebant, 
Hospilis  ac  regis  certant  hortatibus  omnes. 

315  Ebrietas  ferveus  tola  dominatur  in  aula, 
Balbulit  madido  facundia  fusa  palato. 
Heroas  validos    plantis   titubare    videres. 
Taliter  in  serani   produxit  baccliica  noclem 
INIunera  Waltbarius,    retrabitque  redire  volentes; 

320      Donec  vi  potus  pressi  somnoque  gravati 

Passim  porticibus  sternuutur  bumotenus  omnes. 

296  inire  D.  297  diversaque  d.  1,  convivia  D.  libat  c.  resudans  I. 
299  iuignam  D.  fervet  pincerna  1.  300  bissina  B.  301  pigmen- 
tatus  A.  B.  D.  pigmentatas  C.  H.  crateras  D.  302  illic  D.  303 
in  escas  D.  304  postque  C.  D.  Pepulas  D.  ostqnam  epulis  depulsa 
fames  sublataque  mensa  B.  1.  305  dictis  I.  306  regno  C.  clarescit  1. 
80r   tunc   B.       309    piorum    A.  B.  C.       312   occius   occurruut   D. 

316  balbutiit  A.  C.       319  felilt  C.    redire  feblt  A. 


14  WALTIIARIUS. 


Et  iicet  ignicremis  vellel  tlare  moenia  flamniis, 
Niilliis,  qui  causam  potuisset  scire,  remansit. 
Inde  dilectam  Yocat  ad  semet  mulierem, 

325     Praecipiens  causas  cilius  deferre  paratas. 

Ipseque  de  stabulis  victorem  duxit  equorum, 
Hunc"  ob  virtutem  vocitaverat  ille  leonem. 
Stat  sonipes,    ac    fraena  ferox  spumantia  mandit. 
Hunc  postquam  faleris  solito   circumdedit,    ecce, 

330     Scriuia  plena  gazae  lateri   suspendit  ulrique, 
Atque  iteri  longo  modicella  cibaria  ponit, 
Loraque  virgineae  mandat  iluilautia   dextrae. 
Tpseque  lorica  vestitus,   more  gigantis, 
Iniposuit  capiti  rubras  cum  casside  cristas, 

335     Ingentesque  ocreis  suras  complectitur  aureis; 
Et  laevum  femur  ancipiti  praecinxerat  ense, 
Atque  alio  dextrum,  pro  ritu  Pannoniarum, 
Is  tamen  ex  una  tantum  dat  vulnera  parte. 
Tuuc  hastam  dextra  rapiens,    clipeumque  sinislra, 

340     Coeperat  invisa  trepidus  decedere  terra. 

Foemina  duxit  equum,  nonnulla  talenta  gerentem ; 
In  manibusque  simul  virgam  tenet    ipsa  colurnam, 
In   qua  piscator  hamum  transponit  in   undam, 
Ut  cupiens  pastum   piscis  deglutiat  uncum. 

345     Namque  gravatus  erat  vir  maximus    undique  telis, 
Suspectamque  habuit  cuncto  sibi  tempore  pugnam. 
Omni  nocte  quidem  properabant  currere,  sed  cum 
Prima  rubens  terris   ostendit  lumina  Phoebus , 
In  siivis  latitare  student  et  opaca  requirnnt, 

350     Sollicitatque  metus,    vel  per  loca  tuta   fatigans ; 


324  tandem  B.  D.  I.  325  ocins  D.  32T  Qnem  ob  C.  quemque 
ob  D.  ob  uirtutem  quem  B.  Ob  quam  I,  331  iteneri  A.  itineri  I. 
uteri  B.  335  ingentes  ocreisque  D.  suras  ocreis  I.  336  panno- 
niorum  D.  337  alium  dextro  I.  338  dat  tantum  C.  ipse  A.C.  D.  I. 
341  dona  gerentem  D.    nouaulium  tale  I.      345  Vualtarius  erat  C. 


WALTHARIUS.  15 

In  tantiimque  tinior  niuliebria  peclora  pulsal , 
Horreat  ut  cunctos  aurae  ventique  susurros, 
Forniidans  volucres,  collisos  slve  racemos. 
Hinc  odium  exilii ,  patriaeque  amor  incubat  inde ; 

355     Vicis  diffuglunt,    speciosa  Dovalia  linquunt, 
Montibus  intonsis  cursus  ambage  recurvos 
Sectantes;    tremulos  variant  per  devia  gressus, 
Ast  urbis  populus,    somno  vinoque  solutus, 
Ad  medium  lucis  siluit  recubando   sequentis. 

360     Sed,  postquam  surgunt,  ductorem  quique  requirunt, 
Ut  grates  faciant  ac  festa  laude  falutent. 
Atlila  nempe  manu  caput  amplexatus  utraque 
-    Egreditur  thalamo  rex ,  WaUhariumque  dolendo 
Advocat,  ut  proprium  quererelur  forle  dolorem. 

365     Respondent  ipsi,  se  iion  poluisse,  ministrl, 

Invenisse  virum  5    sed  princeps  sperat,  eundem 
Hactenus  in  sonino  tentum  recubare  quielum, 
Occultumcjue  locum  slbi  delegisse  sopori. 
Osplrin ,  Hlltgundem  postquam  cognovlt  abesse , 

370     Nec  juxta  niorem  vesles  deferre  suetum, 

Trislior  immensis  satrapae  clamorlbus  inquit 
*0  detestandas,    quas  lieri  sumpslmus  escas! 
0  vlnum,    quod  Pannonias  deslruxerat  omnes  ! 
Quod   domiuo  rcgl  dudum  jam  praescia  dixi, 

375     Approbat  isle  dles,    quem  nos  superai'e  nequimus. 
Eu  hodle  imperii  nostri  cecidisse  columna 
Noscltur,   en  robur  procul  ivit,    et  inclita  virtus. 
~-^  Waltharius  lux  Pannoniae  discesserat  inde. 
Hiltgundem  quoque  mi  caram  deduxit  alumuam.' 


354  exilum  D.  Iiic  I.  355  vicos  effugiunt  D.  vicus  I,  358 
sepultus  C.  359  lucis  pressi  iacuere  sopore  1.  36i  queretur  D. 
369  spirin  B.  369  respicit  liiltgundem  postque  D.  370  suetas  D. 
373  Pannoniam  lianc  d. . .  omnem  I.  374  jam  dudum  C.  375  abstulit 
isteD.     377  hinc  robur  1.    376uestriA.   378  dux  A.    379mlliiB.D, 


16  WALTflARrUS. 

380  Jam  princeps  niniia   siiccenditur  eiferus  ira, 

IMulant  laetitiam   moerentia  corda  prioreni. 

Ex  humeris   trabeam   disciudit  ad  infima  tolani ; 

Et  nuuc  liuc  animum  tristem,  iiunc  dividit  illuc. 

Ac  velul  aeolicis  turbatur  arena  procellis, 
385     Sic  iutesliuis  rex  lluctuat  undique  curis; 

Et  varium  peclus  vario  simul  ore  imitatus 

Prodidit  exterius  qulcquid  toleraverat  intus. 

Iraque  sermonem  permisit  promere  nullum. 

Ipso  quippe  die  potuni  fastidit  et  escani , 
390     Nec  placidam  membris  potuit  dare  cura  quletem. 

Namque  iibi  nox  rebus  jam  dempserat  atra  colores, 

Decidit  in  lectum ,  verum  nec  lumina  clausit, 

Nuuc  latus  in  dextrum  fultus,    nunc  inque  sinislriim, 

Et  veluti  jaculo  peclus  transfixus   acuto 
395     Palpital;^  atque  caput  huc  et  mox  jactitat  iUuc, 

Et  modo  subrectus  fulcro  consederat  amens. 

Nec  juvat  hoc,    demum  surgens  discurrit  in  orbe, 
,    Alque  thorum  veniens  simul    atligit  atque  reliquit. 

Taliter  insomnem  consunipserat  Atlila  noctem. 
400     At  profugi  comites,    per  amica  silentia   euntes, 

Suspectam  properant  post  terga  relinquere  terram. 
V  ix  tamen  erupit  cras  rex  patribusque  vocatis 

Dixerat  'o  si  quis  mibi   Wahharium  fugienlem 

Afferat  evinctum ,  ceu  nequam  f  orte  liciscam ! 
405     Hunc  ego  mox  auro  vestirem  saepe  recocto , 

Et    ellure  quideni  stanlem  hinc  inde  onerarem. 


381  mittant  A.D.  383  fluifat  B.  (fluitat  rex)  38fi  imitatur  C. 
387  externe  C.  388  sermonem  dare  non  permiserat  D.  390  placitam 
m.  poterat  C.  391  jam  rebus  nox  C.  et  cum  nox  terris  depresserat  D. 
394  transfixnm  C.  395  iacitat  A.  396  subreptus  B.  et  mane  sur- 
rectns  D.  397  hinc  C.  decnrrit  D.  urbe  A.  nrbeTn  C.  D.  H.  orbe 
ist  vermutung,  aus  B  iieine  var.  angemeriit.  401  Exosam  1.  404 
Atferret  I.       406  stante  Iiinc  atque  C. 


WALTHARIUS.  17 

Atqiie  viam  penitus  clausissem  vivo  talenlis.' 
Sed  nullus  fuit  in  tauta  regione  tyrannus, 
Vel  dux  sive  comes  seu  miles  sive  minister, 

410     Qui,    quamvis  cuperet  proprias  ostendere  vires, 
Ac  virtute  sua  laudem   captare  perennem, 
Anibiretque  siniul  gazam  iufarcire  crumenis, 
Waltharium  tamen  iratum  praesumpserit  arniis' 
Insequier,  slrictoque  virum   mucrone  videre, 

415     Nota  equidem  virtus,  experti  suut  quoque,  quantas 
Incolumis  dederit  strages  sine  vulnere  victor. 
Nec  potis  est  ullum  rex  persuadere  virorum, 
Qui  promissa  velit  liac  condltione  talenta. 
Waltharius    fugiens,    ut  dixi,    uoclibus  ivit, 

420     Atque  die  saltus  arbustaque  densa  requirens, 
Arte  accersitas  pariter  capit  arle  vohicres, 
Nuuc  fallens  visco,    niuic  fisso  denique  ligno. 
Ast   ubi  pervenit  qua  fliunina  curva  fluebant, 
Immillens  hamum  rapuit  sub  gurgite  praedam, 

425     Atque  famis  pestem  pepulit  toleraudo  laborem. 
Namque  fugae   tolo  se   lempore  virginis  usu 
Conlinuit  vir  Waltharius,    laudabih*s  heros. 
■Eicce  quater  denos  sol  circumflexerat  orbes, 
Ex  quo  pannonica  fuerat  digressus  ab  urbe; 

430     Ipso  quippe  die,    numerum  qui  clauserat  istum , 
Venerat  ad  lluvium,  jam  vespere  tum  mediante, 
Scilicet  ad  Rlienum  ,   qua  cursus  tendit  ad  urbem 
Nomine  Wormaliam  regali  sede  nitentem. 
Illic  pro  naulo  pisces  dedit  antea  captos , 

435     Et  mox  transposilus   graditur  properauter  anhelus. 


407  Molter  p,  227  namque  uiam  penitus  uoui  ciausisse  talentis, 
doch  uiuo  stelit  A.  B.  ipse  I.  409  vel  comes  I.  413  praesumpse- 
rat  I.  415  quantos  C.  416  incolomes  A.  incolumis  B.  incolumes  C. 
in  hellis  1.  419  ibat  C.  421  arcessitas  B.  Ipse  accersitos  partim  J. 
422  nec  —  nec  C.     423  quo  C.     431  flumen  C.     432  qui  cursum  C. 

2 


18  WALTriARrUS. 

Oila  dies  poslquani  teiiebras  discusserat  atras , 
rortilor  exsurgens  praefatam  venit  in  urbem, 
Regalique  coco,    reliquorum  quippe  niagistro, 
Delulerat  pisces ,    quos  vir  dedit  ille  vialor. 

440     Hos  cuui  pigmentis  condisset  et  apposulsset 
Ilegi  Guutliario,    miratus  fatur  ab  allo 
'  Istius  ergo  modi  pisces  miLi  Francia  nunquam 
Ostendit,    reor  externis  a  flnibus  illos. 
Dic  milii  quantoclus,    cujas  homo  delulit  illos?' 

445     Ipseque  respoudens  narrat  quod  uauta  dedisset. 
Acccrsire  hominem  prlnceps  praecepit  euudem. 
Qui,   cum  venlsset,   de  re  quaesitus  eadem 
Talia  dicta  dedit  causamque  ex  ordine  pandit 
'Vespere  praeterito  residebam  litore  Rheni, 

450     Conspexique  vialorem  propere  venientem , 

Et  veluli  pugnae  certum  per  membra  paralum ; 
Aere  eteuim  penitus  fuerat,   rex  inclile,    cinctus. 
Gesserat  et  scutum  gradiens  hastamque  coruscam. 
Namque  viro  forti  similis  fuit  et,   llcet  ingens 

455     Asportaret  onus,   gressum  tamen  extullt  acrem. 
Hunc  iucredibili  formae  decorata  nitore 
Assequitur,  calcemque  terit  jam  calce  puella. 
Ipsaque  robustum  rexit  per  lora  cavallum, 
Scrinia  bina  quidem  dorso  non  parva  ferentem, 

460     Quae ,    dum  cervicem  sonipes  discusserit  altam , 

Atque  superba  cupit  glomerare  volumiua  crurum, 
Dant  sonltum,    ceu  quis  gemmis  illiseril  aurum. 
Hic  mihi   praesentes  dederat  pro  munere  pisces.' 

^-   xlis  Hagano   audilis,  ad   meusam   quippe  resedlt, 


438  cocco  A.  quoco  B,  140  dum  B.  I.  442  istiusce  modi 
nunquam  ni.  F.  pisces  C.  44}  quanto  ocius  cuias  iiuc  C.  quan- 
titius  B.  447  et  cuni  A.  I.  452  cunctus  A.  intulit  1.  456  forma 
d.  puella  C.  457  calce  uatore  C.  458  caballum  B.  460  discus- 
serat  C.      461  at  B.    furit  gl.  v.  curru  1.      462  geminis  illiserat  C. 


WALT[1ARIUS.  19 

465     Laelior  in  inediuni  pronipsll  de  peclore  verbum: 
'  Congaudele   milii,  quaeso,  quia  talia   novi, 
Waltliarlus  collega  meus  remeavit  ab  Huuis.' 
Vociferatur,    et  omnis  ei  mox  aula  reclamat. 
Guntharius  princeps  ex  hac  ratloue  supei'bus, 

470     'Congaudele  mihi  jubeo,    quia  talia  vlxi. 
Gazam  quam   Gibicho  regi  Irausmisit  eoo, 
Hanc  nunc  cunctipotens  huc  in  mea  regna  remlslt.' 
Haec  alt,    ct  mensam  pedc  percullt  exlliensque 
Ducere  eqiium  jubet,    et   sella  componere  sculpta 

475     Atque  omni  de  plebe  vlros  secum  duodenos, 
Vlribus  inslgnes,    animis  plerumque  probatos 
Legerat,   inter  quos  slmul  ire  ITaganona  fubebat 
Qui  memor  antiquac  fidei  soclique  priorls, 
Nititur  a  coeptis  dominum  transvertere  rebus. 

480     Rex  tamen  e  contra  nlliilomiuus  instat  et  infit; 
'Ne  tardate  vlri,    praeclngite  corpora  ferro 
Forlia,  squamosus  lliorax   jam   terga  recondat. 
HIc  tantum  gazae  Francls  dcducat  ab   orls?' 
Instrucll  tells,  nam  jussio  regls  adurget, 

485     l',xibant   porlis,  te   Wallbarlum  cupientes 

Cernere,    et  imbellem  lucris  fraudare  putantes. 
Sed  tamen  omnimodls  Ilagano  prohlbere  studebat. 
At  rex  infellx   coeptis  reslplscere  non   vull. 
Interca  vlr  magnaulmus  de  flumlne  pergens 

490     Venerat  iu  sallum  jam  tum  Vosagum  vocilatum, 
Nam  nemus  est  ingens,  spatiosum,  lustra  ferarum 
Plurlma  habens,  suetum  canibus  resonare  tubisque. 
Sunt  in  secessu  binl  montesque  proplnqui, 


466  mecum  1.  468  (G)unfilianiis  et  omnis  B.  469  noci- 
feratur  B.  470  «oui  B.  472  nunc  nonne  A.  472  nunc  milii  I. 
473  pertulit  C.  476  annis  C.  477  liaganon  auHebat  B.  Iiaganona 
ire  I.  479  acceptis  A.  481  precingere  B.  I.  483  Francis  gazae 
deduxit  C.       490  iam  tunc  A.    vosagus  C. 

2  * 


20  WALTHAaiUS. 


Inter  quos,  licet  anguslum,  specus  extal  amoenuni, 

495     Non  tellure  cava  faclum  sed  vertice  rupum. 
'     Apta  quidem  stalio  lalronibus  illa  cruentis; 
Angulus  liic  virides  ac  vescas  gesserat  herbas. 
Huuc  mox  ut  vidit  juvenls  *linc'  inquit  'eamus, 
His  juvat  in  castris  fessum  componere  corpus. ' 

500     Nam  postquam  fugiens  Avarum  discesserat  oris, 
Non  aliler  somni  requiem  guslaveral  idem , 
Quam  super  innixus  clypeo ;  vix  clauserat  orbes. 
Bellica  tum   demum  deponens  pondera ,    dixit 
Virginis  in  gremium   fusus  'circumspice  caute, 

505     Hiltgunt  et,  nebulam  si  tolli  videris  atram  , 
Attactu  blando  me  surgere  conimonitato; 
Et  licet  ingentem  conspexeris  ire  catervam 
Ne  subito  excutias  somno,  mi  cara,  caveto. 
Nam  procul  hinc  acies  potis  es  transmittere  puras. 

510     Instantem  cunctam  circa  explora  regionem.' 

Haec  ait,    atque  oculos  concluserat  ipse  nitenles, 
Jamque  diu  satis  optata  fruitur  requiete. 
Ast  ubi  Guntharius  vestigia  in   pulvere  vidit , 
Cornipedem  rapidum  saevis  calcaribus  urget; 

515     Exultansque  animis  frustra,   sic  fatur  ad  auras:  • 
'Accelerate  viri,  jam  nimc  capietis  eundem; 
Nunquam  hodie  effugiet,   furata   talenta  relinquel.' 
Inclitus  at  Hagano  contra  mox  reddidit  ista 
'Uuum  dico  tibi,  regum  forlissime,  tantum, 

520     Si  tociens  tu  Waltharium  pugnasse  videres, 

Atque  nova  tociens  ,  quociens  ego  ,  caede  furentem  ; 
Nunquam  tam  facile  spoliandum  forte  pulares. 


495  ruptum  C.  E,  498  huc  mox  B.  501  rcquiem  somnl  C. 
502  orbem  C.  E.  503  tunc  A.  508  mihl  kara  B;  vielleicht: 
somno  me,  cara ;  oder:  somnum  mihi,  cara.  513  cundharius 
uestigia  puiuere  B.  i   516  euntem  B.       519.  520   versthiebt  C. 


WALTHARIUS.  21 

Vidi  pannonicas  acies ,    cum  bella  ciereut, 
Contra  aquilouares  sive  australes  regiones; 

525     Illic  Waltharius  ,  propria  virtute  coruscus , 
Hostibus  iuvisus,    sociis  niirandus  obibat, 
Quisquis  ei  congressus  erat,    mox  tartara  vidit. 
0  rex  et  comites  experto  credite,    quantus 
In  clipeum  surgat,    quanla  \i  torqueat  hastam.' 

530     Sed  dum  Guntharius  male  sana  niente  gravatus 

Nequaquam  flecti  posset,    castris  propiabant. 

tit  procul  aspiciens  Hillgunt  de  vertice  inontis 

Pulvere  sublato   venientes  sensit,  et  ipsum 

Waltharium  placido  tactu   vigiiare  monebat. 

435     Qui  caput  altollens  scrutatur,    si  quis  adiret? 

Eminus  illa  refert  quandam  volitare  phalangem. 
Ipse  oculos  tersos  somni  glaucomate  purgans 
Paulatim  rigidos  ferro  vestiverat  arlus, 
Atque   gravem  rursus   parmam  collegit   et  hastam, 

540     Et  saliens  vacuas  ferro  Iransverberat  auras : 
Et  celer  ad  pugnam  telis  praelusit    amaram. 
Cominus  ecce  coruscantes  mulier  videt  hastas, 
Ac  slupefacta  nimis  'Hunos  hic'  inquit  'habemus.* 
In  terramque  cadens  eflatur  talia  tristis : 

545     'Obsecro,  mi  senior,  gladio  mea  colla  secenlur, 
Ut,  quae  non  merui  pacto  tlialamo  sociari, 
Nullius  ulterius  patiar  consortia  carnis.' 
Tum  juvenis  'cruor  innocuus  me  tinxerit?'  iuquit 
*Aut  quo  forle  modo  gladius  polis  est  inimicos 

550     Sternere,  tam  fidae  si  nunc  non  parcit  amicae? 
Absit  quod  rogitas,  mentis  depone  pavorem. 


523  pannonias  A.  C.  moverent  A.  am  rande.  524  aquilonales  B. 
525  coruscans  C.  527  ei  fehlt  B.  529  qua  (quo)  turbiiie  B.  surgit. 
quantam  A.  531  nec  quicquam  C.  534  iubebat  A.  545  secede 
A.  C.  E  (recide  ist  Molters  besserung).  548  dum  —  aa  nocuus 
alle  hss.       549  ct  B. 


22  WALTIIARIUS. 

Qui  nie  de  varils  eduxit  saepe  periclls, 

Hic  valet  hlc  hostes,    credo,    confundere  uoslros.' 

Haec  ait,  atque  oculos  lollens   effatur  ad  Ipsam 

555     'Non  assunt  Avares   lilc  sed  Francl  nebulones 
Cultores  reglonls,'  et  en ,  galeani  Ilaganonis 
Asplclt,    el  noscens  injunxlt  talla  rldens 
*Et  meus  liic  soclus  Hagano  coUega  veternus.' 
Jrioc  heros  dlcto  introitum  stallonls  adibat, 

560     Inferius  stanti  praedicens  sic  niulleri: 

'Hac  coram  porta  verbuni  modo  jacto  superbum: 
Hinc  uulhis  rediens  uxori  dicere  Francus 
Praesumet,    se  impune  gazae    quid   lollere  tantae.' 
Nec  dum  bermonem  complevit,   humotenus  ecce 

565     Corruit  et  veuiam  peliit,    qula  taUa  dlxit. 

Postquam   surrexlt  contemplans   cautius  omnes 
'Horum  quos  video  nullum,  Hagauone  remoto , 
Suspicio ;   namque  ille  meos  per  proelia  mores 
Jam  didlcit,    teuet  hic  etlam  sat  callidus  arlem  ; 

570     Quam  si  forte  volente  deo  iutercepero  solam , 

Tunc'  ait  'ex  pugna  tibi,  Hlllgund  sponsa,  reservor.' 
Ast  ubi  Waltharium  tali  stalione  receptum 
Conspexit  Hagano ,  salrapae  mox  ista  superbo 
Suggerit  'o  seuior,  deslste  lacessere  bello 

575     Hunchominem!  pergantprimum,qui  cunctarequlrant, 
Et  geniis  et  patrlam  nomenque  locumque  relictum. 
Vel,  si  forte  pelat  pacem,  slue  sangulne  praebens 
Thesaurum,    per  responsum    cognoscere  homonem 
Possumus;    et  si  Wallharius  remoratur  ibldem  , 

580     Est  saplens,   forsan   vestro   concedet  honorl.' 
•traeclpit  ire  vlrum  cognomine  rex  Camelonem, 


555  non  sunt  A.  557  gnoscens  B.  558  est  —  vetustns 
Molters  correctur  gegen  alle  liss.  563  aiiqind  C.  nostrae  C.  E, 
am  rande  tantae.  578  liumonenfi  C.  E.  580  nostro  C.  581 
Camalonem  B.    Kamelonem  C. 


W  A  L  T  H  A  R  I  U  S.  23 

Inclita  nieleusi  qtiem  Francia  iniserat  urbi 
Praefectum,    qui   dona  ferens   devenerat  illo 
Anteriore   die ,  quam  princeps  noverat  ista. 

585  Qui  dans  frena  volat,  rapidoque  simillimus  Euro 
Trauscurrit  spatium  canipi,  juvenique  propiuquat, 
Ac  sic  obslantem  compellat  'dic ,  lioino ,  quisnaiu 
Sis?  aut  unde  venis,  vel  quonam  pergere  tendis?» 
Heros  magnanimus  respondit  talia  dicens 

590     'Sponte  tua  venias,    an  huc  te  miseril  iillus, 

Scire  velim  ? '    Camelo    tuni   reddidit  ore  superbo: 
'Noris    Guntharium  regein  tellure  potentem 
JMe  misisse,  tuas   quaesitum  pergere  causas.' 
rlis  auscultatis   suggesserat  lioc  adolesceus 

595     'Jgnoro   penllus,    quid  opus  sit  forle   viantis 

Scrutari  causas ;   sed   promere   non    trepidamus. 
Wallharius  vocor,  ex  Aquitanis  suni  generatiis. 
A  genilore  meo   modicus  puer,  obsidis  ergo, 
Sum   dalus  ad  Hunos;    ibi  vixi ,    nuncque  recessi, 

600     Concupiens  palriam   dulcemque  revisere   gentem.' 
Missus  ad  liaec:  *tibi  jam  dictus  per  me  jubet  heros, 
Ut  cum   scriniolis  equitem    des  atque  puellam ; 
Quod  si  promptus  agis,    vilam  concedet  et  artus.' 
Wallharius  contra  fidenler  protulit  ista 

605     'Slullius  elTalum    me   non  audisse  sophistam 

Arbitror.  en  menioras,  qviid  priiiceps  nescio  vel  quis 
Promittat,    quod   non  retinet,  nec  fors  retinebit. 
An  deus  est,   ut  jure  mihi  concedere  vitam 
Possit  ?  num   manibus  tetigit,    num   carcere  Irusit  ? 

610     Vel  post  lerga  meas  torsit   pcr  vincula  palmas? 
Attamen   ausculta  :    si  me   cerlamine  laxat, 


582  mettensi  B.  584  nouerit  A.  E  588  iienis  qiio  A.  B.  E. 
594  iiaec  C.  596  dubitartius  B.  mit  iibergescliriebneni  trepidamus. 
603  arcem  C.  605  sopliistae  Molters  iinnotliige  anderung,  alle  liss. 
sopliistam.'    608  coiicedere  possit  B.     609  Hitam  B. 


24  >V  ALTHARIUS. 


(Asplclo,  ferraliis  adcst ,  ad  proelia  veuil) 
Arniillas  ceiitiiiii  ile  rubro  (jiiippe  nielallo 
Factas  transmillain  ,    qiio    nonien    rcgls  lioJiorem.' 

615     Tali  responso  discesseral  IUe  recepto. 

Principibus  narrat,    quld  protulit  atque    resuinpslt. 
Tuuc  Ilagano   ad  regeni  'porreclani  suscipe  gazani, 
Hac  potls  es  decorare  ,  pater,  te   conconiilautes; 
Et  modo  de  pugna  palmam  revocare  memeuto. 

620     Ignotus    tibi  ^Yallharius,    et   maxima  vlrlus. 
Ul  mihi  praelerlla  porlendil  \isio  nocte, 
Non,  sl  conserimus,  nos  prospera  cuncta  sequcntur. 
Visum  quippe  mihi  te  colluclarier  urso, 
Qui  post  conlliclus   lougos  tlbi  mordicus  uuum 

625     Crus  cum  popllle  ad  iisque  femur  decerpseral  omue, 
Et  niox  auxIHo  subeuntem  ac  tela  ferentem 
]Me  petlt,  atque  oculum  cum  deulibiis  eruil  uuum.' 
Alis  auimadversls  clamat  rex  ille  supei'bus : 
'Ut  video,  geuitorem    imitaris  Agacleu  ipse. 

630     Hic  quoque  perpavidam  gelldo  sub  pectore  meutem 
Gesserat ,  et  multis  fastidiit  proelia  verbis.' 
X  unc  heros  magnam  juste   conceperat  iram, 
(Si  tamen  iu  dominum  licitum    est  irascier  ulhim.) 
'Hic'  ait  'iu  vestris  conslstant  oninia  telis. 

635     Est  in  conspectu  quem  vultls.     dlnilcet  omnis. 
Comiuus  aslalls  ,    uec  jam  tlmor  impedlt  ullum ; 
Eventum  videam ,    nec  consors   slin  spoliorum.' 
Dixerat,    et  coUem  petiit  mox  ipse  propluquum, 
Descendeusque  ab   equo  consedit   et  asplcit  illo. 

640irost  haec  Guutliai-ius  Cameloui  praecipit  ajens 
'Perge  et  ihesaurunj  reddi  milii  praecipe  totum. 
Quodsi  ciiuctetur,    scio  tu  vlr  forlis   ct  audax, 

625  poblite  A.  626  et  C.  628  liis  auleni  C.  629  Iiaga- 
lliien  A.  Iiagallliien  B.  agacien  C.  E.  631  fastidit  A.  B.  63i 
en  ait  B.      639  illos  C.      640  calanioni  B. 


W  A  L  T  H  A  R  I  U  S.  25 


Congretlere,   et  bello  devictum  mox  spoliato.' 
Ibat  rnelensis  Ganielo   nielropolilanus, 

645     Verlice   fulva  micat  cassis,  tje  peclore  fliorax, 
Et  procul  acclanians  'lieus   audi'   dixit  'amice  ! 
Regi   Francorum  tolum  Iransmilte   melallum, 
Si  vis   ulterius  vilam  vel   liabere  salulem.' 
V-/outicuit  paulum  verbo   forlissimus  heros, 

650     Opperiens    propius   hostem  advenfare  ferocem. 
Advolitans  missus  vocem  repetiverat    islam 
Tvegi  Francorum  lotum   transmille  melalluml' 
Tum  juvenis  constans   responsum  proUilit  islud 
'Quid  quaeris?  vel  quid  reddi,  imporUme  coarlas  ; 

655     Nunquid   Gunthario  furabar  talia  regi? 

Aut  niihi  pro    lucro  quicc|uam  donaverat  ille, 
Ut  merito  usuram  me   cogat  solvere   tantam? 
Num  pergens  ego   dampna  tuli  vestrae  regioni, 
Ut  vel  hinc  juste    videar  spoliarier  a   le? 

660     Si  tantam  invidiam  cunctis  gens  exhibet  ista, 
Ut  calcare  solum  nulli  concedat  euuti, 
Ecce  viam   mercor,  regi  trausmilto   ducentas 
Armillas ;  pacem  douet  modo  ,  bella  remittens.' 
-H-aec  postquam  Gamelo  percepit  corde  ferino 

665     'An)pliflcabis'  ait  Mouum ,  dum  scrinia  pandis. 

Gonsummare  etenim  sermones   nunc  volo   cunctos; 
Aut  quaesita  dabis,  aut  vitam  sauguine  fuudes.' 
Sic  ait  et  triplicem  clipeum  coUegit  in  uluam, 
Et  crispaus  hastile  micaus  vi  uititur  omui, 

670     Ac  jacit.     at  juveuis  devitat  cautior  ictum. 

Hasta  volaus  casso  tellurem  vulnere  mordet. 
Waltharius  tandem    'si  sic    placet'  inquit  'agamus.' 


650  supeibutn    B.       652    felilt    A.       6G5   aut   quid    B.       659 
\i(teas  C.       668  ac  B.       6T 1   niordit    B.       672   camus  E,    beij;e- 
chrieben  abcr  a"an»us. 


26  W  A  L  T  II  A  R  I  U  S. 

£t  slinul  in  dictis  haslani  trausmisit.     at  ilia 
Per  laevuni  laliis  unibonis  transivit,  et  ecce 

675     Palmam,  qua  Canielo  mucronem  educere  coepit, 
Confixit  femorl,   transpungens  terga  cavalli. 
Nec  inora ;  dum  vulnus  sensit  soiiipes,  furit  atque 
Excutiens  dorsum  sessorem  sleruere  tempfat, 
Et  forsan   laceret,    ni  lancea  lixa  teneret. 

680  Interea  parmam  Cameio  dimisit  et    liastam 
Complexus  laeva  satagit  divellei-e  dextra. 
Quod   dum  perspiciens   currlt    celeberrimus  lieros, 
Et  pede   cornpresso  capuloteuus  ingerit  ensem, 
Quem  simul  educens  hastam  de  vuhiere  Iraxit. 

665     Tuuc  equus  et  doniinus  liora  cecidere  sub  una. 
At  dum    forte  nepos  conspexerat   lioc  Camaloals, 
Fillus  ipsius ,  Rimo  cognomine,  fratris, 
Quem  referunt  quidamScaramundum  nomlne  dlclum  ; 
Ingemlt  et  lacrlmis  compellat  Irislior  omnes 

690     'Haec  me  prae  cunctis  heu  respicit  aclio   rerum. 

Nuuc  aut    commoriar  vel    carum  ulciscar  amicum.' 
Namque  angusta  locl  solum  concurrere  soll 
Cogebant,  nec    quisquam  alil  succurrere    qulvlt, 
Advolat  infelix  Scaramundus  jam   morilurus, 

093     Bina  maiiu  lato   crispans  haslilia  ferro. 

Qul  dtim   VValtharlum    nullo  terrore  videret 
Permotum  fixumque   loco  consistere  Iii  ipso, 
Sic  ait  infrendens  et    equiuam,  vertice  caudam 
Concutiens    'In    quo  fidis?     vel  quid   tua  spes   est  ? 

700     rSion  ego  jam  gazam  vel  rennn  quidque  tiiarum 
Appelo ,  sed    vitam   cognati  quaero   perempti.' 
IUe  dehinc  'sl    couvincar,  quod  proelia  primus 


682  cucurit  A.  683  comprenso  B.  686  et  B.  689  coin- 
pellit  B.  690  hic  C.  693  olii  C.  699  quae  B.  E.  700  nec 
rerum  B. 


WALTHARIUS.  27 

Teniptarim,    seu  quo   merul,    quod  talla  possim 
Jure  pati;  absque  mora  tua  me  Iransverberet  hasta/ 

705     Necdum  sermonem  concluserat,   en  Scaramundus 
Unum  de   binis   bastile  retorsit  in  illum, 
Confeslimque  aliud.     quorum  celeberrinius  lieros 
Unum  devilat,    quatit  ex  lunbone  secundum. 
Tiuic  aciem  gladii  promens  Scaramundus  aculi, 

710     Proruit  in  juvenem,    cupiens  praescindere  fronlcni; 
EiTrenique  in  equo  propius  devectus  ad  illum, 
Non  valuit  capiti  libratum  infindere  vulnus. 
Sed  capulum  galeae  impegit,    dedit  illa  resullans 
Tinnitus,    ignemque  simul  transfudit   ad  auras. 

715     Sed  non  cornipedem   poluit   girare  superbuni; 
Donec  Wallharius   siib  nienlum   cuspidis  iclum 
Fixerat,    et  sella   moribundum  sustulit  alta. 
Qui  caput  orantis  proprio  niucrone  recidens, 
Fecit  cognatum  pariter  Iluitare  cruorem. 

720     Hunc  ubi  Guntliarius  conspexit  obire  superbus, 
Horlatur  socios  pugnam   renovare   furentes. 
'Aggrediamur  eum,   nec  respirare  sinamus, 
Donec  deficiens  lassescat,    et  inde  revinctus 
Thesauros  reddet,   luet  et  pro  sanguine  poenas.' 

725     Terlius  en  Werinhardus  abit  belUimque  lacessit. 
Quamlibet  ex  longa  generatus  slirpe  nepotum, 
O  vir  clare !    tuus  cognatus  et  artis  amalor, 
Pandare,    qui   quondam  jussus  confundere   foedus 
In  medios  tclum  torsisti  primus  Achivos ! 

730-    Hic  spernens  hastam  pharetram  gestavit  et  arcum. 
Eminus  emissis  liaud  aequo  Marle  sagittis 
Wallharium  turbans.     contra  tamen  ille  virilis 


703  quid  A.  E.  qiiod  C.  705  compleverat  B.  Iiunc  Sc.  C. 
709  iibiluni  C.  713  illi  A.  718  attollens  B.  docii  Qbergesciir. 
orantis.  720  obisse  B.  722  ne  B.  723  labescat  C.  725 
wurliardus  A.    wirmliardus  B.    werliardus  C.       727  arcis  C.  E. 


28  WALTHARIUS. 

Conslitit,   opponens  cllpel  scptemplicls  orbeni, 
Saepius  eludens  venientes  providus  ictus. 

735     Nam  modo  dissiluit,  parmam  modo  vergit  in  austrum, 
Telaque  discussit,    nuUum  tamen  attigit  illum. 
Postquam  Pandarldes  se  consunipsisse  sagiltas 
Incassum  videt,    iratus  niox  exerit  ensem, 
Et  denium  advolilans  has  jactilat  ofe  loquelas 

740     '0  si  ventosos  lusisti   callide  jactus, 

Forsan  vibrantis  dextrae  jam  percipis  ictum.' 
Illi  Waltharius   ridenti  pectore  adorsus 
'Jamque  diu  satis  exspecto  certamina  justo 
Pondere  agi.    festina.     In  me  mora  non  erit  uUa.' 

745     Dixerat,    et  toto  connixus  pectore  ferrum 

Conjicit.     hasla  volans  pectus  reseravit  equinum ; 
ToUit  se  arrectum  quadrupes  et  calcibus  auras 
Yerberat,  efTundensque  equitem,  cecidit  super  illuni. 
Accurrit  juvenis  et  ei  vi  diriplt  cnsem. 

750     Casside  discussa  crines  complectitur  albos, 
Multiplicesque  preces  nectenti  dixerat  heros 
'Talia  non  dudum  jactabas  dicta  per  auras.' 
Haec  ait ,    et   truncum  secta  cervice  rehquit. 
Sed  non  dementem  tria  visa  cadavera  terrent 

755     Guntharium ,  jubet  ad  mortem  properare  vicissim. 
En  a  Saxonicis  oris  Ekevrid  generatus 
Quartus  temptavit  belhim ,   qui  pro  nece  facta 
Cujusdam  primatis  eo  difFugerat  exul, 
Quem  spadix  gestabat  equus  maculis  variatus.l 

760     Hic  ubi  Waltharium  promptuni  videt  esse  duello 
*Dic'  ait  'an  corpus  vegelet  tractabile  temet, 
Sive  per  aerias  fallas,    maledicte,    figuras? 


742  olli  B.  745  corpore  B.  752  ludum  C,  756  ekiurid  B. 
75T  qua  reus  C.  759  uariatum  E.  760  bunc  ut  Waltliarius  C. 
tiic  E. 


WALTHARIUS.  29 

Saltibiis  assnetus  faimus  mihi  qulppe  vlderls.' 
Illeque  sublato  dedit  haec  responsa  cachinno 

765     'Cehica  liugua  probat  te  ex  illa  geute  creatum, 
Cui  natura  dedit  reliquas  ludendo  pi^aeire. 
At ,    si  te  propius  venientem   dexlera  nostra 
Attiugat,    post  Saxonibus  memorare  valebis, 
Te  nunc  in  Vosago  fauni  fantasma  videre.' 

770     'Attemplabo  quidem,  quid  sis'  Ekevrid  ait,  ex  mox 
Ferratam  cornum  graviter  jacit.     illa  retorto 
Emicat  amento,    quam  durus  fregerat  umbo. 
Wahharius  conlra  respondit  cusplde  missa 
*Haec  tibi  siluanus  transponit  niuncra  faunus. 

775     Aspice,    uum  mage  sit  telum  penetrabile  noslrum.' 
Lancea  taurino  contextum  tergore  lignum 
Diffidit,    ac  tunlcam  scindens  pulmone  resedit. 
Volvitur  infelix  Ekevrid,    rivunique  cruoris 
Evomit,    en  mortem  fuglens  incurrit  eandem. 

780     Cujus  equum  juvenis  post  tergum  in  gramen  abeglt. 
Tunc  a  Gunthai'io  cllpeum  sibi  postulat  ipsum 
Qulntus  ab   Inflalo  Hadawartus  pectore  lusus. 
Qui  pergens  hastam  socils  dimlsit  habendam, 
Audax  in  solum  confisus  inaniter  ensem. 

785     Et  dum  consplceret  dejecta  cadavera  totain 

Conclusisse  viam,    nec  equum  Iransire  valere, 
Desiliens  parat  ire  pedes.      stetit  acer  in  armis 
"Waltharlus,  laudatque  vlrum,  qui  praebult  aequani 
Pugnandi  sortem.     Hadawartus  dixit  ad  illum 

790     *0  versute  dolis,    et  fraudls  conscle  serpens! 
Occultare  arlus  squamoso  tegmine  suetus, 

766  reliqiios  C.  E.  770  attentabo  C.  772  ammento  A. 
773  fidenter  protulit  ista  A.  774  transpondit  A.  C.  782  ha- 
deuuartus  A.  hadawardus  B.  785  qui  C.  787  alle  hss.  dissi- 
liens.  787  petit  A.  C.  788  aequum  C.  789  hadawart  tum  B. 
hadawartum  E.      790  ac  B.      791   astum  A.    artem  C. 


30  WALTIIARIUS. 

Ac   vcliili  coluber  girum  colleclus  In    unuiii , 
Tela  tol  evilas,    tenuis   sine  vulnerls  iclu  ? 
Atque  venenatas  ludis   sine  niore  saglllas? 

795     Nuuiquld  et  iste ,    initas,    aslu  vllabilur  ictus, 
Quem  propius  stanlis  certo  Ilbranilne  mlltit 
Dextra  manus?  neque  enim  is  telorum  vulneris  auclor, 
Audi  consllium ,   parmam  deponlto  plctam : 
Hanc  mea  sors  quaerlt,  regis  quoque  sponsio  palraf, 

800     Nolo  quidem  laedas,    oculls  quod  complucet  Islls. 
Sln   allas,    llcet  et  lucem  nilhi  dempseris  almam, 
Assunt  hic  plures  socli  carnisque  propinqui, 
Qui,  quamvis  volucrem  simlles  pennasque  capessas, 
Te  tamen  immunem  nunquam  patlantur  abire.' 

805     Belliger  at  contra  nll  lerrltus  intullt  Ista 

'  De  rellquis  taceo ,    clipeum   defendere  curo. 
Pro  merlils,    mihi  crede,    bonis  sum  debitor  IUi. 
Hosllbus  Iste  mels  se  obponere  saepe  solebat, 
Et  pro  vulnerlbus  susceplt  vulnera  nostris. 

810     Quam  sit  oporlunns  liodie  mihi  cernls,   et  Ipse 
Non  cum  Wallharlo  loquererls,    forsan  abesset.' 
'Vlrlbus  o  summls  hostem  depellere  cures , 
Dextera  ne  raplat  tibi  propugnacula  murl.' 
*Tu  clavum  umbonls  sludeas  retlnere  slnlstra, 

815     Atque  ebori  digitos  circumfer  glutine  ilxos.' 
llle  dehlnc  'Invitus  ages,    si  spoute  recusas. 
Istic  deponas  pondus,   quod  tanta  vlarum 
Portastl  spatia  ex  Avarum  nam  sedlbus  allls. 
Nec  solum  parmam,  sed  equum  cum  virglne  et  auro 

820     Reddes,  tum  demum  scelerum  cruclamina  pendes.' 


T93  tenui  A.  B.  C.  79T  nec  C.  T9T  teli  seu  A.  B.  C, 
telorum  vermute  ich.  T99  sponsio  praestat  B.  803  simules  C. 
808  ipse  C.      813  propugnaculi  B.      814  clivum  C.  E.  sinistrum  C. 

816  stelit   in    allen    liss.  erst   nacli    817.818.        816  agis  A.  B.  C. 

817  ne  ponas  B.    quod  tanta  pondus  A.       820  cruciamine  C 


WALTHARIUS.  31 

ITaec  aif ,    et  notuin  vagiiia  diripit  enseni. 
Iiiter  se  variis  terrarum  partibus  orti, 
Concurrunt.    stupuit  Vosagus  liaec  fulmina,  el  ecce 
Anibo   sublimes  animis  ac  grandibus  armls, 

825     Hic  gladio  fidens,    liic  acer  et  arduus  liasta, 
Inter  se  mulla  ac  valida  vi  proclia  miscent. 
Non  sic  nigra  sonat  percussa  securibus  ilex, 
IJt   dant  tinnitus  galeae,    clipeique  resultant. 
Mirantur  Franci,  quod  non  lassesceret  lieros 

830     Wallharius,    cui  nulla  quies  spatiumve  dabalur. 
Emicat  hic,    inipund  pulans,  jam  ^vormatiensis 
Alle,    et  sublato  consurgit  fervidus   ense; 
Hoc  iclu  memorans  semet  finire   diiellum. 
Providus  at  juvenis  ferienlem  cuspide  adacla 

835     Intercepit,  et  ignarum  dimitlere   ferrum 

Cogebat.     procul  in  dumis  resplenduit  ensis. 
llic,   ubi  se  gladio  spoliatiim  vidit  amico, 
Accelerare  fugam  frulicesque  volebat  adire. 
Alpliarides,  fretus  pedibus  viridique  juventa, 

840     Insequitur  dicens    'quonam  fugis?    acclpe   sculiim.' 
Sic  ait,    alque  haslam  manibus  levat  ocius  ambis, 
Et  ferit.     Ille    cadit,    cllpeu*  superlntonat  ingens. 
Nec  tardat  juvenis;    pede  collum  pressit,    el  hasla 
Divellens  parniam  tellurl  infixcrat  illum. 

845     Ipse  oculos  verlens  anlmam  sufflavit  in  auras. 

Sextus  erat  Patavrid.  soror  hunc  germanaHaganonfs 
Protulit  ad  lucem.    quem  dum  procedere  vidit, 
Vocibus  et  preclbus  conatur  avunculus  inde 
Flectere,  proclamans  'quonamruis?  aspice  morlem, 

850     'Qualiter  arridet!    desiste.    eu  ultima  Parcae 

Fila  legunt.     o  care  nepos,  te  nieus  lua  fallit. 


823  uosegus  B.    et  ictus  B.      827  non  sic  nigra  ilex  pemissa 
securibus  sonat  A.       833  hic  C.       845  auram  A. 


32  WALTFIARIUS. 

Desine.     Wallharii  tu  deiiique  \iribiis  inipar.' 
Infelix  tamen  ille  means  haec  oninia  sprevit. 
Arsit  enim  juvenis,  laudem  caplare  cupiscens; 

855     Trislatusque  Hagano  suspiria  pectore  longa 
Traxit,    et  has  imo  fudit  de  corde  loquelas: 
*0    vortex    mundi,    fames    insatiatus    habendi, 
Gurges  avaritiae,  cunctorum  libra  malorum! 
0,    utinam  sohan  glutires,    dira,    metalhim 

860     Divitiasque  alias,   homines  impune  remiltens. 
Sed  tu  nunc  homines  perverso  numine  perflaus 
Incendis,  nullique  suum  jam   sufficit.    ecce 
Non  trepidant  mortem  pro  lucro  iucuri-ere  turpem. 
Quanto  plus  retinent  tanto  sitis  ardet  habendi. 

865     Exteruis  modo  vi,    modo  furtive  potiuntur ; 

Et  quod  pkis  renovat  gemilus  lacrimasque   ciebit, 
Coeligenas  animas  Erebi  fornace  retrudunt. 
Ecce,    ego  dileclum  nequeo  revocare  nepotem; 
Instimulatus  enim  de  te  est,    o  saeva  cupido. 

870     En  coecus  mortem  properat  gustare  nefandam, 
Et  vili  pro  laude  cupit  descendere  ad  umbras. 
Heu  mihi,   care  nepos  matri  quid  perdite  mandas? 
Quis  nuper  ductani  refovebit,    care,    maritam , 
Cui  nec  raptae  spei  pueri  ludicra  dedisti  ? 

875     Quis  tibi  nam  furor  est?  uude  haec  dementia  venit?' 
Sic  ait,    et  gremium  lacrimis  conspersit  obortis, 
Et  'lougum,  formose,  vale!'    singuUibus  edit. 
Waltharius,    licet  a  longe,    socium  fore  moestum 
Atteudit,    clamorque  simul  pervenit  ad  aures, 

880     Unde  incursantem  sic  est  alTatus  equestrem 

*Accipe  consilium,   juvenis  fortissime ,    nostrum, 


854  enim  uenis  A.  865  extremis  C.  8fi6  clebis  B.  869 
est  de  te  B.  872  quid  matri  B,  874  ludicrum  C.  876  lacrimis 
gremium  A.       877  famose  A.       880  unum  C.      881  clarissime  B. 


WALTHARrUS.  3:} 

Et  te  couservans,   nielioribus  ulere  fatis. 
Desine,  nam  tua  te  ferveus  fiducia  fallit; 
Herouni  tot  cerne  neces  et  cede  dnello, 

885     Ne   suprema  videns  hostes  facias   mihi  plures.' 
'Quid   de  morte  mea  curas'   ait  ille  'liranne? 
Est  modo  pugnandum  libiinet,  non  sermociuandum.' 
Dixit,  et  in  verbo  nodosam  destinat  haslam, 
Cuspide  quam    propria  divertens  transtulit    heros, 

890     Quae  subvecla  coris  ac  viribus   acta  furentis 

In   caslrum  vcnit  atque  pedes  stctit  aute  puellae. 
Ipsa  metu  perculsa   sonum  pronipsit  muliebrem. 
At,    postquam   tenuis  redit  in  praecordia  virlus, 
Pauluin  suspiciens  speclat,    num  viveret  heros. 

895    L  unc   quoque  vir   fortis  Francum   decedere   bello 
Jussit.     al  ille  furens  gladuun   nudavit,  et  ipsum 
Incurrcns  pcliit,  vulnusque  a  vertice  librat. 
Alpharides   parmam   dcmum   concusscrat  aplam , 
Et  spunumlis   apri   frendens  de  morc   tacebat. 

900     Ille  ferire  volens,  se  pronior  omnis  ad  iclum 
Exposuit ;    sed   Waltharius  sub  tegmine  flexus 
Deliluit,   ccM^pusque  suum  contraxit,  et  ecce 
Vulnere   delusus  juvenis  recidebat  ineplus. 
Finis  erat;   nisi  quod  gcnibuS  tellure  refixis 

905     Belliger  accubuit,    calibemque  sub   orbe  cavebal. 
Hic  dum  consurgit^    pariter  se  subrlgit  ille, 
Ac  cilius  scutum  trcpidus  sibi  praetulit,  atquc 
Frustra  ccrtamen  renovare  parabat.     at  illum 
Alpharides  fixa  gladio  petit  ocius  hasla, 

910     Et  mediam  clipci  dempsit  vasto   impete   parlcm  , 
Hamatam  resecans  loricam  atque  ilia  nudans. 
Labitur  infelix  Patavrid  sua  viscera  cernens, 


890  choris  C.       893  praecordia  sangnis  B.       902  contesit  C. 
90.1  oibe  acuel^at  (Moitcr).     911  amatam  A.  armatam  C.  re.seran3E. 


34  WALTLIARIUS. 

Silvestrique  ferae  corpus,   anin)am  dedit  Orco. 
Hiinc  sese  ulliiruni  spondens  Gervvicus  adivit; 
915     Qui  forti  subvectus  equo  supravolat  omneni 

Stragem,  quae  auguslam  concluserat  obvia  calleni. 

Et  dum  bellipotens  resecaret  coUa  jacentis , 

Venit  et  ancipitem  vibravit  in  ora  bipennem. 

Istius  ergo  modi  Francis  tunc  arnia  fuere. 
920     Vir  celer  objecit  pellam,    frustravit  et  ictum; 

Ac  retro  saliens  hastam  rapiebat  amicam, 

Sanguineumque  ulva  viridi  dimiserat  ensem. 

Hic  vero  metuenda  virum  tum  bella  videres. 

Sermo  quidem  nuUus  fuit  iuter  marlia  tela ; 
925     Sic  erat  adverso  mens  liorum  inteuta  duello. 

Is  furit,    ut  caesos   mundet  vindicta  sodales ; 

IUe   studet  vitam  toto  defendere  nisu , 

Et,    si  fors  dederit,    palmam  retinere  triumphi. 

Hic  ferit,  ille  cavet,  petit  ille,  reflectitur  isle; 
930     Ad  studium  fors  et  virtus  miscentur  in  unum. 

Louga  tamen  cuspis  breviori  depulit  hoslem 

Armalum  telo,   girat  sed  et  ille  cavallo, 

Atque  fatigatum  cupiebat  fallere   homonem. 
Jam  magis  atque  magis  irarum  mole  gravatus 
935     Waltharius  clipeum  Gerwici  sustulit  imum , 

Trausmissoque  fenuir  penelraverat  inguine  ferrum. 

Qui  post  terga   ruens  clamorem  prodidit  atrum, 

Exitiumque   doleus,    pulsabat  calcibus  arvum. 

Huuc  etiam   truncum   caesa  cervice  reliquit. 
940     Hic  in  Wormatiae  campis  comes  extitit  ante. 
JL  um  primum  Franci  ceperuut  forte  morari, 


913  corpusque  E.  914  Gerwilus  C.  915  et  fortis  C. 
917  recidisset  B.  919  istiusque  C.  922  saiiguineum  ulva  C. 
923  Sic  uero  A.  924  inertia  tela  C.  E.  929  petit  iste  —  iile  B. 
935   Keruuiti    B.     Gerwiti   C.     uiium    C.  936   transmissum    C. 

938  exiuitque  B.       940  idem  wormatiae  B. 


W  A  L  T  H  A  R I U  S.  35 

Et  magnis  precibus  domiuum  decedere  piigiia 
Deposcunt.     fui-it  ille  miser,    coecusque  profalur 
'Quaeso,    viri  forles  et  pectora  saepe  probafa , 
945     Ne  fors  haec  cuicunque  melum,  sed  couferat  irani. 
Quid  niilii,   si  Vosago  sic  sic   inglorius  ibo? 
Mentem  quisque  meam  sibi  vindicet.     eu  ego  partus 
Anle  mori  sum,  Wormaliani  quarn  talibus  actis 
Ingrediar.     petat  hic   palriam   sine  sanguine  viclor  ? 
950     Hactenus  arsistis  liominem   spoliare  metallis; 
jNunc  ardete,   viri,   fusum  mundare  cruorem, 
Ut  mors  abstergat  mortem,  sanguis  quoque  sanguen», 
Solelurque  necem  sociorum  plaga  necantis. ' 
Jrlis  aiium  dictis  demens  incendit,  et  omnes 
955     Fecerat  immemores   vilae  simul  atque  salulis. 
Ac  vehit  in  hidis   alium  praecurrere  quisque 
Ad  morlem  studuil;    sed   semita,    ut  antea  dixi , 
Cogebat  binos  bello  decernere  solos. 
Vir  tamen   ilhislris  dum   cunclari  videt  ilios , 
960     Vertice  distraclas  suspendit  in  arbore  cristas, 
Et  ventum  captans  sudorem.tersit   anhehts. 
Jlicce,  repenlino  Randolf  athleta  cavallo , 

Praeverlens  reUquos  hunc    imporlunus  adivit, 
Et  mox  ferrato  peliit  sub  pectore  conto. 
965      Et  nisi  duralis  wielandia   fabrica  glris 
Obstaret,    spisso  penetraverit  iha  hgno. 
J-lle  tamen,    subilo  stupefactus  corda  pavore, 
Munimen  chpei  objecit  menlemque  recepit; 
Nec  tamen  et  galeam  fuerat  sunipsisse  facuhas. 
970     Francus   at  emissa  gladium   nudaverat  iiasla 
Et  feriens  biiios   Aquitani  verlice  crines 

i)44  felilt  C.  E.  945  fors  vel  C.  947  meritem  quippe  C. 
en  ego  partus  A.  B.  C.  E.  956  ac  iitl  C.  958  decedere  A.  C. 
952  rantolf  I.  963  liuc  C.  964  ac  riiox  I.  965  uuelandia 
A.  C.       967  corde  I. 

3  * 


36  W  A  L  T II  A  R I U  S. 

Abrasit,  sed  forle  culem  praeslringere  sumniam 
Non  licuit,  rursumque  aliuni  vibraverat  iclum, 
Et  praeceps  animi  directo  obstamine  scuti 

975     Impegit  calibem,    nec  quivit  viribus  ullis 

Elicere.     Alpharides  relro  se,   fulmlnis  inslar, 
Excutiens,  Francum  valida  vi  fudit  ad  arvum, 
Et  super  assislens  peclus  conculcal,    et  inquit 
'En  pro  calvitio  capitis  te  vertice  fraudo, 

980     Ne  fiat  ista  tuae  de  me  jactantia  sponsae.' 
Vix  haec  efTalus  truncavit  colla  precantis. 
At  nonus   pugnae  Helmnod  successit,  et  ipse 
InserUim  tiiplici  geslabat  fune  tridenteni , 
Quem  post  terga  quidem  socii  stantes  lenuerunf; 

985     Cousiliumcpie  fuit,    cuspis  dum  missa  sederet 
In  clipeo ,    cuncti  pariter  traxisse  studerent, 
Ut  vel  sic  hominem  dejecisseut  furibundum, 
Atque  sub  hac  certum  sibi  spe  posuere   triumphum. 
Nec  mora;    dux  totas  fundens  in  brachia  vires, 

990     Misit  in  adversum  magna  cum  voce  Iridenlem 
Edicens  'ferro  tibi  finis,    calve,    sub  isto!' 
Qui  ventos  penetrans  jaculorum  niore  coruscat; 
Ut  genus  aspidis  cx  alla  sese  arbore  tanlo 
Turbine  demittit,   quo   cuncta  obstanlia  vincat. 

995     Quid  moror?    umbonem  scindit,   j)eltaque  resedit. 
Clamorem   Franci  tolhint,    saltusque  resullant, 
Obnixique  trahunt  restim   simul  alque  vicissim  , 
Nec  dubitat   princeps  tali  se  aplare  labori. 
Manarunt  cunctis  sudoris  Ihiniina  membris. 


972  prestingere  A.  973  rursiiiiique  aliumque  A.  975  ullum  C. 
977  iii  aruum  1.  980  fuat  B.  981  effatus  liaec  B.  982  Et 
nouus  A.  heimnod  A.  lielnal  I.  983  infestum  I.  981  stantes 
socii  C.  985  dum  cuspes  C.  989  tota  1.  991  finis  ferro 
tibi  C.  992  coruscans  A.  993  quod  genus  A.  B.  C.  995 
sciserat  B.  sciderat  I.    996  resultat  A.  C.    996  fehlt  1.     998  labore  1. 


WALTFIARIUS.  37 


1000     Sed  larnen  liic  inlra  veliit    aescilus    astilit  lieros, 
Quae  non  plus  pelit  aslra  comis  quani  tartara  fibris, 
CoDtempuens  omnes  veutorum  imniola  fragores. 
Certabant  hostes  horlabanturque  virilini , 
Ut  si  non  quirent  ipsum   tlelrudere  ad  arvum, 

1005     Munimeu  clipei  sallem  extorquere  studerent, 
Quo  dcmpto  vivus  facile  capcretur  ab  ipsis. 
Nomina  quae  restant  edicam;   jamque  trahenlum 
Nonus  Eleulher  cral,  Hehnnod  coguomine  dictus. 
Argentina  quidem   decimum  daut  oppida  Trogum, 

1010     Extulit  uudecimum  pollens  urbs  Spira  Tanastum, 
Absque  Haganoue,  locum  supplevit  rex  duodenum. 
Quatuor  hi  adversum  summis  conatibus  unuui 
Conteuduut  pariler  multo  varioque  tumultu. 
Interea  Alpharidi  vanus  labor  iuculit  iram. 

1015     Qui  quia  jam   pridem  uudavit  casside  frontem, 
lu   framea  tuuicaque  simui  confisus  aena, 
Omisit  parmam ,  priuiumque  iuvasit  Eleutlirim. 
Huic  galeam  findens  cerebrum   diirudit,    et  ipsam 
Cervicem  resecaus  peclus  patefecit ;    at  aegruni 

1020     Cor  pulsans  auimam  liquerat  mox  alque  calorem. 
Inde  petit  Trogum  haerentem  iu  fune  uefando. 
Qui  subilo  atlonitus  recidentis   morte  sodalis, 
Horribilique  hostis  couspectu  coeperat  acrem 
Necquicquam  temptare  fugam ,    vohiitque  relicta 

1025     Arma  recoliigere,   ut  rursum  repararet  agouem. 
Nam  cuucti  fuuem  tracturi  deposueruut 
Haslas  cum  clipeis.     sed  quanto  maxinuis  heros 


1000  lios  inter  I.  1001  qui  C.  100-1  nequirent  C.  1008 
eleuter  A.  C.  eleuthir  B.  Iieiinnod  A.  Iielnod  I.  1009  trogunt 
A.  C.  1011  rex  suppleuit  B.  L  lOli  intulit  C.  1015  et  qui 
iam  A.  I.  1015  naidarat  B.  nudarat  A.  lOlT  obmisit  C.  eleutrum 
A.  eleutrhin  B.  eleutrin  I.  eleutrim  C.  E.  1021  trogunt  A.  C. 
trocdunt  E.       1022  subita  C.       1025  hagouem  }i. 


38  WALTHARIUS. 

Fortior  extiterat,   tanto  fiiit  ocior  olli , 
Et  cursii  capto  suras  niucrone  recidit , 

1030     Ac  sic  tardatum  praevenit  et  abslulit  ejus 

Sculum.     sed  Trogus,  quamvis  de  vulnere  lassus, 

»        Meute  tainen   fervens,  saxum  circumspicit  ingens, 

Quod'rapiens,  subito  obnixum  conlorsil  in  hoslem, 

Et  proprium  a  summo  clipeum  fidit  usque  deorsum. 

1035     Sed  retinel  fraclum  pellis  superaddita  Hgnum. 

INIoxque  genu   posito  viridem    vacuaverat    aedem, 
Atque  ardens  animis  vibratu  terruit  auras. 
Et  si  non  quivit  virlutem   ostendere  factis, 
Corde   tameu  liabitum  patefecit  et  ore  virilem. 

1040     Nec  manes  ridere  videns  audaciter  infit 

'0  niilii  si  clipeus,    vel  si  modo  adesset  aniicus ! 
Fors  tibi  victoriam   de  me,    non  inclita  virtus 
Contulit,   ad  scutum  mucronem  toUito  nostrum!' 
i.  um  quoque  subridens  'venio  jam'  dixerat  heros, 

1045      Et  cursu  advolitans  dexlram   ferientis  ademit. 

Sed  cum  athleta  ictum  libraret  ab  aure  secundum, 
Pergentique  animae  valvas  aperire  studeret; 
Ecce  Tanastus  adest,    telis  cum  rege  resumptis, 
Et  socium  objecta  protexit  vulnere  pelta. 

1050     Hiuc  indignatus  iram  convertit  ad  ipsum 

Waltharius,    humerumque  ejus   de  cardine  velh't, 
Perque   latus  ducto  suffudit  viscera  ferro. 
Salve !    procumbens  submurmurat  ore  Tanastus. 
Quo  recidente  preces  contempsit  promere  Trogus, 

1055      Conviciisque  sui  victorem   incendit  amaris. 


1028  ol!is  I.  1031  lesiis  A.  laesiis  C.  103.5  scissum  A. 
1036  ensem  A.  1037  vibratas  C.  vibravit  terniit  I.  1038  qiiasi  C^ 
1039  tantum  C.  1040  maneiis  I.  1043  mncronem  liic  B.  I. 
1046  sedentem  C.  1048  tbanastus  A.  1048  telum  C.  1050 
in  B.  1.  1052  postque  C.  1053  aue  B.  C.  E.  1.  tlianastus  A. 
1055  convictusque  sui  I.       1055  suis  C. 


WALTHARIUS.  39 

Seii  virtule  aninil ,  seu  desperaverat.     Exin 
Alpharides  ^morere'  iuquit  'et  baec  siib  tartara  transfer, 
Enarrans  sociis,   quod  tu  sis  ullus  eosdem.' 
His  dictis  torquem  collo  circumdedit  aureum. 
1060     Ecce  simul  caesi  volvuntur  pulvere  amici, 
Crebris  foedatum  ferientes  calcibus  arvum. 
His  rex  iiifelix  visis  suspirat,    et  omni 
Aufugiens   sludio   falerali  terga   cavalli 
Scandit,    et  ad  moeslum  citius  Haganona  volavit, 
1065     Omnimodisque  illuni  precibus  flexisse   sategit, 
Ut  secum  pergens  pugnam   repararet.     At  ille 
'Me  genus  infandum  prohibet  bellare  parentum, 
Et  gelidus  sanguis  mentem  mihi  dempsit  in  armis. 
Tabescebat  enim   genilor  dum  tela  videret, 
1070     Et  timidus  multis  rcnuebat  proelia  verbis. 

Haec  dum   jactasses,   rex,    intcr  te  comitantes, 
Extilit  indignum  nostri  tibi  quippe  juvamen.' 
Alle  recusauti  precibus   nihilominus   instaus 
Talibus  aversum  satagit  revocare  loquelis 
1075     'Deprecor  per  superos,   conceplum  pone  furorem. 
Iram  de  nostra  conlractam  decute  culpa, 
Quam  vita  comitante,    domum  si  venero  tecum, 
Impensis  tibimet  beuefactis  diluo  multis. 
Nouue  pudet  sociis  tot  cognatisque  peremptis 
1080     Dissimulare  virum?  magis,  ut  niihi  quippe  videtur, 
Verba  valent  animum  quam  facla  nefanda  movere. 
Juslius  in  saevum  tumuisses  niente  tyrannum, 
Qui  sohis   hodie  caput  infaniaverat  orbis. 
Nou  modicum  patimur  dampuum  de  caede  virorum, 


1056  despiraverat  I.  1062  iiissis  C.  1063  Effugieiis  I. 
1065  omnimodis  illiim  I.  1068  ademit  B.  in  aruis  I.  1070  tu- 
midus  I.  1071  inter  se  1.  1072  nomen  tibi  quippe  vivamus  C. 
1075  Te  rogo  C.    Deprecor  ob  superos  I.       1073  deluo  B. 


40  WALTIIARIUS. 


1085     Dedecus  al  tanlum   superaljlt  Francia  nuuquam. 
Anlea  queis  fuimus   suspecli,  sibila  dantes, 
"Francorum"  dicent  "exercitus  omnis  ab  uuo 
Proli  pudor!  ignotum  vel  quo,  est  impune  necatus!" 
C-unctabatur  adhuc  Haganon,    et  pectore  sponsani 

1090     Waltliario  plerumque  fidem  volvebat,   et  ipsum 
Evenlum  gestae  recolebat  in  ordine  causae. 
Supplicius  tameu  infelix  rex  inslilit  illi, 
Cujus  subnixe  rogitautis  aciimiue  niolus 
Erubuit  domini  vullum,    replicabat  honorem 

1095     Virlutis  propriae,    qiii  fors   vilesceret  indc, 

Si  quocunque  niodo  in  rebus  sibi  parceret  islis. 
Erupit  tandem,    et  clara  sic  voce  respoudit 
'Quo  me,  douuie,  vocas?  quo  te  sequar,  inclite  priuceps? 
Quae  uec[ueunt  fieri  spoudet  fiducia  cordi. 

1100      Quis  tam   desipiens  quandoque  fuisse   probatur, 
Qui  sallu  baratruni  sponte  attemptarit  apertum? 
Nam  scio  Wallharium  per  campos  sic  fore  acerbum, 
Ut  tali  castro  uec  uou  slatioue  locatus, 
Ingentem  cuneum  velut  uuum  tempuat  homuUum. 

1105     Et  licet  huc  cuuctos  equites  simul  atque  pedestres 
Fraucia   misisset,   sic  his,    ceu  fecerat  istis. 
Sed  cpiia  couspicio  te  plus   doluisse  pudore, 
Quam  caedis  damno,    uec  sic  discedere  velle; 
Compalior,    propriusque  dolor  succumbit  honori 

1110     Regis,    et  ecce  viam  couor  reperire  salutis, 


1085  at  tamen  A.  at  terra  C.  tantum  Iiat  ancli  F.  1086 
snbiecti  C.  (|ui  fuerant  subiecti  1.  1088  qni  est  C.  vel  qnod 
impnne  negatnr  I.  1089  adlioc  I.  1091  Evento  F.  1092  sup- 
pliciter  1.  1094  repiiravit  C  lionore  A.  C.  1097  eripuit  C.  E. 
erubuit  1.  1098  domine  A.  C.  1099  coniis  C.  1100  qnicnn- 
(jiie  C.  1101  attcniptaret  A.  attemptnrit  B.  E.  acce|)tavit  C. 
Altum  ()uis  baratrnm  sponte  attiMiiptarit  apertnm  1,  1104  teniptat  1. 
1106  sic  liic  1.       IIOT  quod  A.       1109   compatiar  C. 


WALTHARIUS.  41 

Quae  lanien  auf  nunquam  ostendet  se  sive  coacle. 
INam  propter  caruni,   fateor  tibi,  donine,  nepotem 
Promissam  fidei  norniam   corrumpere  nollem. 
Ecce  in  nou   dubium  pro  te,   rex,    ibo  periclum, 

lil5     Ast  liinc  me  penitus  confliclu  cedere  noris. 
Secedamus,    eique  locum  praestemus  eundi; 
Et  positi  in  speculis  toudamus  prala  cavaliis , 
Donec  jam  castrum  securus  deserat  arlum, 
Nos   abiisse  ratus;    campos  ubi  calcet  aperlos  , 

1120     Insurgamus,    et  attonitum  post  terga  sequanuu-: 
Sic  aliquid  virtutis  opus  temptare  valemus. 
Haec  mihi  iu  ambiguis   spes  est  cerlissima  rebus. 
Tuni  bellare  potes ,   belli,  rex,    si  tibi  mens  est, 
Quippe   fugam   nobis  nuncjuam   dabil  ille  duobus; 

1125     At  nos  aut  fugere,  aut  acrum  Jjellare  necesse  est.' 
Laudat  coiisilium   satrapa  et  conipleclilur  illum, 
Oscilioque  \irum  demulcet.     Et  ecce  recedunt, 
Insidiisque  locum  circumspexere   sat  aptum, 
Dimissique  ligant  animalia   gramine  laelo. 

1130 -l-nterea  occiduas  vergebat  Plioebus  in  oras 
Ullima  per  notam  signans  vestigia  Thilen, 
Et  cum  Scoligenis  post  terga  reliquit  Hiberos. 
Hic  poslquam  oceanas  scnsim   calefecei'at   uudas, 
Hespera   el  ausoniis  obvorlit  cornua  terris , 

1135     Tum  secum  sapiens  coepit  tractare  satelles , 
Utrum  subtuto   per  vasta  silentia  castro     * 
Sisteret,    an  vaslis  lieremi  commilleret  arvis. 
Aestuat  inimensis  curarum  iluclibus,   et  quid 


1111  quain  C.  niisquam  B.  ostendere  I.  1112  propritini  C. 
1115  hic  A.  1.  conflicUini  C.  I.  credere  I.  1119  ui  canipos  A. 
campos  vi  C.  1123  pugnare  B.  tibi  si  rex  B.  112.5  acrum  A. 
B.  E.  atruin  C.  1129  demissisque  I.  1131  tylen  B.  1132 
quae  cum  C.  1133  lii  A.  1134  hesperos  ausonidis  B.  Ausonidis 
ob.  .  .  .  coriiua  1.       1136  deusa  B.  1.       1137  conimittere  B. 


42  WALTHARIUS. 

Jani  faceret  sollers  arguta  indaghie  quaerit. 

1140     Solus  enini  Hagano   fuerat  suspectus,    et  illuJ 
Oscilluni  regis  subter  coniplexibus  actuni. 
Anibigerat  prorsus,    quae  sil  sententia  nienti 
Hostis,   et  an  urbem  vellent  renieare  relictam, 
Pluribus   ut  sociis   per  noctem   forte  coactis 

1145     Prinio  niane  parent  bellum  renovare  uefandum? 
An  soli  insidias  facerent  propiusque  lalerent. 
Terret  ad   liaec  triviis  ignoti  silva  meatus, 
Ne   loca   fortassis  iucurreret  aspera  spinis, 
Immo  quippe   feris  sponsamque  amitteret  illis. 

1150  rlis  ita  provisis  exploratisque  profatur 

'En  quociuique  modo  res  pergant  liic  recubabo, 
Donec  circuiens  lumeu   spliera  reddat  amatum. 
Ne  patriae  fines  dicat  rex  ille  superbus 
Evasisse  fuga,    furis  de  niore,   per  umbras.' 

1155     Dixit,    et  ecce   viam   vallo  praemuniit   artam , 
Undique  praecisis  spinis  simul  et  paliuris  ; 
Quo  facto  ad   truncos  sese  convcrtit,    amaro 
Cum  gemitu,  et  cuicumque  suum  caput  applicat,  atque 
Contra  orientalem  prosiralus  corpore  pai'tem, 

1160     Ac  uudum  retinens  ensem  liac  cum  voce  precatur 
'Rerum  factori,    sed  et  omnia  facta  regenti, 
Nil  sine  permissu  cujus  vel  denique  jussu 
Conslat,    ago   gfates,    qui  me  defendit  iniquis 
Hostilis  turmae  telis,   nec  nou  quoque  probris. 


1140  suspensus  I.  aspera  silvis  I.  1142  ambierat  B.  I, 
1145  recreare  B.  1147  terrent  adliuc  C,  1148  Ne  A.  Nec  B. 
Haec  C.  Ac  I.  1149  felilt  iliis  I.  1152  spera  reddat  A.  B. 
Spera  reddit  I.  spacia  redit  C.  1153  ipse  I.  1156  palinuris  I. 
1157  amaros  C.  E.  1158  et  circumque  A.  et  quicunque  B.  cir- 
cumque  C.  et  cuicunque  I.  1160  Ac  ensem  nuduin  retinens  hac 
uoce  A.  hac  sic  voce  I.  1161  Verum  factoris  et  o.  f.  regentis  I. 
1162iussoB.    1163quodmeC.    1 164  nec  non  quoque  rite  probati»  1. 


WALTHARIUS.  43 

1165     Deprecor  at  domiuum  contrila   mente  benignuni, 
Ut,   c{ui  peccantes  uon  vult,    sed  perdere  culpas, 
Hos  in   coelesti  praestet   mihi  sede  videri.' 
i^ui  postquam    orandi  lincm  dedlt ,  ilico   surgens 
Sex  giravit  ecjuos  et  virgis   rite  retortis 

1170     Vinciit.     lii  tantum  remanebant,    nempe  duobus 
Per  tela  absumptis,   trinos  rex  Guuthere  abegit. 
Jrlis  ila  compositis  procinctum  solvit,    et  alte 
Ingenli  fumans  leviabat  pondere  corpus. 
Tum  moestam  laeto  solaus  affamine  spousam  , 

1175     INIoxque  cibum  capiens  aegros  recreaverat  artus 
(Oppido  enini  lassus  fuerat)  clipeoque  recumbens, 
Primi   custodem  somni  jubet  esse  puellam, 
Ipse  matutiuam  disponeus  tollere   curam , 
Quae  fuerat  suspecta  magis ;   tandemque  tjuievit. 

1180     Ad   cujus  caput  illa  sedeiis  solilo  vigilavit, 
Et  dormitantes  cautu  patefecit  ocellos. 
Ast  ubi  vir   primum   jam  expergiscendo  soporem 
Ruperat ,  absque  mora  surgens  dormire   puellam 
Jussit,    et  arrecla  se   fulciit  inipiger  hasta. 

1185     Sic  reliquum   noctis  duxit,   modo  quippe  cavallos 
Circuit,   inlerdum  auscultans  vallo  propiavit, 
Exoptans  orbi  species  ac  lumiua  reddi. 
JLiucifer  iuterea  praeco  scandebat  Olimpo, 

Lucens  Taprobane  clarum  videt  insula  solem. 

1190  Hora  fuit,    gelidus   qua  terram   irrorat  Eous. 
Aggredilur  juvenis  caesos  spoliaricr  armis 
Armorumquc   habitu,    tuuicas  et  cetera  linquens, 
Armillas  tanlum    cum  bullis,  ballea  et  euses, 

1165  ad  A.  C.  E.  116T  praebet  C.  1169  Exgyravit  I. 
llTt  lernos  B.  1.  guntlier  A.  IITS  levabat  I.  11T6  nam  I. 
1183  orbis  sp.  ac  culmina  1.  1186  oscultans  B,  1189  Dicens  B. 
1189  tliaprobane  A.  C.    zaprobane  I.        1190   irrora  B.    inrorat  1 

1191  spojiarier  omncs  ].        1192  armorum  liabitu  I. 


44  WALTEIARTUS. 

Loricas  quoque   cuiu  galeis   delraxerat  ollis. 
1195     QuaUior  liis  oneravit  equos,  sponsamque  vocalam 
Imposuit  quinto,   sextum  conscenderat  ipse, 
Et  primus  vallo  perrexerat  ipse  revulso. 
At,    dum   conshicli   penelratur  semila  callis, 
Gircuniqnaque  oculis  explorans  oninia  puris, 
1200     Auribus   arrectis  ventos  captavit  et  auras, 
Si  vel  niussantes  sentiret  vel  gradientes, 
Sive  superborum  crepilantia  frena  virorum , 
Seu   sallem  ferrala  sonum  daret  ungula  equorum. 
ir^ostqiiam  cuncla  silere  videt,  praevertit  onustos 
1205     Quadrupedes,  mulierem    etiam  praecedere  jussit. 
Scrinia  geslantem   comprendens  ipse  cavallum, 
Audet  inire  viam  consueto  cinctus  amiclu. 
INIille  fere  passus  transcendit,    et  ecce  puella, 
Sexus   enim  fragilis  aninio  trepidare  cO(?git, 
1210     Piespiciens  post   terga  videt  desceudere   binos 

Quodam  colle  viros  raptim   et  sine  niore  meantes ; 
Exsanguisque  virum   compellat   voce  seqaentem 
'Dilatus  jam  finis  adest.  fuge,  domne,  propinquant!' 
Qui  mox  conversus  visos   cognovit  et  inquit 
1215     'Incassum  multos  niea  dextera  fuderat  hostes, 
Si   modo  supremis  laus  desit,    dedecus  assit. 
Lst  satius,  pulchram  per  vuluera  quaerere  mortem, 
Quam  solum  amissis  palando   evadere  rebus. 
Verujn  uou  adeo  sunt  dcsperanda  salulis 
1220     Commoda  cernenti  cjuondam  majora  pericla. 
Aurum  gestantis  tute  accipe  loi-a  leonis. 


119i  quas  cum  C.  1201  niussantes  pariter  D.  .  120i  oiiustas 
A.  E.  1206  conipreliendens  C.  1207  amicto  C.  1209  sexus 
liaec  C.  1210  terga  viros  D.  1211  colie  videt  D.  1212  se- 
<iuente  A.  C.  1216  si  nunc  in  fine  D.  adsit  I.  1218  baiando  D. 
1219  verum  enim  adero  sibi  desp.  D.  1220  pericli  E.  1221 
accipit  1. 


WALTHARIUS.  45 

Et  cilius  pergens  liico  succede  propinquo. 
Ast  ego  in  asceusu  niontis  subsistere  malo 
Eventum  opperiens,    atlventanlesque  salutans. ' 

1225      Obsequitur  diclis  virguucula  clara  jubenlis. 
Ule   cclcr  scutum  collegit  cl  excutit  liastam, 
Ignoti  mores  equilis  templando  sub   arr.us. 
Hunc  rex  incursans,    comilanle  satellite,    dcn\ens 
Emiuus   aflatu  compellat  valde  superbo 

1230     'Hostis  atrox,  nisu  deluderis!     ecce  latebrae 

Protinus  absistunt,    ex  queis,    de  niore  liciscae 
Dentibus   infrendens  rabidis,    lalrare  solcbas. 
En  in  propatulo,  si  vis,    conlligilo   campo, 
Experiens ,    finis  si  fors  queat  aequiparari 

1235     Principio.     scio,    forlunam  mercede  vocasli, 
Idcircoque  fiigani  tempnis  seu  dedilionem.' 
Alpliarides  contra  i-egi  non  reddidit  ulla, 

Sed ,    velut  hinc  siu'dus,    alio  convertitur  ajens : 
'Ad  te  scrnio  mihi,   Hagano,   subsisle  parumper. 

1240     Quid,   rogo ,   tam  fidum  subito  mutavit  aniicum  ? 
Ut  discessurus  nuper  vix  posse  revelli 
Qui  nostvis  visus  fueial  complexibus  ultro, 
NuIIis  nempc  malis  laesus  nos  appelat  armis. 
Sperabam  ,    fateor,    de  te,    sed  deuique   fallor. 

1245     Quod  si  de  exilio  redeuntem  nossc  valcres , 
Ipse  salutatum  mihimet  mox  obvius  ires, 
Et  licet  invilum  hospitii  requiele  foveres , 
Pacificeque  in  regna  patris  deducere  vellcs. 


1222  secede  C.  1223  accessu  1.  1225  felilt  A.  1228 
Tunc  D.  1230  deludens  C.  1231  Vndique  defensus  fragilis  de 
more  liclscae  I.  1231  et  qui  de  more  D.  1232  Seutibus  I. 
solebat  I.  1232  rahidi  D.  1233  mecum  confligito  D.  1233 
Ex  in  I.  1234  equiperari  A.  D,  1236  diminutione  B.  1238  alias  D. 
1241  reuerti  A.  et  discessurus  D.  1242  nisus  C.  usus  D.  E.  1243 
appetit  C.      1247   requie  refoveres  D.       1248  pacificumque  D. 


46  WALTHARIUS. 

SollicUiisque   fui  quorsurn   lua  niunera  ferreni ; 

1250     Namque  per  iguotas  dixi  pergens  regiones  : 

''Francorum  vereor,  Haganone  superstile,  nullum." 
Obsecro  per  ludos,   resipiscilo  jam  ,    pueriles, 
Unanimes  quibus  assueli  fuinuisque  periti, 
Et  quorum   cultu  prinios  altrivimus  annos. 

1255     luclita   quonam   niigravit  concortlia  nobis? 

Semperin  liosle  domique  manens,  nec  scandala  noscens, 
Quippe  tui  facies  palris  obliviscier  egit, 
Tecum  degenti  mihi  patria  viluit  ampla. 
Nuncpiid  meute  fidem  abradis  saepissime  pactam  ? 

1260     Deprecor  hoc  abscide  nefas,    neu  bella  lacessas , 
Sitque  inconvulsum  nobis  per  tempora  foedus. 
Quod  si  consenlis,   jam  nunc  ditatus  abibis 
Eulogiis,    rulilo  mnbonem  complebo  nietallo.' 
Contra  quod  Hagano  vultu   haec  airamiua  torvo 

1265     Edidit,    atque  iram  sic  iusinuavit  apertam 

'Vim  prius  exerces,  Walthari,  postque  sophari?. 
Tute  fidem  abscideras.     cum  memet  adesse  videres, 
Et  tot  stravisses  socios,    immocjue  propiuquos, 
Excusare  necjuis,    quin  nie  tunc  alFore  nosses. 

1270     Cujus  si  facies  laluit,   tameu  arma  videbas 
Nota  satis,   habituque  virum  rescire  valebas. 
Cetera  fors  tulerim ,    si  vel  dolor  unus  abessel : 
Unice  enimcarum,  rutiUim,  blandum,  pretiosum 
Carpsisti  florem  mucronis  falce  tenellum. 

1275     Haec  res  est,    pactum  cpia  irritasli  prior  almum, 
Idcircocjue   gazam  capio  pro  foedei-e  nullam. 
Sitne  libi  soli  virtus,    volo  discere,   in  armis. 


1254  attriiierat  B.  1260  Iiic  C.  1260  iacesses  D.  1262 
ditatis  D.  1264  contra  quem  D.  1266  ne  nos  iiiciises  milii  vim 
qul  tu  prior  infers  D.  1271  iialeres  A.  C.  1273  unice  mi 
caruro  A.  unicum  enim  carum  rutilum  plandum  preciosum  D.  1275 
alumuum  A. 


WALTHARIUS.  47 

Deque  tiiis  manibus  caedem  perquiro  nepotis. 
Eu   aut  oppeto ,    sive  aliquid  memorabile  faxo.' 

1280     Dixil;    et  a  tergo  saltu  se  jecit  eqiiino, 

Hoc  et  Guntharius,    nec  segnior  egerat  lieros 
Wallharius ,  cuncti  pedites  bellare  parali. 
Slabat  quisque,    ac  venluro  se  providus  ictu 
Praestruxit,    trepidant  sub   pellis  martia  menibra 

1285     Hora  secunda  fuit  qua  tres  hi  congrediuntur ; 
Adversus  solum  conspirant  arma  duoruni. 
Primus  maligeram  collectis  viribus  haslani 
Direxit  Hagano,    dirupta  pace.     sed  illani 
Turbine  terribilem ,    tanto  et  sliidore  volaulem 

1290     Alpharides  semet  ceruens  tolerare  nequire, 
Sollers  obliqui  dehisit  tegmine  scuti. 
Nam  venieus  clipeo  sic  est  ceu  marmore  laevi 
Excussa,    et  collem  vehementer  sauciat,   usque 
Ad  clavos  inlixa  solo.     Tunc  pectore  magno, 

1295     Sed  modica  vi,    fraxineum  haslile  superbus 

Jccit  Guntharius,  volilans  quod  adhaesit  iu  ima 
Wallharii  parma,    quam  mox  dum  conculit  ipse, 
Excidit  ignavum  h'gni  de  vuluere  ferrum. 
Omine  quo  moestl.  confuso  pectore  Franci 

1300     Mox  stringunt  acies,  dolor  est  conversus  ad  iram, 
Et  tecti  clipeis  Aquitanum  invadere   certant. 
Streunuus  ille  tamen   vi  cuspidis  expulit  illos, 
Atque  incursantes  vullu  terrebat  et  armis. 
Hic  rex  Guntharius  coeptum  meditatur  ineptum, 

1305     Scilicet  ut  jactam  subito  terraeque  relapsam. 


1281  enauit  A.  B.  1281  liic  C,  1284  perstrinxit  sub  penis 
(am  rande:  sub  pectore)  D.  1286  aduersum  A.  C.  1287  ma- 
lignam  D.  maligenam  A.  C.  1288  disrupta  B.  1291  secuti  B. 
solers  obiique  D.  1295  fraxineiimque  A.  E.  129T  quia  mox  D. 
1300  iras  C.  1301  ac  tecti  D.  1302  strenuus  B.  1304  quan- 
quam  C. 


48  WALTFIARIUS. 

(Anle   pedes  herois   enim  divulsa  jacebat) 
Accedeus  tacite  furlim  sustolleret  hastam. 
Quandoquidem  brevibus  gladiorum  denique  telis 
Armati  nequeunt  accedere  cominus  illi, 

1310     Qui  tanj   porrectum  torquebat  cuspidis   ictum. 

Innuit  ergo  oculis ,    vassum  praecedere  suadcns, 
Cujus  defensu   causam  supplere  valeret. 
JNec  mora;  progreditur  Ifaganon  acprovocat  liostem. 
Rex  quoque  gemmatum  vaginae  condidit  enseni 

1315     Expediens  dexlram   furlo  actutum  faciendo, 

Sed  quid  plura  ?    manun)  pronam  trausmisit  in  liastain, 
Et  jam  comprensam   sensim  subtraxei-at  ipsam  , 
Forlunae  majora  petens.     sed  maximus  lieros, 
Utpote  qui  bello  sempcr  sat  providus  esset, 

1320     Praeter  et  unius  punctum  cautissimus  horae, 
Hunc  inclinari   cernens  persenserat  actum, 
Nec  tulit  obstantem  sed  mox  Hagauoua  revellens. 
Denique  sublato  qui  divertebat  ab  ictu , 
Insilit,    et  planla  direptum  hastile  retentat, 

1325     Ac  regem  furto  caplum  sic  increpitavit, 

IJt  jam  perculso  sub  cuspide  genua  labarent; 
Quem   quoque    contiuuo   esurienti  porgeret  Oixo, 
Ni  Hagano   armipotens  citius  succurreret,   alque 
Objecto  dominum   scuto  muniret,    et  hosti 

1330     Nudam  aciem  saevi  mucronis  iu  ora  tulisset. 

Sic   dum   Waltharius  vulnus  cavet ,    ille  resurgit , 

Atque  tremens  trepidusque  stetit,  vix  morte  reversus. 

Wecmora,  necrequies,   bellum  instauratur  amarum, 


13tO  jam  D.  1311  falsiim  D.  1314  vagina  D.  1315  ex- 
tendens  D.  tiitiim  A.  tiitam  C.  furtum  tutum  D.  1316  pronus  D. 
1320  praeterit  C.  unius  liorae  pnnctum  cautissimus  B.  Fretus  et 
hujus  per  pnnctum  cautissimus  lieros  D.  1321  iiidigoari  D.  pre- 
senscrat  A.  1322  Hagano  B.  1323  ab  iectn  B.  1328  porigeret  D. 
1329  bellumque  restaurat  amarum  D.       1332  stupidnsqiie  B. 


WALTriARIUS.  49 

Incurnml  Iioniiiiem  luinc  aiiibo,  niiucqiie  vicissini ; 

L335     Va  (lum  progresso  se  impenderet  acrius  uni, 
En   de  parte  alia  subit  alter  et  inipedit  ictuin. 
liaud  aliler,  numidus  quam  duni  venabilur  ursus, 
Et  cauibus  circumdaUis  aslat  et  arlubus  liorrel, 
Et  caput  occuhaus  submurmiirat,  ac   propiautes 

1340  Amplexans  unibros  miserum  luulire  coarlal; 
Tum  rabidi  circum  lalraiit  liiiic  iiide  molossi 
Cominus,  ac  dirae  nieluunt  accedere  behiae. 
Taliler  in  nonani  conllictus  fluxerat  undam, 
Et  triplex  inerat  cunctis  maceralio  leli , 

1345     Terror  et  ipse  labor  bellandi,    solis  et  aidor. 
Jnterea  herois  coepit  subrepere  mcnti 
Quiddam,  qui  tacilo  preniit  lias  sub  corde  ioquelas 
'Si  forluna  viani  non  comniulaverit,   isti 
Vana  faligalum  nieniet  per  ludicra  fallent.* 

1350     Ilico  et  dala  Haganoni  voce  profatur: 

'0  paliure,  vires  foliis,    ut  pungere  possis, 
Tu  saltando  jocaus  artu  me  ludere  temptas: 
Sed  jam  faxo,  locum  propius  ne  accedere  tardes; 
Ecce  tuas  scio  praegrandes  in  corpore  vires , 

1355     INIe  piget  incassum  tanlos  suiferre   labores.' 
Dixit  et  exsilieus  coulum  conlorsit  in  illum , 
Qui  pergens  onerat  clipcum  dirimilque  aliquautum 
Loricae,   ac  niagno  niodicum  de  corpore  striugit; 
Deniqiie  praeclpuis  praecinctus  fulserat  armis. 

1360  A-t  vir  Wallharius,    niissa  ciim  cuspide  currens, 
Evagiiiato   regem  importuuior  ense 


1335  proj^ressu  D.  1337  diiiniHns  quia  D.  1341  rapidi  A.  D. 
1312  coniniiiius  B.  D.  1343  liorani  A.  D.  1344  cunctis  inerat  B. 
1346  surepere  B.  1348  istis  D.  1349  fugitatum  D.  1351 
uirens  A.  vel  pungere  D.  1354  tuns  cito  pergrandes  D.  ostendito 
uires  B.  D.  1356  ipsum  B.  135T  pungens  D.  1359  pro- 
cinctus  A. 


50  WALTElAaiUS. 


Impetil,    el   sculo   dexlra  de  parle  reviilso 
Ictiiin   praevaliduin  ac  iniranduni  fecit,   eique 
—    Crus  cum  poblile  ad  usque  femur  decerpserat  oinne. 

1365     Ille  super  parniam  anle  pedes  mox  coiicidit  Imiiis. 
Palluit   exsanguis  domino   recidenle  salelles. 
Alpharides  spalam   tollens  iterato  cruentam 
Ardebat  lapso   poslremum  infligere  vulnus. 
Immemor  at  proprii  Hagano  vir   forle  doloris 

1370     Elatum   caput  iuclinans  objecit   ad   iclum. 

Exteusam   cohibere  manuin   non  qulverat  lieros; 
Sed  cassis   fabrefacta  diu  meliusque  peracta 
Excipit  assuluim,    mox  et  scinlillat  iu   altum, 
Cujus  durilia  slupefactus  dissilit  eusis 

1375     Proli  dolor I  et  crepitans  partini  micat  aere  et  herbis. 
JDelliger  ul  fraineae  murcalae  fragmina  vidit, 
Indigne  tulit,    ac  nimia  furit  elTerus  ira , 
Impatiensque  sui,    capulum  sine  pondere  ferri, 
Oiiamlibet  eximio  praestaret  et  arle  nietallo 

13.S0     Prolinus  abjecit,    monimentaque  tristia  sprevit : 
Qui  dum   forle  maniim  jain  enormiter  exeruissel, 
Abstulit  hanc  Hagano  sat  laetus  vulnere  proinpto. 
In  niedio  jactus  recidebat  dextera  fortis, 
Genlibus  ac  populis  nuillis  suspecla  tyrannis, 

1385     liinuinerabilibus  quae  fulserat  ante  trophaeis. 
Sed  vir  praecipuus,    nec  laevus  cedere  gnarus, 
,.-■  Sana  niente  polens  carnis  superare  dolores 


1362  remilsit  D.  depulso  B.  136:i  perualidum  A.  admiraiidum  D. 
1364  polliteD.  1365  pedes  cadit  et  miser  luijus  D.  1368  postremo 
infigere  D.  1369  ac  liagano  proprii  fit  forte  doloris  D.  1370 
iratiiin  A.  eratum  D.  1371  nequiuerat  A,  1372  cassissis  B. 
nielioque  D.  1374  excintillat  0.  1373  Pro  B.  D.  acer  in  lierbis  D. 
1376  mucrate  D.  1379  qualibet  ex  nimio  prestaret  arte  D.  1381 
manum  miser  exeruisset  inermem  D.  1382  sat  telus  vulnere 
proniliij  D.      1383  In  niedio(|iie  ictu   D.      1386  leuis  .\.    laeuis  I"-. 


WALTHARIUS.  51 

Noi)  desperavit,    ueque  vultus  coucidit  ejus, 
Verum  vuluigerani   clipeo  inserlaverat  ulnani 

1390     Incolumique  manu  niox  eripuit  semispatam, 

Qua  dextrum  cinxisse  latus   memoravimus  illum , 
llico   viudiclam  capiens  ex  hosle  severam. 
Nam  feriens  dexlrum  Haganoni  effodit  ocellum, 
Ac  tempus  resecans  parilerque  labella  i'evelleu8 

1395     Olli  bis  trinos  discussit  ab  ore  molares. 
A  ali  negotio  dirinuuitur  proelia  facto. 

Quemque  suum  vulnus  atque  aeger  anhelitus  arma 
Ponere  persuasit.  quisnam  hinc  immunls  abiret? 
Qua  duo  magnauimi  heroes  tam  viribus  aequi 

1400     Quam  fervore  animi  steleranl  iii   fulmine  belli. 
A  ostquam  linis  adest,   insignia  cjuemque  nolabant; 
lllic   Guntharii  pes  regis,  palnia  jacebat 
AVallharii ,    uec  non  trejnulus  Haganonis  ocelliis. 
Sic  sic  armillas  parliti  sunt  avarenses ! 

1405  L^onsedere  duo,   nam  tertius  ille  jacebat, 

Sanguinis   undanlem  lergentes   florlbus  amnem.  V 
Haec  inter  timidam  revocal  clamore  puellam 
Alpharides,  veniens  quae  saucia  quaeque  ligavit. 
ilis  ita  compositis  sponsus  praecepit  eidem  : 

1410     Mani  misceto  merum,  Haganoni  el  porrige  primum, 
\:sl  athlcla  bonus  .    fklei  si  jura  reservet ; 
Tum  praebeto  niihi,  reliquis  qui  plus  toleravi; 
Poslremuni   volo  Guntharius  bibat,    utpote  segnis 
liiler  niagnaninuun   qui  parult  arma  virorum, 

1415     Et  qul  Marlis  opus  tepide  alque  enerviter  egit.' 
Obsequitur  cunctis  Herrici  filia  verbis. 
Francus  at  oblato  licet   arens  pectore  vino 
*Defer'  ait  'prius  Alpliaridi  sponso  ac  seniori 

1401    queque  A.       1402  regis  pes  B.      1407  liic  .4.  B.      1414 
niagiinm  iiim  A.       1416   lierirlci   B. 

•  4  * 


52  W  A  L  r  IJ  A  R  I U  S. 

Virgo  tiio,    quoniai)»   f.iteor  inc  forlior  ille  est , 

1420     Non  soUiiu  niihi  sed  cunctis  super  einlnel  ille. 

Hic  tandem  Hagano  spinosus,    et  ipse  Aquitanus 
Mentibus  invicti,   licet  onini  corpore  lassi, 
Post  varios  piignae  strepitus,  iclusque  treinendos, 
Inter  pociila  scurrili  cerlamine  ludunt, 

1425     Francus  ait  ')am  deliinc  cervos  agitabis,  ainice, 
Quoruin  de  rorio  wantis  sine  fine  fruaris : 
At  dextrum  moneo  tenera  lanuglne  comple, 
Ut  causae  ignaros  palmae  sub  imagine  fallas. 
Wali  I  sed  quid  dicis,  quod  rilum  infringere  genlU 

1430     Ac  dextro  femori  gladium  agglomerare  videris, 
Uxorique  luae,   siquando  ea  cura  subinlrat, 
Perverso  amplexu  circumdabis  euge  sinistram? 
Jani  quid  demoror?  enposthac  tibi.quicquid  agenduinest, 
Laeva  manus  faciel.'     Cui  Walthare  talia  reddit : 

1435     'Cur  tam  prosilias  admiror,    lusce  Sicamber, 
Si  venor  cervos,  carnem  vltabis  aprlnam; 
Ex  lioc  jam   famulis  tu  suspectando  jubebis, 
Heroum  turbas  transversa  luendo  salutans. 
Sed  lidei  memor  anliquae  libi  conslllabor: 

1440     Jam  siquando  domum  venias  larlbusque  propliiques, 
Effice  lardalam  de  mulclra  farreque  pullem, 
Haec  pariter  victum  tibi  conferet  atque  medelam. 
.rlis  dictis  paclum  renovant  iteralo  cruentum, 
Atque  simul  regem  lollentes  yalde  doleuteni 

1445     Lnponunt  equiti,    et  sic  disjecti  redierunt, 

Fianci  Wormaliam,  patriamque  Aqiiitanus  adlvit. 
lllic  gratifice  magno  susceptus  honore 
Publica  Hiltguudi  fecit  sponsalla  rile, 

1420  Nec  soluin  iiie  sed  cuiictos  super  eniinet  arniis  B.  1424 
scurruii  B.  1431  quaiido  cura  A.  143T  uidebis  A.  1441  pul- 
tam  A.  1442  lioc  pariter  til>i  uictum  confert  A.  1443  coartuin  B. 
1448  fcliK    A. 


WALTriARILS.  53 

Oinnibiis  et  carus  post  niortem  obitumque  parentis 
1450     Ter  denis  populum  rexit  feliciter  annis. 

Qualia  bella  dehinc,  vel  quantos  saepe  triumplios 

Coeperit,    ecce  styhis  renuit  signare  retusus. 
rlaec   quicunque  leges  stridenli  ignosce  cicadae, 

Kaucellam  nec  adhuc  vocem  perpende  ,  sed  aevum, 
1455     Utpote  quae  nidis  nondum  pelit  alla  relictis. 

Haec  est  Waltharii  poesis.     iios  salvel  I  H  C. 


1450  Feliciter  popiiliim  ter  deiiis  rexerat  ;innis  B.  14.^2 
retunsus  B.  1455  niduni  A.  1456  iesus  B.  der  sclireiber  von  A 
fiigt  die  zeile  liinzu:    Waltarius  clarus  uirtutibus,    at  iiir  nraarus. 


54  WALTriARIUS. 


Der  aiisgabe  des  Waltliarlus  liegeii  sechs  liaiul- 
sclirifleii  zum  gruiide,  deren  nur  zwei  vollslandig  sind : 
A  die  carlsrulier,  B  die  pariser,  C  die  vornials  nioshei- 
mische,  D  das  wiener,  E  das  sluttgarler,  I  das  engel- 
berger  bruchstiick.  F,  G,  H  bezeichnen  die  benulz- 
ten  steilen  bei  Freher,  Aventin  und  im  clironicou  no- 
valiciense.  Des  freihei-rn  Josepli  von  Lafsberg  mitlhei- 
lung  danke  ich  alle  sechs  abschriflen  und  vergleichun- 
gen ,    keine   riihrt  von  mir  selbst  her. 

Aufser  diesen  neun  texteu  mufs  es  noch  manchen 
audern  codex  des  gedichts  gegeben  liaben.  zu  Briissel  liegt 
ein  vermutlich  ganzer  uud  alter,  dessen  collation  mir 
eutgeht.  Seltsam,  dafs  Sanclgallen  keinen  bevvahrt;  zu 
TuU  besafs  man  im  eilften  jli.  ihrer  zwei*),  hatten  sie 
sicli  erhalten  ,  jetzt  die  alteslen. 

Der  band,  worin  sidi  A  findet,  fiihrt  in  der  carlsru- 
her  bibliothek  die  zahl  103,  ist  in  klein  octav,  und  enl- 
halt  nach  mehrern  andern  meisl  theologischen  tractatcn 
zuletzt  auf  24^  blaltern  den  Waltharius,  oder  ysia  die 
rubrik  lautet  'liistoria  Waltharii';  der  schriflzug  kiin- 
digt  ungefahr  den   beginn    des  zwcilflen  jli.  an. 

Wenig  jiinger  scheint ,  wo  nicht  aller,  B,  luim. 
8488''  der  koniglichen  blbliothek  zu  Paris  (olim  cod. 
reg.  10316  und  Colbert  6388),  gleichfalls  in  octav.  hier 
wird  mit  des  Geraldus  prolog  begonnen ,  am  schlufs  von 


')  catalog  der  Ijibiiotliek  des  Beiiedictinerklosters  S.  Apri   voin 
j.  1084,   mitgetdeilt  voii  Doren  iin  neiien  lit.  <iiiz.    1807    p.  73. 


W  A  L  T  H  A  R I  U  S.  55 

dem  sclirelber  zugefiigt:  'explicit  Hber  Tifridi  episcopi 
crassi  de  civitate  nulla.' 

C  reicht  bis  vers  1337  und  stammt  aus  einem  bai- 
rischen  kloster;  vor  sechzig  jahren  elgenthum  Gotllieb 
Christians  von  IMoslieim  *)  zu  Sluttgart,  von  welchem 
Fischer  den  cod.  zur  lierausgabe  empfieng.  In  wesseii 
handen  ist  er  jetzt?  er  soll  aus  dem  13  jh.  gewesen 
sein.  **) 

I,  iiberbleibscl  elner  guteu  hs.  des  13  jh,,  die  das 
klosler  Engelberg  in  Unterwalden  aufhebt;  dreizelin 
oclavbh^tter  zusammen  fiilien  noch  764  verse,  1  —  4'J2 
und   960—1233. 

D,  im  cod.  228  der  kaiserlichon  bibl.  zii  V\  ieii,  ;iiil 
papier,  und  wahrscheinlich  des  14  jh.,  umfasst  clie 
zeilen  203  —  406  und  1198  —  1385. 

E,  vlerzehn  pergamenlblaller  eliier  stultgarler  hs, 
des  13  jh.  (llieol.  et  phllos.  nr.  41  der  oll.  bibl.^,  sich  er- 
streckejid  auf  z.  483  —  1335,  dle  vergleichung  gcllefert 
Iial  Mone  in  seinem  anz.    1836   s.  415.  416. 

F,  ehdem  in  IToIdelberg  beiFi-clior,  dor  iloii  codox 
herausgeben  wollle  und  iii  selne  ongines  palatinas  II. 
cap.  13  (ed.  1612)  p.  62  einige  verse  riicken  liefs.  jelzl 
nicht  mehr  in  der  pfiilz.  bibl,,  und  schwerlich  nach  Hom 
gelangt.  in  Grellhs  spicileglum  vatlcaniim  p.  31  werden 
als  inhalt  einer  hs. ,  aber  der  christinischen  samlung, 
versus  Giraldi  monachi ,  die  eher  auf  eliien  andern  la- 
teinisch   dichtenden    Giraldus  beziiglich   siiid  ,    angegeben. 

G ,  vor  zeiten  gehorig  dem  klosler  Emmeran  zu 
Regensburg,  und  von  Aventin  elngesehn ,  welcher  ann, 
Bojor.  lib.  2    p.  130   cap.  53   ed.  Lips.  1710    p.  194*^   eine 


•)  solms  des  beriiliniten  gottinger  canzlers,  vgl.  Liicke  uar- 
ratio  de  Joanne  Lanrentio  Mosliemio.    Gott.  1837    p.  59. 

")  nacii  Fischer  liebt  niit  v.  413  eiii  andrer.  doch  gleiclizeitiger 
fechieiber  an. 


56  WALTriARIUS. 

kiirze,  (loch  fiir  deii  scliltifs  Iiinlangeiule  slclle(v.  10.  11.) 
aushebt,  dafs  cler  codex  eiii  von  C  abweichender  \var. 
zu  Miinchen  liegt  er  gegenwarlig  nicht. 

In  eine  chronik  des  jiieniontesischen  kloslers  Aova- 
lesa,  tuuveit  Susa  ,  buch  2  cap.  9  isl  ein  unistaudliclier 
auszug  des  erslen  driltels  der  dichliuig  eingegangen ,  nu't 
anfiihrung  vieler  einzelncr  verse.  Die  cla'onik  scheint 
luiter  llcinrich  3,  lun  die  milte  des  eilflen  jh.  verralsl, 
setzt  also  elnen  allern  text  des  AAallharius  voraus.  sie 
wurde  zuerst  von  Duchesne  (script.  hisl.  franc.  2,  223. 
3,  635)  theilvveise,  vollslandiger  bekannl  geniacht  von 
Muralorl  (script.  rer.  ilal.  II.  pars  2  p.  700  iT.  und  anliq. 
ital.  med.  aevi  111.  diss.  40  p.  964  11.)  die  hieraus  verglich- 
neu  slellen  merke  ich  mit  H. 

Zuerst  drucken  liefs  das  gedichl  Friedrlch  Christoph 
Jonalhau  Fischer,  Leipzig  1780  in  cjuart,  inid  z%var 
blofs  aus  C.  den  mangelndeu  schlufs  erganzle  darauf 
nach  A  Fiiedrich  JMolter  in  IMeusels  hist.  lileralur  1782 
6.  370,  und  Fischer  wlederholle  ihn  als  nachtrag  zu  seiner 
ausgabe,  Leipz.  1782.  Da  indessen  A  fiir  das  werk 
iiberhaupt  vorziigllchere  lesarlen  bot,  so  riickte  es  Molter 
vollslandig  iu  selne  beltrage  zur  geschichte  und  Iltejatui-, 
Frankfurt  1798  s.  212  —  268;  Avelche  ausgabe  jedoch 
den  carlsruher  codex  lauge  nicht  Ireu  darslellt,  sondern 
INIoltcr  hat  vleles  aus  C,  was  Ihn  besser  dauchte,  ja 
einzelne  vermutuugeu,  ohne  es  irgend  anzumerken,  auf- 
genommen.  Die  iibrigen  lexte,  abgesehen  von  F  G  H, 
welche  langst  zuganglicli  waren ,  wuiden  erst  spiiter 
entdeckt. 

Kelne  der  handschriflen  Ist  so  gut  uoch  so  alt,  dafs 
sie  ausschliefsend  fur  eine  bessere  rocension  des  gedichts 
dienen  diirfte ;  iiberall  slnd  ei-hebliche  abweichungen. 
ich  habe  also  ausgewiihlt.  jedesmal  werden  die  von 
meinem  lext  slch  entfernenden  lesarlcn  luUeu  angegebeu, 


WALTHARIUS.  57 

dle  nlclil  genannten  handschrlflen  aber  stimnien  zu  Ihm 
■Und  besllninien  ihii ,  insoweit  icli  aur  vollslandigkeit  iind 
scliarre  der  verglelchungen  bauen  kann;  einzelncs,  icli 
hoffe  weniges,  wird  slch  nacli  erneuerler  priifung  der 
handschrlften   berlcliligen  lassen. 

Den  lext  aufzuslelleii  erscliwerl  auch  der  zweifel 
iiber  des  gedlclils  nrlieber  so  wle  dle  slcherlieil  iiielir 
als  einer  uniarbellung,  die  es  erfahren  liat.  Die  iueisten 
Iiandschrlften,  nanienllich  A,  C  und  1  noniicn  keiiien 
verfasser ,  >veder  In  rubrlken  noch  am  schUifs;  aucli 
deni  novaleser  clironisten  l^ann  keln  texl  mit  des  dicli- 
ters  iianien  vorgelegen  liaben ,  er  wiirde  ihn  sonst  iiicht 
als  'nietricauorus  quldani'  oder  '  verslcaiiorus  quidain 
sapiens'  bezeichnen.  ebensowenlg  liatlen  Fieher  und 
Aventln  ermangelt  elnen  solcheii  nanien  niitzulheilen, 
ware  cr  in  Ihren  handsclirlften  gewesen.  Alleiii  Iii  B, 
und  in  dem  briisselcr  cod.,  fiiidet  sicli  eln  ])rolog ,  der 
einen  bestlmmten  verfasser  angibt.  licvor  icli  ihn  licr- 
selze  isl  aber  der  aufsclilufs  anzufiihrcn,  den  elne  merk- 
^viirdige  stclle  der  aUeii  sanctgaller  clironik  iiber  die 
enlstehung  iinseres  werks  gewahit.  iiemlich  dle  cnsus 
saiictl  Galll  des  vierlen  Eckeliardus  (der  um  080  gcboren 
1036  starb) ,  indem  sie  der  scliriften  des  iiltesten  odcr 
enten  Eckehardus  nieldung  tliun  ,  sagen  folgendes  *): 
'scrlpsit  et  In  scolls  inetrlce  inagistro,  vacIUaiiler  (piideni, 
qula  in  afFectione  non  in  habltu  erat  piier,  i'ilam  7f'o!f- 
harii  manufoiilsy  quam  Magontiae  positi,  Arlbone  arclii- 
episcopo  jubente,  pro  posse  et  nosse  nostro  covrexinius. 
barl)arles  enlm  et  idlomata  ejus  Teutonem  adhuc  af- 
feclantem  repente  latiiium  ficrl  noii  patiiintur.  unde 
niale  docere  soleiit  dlsclpulos  seinlinagistri  dlceutes :  vi- 
dete,  quo  inodo  diserlissime  coram  Teutoiie  alI<(uo  pro- 


•)  GolJast  1,  39.     Pertz  2,  118. 


58  WALTHARTUS. 


loqiii  ileccal ,  el  eaileni  scrie  in  laliiuim  verba  verlite. 
qnae  deceptio  Eckcliardum  in  opere  illo  adhiic  puevuni 
fefellil:,  setl  postca  iion  sic'  IMan  liielt  also  zu  Sanct- 
gallen,  in  der  ersten  liiilfte  des  11  jli.,  das  gedicht  fiir 
eine  jugendarbeit  des  iilleslen  Eckeliards,  der  nni  14  jan. 
973  gestorben ,  dessen  geburtsjabr  niir  aber  unbekannt 
ist.  liiei-nacli  fallt  die  abfassung  jedenfalls  zwiscben  920 
iind  940,  scliwerlicli  kam  dieser  Eckeliard  ,  welclicr  im 
stift  die  angesebne  wiirde  cincs  decans  beklcidete  (Pertz 
2,  117)  nach  920  zur  welt.  'scripsit  nielrice  inagistro' 
wird  von  Arx  erkliirt:  vilam  Wallliarii  a  niagistro  suo 
dictatam  elaboravit  metrice.  Goldast  las  'metrico  nia- 
gistro ,'  und  nian  konnle  aucb  vorscblagcji  'metricae 
niagistro  ,'  in  der  scbule ,  unter  dem  lebrcr  der  metrik. 
es  sei  eine  scbuliibung  gcwesen,  die  ungleicb  und  nian- 
gelbaft  gerietb ,  Eckeliard ,  wiewol  scbon  dem  geistli- 
cben  stande  bestimmt,  babe  damals  nocb  jugendlicb  an 
der  deulsclien  Aveise  der  poesie  gebangen.  so  fasse  icb 
die  nicbt  sebr  deullicben  ausdriicke,  welcbe  aucb  dcr 
folgende  satz  zu  verstandigen  scbeint,  dafs  ungescliickte 
lcbrer  ibren  scbiilern  deulscbe  pbrasen  (oder  gar  versc  ?) 
vorsaglcn  und  sie  nuii  glcicb  in  derselben  wortfolge 
(eadein  serie)  laleiniscb  iibcrsetzen  biefsen.  Der  dicb- 
ter  selbst  spricbt  sich  ani  schlusse  seines  gcdichts  (v. 
1453  —  5!i)  bescheiden  iiber  den  )ugcndlichcn  yersuch  aus. 
Ob  aber  unsere  liandschriften  mebr  diesen,  wie  er  war, 
oder  mit  den  besscrungen  und  vielleicht  verschlinune- 
rungen  des  jiingeren  Eckeliards  gewahren?  ist  schwer  zu 
entscbeiden.  Des  viertcn  Eckebards  eigne  prosa  in  der 
fortsetzung  der  rafperlischen  casus  zeugt  weder  von  cor- 
reclheit  noch  besoiidrei"  aiisbildnng  des  lateinisclien  slils. 
erzbischof  Aribo,  von  dem  er  nach  JMainz  berufen  wor- 
den  war  (Perlz  2,  75),  und  auf  dcssen  betrieb  er  sicli 
iener  durchsichl  des  "VNaltharius  unlci/.ogen  hatte,  starb 


WALTHARIUS.  59 

1030  otler  1031. ')     sollle  das  gediclit  auch  in  der  maln- 
zer  scbule  gebraucht  und  vorgetragen   werden  ';* 

Halte  nian  sich  den  ersteu  Eckeliard  als  eigentliclien 
verfasser,  den  vierten  Eckehard  als  nachbesserer  zu  den- 
keu  ;  so  bliebe  die  vorstellung  von  dem  ursprung  der  dich- 
tung  noch  ziemlich  einfach.  Verwickelter  wird  sie  aber 
durch  eiuen  prolog  der  pariser  und  briisseler  liandschrift, 
worin  mit  giinzHcher  verheimlichung  Eckehards ,  ein  an- 
derer  geistlicher,  namens  Geraldus,  als  dichler  auftrilt. 
Die  an  einen  bischof  Erkanbald  gerichleten  zueignuugs- 
verse,  deuen  ich  noch  keine  stelle  vor  dem  gediclile  selbst 
einriiumen   mochte,    lauteu  so : 

Omuipotens  genilor,    sununae  virlulis  amator, 
Jure  pari  natusque  amborum  spiritus  ahmis, 
Persouis   triuus,    vera  deitate  sed   unus, 
Qui  vita  vivens   cuncta  et  sine  fiue  tenebis, 
b   Pontilicem   sunumun   tu   salva  nunc  ct  in   aevum 
Claro  Erckambaklum   fulgentem  nomine  diguuni , 
Crescat  ut  interius  saucto  spiramlue  plenus, 
■  Mullis  infictum  quo  sit  medicamen  in  aevum. 
Praesul  sancte  dei  nunc   accipe  munera  servi , 
10   Quae   tlbi  decrevit  de  larga  promere  cura 
Peccalor  fragills  Gcraldus  nomlne  vilis, 
Qui  libi   nam  certus   corde   eslque  fidells  alumiuis, 
Quod  preclbus  dominum  iugiter  precor  omnitonanlem, 
Ut  nanciscaris  factls,  c|uae  promo  loquells, 
15  Det  pater  ex  summis  coelum  terramque  gubernans. 
Serve  dei   sununi,    ne   desplce  verba  libelli, 
Non   canit  alma  dei,    resonat  sed  mlra  tironls  , 
Nomlue  Wallharlus ,    per  proella  multa  resectus. 
Ludeudum  magis  est^  dominum  quam  slt  rogltandum, 


')  Pertz  2,  243,      Leibnitz  1,  852.     2,  494. 

8  niultis  ut  iatictum  B.       12  cerlus  lidus  corde  B. 


GO  WALTHARIUS. 


20  Flexus  longaevi  dimi  slringit  iii  ainpla  diei. 
Sis  fellx  sauclus  per  tempora  plura  sacertlos, 
Sil  tibi  menle  tua  Geraldus  carus  adelfus! 
\^'er  vvar  dieser  Geraldus?  im  calalogus  codd.  mss. 
bibl.  regiae,  lom.  4  Par.  1744  p.  532  Nvird  er  bei  num. 
8488^  bezeicliuet  als  iloriacensis ,  vit  videtur,  monachus. 
in  den  (ehmals  colberlisclien)  codex  selbst  ist  nendich 
von  spaler  liand  bcigeschriebeu :  S.  Gerauld  nioine  de 
Fleuri,  comme  il  semble.  der  eiufall  scheint  aber  grimd- 
los  und  uuhaltbar,  sclion  die  verfasser  der  hisloire  lit. 
de  France,  tome  6  Par.  1742  p.  438  bemerken  ,  dafs  die 
geschichle  von  Fleuri  gar  keinen  solchen  Geraldus  kenne. 
wie  sollle  auch  in  dem  (siebeu  stunden  von  Orleaus) 
au  der  Loire  gelegeuen  Benedictinerkloster  eiu  ganz 
auf  deulsclier  iiberlieferung  ruhendes ,  die  urllichkeit 
des  Oberrheius  voraussetzendes,  iiberall  deutsche  eigeu- 
nauieu  darbielendes  gedicht  eutsprungen  sein  •' 

K.aum  halte  eiu  friinkischer  geistlicher  des  zehnten 
ili.  seine  niiihe  auf  eine  sage  gewandt,  iix  der  cin  Fraii- 
keukouig  gejdemiitigt  erscheint  und  alle  fraiikischen  hel- 
den  besiegt  werdeu  ;  viel  eher  konnte  das  ein  Alemanne. 
Damit  zerfallt  auch  die  gleich  miifsige  vermulung, 
Erkanbald  sei  ein  erzbischof  von  Tours ,  der  iim  986 
lebte,  und  aus  dessen  lebenszeil  lediglich  man  die  des 
Geraldus  abzusehn  wagle.  Noch  vveniger  gedacht  vver- 
den  darf  au  Erkenbald,  abt  von  S.  ^laixent,  ^velcher 
um  1044  erzbischof  iu  Bourdeaux  vvurde  und  bis  nach 
1068  lebte;  eher  konute  man  sich  einen  gleichuamigen 
abt    von    S.  Tnitpert,    an    niederclsafsisrher  greuze,    in 

20  flectiis  loiigeui  striiigit  B.  'diinr  liabe  icli  erganzt.  sinu 
des  19.20  verses  sclieint:  weiiii  sicli  iler  lange  lebeiistag  ins  weite 
ueigt,  so  ist  aucli  gestattet  zu  spielcn  statt  zu  beten.  >'acli  '22 
die  lialberbiicline  rnbrik  'versns  (luidam"  und  duraut'  beginnt  das 
gediclit   sclbtt. 


WALTriARIUS.  61 

iler  coiislanzer  diocese  gefallcu  lasseu ,  desseu  zeit 
nicht  genau  erniillelt  ist,  iind  elwa  in  die  erste 
liiilfle  des  zehnten  jli.,  um  935,  fallt.  "^)  es  gibt  noch 
andere  hohere  geistliclie  dieses  naniens  ini  hiufe  des  10 
oder  11  jh.,  eiu  Erkenbald  folgle  zu  IMainz  im  jahr 
1011  auf  Willigis.**)  Docli  die  walii  kann  nicht  scliwer 
sein:  vou  965  —  991  safs  auf  dem  slrafsburger  slulii 
ein  Erkanbald.  ausgezeiclinet  durcli  seine  neigiuig  liir 
gelelusanikeit  und  poesie,  wie  er  selbst  inehrere  laleini- 
sche  gedichte  hinterlassen  liat.  ^*"**)  ilun  und  keinem  an- 
deru  mufs  die  zueignung  gelleu.  dieser  Erkanbald  nun 
war  mit  sanctgaller  moucheu  in  verkehr  und  Ijekaunl- 
schafl ,  er  liatte  aus  ihrer  reilie  den  gelehrteu ,  auf  be- 
fehl  des  abtes  Craloli  -J-)  geblendeleu  Victor  uach  Strals- 
burg  gezogen.-|"l-)  Nebeu  dem  alleren  Eckehard  neuuen 
aber  die  sanctgaller  casus  Nviederlioleutlicli  einen  ihm 
gleichzeitigeu  Geraldus  (Gerhaldus,  Kemhlus),  vvelcher 
zeitlebeus  magister  scolarum  vvar  und  dessen  in  liohem 
greiseualter  erfolgler  tod ,  oliue  angabe  des  iahrs,  schon 
gescliiidert  \vird.-{"J"f)  Wahrscheinlich  Nvar  er  durch  Vic- 
tor  oJer  lieber  vorlier  sclion  dem  Erkanbald  genau  be- 
kannt  gcNVorden,  und  iibersandle  ihm ,  was  erst  uach 
965  gcschehu  seiu  kanu,  den  ^Vallharius,  Die  worte, 
dafs  er  das  bucli  aus  langer  pflege  entlasse  (de  larga 
promcre  cura)  hiudern  eine  blofse  zuseudung  des  ecke- 
liardischen  vverkes  auzuuelimen.  Gerald  mufs  irgeud  auf 
eine  art  bclbst  darau  theil  geuommen  haben.     V\  ie  sind 


•)  hisf.   lit.  de  Fraiice  6,  221. 
*-)   Pertz  2,  242. 

•••)  Iiist.  lit.  fle  Fraiico  6,  467  ft',       Pertz    2,  116.       .Scliiiters 
KOiiigslioveii    p.  241.  487  — 494. 

•j-)  liersclite  zwisclieii  942  —  958.      Pertz  2,  35. 
■|-[)  Perfz  2,  116. 
fff)  Pertz  2,  114.    IIT.    122.  123.    136.  137. 


62  WALTHARHJS 


aber  luiu  sclne  anspriiche  mil  cleneii  ]'.ckeharils  zu  ver- 
einbaren?  ein  plagiat,  nberhanpt  eine  un^vahrlieit  lafst 
sich  weder  \on  deni  sillliclien  und  gelehrten  cliaracler 
Geralds  argwbhncn,  noch  bei  Erkanbalds  unbezweifel- 
barer  verlraulheit  niit  allen  sanclgaller  vcrhaltnissen 
glauben.  Enlweder  liallen  beide,  Eckehard  und  Gerald 
in  gemeinschafllicher  jugend  die  arbeit  vorgenommen, 
iind  lclzlerm  ist  sie  in  der  schule  langerer ,  fortgesetzter 
sorgfall  Nveilh  geblieben  ;  oder  der  vierteEckehard  konnle 
sich  ,  Nvenigsteiis  funfzig  jahre  nachher,  iiber  den  eigenl- 
licben  verfasser  irren ,  freilich  giade  bei  einem  \verk, 
das  ihn  selbst  naher  beschaftigte.  Waren  ilim  ,  zu  INIainz 
und  Sanctgalleii ,  abschriften  des  gedlclits  mit  dem  geral- 
dischen  prolog  verborgen  geblieben  ?  eben  die  glaublich 
alteste  aller  jetzt  erhaltnen  liandschriften ,  die  pariser, 
liat  ihn,  und  keine  einzige  tragt  Eckehards  namen  an 
ihr5r  spilze.  halten  blofs  die  schlufsverse  des  gedichls, 
die  einen  jugendUchen  versuch  bekennen,  den  gedanken 
auf  Eckehards  jugend  gefiihrl?  schon  ienes  alters  der 
pariser,  vvahrscheinlich  auch  der  briisseler  handsclirift 
Avegen  ,  aus  vielen  andern  griinden  ,  \vare  hbchst  bedenk- 
lich  einen  Geraldus  aufserhalb  Sanctgallen ,  oder  gar  ei- 
uen  spateren ,  ei^st  nach  dem  vierten  Eckehard  lebenden 
aufzusuchen.  die  ganz  kahle  vermutung  eines  Geraldus 
floriacensis  habe  ich  voi^hin  weggeschaft.  an  der  Loire 
kann  keine  dichtung  umgearbeitet ,  uud  erueuert  worden 
sein,  die  am  Rhein  und  in  den  Vogesen  spielt,  die  durch- 
gangig  auf  einen  deutschen  urheber  liiu  weist.  Wir 
miissen  gestehn,  dafs  dies  alles  fiir  den  sanclgaller  Ge- 
raldus  spreche,  und  sein  prolog  gi'ofseres  gewiclit  habe 
als  des  spiileren  Eckehards  aussage. 

Der  allerdings  beslehende  widersprucli  zwischen  dem 
schlufs  des  gedichts,  das  eiiien  jungen  anfiinger  verkiin- 
digt,    und    den   worlen    llexus    longaevi    diei    in    anipla, 


WALTHARIUS.  6'i 

(lie  ein  lebensniiider  greis  *)  ausspricht,  tlieser  Nvider- 
spriicli  lafst  sicli  diircli  die  annahme  auflosen,  dafs  Ge- 
rald  in  hoheni  aher,  et\va  in  den  jaliren  970  oder  980 
dem  slrafsburger  biscliof,  der  es  vielleicht  gewiinschl 
liatle,  seiiier  friihen  jahre  Averk  iibersandte.  So  bekaine 
der  ausdruck  de  larga  proniere  cuia  recliten  sinn. 
Doch  soU  aucli  des  iihern  Eckehard  Iriiherer  antheil  da- 
niit  Jiicht  ganz   abgewiesen  sein. 

^'Nill  jnan  aber,  aufser  des  vierten  Eckeliards  nacli- 
helfender  und  andernder  iiberarbeitung  des  iilleren  werks, 
in  den  abweichenden  lesarten  beider  des  ersten  Ecke- 
hards  und  Geralds  gemeinscliaflhV]!  oder  auch  nach  eiu- 
ander  angelegte  hand  wieder  aufspiiren,  so  sclieint  das 
fast  iinerreichbar.  Weder  ist  im  ganzen  dle  Yerschie- 
denheit  so  bedeutend,  dafs  der  nacharbeiter  viel  daniit 
gewonnen  haben  konnte,  noch  so  einformig  oder  glei(h- 
arlig,  dafs  er  sich  bestimmt  genug  zu  erkennen  giibe. 
avtch  hindert  die  unvollstandigkeit  mehrerer  liandschrif- 
ten  den   genauen  iiberl)lick. 

B,  a»if  jeden  fall  ein  geraldischer  text,  hat  nur  sechs 
eigenthiimliche  verse,  deren  vier  204,  257,  661,  1448 
allen  iibrigen  zu  mangeln  sclieinen ,  d.  h.  in  A  fehlen 
sie  gewis,  204,  257,  661  gehn  auch  in  C,  204,  257 
in  DI  ab;  1448  fallt  in  die  liicke  von  CDI,  661  in 
die  von  D I.  keine  dieser  vier  zeilen  ist  dem  zusam- 
menhang  nothig,  aber  aucli  keine  stort  iiin.  Zwei 
audere,  99  und  944  hat  B  mit  A  gemein,  sie  niangeln 
in  C,  99  zugleicli  in  I,  "wahrscheinlicli  wiirde  I  auch 
944  nicht  aufweisen.  Bezeichnete  uns  also  A  eine  nicht- 
geraldische  recenslon .  und  etwa  des  alteren  Eckeliard 
arbeit,  so  konnten  CI,  vlelleicht  CID,  die  correcluren 
des  iiinoeren   Eckehard   darbielen  ?     Jene  vier  verse  liat- 


*)   loiigo  seiiio  fessus.     Pcrt/.  2,   137, 


64  WALTFIA  R  [  L  S. 

ten  llim  ilami  gar  iiiclil  voigelcgeii ,  wcil  slch  kaiim  eiii 
gniiul  ilenken  liisst,  ^veslialb  er  sie  sollte  von  der  liancl 
geNvIesen  Iiaben  ;*  docli  ^varum  lelinte  er  99  iiud  944 
ab ,  wenu  sie  Ilim  in  A  vorlagen?  iind  wie  tliellt  er  Iii 
zelle  652  dle  eplsclie  wledeiholung  vou  647  jnll  B, 
nicht   mlt  A ':* 

Erwrigt  nian  die  librigeu  varlanlen  insgemelu ,  so 
Irllt  freilich  elne  merkhche  einsllmmung  zwlscheu  A  iind 
C,  Iin  gegensatz  zu  B  vor  (316.  774.  787.  958.  965. 
1008.  1009.  1021.  1094.  1098.  1180.  1212.  1271.1287), 
so  dafs  fiir  die  In  C  vorllegeude  umarbellung  dle  grund- 
lage  vou  A  glaublich  vvlrd.  dagegen  nalieru  slch  B 
und  I  (62.  138.  283.  292.  293.  304.  440.  481.  1011. 
1043.  1050.  1142),  vviihreud  A  uud  I  seltner  slunmeu 
(73.  161.  447.  1015.  1115).  C  und  I  verralheu  folgllch 
elue  verschledne  uachbesserung,  so  dass  C  mehr  zu  A 
lilnuelgt,  I  mehr  zu  B ;  1115  IrelTeu  C  uud  I  zusam- 
meu.  D  stimmt  bald  mit  A  (381.  1234.  1341.  1343) 
uud  C  (397),  bald  niit  B  (379.  1342.  1354.  1375)  und  1 
(231);  allelu  dlese  abschrift  liat  vlel  elgenlhiimliches, 
und  konute  leicht  grufsereu  auspruch  auf  den  jtiu- 
geren  Eckehard  macheu  als  C?  Unbedeutender  ist  E, 
vvelches  495.  502.  545.  563.  578.  629.  727.  766.  814. 
924.  944.  1017.  1157  mlt  C  theilt,  584.  703.  1204.  1295 
nilt  A,    doch  699.  1101  aiich  zu  B  stlmmt. 

Alle  dlcse  ergebnlsse  diirfen  uur  fiir  unslchere  gel- 
teu ,  ulrgends  erhellt,  dafs  vvlr  deu  zuverlasslgen  text 
Geralds  oder  eines  der  belden  Eckeliarde  vor  augen 
habeu ;  dle  abwelchung  kann,  wle  bei  deulschen  ge- 
dicliten  des  mlllelallers,  unter  den  lianden  blofser  ab- 
schreiber  enlsprungen  sein.  VYare  ich  des  hiJheren  al- 
ters  der  recenslou  A  gewis  geweseu ,  so  halle  ich  aus 
ihr  773  die  ^viederhohing  des  verses  604  slelui  gelassen. 
beachlenswertli   scheiuen  die  variaulen    zu  760    (vvovon 


WALTHARIUS.  65 


weiter  unten),  1101,  1231,  1266,  1369;  sehr  oft  wer- 
den  einzelue  vvorter  nur  anders  im  vers  gestellt,  z.  b. 
827.  1160.  1450.  versuchte  man  ia  den  klosterschuleu  zu 
Sancfgallen,  Slrafsburg  und  JNIainz  metrische  xibungeu 
an  diesem   gedicht  ? 

Der  laleinische  dichter,  welchen  verfasser  und  viel- 
leicht  nachfolger  im  auge  liatten,  istVirgil.  nicht  wenice 
ausdriicke,  redensarten  und  weuduugen,  selbstganze  vcrse 
werdeuihm  abgeborgt.  trabea  382  ;  Aen.7,  188.  612.  11, 
334.  spadix  759;  Georg.  3,  82.  polis  es  509  ;  potisest4l7. 
550.618;  nec  potis  fluctus  aequare  scquendo  Aen.  3,  671. 
fama  transverberat  aures  17;  ferro  transverberat  auras 
540;  tua  me  transverberet  hasta  704;  transverberat  ha- 
sla  ,  cuspis  Aen.  10,  336.  484.  crispans  hastile  669;  der 
ganze  vers  695  ist  aus  Aen.  1,  313.  ibaut  aequati  uumero 
44;  Aen.  7,  698.  tellus  concussa  gemebat,  sculorum 
sonitu  pavidus  super  intouat  aeiher  45;  clipeus  supcr 
intonat  ingens  842;  dat  tellus  geniiUim,  et  clipeum  su- 
per  intonat  ingeus  Aen.  9,  709.  slat  sonipes,  ac  frena 
ferox  spumantia  maudit  328;  Acn.  4,  135.  glomerare  vo- 
lumina  crurum  461;  glomerare  gressus  Georg.  3,  117; 
glomerare  manum  Aen.  2,  315.  9,  792;  volumina  cru- 
rum  Georg.  3,  192,  dexlras  conjungere  dexlris  23 ;  dex- 
trae  jungere  dexlrara  Aen.  1,408.  tuiiicam  trilicem  263  ; 
trilicem  loricam  Aen.  3,  467.  5,  259.  7,  639.  equinam 
vertice  caudam  concutiens  698;  crista  equina  Aen.  10, 
869.  postquam  epulis  absumpta  qnies,  niejisaeque  re- 
motae  304  AC;  postquam  epulis  depulsa  famessubla- 
taque  mensa  304  BI;  postquam  exemta  (al.  excepia,  ex- 
slincla)  fames  epulis,  niensaeque  remotae  Aen.  1,  216; 
postquam  prima  quies  epulis ,  mensaeque  reniotae  Aen. 
1,  723;  man  sieht,  daCs  den  monchen  beide  virgiliani- 
sche  verse  vorschwebten.  tellurem  vulnere  mordet  671  ; 
momordit  humum  ore  Aen.  11,  418.     sumere  taedas  167; 

5 


66  WALTHARIUS. 

si  uon  pertaesuni  thalaml  taedaeque  fuisset  Aen.  4,  18. 
infra  jactum  teli  congressus  182;  intra  jactum  teli  pro- 
gressus  Aen.  11,  608.  fulminei  enscs  192;  Aen.  4,  580. 
9,  442.  laxae  habenae  202  ;  Aen.  1,  63.  Georg.  2,  364. 
victrices  lauri  210;  Bucol.  8,  13.  festa  cuni  fronde  re- 
vinxit  209  ;  festa  fronde  revinclum  Aen.  4,  459.  septeni 
orbes  277;  Aen.  8,  448.  lux  Pannoniae  378;  hix  Dar- 
daniae  Aen.  2,  281.  dare  slrages  198;  Aen.  12,  454. 
Georg.  3,  247.  556.  lerrani  irrorat  Eous  1190;  terras 
irrorat  Eous    Georg.   1,  288.      aequo   INIarle    731;    Aen. 

7,  540.     insoninis  nox  399;  Aen.  9,  166.     evinctus  404 
Aen.  5,  269.  364.  494.  774.    infrendens  698  ;  Aen.  3,  664 

8,  230.    10,  718.      lacrimis    obortis    876;    Aen.  3,  492 
4,  30.    6,  868.      ullima  Parcae  fila  legunt  850;   fila   ex 
trema  leguut  Parcae  Aen.  10,  815.     bacchica  nuinera  318 
Bacchi  munera  Geo.  3,  526 ;   nec  bacchica    niunera  no 
rat  Boeth.de  consol.  lib.2  metr.  5.    spumanlis  apri  899 
Aen.  4,  158.  665.     finis  erat  904 ;  et  jam  finis  erat  Aen 
1,  223.    ulva  viridi  922;  viridi  in  ulva  Bucol.  8,  87.    in 
glorius  ibo  946;  ingloriiis  remeabo  Aeu.  11,  793.     por 
geret  1327;  porgite  Aen.  8,  274.    hamatam  loricam  911 
loricam  consertam  hamis  Aen.  3,  467.     tondamus  prata 
1117;  tondentur  prata  Georg.  1,  290;  tondentes  campum 
late  equos  Aen.  3,  538.      ullima    signans  vestigia   1131; 
ultima  signaut  Aen.  5,  317;  summo  vestlgia  pulvere  sig- 
nent  Georg.  3,  171.     ludis    sine    more    794;   sine   more 
furit  Aen.  5,  694,  d.  i.  immodice,  siue  exemplo.     fatur 
ad  aiiras  515;    ad  aethera  fatur  Aen.  10,  458;   vgl.  dicta 
per  auras  752  uud  auras  verberat  748;  animam  sufflavit 
in  auras  845;  trausfudit  ad  auras  714;  wer  lesen  vvoUte 
ad  aures,  konnte  iuquit  iu  aurem  260   und  fatur  ad  au- 
rem  Aen.  5,  547   beibringen.      sequitur    quos  cetera  pu- 
bes  211;   Aen.  5,  74.     sed  tamen  hic  intra  velut  aescu- 
lu8  astitit  heros,    qui  non  plus  petit  astra  comis,    quam 


WALTHARIUS.  67 


tarlara  fibris  1000;  aesculus  in  primis,  quae  quaulum 
verlice  ad  auras  aetlierias,  tantum  radice  in  tarlara  teu- 
dit  Georg.  2,  29».  emicat  hic  831;  Aen.  5,  319.  337. 
9;  736.  magnanimum  1414;  Georg.  4,  476.  amica  si- 
lentia  400;  Aen.  2,  255.  das  longum  formose  vale!  877 
stammt  aus  Bucol.  3,79;  nocli  kuhner  wird  in  den  ver- 
sen  728.  729  aus  Aen.  5,  496.  497  (vergl.  11.  5,  245) 
sogar  der  eigenname  des  trojanischen  Pandarus  in  die 
deutsche  fabel  eingefiilirt,  gleich  als  sei  er  uralinherr  des 
frankischen  Werinliard ,  auf  den  selbst  seine  bogenkunst 
forlgeerbt  habe.  vs'ar  Hagano  'de  germine  Trojae'  (28) 
entsprossen ,  so  konnte  auch  Werinliard  'ex  longa  stirpe 
nepotum'  mit  Pandarus  verwandt  scheinen.  Die  zugleich 
beibehaltne  formel  der  anrede  Pandare  !  ist  aufserdem  v. 
485  gebraucht.  *)  Nacligealmit  der  classischen  poesie 
siud  auch  die  gleichuisse  vom  Boreas  188,  vom  numidi- 
schen  baren  1337,  vom  umbrischen  hunde  (canis  umber) 
1350;  die  ausdrucksweisen  fiir  anbruch  des  tagos,  der 
nacht  und  des  morgens  277.   348.   1130.   118S. 

Andere  alleilliiimliche  ansdriicke  sind  nicht  gerade 
von  Virgil  erborgl ,  sondern  dcm  friiheren  latein  iiber- 
liaupt  eigen :  olli  fiir  illi ,  ollis  (1194)  fiir  illis.  Jwmiillus 
1104  fiir  homunculus  ;  Iionio,  //omo«/5  578.  933  statt  homo, 
liominis.  iute  1221.  1267,  verstarkung  des  tu ,  und 
nicht  das  adverb  sicher.  eijues  216.  602.  1227.  1443 
fiir  equus,  vgl.  Fveinh.  412.     stenunale  formac  37,  iiobi- 


*)  iind  liaufig  Iiei  andcrn  lateinisclien  dirlitern  des  niittelalters 
(Reinh.  XCI.  m)tli.oi.  18;),  186).  die  lesart  'de  te'  15  A  iafst 
sich  schwerlich  auf  llildgiind  l>eziehen,  welche  mit  Waltliariiis, 
niclit  Guntharius  verlobt  wiirde,  wie  hatte  sich  Gibicho  ihrer  geburt 
freuen  sollen?  das  'qnam  postea  narro'  bleibt  freiiich  seltsam, 
weil  Guntlicrn  gleieli  der  folgeiide  vers  nennt.  ist  dieser  sechzehnle 
in  keiner  handschiift  fehlende  vers  ein  falscher  zusatz  der  nach- 
arbeiter  ? 

5* 


68  WALTHARIUS. 

lilate;  triunipliali  slenimate  212,  serlo ,  corona,  in  der 
eigentlidieu  bedeutung  von  OTt'/'/'".  gausape  300,  eine  art 
tuchs.  ich  -weifs  nicht,  ob  sicli  partits  947  als  kiirzung  von 
paratus  schiilzen  lafst,  oder  die  bedeutung  von  geboren, 
bestininit,  ausersehen  behaupten  darf?  nian  hatte  leicht 
certus,  oder  mit  Molter:  ecce  paratus  setzen  kbnnen. 
auch  parare  sermonem  141  fiir  instruere,  iustituere  scheint 
uuverwerllich. 

Von  alleni  dem  siicht  nun ,  grell  genug,  ab  vras 
deutsche  wendungen  verrath,  dem  verderbten  und  eut- 
slellteu  lateiu  des  miltelalters  angehcirt. 

Zu  jeuen  rechue  ich  folgendes.  mortem  gustare  870 
gemahut  an  das  biblisclie  todes  koron  (gramm.  4,  650) 
wie  an  das  heidnische  den  tod  kiesen  (gramm.  4,  608.) 
inferius  stare  860  scheint,  iihnlich  dem  mhd.  hoher  stan  *), 
nicht  sowol  einen  uiederen  oder  hoheren ,  als  weiter 
abliegenden  stand  zu  bezeichnen.  damna  iuli  658  fiir 
iululi,  wie  wir  sagen  scliaden  bringen,  mhd.  schaden 
paii  fiir  perpeli:  magnos  labores  passus  eras  133; 
bern.  ohVwhcieY  egit  1257,  machte  vergessen  ,  fit  oublier. 
prospera  sive  sinistra  pati  259.  quia  talia  \>ixi  470,  weij 
ich  solches  erlebte.  laucea  pulmone  resedit  777;  tridens 
pelta  resedii  995;  cuspis  sedet  in  clipeo  985,  d.  i.  safs, 
blieb  stecken  in  der  lunge  ,  am  schild ,  silzt  fest  im 
schild;  vgl.  1046  ictuiu  ab  aure  sedenlem,  wo  ich  je- 
doch   secundum    vorziehe,    weii  sich  die  prap.  ab  nicht 


*)  anm.  zu  Iw.  5288,  aufserdem  aber  norli  iii  vielen  alidern 
stellen:  die  zwene  stuonden  liolier  Nib.  2144,  1;  so  heiz  uf  lioher 
wichen  Nib.  1966,  2;  sorge  lieizen  uf  holier  sten  (secedere)  Ms. 
1,  1543;  stet  hoher!  Ms.  2,  67^;  wachter  und  dorwachter  muosten 
hoher  stan  Hugd.  brautf.  856;  stuond  lif  hoher  do  (trat  zuruck") 
Trist.  2794;  hoher  sten  Gudr.  6105  vgl.  5909;  ubir  hoher  gan 
Alex.  3807 ;  Pez  glossar  zu  Ottoc.  s.  v.  holier.  ahd.  hohor  iiz- 
zentemo  (elatiori)  N.  Cap.  47;  hohor  standiu  N.  Bth.  253.  goth. 
usgagg  hauhis  Tnjoquvui^rjd^i  dvciniJov   Luc.   14,  10. 


WALTHARIUS.  69 

wol  zu  setlere  scliickt.  ima  sedit  iuguine  Virg.  Aen.  10, 
785.  palmam  de  pugna  rei>ocare  619,  die  hand  vom 
streit  abziehen,  revocare  pedein  a  pugna  ware  gut  latei- 
nisch.  Hunos  Lic  hahemus  543 ,  hier  haben  vvir  die 
Hunen.  vix  erupit  cras  402  ,  kaum  brach  der  niorgeude 
tag  au.  verum  velle  meuni  257,  das  ist  mein  vvalirer 
vville ,  wie  Ftuodl.  1,  113  tuum  velle  benignum.  ardens 
animis  1037,  ahd.  lieizmuoli  (gr.  2,  663),  arens  pectore 
iAil ,  doch  ardens  oculis  hat  Virgil.  Aen.  5,  277.  auch 
ignamm  ferrum  835.  1298,  das  unwirksame,  jiichts  aus- 
richteude  schwert  scheint  eine  altdeutsche  redensart,  ob- 
gk'ich  ich  sie  jetzt  nicht  nachweiseu  kann.  Erebi  for- 
nax  867  ,  das  feuer  der  hOlIe  ,  christlichheidnische  vor- 
stellung  (mylh.  464),  ovan,  auhns,  fornax,  ignis.  '  esu- 
riens  Orcus  1327,  hungrige,  unersallliche  hcille  (myth. 
196.)  et  simul  in  \?erho  308,  et  in  verho  888  uud  bei, 
mit  diesem  worte,  haec  diceus;  et  simul  in  diciis  673. 
auch  Virgil :  et  in  i>erho  vesligia  torsit  (Aen.  6,  557.) 
more  gigantis  333,  in  riesen  weise;  furis  de  more  1174; 
de  more  liciscae  1231.  deutsch  scheint  der  entschliipfte 
fehlerhafle  gebrauch  von  fames  als  masc.  (der  Jjunger)  • 
fames  insaliatus  habendi  857,  wie  die  hss.  leseu ,  insa- 
tiata  ist  Mohers  anderung.  dieser  hat  ebenso  139  quem- 
quam  fiir  quisquam  bei  pudebil  gcbessert ;  wir  sagen 
personlich  ich  schiime  mich ,  ich  beieue ,  und  selbst  das 
lat.  pudeo  stalt  me  pudet  ist  nicht  ohne  beispiel.  spo- 
liarier  659  fiir  spoliari  wird  1191  fiir  spoliare  gesetzt ; 
famulis  jubebis  1437  fiir  famulos,  wenn  nicht  jener  dat. 
mil  suspeclando  zu  verbinden  ist.  \Yas  aber  einen  ent- 
schieden  deutschen  eindruck  dtirch  das  ganze  gedicht 
macht,  ist  die  luirichlige  verweudung  Aer  tempora.  weil 
nemlich  imsere  alte  sprache  keine  abstufung  der  ver- 
gangenheit  kennt,  sondern  ihr  prat.  fiir  das  lat.  imp. 
perf.  und   phisq.  braucht   (gvauun.  4,    148.  149.   189);  so 


70  WALTIIARIUS. 

zeigt  der  dlcliter  kciu  deulliches  gefuhl  fiir  die  lat.  for- 
meu  dieser  drei  lenipora,  uud  verwirrt  sie  haufig.  zu- 
nial  liebt  er  phisq.  anstatt  der  perf.  zu  setzen ,  z.  b« 
deslruxerat  373,  cousunipserat  399;  discesserat  378. 
615;  toleraverat  387;  dixeral  404 ;  gesserat  453.  497. 
631;  dederat  463;  legerat  477;  suggesserat  594;  disces- 
serat  615;  decerpseial  625;  couceperat  632;  couspexe- 
rat  686;  recreaverat  1175  u.  s.  w.  uicht  anders  steht 
clausisseni  407  fiir  clauderem;  dedisset  445  fiir  de- 
derit ;  umgekehrt  praesumpserit  413  statt  praesunipsis- 
set.  auffallend  siud  die  priil.  inf.  assedisse  jubet  295; 
respondeut  se  non  potuisse  invenisse  365;  pugnasse  vi- 
deres  520;  traxisse  studerent  986;  flexisse  sategitl065; 
conspicio  te  doluisse  1107;  nieruicse  valereni  148;  fue- 
rat  sumpsisse  facultas  969;  fiir  assidere  jubet ,  potuisse 
inveiiire,  pugnare  videres,  Irahere  sluderent,  fleclere 
Sategit,  conspicio  te  dolere  u.  s.  w.  verschiedne  tempora 
folgen  aufeinander,  z.  b.  1142-46  sit,  vellent,  parent, 
facerent,  laterent;  201  dederunt,  feruntur;  207  ruit  ej 
spoliaverat.  In  allem  dem  blickt  eiu  deulscher  verfas- 
ser  durch. 

Was  nun  sein  eigues  lalein  betrift,  so  lassen  sich 
vorerst  einige  Jlickworter  nicht  iibersehen,  die  libermafsig 
oft  wiederkehren :  denique  93.  251.  290.  422.  852.1162. 
1244;  forie  23.  35.  39.  218.232.  254.  522.  549.  570. 
577.  686.  1144.1369.  1381;  fors  370.  607.1095.  1234. 
1272;  forsan  679.  74l.  811.  denique  nieist  im  fiinften 
fufs  (wie  Virg.  ecl.  2,  7),  einmal  im  vierten:  aucli  fors' 
forsan ,  forte  erscheinen  bei  den  classikern,  nur  spar- 
samer  und  bedeutender.  eundem  446.  516,  eandem  77 9^ 
eadem  447,  cosdem  bringt  der  dicliter  gern  iu  deu  vers- 
schUirs.     ^i/rtm//7/<'/ =:  quamvis  726.  1379  ;  quo  rz:  quod  994, 

Von  audern  ausdriicken  niogeu  hervorgehoben  wer- 
den  :  domne!  iu   der  anrede  249.  1098.  1213,^  denn  sonst 


WALTHARIUS.  71 

slelit  dominus  258.  633.  1094;  scliwacber  als  domiuus  ist 
senior ,  das  zwar  deni  kdiiig  574,  dem  brUutigam  1418, 
aber  auch  den  voruehmen  57  gegeben  Avird.  iu  huste 
manere  1256  bezeichnet  deu  bekannten  frankischen  ge- 
gensatz  zu  domi.  maceratio  1344,  subactio.  migma  299, 
fi/y/ita,  eigentlich  mischung  iiberhaupt,  hier  vom  ge- 
trank,  die  vulg.  hat  das  ^vort  Esai.  30,  24;  vgl.  Du- 
cange  s.  v.  nappa  308,  trinkschale,  unser  napf,  das 
aber  manulich  ist  und  in  der  alteren  sprache  mit  HN 
anlaulet,  vgl.  franz.  hanap.  oscillum  1127.  1141  ge- 
braucht  der  dicliter  fiir  osculum ,  in  der  cla&sischeu 
spraclie  ist  es  gauz  etwas  anderes :  bewegliche  larve, 
gefleclit  an  baumeu  aufgehangen  (myth.  49.)  pietas  97. 
146  gnade,  lierablassung.  res  et  acta  M'erden  115  ein- 
auder  zur  seite  geselzt,  vgl.  144,  sergia  147  gleichviel 
mit  servilia,  wie  auch  B  se/v/a  liesl;  den  sinu  der  verse 
146-48  fasse  ich  so:  es  ist  gnadig  von  euch,  dafs  ihr 
nieinen  geringen  dieust  anselit,  nie  werde  ich  verdie- 
neu  kounen,  dafs  ihr  euch  meuie  leistungen  so  zu  herzen 
uehmt ,  menlis  iutuitu  ferlis.  Fischer  will :  mei  sergia- 
menti.  sophista  104.  605  ein  weiser,  verstiindiger  mann, 
ohue  den  nebensinn  welchen  wir  heute  mit  sophist  verbin- 
den ,  vgl.  Pertz  1,  364  und  sophari  (weise  reden)  1266. 
talhis  224  \vieder  trinkschale  oder  schale  iiberhaupt,  viel- 
leicht  unserm  teller  verwandt  und  deui  mittellat.  taliare, 
tal.  tagliare,  frauz.  tailler ,  weil  auf  dem  teller  zerschnittea 
wird.  vassus  1311  dienstmann,  vasall.  wantus,  haudschuh 
1426.  substaulivbildungeu  auf-amen,  in  audern  dichtungen 
des  mitlelallcrs  selir  beliebt ,  hier  uur  zweimal :  affa- 
men  1174;  cruciamen  819.  wenig  adj.  fallen  auf,  modi- 
ceUus  331  findet  sich  schon  in  Suetons  Nero  48,  nach 
einigen  lesarten;  auch  oceanus  1133  hin  und  wieder  bei 
classikern.  Verba:  caoere  905.  929.  1331  dem  streich 
au«weichen.     coartari  273,  coarclari ,  cogi;  coarfare  654« 


72  WALTHARIUS. 

1340  cogere,  driingen.  congaudere  alicui  464.  470,sich 
mit  einem  freuen ;  Tertullian :  gaudcle,  et  congaudele 
iTiilii,  vgl.  ahd.  epanvrewan.  palrare  269.  799  gewah- 
ren,  ausrichten ,  conficere.  sequesirare  3  trennen ,  un- 
terscheiden.  siispendcre  41,  den  ziig  einhalten,  einstel- 
len.  iransponere  hamuni  343,  die  angel  einseuken  ;  mu- 
nera  transponere  774,  die  gabe  (den  geworfnen  speer) 
iiberfiihren ,   zuriiclisclileudern. 

Nicht  weuige  und  schatzbare  aunielkingen  des  al- 
terlhums  ergeben  sich  aus  dem  gedicht  *).  Besonders 
erscheiut  nocli  das  kriegerleben  in  einfacher  roheit. 
Dem  erlegnen  feinde  pHegt  der  sieger  ge\vohulich  das 
an  den  locken  erfafste  haupt  ahzuhauen  (718.  753.  917. 
939.  981.  1019);  oder  er  setzt  ihm  den  fufs  auf  den 
uacken  und  heftet  ihn  mit  dem  speer,  gleichsam  dem  zei- 
chen  seiner  gewalt ,  an  deu  boden  (844.)  zwar  ge- 
mahnt  dies  pede  colhim  pressit  (843)  an  Yirgils  laevo 
pressit  pede  exanimem,  aber  rapiens  immania  jiondera 
baltei  (Aen.  10,  49.5),  avo  es  also  gebarde  des  wafFen- 
i'aubenden  ist,  wahreud  Waltliari  seine  beute  erst  spa- 
ter  nimmt  (1191.)  eine  dritle  art  der  tcidtung  war  mit 
der  goldspange  zu  erdrosseln:  torquem  collo  circumdedit 
aureum  (1059),  was  an  Hattos  beriihmte  kette  erinnert, 
die  stelle  kann  durchaus  niclit  von  einer  goklspange 
verstanden  werden ,  die  der  sieger  um  seinen  eignen 
hals  gehangen  habe.  Den  merkwiirdigen  gebrauch  des 
iviederanfvgens    der    todten    hiiupter  an   die  leichname  wird 


*)  Fischer,  der  mit  Eckehards  «nd  Geralds  anspriichen  auf 
die  dichtung  voliig  iinbeliannt ,  sie  sogar  dem  seclisten  jii.  zuzu- 
gpreclien  wngte,  liat  iii  den  anmerlinngen  seiner  ausgal^en  ,  so  wie 
in  einer  besondern  schrift  iiber  sitten  iind  gebrauclie  der  Eiiropaer 
im  5  und  6  jh,  Frankf.  an  der  Oder  1784  eineii  schwai!  gelehrter 
nnd  fleifsiger  erliiuferungen  zusammen  getragen,  die  jedoch  aiizu 
viel  iiberfliissiges  uud  allzuwenig  treffcndes  enthalten. 


WALTHARIUS.  73 

der  ausziig  des  gedlclits  hervorheben.  Die  erschlagr.en 
wurden  koslharer  ivaffensiikke  lerauht ,  uicht  vu]h*g  eut- 
kleidet  (207.  1191-94.)  ihrer  /"^ie  slch  alsbald  zu  he- 
niachllgen  saunite  der  iiberwinder  nie  (780.  1 169.)  W  ie 
sonst  das  loos  liber  genielnscliaflllche  kncgsheute  gewor- 
feu  wird,  so  lafst  sich  hier  eiuer  der  franklscheu  kiim- 
pfer,  eh  er  Wallheru  angreift ,  dessen  schild  vom  konig 
zusichern  (781.  798.  799.  840) ,  gleichsam  seinen  theil 
(sors  799)  im  voi'aus  anvreisen.  auch  iu  andern  sagen 
kommt  vor,  dafs  riiuber  unter  sicli  die  ^vaiTen  des  hel- 
deu  bereils  ausllieilen ,   deu   sle  uberfalleu   ^volfen. 

Blutrache  691.  701.  926,  951-54  uud  geheijs  des 
herrn  trelben  in  dle  gefalir  des  kampfes.  bcl  Ilaganons 
benelinien  spricht  der  dichter  seluen  zweifel  aus ,  .ob  es 
gestallet  sei  dem  herrn  zu  zurnen,  633.  das  weist  auf 
die  slrenge  des  allen  dienstverlialtnisses.  Eiu  Sachse, 
der  iu  der  heimat  einen  vorueliuien  erschlagen  liatte, 
war  zu  deu  Frankcii  gcflolieu  uud  in  Guutiiaris  dienste 
aufgeuounnen    755-59. 

Gold  wiid  iu  r/rigen  oder  spangen  dargeboleu.  Walt- 
liari  will  dem  kcinlg,  zur  ehre  und  fiir  frelcn  durch- 
zug,  erst  armilhis  cenlum  de  rubro  nietallo  (613)  iiljer- 
sendeu ,  dann  die  summe  verdoppehi  (662.)  das  sind 
die  gewundiieu  '■houga'  des  Hildebraudliedes ,  die  ge- 
schlofsuen  'beagas'  ags.  gedlchte  (gramm.  4,  752.  963.) 
einzelue  aruiriuge  wurden  auf  der  spitze  des  speers 
dargereichl  und  empfangen  ''') ;  vlele  zusammeu  aber  in 
deu  sclilld  gescliiiuet :  rulilo  umboneui  complebo  nie- 
lallo  (1264);  der  schild  wog  scliatze  luid  knoclien  ab 
(RA.  77.  78.)  'manegen  scliilt  i^oUen  nian  dar  schatzes 
truoc,  er  teille  es  ane  wage  sinen  friunden  gnuoc  bl 
fiinf  hundert   marken'  Nib.  316,  d.  h.  als  schon  geldwa- 


*)  Laclinianii  uber  das  Hild.  lied  «.  40. 


74  WALTHARIUS. 

gen  ilblicli  war,  wurde  den  lielden  noch  nacli  alleni 
brauch  golJ  auf  schilden  ausgetheilt;  ^g\.  Roth.  3046. 
aber  eine  andere  erniessung  dargebotnen  goldes,  im  sinne 
des  hijchslen  alterthums  ,  soll  uns  das  gedicht  hernach 
uocli  kennen  lehren. 

Eiiien  eigenthiimlichen  ausdruck,  obglelch  nur  les- 
arl  von  B ,  liabe  ich  nicht  tilgen  diirfen :  taliter  in  no- 
nam  conllictus  lluxerat  imdam  1343  ,  der  kanipf  walirte 
])is  zur  neunten  welle ,  wobei  auch  fluxerat  ('vvogte)  zu 
erwagen  ist.  die  iibrigen  hss.  geben  horam ,  weuiger 
gut,  der  letzte  kampf  zwischen  den  dreien  hatte  friih- 
morgens  zur  zweiten  tagesstunde  angehoben  (1285),  wie 
hiitte  er,  nach  allem  was  davon  erzahlt  wird,  acht 
stunden  lang  bis  zur  neunten ,  unsrer  weise  zu  reden 
gemafs  weit  in  den  nachmillag .  sich  erstrecken  sol- 
len?  jene  redensart  enthalt  eine  viel  kiirzere,  aber 
dichterische  zeilbestimmung,  welche  abschreiber  oder 
nacharbeiter  nicht  mehr  verstanden  nnd  mit  einer  ge- 
wiihnlichen  vertauschlen.  Die  wellen  halten  dreischlag: 
die  drille  {rQtzv/tUi)  ist  starker,  als  die  beiden  ersten, 
die  sechste  noch  stiirker,  die  neunte  am  allerslarksten, 
daher  decumanus  fluctus  *).  es  soU  also  dadurch  die 
schnellheit  des  rascheu  streites,  nicht  seine  lange  dauer 
bezeichnet   werden. 

WafTen  und  riistung.  Der  speer  heifst  hasta ,  ha- 
stile ,  cuspis,  lancea ,  contus.  beiworler:  longa  cuspis 
931;  nodosa  hasta  888;  coruscans  hasta  542  (hastani 
coruscat  Virg.  Aen.  12,  431);  coulus  ferralus  964;  fra- 
xineum  haslile  1295  (escliiner  schaft)  ;  hasta  amica  921. 
nialigera  hasta  1287  (vgl.  vulnigera  ulna  1389.)    fraxiuus 


*)  Ovid.  Trist.  1.  2,  49. 

qiii  veiiit  hic  fluctus ,  fluctus  supereininet  onities  : 
posterior  uoao  est,  uudecimoque  piior. 


WALTHARIUS.  75 

el  corniis  liidiim  niiscebat  in  iiniiin  186,  die  nnmen  der 
baunie  fiir  die  aus  ihreni  holz  gefertigten  speere ;  legt 
hier  der  dichler  dem  einen  lieer  schafte  aus  fraxinus, 
dem  andern  aus  cornus  bei  ?  auch  771  wird  gerade  die 
ferrata  cornus  dem  Saclisen  zugetheilt,  iind  sie  ist  mit 
einem  amenlum  ausgeslattet,  dessen  sonst  bei  dem  speer 
keine  meldung  geschieht.  Virgil  hat  ilala  cornus  Aen.  9, 
698.  slridula  cornus  12,  267.  der  tridens  triplici  fune 
983  ist  ein  besonderes  vvurfgeschofs ,  das  mehrere  zu- 
gleich  handhaben.  Sclnveit :  ensis,  spala,  niucro,  cha- 
lybs.  ensis  gemmatus  1314;  zweischneidig  und  an  die 
linke  hiifte  gegiirlet  336 ,  verschieden  von  dem  eiii- 
schneidigen,  hunischen,  an  der  rechten  seile  hangenden 
halbschwerl337.  1390;  vgl.  1430.  framea  1016.  ist  gleich- 
bedeutigmit  schwert,  nicht  niit  hasta,  vgl.  Auguslini  eplst. 
120, 16.  denhaftdesschwerlsziertkuiistreiche  arbeit  1379, 
jenes  gemmatus  lafst  sich  auf  ihn  beziehen ,  oder  auf  die 
scheide.  viridis  aedes  1036  in  einer  interlinearglosse 
von  C  und  E  wird  vagina  *)  gedeutet,  und  A  hat  ensis) 
ich  nehme  es  lieber  fiir  das  griine  gras ,  die  ulva  viri- 
dis,  worin  Walthari  (922)  sein  schwert  liegen  gelasseu 
hatte ,  welches  nun  der  wallenlose  Trogus  beim  niedcr- 
knieu  aulfindet  **j.  Als  Gerwigs  eigenthiimliche  waffe 
erscheint  die  ziveischneid/gc ,  kurze  axt  (918.  931)  und 
die  bemerkung  des  dichters  919:  'islius  ergo  modi 
Francis  tunc  arma  fuere'  driickt  seiiien  absland  von  der 
zeit  der  bcgebenheit  aus.  Sc/ii/d:  scutum,  clipeus ,  par- 
ma,  pelta.  triplex  668;  septemplex  733  (Aen.  12,  925); 
gravis  parma  539;  parma  picta  798;   tauriiio  contexlum 


*)  aedes  pegma  ligneum ,  Sueton.  Caes.  8t. 
**)   unterdessen    liatte    sicli    AValthari    seines    zweiten   schwerts 
hedient;    freiiicli    ist    vacuare   ungewolinlich  gebraucht ,    Has  findeij 
sollte  melir  hervorgehoben  sein ,   und  Trogua  sagt  1043  mueronem 
nostruif/. 


WALTnARIUS. 


tergore  ligiuim  776;  pellis  superaddila  ligno  103,5.  le- 
derbezogne  scliilde  sind  allen  volkcrn  gemein,  doch 
septeniplex  fiilirt  sich  auf  das  homerische  adxoe  inra- 
^oiiov  zuriick.  umbo  ist  das  iu  des  schildes  niitle  vor- 
rageade,  daher  vou  pelta  unterschieden  995;  clavus 
umbouis  814,  die  liaudhabe  aus  elfenbeiu  815.  IleJm: 
cassis  ,  galea  ;  fabrefacta  1372.  Ilarnisch  :  lorica,  thorax, 
tunica  ahena  1016;  lunica  trilix  263  (trilix  lorica  Aen* 
3,  467.  5,  259.  7,  639.)  Giiriel :  balteuni  1193;  span- 
gen  armillae  1193;  halsspange  torques  1059.  bullae  1193 
sind  wol  zierrat,  der  an  spange  oder  giirtel  hangl? 
(bullis  aurea  cingula  Aeu.  9,  359;  nolis  cingula  bullis 
fulserunt  12,  942.)  pJialerae  erscheineu  am  pferd :  ca- 
ballus  faleratus  1063;  faleris  circumdedit  sonipedem 
329   (phaleris  insigneni   equum  Aen.  5,  310.) 

KJang  und  scJiaJJ  werden  hervorgehoben  :  danl  tin- 
nltus  galeae  clipeique  resultant  828;  dedit  (galea)  re- 
sullans  tinnitus  714;  dant  sonitum,  ceu  cjuis  gemmis 
illiserit  aurum  462.  auch  das  ist  altepisch:  sonilum  dat 
slridula  coruus  Aen.  12,  267.  lute  erklang  ir  gewant 
Nib.  435,  4.  ferrata  sonum  daret  uugula  equorum  1203 ; 
horlen  hiieve  klalTeu  ]\ib.  1541,  2. 

Der  flieliende  weudet  den  schild,  und  lafst  dem 
ros  die  ziigel  202  (laxae  habenae  Aen.  1,  63.)  auf  dem 
schild  ruht  der  miide:  clipeo  recumbeus  1176;  auf  den 
speer  stiitzt  slch  der  wachende  1184.  Schreitet  der  an- 
greifeude  vom  pferde,  so  thut  es  auch  der  angegrifne 
1283,  damit  der  kampf  gleich  sei ;  es  gilt  fiir  edel  und 
gereclit,  den  strelt  niclit  anzuheben ,  nocli  den  frieden 
zu  brechcn,  702.  1287.  1288.  Der  sieger  kehrt  be- 
krauzt  heim  209;  hornblaseu  ruft  ,  die  haufeu  zu- 
ruck    208. 

Die  helden  praJiJen,  sputten  und  scJieJien.  den  fraueu 
riihmeu  sie  ilire  thaten:    ue  fiat  isla  tuae  de  nie  jactan- 


W  A  L  T  H  A  R  I  L  S.  77 

tla  spon^ae  980;  sponsa  ist  briit,  fraii ,  ehfrau;  rediens 
vixori  dicere  562.  eiu  schmahlich  besiegter  ■wird  oiTent- 
licli  ausgezischt  1086.  vorwnrf  der  zagheit  und  abkunft 
von  feigen  lafst  sich  schwer  versclinierzen  630.  1067. 
Walthern  nennen  seine  gegner  triigerischen  waldgeisl 
762.  763  und  schlange  790;  leibliche  verstiinimhing 
•Nvird  alsogleich  aufgeriickt,  kauni  sind  ihm  einige  locken 
vom  liaupte  geliauen ,  so  scliilt  ihn  der  nacliste  kampfer 
kahlkopf  991,  und  Hagano,  nach  dem  verlusl  soines 
auges,  wird  der  scheele  angeredet.  rauh,  aber  Ireflich 
gehalten  ist  die  letzte  wechselrede  beider  haupllielden. 
selbst  der  besiegte  und  slerbende  stofst  schmahungen 
aus  1055;    andere  jedoch  fl^hen   718.   751. 

Hildburg,  Waltharis  verlobte,  erschelnt  treu  und 
unterwiirfig.  dem  ermitteten  bcreilet  sie  labelrank  223, 
und  schaut  ihn  schweigend  an ;  seine  liebeserklarung 
nimmt  sie  erst  als  spott  auf.  aber  sie  gehorcht  seinen 
befehlen  anstalt  zur  llucht  zu  trelTen ,  und  lenkt  das  mit 
ihm  zugleich  besliegne  ros.  sie  wacht  iiber  dem  iu  ihren 
schofs  gelagertcn  504;  und  ^vill  von  dem  geliebten  ge- 
tbdtet  sein ,  um  nahenden  feinden  nicht  zur  beute  zu 
werden.  unter  dem  kam])f  bleibt  sie  abseits  stehn  ; 
als  ein  speer  vor  ihren  fiifsen  in  die  erde  fahrt,  erzit- 
tert  sie  weiblich  aufschreiend.  nachts  iibernimmt  sie 
die  erste  wache  1180  und  erschrickt  vor  der  verfol- 
geuden  gerausch  1209.  zuletzt  kredenzt  sie  den  wein 
und  bindet  die  wunden.  INlerkwiirdig  ist  auch,  dafs 
Walthari  sich  eine  braut  unter  den  vornehmen  huni- 
sclien  geschlechlern  aussuchen  und  von  Attila  ausgestat- 
tet  werden  soli  (136-139);  ganz  nach  den  byzanlini- 
schen  und  friinkischen  ehgeboteu  (RA.  436.  437.) 

Den  freuudesbund  zwischen  Walthari  und  Hagano 
schildern  die  verse  1251-58  riihrend  :  tui  facies  patris 
obliviscier  egit   (dich  anschauend   vergafs  icli  des  eigneu 


78  WALTflARIUS, 

vaters)  sagt  jener.  sle  waren  hluthnlder  (RA.  118.  192); 
denn  1444  lieifst  es  :  his  dictis  pactum  reuovant  iterato  cruen- 
ium,  wiederholt  war  ihr  bhit  im  gegenseiligen,  zulelzt 
versohnenden  kanipfe  geflossen  ,  wie  es  den  ersten  ein- 
gang  des   bundes  bekraftigt  hatte. 

Viele  dieser  brauche  reichen  offenbar  in  das  liei- 
dentlium.  des  cliristlichen ,  von  dem  dichter  hinziige- 
thanen,  ist  nur  wenig;  ich  recline  dahin  das  bekreuzeu 
des  dargereichten  weinbechers  225  (aber  auch  die  Hei- 
deu  machten  dabei  ihr  hammerzeichen) ;  das  venie  fal- 
len  nach  dem  aussprechen  trotzlger  worte  (corruit  et 
veniani  petiit)  565 ;  das  gebet  fiir  die  getodleten  feiude 
1160;  des  Tanastus  ausgestofsnen  todesseufzer  sahe! 
eine  abschiedsformel  1053,   weiui  nian  nicht  lieber  ^a/ca/ 

lesen  will,  gleichsam :    Christus  refte  meine  seele!    ave! 

« 

scheint  unpassend ,  und  schon  des  kurzeu  vocals  der 
erslen   silbe  wegen  verwerflicb. 

Weileren  betrachtungen ,  welclie  ich  iiber  die  dich- 
tung  von  Wallharius  anzustellen  habe,  will  ich  eine 
ausfiihrliche  iuhaltsanzeige  voraussenden. 

Die  miichtigen  Huuen,  unter  dem  siegreichen  Attila, 
andere  vcilker  bezwingend  uud  sich  zinsbar  juachend, 
begannen  iiber  die  Donau  an  den  Rhein  gegen  die 
Franken ,  an  die  Saone  und  Rhone  gegeu  die  Burgim- 
den ,  von  da  weiter  uach  Aquitanien  vorzudringen. 
Gibicho  dcr  frankische  konig  herschte  zu  Worms,  He- 
ririch  der  burgiuidische  zu  Chalons  (an  der  Saone), 
Alpharis  ,  des  aquitanischen  ,  hauptstadt  (  Bourdeaux.  ? 
Toulouse?)  bleibt  ungenannt.  alle  diese  reiche  zogen 
dem  kampf  freiwillige  uuterwerfung  vor,  gaben  zins 
und  geiseln.  Da  Gunlhari,  Gibichos  sohn ,  allzu  juiig 
war,  so  wurde  Hagano  von  Troja  vergeiselt;  von  bur- 
gundischer  seite  Hiltguud,   die  konigstochter,   aus  Aqui- 


WALTtlARIUS.  79 


tanien  Wallliarl,  der  kcinigssohn  *).  Froh  solcher  beute 
kehrteu  die  sieger  nach  Pannonien  heini. 

Die  gelsehi ,  freundlich  gehalten ,  "Nvusten  sich  bald 
in  Attilas  gunst  festzusetzen.  Ospirin ,  die  kouigin,  ge- 
wann  Ilillguudeu  lieb,  uud  die  gefaugue  erlangte  zu- 
letzt  das  anit  eiuer  schatzmeisteriu.  Hagano  und  \YaI- 
tharl  raglen  In  kriegsziigen  hervor.  Uuterdessen  -svar 
Gibicho  gestorben  und  Gunthari  nachgefolgt;  dieser 
Itiste  alsobald  das  hunische  biinduis  und  weigerle  den 
zius.  Hagauo,  kaum  davou  beuachrichtigt,  eutfloh  aus 
der  gefaugeuschaft. 

Seiue  Ilucht  erweckte  Ospirins  besorgnisse;  sle  er- 
mahnt  Ihren  gemalil  auf  ^Vallharl  zu  achteu,  er  miige 
suchen  ihn  durch  die  heirat  mit  einer  liuulschen  fiir- 
steulochter  zu  fessehi.  Walthari,  als  es  Atlila  Ihm  vor- 
schlagt ,  \veicht  kliiglich  aus,  uuter  dem  vorNvaud  dafs 
er  vermahlt  herrudienst  Im  krlege  versiiumen  miisse. 

Nlcht  lauge  uachlier  brlcht  \>'Ieder  ein  krleg  aus, 
welchen  Wahharis  tapferkeit  entscheldet.  Der  riick- 
kehrende  siegcr  stofst  in  des  kouigs  gemach  auf  Hill- 
guud  allein ,  uud  lafst  sich  vou  ihr  deu  becher  reichen. 
da-  eutspiunt  sich  zvvischeu  ihneu  eiu  trauliclies  ge- 
sprach :  beide  vvusten ,  dafs  Ihre  vater  sle  elunals  eiu- 
ander  verlobt  liatten.  der  bund  wlrd  erueut,  die 
schmach  der  knechtschaft  erwogen  und  gemelnschaft- 
llche  fluclit  verabredet.  Hiltguud  soUe  aus  dem  kciuig- 
lichen  schalz  koslbare  stiicke  der  riistuug  uehmeu,  zwel 
mafsige  schreine  jeden  so  schwer  mit  spangen  fiillen, 
dafs  sle  Ihu  kaum  bis  zur  brust  aufheben  kouue",  danu 
acht  paar  schuhe  hiueln ,  und  oben  auf  bis  an  den 
raud  gefafse  legen  **),  aufserdem  belm  schmled  krumnie 


')  ibant   legati   totis  gladls    spoliati  64 ;    im  demutigen  aufzug 
v.nterworfner. 

'•)  die  entwendung  dieser  scliatze  Lalteu   wol    beide   flieliende 


80  WALTHARIUS. 

angeln  bestellen,  ■well  sie  auf  der  reise  von  gefangnen 
-fischen  iind  vogeln  zeliren  niiisten.  binnen  acbt  tagen 
soll  ein  grofses  gelage,  und  der  gaste  trunkenlieit  die 
lluclit  begiinstigen. 

So  wird  es  ausgefiihrl.  Als  alleHunen,  vom  welne 
schwer,  ihrer  sinne  unmachtig  vvaren,  zog  Wallhari 
ein  kostliches  ros  aus  dem  stall,  legte  ihm  beide  schreine 
uber ,  und  schwang  sich ,  vollgeriistet,  mit  der  jung- 
frau  ,  auf  dessen  riicken.  Hillgund  lenkt  die  ziigel  und 
hait  die  fiscliergerle  in  der  liand,  der  lield  selbst  ist 
mit  waffen  belastet,   weil  er  allenthalben  kampf  ahnt. 

Sie  fliehen  bei  nacht ,  bergen  sich  tags  im  duukel 
der  walder,  nieiden  bewohnte  stalten  und  gebautes 
land ,  auf  umwegen   ziehen  sie  iiber  bahnlose  gebirge. 

Unterdessen  erwachten  die  trunknen  und  gewahr- 
ten  der  entweichung.  Ospirin  war  untrcistlich  und  At- 
tria  verhiefs  jedem,  der  ihm  Waltliari  gebunden  zuriick 
fiihren  wiirde,  schatze  von  geld.  Dies  wird  405-7 
nacli  der  sinnlichen  weise  alter  compositiouen  (RA. 
670-673)  so  ausgedriickt :  ich  wiU  ihn  niit  gelautertem 
gold  bekleiden  und,  wenn  er  aufrecht  am  hoden  stelit, 
von  beiden  seiten  so  mit  gold  beladen,  dafs  ihm  da- 
durch  der  weg  ganz  gesperrt  sein  soll  *).  *vivo'  heifst 
es,  im  gegensatz  zu  dem  leichnam,  der  sonst  auf  solche 
weise,  zur  biifsung  der  schuld ,  niit    gold  zugedeckt  und 


darum  fiir  reclitlicli,  weil  sie  darin  eine  wiedererstattung  des  ih- 
rem  vaterland  abgedrungnen  zinses  selin.  Aus  gleicliem  grund 
aclieint  nachlier  Gunthari  anspruch  zu  erheben  auf  AValtharis  schatz, 
ia  welcliem  er  noch  einen  hunischen  erblickt. 

')  Hervararsaga  (Rafn  p.  494):  mun  ek  tliik  sitjanda  silfri 
maela  en  gdnganda  tliik  gulii  stejpa,  sva  d  i-egu  alla  velti  bau- 
gar.  die  stelle  ist  schon  RA.  677  beigebracht  und  erlautert  uuser 
gedicht  vollkommen. 


VVALTHARIUS.  81 


zugeslellt  AYlid.     Reiner  fand  slcli ,  der  diesen  goldliau- 
fen  zu  verdienen  lust  hatte. 

Waltliari  lockte  die  wilden  vogel  nilt  leinirutlien 
iind  gespaltnen  liolzern ,  an  kriiinmuugen  der  fliisse 
senkte  er  selue  augel  in  die  flut,  und  so  welirte  er  dem 
liunger.  Aui  vierzelinten  tag  erreichten  die  fliichtlinge 
abends  den  Rhein  bei  Worms,  dem  konigssitz,  da  gab 
Walthari  dem  schlffer  zum  fahrgeld  vorher  gefangne 
fische.  diese  flsche  trug  des  andern  morgeus  der  ferge 
dem  kiichenmeister  hin  ,  der  sie  wiirzte  und  dem  kojiig 
vorsetzte.  Verwundert  rlef  Gunthari,  dafs  Frankreich 
keine  solche  fische  kenne.  der  koch  wies  an  den  fer- 
gen ,  der  ferge  erzafilte  von  deni  slattliclien  helden,  der 
glanzenden  jungfrau,  die  des  weges  gekomnien,  und 
von  dem  starken  rosse ,  auf  dessen  riicken  zwei  schreine 
erklungen  selen :  der  liabe  die  fisclie  zuin  fiihrgeld  ge- 
geben.  Da  rief  Hagano  :  ATalthari,  mein  geselle,  kehrt 
lielm  von  den  Hunen.  da  rief  Gunthari :  der  schatz, 
den  mein  vater  daliin  entsandte,  der  kehrt  heim.  Also- 
bald  hiefs  er  seine  mannen  sich  riisten  und,  wie  selir 
axicli  Hagano  enJgegenstreble,  den  helden  verfolgen.  " 

Walthari,  uach  dem  Rhelniibergang  unablasslg  fort- 
eilend,  hatte  am  folgenden  abend  den  WasichenvN'aId  er- 
reicht.  da  ragen  zwei  berge  dicht  aneinander,  zwischen 
sich  eine  enge,  anmutige  schlucht  blldend,  oben  vom  gipfel 
der  felsen  iiberwolbt:  eine  hole  fiir  rauber,  mil  griinem 
grase  bewachsen.  'dahln,  rief  Walthari,  lafs  uns  gehn,  den 
iniiden  leib  In  dieser  burg  erquicken!'  seit  der  llucht  aus 
Hunenland  hatte  der  lield  keinen  andern  schlaf  gekostet  als 
zu  pferde  iiber  deu  scliild  gelehnt ,  und  kaum  die  au- 
genlieder  geschlossen.  Jelzt  das  schwere  streilgewand 
ablegend  streckte  er  sein  haupt  lu  den  schofs  der  jung- 
frau,  uud  sprach :  'schaue  wachsam  umher,  Hildgund, 
und   siehst  du  eine  dunkle  staubwolke  sleigeu,  so  weckc 

6 


82  WALTfiARILS. 

mich  sanft  aiif,  doch  nichtrasch,  nahe  gleich  ein  grofser 
haufej  vveit  durchspahen  deine  reinen  blicke  rings  die 
gegend.'  Er  schlofs  die  leuchtenden  augen  iind  genofs 
der  ersehnten  ruhe. 

Guuthari  spur  im  sand  gewahreud  spornte  seiu  ros : 

'eih,    dafs    wir   ihn    faheu    iiud    ihm    die    entwendeten 

schalze  abnehmen.'      'nicht    so  leicht,'  versetzte  Hagano, 

'■wiirde    das    abnehmen    dich    diinken ,    hiittest    du ,    wie 

ich  ,    ihn  streiteu  und  erlegen  gesehn.'      doch  der  konig 

war  uicht  abzulenkeu  und  sie   nahten  jener  felsenburg. 

Vom  gipfel  des  bergs  erblickte  Hildgund  staub  sich 

erheben  und  reiter  nahen  j  leise  beriihrte  sie  den  schla- 

fenden,    der  sein  haupt  aufrichtete.      'fernher  scliwebt 

eine  schar',  sprach  die  jungfrau.    Wahhari  rieb  die  au- 

gen ,    wafnete    seiue    glieder    und  schwang  den  speer  in 

der  luft.       erschreckt,     als  sie    von   weitem    die   spiefse 

glanzen  sah ,  rief  das  weib :   'da  haben  wir  die  Hunen  !' 

vuid    zu    bodeu    faliend :    'o    ich    flehe    dich ,    herr,    lafs 

dein   schwert    meinen    hals    durchschnejden,    dafs ,     die 

ich    dir  niclit   vermahlt  werden  soll ,    kein   andrer   mich 

beriihre!'   'ferne  sei',    sprach  der  jiiugling ,  'dafs  schuld- 

loses  blut  micli  beflecke  ;    lege  alle  furcht  ab,  der  mich 

aus  so  manclien  gefaliren  rettete  kann  aucli  ^diese  feinde 

:' niederwerfen.     Nicht  Hunen  ,  Fi^anken  Nibehmgen  siud 

l  es ,    die   hier    im    lande  wohnen ',     und  Haganons  helm 

1  erkennend    fiigte    er    lachend    hiuzu    'liier    ist    Hagano, 

{  mein  alter  geselle ! ' 

Bei  diesen  worten  nahm  er  seineu  staud  am  ein- 
gang  der  hole  hoher ,  Hildgund  blieb  weiter  hinten 
stehn  ,  'vor  diesem  ihor  rede  ich  das  stolze  wort :  hin- 
nen  soll  kein  Franke  heimkehreu  und  seijier  frau  sagea 
konnen ,  dafs  er  ungestraft  elwas  von  meinen  schiitzen 
w^eggetragen  habe.'  gleich  aber  venie  fallend  bat  er 
gotl    diese   worte    ab.      dann    richtete    er   sich  auf  und 


WALTHARIUS.  83 

betraclilele  sorgfaltig  sie  alle :  'uuler  diesen  fiirchle  icli, 
Hagano  ausgenommen ,  keinen  ,  der  kennt  meine  kampf- 
sitle  uud  weifs  listeu  genug;  weiclie  icli  ihnen  aus  ,  so 
liast  du  nichts,  o  Hildgund,  fiir  deiueu  briiuligam  zu 
befalireu.' 

Als  Hagauo  jeueu  vor  dem  felseulhor  stehn  sah, 
draug  er  deu  konig  abzulassen  luid  wegen  des  scliatzes 
friedliche  miltel  zuversuchen.  Da  eutsaudte  Gunthari 
deu  Gamelo,  der  erst  tags  zuvor  von  IVIetz  gekommen 
war  und  gaben  an  den  hof  gebracht  hatle. 

Gamelo  sprengte  nach  dem  jiingliug  uud  fragte  : 
*wer  bist,  vvauneu  kommst  uud  Nvohin  gedeukst  du?' 
Waltliari:  'erst  will  ich  wissen ,  ob  du  von  selbst  nahst 
oder  ein  andrer  dich  sendet?'  Svisse,  dafs  Gunthari, 
der  machtige  kijnig  mich  geschickt  hat  zu  fragen.'  'ich 
aber  weifs  nicht  wozu  es  uoth  ist  waudrer  auszufor- 
scheu  :  Wallhari  heifs  ich  von  Aquitania ,  als  knabeu  ' 
gab  niich  meiu  vater  zu  geisel ,  in  Hunenlaud  Jeble  ich, 
jelzt  enlwicli  ich  uud  kehre  zur  iheuren  lieiinal.'  'dich 
heifst  der  kunig  das  ros  mit  den  schreiuen  uud  die 
juugfrau  lierausgeben ,  dann  wird  er  leben  uud  glieder 
dir  lasseu.'  'thoreu  glcich  redest  du ;  ein  konig,  den 
ich  nicht  kenne,  sagt  mir  zu ,  was  er  uicht  hat  und 
nichl  haben  wird.  ist  er  eiu  gott,  dafs  er  mir  lebeu 
gewahre?  habeu  seiue  hande  mich  ergriireu  ?  halt  er 
mich  gefessell?  doch  licire,  will  vom  streit  er  abslehn, 
geb  ich  ihm  liuudert  goldrothe  spaugen;  dem  kcinigs- 
namen  zur  ehre.' 

Gamelo  hiuterbringl  das  erbieleu ,  Hagauo  riilli  zur 
anuahme ,  ihm  ahnt  soust  uuheil.  er  eutliiillt  seiucu 
niichllicheu  traum :  der  kijuig  hatte  einen  biireu  zu  be- 
stelin,  der  ihm  eiu  beiu  bis  zur  hiifle  abrifs  und  dauu 
dem  zu  hilfe  eilenden  Hagano  eiu  auge  nut  den  ziihuen 
ausstach.      Da    schilt   ihu    Gunthari :    'du  artest  deineni 

6  * 


84  WALTHAllll  S. 

vater  nach !  aucli  Agallii  tnig  ein  zages  herz  in  dei' 
brust  und  weigerte  sich,  nacli  langem  gerede,  des  kani- 
pfes.'  Ziirneud  antwortete  der  held  :  'ihr  seht  ihn  ja 
vor  augen  ,  bestreitet  ihn ,  ich  will  des  ausgangs  harreu 
und  sage  mich  los  von  der  beute.'  Nach  solchen  \\'or- 
leu  ritt  Hagano  abseits  auf  einen  nahen  biihel,  stieg 
nieder  und  schaute  zu. 
;  Zum  andernmal  entsandt  begehrt   Gamelo  Waltha- 

/  ris  gesamten  scliatz.  '  wie'  verselzt  der  held  'habe  ich 
ihn  euerm  konig  gestolen  ?  oder  hat  er  niir  geld  geborgt 
dafiir  ich  so  ungeheure  zinsen  zahlen  soll?  ist  vou  mir 
euer  land  geschadigt  wordeu?  doch  es  sei,  imi  friedli- 
chen  durchzug  will  ich  zweihuudert  sijangen  gebeu.' 
'du  wirst  mehr  miissen!  gewahre  die  forderuug  oder 
verlier  dein  leben.'  bei  diesen  worleu  nahm  Gamelo 
den  dreifaltigen  schild  auf  deu  arm ,  schiitlelte  seineu 
speer  uud  warf.  Wahhari  ausbiegeud  liefs  des  gegners 
geschofs  unniitz  in  deu  bodeu  fallen ,  'vvolan,  wenn  cs 
so  seiu  soU ! '  und  enlsandle  seinen  speer,  der  die  liuke 
seite  des  schilds  traf,  Gamelous  hand ,  die  ebeu  das 
schwert  ziehen  woUte,  durchbohreud  au  die  hiifte  hef- 
tete  uud  in  den  riicken  des  rosses  drang.  dies ,  ver- 
wundet,  strebte  seinen  reiter  abzuschiittehi ,  welchen 
der  speer  festhielt.  Gamelo  liefs  nun  den  schild  nieder 
und  suchte  mit  der  linken  die  reclite  zu  ledigen;  da 
stiirzle  Walthari  heran  ,  sliefs  ihm  das  schwert  in  den 
leib  und  zog  es  zugleich  mit  dem  speer  aus  den  wun- 
den.  mit  einem  mal  saukeu  das  ros  uud  seiu  herr 
zusammen. 

Diesen  fall  schaute  Gamelous  neffe  Gimo,  den  an- 
dere  auch  Scaramund  ueunen,  alsogleich  erliob  er  sich 
mit  beideu  handen  den  speer  schwingend.  Walthari 
stand  uuerschrocken.  'mir'  schrie  der  unseelige  Scara- 
mund,    'sollsl  du  keinen  schatz  ausliefern,    sondern  des 


WALTHARIUS.  85 

llieiuen  olieiiiis  leben  biifsen.'  'kann  icli  iiberfiihrt 
werdeu ,  des  kanipfs  begiuner  zu  sein  und  solche  be- 
gegnung  zu  verdieneu,  so  nioge  dein  speer  niich  durcli- 
bohren.'  Da  flogen  Scaramunds  bcide  speere  hinter- 
einander,  den  einen  mied,  den  auderen  schiiltelte  Wal- 
thari  ab  vou  seinem  scliild.  Nun  zog  Scaranuind  sein 
schwert  und  schlug  nach  dem  helden ,  dessen  fester 
helm  widerstand.  eh  Scaramiind  wenden  kounte  liatte 
Wallharis  lanze  ihu  uuter  das  kinn  getroffeu  und  aus 
dem  sattel  gehoben.  deu  slerbeuden  enthauptete  der 
held. 

Gunthari  trleb  an,  durch  fortgeselzlen  kampf  ihu 
zu  ermatten.  Werinhard  trat  auf,  speerwurf  verach- 
teud,  kcicher  luid  pfeile  tragend ,  gegen  welche  der  held 
sicli  niit  siebenfachem  schilde  deckte  ;  als  die  pfeile  ver- 
gebens  entsandt  siud,  greift  Werinhard  zum  schwert: 
'kanust  du  hifligeu  geschossen  kliiglicli  entgehn,  so  fiihle 
dcu  schlag  meiner  rechte.'  'darauf  wart  icli  lange,  dafs 
dem  kampfe  sein  recht  gescliehe.'  Waltharis  speer  trift 
des  rosses  brust,  das  sich  baumt,  seinen  trager  abwirf» 
und  iiber  ihu  herstiirzt.  jener  uaht,  enlreifst  ilim  ge- 
wallsam  das  schwert,  zieht  deu  helm  nieder ,  fafst  die 
blonden  locken,  uud  haut  dem  fruchtlos  flehenden  das 
haupt  ab. 

Drei  leichname  schrecken  nicht  Gunlhari;  sein 
vierter  kampfer  erscheint,  Eckefrid  von  Sachsen ,  der 
eiuen  vornehmen  niann  erschlageu  und  aus  seiner  hei- 
uiat  die  flucht  ergrifl^en  hatle.  als  dieser  den  heldeu 
kampffertig  slehu  sielit,  rufl  er  ihm  zu :  'ist  auch  be- 
riihrbar  dein  leib,  unseliger,  oder  teuschest  du  durch 
luftgebilde?  ein  sclirat  scheiusl  du  mir,  der  iu  wiildern 
hauset.'  'und  du',  antvvortet  Walthari  hohnlachend, 
'dich  verriith  deine  welsche  sprache,  triigerischem  volke 
enlslamnist  du;    doch  wagsi  du  dlch  uaher  mid   erreiclu 


86  WALTIIAlinJS. 

clich  meiue  rechle,  so  kannst  du  einmal  den  Sachsen  erzali- 
len,  dafs  ini  Wasichenwald  ein  scliral  dir  erscliienen  sei.' 
'icli  wills  versuchen,  was  du  bist'  sagt  Eckefrid ,  und 
sclileudert  die  eisenbeschlagne  lanze,  welclie  gebrochen 
voni  harlen  schilde  am  rienien  zuriickfahrt.  Wallhari : 
'dies  dein  geschenk  sendel  der  vraklsclirat  dir  wieder ; 
sleh  nun  zu,  ob  mein  geschols  besser  durchdringe !'  *) 
den  hautbedeckten  schild  spaltet  der  speer,  zerreifst  das 
gewand  und  silzt  fest  in  der  hinge.  Eckefrid  stiirzt 
und  vergiefst  einen  strom  von  blut,  sein  pferd  wird 
von  Walthari  gefafst  und  hiulcn  auf  die  weide  gelrieben. 


*)  in  den  versen  760-774  ist  die  bestimmung  der  re.^eaden 
'schwierig  ,  iind  dafs  schon  afjschreiber  zweifelten  ,  ergibt  die  ver- 
schiedenlieit  der  Jesart  zu  760.  nieine  annalime  griiiidet  sich  da- 
raiif,  dafs  ^V.  an  seinem  felsen  stehend  die  kampfer  herannalien, 
sich  von  ihneu  anreden  und  angreifen  lafst ,  eh  er  antwortet  und 
zur  wehre  schreitet.  dem  E.  konnte  W.  im  Vosagus  als  geister- 
hafte  erscheinung  vorkommen  und  v.  774  nennt  er  sich  selbst  ei- 
nen  waldschrat.  celtica  lingua  ist  wol  nichts  anders  als  welsche, 
unverstandliche,  das  muste  fiir  W. ,  der  blofs  mit  Franken  ver- 
kehrt  hatte ,  die  slichsische  sprache  sein.  auch  scheinen  die  worte 
propius  venientem  (767)  nur  auf  E. ,  dextera  nostra  blofs  auf  W. 
beziiglich.  Ware  umgekehrt  hunc  ubi  VValtharius  recht ,  und  be- 
giinne  W.  das  gesprach ,  so  hatte  man  vorauszusetzen,  ihm  sei  E. 
als  verbannter  waltgengo  faunisch  erschienen,  oder  als  wilder 
Sahse  (Gndr.  366,  4,  5003,  4.  Lohengr.  150  vgj.  feroces  Saxo- 
nes  Pertz  2,  3^67,  docii  Franci  feroces  Pertz  1,  282.  kiindic  alsein 
Sahse,  Amis  1043.)  aber  W.  kannte  von  allen  kampfern  Guntha- 
ris  allein  den  Hagano,  wie  hatte  er,  bevor  E.  noch  ein  wort  ge- 
redet,  ihn  als  Sachsen  erkannt?  etwa  nur  an  der  ferrata  cornus? 
und  wie  soll  celtica  lingua  auf  den  Aquitaner  (Wascen)  gehn,  des- 
sen  und  Alpharis  name,  so  wie  die  verbindung  mit  Hildgund  ge- 
nug  zeigen  ,  dafs  die  sage  ihn  als  einen  Deutschen  betrachtet  ? 
der  mit  den  Franken  wie  mit  dem  Sachsen  deutsch  redet?  767- 
769  diirfen  nicht  in  Fj.  mund  gelegt  werden  ;  wie  konnte  er  dem 
W. ,  der  gar  nicht  zu  Sachsen  gelangt,  znmnten,  von  ihm  ,  wenn 
ihn  das  fantasma  bezeichnen  soll  ,  den  Sarhscn  zu  erzjililen  ? 


WALTHARIUS.  87 

Kadawart,  der  fiinfte,  uaclidem  er  sicli  vom  konig 
des  geguers  schild  erbeten  hat,  lafst  seinen  speer  den 
gefahrten,  uud  baut  aflein  auf  des  schwertes  scharfe. 
die  leichen  sperren  ihm  den  zugang  zum  feinde ,  lieiu 
ros  kann  dariiber,  da  springt  er  ab  uud  kommt  zu 
fufs.  Wallhari  lobt  den  maun ,  der  ein  gleiches  ge- 
fecht  eingehe.  'du  schlaue  schlange'  ruft  Hadawart, 
geschofse  und  pfeile  fehlen  dicli ,  gleich  der  natler  liegst 
du  im  kreise,  wahnst  du  auch  dem  schlage  auszuwei- 
clien ,  den  dir  meine  reclite  fiihrt?  soll  icli  dir  ralheji, 
so  lege  deinen  gemahlten  schildab,  der  mir  vom  kcinige 
zugetheilt  wurde ;  ich  miJchte  ilm  nicht  geschadlgt  sehn, 
so  wol  gefiillt  er  meinen  augen.  ergienge  es  aber  an- 
ders,  unterlage  icli  dir,  so  stehn  hier  gefahrten  luid 
freunde ,  die  dich  nimmer  entrinnen  lassen  nnd  w'an- 
deltest  du  dich  in  eineu  gefiederten  vogel.'  'meinen 
schild/  erwidert  der  held ,  'lasse  ich  nicht,  er  hat  mich 
oft  geschiitzt ,  und  was  er  mir  heute  fromml,  wirst  du 
seheu  *)  ,  du  selbsl  wvirdest  uicht  mit  Wallhari  reden, 
weun  er  weg  ware.'  'sorge  nur  deinen  gegner  dir  ab- 
zuwehren  ,  damit  nicht  meiue  rcchle  dir  deine  schulz- 
wehr  der  felsenwand  benehme.'  'du  aber  trachte  mit 
deiner   linke    finsern  den  schild  fesl  zu  halten.'      Ecke- 


*)  liier  steiit  man  wieder  und  nocli  melir  an ,  von  810  bis 
820  den  wechsel  des  gespriiclis  zii  ordnen  und  dessen  slnn  zu  fas- 
sen.  sclion  811  ist  niclit  reclit  verstandlich ,  wenn  auch  'forsa» 
abessel'  bedeuten  kann:  si  forte  abesset.  denn  sollte  niclit  H.  den 
*kanipf  aucli  abgeselien  vom  scliilde  ,  dessen  besitz  er  sicli  freilich 
wiinsclit,  bestanden  liaben?  die  zeilen  812  tf.  der  einredenden 
Hildgund  beizulegen  scheint  unmoglich ;  zwisclien  beiden  lielden 
mag  dramatisches  gesprach,  ohne  wiederholte  nennung  der  namen 
gelten ,  die  jungfrau  aber,  wenn  ihr  die  kampfsitte  eiiimischung 
erlaubte,  liatte  nothwendig  vom  dicliter  genannt  werden  miissen. 
vielleicht  mangelt  eiii  vers  oder  raelircre  ,  doch  kelne  lis.  hat  Iiier 
usalze  oder  liicken. 


88  WALTHARIUS. 

frid:  *was  du  frei\villig  -weigerst,  wirst  du  gezwungen 
tliun  !  lege  ab  die  last,  die  du  von  den  Hunen  bis  hier- 
lier  so  weile  •wege  bindurch  gelragen  liast ,  iiiclit  nur 
den  schild  ,  auch  das  ros  mit  der  jungfrau  sanit  alleni 
golde  sollst  du  uns  ausliefern.' 

Nach  diesen  reden  beginnt  der  hefligsle  kampf,  von 
Hadawart  mit  deni  scbwert  gefiihrt,  von  Wallhari  mit 
dem  speer.  Hober  sleigt  der  'SYormser  das  schwert  er- 
Iiebend,  eiu  gewaltiger  streich  soll  entscbeiden.  docb 
der  jiingling  fangt  ibn  auf  und  scblagl  ihm  die  klinge 
aus  der  hand  ,  fern  im  gestriiucbe  scbimmert  sie.  da- 
liin  fliebt  Hadawart,  wird  aber  von  Wallbari  eingeboh, 
dessen  beide  bande  den  speer  scbwingen.  'wohin  Diebsi 
du?  da  nitnm  'den  scbild ! '  ruft  der  beld  und  scliliigt 
ilin  nieder.  Waltbari  selzt  ihm  den  fufs  auf  den  nacken, 
sein  speer  beftet  scbild  und  leib  des  gefalluen  an  die 
erde. 

Der  secbsle  naht  Patafrid,  Haganons  schwesler- 
sohn.  'wobiu  rennst  du,  neffe?'  ruft  ihm  Hagano  ent- 
gegen,  'siehst  du  den  Tod  nicbt  lacben?'  allein  der 
ruhmsiicblige  jiingling  veracbtet  die  mabnung.  Da  weh- 
klagt  Hagano  ob  des  unersattliclien  geizes,  der  die  men- 
scben  ins  verderben  stiirze,  und  vergiefst  thranen  iiber 
den  ungliicklicben  neifen.  Diese  klage  des  alten  freuu- 
des  dringt  durch  die  ferne  zu  Waltharis  ohren,  und  ge- 
riibrt  redet  er  den  kiibnen  jiiugling  an ,  abzustebn  vom 
slreit,  ibm  durcli  seinen  tod  uicbt  nocb  mehr  feinde  zu 
wecken.  'was  kiimmert  dicb  mein  slerben?  ficlit  und* 
rede  nicht ! '  Patafrid  schleudert  den  speer ,  welcben 
Waltharis  speer  abschlagt;  des  wurfes  gewalt  und  die 
kraft  des  wiudes  trug  den  scliaft  weiler  fort  bis  in  die 
burg  zu  den  fiifsen  der  jungfrau,  von  furcbt  bewegt 
scbrie  sie  weiblicb  auf,  doch  bald  sich  erholend  schaute 
sie.  ol)  der  hekl  lebe.    Nochmals  erniahnte  dieser  den  Fran- 


WALTHARIUS.  89 

ken  abzulassen.  Patafrid  aber  entblijfsle  das  sdiwert 
und  grif  an  in  unvorsichtiger  wut,  so  dafs  Wallhari 
sich  schirmte  und  jeuer  hinsliirzte  und  vergebens  zu 
wehren  suchte.     ihn  traf  des  helden  speer. 

Diesen  zu  rachen  gelobte  Gerwig,  dessen  niachti- 
ges  ros  iiber  alle  leichen  sprengte,  die  den  engen  steg 
sperrten.  eben  als  der  krieger  des  erlegten  haupt  voni 
runipfe  trennte  •warf  schon  Gerwig  die  zweischneidlge 
frankische  axt;  der  schnell  vorgehaltne  schild  vereitelte 
den  streich.  zuriicktreteud  grif  Walthari  seinen  speer 
und  sleckte  das  blutige  schwert  ins  riedgras.  keine 
reden  wurden  uuler  beiden  kampfern  gewecliselt ;  der 
eiue  wiitele  seine  erschlagnen  gefahrlen  zu  rachen ,  der 
andere  strebte  sein  leben  zu  vertheidigen.  Zuletzl  er- 
sah  cs  Walthari,  dafs  er  Gerwigs  scliild  liob  und  ihm 
das  eisen  in  den  leib  stiefs ;  das  haupl  schnitt  er  ab 
und  liefs  den  runipf  liegeu.  Dieser  Gerwig  war  ein 
graf  des  worniser  gaues. 

]\iin  erst  zauderten  die  Franken  und  baten  ihren 
lierrn  einzuhalten.  Gunthari  hingegen :  '  eh  will  icli 
sterben  ,  als  so  ruhnilos  nach  Worms  zuriickkehren ; 
soll  dieser  siegreich  entrinnen?  auf,  meine  helden,  das 
vergossene  blut  zu  suhnen ! '  Diese  worte  entflamuiten 
alle  und  einer  suchte  dem  audern  in  den  tod ,  wie  iu 
ein  spiel ,  voran  zu  eilen ;  doch  der  schmale  steg  ge- 
statlete  inimer  nur  zwei   streiter. 

Unterdessen  sie  ztigerten  halte  der  ruhmvolle  held 
seinen  helm  abgenommen  und  an  einen  baum  gehiiiigt, 
in  der  luft  sich  zu  kiihlen,  da  sliirmte  auf  schuellem 
rosse  Randolf  heran  und  traf  mit  schwerer  eisenstange 
Waltharis  brust.  hatle  das  wielaudische  geschmeide 
nicht  widerstauden  ,  so  ware  das  holz  eingedrungen. 
doch  er  fafste  sich  und  hielt  den  schild  vor,  den  helm 
/u  nehnien    war   keine    zeit.      der    FVanke    aber    halle 


90  W  A  L  T  ri  A  R  r  u  s. 

das  schwerl  gezogen,  iiacli  deni  sclieitel  geliauen  iiiul 
zwei  locken  abgeschoren';  sein  zweiler  hieb  drang  so 
fest  in  den  schild ,  dafs  er  mit  allev  niacht  den  stahl 
nicht  wieder  lusen  konnte,  dem  blitzo  gleich  sprang 
Walthari  riickwarts  und  wieder  auf  den  Franken  los, 
den  er  zu  boden  driickle  und  die  brust  ihm  trelend 
anrief:  'fiir  die  glatze  nehm  icli  dir  den  sclieitel,  dafs 
du  delner  braut  nicht  vou  mir  prahlest !'  bei  diesen 
worlen  trennte  er  des   flehenden   liaupt. 

Neunter  kampfer  war  Helmnot,  der  eiuen  drei- 
zack  schleppte  an  dreifachem  seil,  welches  im  riicken 
slehende  gefahrten  hiellen.  so  dachten  sie,  wenn  die 
geworfneu  haken  im  schilde  fest  safsen ,  alle  zugleich 
zu  ziehen  und  den  helden  nieder  zu  slrecken.  Helm- 
uot  warf:  'unler  diesem  eisen ,  kahler,  findest  du  den 
lod !'  Gleich  der  sclilange ,  die  sich  von  liohem  bauni 
lierab  wirbelt,  fuhr  das  glanzende  geschofs  und  zer- 
rifs  den  nagel  des  drohnenden  schildes.  Der  wald  er- 
schallt  von  der  seilziehenden  Franken  geschrei ,  selbst 
Gunlhari  hat  mit  hand  angelegt.  Unerschiitlert,  wie 
der  esclibaum,  sleht  Walthari ;  sie  streben  ihm  weuig- 
slens  den   schild  abzureifsen. 

Die  namen  der  ziehenden  sind :  Eleuther  der 
neunte,  aucli  Helmnot  genannt,  Trogus  von  Strafsburg 
der  zehnle,  Tanastus  von  Speier  der  eilfte ,  und  der 
kdnig,  weil  Hagano  abgieng,  erselzte  den  zwolften. 
Wahrend  diese  vier  tobend  sich  abniiihten ,  enlbrannte 
der  held  in  zorn,  baarhaupt,  aiif  riisfung,  speer  und 
schild  verlrauend  ,  griff  er  zuerst  den  Eleuther  an,  luid 
spallete  ilim  helm  und  nacken.  Dann  iiberfiel  er  Tro- 
gus ,  welcher  im  unseligen  seil  verwlclselt,  umsonst  zu 
iliehen  und  seine  waifen  zu  liolen  trachlete,  denn  alle 
seiiziehenden  hallen  speer  und  schild  abgelcgt.  Wal- 
thari    liiob   dejn   fliehenden   die  .waden  ab  und    fafsle  des 


WALTHARIUS.  91 

Trogiis  scliild,  eh  er  ihu  ergreifen  konnte.  der  wuude 
und  wiilende  ersah  sich  einen  ungeheueru  stein ,  den 
er  auf  Wahhari  sclileuderte  und  damit  seineu  eigneu 
schild  vou  obeu  bis  unten  spaltete.  kniend  aber  faud 
Trogus  ini  grase  das  schwert  (v.  922)  und  zog  es  aus 
der  griineu  behausung,  heifsniiitig  schwang  es  die  liiftej 
konnte  ev  durch  thateu  keiue  mannheit  beweiseu,  oflen- 
barle  er  sie  doch  in  herz  und  mund.  uud  als  er  keiue 
geister  lachen  sah*),  da  rief  er  kiihn:  *o  dafs  ich  eineu 
schild  oder  eiueu  treueu  freiuid  hatte!  zufall  nicht 
tapferkeit  gab  dir  den  sieg,  hole  dir  zum  scliihl  auch 
die  kliuge!'  'ich  komme'  sprach  Walthari,  llog  her- 
zu  uud  hieb  die  rechte  des  hauendeu  ab.  libeu  sollte 
ein  zweiter  streich  der  scheideudcu  seele  das  thor  ijf- 
nen,  als  Tanaslus,  der,  gleich  deui  konig,  die  walFea 
wiedererlangt  hatte ,  erschien  und  mit  vorgchaltucni 
schild  den  gefaiirleu  schiitzte.  Unwillig  wandte  sich 
der  held  gegeu  ilwi,  rifs  iljm  die  schulter  vou  oben  ab 
und  iifuete  die  seite.  init  lautem  schrei  stiirzte  Tana- 
stus,  Trogus  aber  siiefs  bittere  sclimahuugen  aus.  'slirb 
rief  Wallliari,  'und  melde  deinen  geselleu ,  wie  du  sie 
geracht  hast'.  sprachs  ,  uud  driickte  ihin  die  goldspange 
um  den  hals.  da  lagen  beide  freunde  hiugestreckt  in 
dem  staub. 

Seufzend  schwiimt  sich  der  ktJnig  aufs  ros  uud  eilt 


*)  iiec  manes  ridere  videns  ABC  1040;  unlialtbar  ist  mfi- 
nens  I.  lachlen  die  geister  niclit?  oder  sali  er  niclit  dafs  sie 
Inchten?  gaben  geisterliafte  wesen ,  vieiieiclit  die  seelen  abge- 
scliiedncr,  zuscliauer  ab  bei  kampf  und  gefeclit?  bedeutete  ilir 
laclien  Iieil  oder  unlieil?  merlvwurdig  stiinmt  das  lachen  der  gei- 
ster  ini  zuge  des  uordisclien  Gurorysse  (mytli.  531.)  manes  sind 
liei  N.  unlioldon,  vgl.  Mart.  Cap.  53:  maiiibus  refutatis,  dieii 
unlioiden  ferworfenen;  nianium,  dero  unlioldou  goto."  Aucli  vou 
(lcm  Tod  liiefs  e:-   850  :  qualiter    arridet,  in  uuIieiUvolieni  siiin. 


02  WALTHARIUS. 


zu  Ilagaiio,  ihn  endlich  zuni  kanipf  zn  bewegen.  ^niicli' 
sagl  dieser  'hindert  der  ahnen  ruhmloses  gesclilecht, 
mir  hat  das  kiihle  blut  den  niut  genommen  :  mein  va- 
ter  erblich ,  wenn  er  speere  sah,  und  sclilug  mit  vielen 
redeu  den  streit  aus.  als  du  dies,  l^onig ,  unter  dei- 
iiem  gefolge  prahltest,  war  meine  liilfe  deiner  luiwiir- 
dig'.  Da  drang  Giuilhari  in  ihn  mit  erneuten  bilten, 
nimmer  vervvinde  Frankreich  solchen  schimpf,  zischend 
werden  die  Franken  sagen ,  von  einem  einzigen  luibe- 
kannteu  sei  das  gau«e  lieer  ei-legt '.  Hagano  zauderte, 
bedachte  die  ehnials  Wallhari  geloble  treue.  endlich, 
als  der  konig  nicht  nachliefs,  brach  er  in  die  worte 
aus:  'wohin  rufest  du  mich,  lierr?  welclier  tlior  sliirzt 
sich  in  das  ofne  grab  ?  uicht  des  iheuern  neffeu  tod 
hatle  mich  vermoclit  die  treue  zu  brechen,  fiir  dich  ko- 
nig  begebe  ich  mich  iii  unzweifelhafte  gefahr.  doch 
von  hier  scheide  ich  aus  dem  kampf:  lafs  uns  weiler 
ziehen  und  auf  der  warte  lauschend  die  rosse  weideu; 
dann  wird  er  uns  fortgegaugen  wahnen  und  seine  enge 
burg  verlassen,  im  riicken  folgen  wir  nach '.  Diesen 
ralhschlag  lobt  der  konig,  umfjingt  und  kiifst  den  hel- 
den,  dann  weichen  beide  zuriick,  erspiihn  sich  deu  hin- 
terhalt  uud  lassen  die  rosse  grasen. 

Mittlerweile  war  die  dunkle  nacht  eingebrochen, 
und  Wallhari,  der  weise  held ,  begann  zu  iiberlegen, 
ob  er  in  der  sichern  burg  verweilen,  oder  in  der  ciden 
wUdnis  fortziehen  solle.  blofs  den  Hagano  scheute  er 
luid  jene  umarmung  des  konigs.  wollen  die  feinde 
nachts  in  die  stadt  zuriickkehren ,  neue  krieger  sam- 
meln  luid  friihmorgens  das  gefecht  erneuern?  oder  lie- 
gen  sie  allein  auf  naher  lauer?  aber  auch  den  unweg- 
samen  wald  fiirchtet  er,  wilde  thiere  und  die  gefahr 
fiir  die  )uiigfrau.  alles  erwogen  beschliefst  er  zu  blei- 
ben ,    b;s    der    tag    das  licht    wiederbringe,    *  der  stolze 


VVALTHARIUS.  93 

kouig  soll  uicht  sagen ,  dafs  icli  iu  diebes  weise  aus 
dein   gebiete  entwichen  sei.' 

Dornen  und  gestrauche  liaut  er  und  verbaut  den 
engen  pfad.  daun  mit  bitterem  seufzen  naht  er  sich 
den  leichnainen  ,  fiigt  jedein  lunipf  sein  haupt  an  und 
gegen  osten  kniend,  das  baare  schwert  halfend,  betet 
er  also :  'dir,  o  schupfer,  oluie  dessen  willen  nichts 
geschieht,  danke  ich ,  dafs  du  mich  scliirmtest  vor  den 
geschofsen  ungerecliler  feinde;  verleili  o  giitiger  lierr, 
der  du  die  siinde,  nichl  den  sjinder  vernichten  willst 
dafs  ich  alle  diese  *)  dereinst  iu  dem  hinunlischen  sitze 
schauen  moge.' 

Nach  diesem  gebet  erhob  er  sich ,  trieb  die  scchs 
rosse  ein  und  band  sie  mit  weiJen  fest.  nur  sie  waren 
iibrig,  zvvei  von  speeren  durchbohrt  und  drei  von  Gun- 
thari  weggefiihrt.  danu  loste  er  seine  riistung,  sprach 
mit  frohen  worlen  der  jungfrau  mut  ein,  genofs  speise 
und  bereitete  sich  ,  auf  dem  schilde  lagernd,  die  mat- 
ten  gliedei'  auszuruheu.  beim  erslen  sciilaf  solle  die 
jungfrau  wachen ,  er,  wo  niehr  gefahr  drohe,  gegeu 
morgen.     endlich    eutschlief  er. 

Sie  aber,  ilim  zu  haupt  sitzend,  wachte  und  hielt 
die  schlrifrigeu  augen  oiFen  mit  gesang.  Der  mann  brach 
seinen  schlaf,  stand  auf  und  hiefs  die  jungfrau  schlum- 
mern,  und  am  speer  gelehnt  brachte  er  die  librige  nacht 
zu,  bald  die  rosse  umgeheud,  bald  iiber  den  wall  hiu 
lauschend.  AIs  nun  der  tag  dammerte  uiul  thau  die 
erde  benetzle,  gieng  der  held  den  erschlagnen  waiTen 
und  kiiegschmuck  zu  rauben ,  spangen,  giiriel ,  helme, 
schwerter  uud  harnische ,  das  iibrige  gewand  lassend. 
mit  jenen  lud  er  vier  rosse,    hob  aufs  fiinfte  die  braut, 

•)  hos  1167  geht  auf  truiicos  1157.  trnncus  ist  der  haupt- 
lose  leichnam,  Vlrg.  Aen.  2,  557.  Die  schwertenthlofsung  bei  die- 
sem  feierlichen  hergang  bewahrt  heiduische  heldensitte. 


94  WALTUARIUS. 

uiul  besclirilt  tlas  seclisle.  Zuersl  verlicCs  er  selbsl  die 
umwallung,  spalile  aiif  dem  eiigeu  slcge  niil  liellen 
augen  und  liorchte  niit  aufgereckten  oliren  uacli  sclial- 
leudeu  ziigelu  und  hufsclilag.  alles  scliwieg,  da  liefs 
er  die  vier  saunirosse  voraus,  dann  das  Aveib  niit  den 
schreiuen  folgeu,  und  er  beschlofs  deu  zug.  Rauinwa- 
reu  sie  tausend  schritte,  als  die  zuruckschauende  juug- 
frau  zwei  mauuer  von  eineni  hiigel  reuneu  sah ,  und 
vor  schreckeu  erbleichend  zur  Ihicbt  ermahnle.  Wal- 
lliari  sich  weudeud  erkanute  die  feiude:  'besser  ist  es 
zu  harreu  uud  deu  streit  zu  beslehu;  du,  ergreif  deu 
ziigel  des  schatztragenden  rosses  uud  bleib  im  uaheu 
haiu ,    ich  werde  sie  am  "^hhaug  des  bergs  erwarten.' 

Der  kouig  uud  seiu  gefahrle  rannteu  ihn  an : 
'jelzl  ist  der  schlupfwlnkel  dir  benommeu ,  aus  Avel- 
chem  du,  wiitender  feiud,  einem  huude  gleich,  belllest; 
nuu  gilts  in  ofnem  felde  zu  fechlen  uud  zu  erproben, 
ob  dem  anfaug  der  ausgang  entspreche.  wol  weifs  ich, 
das  gliick  hast  du  um  lohu  geduugeu  und  verachtest 
flucht  oder  ergebuug.' 

Walthari,  taub  gegeu  des  kouigs  worle,  weudet 
sich  au  Hagauo  und  mahut  ihu  der  alteu  treue,  er  be- 
schwort  ihu  bei  ihren  jugendlichen  spielen,  bei  ihrer 
unbefleckten  freundschaft ,  abzustehu  vou  dem  augrif: 
'  daun  will  ich  dich  preiseu  uud  deu  scliild  dir  mit  ro- 
them  golde  fiillen.' 

Fiuster  und  zornig  verselzt  Hagauo:  'erst  iibst  du 
gewalt,  Wallhaii ,  und  dann  vei'suchst  du  iiberredung; 
du  brachst  die  Ireue.  sahst  du  mich  nicht  zugegen  uud 
erschlugst  mir  freuude  und  verwaudle?  deinen  schatz 
sclilag  ich  aiis,  vou  deiuer  haud  fordre  ich  den  tod  des 
theuern  ueffen.' 

Hagano  schwang  sich  vom  riickeu  des  rosses,  ebeu- 
so  Gunlhari;    alle  standen    zu   fufs,    zwei  wider    einen. 


WALTHARIUS.  95 


Den  frieden  ziierst  brach  llagano  ,  nill  furchtbarer  ge- 
walt  seinen  speer  werfend,  der  aber  ani  schragen  schilde 
des  helden  abprallte  und  bis  an  den  nagel  in  den  na- 
heii  liu°el  eiubohrte.  drauf  ^varf  den  eschenschaft 
Gunthari,  beherzt  doch  niit  schwacher  kraft,  Wallhari 
schiiltelte  vom  rand  das  malte  eiseu.  BetrofTen  vou 
dena  schlinimeu  zeicheu  ziehn  die  Franken  ihre  schwer- 
ter  und  greifen  an  ;  tapfer  ab  wehrle  des  helden  speer 
iind  schreckender  blick.  Und  weil  ihre  kiirzcn  kliu- 
gen  nicht  an  ihn  reichten,  bedachle  Gunlhari  seincn 
speer,  der  vor  Waltharis  fiifseu  lag,  heimlich  aufzu- 
nehmen  und  winkte  dem  dienflmann  voranzuschreilen. 
Kaum  aber  halte  des  kouigs  hand  den  speer  ergrilfeu, 
so  drangte  Wallhari  Ilaganou  plotzlich  zuriick  und 
hielt  mit  dem  fufse  noch  dcn  entzogngn  speer  fcsl,  dais 
Gunlharis  knie  sankeu.  da  nuu  halle  ihn  der  held 
auch  erschlagen,  wiire  nicht  Hagano  mit  schirmendem 
schild  und  geziicktem  schwert  vorgespruugen,  so  dafs 
jeuer  aus\vich,und  der  zillernde  kiinig  enlrinneu  konnle. 
Walthari  fiirchtele  den  lislen  beider  zu  erliegen. 
laut  rief  er  aus:  *  du ,  o  hagdorn ,  griinst  in  laub, 
dafs  du  stechen  ktinnest,  strebst  mit  schlauen  spriin- 
gen  mich  zu  teuschen ;  doch  ich  will  dich  schon  naher 
heranbriugeuj!'  Miichtig  schleudert  Walthari  den  speei', 
und  trift,  und  nimmt  ein  sliick  der  riistung  weg^  leioht 
Hagano  streifend,  aber  dem  wurf  nachspringend  ihut 
er  ploUlich  eineu  ungeheuern  schwertschlag  auf  deu 
kiinig,  dafs  er  ihm  bein  und  schenkel  bis  zur  hiifte 
weghaul,  und  Guuthari  iiber  den  schild  hinstiirzt.  und 
das  schwert  vou  neuem  ziickend  ist  Wallhari  im  be- 
grif  den  todesstreich  zu  verselzen ,  als  Hagauo  mit  eig- 
nem  haupt  ihn  auffangt ;  au  des  herlichen  helmes  harte 
bricht  sich  klirrend  die  klinge ,  dafs  ihre  {riimmer  iu 
der  luft  und  im  srase  funkeln.     zornis  wirft  auch  den 


96  WALTHARIUS. 

kiinstlicli  gesclimiedelen  grif  der  lield  zu  boden  ^veit- 
weg;  diesen  augenblick  *)  ersieht  Hagano  und  haut  die 
vorgestreckte,  volkern  und  konigen  durch  ihre  siege 
furchtbare  rechte  hand  iiieder.  Unerschiittert  und  auch 
mit  der  linken  unkundig  zu  weiclien ,  schiebt  Walthari 
den  bluteuden  slunipf  in  den  schild  und  zieht  niit  der 
unverselirten  hand  ein  iini  die  rechte  hiifte  gegiirletes 
halbschwert,  dessen  slreich  alsobald  Haganons  rechtes 
auge  ausstijfst,  die  schlafe  durchschneidet ,  die  lippen 
spaltet  vuid  ihni  zweinial  drei  backenziihne  aus  dem 
munde  reifst. 

So  nun  endete  der  kampf,  aus  welchem  zwei  grofs- 
mutige ,  an  kraften  gleiche  helden ,  keiner  unversehrt, 
hervorgiengen.  dort  lag  Guntharis  fufs,  hier  Waltha- 
ris  rechte  und  Haganons  zitterndes  auge  !  so  tlieilten 
sie  die  hunischen*spangen!  Es  safsen  die  beiden,  der 
dritte  lag,  und  trocknelen  den  bkitstrom  mit  bkimen. 
Wakhari  rief  die  furchtsame  jungfrau ,  sie  kam  und 
verband  alle  wuiiden. 

Drauf  hiefs  sie  der  brautigam  wein  mischen:  'den 
reiche  Haganon  zuerst,  ein  guter  kampfer  ist  er,  wenn 
er  treue  hak;  dann  reich  ihn  mir,  der  ich  mehr  als 
die  andern  duldete ;  zuletzt  trinke  Gunthari ,  der  unter 
tapfern  mannern  lassig  und  lau  dem  kriegswerk  oblag.' 
In  allem  gehorchte  Heririchs  tochter.  Aber  der  Franke, 
obwol  diirstend  nach  wein :  'bring  ihn  zuerst,  jungfrau, 
deinem  brautigam  und  herrn ,  der,  ich  bekenn  es,  slar- 
ker  ist  als  ich ,  und  nicht  nur  iiber  niich ,  iiber  alle 
hinausragt.' 

Unbezwungen  im  mut,  ermatlet  am  leib,  scherzlen 
unter  den    bechern    Hagano   der  dornige    und  der    held 


')  den  einzigen ,  wo  "Walthern  seine  gewolinliclie  vorsiclit  ver- 
lassen  hatte;  praeter  et  unius  punclum  cautissimus  heros  1320, 
vgi.   1380  ff. 


WALTFIARIUS.  97 

aiis  Wascciilaud.  Der  Franke  spracli:  'jage  Jir  hirsclie, 
o  freiind,  voii  dereu  leder  du  handscliuhe  ohue  zalil 
habest ,  doch  den  recliten  ralli  ich  niil  zarter  wolle  zu 
slopfen,  dafs  unkundige  voni  schein  der  liand  gefeuscht 
w^erden ;  und  den  brauch  des  volkes  Nvirst  du  brechen, 
das  schwert  an  die  rechte  liiifte  giirten ,  uud  dein  ge- 
niahl  verkelirt  niit  der  linken  hand  uniarmen  ;  was  du 
zu  thun  hast  wird  die  linke  verriclilen.'  'iNIicli  wun- 
dert  dein  vorspringen,  einaugiger  Sicaniber!  jag  icli 
hirsche,  so  wirst  du  eberfleisch  nieidcn  *) :  luid  niis- 
trauisch  den  dienern  befehlen,  querblickend  die  rei- 
hen  der  hehlen  griifsen.  doch  eingedenk  alter  freund- 
schaft  Nvill  ich  dir  rathen ,  sobald  du  heinikehrst,  lafs 
dir  gespickten  brei  von  milch  luid  niehl  kochen ,  der 
dient  beides  zur  heilung  und  kost.' 

jNlit  diesen  •\vorten  erneuerten  sie  den  blutigen  bund, 
hoben  den  konig,  dessen  wunde  heftig  schnierzte,  aufs 
ros  und  giengen  von  einander,  die  Franken  nach 
Worms,  der  Aquitaner  in  seine  heiinat.  ehrenvoll  eni- 
pfangen  feierte  er  die  vermahlung  mit  Hildgund ,  und 
beherschle,  allen  iheuer  uud  lieb ,  nach  des  vaters  tod, 
sein  volk  in   dreimal  zehn   gliicklichen  jahren. 

Dieser  auszug  gibt  kund  welche  forlschreitende 
eplsche  kraft  iu  der  ganzen  dichlung  enlhalten  sei;  nir- 
gend  ist  die  handlung  miifsig ,  sondern  in  besliindigcni 
wachsthum  begriffen  und  der  antheil  sleigt  bls  ans 
ende.  Den  mittelpunct  bilden  aber  die  kampfe  des  hel- 
den  mit  den  einzelnen  Franken,  und  hier  hat  das  ge- 
dicht  ungemeine  gewandlheit  und  manigfaltigkeit  ent- 
wickelt.  keins  dieser  gefechte  gleicht  dem  andern,  son- 
dern  ist  durch  die   sinnesart    der    jedesmal  auftretenden 

')  galt  die  alte  helHenspeise  einatigigen  fiir  ungesund?  blofser 
melilbrei  soll  iiinen  frommen.     nian  selie  untcn  s.  105. 


98  W  A  L  T  FI A  R  I U  S. 


kanipfer,  durch  die  veischieilenlielt  der  gebraucliten 
waffen  iind  durch  den  fiir  Walthari  zwar  immer  sieg- 
reichen ,  in  den  nebenumslanden  aber  abweichenden 
ausgang  eigenlliiimlich  ausgebihlet.  Die  wechsehidsten 
gefiihle  werden  dadurch  angeregt ;  ein  lield  erscheint 
als  treuer  dienslmann,  der  andre  als  racher  seines  ge- 
fallnen  verwandten,  ein  dritter  als  landfliichtiger  fremd- 
ling,  und  fiir  jeden  veriindern  slcji  die  beweggriinde 
des  angrifs,  Besonders  zu  preisen  ist  die  nacli  deni 
tode  des  eilften  streileis  einfallende  pause,  bevor  auch 
Gunlliari  und  Hagano  slcli  elnlassen.  diese  schllderung 
der  nacht,  in  welcher  Walthari  dle  haupter  der  von 
ihm  erschlagnen  felnde  mit  den  leichnamen  zusammen- 
fiigt  und  in  feierliclier  slllle  fiir  ihre  seelen  betet,  dann 
wie  Hildgund  und  er  wache  halten,  gehort  zu  dem 
erhabensten  was  unsei'e  alte  poesie  aufzuweisen  liat. 
in  jener  feler ,  zumal  der  schwertentblofsung  beim  nle- 
derknien,  ist  noch  heidnlscher  anslrlch*),  iiber  welclien 
nahei"e  aufscliliisse  wiinschenswerth  waren,  zuglelch 
aber  dle  verst3hnliche  gesinnung  des  betenden  hel- 
den  echt  christlich.  Nlcht  wenlger  schiin  ,  wiew^ol 
rolier  und  wenu  man  will  barbarlsch  ist  der  aus- 
gang  des  ganzen.  nnr  durch  theilweise  und  gegensei- 
tige  besiegung  konnten  dle  beiden  hauptgeslalten  des 
gedichts  versohnt  werden  und  auf  das  befrledigendste 
ist  ihre  anerkennung  ausgedriickt  in  dem  anbieten  und 
ausschlagen  des  ehrentrunks,  so  wie  durch  dle  helter- 
keit  der  folgenden  scherze.  Hildgimd ,  dle  iiberall  im 
lied  weder  zu  wenig  noch  zu  vlel  auftrltt,  hlnterlafst 
wunden  blndend  und  weinbereltend  am  sclilusse  einen 
wolthuenden  eindruck.  selbst  die  auf  den  konig  ge- 
worfne,  obgleich  schonende  verachtung  thut  ihre  rechte 

')  Oddr  bestattet  die  eilf  vou  ilmi  ersclilagnen  berserker  (Her- 
var.  saga  cap.  5.  p.  421». ) 


WALTHAllIUS.  99 

\viikiii»g.  Dafs  Altila  und  Ospirn ,  in  das  erste  dritlel 
des  gediclits  eingreifend,  hernach  falleu  gelassen  wer- 
den,  scheint  vollkoninien    episch. 

Eine  diclrtuug,  so  fest  iu  einander  gefiigten  in- 
lialts ,  kauu  nicht  von  eiiieni  nionche  ersonneu  seiu,  sie 
njufs  vorher  schon  als  deutsches  gedicht  unter  dem  volk 
gelebt  habeu,  iind  auf  dieser  grundlage  beruht  der  ver- 
such  der  halbgelehrteu  umarbeituug,  die  klostergeist- 
liche  *)  zu  erheileru  uud  iu  der  nietrik  zu  iiben  be- 
stiiumt  war.  \Yie  sicli  aber  die  gestalt  eines  lauge  iiber- 
lieferteu  und  fortgetragnen  deutschen  epos  im  beginn 
des  zehnteu  jh.  vorzustelleu  sei,  ist  aus  den  formen 
eiuer  solchen  vou  eiuJliissen  lateiuisclier  construclion 
uud  lateiuisches  versbaues  beherschten  nachbildung 
scliwer  zn  erratheu.  Eiuzehie  spuren  von  alliteralion 
scheineu  zvs'ar  vorzublicken,  z.  b.  selbst  in  der  bezeicli- 
nung  des  helden  Wahhari  fona  Wascom  (WaUharius 
vocor,  ex  Aquilanis  sum  geueratus  599),  iu  uebenein- 
auder  fiiguug  von  Wallhari  und  Wormaza  (144)  ,  von 
Haririh  und  Hildguud,  oder  dem  mit  Scaramund  709  zu 
verbiudenden  adj.  scarf.  Im  lied  vou  den  Nibelungen 
riihren  die  nebeneiuauder  stehenden  eigeunameu  Sigmunt 
und  Sigelint,  Guuther  luid  Gernot,  Liudeger  und  Liude- 
gast  noch  aus  einer  friihereu  alliterierenden  gestaltung.  Ha- 
gai^o  spinosus  1421  konnle  auf  Hagano  hagauin  zuriick- 
fiihren;  vitam  et  artus  603  ware  Iip  iuti  lidi,  uud  soreihleu 
sich  fisch  und  vogel  272  ;  fiscli  und  ferge  434. 463  ;  und  ahn- 


*)  der  beginn  des  gediclits  ist  an  ^ie  fralrrs  gericlitet;  iiber- 
lianpt  sclieineii  die  zelien  ersten  verse  blofs  moncliiscli;  und  das 
deutsclie  lied  wiirde  niclit  elier  als  niit  dem  eilfte»  anlieben,  vers 
1  erinnert  au  Corippus  J,  47:  tertia  pars  miindi  fumans  perit 
Africa  fTammis ,  vgl.  mytliol.  179.  Einigemal  tritt  die  person  des 
dicliters  vor :  narro  15;  edicam  1007;  am  meisten  1452-1455; 
in  den  ausdriickeii  narrant  78;  referunt  688  scliimmert  der  deutsclie 
vortrag  diircli.  vollig  deulscli  kliiigt  dcr  sclilufs :  Iiaec  est  Walt- 
liarii  potisis,  daz  ist  Waltliaries  liod. 


100  W  A  L  T  n  A  R  I  U  S. 

liches  niehr.  hierbei  wiire  dennoch  blofser  zufall  nioglicli ; 
in  andern  fast  entscheidenderen  fiillen  ist  keine  allileralion 
zu  ahnen ,  zumal  zwischen  den  ordinalzahlen  und  den 
namen  der  einzehien  zwolf  lielden,  vro  sicii  das  urspriing- 
liche  verhallnis  fast  nicht  halte  verwischen  lasseu.  wenn 
daher  iu  versen  ,  deren  inhalt  beinahe  keine  abweichuug 
von  der  grundlage  gestallete,  einigenial  das  alliterierende 
baud  waltet:  illic  Guntharii  pes  regis,  palma  jacebat 
Waltharii  1402,  wo  sogar  pes  iind  pahua,  wie  fuoz 
und  folma  stimmen  ;  so  fallt  niir  doch  fiir  die  folgen- 
den  worle:  nec  non  treimilus  Haganonis  ocellus  weder 
ein  vocalisch  noch  mit  H  anlauleudes  adj.  eiu  ,  an  des- 
sen  slelle  das  uneulbehrliche  und  sicher  echte  trenuilus 
geselzt  ware.  Uud  zu  jeuer  zeit  diirfle  auch  iu  Siid- 
dentschlaud  schwerlich  eiu  episches  lied  uiit  voller  al- 
literation,  hochstens  eiu  iiberrest  derselben,  deu  die 
veranderte  form  der  poesie  nicht  gelilgt  halte,  der  aiis 
ihr  theilweise  sogar  in  die  lateinische  nachahmuug  eiii- 
gegangeu  ware,  zugestandeu  vverden.  Die  frage  sleht 
dauu  wieder  nach  der  gestaltung  ,  welche  das  deutsche 
volkslied  seit  dem  neunleu  und  zehuteu  jh.  fiir  sich 
angeuommen  hatte  ?  und  auch  sie  ist  schwer  zu 
beantworlen.  lch  werde  iu  der  vorrede  suchen  meine 
ansiclit  von  dieseni  gegenslaud  ausfiihrlicher  nutzulhei- 
len  uud  nachzuweisen,  wie  sowol  das  altere  allitqpie- 
rende  mafs  als  auch  die  spatere  epische  laugzeile  des 
zwolften  uud  dreizehuten  jahrhunderts  niit  derjenigeu 
zusanuneuhaugeu,  woriu  Otfried  und  der  verfasser  des 
Ludwigliedes  dichteten ,  unerachtet  diese  iunere  reime 
haben ,  in  deu  Nibelungen  und  Gudruu  -aber  die 
schliisse  der  langzeileu  gebuudeu  siud  und  stropheu 
vou  vier  zeilen  eutspriugeu ,  iu  der  ahd.  periode  nur 
vou  zweien.  Das  steht  fest ,  aus  dem  olfriedischeu 
vers    ist    uumittelbar     der    erzahlende,     aber     uuvolks- 


WALTOARIUS.  101 


malsige  liervorgegangeii,  den  die  hofisclie  dicblkunst  rei- 
uigle  iind  fortbildete.  In  wiefern  jene  vierzeilige  slrophe 
sich  etwau  an  wiederkehreude  abschnitte  alliterierender 
gedichte  schliefse?  niiislen  eher  die  alluordische  poesie, 
als  die  allsachsiscbe  oder  angelsachsische  lehren.  ich 
nieine  in  den  wechselreden  des  Waltharius  hiu  und 
wieder  noch  entsprechende  sonderungen  von  je  vier 
liexanietern  wahrzunebnien ,  z.  b.  in  deu  versen  627- 
630,  634-637,  640-643,  649-652,  664-667,668- 
671,  1435-1438,  1430-1442,  1443-1446,  1447-1450. 
dies  wiirde  ciuigen  der  vorgetraguen  uiiilniafsungen,  ob- 
schon  iuiiner  iiur  schwach ,  zur  liilfe  koinnien. 

In  welcher  aufseren  gestalt  aber  aueh  den  sauct- 
galler  nioucheu  ein  deutsches  lied  vou  Walther  uud 
Hildguud  bekannt  gewesen  sei;  ein  solches  nuifs  uebea 
ihrer  lateiuiscbeu  uachbilduug,  und  gar  nicht  eininal 
vou  iiir  beriihrt,  uoch  spater  bis  ius  dreizebnte  jb.  und 
vielleicht  langer  forlgedauert  haben.  ware  es  ims,  selbst 
aus  80  junger  zeit ,  iu  irgend  einer  haudschrift  erhallen, 
was  fiir  wichtige  aufschliisse  iiber  das  ganze  bisher  erdr- 
terle  verhiiltuis  niiisle  es  gewahren.  Das  lange  forlle- 
ben  der  ohne  zweifel  in  lieder  gefalslen  sage  geht  aus 
sicheru  zeuguissen  hervor.  Walther  von  der  Vogel- 
weide  hat  seineu  gleichen  nanieu  iiu  sinn,  uni  seiue 
geliebte  unter  dem  von  Hildegund  zu  verslecken  *).  das 
war  jedem  zeitgenosseu  alsobald  verstandlich.  Es  niogen 
sogar  niehrere  und  abweichende,  kiirzere  und  ausfiihrli- 
chere  auiTassungen  der  sage  uingegangen  sein ,  wie  sich 
schon  aus  jenem  verse  688  des  lateinischen  werks  ent- 
nehmen  liifst.  In  unsern  Nibelungeu  stehn  verschiedne 
anspieluugen.  1693-1695,"  1734-1736  wird  die  gesel- 
lenschaft  zwischen  Hagene  uud  Wallher,  der  hier  vou 


*)  74,  19;  rgl.  Uiilands  selirift  s.  17. 


102  W  A  L  T 11  A  R I  U  S. 

Spdne  heifst,  iiiicl  Walllieis  fliiclit  iiiit  Ilililcgiintl  aiis 
Hunenland  erwalinl;  aucli  niiirs  die  lesart  'jnine  gisel' 
1694,  2  BCJh  erwogen  ^verdcn.  das  isl  aber  schon  an- 
ders  ,  dafs  Hagene  nichl  cnlronnen  ,  sondern  voii  Ktzel 
selbst  heim  enlsandl  vvar.  noch  beinerkenswcrlher  ist 
2281  der  Hagen  von  Hildebrant  geinaclile  vorwurf,  er 
hajje  vor  dein  Wasgenslein  mif  dein  schilde  gesessen  iind 
sich  vonWalther  seine  freuude  erschlagen  lassen.  auch 
iin  lat.  gedicht  638.  639  ersclieint  Hagano  als  ru- 
higer  zuschauer  des  kanipfs;  nur  das  niederselzen 
auf  den  scliild  isl  der  lebeiidigere ,  episclie  ausdruck 
von  llieilnahndosigkeit  unter  slreilenden ,  und  wahr- 
scheinlich  iu  aller  silte  hergebracht.  INirgends  in  deu 
INibelungen  tritt  Walther  selbst  auf,  vvol  aber  geschieht 
es  iu  dem  gediclit  vou  Bilerolf  und  Dietlieb,  auch  da 
v\'ird  er  genannt  von  Spanilani  576.  615.  3045.  5086. 
6223.  6854.  7649.  10399.  12650;  und  Alpkers  kint 
9951,  vvas  ein  ahnlicher,  alieiu  verschiedner  nanie  vou 
Alpher  =.  Alphari,  Albheri  ist.  auf  ein  lied  beziehen 
sich  die  verse  577,  578:  '  der  w^as  von  Hiunen  her 
bekonien,  als  ir  ivul  haht  e  vernumeu.^  Walther  erzahlt 
dem  Biterolf  von  Etzels  maclit  und  freigebigkeit,  wie 
der  konig  und  Helche  ilim  land  und  kroue  augebo- 
ten,  wie  Hagene  und  er  von  Etzel  scliwert  genommen 
hatten  752  ff.  auch  seines  riihmlicheu  kampfes  am  Rhein 
mit  den  Franken  wird  gedacht:  'wie  sich  des  heldes 
hand  ha;t  ervohten  (im  kampf  hervorgethan)  an  dem 
l\in',  716.  Walthers  schild  und  waffen  werden  als 
weitbekannt  angegebeu  613  ff. ,  sein  schwert  JVaske 
12285  genannt ,  was  mit  der  benennung  W^asken- 
land  fiir  Aquitanien  iii  verbiudung  gebraclit  werden 
kann;  Nib.  1988,  4  gilt  Waske  iiir  Irings  scliwert, 
W^altiiers  verllechtung  in  die  fabel  von  Biterolf  scheinl 
mehr  erfunden ,  als   volksmiifsig ,    Bilerolf  Irift  auf   ihu 


WALTHARIUS.  103 

iiiiwell  Paiis  in  Kerliiigen,  gerath  niit  ilini  in  kanipf, 
erkennt  ilui  aber  baltl ,  und  nennt  ihn  seiner  schwester 
sohn.  Diellieb  sippet  an  ^'^"althern  3043.  daruni  heifst 
Walther  in  audern  gedicliten  (Dlelrichs  flucht,  Alphart, 
Rosengarten ,  aucli  im  anhang  des  heldenbuchs)  von 
Kerlingen',  hier  ini  Biterolf  wird  er  als  oberherr  dreier 
kcinigreiche,  Rerlingens,  Arragoniens  und  Navarras  vor- 
gestellt  *),  was,  glelch  jenem  von  Spanien  aus  dem  al- 
len  nanien  von  Aquiianien  erklarlich  ist.  Biterolf,  ko- 
nig  von  den  bergen  ,  zu  Etzel  ziehend  ,  bestellt  AYalt- 
hern  wiihreud  dieser  abwesenheit  zum  '  frldenieister ' 
seines  landes.  AIs,  im  verfolg,  Etzel  die  Franken  iiber- 
ziehen  wlll,  ralh  llagen  den  Wallher  nach  Worms  eiu- 
zuladen,  und  Wallher  eilt  aus  Kerlingen  den  Rhein- 
franken  zu  hilfe.  Hildgund  ist  im  gefolgc  und  erkun- 
digt  sich  bei  Ruedegcr,  Etzels  boten ,  nach  Helchen 
6891.  diesen  Riiedeger  slellt  Hildebrand,  Etzels  schar- 
meisler,  hernach  'NValthcrn  im  kanipf  eutgegen ,  er  soll 
Hildgundeus  eulfiihrung  an  ihm  rachen  7651;  wenig 
froh  dieser  zuweisung  isl  Riiedeger,  er  kennt  des  hel- 
den  tugend:  'er  riinite  mlues  herreii  lant  gar  an  alle 
schande'  7667.  nachher  kommt  es  doch  zum  gefecht 
zwischen  beiden ,  und  jeder  machl  dem  andern  viel  zu 
schaffen.  '  mich  hat  gemachel  im  su  zam',  sagt  Riiede- 
ger,  '  der  degen  iiz  Spauelant,  hcct  ir  hie  twalm  an 
der  hant,  den  truiikich,  uud  gebiiter  daz'  12649.  Dafs 
hier  Walther  auf  Giiuthers  seile  auftritt  ist  dem  sinne 
der  alten  dichtung  unangemessen. 

Weit  helleres  liclit  verbreiten  iiber  sie  andere 
aufnahnien,  forlfiihrungeu  und  umgestallungen  derWalt- 
herssage. 

Vor  allem  gehort  dahiu  die  arl  und  woise,  wie  sie 

*)  deutsche  hcldensage  95. 


104  WALTII ARIUS. 


iu  die  Vilkinasaga ,  niis  norddeiitsclier  qiiellc ,  einge- 
flossen  ist,  zuerst  cap.  84-87.  J^altari  af  faskaaUmi, 
Ermenrichs  gcliwestersohn  ,  ^\ird  von  dieseni  niit  zwolf 
andern  rilleru  dem  Anila  vergeiselt.  zsvei  jahre  nach- 
her  gelangt  aucli  Hihlegund ,  toditer  des  llias  von  Grie- 
cheuland  zu  den  Huneii  uiul  vvlrd  dienerin  der  koni- 
gin  Erka.  bei  eiuem  grolseu  feslmahl  geslelui  siclj  beide 
ihre  liebe  und  verabreden  gemeinsanie  fluchl.  am  an- 
dern  niorgeu  besleigen  sie  ein  ros  und  Ilildegund  uinuut 
aus  Erkas  schatz  koslbarkellen  mit.  Allila  enlbielet 
zwcilf  belden,  den  Iliichtigeu  nachzuelleu  :  darunter  Ilogjii, 
Aldrians  sohn.  als  sich  Valtari  eingeholt  siehl,  sprliigt 
er  vom  pferd  iind  bereitel  slch  zum  kampf,  der  bis  zur 
nachl  wahrt.  Vallaj-i  erlegt  eilf  rilter,  der  einzige  Ilogiii 
entkommt  in  den  wald.  Der  wunde,  ermiidete  Vallari 
scldagt  feuer  uud  hnil  einen  eber ,  daun  setzt  er  slch  mit 
Iliidegund  uleder  uud  beide  verzehren  das  flelsch  bis 
zu  den  knochen.  da  erspaht  Hildeguud  dep  helmlich 
uahenden  Hogni,  der  sein  schwert  gezogen  liat  und 
Valtari  erschlagen  vvlll  ;  sclinell  warnt  sle  den  lieldeu, 
der  ein  eberbruslbein  greift  luid  den  Hogni  dainit  zu 
bodeu  wirft.  der  schlag  trift  dle  wange  so  hart ,  dafs 
dem  Hcigni  ein  auge  ausspringt;  doch  raft  er  sich  auf 
luid  entkommt  wieder  uach  Susa.  Valtari  aber  gelangt 
gliicklich  heim  zu  Ermenrich ,  der  ihn  aucli  spiiter 
durch  gesclienke  mit  Alllia  versohut.  Hler  bei  grofser 
eiusllmmung  isl  doch  vieles  anders.  Walthers  und 
Ilagens  geselleuschaft  mangelt ,  auch  Hagens  friihere 
flucht;  vielmehr  gehort  dieser  zu  den  nachellenden  rlt- 
leru  Attilas.  Giinlher  und  die  Franken  blelben  ganz 
aus  dem  spiel.  der  kampf  mit  den  zwolfeu  erfolgt 
uicht  am  Rhein ,  sonderu  in  einem  ungenanuten  wald. 
dle  nachth'che  wache  beim  feuer,  nachdem  eilf  ersclila- 
geu  slnd  und   nur  Hcigni  von  den  feinden    iibrig   bleibt, 


WALTHARIUS.  105 

slimnit  zu  der  alten  diclituug.  clas  Iraten  des  ehers,  nitt 
dessen  knocbeu  Hoguis  auge  ausgeworfen  wird  ,  >veiclit 
vollig  ab,  sclieiut  aber  sebr  altertliiinilicli  ,  uncl  erklait 
vielleicbt  Wallbaris  spottendeu  ausruf  ' carnem  vitabis 
aprinaml''  besser  als  das  lateiniscbe  gedicbt  (oben  s.97.) 
der  verlust  des  auges  ist  in  der  sage  >vesentlicb ;  Hagauo 
aber  weit  edler  gebalteu  als  dieser  Hogui.  Vallaris 
wunde  wird  nicbt  niiber  bezeicbnet,  und  im  verfolg  der 
sage  erscbeint  er  nie  einbandig.  seiue  verwaudlscbaft 
zu  Ermeuricb,  als  dessen  dienstmaun  er  aucb  uacbber 
auflrilt,  entfernt  sicb  vom  lat.  gedicbt ,  das  weder  Er- 
luenriclis  nocb  Dielriclis  iiberbaupt  nieldung  tbut.  docb 
dafs  er  nicbt  auf  Dielricbs  seile  slebt,  slimmt  uiit  der 
darstelluug  im  Biierolf. 

Weuiger  bedeulend  siud  die  iibrigen  slellen.  cap. 
104-106  zur  Dielliebssage  geborig  setzen  Vallari  iii 
nacblbeiliges  licbt.  er  bestebt  mit  Dietlieb  eiuen  w^ett- 
strelt  im  steinwurf  und  speerscbwiugen,  und  unterliegt; 
so  dafs  sein  baupl  dem  sieger  verfallt.  Ermenricb  kauft 
ibn  los.  dies  widerspricbt  dem  gedicbt  von  Biterolf, 
welcbes  ibn  niit  diesem  ,  uicbt  mit  dessen  sobn  zusam- 
menbriugt.  cap.  130  bestellt  Ermenricb  den  Valtari  iiber 
die  burg  Gerimsbeim.  cap.  308  scbildert  sein  lebens- 
ende.  ini  trelTen  Dietricbs  mil  Ermeuricb  ist  er  des 
letzteren  falintrager  uud  streitet  mit  Vildifer.  beide 
erlegen  einander  gegenseitig.  dieser  ausgang  wider- 
spricht  sowol  dem  lateiniscben  gedicbt ,  als  der  italie- 
niscben    sage. 

Nemlicb  die  novaleser  cbronik  (oben  s.  56)  tbeilt 
den  auszug  des  lateiuiscben  gedicbts  nur  darum  m  it, 
weil  die  letzten  tbaten  des  helden  in  ibrem  kloster  vor- 
geben  uud  seiue  gebeiue  da  begraben  liegen.  Waltbers 
gliicklicbe  beimkelir  aus  Hunenland  und  vermablung 
mit  Hildgund  scbliefsen  lange  uocb  nicht  den  kreis  «ei- 


106  WALTIIARIUS. 


ner  rulunvollen  scliicksale.  der  lateinische  dichter  miifs 
viel  nielir  davou  gewiist  haben ,  es  war  nicht  sein  zweck 
zu  erziihleu,  wie  viel  kriege  Walthari  in  den  dreifsig 
jahien  seiner  herschaft  iiber  Aquilanien  gefiihrt,  wie 
viel  siege  erfochleu  habe.  Die  anspielungen  im  Biterolf 
und  in  der  Vilkinasaga  lassen  einiges  von  diesen  spUte- 
i-eo  begebeulieilen  vermuteu.  Ohne  zweifel  bildele  doch 
die  fhicht  aus  Huuenlaud  deu  eigentlicheu  lichtpunct 
der  sage,  aus  welchem  wol  auch  alleiu  epische  bedeut- 
samkeit  hervorgehu  konnle.  ob  noch  einiges  andere 
aus  ihr  anflug  iu  liedern  gewann ,  vermogen  wir  nicht 
mehr  zu  wissen.  Weun  icli  aber  dem  sangaller  bear- 
beiter  weitere  bekanntschaft  niit  der  fabel  zutraue  ,  so 
ist  daruuter  nicht  gerade  Walthers  klosferleben  zu  ver- 
stehn,  auf  das  der  niouch  wenigstens  hinzuweisen  nicht 
uuterlasseu  haben  wiirde.  diese  entwickUing  der  sage 
veruahm  er  also  nicht ;  sie  rnufs  jedoch  nicht  viel  spa- 
ter  begonuen  habeu  ,  wenn  die  chronik  dem  eilften  jh. 
anhiirt. 

Sie  meldet  nun,  cap.  7 — 13,  folgendes.  *)  Nach- 
dem  held  Walther  viele  kriegsthaten  in  der  vvelt 
verrichtet  hatte"  und  hochbejahrt  war ,  dachte  er 
seiner  siindeu   uud  beschlofs,  durch  ein  strenges  geistli- 


*)  cap.  7    Iiat  der  chroiiist  uoch  acht  schleclite  verse  in  elegi- 
gchem   niafs,  die  einem  andern,  nicht  unserni  lat.  dicliter  gehoren: 
Waitliarius  fortis ,  quem  nullus  terruit  hostis, 

Colia  superba  domans,  victor  ad  astra  volans. 
Vicerat  hic  totum  duplici  certaniine  mundum, 

Insignis  bellis,  clarior  ast  meritis. 
Hunc  heroa  (per)tremuit  quoque  torridus  Indus, 

Ortus  et  occasus  sclis  eum  metuit, 
Cujus   fama  suis  titulis  redimita  coruscis 
Ultra  caesareas  scandit  abhinc  aquilas. 
das  lautet  wie  der  versuch  ei^ies  epitaphs,  und  lafst  nicht  auf  eine 
anderwelte  lateinlsche  bearbeitung  schliefsen. 


WALTHARIUS.  107 

ches  lebeii  die  verzeiliuiig  des  himmels  zu  erwerben. 
Sogleich  suchle  er  sich  eiuen  scliunen  slab  aus ,  an  des- 
sen  spilze  er  niehrere  riuge  uud  iu  jedeu  riug  eiue 
schelle  lieflen  liels,  uahm  pilgerlraclil  luid  durch^vau- 
derte  fast  die  ganze  welt.  er  ^vollle  die  regel  luid  weise 
aller  monche  geuau  erforscheu  uud  gieug  iu  jedes  klo- 
sler.  wenu  er  aber  iu  die  kirche  getreteii  ^var,  pllegle 
er  zwei  oder  dreimal  mil  seiuem  stabe  hail  auf  deu 
boden  zu  slofseu  ,  dafs  alle  schelleu  erklaugeu.  hierau 
priifte  er  die  slreuge  der  klosterzucht.  Als  er  uun 
auch  ia  das  kloster  Novalesa  gekommen  war  uud  da, 
seinem  brauche  nach,  den  pilgerstab  auf  deu  bodeu 
sliefs,  drehte  sich  eiuer  der  zoglinge  (puer  alumnus) 
neugierig  um  uach  dem  schall ,  alsbald  sj^raug  der  schul- 
nieister  zu  luid  verselzte  ihm  eiue  ohrfeige.  Da  seufzte 
Waltlier  uud  sprach :  'nun  biu  ich  schon  lange  tage 
durch  die  welt  gewandert  und  habe  dergleicheu  uicht 
gefuuden.'  darauf  nieldete  er  sich  bei  dem  abt  zur 
aufuahme,  legte  die  tracht  dieses  ordensau,  luid  wurde 
seiuem  willeu  uacli  zuni  gartner  des  kloslers  bestellt. 
er  nahm  zwei  lange  seile  und  spauule  sie  durch  den 
garteu  ,  eins  der  lauge ,  das  andre  der  quere  nach ,  luid 
hieng  des  sonnners  alles  unkraut  darauf,  die  wurzeln 
gegen  die  souue ,  damit  sie  diirrteu  und  nicht  wieder 
lebeudig  wiirdeu. 

Es  war  aber  iu  deni  kloster  ein  holzerner  wagen, 
iiberaus  schon  gearbeitet,  auf  welchen  nian  nichts  an- 
ders  legte  als  eiue  grofse,  oben  mit  eiuer  hellklingen- 
den  schelle  versehne  stauge.  zuweilen  wurde  diese  auf- 
gesteckt,  so  dafs  sie  jedermann  schauen  und  ihren  klang 
lioren  kounte.  Alle  hofe  uud  dorfer  des  kloslers  hat- 
len  nuu  auch  ihre  wagen ,  auf  deneu  der  monche  dienst- 
leute  koru  und  wein  dem  klosler  zufiihrten;  jener  wa- 
gen    mit    der    stange    fulir    daun  voraus,    uud  huudert 


108  WALTFIARIUS. 

oder  funfzig  anclre  wageu  folglen  nacli ,  und  jeder  er- 
kannle  daran ,  dafs  der  zug  deni  beriihnilen  kloster  No- 
valcsa  gehorte.  und  da  war  kein  hex'zog,  graf,  herr 
oder  bauer,  der  es  ge^vagl  hatl-e  ihn  zu  schadigeu ;  ja 
die  kaufleute  auf  den  jahrmarkteu  solleu  ihreu  liandel 
nicht  eher  ercifnet  habeu ,  als  sie  deu  sclielleuwagen 
heraufalireu  saheu.  Liinmal  geschah  es  ,  dafs  diese  \va- 
geu  beladen  ins  kloster  zuriickkehrteu  uud  auf  des  kci- 
iiigs  leute,  welche  pferde  auf  eiuer  wiese  weideten, 
sliefsen.  diese  hochmiiligeu  fielen  iiber  das  klostergut, 
iiud  nahmeu  alles  weg.  vergeblich  \viderselzlen  sich, 
die  dienstleute ,  liefsen  aber  augeublicklich  was  gescliehu 
war  dem  abt  iiud  deu  briideru  kuud  thun.  Der  abt 
versammelte  das  gauze  kloster  und  berichtete  den  vor- 
faU.  damals  war  vorsteher  der  briiderschaft  einer  ua- 
nieus  Asmarius,  von  herkuuft  eiu  Frauke ,  ein  tugeud- 
hafter,  versliindiger  uiann.  Dieser,  auf  Wallhers  rath, 
man  miisse  zu  deu  rauberu  khige  briider  abseudeu  uud 
ihueu  die  sache  gehurig  vorstelleu  lassen  ,  sagte  so- 
gleich:  'so  sollst  du ,  Walther,  schuell  dahin  gehn, 
denu  wir  habeu  keineu  kliigeren,  weiseren  bruder.' 
Wallher  aber,  der  sich  wol  bewust  war,  er  werde  den 
trotz  und  hochniut  jeuer  leute  nicht  ertragen  konuen' 
versetzte:  'sie  werden  mir  mein  nionchskleid  auszie- 
hen.'  'zieheu  sie  dir  deiu  kleid  aus,  sprach  Asinarius, 
'so  gib  ihueu  noch  die  kutte  dazu,  also  sei  dir  von  deu 
briideru  befohlen.'  Svie  soli  ich  niit  pelz  und  uuter- 
kleid  thun?'  *sage,  vou  deu  bi'iidern  sei  dir  befohleu, 
auch  diese  stiicke  nehmeu  zu  lasseu.'  'ziirue  nicht,  dafs 
ich  weiter  frage:  wenn  sie  auch  mit  deu  hosen  tliun 
woUen  wie  mit  den  iibrigeu?'  'danu  hasi  du  deiue 
demut  hiulauglich  bewieseu ,  denn  iu  ansehung  der 
hosen  kaun  ich  dir  uicht  befehleu  dafs  du  sie  ihnen 
lassesl.' 


WALTriARTUS.  109 

Hlerjnit  war  Wallher  zufricden  ,  gleng  hinaus  und 
fragle  die  kloslerleule,  'ob  liier  ein  pferd  wnre,  aiif 
dem  er  Ini  nolhfall  eineii  kampf  wagen  diirfe?'  *  es 
sind  gule,  slarke  karrngaule  da',  antNVOrtelen  jene. 
schnell  liefs  cr  sie  vorfiihren  ,  bcsliog  einen  und  spornle 
ihn,  hernach  einen  zwcilen,  verwaif  aber  beide  und  gab 
ilire  felder  an.  dann  erijinerfe  er  sich  semes  allen  ros- 
ses,  das  er  einst  mit  ins  kloster  gebracht  halte ,  und 
fraglc,  *ob  es  nocli  ani  leben  %vare  ? '  'jaherr,  es  lebt, 
ist  aber  ganz  all  luid  diciit  bei  dcn  beckcrn  ,  denen  es 
taglich  korn  zur  miihle  triigt  und  wieder  hoh.'  Wal- 
llier  sprach :  'fiihrt  es  niir  vor,  damit  icli  es  selbcr  sehe.' 
Als  es  hcrbei  gebraclit  ^vurde  und  er  darauf  gestiegen 
war,  rief  er  aus:  'o  dies  ros  hat  der  lehren  noch  nicht 
vcrgessen ,  'die  ich  ilim  in  meinen  iungen  jahrcn  gab.*' 
Hicrauf  beurlauble  er  sich  von  dcm  abt  und  den  brii- 
dern  und  eillc,  nur  zwei  oder  drei  knechte  niilneh- 
inend,  zu  den  raubcrn  hin ,  die  er  freundlich  griifste 
und  ermahnfe  von  dem  golles  dienern  zugcfiigten  un- 
rccht  abzuslehn.  Sie  aber  wurden  dcsto  zorniger  und 
aufgeblasner ,  luul  zwangen  AYallhern  das  kleid  auszu- 
ziehen ,  wekhes  er  trng.  geduldig  litt  er  alles ,  und 
sagte,  dafs  ilim  so  befohlen  worden  sei.  Nachdem  sie 
ihu  entkleidet  halten ,  fiengen  sie  an  auch  seine  schuhe 
luid  schicnen  zu  Ibsen ;  als  sie  an  die  hosen  kamen, 
sp*rach  Wallher,  'das  sei  ihm  nicht  befohlen.'  sie  aber 
versetzten,  Svas  die  monche  befohlcji  halten  ,  sei  ihneji 
eiuerlci.'  Walllier  hingegen  sagte ,  'auch  mir  steht  es 
nicht  liiuger  an',  und  da  sie  gewalt  brauchen  wollten, 
niachte  er  unvemierkt  seinen  steigbiigel  los  und  traf  ei- 
nen  kerl,  dafs  er  fiir  todt  nieder  sank,  ergrif  dessen 
walTeu  uud  schlug  damit  rechts  und  links  um  sich. 
Dann  schaute  er,  und  sah  ncben  sich  eiu  kalbaufdem 
grase  weiden  ,  sprang  zu  ,  rifs  ihm  ein  schulterblatt  aus 


110  WA  I.TFIARIUS. 

iiiul  scliliig  (liUJiit  *)  auf  die  feiiule  los,  welclie  er  (liirclis 
gaiize  fekl  liiulrieb.  Einige  erzahleii,  (leniienigen  der 
sicli  ain  frechslen  zeigte  iind  gerade  biickle ,  iliin  die 
schube  abzubinden ,  habe  Wallher  einen  solcheu  sfreicli 
iiber  den  hals  verselzt,  dafs  ihin  das  zerbrochne  hals- 
bein  sogleich  in  den  schlund  gefallen  sei.  AIs  er  nun 
viele  erschlagen  liatle,  gaben  die  iibrigen  die  flucht  und 
liefseu  alles  ini  slicli.  \Yalllier  aber  beinachtigte  sich 
nicht  nur  des  eignen ,  sondern  auch  des  fremden  guts, 
und  kehrte  init  reiclier  beute  beladen  ins  kloster.  Der 
abt  enipfieng  ihn  seufzend  und  schalt  heflig.  Wallher 
liefs  sich  eine  bufse  auferlegen,  damit  er  sich  niclit 
leiblich  einer  Ihat  freue,  die  seiner  seele  verderblich 
Avar.  Er  soll  indessen  dreimal  ,  ^vie  einige  versichern, 
gegen  die  einbrechenden  heiden  gekampft  und  sie 
schimpilich  von  den  gefllden  des  klosters  zuriickgelrie- 
ben   haben. 

Zu  einer  andern  zeit  soll  er ,  als  er  die  rosse  des 
ktinigs  Desideiius  auf  einer  kloslerwiese,  genannt  jMollis 
(spiiter  INlolard),  weiden  und  das  gras  verwiisteu  fand,  die 
hiiler  verjagl  und  ilirer  viele  erschlagen  liaben.  Auf  dem 
riickwege,  Yor  freude  iiber  diesen  sieg,  schlug  er  mit 
geballter  faust  zweimal  an  eine  steinseule,  dafs  das 
grofste  stiick  davon  los  brach  und  zur  erde  fiel.  da- 
selbst  heifst  es  bis  auf  den  heuligen  tag  noch  'perciissiu 
oder  \feiiia  TFalthani.' 

Dieser  beriihmte  held  graf  Wallher  stnrb  alt  aii 
tagen  ini  kloster,  nachdem  er  sich  selbst  noch  seiu 
grab  auf  einem  nahen  berggipfel  sorgfallig  gehauen 
hatte.  er  vvar  Aveise  und  klug,  schon  von  leib  iind 
anllilz,  ein  eifriger  bewahrer  der  klosterregel.  nach 
s-einein   ableben   wurde  er  in  jenein  grabe   beslatlet,  das 


*)  wie  er  mit  dem  el)ersknoclien  wirlt  (vorliiii  s.  104.) 


WALTHARIUS.  111 

zuglelch  seinen  enkel  Raihald  aiifiiahm.  Rathald  war 
sohn  Raihers ,  des  sohnes  von  Wallher  und  Hilde- 
gund.  Rathalds  haupt  hatle  einst  eine  frau ,  dle  hetens 
halber  zur  grabslalte  gegangen  war,  lieimllcli  niltge- 
nonimen  iind  auf  ilire  burg  gebracht.  als  eines  tags 
feuer  in  dieser  burg  ausbracli ,  erinnerle  sie  sich  des 
liauptes,  zog  es  hervor  und  hielt  es  den  llanimen  ent- 
gegen.  alsobakl  erlosch  die  hrunst.  Nacli  deni  lelzlen 
elnbrucli  der  helden  luid  bcvor  der  heilige  orl  ^vieder 
erbaut  wurde ,  wuste  keiner  von  den  einwohnern  mehr, 
\vo  Walthers  grab  war.  Dazumal  lehte  in  der  stadt 
Segusium  Pelronilla,  eine  alte  >vil\ve,  die  gebiickt  am 
slabe  elnher  schritt  und  wenig  mclir  mil  ihren  a\igen 
sah.  dleser  hallen  dle  lielden  iluen  solin  ,  INIaurinus, 
vveggefiihrt,  vnid  iiber  dreifsig  iahre  nuisfe  er  ilinen 
dlenen ;  endllch  erlangte  er  dle  freiheit  u?id  wanderle 
in  seine  heimal  zuriick,  er  fand  seine  mutlcr  von  aller 
belnahe  verzehrl :  sie  pllegte  sich  tiiglich  auf  einem  fel- 
sen  zu  sonnen;  und  die  leute  giengeu  oft  zu  ihr  und 
fraglen  nath  dcn  .-ilterlliiimern.  sie  wuste  manclierlel 
zu  ei'zalilen ,  zumal  vom  klosler  ]NovaIesa,  unerhorte 
dinge  ,  die  sie  ihells  noch  geschn ,  thells  von  ihron  el- 
tern  vernommen  hatle.  eines  tags  liefs  sle  sich  wie- 
derum  von  einigen  maunern  herumfiihren ,  denen  wies 
aie  Wallhcrs  grab,  das  man  niclit  niehr  kannte  ,  so  wie 
«ie  (lie  slelle  von  ihren  vorfahren  her  gcmerkt  halle, 
wiewol  ehnials  keine  frau  gewagt  halle  die  slatte  zu 
betreten.  auch  verzahlte  sie  wie  vlel  brunnen  ehmals 
hier  gewesen.  die  uachbarsleule  behauptelen  ,  gedaclite 
frau  sei  beiuahc  zweihundert  jahre  all  geworden. 

In  diesen  iiberlieferungen  ist  das  ende  des  helden 
nocli  an  einen  beslimmten  ort  fest  gekniipft  und  aus 
der  hunischgothischeu  zeit  an  die  jiiiigere  langobardl- 
schegeschoben.     kunigDesiderlus  falll  Insachle  jh,.  und 


112  WALTHARIUS. 

Novalesa  ward  ersl  750  gegriindet.  Das  geislUcIie  le- 
bensemle  beriilimter  lielden  sclieint  aber  in  langobardi- 
schen  sagen  besonders  beliebt ;  so  nuinchen  sich  Berker 
iind  Rolher,  dessen  namen  an  jenen  Ratlier  anklingt ; 
noch  bekannter  ist  Wolfdielerichs  monchlhum.  iiuter 
den  iibrigen  sagen  aber  Iiat  Wilhehn  des  heiligen  ende 
und  Heimes  kloslerleben  (Vilk.  saga  387-391)  ent- 
schiedne  beriihrung  mit  dem  Wallhers.  es  sind  hiib- 
sche  auswiiclise  der  fabel,  die  an  mehr -als  eiueni  ort, 
friilier  oder  spater,  sichlbar  werdeu. 

Am  verworreusten  aber  hat  sich  die  grundlage  des 
Waltharius  einer  poluischen  sage  des  dreizelinten  jh. 
eingewebt.  *)  -svdaly  Tf^algerzs  (Walther  der  starke),  ein 
graf  aus  Popels  kouiglichem  stamm  entsprossen  und  zu 
Tyniez  bei  Cracau  angesessen ,  halt  sich  eine  zeitlaug 
am  hofe  des  kouigs  von  Frauken  auf,  dessen  tochter 
die  schcine  Helgunda  ist.  ein  alemannischer  konigssohn 
(sein  name  wird  uicht  genannt)  liebt  sie  und  wird  auch 
von  ihr  begiiustigt.  Walgerzs  aber  besticlit  den  thurm- 
Avachler,  dafs  er  ihn  eines  nachts  auf  die  zinnen  der 
burg  sleigen  lafst ,  und  siugt  siifse  weiseu.  Helgunda 
aus  dem  schlaf  erwachend  lauscht.  friihmorgens  forscht 
sie  bei  dem  wiichter  nach  des  sangers  nameu  vergeb- 
lich.  iu  beideu  folgeuden  nachten  wiederholt  sich  der 
gesang ,  und  zuletzt  briugen  drohungen  den  wachter 
dahin  Walgerzs  zu  nenuen.  Helgunda  entbreuut  von 
liebe  uud  lafst  den  heldeu  zn  sich.  Ziiruend  kehrt  der 
Alemauue  iu  sein  vaterland  uud  bewacht  alle  Rhein- 
zolle.  Bald  darauf  entflieheu  Walgerzs  uud  Helgunda, 
sie  nahen  dem  Rheiu  uud  verlaugeu  iiberfahrt,  und 
zahlen  eine  mark  goldes  dafiir.  die  schiffer  zogern, 
da  besteigt  der  jiiugling  sein  ros  ,  heifst  Helgundeu  liin- 

*)  Dogupliali  (f  1253)  chronicon  Poloniae,  bei  SommersI)erg 
6ciipt.  rer.  siles,  2,  37-.^9. 


WALTIJARILS.  113 

ten  aursilzen  und  in  den  strom  sprengend  selzl  pfeil- 
schnell  iiber.  am  andern  ufer  scliallt  hinter  den  ilie- 
liendeu  die  stimnie  des  Alemannen  :  'halt  an,  treuloser, 
du  flohst  mit  der  konigslochler  heimlich ,  und  ohne  den 
zoll  zu  entrichten  selzest  du  viber  den  Rhein  ;  zwei- 
kampf  entsclieide  zwlschen  uns ,  und  dem  sieger  falle 
ros  imd  walTen  des  besieglen  ,  sammt  Helgunda,  zu ! ' 
'die  mark  goldes  zahlle  icli ,  und  die  konigstocliter  folgt 
mir  aus  freien  sliicken,'  verselzt  "VYalgerzs.  Ein  hefli- 
ger  kampf  beginnt,  und  weil  der  Alemanne  lielgunden 
im  auge  hat,  ermutigt  ihn  ihr  anblick  so,  dafs  er  Wal- 
gerzs  zum  weichen  bringt,  bis  dieser  zuriickschreitend 
sie  nun  auch  aiiblickt.  alsbald  verdoppelt  sich  seine 
kraft ,  er  dringl  auf  den  gegner  unwiderstehlich  ein, 
und  erschlagt  ihn.  IVlit  der  beute  des  rosses,  der  waf- 
fen  und  mit  Helgunda  sclzt  er  die  reise  forl,  und  langt 
gliicklich   in  seiner  burg  Tynicz  an. 

f^Jn  dieser  erzahlung  isl  \A'allhers  kampf  mit  Hagen 
nlrlii  zu  verkennen,  auch  die  Rheiniiberfahrt  stimmt. 
mir  hat  sicli  der  weg  unigekehrt ,  die  liebenden  kom- 
meu  aus  Frankreich  uud  lllehen  nachxOSten,  wiihrend 
in  der  rechlen  sage  sie  aus  Ungern  gen  westen  eilen, 
Das  werben  nacli  der  jungfrau  diirch  naclitliche  lieder 
gemahnt  an  Horant  in  Gudrun,  und  entdeckt  uns  viel- 
leicht  elnen  alten  echlen  zug,  der  in  den  iibrigen  aiif- 
fassungen  verloren  gegangen  ist.  auch  dle  vom  anblick 
der  gelieblen  ausgehende  sleigerung  dcr  heldenkraft  be- 
gegnet   anderwiirls. 

Nun  aber  schieilct  dle  sage  fort  und  scheint  ganz 
in  eine  slavische ,  der  dentschen  dlchtung  fremde  und 
sie  slorende  iiberlleferung  auszuweichen  ,  dle  icli  dalier 
blofs  kurz  andeute.  Walgerzs  beslegt  Wlslaw  dcn 
schunen ,   herrn    von    \^isHcz,    und    legt    ihn    in   seiner 

8 


Ji4  WALTdARIUS. 

burg  gefangen.  mlt  illesem  eiilspinnt  Helgunda  eiiieii 
liebeshandel,  lijst  iha  aus  den  banden  und  begibl  sich 
auf  die  flucht,  wUlirend  ihr  gemahl  abwesend  war. 
die  treulose  weifs  hernach  Walgerzs  in  Wislaws  ge- 
walt  zu  locken  und  der  held  wird  an  die  waud  des 
speisesaals  festgeschlossen ,  von  wo  er  "VN  islaw  und  Hel- 
gundea  taglich  anschauen  niufs.  selne  besondere  be- 
wachung  ist  Wislaws  hafslicher  schwester  anverlraut ; 
diese  voa  liebe  zu  ihm  geriihrt  schaft  ihm  eiues  nachts 
ihres  bruders  scliwert,  mit  welchem  W^algerzs  selne 
fesseln  lost,  Wislaw  und  Helgundeu  iiberfallt  und  beide, 
in  ein^m  streich  todtet.  Noch  zeigt  man  auf  der  burg 
Wislicz  Helgundens  bild  in  steiu  gehauen.  *) 

W^ir  haben  hiermit  den  weilen  umfang  elner  lange 
jahrhunderte  lebendigen ,  und  nach  verschiednen  seilen 
eiugedrungnea  dichtung  kennen  gelernt,  und  nur  zu 
beklagen ,  dafs  sie  nicht  in  der  einheimischen  alten  dar- 
slellung  erhalten  worden  ist,  sie  [wiirde,  wie  schon 
grundlage  und  entfaltung  der  begebenheiten  erwarlen 
lassen ,  unter  den  epen  unserer  allen  poesie  bemerkbar 
hervorgeragt  haben. 

Auch  das  lafst  ihre  volle  kraft  und  bedeutsamkeit 
ahnen,  dafs  sie  gerade  in  den  edelstea  stamm  altdeut- 
scher  heldensage  eingreift.  Hagene ,  eine  hauptgestalt 
des  Nibelungenlieds,  ist  zugleich  wesentllcher  bestand- 
theil  der  dichtung  von  W^alther,  uiid  seineu  cliaracter 
erganzen  und  erliiutera  sich  beide  werke.  Walthers 
erwahnung,  obgleich  er  in  jenem  liede  selbst  nicht  auf- 
tritt,  kann  uicht  darin  vermieden  werden.     Gilnthery  eia 


•)  aucli  Procosll    chronicon     slavosarmaticam     Vars.  1827  p. 
109.  129  weifs  von  Waigierz  wdaly  uod  Heliguiida. 


WALTriARTUS.  115 

lield  nur  zweiten  ranges  in  den  Nlbelnngen  ,  ist  auch 
niclil  mehr  im  Wallharius;  aber  sein  feindlicher  ein- 
flufs  auf  diesen  ,  ein  hebel  des  ganzen  gedichts,  macht, 
dafs  er  hier  viel  herber  und  ungiinstiger  ausgepragt 
erscheint  als  dort. 

Der  verfasser  des  lateinlschen  gedichls  mufs,  we- 
nigsfens  aus  seiner  deutschen  quelle  ,  mit  einem  weiteren 
umfang  und  inhalt  der  alten  lieldensage  vertraut  gewe- 
sen  sein.  Atlilas  luid  der  Hunen  gegensalz  zu  den  ein- 
heimischen  volkern  wird  ganz  wie  in  den  iibrlgeu  lie- 
dern  gefalst;  deu  beinamen  der  frankischen  Nibelunge 
flnden  wir  latlnisiert  in  Franci  iSehuhnes  555 ,  mit  ei- 
nem  in  Walthers  munde  treiFenden  nebensinn.  es  ist 
dies  das  jilteste  vorkommen  der  beriihmten  benennung 
in  beslimmtem  bezug  auf  die  sage.  Eben  so  deutlich 
welst  dle  wielandia  fahrica  965  auf  den  weitbekannten 
schmied. 

Giinthers  *)  vater  Gihicho  vvlrd  blofs  belliiufig  er- 
wahnt  14.  116.  471 ;  auch  sein  name  stimmt  zu  deu  jiin- 
geren  Iledern.  Dafs  unter  den  zwolf  dienstmannen  des 
Frankenkonigs ,  Hagano  ausgenommen ,  fast  lauter  der 
spiiteren  sage  unbekannte  namen  **)  vorkommen ,  darf 
nicht  aulfallen.  denn ,  von  Hagano  abgesehn ,  erliegen 
alle  eilf  iibrigen  helden  gerade  W^althern  und  verlieren 
ihr    leben,    der  vorgang   fallt  in  Giinlhers  und  Hagens 


*)  Giinther  heifst  zwar  tellure  poteiis  562 ,  regum  fortissi- 
vnis  519  gewohalicli  aber  rex  supcrbus  628.  720.  1153.  1293; 
satrapa  superhus  573 ;  einmal  demens  754.  in  den  Kib.  der  vil 
riche  1742,  2;  der  edele  2273,  2.  2289,  4.  2293,  3;  der  kiinic 
her  1941,  1.  satrapa  gleichbedeiitig  mitrex,  auch  von  Attiia  170. 
")  iiber  die  zwtilfzahl  bei  den  Nibelungen  vgl.  Lachm.  zu 
Nib.  11  ;  iiber  die  zwolf  hiiter  im  Rosengarten  mcines  bruders 
bucli  s.  IX-XII. 

8  * 


116  WALTHARIUS. 

friilie  zeit,  bei  den  naclilierigen  kiinipfen  niiissen  also 
andere  auflreten.  daruni  brauchte  jedoch  ihre  erwiih- 
iiung  nicht  untergegangen  zu  sein ,  und  konnle  wenig- 
slens  iu  slamnisagen  oder  sonst  gelegenllich  angekniipft 
>verdeu;  auch  fehlt  es  uicht  ganz  an  solchen  spuren. 

Ich  will  diese  nanien  naher  betrachten,  in  der 
reihe  uach  welcher  sie  das  gedicht  auffiihrt.  Cameh 
Camaloy  Kamelo,  Gamelo  ist  eine  adjeclivisclie  benennung, 
welche  deu  siun  gibt:  der  alte.  niiher  bezeichnet  ilin 
die  stadt,  iiber  welche  er  voni  konig  gesetzt  war,  Ca- 
melo  von  Metz.  da  in  den  spatereu  dichtungen  ein 
Ortwiu  von  Metzen  (Hagens  schwestersohn  Nib.  118,  2) 
ausdriicklich  mit  dem  beisatz  'der  junge'  erscheiut  (hel- 
dens.  130),  so  darf  geschlossen  werden,  dafs  jeuerKa- 
malo  eigentllch  Ortwin,  Ortmn  geheifsen  habe.  ja,  Bit. 
6004  ist  Yon  ihm  gesagt :  'der  starp  ze  fruo  in  sinea 
tagen,'  uud  seiner  witwe  geschieht  2482  meldung.  Auch 
der  zweite  held  fiihrt  doppelteu  namen  ,  Camelous  bru- 
dersohu  und  riiclier:  Kimo  Scaramund.  auf  fratris  6S7 
zieheu  lalst  sich  Kimo  kaum,  weil  dann  IS.imouis  slehn 
"wiirde.  Goldasts  uamenverzeichnifs  hat  Gimo.  es  wird 
■wol  Kimo ,  Gimo  zu  sclireiben  sein,  was  sich  etwan 
aus  dem  altn.  guna,  gimi,  schweiz.  gymen  (spalt,  rifs) 
erliiutert.  weder  Rimo,  noch  der  nebenname  Scara- 
mund  isl  der  iibrigen  heldensage  aufserdem  bewust. 
Tferinhardus  725  habe  ich  aus  den  verderbten  lesarten 
lierzustellen  gesuclit,  es  scheint  wie  Werinher ,  VVern- 
her  gebildet,  im  ersten  theil  also  Warin,  \Yarn  zu  ent- 
halten  ;  aucli  dieser  heldeuname  ist  sonst  fremd.  Die 
belden  folgenden  Ekevrid  und  Hadaivart  sind  (heldeus. 
116  anm.)  mit  Irnfiit  und  Hawarl  zusammengestellt 
worden.  Hawart  ist  unverkeunbar  aus  Hadawarl  ver- 
kiirzt,    aber    mehrere   helden    konneu  so  geheifseu   ha- 


WALTHARIUS.  117 

beii;  (ler  iii  den  liederu  des  13  und  14  jli.  aunieleude 
Hawart,  vogt  von  Tenemarke,  steht  auf  Etzels  selte, 
und  kann  uicht  der  liier  ani  Rhein  gefallene  dienst- 
mann  Giiutliers  seiii.  uoch  weniger  fallen  Ekefrit  und 
Irufrit  (Irmeufrit)  ,  dem  uameu  uud  den  ereignissen 
uach  zusanmieu.  obwol  beide  flLichlig,  ist  jeuer  ein 
Sachse,  dieser  eiu  Diiriug.  Patavrid ,  Hageus  schwe- 
slersohu  *846 ,  ist  soust  iiberall  verscholleu ,  auch  Kcr- 
wic,  Genvic ,  welches  ich  dem  Gerwit,  Gerwitus  vorge- 
zogen  habe.  /Jantio//^  beriihrt  sich  mit  Randolt ,  eiueui 
uameu  der  jiiiigeren  lieder  (heldens.  145.193),  aucli 
lieifst  iu  dpr  thiersage  der  hirsch  so  (Reinh.  1633.  1653. 
1953.  1963.)  Der  ueuiite  held  wird  geuanut  Ilelmnod, 
Avelches  wie  Gernut,  Eckeuut  u.  a.  gebildet  ist ;  ein 
Helmnut  Iritt  unter  Dieterichs  heldeu  auf  (heldeus.  102. 
228.  239.  292),  der  unsere  fuhrt  uoch  den  nameu  Eleu- 
ther  1008.  1017,  wms  uach  dem  griech.  i?.ev3iQ0S  die 
gelehrle  iiberlraguug  eiues  deulscheu  wortes  sein  mufs, 
das  ich  nicht  sicher  rathe,  Frilials  ?  Fristalt?  aucli 
Eleutherus  erscheiut  anderwarls,  uud  in  der  altfriinki- 
schen  geschichle  uicht  selten  Eleulherius  als  eigeuname, 
uicht  aber  nach  drilter  decl.  Eleuther,  acc.  Eleulhrim, 
wie  hier.  Trogus  scheiut  uiir  die  versuchte  laleiuische 
form  ''')  eiues  deutschen  nameus  Druogo,  Drogo,  der  iu 
alteu  deukmaleru  ofler,  nicht  aber  mehr  in  der  Iielden- 
sage  zu  finden  ist ;  auch  die  benenuuug  des  sperlings  iu 
der  altfranzosischeu  thierfabel  kuuule  daher  entspriu- 
gen.  Troguut,  Trogduut  mugen  blofs  aus  dem  acc. 
Trogum  enlslellt  sein.  lu  Tanastus  diirfte  die  bedeu- 
tuug   piui  ramus    gesuchl   werdeu,    schwerlich   ein    au- 


•)  mau  deiike  aii  Trogus  Potnpejus. 


118  WALTUARIUS. 

klang  an  den  flursnamen  Danaster,  Danastrus,  Dana- 
slus  (Dniesler.)  dle  frankische  gescliichte  des  6  jh.  bie- 
tet  aucli  den  frauennamen  Tenestina  (lochter  des  Ilari- 
garlus  und  der  Truda)  an  hand  (Bouquel  3,  427.  4, 
619.)  der  spateren  heldensage  bleibt  Tanast  unbekannt. 
Diese  beiden  letzten  nanien  werden  durch  die  sladle 
Slrafshurg  uud  Speier  genauer  bestimmt. 

Der  sinn  des  namens  Hagano  *)  ist  dem  dlchler 
noch  durchsichtig:  er  sagt  'Hagano  spinosus'  1421'*'*)  und 
^Paliure^  vires  foliis ,  ut  pungere  possis'  1351,  weil  ha- 
gan  spina ,  rliamnus,  paliurus  ^*"*")  ausdriickt  und  von 
diesem  subst.  jener  name  abgeleitet  ist.  wahrscheinlicli 
spielte  aber  schon  das  deutsche  lied  an :  du  breilest 
griines  laub  um  deine  stechendeu  dorner ,  d,  i.  du  ver- 
liiillst  dlch  in  listen ,  damit  du  verlelzen  kounest.  Fiir 
Hagens  valer  ist  629  die  lesart  yfgaci,  acc.  Agacien, 
aus  C  behalten,  weil  Laclmianu  dies  Agazi  mit  Agez 
und  elnem  urkundlichen  namen  Acazi  zusammengestellt 
hat.  -f)  die  varlanten  von  A  und  B  sind  wenlger  zu 
deuten  ,  etwa  beslaligen  sie,  wie  aus  TH  ein  Z  wird ; 
vielleicht  llefse  slch  der  altn.  elgenname  Agdhi  und 
Egdhir  verglelchen?    kaum    der    griech,  Agathias.       dfe, 


*)  bei  folgendem  vocal ,  wenn  niclit  elidiert  werden  soll  Ha~ 
ganon  1313;  die  flexion  gescliieht  untadelliaft :  Haganonis,  Haga- 
noni,  Haganonem  123.  '129  (oder  Haganona  1322),  Haganone. 
niclit  anders  Camalo,  Camalonis  u.  s.  w. 

*')  Hagano  wird  sonst  bezeichnet  armipotens  1328;  in  den 
Nib.  der  ubermuete  Hagne  1T2I,  1.  1972,  4;  der  kiiene  1760,  2. 
1976,  1. 

'**)   spinis  paliuriis  acutis  Virg.  ecl.  .'i,  39;  vgl    anch    1156. 

f)  critik  der  sage  von  den  Niljeliiiigen  157  (345);  *gl.  deut- 
sche  mythol.  147. 


WALTHARIUS.  119 

spateren  lieder  nenneu  Hagens  vater  (und  selbst  solin) 
Aldridn ,  Adridn. 

Eigenthiimlich  heifst  Atlilas  gemahlin  Ospirin  123.369 
was  'gottliche  barin'  bedeutet,  (myth.  385)  und  in  alid.  rei- 
ner  form  Anspirin  lauten  sollte.  der  name  ist  echt,  all  und 
auch  sonst  vorhauden  ,  konnte  aber  doch  niit  dem  jiin- 
gern  Helche  sich  beriihren  ,  falls  dieses  aus  'JLXiy.r^,  dcr 
constellation  iirsa  niajor,  der  himlischen  barin  erklart 
Nvorden  ware.  lialle  nun  das  altdeulsche  lied  schon 
Helihha,  uud  legte  es  der  sangaller  nionch  gelelu't  aus, 
den  jeiiem  griech.  wort  entsprechenden  andern  deut- 
schen  namen  brauchend  ?  aber  in  beiden  versen  vviire 
aucli  Helicha  passend  gewcsen;  und  wie ,  wenn  der 
de.ulsche  iirlext  gleichfalls  Ospirin  geboten  halte  und 
die  verwandlschaft  der  namen  teuschung  ware  ?  ent- 
springt  Helche  aus  Herche,  Herkja?  es  entgehl  uns 
gar  zu  viel  durch  den  verlusl  der  deutscheii  gedichte, 
selbsl   der  spiilercn. 

In  des  liauplhelden  geschlechl  herschl  die  namen- 
bildung  mit  hari,  lieri,  here :  er  selbsl  nennt  sich  JValt- 
here,  seiu  vater   Alphcre,  sein  sohn  Ruthere  *),     die  latei- 


*)  Waltliers  episclie  beiwijrter  sirid :  /leros  305.  561.  632. 
829.  893;  celcherrimus  lieros  682.  "07;  laudcihilis  heros  i27 ; 
iiiaxiinus  heros  1027,  \^\^^  fortissiinus  heros  6i9  ;  heros  magna- 
jiimus  292.  589;  caatissimus  heros  1320;  uir  magnaniinus  489; 
vir  fortis  895;  vir  illustris  959;  (■//•  celer  920;  vir  sapiens  240; 
jupenis  653.  780.  843  ;  jurenis  fv/lis.^^imus  881  ;  sapiens  satelles 
1135;  est  sapiens  Iicifst  es  aiicli  580.  zumal  merkwurdig  aber 
ist,  Hafs  in  unsern  texten  nie  das  durcli  die  verse  1383-85  be- 
deutsame  epilliet  manu  fortis  getroffen  wird,  das  die  casus  sancti 
Galii  (oben  s.  57)  habcn;  war  es  vom  iiltern  Eckeliard  gebrauclit, 
vou  den  nacliarbeitern  getilgt?  oder  iinigekeliit  voiii  \ierten 
Eckeliard  eingefiilirt?  dessen  correcturen  uiis  daiin  zu  entgeliii 
fedieinen.      das  polii,   wdaly    (s.  112)  iiberlriigt   nielir  torlis  ,   lobu- 


120  W  A  L  T  11 A  R I U  S. 

uiscLe  form  klingt  noch  iinuingela\ilet  Wallhaiius ,  wie 
Guntharius;  daneben  verwendet  tler  dicliter  sclion  Al- 
pliere,  Wallhare  1433;  auch  in  AJpharldes  (Alpheres 
barn)  898.  909.  1408  bleibt  der  voUe  vocal,  vgl.  Pan- 
darides  737.  die  spatei^e  unorganische  verlangerung  des 
Gunthere  (Nib.  4,  2)  in  Gunther,  gen.  Gunlheres  (Nib. 
7,  3.  61,  53),  dat.  Gunthere  (Nib.  81,  4),  des  Volkhere 
in  Volker,  gleicht  der  des  Ortwin ,  Wolfwin  in  Orl- 
win  ,  Wolfwin.  Giselher  und  Walther  bleiben  (iu  deii 
Nib.)  unverliingert. 

Attilas  laud  heifst  Pannonia ,  4.  59.  378  oder  iin 
pl.  Pannoniae  96.  117.  136.  203..  337.  373;  die  leute 
aber  nicht  Pannonii,  sondern  Huni  (mit  langem  u)  oder 
Avares.  im  adj.  gilt  pannonicus  266.  429  oder  avarensis 
1404  ,  nicht  hunicus.  ich  habe  anderswo  bemerkt,  wie 
beide  begrilFe ,  Hun  iind  Avar,  in  die  bedeutung  des 
rlesenhaften  iibergiengen  *).  unser  dichler  scheint  noch 
iiichts  davon   zu  wissen. 

Aquitanus  iibertragt  vollkommen  gul  den  volksna- 
men  JVasco,  der  ohne  zweifel  im  deulsclien  liede  stand. 
Aquitania  ist  bei  allen  schriftslellern  des  achten  und 
neunten  jh.  Wasconolant  (gh  wessobr.  74,  Graff  1,  1082), 
Wasconia,  Guasgonla,  Gascogne;  der  name  hangt  mit 
dem  uralten  der  J  ascones  (heute  Basquen)  an  den  Py- 
renaen  zwlschen  Frankreich  und  Spanien  genau  zu- 
sammen.  die  ausdehnung  von  W^asconia  und  Aquila- 
nia  schwankt  aber  nach  den  zeiten  ,  bahl  versland  man 
darunter    deu  gauzen    raum  zwischeu   der  Loire,     dem 


stiis   als    nianu  fortis.  Im   Bilerolf:    der  degan    mxre,   618;    der 

wigant     3044.    5087 ;  der    kiiene    degen    7660 ;     der    degen  Iier 
10411. 

*)  deutsclie  mytii.  300,  700. 


WALTEIARIUS.  121 

meer  uikI  den  Pyrenaen ,  bald  nnterscliietl  nian  z\\[~ 
sclien  Wascoiiien  iind  Aqiiitanlen.  Da  slcli  iii  jene  ge- 
genden  des  siidlichen  Frankreiclis  und  nordlidien  Spa- 
niens  Gothen  ergossen  und  lange  beliauptet  hallen ,  da 
Aquitani  gleichbedeulend  mit  Gothi  vorkoninit  *) ;  so 
mag  sicli  die  alte  sage  unter  Wascon  wirklich  und  wol- 
befugt  Gothen  gedacht  haben ,  und  es  ist  ganz  in  der 
ordnung  ,  dafs  das  lied  von  Wallhari  ihn  und  Alphari 
mit  echtdeutschen  namen  begabt.  diese  Wasken  er- 
scheinen  also  nicht  cellisch  und  frenid,  sondern  Bur- 
gunden  und  Franken  volksverwandf,  durch  verniuhlun- 
gen  eng  verbunden.  uin  so  weniger  durfte  die  cellica 
lingua  765  auf  Walther  bezogen  werden.  Unbedenk- 
lich  aber  tauschte  das  altere  Waskenland  In  den  ISibe- 
lungen  und  im  Bilerolf  nut  Spdne,  SpJnijelant ,  ander- 
■wiirts  sogar  mit  Kerlingen  (s.  103.)  nah  liegt  der  niis- 
verstand ,  auf  welchem  in  nordischer  sage  Valtari  af 
Vaskasteini  beruht,  wie  gleich  nachher  iioch  bespro- 
chen  werden  soll. 

Zwischen  den  Wasken  und  Franken  wohnlen  Bur- 
gunden  ,  Hiklgund  **)  ist  tochler  des  burgundischen  ko- 
nlgs  Herncus ,  Heriricus,  Hariiih ,  nach  frankischer 
schreibung  und  aussprache  Chariricus,  Carirlcus.  kein 
solcher  tritt  In  der  uns  erhaltnen  bnrgundischen  ge- 
schichle  auf.  auch  die  spateren  erwahniingen  unserer 
fabel    iibergehn    ihn,     wie    sie    Hildgund    darum    nicht 


')  Eckard  fr.  or.  I,  381, 

")  virgo  235.  248,  287,  426,  504  ;  virguncula  256 ;  7;«^//« 
457.  891.  1177.  1208.  1183;  sponsa  571,  1174;  mulier  542. 
1205;  foemina  341  ;  dilecla  mulier  324;  virgumula  chira  1225; 
timida  ptiella  1107;  Herrici  Jilia  1416.  diu  minneeliche  Hilde- 
guiit   Bif.    6855. 


122  WALTHARIUS. 

niehr  als  burgundisclie  bezeicliuen,  %Yeil  sie  diesea 
Yolksnameu   den  Franken  selbsl  zu  theil  Yverden  lassen. 

Denn  wahrend  der  laleiuische  dicliter  Burgunden 
imd  (uebulouisclie)  Franken  sondert ,  und  lelzlere  von 
Wornis  aus  herschen  lalst ,  heifsen  die  wormser  kOuige 
des  Nibehingeulieds  im  erslen  tlieil  grade  Burguuden, 
im  zweilen  theil  Nibehingen  .  in  der  klage  Avie  im  Bi- 
terolf  neben  Burgunden  Franken  uud  Rlieiufrauken  *). 
eiunial  ver\vendet  der  nionclj  den  zu  seiner  zeit  uur 
noch  gelehrlen  namen  Sicamher  1435,  der  melir  den 
Frankeu  des  niedern  als  des  obern  Rheins  gerecht  ist. 
Lud  aufser  der  hauj^^tstadt  JVorms  vverdeu  blofs  zwei 
audre  oberrheiuische  stadle  Speier  uud  Strafshurg  (1009. 
lOlO)  namhaft  gemacht ,  aus  Lothringen  Metz  (582); 
keiu  niederrheinischer  ort.  bei  Hagano  gedeukt  das  ge- 
diclit  seiner  trojauischen  abkunft  (28),  Aveder  des  Tro- 
nie  im  Elsafs  (Lachm.  zu  Nib.  9,  l),  noch  Meniger  des 
niederrheiuischen   Xanten. 

"VYelche  .stelle  ist  aber  unter  dem  zufluchtsorle 
Walthers  im  T^usagus  gemeiut,  den  die  verse  490-497 
schildern  ?  der  held  gelangte  abends  an  den  Rheiu, 
vvurde  iibergefahren  und  setzle  alsobald  die  flucht  wei- 
ter  fort.  erst  am  folgeuden  tag  bei  der  mahlzeit  ^vird 
durch  die  fremden  fische  der  konig  aufmerksam  ,  und 
lafst  seineu  meisterkoch  '•'*) ,  dauu  deu  fiihrmaiiu  rufeu. 
nach  empfanguer  auskuuft  bcschliefst  Giinther  die  ver- 
folgung  ,   uud   man  niuis  glauben  ,    dafs  er  noch  deusel- 


*)  dciitsclie  Iieldensage  Q6.   67. 

*')  (ier  438.  niclit  genannt  ist,  vielleiclit  Ritmolt ,  den  wir  aus 
den  Nib,  und  dem  Parz.  kenne.i?  der  ganze  zug  niit  den  fisclien 
ist  vollig  miirclienliaft;  die  Donau  zeiclinete  sich  durcli  karpfen, 
der  Rliein  durcli  salnieii  aus:  destiuet  carpam  Danubius,  a  Rlieuo 
\cniat  ancoiago.    Cassiodor.  vnr.    12,  4. 


WALTHARIUS.  123 

ben  nachmlltag  niit  seinen  dlenstniannen  liinter  Wal- 
theru  jagte,  der  indessen  den  vorspruug  einer  uaclit 
iind  eiues  lags  gewonnen  hatle.  den  zwelten  abeud 
also  war  Walther  im  Vosagus  angelangt  und  ersah  sich 
jene  felsenburg  zum  ruheplatz.  am  niorgeu  des  drllteu 
tags  kounten  ihu  hier  die  leichter  beritlenen  Franken 
ereilen.  mau  hat  den  ort  nilndestens  elne  sehr  slarke 
tagreise  vou  Worms  entferut  anzuuehmen  *). 

Ueberhangeude  felsen  bildelen  elne  annuilige  hole 
(494),  deren  wiiude  sicheru  aufenthalt,  weile  ausslcht 
in  die  gegend,  und  rlngsum  weide  gras  gewalirlen. 
der  dlchter  bedient  slch  davon  der  ausdriicke  castriim, 
castra  (499.  891.  1136),  caslnim  arclum  (1118),  late- 
brae  (1230),  angukis  (497),  statio.  (496.  560.  572),  pro- 
pugnacula  muri  (813);  blofs  ein  schmaler  pfad  fiihrte 
dahin,  semita  (957),  via  arcta  (1135),  angusla  cal- 
lis  (916),  durch  den  die  reisenden  musteu,  daher 
porla  (561.)  es  war  ein  schlujifwlnkel,  iu  dem  rauber 
auf  wegfahrende  laueru  konuteu  (496.) 

AUe  diese  orllichkelteu  weisen  auf  deu  hochslen 
punct  der  Vogesen ,  welclier  zwischeu  Elsafs  und  Lo- 
thringen  scheide  blldet,  und  noch  heute  Framont  (d.  i. 
nions  fractus,  ruptus)  helfst,  sechs  stunden  von  Mols- 
heim  (Molzen) ,  drei  von  der  ablei  Senones  gelegen, 
zu  deren  gebiet  er  elidem  gehorle.  unwelt  davou  ent- 
spriugt  das  fliifsclieu  Plaine,  am  fufse  des  berges  zieht 
die  alte  heerstrafse  vou  Deutschlaud  nach  Lothriiigeu. 
auf    diesem    felsen    soll  der    sage    zufolge  Pharamunds 


*)  keinen  einwand  hiergegen  bildet  Waltliers  furclit  (1143), 
dafs  Guntlier  uber  naclit  in  dic  stadt  ziiriickkeliren  uiid  verstar- 
kung  lioien  werde.  der  kiJnig  liatte  das  wirkiicii  getlian ,  wenn 
eben  zeit  dazu   geweseii  wiiie. 


124  VVALTHARrUS. 

grab  liegen'^),  und  wahrsclieinlich  sammelten  sicli  nni 
ihn  noch  nianche  andere  iiberlieferungen.  das  ist  der 
Wasgenstein  des  Nibehingenlieds  2281,  2,  beriilimt  durch 
Wahhers  kiihnen  kampf  mit  den  Franken.  Wasgen- 
slein,  weil  er  in  dem  grofsen  waldgebirge ,  dem  Vosa- 
gus  (490.  769.  823),  liegt,  nicht  weil  hier  ein  JVaske 
focht.  zwar  die  nordische  fassung  nennt  Walthern  *af 
Vaskasteini,'  \vas  aus  der  namenahnlichkeit  leicht  ent- 
springen  kounte ;  oder  hatte  die  ganze  iiberlieferung 
wirkhch  den  siegreichen  held  deshalb  zum  Wasken, 
d.  i.  Aquitanler  gemacht,  weil  er  im  Wasgen^vald  ge- 
stritten  liatte?  auf  die  sclireibung  Wasgenstein  ,  wah- 
rend  Wasko,  Waske  ein  R  hat,  soll  niclits  dabei  an- 
kommen,  da  andere  lesarten  auch  Waskenstein  darbie- 
ten.  nur  der  sahus  Vosagus  ,  schon  auf  der  peutinger- 
schen  tafel  und  sonst  in  alten  urkiuiden  oft  genannt, 
liat  kaum  etwas  gemein  mit  dem  volksnamen  Vasco- 
nes,  in  diesen  formen  uuterscheiden  sich  vocale  und 
consonanlen  **). 

Vernuitlicli  kannte  der  dichter  die  lebhaft  be- 
schriebne  lage  des  Waskensteins  aus  eigner  anschauung, 
und  war  etwa  von  Strafsburg  her  nach  Lolhringen  ge- 
reist.     fiir  einen  Lolhring  oder  Elsafser  braucht  er  dar- 

')  vgl,  iiber  Framont  Don  Calmet  1,  270  iind  hpsonrlers  Ma- 
billoii  in  den  mem.  de  Tacad.  des  inscr.  et  belles  iettres  2,  686 
(Paris  1717)  aus  dessen  abhandlung  ich  nocli  folgende  scliilde- 
rung  des  steilen  abliangs  hersctireibe :  il  se  presente  une  espece 
de  ravelin  soutenu  de  part  et  d'autre  par  deux  demihastions  na- 
turels,  au  dessus  il  y  a  un  terrain  d'environ  cent  pieds  de  lar- 
geur,  qui  s'etendant  en  longueur  plus  de  quatre  cents  pas  vers 
rorient  se  termine  a  un  auti^e  rociier  encore  plus  eleve  que  le 
premier.  a  cent  pas  de  celui-ci  on  voit  les  restes  d'un  batiment, 
dont  011  trouve  encore  tout  le  contour. 

**)  Vosagus  wird  franz.  zii  Vosges,  Voges,  Vasco  zu  Gascon. 


WALTHARIUS.  125 

iim  niclit  zu  gellen ,  er  kann  als  Alemanne  nilt  dle- 
sen  oberrlieinischen  landstrichen  \ertraut  gewesen  sein. 
alemannische  helden  einziillechlen  gab  ihni  die  iiberlie- 
feriing  der  sage  keinen  anlals;  der  sachsische  iliichlh'ug, 
>venn  ich  dessen  'welsclie  nuiudart'  recht  ausgelegt 
habe,  erschien  ihm  fremdartig.  Dafs  iii  der  diclilung 
gerade  drei  deutsche  slamme  auflrelen ,  \Yasken  (Go- 
llieu),  Burgunden  uud  Frauken ,  -vvie  in  andern  ker- 
linglschen  liedern  "*"),  beweist  noch  nicht  fiir  die  eul- 
steliung  des  werks  im  lieferen  Frankreich. 

Aus  der  hcklensage  in  die  gultersage  das  gediclit 
zu  schrauben  kouule  man  zulelzt  wol  verleitet  wer- 
den:  aber  es  bleibt  gefiihrlich.  Hagens  unvermeidh'che 
eiuauglgkeit  ist  schon  mylii.  220  der  des  Wuotan  ver- 
glichen,  uud  Odius  schlafdorn  stlcht  wie  Ilagen ,  dcr 
paliurus.  Als  Sigamber  uud  Franke  tritt  Ilageu  iu 
die  altfrankische  genealogie  des  Sigi  uud  Wuolan ; 
der  nordisclie  Ilugui  war  unmlltelbar  Gunnars  bru- 
der.  ^Valthers  elnhaudigkeit  gcmaliut  selir  an  die  des 
Ziu  ,  nord.  'lyr,  obwol  die  weise  gaiiz  anders  ist,  auf 
welche  dieser  seiue  haud ,  Odiu  seiu  auge  einbiifsen, 
des  verschliige  wenlg,  doch  miiste  die  golterlehre  von 
einem  ausbreclienden  uud  versuhuten  zwiespalt  und 
slreit  der  beiden  siegesgoller ,  des  Ziu  (Mars)  und 
Wuotau  (Mercur)  wisseu.  Wallher  treibt  die  rosse- 
beute  weg,  und  Ziu  scheint  thieropfer,  pferdeopfer 
zu  lieben  (myth.  588.)  der  Waskeustein  kunute  daun 
doch  mit  Y\'asko  zu  verbludeu,  und  ein  heidnischer 
Ziesberg,  Sigtj^sberg  sein  (myth.  133),  auf  den  dle 
sage    auch    ein    heriihmtes    kouigsgrab  verlcgt.       Beide 


*)  Romer  (Westgothen),  Franzosen  iind  Burgundier.      Mones 
niederlandische  volksllteratur  s.  50, 


126  WAL  rriARius. 

tlieile  ilires  namens  verrathen  an  riiklgiuul  etwas 
guttliches ,  eine  walchurie  und  siegsjungfrau  (niylli. 
237.)  Bezug  auf  einen  verdunkellen  alten  braucli 
scheint  der  gebratne  eber ,  und  das  daniit  ausgeworfne 
auge  zu  haben  ;  Ospirin  klingt  bedeutungsvoll.  Meine 
erklarung  des  anfiigens  der  haupler  an  die  riinipfe 
(1157.  1158)  fehlt  wol  nicht,  allein  der  heidnische 
hergang  konnte  grausanier ,  ich  meine  ein  aufheften 
der  erleglen  haupter  auf  baumstaniine,  gleichsam  eln 
opfer ,  gewesen  sein  ,  vgl.  die  truncis  antefixa  ora 
(myth.  28.)  der  dichter  verbindet  aber  mit  truncus 
nicht    den  sinn  eines  baumslanims,    sondern  lelchnams. 


R     U     O     D     L     I     E     B 


R  U  O  D  L  1  R  B     fi  nsiii.  I.  129 


I. 

ilultlani  prosapia  vir  progenitiis  generosa  monnc. 

jMoribus  iugenitain  decorabat  nobililateni,  fol.  2a. 

Qui  dominos  plures  habuisse  dalur  locupletes, 
Sfcpius  ad  libilum  quibus  is  famulans,  et  honor[uni] 
5     Nil  deservisse  potuit,    putat  ut  meruisse. 

Quicquid  et  illorum  sibi  quis  comniisit  lieroriim, 
Aut  ulciscendum  causaeque  suae  peragendum, 
Non  prolongabal ,   quam  slrennuiler  peragebat. 
Saepius  iu  morleni  se  pro  doniinis  dat   eisdeni 

10     Seu  bello  seu  venatu,    seu  quolibel   actu. 

Nil  sibi  fortuna  prohibenle  dabant  niale  lida. 
Seniper  promiltunt  promissaque  dissinuilabant. 
Asl  iniinicilias  liorum  causa  sibi  naclas 
Cum superare  nequit,  super lioc quid  agat  neque dic[at], 

15     Niisquam  secure  se   sperans  vivere  posse, 
Piebus  disposilis    cunclis  matrlque  subactis 
Tandem  de  patria  pergens  petit  extera  reg[na]. 
Nullus  et  luinc  alius  scquitur  iiisi  scutifer  e[ius], 
Qui  vehat  enthecam  rebus  variis  oneratam, 

20     A  puero  sibi  quem  docuit  suiferre  labore[m]. 

Balenam  dextrim,    parmain  vehit  atque  sinistri[m]. 
Dextra  lanceolam  sub  scuto  fertque  pliarelr[amj, 
Anuonae  saccum  modicum  sub  se  satis  aptu[ni]. 
Ast  loricatus  dominus  super  et  tunicatus 

25     [In]  mitra  galeani  rutilam  gestat  chalybinam,  fo).  2b. 
ictus   gladio  compto  capulotenus  aiu'0, 


23     fiir  annonae  stnnd  erst  ad  fodruiu. 


130  RUODLIEB     f.agm.  I. 

rPenldet  et  a  niveo  sibimet  giipis   iingnla  collo, 
[IJnJgula  uon  tola,  niedii  cubiti  niodo  longa, 
[Qu]ae  post  ad  laUini  vel  prajdecoratur  ad  arluni 

30     [Objryzo  niundo  ,   cervino  cinclaffue  loro, 

I  Non]  ut  nix  alba  ,  lanien   ul   translucida  gemnia, 
[Qu]an)   dum  perlla!)at,   luba  cjuani  melius  reboabat. 
[llljllme  dans  nialri   domuique  vale  simul  omni. 
[Stjat  iiiger  ut  corvus  equus  et  ceu  smigmale  lotus 

35      [Unjdique  punclalus    hac   subnigrodine   tolus. 
[Ad]  laevam  colli  complexa  juba  jacet  illi, 
[Qui]  faleratus  erat,  ceu  summum  quemque  decebat, 
[Adl  cujus  sellam  nil  cernilur  esse  ligalum, 
[E]  corio  sutum  nisl  vas  niastice  perunctum, 

40     [Du]lcius  iit  sapiat  potus  qui  fusiis  in  id  sit, 
[Exjostro  factum  vel  cervical  modicellum. 
[Qu]em  super  ut  saluit,  equus  altius  ipse   salivit, 
[Ceu  gaudens]  domino  residenti  fortiter  illo. 
[PrJBSjilit  hiuic  post  mox  canis  in  cnrsu  bene  velox 

45     [ln]vestigator ,  quo   non   melior  fuit  alter, 
[Prae]  quo  bestiola  vel  gvandis  sive  minula 
fol.  3».  Non  abscoudere  quit  se,  quin  hanc  mox  reperire[l]. 

Ullime  faudo  'vale'  malri,    famulisque  'valele,' 
Perfusa  lacrimis  facle  dabat  oscula   cunclis. 

50     Arrepto  freno,  monito  calcare  poledro, 

Cursltat  iu  campo  cita  ceu  volltaret  hirundo. 
Ast  per  cancellos  posl   liunc  pascebat  ocellos 
Mater,  at  iu  sepes  couscendens  ejus  omnis  plebs 
Post  hunc  prospiciunt,  singultant,  flendo  gem[iscunt]. 

55     Cum  plusnou  cernunt  hunc,  planctum  multipllcarunt, 
Detersis  lacrlmis  qui  tunc  lotis  faciebus 
Cousolaturi  dominam  subeunt   clto  cuncll, 
Quae  simulando  spem  premlt  altum  corde  dolorem. 
Consolatur  eos,  male  duni  se  ceruit  habere. 


RUODLIEB    fiagm.  I.  131 

60     Non  niinor  interea  nalum  premit  utlque  cura, 

Inque  via  secum  perpendit  plurima  rerum. 

Deservire  donii  quod  nil  valet  emolumenli 

Et  propler  faidas  sibi  nuiltas  undique  naclas 

A  patria  dulci  quod  debuit  exiliari. 
65     Secum  volvebat,    se  sicubi   vile  clientet, 

Si   fortuna  velus  infestaretur  ei  plus, 

Esse  novercales  oinnes  inibi  sibi  fralres, 

Non  meliorasse  res  ,  sed  pejus  reperisse. 

Inlinie  suspirans  rogat  obnixe   dominum,  flens, 
70     Ut  non  deseruisset  se,  nolilve  peiire,  fol.  3^. 

Sed  sibi  succurrat,  ferumnas  quo  superaret. 

J-ntranti  regnum  nHJcrfnll  slc   allcnum 

Yenator  regis  subilo  tunc  fit  comes  ejus, 

Isque  salutat  eum  resalutaturque  per  ipsum. 
75     Exul  erat  fortis  membris  facieque  virilis 

Voceque  grandiloquus ,  in  responso  seriosus. 

Quem  rogat  indigena  quis  et  unde  sll,  ire  velit  quo? 

Quo  sibi  non   diclo,   dedignanterque  sileto, 

Inqulsisse  piget,  velut  est  res,  menteque  tractat:  — 
80     Est  si  legatus,  minor  est  ejus  comilatus, 

Dum  venit  ad  curtem  ;  quis  munera,  quis  gerit  ensem? 

Pauperis  est  posse  reor,  aut  virlutls  opima?.  — 

Duni  salis  obticuit,  demum  sibi  denuo  dixit : 

'Non  irascaris ,  de  me  si  plus  roglteris, 
85     Nam  tibi  prodesse    volo,  si  possum,    nec  obesse. 

Venator  regis  sibi  carus  sumque  fidelis, 

Nec  solet  audire  quemquam    clementius  ac  me. 

Pro  faida  grandi  patrlam  si  deserulsli, 

Vis  et  in  liac  terra  mihi  ceu  tibimet  peregrina 
90     Quid   deservire,  causasque  tuas  superare, 

Utile  consilium  tibi  tunc  do  non  renuendum. 

Usum  veuandi  quo  bene  si  didicistl . 

9  * 


132  RUODLIBB     fiaam.  I. 


0   qiiam   felicis  liuc  oniinis  exiliaris ! 

Dillgit  lianc  arleni  rex  liac  et  in  arle  periluni. 
fol.  43.  95       Quisquis  habet,  dare  quit,  [qui  iion  habel  hic  dare, 

dic ,  quid?] 

Si  non  collidie  ,  tanicn  assidue  dabit  ille. 

Numquam  sollicitus  \iclus  fueris  vel  amictus. 

Cum   donanlur  ei  pulchri  celeresque  caballi, 

Nobis  praistantur,  cursu  quo  more  probentur, 
100     Qui   celer  et  facilis  est  uec  gyrando  rebellis. 

Est  cui  maxime  tunc  opus,  illi  donat  et  illum. 

Propler  etannouam  numquam  nummum  dabisununi; 

Nam  sine  mensura  dabitur  tibi,  dum  cupis,  illa. 

Ad  mensam   comiles   superexaltans  locupletes, 
105     Dum  convivatur  nobiscum  fando  jocalur. 

Appositum  quicquid  melioris  erit  sibi,  mittit, 

Id  faciens  uobis,  plus  quam  mercedis,  houoris. 

Si  libeat  cum  me  te  fidum  foedus  inire, 

Dando  fidem  nostras  jungamus  foedere  dextras, 
ItO     Separet  ut  nll  nos  dumtaxat  amara  nisi  mors. 

Sinuis  ubicumcpie,  res  alterutrius  uterque 

Sic  agat   ut  proprias ,  mellus  siquid  queat  illas.' 

iiixul,  tum   demum  fidens  sibi,    dixit  ad  ilhuu: 
Sat  mihi,  domne,  tuum  declaras  velle  benignum, 

115     Consiliumque  luum   non  a^stimo  transgredieudum ; 
Namque   meas  causas  ,  ut  sunt,  tu  coniciebas. 
Hinc  pactum  fidei  placet  inter  nos  stabiliri.' 
Dando  sibi  dextras  ibi  flunt  moxque  sodales, 
foI.4b.  

120     Oscula     ........     statuuntur  amici, 

Alterutris  dominis  famulantes  cordibus  unis. 


vor  95  scheint  ein  vers  oben  abgesclinitten. 

116     bei  conjiciebas  aui  rand  hinzugeschrieben :    rat. 


R  U  O  D  L  I E  B    frasni.  I.  II.  1 33 


Dum  satis  inler  se  de  rebus  cilsposuere; 
Regni  inetropoli    cocperunt  appropiari, 
In  qua  rex  genli  legem  dedit  advenienti. 

125     Caslris  ingrcssis  ,  pueris  et  equis  stabulatis, 

In   siinul  ad  curlem  properabant  visere  regeni. 
Ut  venatorem  rex  vidit,    dlxit  ad  illum: 
'Unde  venis,  quid  rumorls   fers,  dicilo  nobis. 
Invesligasli,   per  sllvam  quando  measti, 

130     Ursum  sive  suem  ,  llbcat  nos  pergere  post  quem?' 
Qiii  non  iit  domino,    sed  ccu  respondit  amico : 
'Illorum  neulrum ,    sed  corundem  domitorem 
Invesligavi,  reperi,  mecum  til)i  duxi, 
Scilicet  bunc  juvenem  llbimct   servire  decentem, 

135     Arle  satis  calum,  venandi  satque  beatum, 

Ut  reor,  utque  suo  mihi  cernltur  in   comitatu. 
Et  cum  dignaris ,    illum  satis  ipse  probabis. 
Is  sua  ferl  dona  tibi  parva  nec  abicienda, 
Inque  cllentelam   ([uo  susclplas,  cupit,  illum.' 

140     Qui  pra>cursorem  lawa  tenult  blcolorem, 
Cul  fuit  aurata  coUo  connexa  calena. 


II. 

^unc  est  conslllo  nobls  opus  inveniendo,  fol.  5». 

Qualller  illius  plelatl  gratificemus, 
Non  solls  verbis  quorum  satis  inveniemus, 
Sed   quid  donorum  millamus  ei  variorum, 

5       Est  ut  equis  frenis,  auro  comple  faleratis, 
Pellicils  crisis,  varicosls,  sive  crusenuis. 
Ad   quod ,    c[uo  mihi  quis  dicat ,   velit  auxiliari.' 
Respondent  pariter,  quod  agant  id  valde  libenler. 
Grates  egit  eis  rex  et  post  haec  ait  illis : 

10     'Quid  respondendum  sll  niissls ,    dJcile  prlnuim.' 
Est  ibi  pliiiosophus  cunclls  sapienlior  iinus, 


134  RUODLIEB     fragm.  II. 

Quem  lituor  aiit  anior  a  recto  diverlere  quoqiio 
Nou  iu  judicio  faciendo  prKvalel   uUo. 
Dicere  quem  pro  se  dicunt  dcbere  petuntque 

15     In  regis  velle  qul  dicens   maxime  stare, 

Ejus  consilium  sohim  monel  csse  sequenduni. 
Rex  :    'milii  consillum   quoniam  sinilis  tribuendum, 
Reslal    ut  hnc  venlant  legati  dictaque   dlcant, 
Utque  sciatis  ab  hls ,  si  credere  neve  velills.' 

20     Post  lios  direxll.     Veniunt  quando,  sibi   dixit : 
'En  regis   vcslri  doniini   nostri  vcl  aniici 
Dulcia  narravi  JGdei  legamlna  plena, 
Quam  pie   tractavit   merlto  c[uos  jierdere  quivit. 
Reddere  vel  sanos  niilii  contra  se  nece  dignos ! 

25     Quod  deservire  communiter  hos  decet  et  me. 
Clementer  nobis  demandavlt  sat  honorls, 
Sis  ic  persolvet   per  vos  vehit  ipse  spopondit.' 
Dixit  legatus:    'non  est  sic  morigeratus, 
Ut  c{uid  verborum  soleat  mutare  suorum. 

30     Est  quod  alt  verum  ,  dictum  sibl  vult  fore  verum.' 
Rex  ait:    'id  quando  vel  ubi  fore  possit,  ai  tu.' 
'Hoc,'  ait,  'est  vestri  juris,  rex,  iuduciari.' 
fol.5^.^  'Tu  tamen  incjue  locum,  c[uo  conveniamus  in  uuum, 

Ut  pax    inter  nos  firmelur  mille  per  annos.' 

35     INIissus   alt:     'sl  vls  el    dominis  si  placet  istis, 

Non  tam   nosco    locum  vestrls   couventibus  aplum, 
Campus  ut  est  ille,    quo  uos  pugnavimus  ante, 
Inter  clausuras  nostri    veslrique  gemellas, 
Sunt  ut  ubi  victi  vestri  nostrique   redempti 

40     Dimittuutur  ibi  nobiscum  pacificati.' 

Omnibus  ille  locus   est  vlsus  ad  hoc  satis  aptus, 
Reglbus  ambobus  conventuris    spaliosus; 
Induciasque  trium  laudant  ad  id  ebdomadarum, 
Post  haec  rex  surgit,  sic  conciliumque  diremit. 

45     Inque  caminalam  cum  paucis  it  requielum. 


R  U  O  D  L  I  E  B     fragm.  II.  135 

Missis  valde  bona  dantur  i-egalia  dona, 
Qui  regeni  repetunt  dignas  gratesque  sibi  dant. 
Quis  niiscere  jubel  suniuii  vini  quod  liabebat. 
Legali  surgunt,  deturque   licentia  ,  poscunt. 

50     Kex  ait :     'audite   niihi  dileclique  notate 

Quae  Yobis  dico,  quae  dicite  nou   ut  aniico, 
Sed  veluli  patri  iiieliora  nialis  referenti: 
'•Qualis   es   in  corde  ,   te  talein  prodis  in  ore, 
Quae  nobis  venit    tua  quod   legalio  pandit, 

55     Quae  spondendo  reis  veniani ,  speni  dando  salulis 
iNliruni  velle  salis  docet   ultroneae  pietatis, 
Conlra  quae  grates  non  sulficimus  dare  dignas; 
Sed  tibi  subjecti  sunuis ,   in  pugnando  subacti, 
Seniper  et  oninigeni  serviminis    inlime  prompti. 

60     Ut  deniandasli,    quo   vis  sunius  ije  parali. 
Est  quod    laudatiim  ternaruin   septimanarum 
Ad  spatium  vestris    est  visum  sic   uti  nostris, 
In    canipo,    prinius    es  quo  tu  consiliatus." 
Oblitus  si    quid    suni,    veslra  fides  at  id  implet.'      fol,  6i. 

65     Respondent  pariter:    'meruisti   sufficienter 
Nos  servire   tibi,  semper  cum  corde   fideli.' 
Tunc  incllnabaut ,    cum  rile   'valete'   receduut, 
Inde  petunt  summum,  velut  est  dignum,  vicedoninum  ; 
A  quo  donati  sunt   valde  'vale'   benefacti. 

70     Ex  jussu  regis  provisorem  dedit  illis, 

Qui  procuraret ,  quod  opus  sit  eis ,    ut  haberent. 
Quod  studio  sunimo  complevit  cordeque  fido, 
Donec  pacifice  ,  vel  eos  perduxit  honeste 
Extra  clausuram  fines  regni  dirimentein. 

75     Quem   bene  donatum  vel  verbis    gratificatnn» 
Poscunt,  inclinet  regi,    'faciam'  quibus    inquit. 
A  se  divisi  suiit  ad  patriamque  reversi. 
Utque  donuini    redeunt  regem  properando  revisuut. 
Ut  primum  videt,  bene  quos  suscepit,    et  inquit: 


136  R  U  O  D  L 1  E  B     fragm.  II. 


80     'Dicile,  ruiuoris   luiiic   quid  iiobis  rereralis '? 

Respondit  niissus  :  'quia  clcniens  esl    libi  Clirislus; 
Quod  reges  alii  nisi  grandi  non  superant  vi, 
Dat  deus  id   sponte  tibi  cleniens  absque  labore, 
Nain  per   conligua   libi,    quae   sunt  undique,  regua 

85     Crederis  esse  leo  vigilanli  seniper  occllo, 
Quin   agnellina  pielale  tuaque  sophia 
Tu  vincis  inelius,   gladius  quani   vincat  alius. 
Nainque  deo  lesle,    quo  niiltebar   modo  de  te, 
Nescio,  plus  ab  cis  adanieiis,  seu   vcrearis. 

90     Cuin  rex  audisset,  suinnia  tum  grex  et  adesset, 
Quae  deinandasli  sibi  vel  plebi  siinul   omni, 
Prlmo  servimen,  posl  lidi  cordis  amorem, 
Sublaia  cydare  surgens  inclinat  honeste. 
fol.  6^  Tunc  residens  tacuit,  douec  rcm  pleniter  audit, 

95     Quantum  noslrates  disceplabautqiie  suates, 
Atque  sui  nostros  ollendeutes  inopinos 
Occidunt,  spoliant,   captivatosquc  cremabant; 
Qualitcr   el  nostri  sunt   illorum   dominati, 
Captivos  redlmunt,    caplivantesque  llgabant; 

100  Quos  tibi  cum  referunt,    perlturos    seque  pularent, 
Quam  clementer  els  adimendo  metum   misereris, 
Illos  absolvens,  consolans  et  bene  traclans, 

Prajsulibus,  ducibus,  locuplellbus 

Ipsos    servandum    dederis,   vel  equos  ad  alendum, 

105  Non  ut  sunt  meriti,    sub  caixere  compedis  aut  vi, 
Nec  tractent  illos,  deceat  quarn  regis  amicos, 
Ut,    dum  reddantur,   super   liis   ne  forte  queranlur. 
Quin  ipsum  comitem  scelus  hoc  immane  patranteni 
NuIIi  conmlsit,  super  hunc  nulli  bene  lidit ; 


103  (iie  letzten  worte  ausradlert,  der  verf.  wollte  elwas  an- 
deres  setzen. 

109-112  commisif,  fidit,  servit,  portat  aiiacolutli  filr  comniise- 
ris ,  fideria ,  servleris ,  portaveris. 


RUODLIEB     fragm.  II.  137 

110     Seil  siblriiet  servit ,  gladiuin   persaepeqiie  portal, 

Ut   millus  uoceat,  qiiein   rex  sic  glorificabat. 

NoUe   recordari  le,  sed  poslc|iiani  sibi  dixi, 

Dedecus  ininensum  vel  inedicibile  danunnn, 

Quod   libi  fecerunt ,  sub  jure  tuo  modo  qui  suut, 
115      Quos  inpunitos,    quamvis  ineritos,    inimicos 

Reddere  laudares  in  iiulla  re  nicliilatos, 

Si  velit  in  plebe  pax  ul  reparetur   ulrinque.  — 

Sic  dicens  silui,   vel  rege  jubente  resedi. 

In  cras  induciat ,  Iiis  ut  lespousa  rependat. 
120     lu  sumnio  mane  curlem  cuncli  petiere, 

Plures  runiorls  cupidl,  quain  regis  houoris. 

Intromilluntur  (pii  quld    prodesse  vldeiilui- 

Regi  consilium  pro  lali  re  liibuendum. 

Valvae   clauduntur,  ncscllur   cjuld  loquerentur.       fol,  7». 
125     Est  breve  colloquiuin  pro  consensu  sapientum. 

Nobis  interea  data  prandia  sunt  sal  opima. 

Dum  pranderemus  et  adhuc  vinum  blberemus, 

Millllur   el  jiost  nos  tres,  omues  ut  veiilanius. 

Fecimus  ut  jusslt,  cum  ])rae  se  venlmus,    inqull: 
130     ^'0  noslri  doniini  missi  summique    patroni, 

Si  respondere  beue  sciremus  vel  Iioneste 

Demandaminibus  clementibus    alc|ue  paternls, 

Est  ut  promeritus  uimluin ,  promple  faceremus. 

Dicile  nuuc  illi  de   ine,    de  plebe  vel  omui, 
135     De  summis,   medlls,  imis  milil   jure   subaclls, 

Fidum  vel   |)roinpluiu  sul)jectoruin  fainulameii. 

Vlrtus  mlra  tua ,    pietas,  tua  magna  sopliia 

Intus  ut  adimplent  te ,   sic  foris  undique  comuiit. 

Scinuis  inaequales    re  mililibusque  tibi  uos, 
140     Si  velles,  posse   uos  pro  merilis   ulchilasse, 

Reddere  pro   pravis    bona  stat  salls   ultio  graiidis  ; 

Nam  quo  rescliur  faciens  plus  inde   llmetur, 

J42    bei  liinelur  ain   raiici   von  gleiclier  haud  ueretur. 


138  R  U  O  D  L  I  E  B     frasm.  II. 


Graude  luum  posse  vel    inaequiparabile  velle 
Sunt  llbi  pro  nuiro    per  luillum  deiciendo, 

145     Laesum  laedenli ,  veniani  miserendo  precari. 
Nonne  deizare  nobis  merito   videare 
Indulgens   sponte  peccanlibus   absque  peteute? 
Econlra   nil   nos    siniile    praebere  valemus, 
Relribuat   sed   ut  is  rex  post,  quem  sic  imitaris, 

150     jNos  exorare  debemus    corde  vel  ore ; 

Utque  dum  vivas,  valeas,  regnes  et  abundes, 
Nobis  et  cunctis  affmibus  undique  regnis 
Est  exoplandum    connnuniler   atque  precandum. 
Nam  columeu  nostri  tu  solus  es  in  vice  Christi, 

155     Atque  superstite  te    bene  possumus   imperilare 
Sub  vestrae   fidei  scuto  diulissime    tuti. 
iol.  7b.  l<;t  nunc,  o  domine ,  nou  dedlgnare  venire 

Ad  loca  laudata ,    quando  sunt  iuduciala. 
Vobis   congredimur   de   uoslrls  ac   fanuilamur." 

160     SIc  ait  et  donis   dilavlt    nos  sat  oj>imIs, 

Pelliclis  vel  equis   faleralls,   sive  cliruseunis, 
Post  poscit  viuum,  Gerdrudls  amore,  quod  haustum 
Parlicipat  uos  tres ,    postremo  basia  figens, 
Quaudo   vale   dixlt   post  nos  gemit  et   benedixit. 

165     Hlnc  rediebamus,    vicedomnum    poslque    videmus, 
Qui   nos  condouans  provisorem  slnuil  et  dans 
Oscula  fert  more ,    graudi  uos  liqult  amore, 
Tam  tlbi  devolum  maudans,    ut    hero,  famulalum. 
SIc  datur  a  cuuctis  sat   amica  llcenlla   nobis. 

170     Disclpliuate  uoster  ductor  vel  honeste 

Servivit   uobis  in   slmplicitateque   cordls, 
Hujus  dum  regni  coufinia  vidinuis  ampli.' 

X  alis  rumoris   rex,    talls  ovans  et  houoris 
Subridens  modicum  nil  protulit  ore  superbum. 
175     Susspicieus  laudat  domiuuni,  quo  danle  triuniphal, 


RUODLIEB     frajrm.  II.  139 

Ml  reputando  sibi ,    secl  ei  dans  oninia  dixii: 
'Induciae  quo  siut  laudatae  quandove,  dic,  suntl" 
'Ebdomadae  tum  praelereunt  tres,   induciae  sunt 
Hac  in   planilie  ,  cjua  concertavinuis  ante, 

180     Solventes  nostros    in  vincla  redegimus  liostes, 
Sunt  ubi  tristali  quo  liant  laetificati. 
Sic  de   te  regi  nunc    induciando  spopondi.' 
Rex  ail:   'hoc  laudo  [)romissorum  neque  fraudo. 
Dum   fueras  at  ibi,   quid   agendum,  dic,  liabuisli? 

185     Respondit :    'summus  milii  clemens  fit  vicedomnus 
Procurans  multum,  defeclum  ne.  palerer  queni. 
Scachorum  ludo  teniplat    nie  vincere  crebro, 
Nec  potuit,    ludo    ni  sponle  dalo  sibi  solo.  fol.  ^^- 

Quinque    dies  sic  me  non  siverat    anle   venirc, 

190     txplorare  cupit ,  meus  advcnlus    cjuid  eo  sit. 
Invesligare  nulla  quod  dum    valet  arle, 
Post  me  rex  misit,    sibi  quae  dixi  salis  audlt 
In  cras  responso,  dixi  velut,  iuducialo. 
Rex  poscens    tabulam   jubet    oppoiii  sibi  sellam 

195     Et   me  coatra  se  jubel  in   fuleliro  residere, 

TJt  secum  ludam,  quod  ego  nimium  renuebam 
Dicens :    "terribile  miserum  conludere  rege." 
Et  dum  me  vidi  sibi  non  audere  renili; 
Ludere  laudavi,  cupiens  ab  eo  superari, 

200     "Vinci  de  rege,"  dicens,  ''quid  obest  miserum  me? 
Sed  limco,   domine,    quod  niox  irasceris  in   me, 
Si  forluna  juvet,  mihi  quod  victoria  constet."  — 
Rex  subridendo  dixitvelut  atque  jocando: 
"Non   opus   est ,  care ,  super  liac  re  quid  vereare ; 

205     Si  numquam  vincam  ,    conmotior  liaut  ego   fiam. 
Sed  quam  districte  noscas,  ludas  volo  cum  me, 
Nam  cfuos  ignolos    facies  volo  discere  traclus."  — 
Slatim  rex  et  ego    sludiose   traxinuis  ambo, 
Et  fiibi  gratia  sit,  mihi  ter  vicloria  cessit, 


140  RUODLIEB     fragm.  II. 

210     IMullis  princlpibus  nlmis  id  niirantlbus  ejus. 
Is  niilii  deponlt,   sihl  nie  deponere  nil  vult, 
Et  dat  quac  posulf,   [plsa  quod   nonjuna  reinanslt. 
Plures  succedunl,  liunc  ulclsci  voluerunt. 
Pignora  praebentes,    nica  pignora  desplcientes, 

215     Perdere  nil  ceiti,    dublae  fisi  bene  sorll. 

Allerulrumque  juvant,  nimlumqne  juvando  nocebant. 

Pracpedicbantur ,  varie   dum  consiliantur, 

Inter  litlgium  cito  vincebam  rpiod  eorum 

Hoc  trlbus  et  viclbus,  volui  nam  ludere  non   plus. 

220     Quae  deponebant,   nulii  mox   donare  volebant. 
fol.  8^.  Piimo  respueram,  villosum   namque  putabam 

SIc  nie  dltari,    vel  eos   per  me  tenuarl. 
Dixi:    "non    suevi  quicquani   ludendo  lucrari." 
Dicunt:   ''inler  nos  dum  sis  ,  tu  vive  vclut  nos. 

225     Quando  domum  venias,  ibi  vivere  cpiis  veluti  vis." 
Cum  sat  lorifregi ,  c(uae  porrexere  recepi 
Commoda    cuin  laude  milii  forluna    tribuente.'  — 
Rex  ait :  'hunc  ludum  tibi  censeo  semper  amanduni, 
Quo  sunt  sarcila  tua  tani   bene   calciameuta ; 

230     Nuuc  grates  liabeas,  causas  quod  agls  bene  noslras.' — 
Misit  et  ad   quosque,  qui  capllvos  babuere, 
Hos  ut  vestirejit,  ad  lionoreni    vel   sibi  reddant, 
Ipsis    cpios    pedites  misit,   reddant  ut  ecjueslres, 
Insuper  armatos  velut  ad   nova    bella  paratos. 

235     plumque sinuil  .... 

Vestivit  comitem  velut   ex  sununatibus  unum 
Biuis  pellicils  pretiosis  totc|ue  cbrusennis, 
Coccineam   tunicam  gemmis  aurocjue   micanlem 


224    diesen  vers  setzt  der  verfasser  an    deii    rand  fiir  den  im 
text  gescliriebnen;    Donec   inter    nos   sis,     fac   vel    vive  veliit  nos. 

226    bei  lorifregi  am  rand  zttgilprec/io/o    (—  ota?) 


RUODLIEB     fiagm.  III.  141 

Uat  sibi ;  qua  regi  praeberet  pocula  viiii. 

240     Dat  vel  equuni  fortein,  celereni  nimis  requipedantem, 
Auratum  freuum  pulthram  faleranic|ue  gerentem, 
Et  dat  loricani ,   lulus  valeat  fore  per  cpiain 
In  cjuovis  bello  coniiuuni  sive  duello. 
Ensem  vel  galeam  sibi  lanceolani  dnt  acutam. 

245      Qui  famulantur  ei,  donantur  ulrique  clieuti 

Vestes  valde  bouae  semjierque   domi  sibi  rarae. 
Insuper  ad  bella  sibi  congrua   praeslitit  arma. 
Misit  praecoues  salrapas   coniilesque  vocaudos, 
Ad  curlem  veuiant  quo  regis,   quam  optime  possiut, 

250     Et   secum   ferrent  sibi  quae  vel  equls  opus    essent 
Ad  tres  ebdomadas  secum  seu  plus  remanendas. 
IIIuc  poulifices  invitanlur  sapieutes, 
Abbatesque  pii  scioli   beue  cousiliari. 


III. 

1       [Congrjegiuni  lala  curlis  fuit  ampliipreliensa,  foj.  ga. 

Quie  niedio  vacua,  scenls  foris  uudique  septa, 

Qua  cum  praesulibus  abbalibus  et  duodenis 

Posset  praudere   coenareve    sat  spatiose. 
5       Curli  conliguum  slat  tentorium  salis  amplum 

Solis  ad  exorlum,    de  cpio   posuere  podismum, 

Cujus  ad    exlremum  fixerunt   papilionem, 

lu  quo  slans  nieusa  veslita  fuit  velut  ara, 

Quam   super   est  posita  regis   crux  et  diadema, 
10     Qua  missae  regi  solet  officium  celebrari 

Matuliualis  et  vespertiua  syuaxis 

Cursibus  iumixtis  aliis  de  more  diuruis. 


6    bei  pocUsmuni  am  rand  die  glosse  gong.       11  bei  synaxim 
die  glosse  cursus  vel  hora. 


142  RUODLIEB     fragm.  III. 

Qiio  duni  rcx  venit  niissani  properanlius  audit 
Et  per  legaluni  regi  deniaudat  eundeni, 

15     Qui  fueral  reruni   prius  inlernuntlus  liarum, 

Priinitus   ut  videant,  sese,  quani  praiulia    sumant. 
Quem  rex ,     ut  vidit,    bcne    subridendo  recepit, 
Oscula   datque  sibi,    'quid  narras?'    post  ait  illi 
'Onine  bouuni   dici  tibi  de  me  sat  meruisti.'  — 

20     'Ad  te  me  niisil  rex'  et  tibi  me  dicere  jussit, 
Ne  prandere   velis  prius  ,    illum  quam  tuearls. 
Obvius   ad  ponlem  venit    is  libi    nos  dirimentem, 
Pax  ibi   firnialur,    res   omnis  et  adbreviatur,       , 
Capli  reddunlur  caplos  se   neve  quevuntur, 

25     Nani   meliorati  redeunt,    non   altenuati.'  — 

Rex ,    'ita  fiat,'    ait;  ad  licvum  missus  remeavit. 
Dum  conveneruut  reges  ubi    consliUierunt, 
Nil  penitus  dicunt    sibi,    quam  prius  oscula  figunt. 
Noster  pontifices,  ut  idem  facerent ,  jubet  omnes, 

30     Et  post  abbates  ex  ordine  basiat  omnes; 

Ejus    praesulibus  tunc  pracbilus  est  amor  ipsus.  — 
Reges  ,  pontifices,  abbates,  clerus  et  omnis 
fol.  9b,  Assumptis  ducibus  cum    summis  alterutrius 

Dum  resident  pariter,  rex  major  ait  sapienter: 

35     '0  niinium  nobis  rex  dilectlssime  cunctls, 
Slcut  laudavi  tibi  demandausque  spopondi, 
Ouicquid  stultitlae  plebs  nostra  patiavit  utrlnque, 
Hoc  dimittamus  et  eosdem  pacificemus, 
Ut  sint  inter  se  concordantes  sine  fraude. 

40     Nemo  recordetur  adversi  quld  palerelur, 
Obllvlscatur,  uklsci   nec  medltelur. 
Nam  mala  malo  bono  quain  reddere  vincere  pravo.' 
Alter  rex  surgens  liuic  digiias    dlcere  grates 
A  nostro  vetltus  residet ;    tamen  est  ila  fatus: 

45*   Tro  tot  vel  tanlls  impensis  nos  benefactis 
Reddere  condignas  nou  sufficimus   tibi  grales. 


RUODLIEB    fragm.  III.  143 

In  riijiis  parnia  vlclricla  lu  gerls  arnia, 

llle  libi  laiulis   sat  pi-aesfat  et    oninls  lionoris. 

Non  opns  est  liinc  te  laudare   vel   aniplificare. 

50     Virlus  et  pietas  nlmis  et    tua  larga  volunlas 
Oninibus  invills  cunuilant  tlbi    pracniia  laudis. 
Ipsemet  atqiie    niei  libl   debenuis   fanuilari 
Ut   bello   vlcli  vexilloque  subacli.'  — 
Rex  ail:    'boc  absit,  ego  dum    vlvam,  neque  fiet, 

55     Ut   tibl  quid   juris  aut  adniinuatur  honoris. 
Es  rex  slcut   ego,    tibl  mc  praeponere  nolo. 
Eiusdem  juris  es,  cujus  sum,    vel  bonorls. 
Ob  quod   venlmus  huc  modo  ,  perficiamus  Id  Istlc. 
Tuque  tuos  recipe ,  sed  non  slue  quovls  lionore.' 

60     SIc   dicens  comltem  regali  vesle  nitenlem 
Reddidlt  armatum  veluli  bellare  paralum, 
[Sicut    caplorum  nuUum]    reddebal  eorum, 
Qulu   foret  arnialus,  vel  veste  decenter    amlctus. 
Post  ait:  'lii,  rex,  sunt  quos  vlvere  fata  slnebant,  fol,  loa. 

65     Qui  non  humane,  duni  Jiobis  praevalueie, 

Nos  traclant  igne,  praeda  vel  caede  niah'gne; 
Qualiler  econlra  traclarem  quos  vlce  versa, 
Praeclpe,  quo  dlcant  tibi,  quando  domum  remearint. 
Nunc  se  concordent  ct  sint ,  vehit  anle  fuerunt, 

70     Firmi  compalres  posthac  fidique    sodales.' 
Quo  faclo   ncmpe  pax  firmabatur    iilrlmque 
Per  juramenlum   neulrlm  penllus    temeraudum. 
Tunc  ambo   reges  redeunt  ad  papIHones, 
Cumque  suis  prandent.     Ibi  grandla  gaudla  fiunt. 

75     Gaudet  qulsque,  suus    salvus  redlit  quod  amlcus. 
IMensa  sublata  disponunt  phirlma  dona, 
Quae  regi   dentur  vel  els,    hunc   qui  comllentur. 
Auri  qulngenta   regi  donanda     talenln, 
Insuper  argentum  multum  vel  palha   cenlum, 

80     Centum  loricae,  totidem  galeae  chalybiuae, 


144  R  U  O  D  L  I E  D     fi  agm.  111. 

Inler  equos  imili  decapeiila  bis  falerali 
Et  bis  qiiiiKleiii  onagri  lolidenique   canieli 
x\lque  leopardi  gemini  binique  leones, 
Et  j)ariles  ursi  qiii  fralres  sunl  iiterini, 

85      Onuiino   nivei  ganibis  pedibusque   nigelli, 

Qiii  vas  tolle])aiit,    iit  homo,    bipedesqiie  gerebant. 
IVlimi  quando  fides  digitis    tangunt   modulantes, 
Illi  sallabant,  neiimas  pedibus  variabant. 
Interdum   saliunt  scscque   super    iaciebant. 

90     AUerutrum    dorso   se  porlabant    residendo 
Amplexando  se ,  luctando   deiciunt  se. 
Cum  plebs  altisonam  fecit  gyrando  cboream, 
Accurrunt  et  se  mulieribus   applicuere, 
Qn-ae  gracili  voce  cecinerunt    deliciose, 
foI.lOb.  95     Insertisque  siiis  liarum   manibus   speciosis 

Erccti  calcant  pedetemptim  ,  murmure  trinsant, 
Ut  mirarentur,    ibi  circum  cjui  graderentur, 
Non  irascuntur,  quicquid   niali  paterenlur. 
Insuper  et  lyncum  de  vulpe  lupocjue  creatuni 

100  Addiderat  donls,  expers  quod  non  sit   lionoris, 
Ejus  ab  urina  quia  crescit  lucida  gemma, 
Ardens  ligurius ,  ca^bunculus   iit  pretiosus. 
Qualiter  is  liat,  libeat  qucm  discere,    discat. 

iiix  ferro  clavos  tibi  fac  fabricare  cjualernos, 
105  In  lata  butina    quos  fige ,  bis  in   loca  bina 

Fortiter  inpellens,    evellere    quis    queat  haut  quos, 
lu  medio  butinae  terebello  facque  foramen, 
In  quam  pone  feram,  licet    invitamve  rcbellem, 
Ad  clavosque  pedes  vincire  sibi  bene  cures, 
110  Et  circa  colliim  nexam  siispende  catenam, 


81,  82.  83    vorher  staiid  iru  acciijativ  mulos,    ouagros,  came-- 
los ,   leojiardos  etc. 


RUODLIEB    fragm.  III.  145 

Incluiando  caput,  ne  vincula  solvere  posslt. 

Ad  inanducanduin  sibi  sat  da  sive  bibendum, 

Quod  bibat  at  vinum  valde  sit  dulce  bibendum. 

Ebrius  exinde,-  dum  vult,  ne   queat  retinere, 
115     Exeat  urina  scd  ut   ignorante  retenla, 

Et  lluat  iu  pelvini  cilo  per  butinam  lerebralam, 

Quam  dum  non  poterit  dispergere,  vivere  claudit. 

Si  uon  emitlat  tamen  lianc  moriensque  retentet, 

Abstracta  pelle   vel  aperto  cautius  alvo 
120     Tollito  vesicam  vel  acu  transpunge   minullm, 

Et  sic  urinam  nimis  in  puram  preme  pelvim, 

Inque  modum  pisae  per  cuprea  vascula  funde, 

Majorisque  nucis  ad  grossum  fundito  vasis. 

SulTodiens  teri'a  quae  vasa    dies    decapenta 
125     Esse  sinas,  post  elFodiens  exinde  resumas, 

Gullas  iu  gemmas  concretas  ceruis  et   omnes, 

Quae  similes  prunis  lucent  caligine   noctis. 

Quas  decet  imponi  reginaruni  digitali. 

Regis   at  impone  magnas  aplando  coronae.  — 
130     Adduntur  donis,    licet  illis  nil  sit  lionoris,  fal.  lll>. 

Simia  nare  brevi,  nate   nuda  murcaque  cauda, 

Voceque  mllwna,  cule  crlsa    catta    marina, 

In  quibus  ambabus  nil  cernilur  ulllitatis. 

Ex  genealogia  uobili  regalia  dona 
135     Auxit  cum   psitachis  binls  corvisque  gemellls, 

Monedulis,  slurnis  doclis  garrire  loquells, 

Quicquid    et  audlerlnt  [imilari  quij  studuerunt. 

Pontifici  cuique  sua  munera  donat   honeste. 

Loricis,  galeis  ducibus,  scutis  ..  .  alatis, 
140     INIunerat  atque  tubis  auro  prae  post   decoralls, 

Praesidlbus  pulchris  madris  crlsisque  poledris, 

Militibus  summls    seu    pelliciisve  chruseunis. 

His  ita  disposltis  modlcum    requlescere  vult  is. 

Explorare  jubet  aher  rex,    quando  resurgat. 

10 


14«  RUODLIBB     frasm.  HI. 


145     Post   vigllans  siirglt,    miiliim   falerarcque  jiiseit, 

Ciiniqiie  qiiibiis  voluit   ad  regeni   liinc    eqiiitavil. 

Pliires  occiirrnnt  ct  cl  servire  sliitlebant. 

Quem  bene  susce|)il  rex   atqiie   sedere  rogavlt. 

Qui  dixlt:  'donilne,  inecuni  dignare  venire, 
150     Et  non   abniiito  qnae  munera  parca  libi  do, 

Oiiicquld  sumniatum  slt  et  liic  venlant  rogo  lecuin.' 
Rex  ait :    'id   fiat.'     Rex  alter  doma  revisal. 
Convocat  Isle    suos  suniinates   convenlendos. 

155     Qui  dum  convenlunt    vel   coram    rege  sederunt, 
Ut  mos  ejus  erat  semper ,    rogitando   jubebat, 
Quo  suus  esset  lionor  cuivis,   quam  munera  major, 
Et   niliU  acclperet,  sibi   si  quae  rex  dare  vellet; 
'Ne   sit  opus  census   [nobis,  vldeatur]   ut  ejus. 

160     Mecum    nunc  ite ,  quod  ego  faciam,   facitote.' 
Ibaut  cum  rege  suscepti  sunt  el  lionesle. 
Dum   consederunt,    ter  iniscendoque  biberiint, 
fol. llb.  Rex  regem  duxit  secum,    cjuos  Ireque    jussit 

In  curtem    lalam     .  .  .  .  is  amphipreliensam, 

165     In  c|ua  stanl  mensae  vario  censu  cumulatae, 
In  qua  stant  et  equl,   decet  ul  regem  faleratl, 
Staut  etlam  mull,   stant  enorniesque  cameb*, 
Stant  et  ter  deni  mltes  onagri  domilique, 
Stant   et  terrlbiles    leopardi  sive  leones, 

170     Stas  et  Inaurata  conncxus  ,  lynce,  catena, 
Slmia   ciiin  catta  slat  ibi([ue  marlna   ligata. 
Stant  ursl  gemini   multo    varlamlne  ludi.  " 
Quin  ibi  sunt  et  aves  homlnum  sermone  fruentes, 
Psitaclius  et  corvus,  monedula,  plcave  slurnus. 

175     Tuuc  ait:  'liaec  dona  tua  sint,  rex  optime,  cuncta. 


151  scheiiit  absiclitlicli    getilgt  vom  verfasser   seibst. 
1T4  iiber  vwnedula  die  glosse    lctha. 


RUODLIEB     fr.ngm.  in.  U7 

Praesiilibiis  -eint  liacc,  horvmique  fidellbus  islaec. 

Auri   lcr  denas   U!ii  placuit  dare  libras 

Inque  caj^ellanos    qniuquagiula   Iribueuda» 

Argenli  libras,  lolidenique  per    officiales, 
180     Inter  sculiferos  vilesqiie  ministerialcs 

Viginti  libras  nummoruni   distribuendas. 

Nec  superexaltat  lixas,  quin  hos  quoque  doiiet, 

Inter  eos  denas  dispergendas  quoque  libras 
Det  duodcnorum   lanlundcm  ciiivis  eorum. 
185     Posl  ducibus  galeas,  loricas  donet    et  enses, 
Auratas  parmas,  lituos  ad  bella  canoros, 
Inque  suos  libras  sexaglnla  tribuendas. 
Et  post  praesldibus  det  equos   faleris    redimilos, 
Atque  suis  denas  cunclls  libras  Iribuendas. 
100     Poslremo  cunclis  abbalibus  his    duodenis 

S.  .  det  nioramen  spondendo  suum  famulamen, 
lllorum  cuiyis  confratribus    hosque  secutis, 
Libras  triginta,  puerorum  cuivis   el  unam. 
Mittat  et  ad   clauslra  monachis  llbras  decapenta. 
195     Regls  slmnisiis  aliisque  fidelibus  ejus,  fol.  12». 

Kjus  servillo  qui  sunt  in   coUidiano, 
Qui  veluti  glandes  semper  flanl  regis  ad    aures, 
Et  pro  mercedis  succurrunt  pondere  cuivis, 
Bona  dat  eximia  census  ad  mille  talenta. 
200     Jnter  quos  illum  venatorem  peregrinum 
Munerat  uberlus,  slc  collegam  facit  ejus, 
Missi  qui  fuerant  ad  se  pacemque  palrabant. 
Munera,  dum  vidit   ea  rcx   multumque  probavlt, 
Dlxit  ad  aequlvocum  :  'lua  nnmera  sunt  bona  nuiltum  ; 
205     Ne  tamen  a  uobis   tantum  donando  graveris, 
Pro  donis  votum  decernimus    acclpiendum. 
Tam  bene  ludentes  ursos    hos  tollo  gemellos, 
Atque  meae  nalae  picam  sturnumque  do    de  te, 
Et  grates  habeas  tanlas,  ceu  cuncla   dedisses. 

10* 


148  RUODLIEB    fragm.  III. 

210     Nec  volo  praesiilibus,  duclbiis,  qiiicl  praesidibus  des. 
Quod   coenobilis  dabis  aut  abbatibus  islis, 
Non   conlra  dico,  quia  redditur   id   tibi  vero: 
Hi  sunt  assidui  faniulantes  omnipotentl, 
Orant  et  pro  te  sludiose  nocte   dieque, 

215     Et  quod   das  illis,  pariet  tibi  gaudia   lucis. 
Inter  summates  nolo  plus  nuinerls  ut  des.' 
Gratls  an  oblitus  reticeret  is  officiales, 
Hi  bene  donantur,  secretim  sive  beantur. 
Hoc  super  edictum  non  aiisus  est  dare  cuiquam 

220     Grande  vel  exlguum,  nec   desiderat  quls  eorum,  — 
Reges  inler  se  quando  dixere  valete, 
Oscula  dando  sibi  placet  his  patrlando  reverti. 
fol.l2b.  Cumque  domum  redeunt,  juris  proprilque  fiebant, 

Rodlieb  dllectae  matris    cernens  inoplne 

225     Ad  sese  mlssum  quendam  bene  susclplt   Illum. 

Ad   quem   sic  dixit:    'mea    mater   sospes,  al,  sit?' 
Respondit:  Wlvit,  valet  et  bene,  vel  tibi  misit 
Istas  lltterulas,  mellus  quibus  ac  njllil   credas.' 
Susceptaque   dlce   sciolum  facll  hanc   recitare. 

230     Quam  super  ut  leglt,  alt:  'arbllror  haec  brevis  Inqult: 
Ergo  tul  domlni  cuncti  tibl  valde  benignl, 
Ut  redeas,  petlmus,  nam  te  carulsse  doleinus 
Temporlbus  tantis ,  propter  quos    exIHarls, 
Et  faidas  In  te   non  cessabas  cumulare, 

235     Donec  e  patria  fuglens  petls  extera  regna, 
Scimus   ubi  mullos  te  sustinulsse   labores. 
Quod  lamentamur  nos,  quandocumque  gregamur 
Ad  placitum  vel  ad  inducias  quacunque  siatutas. 
Tunc  in  consilio  dando  par  est  tibi  nenio, 

240     Qui  vel  tam  juste  jus  dicat  tam  vel  honeste, 
Et  qui  sic  viduas  defendat  slve  puplllos, 
Propter  avarlllam  cum  damnabantur  Iniquam, 
Quilamentantur  nimiun),  [cum]  quando  premunlur. 


R  U  O  D  L  I E  B     fragm.  III.  149 

Ergo  tui  cuncti  cuni  sunt  hostes  nihilatl, 
245     Parlim  defuucti,  partim  membris  mutilati, 

Illorum  luilli  tibi  c|uid  plus  suut  nociluri. 

Kare ,    redi    cilius,  quia    quo   venias  inhiamus, 

Inprimis  ut   nos  bene  tecum  pacificemus, 

Praestita  dando  tibi  saepissime  quae  meruisli 
250     Non  parcens  proprlae  pro  nobis  denique   vitae.' 

Ast  In    line    brevis  hujus  [stal]  epistola  matris:      fol.  13^. 

']\Ii  fili  care,   .     .     .     miserae  matris  memorare, 

Quam    sicut 

Inconsolatam  bona 

255     In  genitore  luo     .     .     .    nale  secundo 

Dum    mecum  f ueras ,  mala  cuncla  mihi  relevabas, 

Cum  discessisti ,    gemitus  mihi  nudliplicasti. 

Sed  tamen    utcumque  decernebam  tolerare, 

Secure  miseram  dum  posses   ducere  vitam 
260     Prae  tot  tam  validis ,  tibi  tam  diris  inimicis. 

Qui  quia  sunt  cuncti    mutilali  sive  perempti, 

Fili   kare,  redi,  luctus  fiuem   dato  matrl, 

Adventuque  tuo  consanguiueos    hilarato 

Non  solumque  tuos,    sed  omnes  compatriotas.'  — 
265     Omnibus  auditis   miles  nimis   est  hilaratus, 

Pro  sola  matre  lacrimis  perfunditur  ore. 

Id  resciscente  populi  rumore  sodale, 

Ultra   credibile  niniium  fit  mentis  acerbae ; 

Illeque  uon  solum ,  quin  quod  fuit    apparitorum, 
270     Stant  ubi  vel  resident,  simul  inliiue    coudoluerunt. 

Dicunt,  quod  uunquam  vidissent  huic  similem  quem 

Moris  honestate  fidei  vel  iu  integritate ; 

Quod  uec  obcst  ulli,  sed,  ubi   quit,  profuit  omui. 

At  qui  servimen  ejus  novere  diurnum, 
275     Dicunt:    'quid  mirum,  sibi  si  non  est  onerosum 


250  deiiique  am  ran<J,    statt  dcs  friilieren  utique. 


150  RUODLIKB    fragm.  III. 


Nil  deservisse,    ni  jKuiper  vivere  posse, 
Vicliini  vel  vesteni ,    milhini  plus  eniohunenluni, 
Hujus  cum  regni  cohimcn    specialis  sit  oninis.'  — 
Qui  sibi  dileclunx  secuni  suniendo  sodalem 

280     Ad  regem  gradilur,  prae   cpio    sic  fando  precalur: 
Si,  rex ,  audereni,  libi  vel  forc  non  grave  scireni, 
Quod  niniis   angil   nie,   tibi  vellem   nohllcare.' 
Rex  ait:  'eloquere,  clcmenle  poliris  ad  id  me.' 
lUe  pedes  regis  amplectilur  oscnla  dans  liis. 
fol.  13^.285     Postque  resurgendo    vix  prolulil  isla  gemendo: 
*Quid  milii  causae   sit,  nielius  rex  ipse  videbit.' 
Sic  ait  inque   njauiis  dat  liltcrulas  sibi   niissas. 
Piex   ait  liis  lectis  :    'nunc  conipatior  satis  islis. 
Quae  libi  proniiltunl  doniini,    si  sic  ea  solvunt, 

290     Consilior  videas  ,    venias  quin  neve  relinqiias; 
Atque  tuae    matris  inv.ns  est  legalio  suavis. 
Hinc  omuino  tibi  nioclo  nolo  reconsilfari. 
Quin  vadas  ad  cam   vcl    consoleris  eandem, 
Contribulesque  tuos  visendi    te  sat    avaros. 

295     Quando  velis,  ito;   nobiscum  sed  tamen  esto 
Istius  ebdomadae  spatiuni.    ISoh  prius  ire, 
Quam  pertraclemus  quid  mercedis  tibi  demus. 
Nobis  servisti  cjuam   dcvolissime  scisli. 
Non  oblivisci  decet  id  nos,  sed  reminisci, 

300     Et   tibi  prodesse,    te  saepe  neci  tribuisse 

Pro  nie  pro  populo   pro  cuncto  denique  regno.' 
Exul  at  iuclinat  regem  memiiiisseque  gaudet 
Ejus  servitii,    paucis  respondet  et^illi: 
'Quod  tibi  servivi,  mihi  quam  bene    relribuisti. 

305     Huc  postquam  veni ,    pie  rex,    tibi  meque  subegi, 
Pascha  fuit  tecum  mihi  semper  cottidianum, 
Semper  habens  multum  vel  honorum  sive  bonorum 
A  te  non  solum,    sed    ab  unoquoque  tuorum.'  — 
Rex  jubet  interea  Cant  argeutea  vasa, 


RUODLIBB     IVagm.  III.  151 

310     Ul  grandes  lauces  pcr  circuitdiii   cubilales, 

Nou  nisi  bis  bina,  duo  plana,  tot  alque  profuiida, 
Quando  coaptentur,    ceu  paues  sinl  videantin", 
Exlra  spellina  si  siul  perfusa  farina. 
Quoruiu   vasoruni  rex   uiuini   denarioruni 

315     Keplet,  bvzantes  quos  dicunl   aurilicanles, 

El  sic  ronjunclini  ,  suppingere   quod   uequil   uiiuni 
PIus  [cuni  martejllo,    ne    clangaut  forle    niovendo. 
Quaudo  douuMii   vinial,    rcs   iude    suas  nicl[ioret],fol.l4a. 
Alque  suos  doniinos  faciat   sibi  dando   benignos, 

320     Ut  sibi   proniisfca  deut  praeslila  mcnte  benigua. 
Allcra  dividitur  lanx   iu  duo,  sictpie  replelur: 
Ex  una  parte  lancis  nummos  posuere 
Ex  auro  factos  et  in  igne  sat  examiualos, 
A  pole  Byzanto   quibus  agnonien  tribuere, 

325     Est  quibus    insculpla  graece  circum  litulala 
Iftlac  majestas,   illac  regisque   potestas, 
Inpouendo  nianuni  stans  queiu  signat  beued[ictuni], 
Quos  det  dileclis  consanguineis   et  amicis 
Ad  congaudendum,mos  est  velut,  hunc  foresa[IvumJ 

330     Exilioque  gravi  non  illum  degencrasse, 

Sed  perfecisse   vel  lionore  domuin  rediisse. 
Citra  mazeriam  lancis   nummis  ita  farlam 
Bis  sex  armillas  inq)ouil  rex  operosas, 
Ex  quibus  octouae   solidae,  non  sunt  recavatae 

335     Plumbo  repletae ,  ceu  serpentes  capitalae, 

Oscula  cjuae  sibi  daut,  sic  se  nec  aniando  noce£baut] 
Quarum  quaeque  meri  grave  pondus  gesserat  auri 
Bis  geminae  reliquae  gyrando  fuere  recurvae 
Quaequelibrans  marcam  velul  epaticam  sper[ulatau)]; 

340     Non  in  iis  decori  plus,  quam  studet  utilitali. 
Et  super  additur  liis  reginae  fibula  graudis, 
In  limo  fusa,  uou  malleolis  fabricala, 
Fabrili  uullo  compactave  machiuameuto, 


152 


R  U  O  D  L I E  B    ftarrm.  IIT. 


Per  lotiiin  solida ,  non  omniuoque  dolata, 
345     In  inedio  cujus  aquilae  stat  imago  Yolantis, 
Ejus  et  in  rostro  pila  stat  cryslallina  summo, 
In  qua  niotari  visuntur  tres  volucelli, 
Essent  ceu  vivi,  gestire  volare[que  prompti]. 
fol.  14B,  [Aureu]s  hanc  aqu[ilam]  per  gyrum  circulus  ambit, 

350     [Quae  t]am  lata  fuit ,  sibi  pectus  quod   bene  texit. 
.     .     .     merito  sic  auri  fusa  talenlo 
.     .     .     .     .     in  pensando  leviores 
.     .     et  [in  qua]rum  gemmarum   mulligenarum 
erat  [varius]  velut  inspiceres  ibi  sydus. 
355     .     .     .     quaequG  librae  quadrantem  ponderat  aeque 
.     .     di  boga  gracili  pendendo  catena 
.     .     liis  modicam  cj[uam  praetendendo  diatim 
.     .     am  cum  qiia  coufigat,  ue  stet  aperla 
ne  possint  cerni  majuscula  si  sint. 
360     .     .     .     o  lunam  solidam  super   addidit  unam 
[Pensan]tem  libram ,  faber  in  qua  prolulit  artem 
uatura  sunt  inque  recircuilura 
.     .     lapides   generosi  cuncticolores 
[Collectis]  cocleis  in  majo  mense  marinis 
365     .     .     .     imixtis  auro  de  more  reclusis 
[pl]anitie  graciles  sperulae  variatae 
,     .     itur  vitro,  vilruni  discernitur  auro 
.     .     nens  uodos  vel  folia   vel  volucellos 
.     ,     hjirsuta  primo  fiuut  tuberosa 
370     .     .     .     o  vel  aqua  poliuntur  cote  scabrosa 
[Id  gejnus  electrum  fabrile  vocatur  honestum 
,     .     dente  post   gemmas  margine  lunae 

.     iillae  dulcem   se  conlidendo  fragorem 
,     .     jam  lanci  caute  rex  praecipit  addi 
375     .     .     .     octonas  in  lancem  ponit  iuaures. 
[Quatt]uor  ex  illis  comptae  fulsere  lapillis 
.  bus]  variis  amelhyslis  atque  berillis. 


RUODLIEB     fragm.  III.  153 


[Quatljuor  ast  allae  non  sunt  genimis  redimltae 
.     -     .     clel     .     .     .     [mlris  no]dis  variatl 

380     Slcut  plncillo  quis  vilrum  pingeret  au[ro]  fol.  15«. 

Bullae  cum  bacis  clangunt  cum   se  movet  auris. 
Tandem   ter   denos    fabricare  jubet  digit[ales] 
Ex  auro  puro,  reperitur    non   mcllus   quo. 
In   quorum    cpiemque  jubet  includendo  locare 

385     Ligurium    vel  iacinclum   pulchrumve  berillum 
Quorum  tres  sponsae  daiidl  sunt  acclplendae, 
Nou  grandes,  graciles,  quos  ferre  decet  n)[ulieres]. 
Lanclbus  implelis  bis  donis  imperiosis 
Atque   coaptalis  clavis  firme  capltatis 

390     Has  jubet   obduci  rex  glutlne  valde  lena[ci] 

Polline  commixto  mullo   Iribulamine     .     .     .     ., 
Ut  non  abradi  nec   acpia  cjueat  hoc  aboleri. 
^uando  dles  venlt,     ad  cpiam   rex  inducl[avit], 
Quod  deberet  ei  ple  respondere  clienli, 

395     Dixlt  principlbus :  'nosler  miles  peregriiius 

Vult    remeare    domum  carta  rcvocalus  li[erorum], 
Pro  cjuorum   causa  palria  caret  ul  patet  ipsa. 
En  liic  est  carta,    nunc  vos  audile  cpiid  illa 
Dicat.'     SIc  Incjuit,   et  eam  sciolus  recllavit. 

400     Carta  perlecta  fiunt  ibi  tristia  corda, 

Compare  tam  fido  tam   nilll  tamcpie  ben[igno], 
Tali  tyrone  regem    sesecpie  carere. 
Et  regl  suadent,    luinc  vl  prece  seu  reti[neret], 
Uxorem  sibi  det  et  honorlbus  hunc  locupl[etel], 

405     Dicentes  dlgnum  comilatu  quovis  eund[em]. 

Rex  ait:    'abslt  ut  is  de  me  tribuletur  [In  islis], 
A  quo  sum  numc|uam  mlnimam  commotus  in  [iram], 
Quln  irascentem  rne  mitem  reddit  ut  ag[num]. 
Totlus  fidei  plenum   se  praebet  in   onuii. 

410     [Jani   nimis  ejxilli  gravis  est  sibi  sarcina  longl       fol.  15^. 
.     .     n  quocfuam  non  hoc  senllre  valebam. 


154 


RUODLIEB     fVajrm.  m. 


.     mittamus  ct  eum  palriare  sinamus. 
.     .     les  si  post  sua  sic  veniat  i-es 

mi  queat  luic    bone  posse  i-everti 
415     .     .     .     eteres  ut  apud   nos   commoclilales.' 

vtrum  jubet ,    acl  se  quo  vocel  iUum. 
.     s   vocat  bunc  ;  ad  rcgem  \enil  is  illuc. 
.     siluit,  clementer  rex  sibi  dixil: 
'.     .     inlvile,  mi  kare ,  reliquero  de  me 
420     .     [promlptus  eras   et   in   omni  morigerebas. 
eo  grates  tibi,  dilectissime,  grandes. 
es  nulli  sed  plebi  karus  es  omni. 
.     .     i,  dic  verum,   karissime  ciuictigenorum, 
ibi  peccunna   malisne  sopbia?' 
425     ris  volvejns  mente   sibi  quid  respondeal  apte 

.     o   quod ,  ait ,  conponderat  usiis  bonori 
.     .     t  multos   ubi  noscitur  insidianles 
.     .     ros  cogit  plures  fore  fures 
s  parit  invidlam   vel  amicos 
430      .     .     .     stimulat  Cdei  quo   foedera  runqjat. 

[Est  meliujs  censu   careat  quis  quam  c^uoque  sensu 
Et  quicumc|ue]    pia   satagit  llorere  sopbia 
.     .     argejnti  senqier  sat  babebit   et  auri. 
.     .     expuguat,    quia  telis  intus  abuudat 
435     .     .     .     multos  vidisse  creberriuie  stultos 
s  per  stubitiam  uicliilatis 
opes  vitlose  degencrantes 
se  sed  opes  patuit  iiocuisse 
fol.  16a.  Unde  poles  facile  me  verbu[m]  ta[le]  docere, 

440     Quod  si  servabo,  quod  id  ipsum  non  t[emjeiabo, 
Tam  karum  c^uod  eril,  ceu  poudo  decem  milii  quis  det. 
Nemo  mihi  rapit  id,    inimicaturve  nec   odit, 
Propler  id  et  latro  me  non  occidet  iu  arto. 
In  camera  regis  census   decet  ut  sit  opimus, 
445     Pauper  homo  sat  habet,  si  vi  valel  arteque  pollet. 


RUODLIEB     fragm.  III.  155 

ISon   volo  pecciiniam  ,    silio  gustare  sophiani.' 
■  IIoc  rex  audito :   'niecuru',  surgens  ait ,    'ito.' 
lu    peuelralque  pedaul  luilluui  secumque  siuebanl. 
Rex  residens  pro  se  tiuic  exule  staute  cliente 
450     Dixerat  iu  priniis:  'nuuc   audi  cordis  ab  iniis, 
Quae  tibi  praedico  ceu   vcrus  amicus  aniico  : 

1)  Non  tibi  sit  rufus   unquani  specialis  aniicus. 
Si  fil  is   iratus,  nou   cst  fidei  nienioratus; 
Nam  vehemens  dira  sibi  stal  durabilis  ira. 

455     Tani  bonus  liaut  fuerit,  aliqua  fraus  quiu  in  eo  sit, 
Quani  vitare  uequis,  quin  ex  hac  conimaculcris; 
Nam  tangendo  picem  vix  expurgarls  ad  ungucni.  — 

2)  Quanivis  coeuosa   j)er  villam   sit  via  liila, 
Nuniquam  devilcs  callcm ,  quo  per  sala  pcrgas, 

460     Ne  male  tracteris  careasque  luis  ibi  freuis 

Correptus  pcr  quem  responsum  daudo  superbum.  — 

3)  Quo  videas,  juvenem  quod  habet  senior  mulierem, 
Ilospitium   tribui  tibi   nou  poscas  iteranti; 

lu  le  nam   magnam   facis  iusous   suspiciouem. 
465     Hic  timet,  haec  spcral,  fors  intcr  eos  ita  vcrsat. 
Ast  ubi  vir  viduam  juveuis  leneal  velerauam, 
Hospitium  poscc;  non  hic  timet,  hacc  nec  amat  te, 
Tu[que]  ibi  secure  dormis  sine  suspicione.  — 

4)  Poscit  ad  occandum  si  te  couclvis  agellum  fy|.  iGb. 
470     Ut  praesletur  equa  geuerandi  tempore    focta, 

Noli  praestare,   ni  vis   hanc  degenerarc, 

Nam  perdet   pullum  si  planificabit  agellum.    — 

5)  Nou   libi  tam  karus  sit  contribulis   tuus  ullus, 
Quatiuus  huuc  saepe  soleas  visendo  gravare, 

475     Plusque  solet  rarum  quam  continuum  fore  karum, 
Nam  cito  vilescit  homini  quodcumque  frequens  fit. — 

6)  Aucillam  proprlam   quamvis  uimium  speciosaui 
Non  velut  uxorem  facias  tibi  consotialem, 

Ne  contemuat  te  tibi  respondeudo  superbe, 


156  RUODLIEB    fiagm.  III. 

480     Neve  realur  se  domul  debere  praeesse, 
Si  pernoctabll,  ad  niensam  slve  sedebit. 
Tecum   manducans,  pernox  tecum  repausans 
Continuo  domina  cunctorum  vult  fore  summa. 
Talia  famosum  faciunt  iguominiosum.  — 

485  7)  Si  libet  uxorem  traducere  nobiliorem, 

Causa  karorum    generandorum  libcrorum, 
Tunc  cognoscibilem  conquire  tibi  niulierem, 
Et  uusquam  mater  tibi  ni  quo   consilietur, 
Quam  dum  quaesieris,  docet  omnimodis  ut  lionores, 

490     Tractes  clementer ,    illi  tamen   esto  magisler, 
Liligium  cum  te  ne  quod  praesumat  babere : 
]Nam  vilium  uuUum  majus  valet  esse  virorum, 
Quam  si  subjecli    sint    queis    debeut  dominari. 
Et  licet  in  cuuclis  bene  concordet  tibi  rebus, 

495     Numquam  velle  tuum  debes  sibi  paudere  tolum, 
A  te  correpta  si  post  pro  re  vitiosa 
Improperare  velit,  ut  nil  tibi  dicere  possit, 
Unde  pudor  vel  amor  inter  vos  quid  minuatur.  — 
foI.lTa.      8)  Nulla  repentina  libi  tam  gravis  mgruat  ira, 

500     Quin  pernoctare  vindictam  perpeliare, 

IMaxime  cum   dubia  res  est,  non  ut  tibi  dicta, 
Forsan  cras  gaudes,  auiml  quod  frena  tenebas. — 
9)  Nunquam  cum  domino  tibi  lis  sit  slve  magistro; 
Namque  poteslate,  si  non  juste,  superant  te. 

505     Nec  quid   eis  praestes,  veraciter  Id   quia  pei^des. 
Cum  rogat  ut  praestes,  est  tunc  melius,  sibl  quo  des ; 
Inveniet  culpam   quia  tantundem   tibi  per  quam 
Tollat,  utrumque  perlt,  nec  grates  nec  bona  reddet. 
Grates,  dlcet,  habe,  cum  despoliaberis  a  se, 

510     Tunc  luclinabis,  dominum  laudans,  quod  abibls 
Sanus  cum  vita,    nihili    pensaus  lua  damna.  — 
10)  Et  numquam  sit  Iter  quoquam  tibi  tam  properanter, 
Ut  praetermittas,   quln,,  ecclesias  ubi  cernas. 


R  U  O  D  L I E  B     fragm.  III.  157 


Sanctis  commillas  illis  te,  vel  benedlcas.' 
515     Sic  iibi  pulsetur ,  aut  si  quo  niissa  canalur, 

Descendas  ab   equo  cuirens  velocius  illo, 

Katlliolicae  paci   quo  possis  participari. 

Hoc  iter  Iiaiil  longat,    penitus    tibi  quin  breviabit 

Tutius  ct  vadis,   hosleni   minus  alque  timebis.  — 
520  1 1)  Abnuilo  nunjquam,   si  te  cogens  liomo  quisc|uani 

Oret  amore  pii  jejunia  frangere  Cliristi, 

Non  ea  nam  frangis,  sua  sed  mandata  replebis. — 
12)  Si  tibi  sint  segetes  prope  plateas  generales, 

Non  facias  fossas ,  progressus  ulleriores 
525     In  sata  ne  fiant,  nam  fossas  circueundo 

Strala   fit  ulrimque  per   siccum  gente  meante; 

Si   non  fodisses,  damnum  minus  liinc  liabuisses.'  — 

Dum  rex  conticuit  sapientia  verbaque  faiit,  fol.  17b. 

Ambo  prodibant,  rex  inque  tlirono  residebat, 
530     Et  laudat  cunctis  virtutem  militis  ejus. 

Econtra  murmur  laudantum  multij^licalur. 

Qui  grates  regi  populo  referebat  et  omni. 

Rex  ait :   'ito  domum  cunctorum  plenus  lionorum, 

Atque  vide  matrem  totamque  tuam   pariter  rem, 
535     Si  potes  in  patria  tamen  esse  tua  velut  ista, 

Solvere  sique  velint  domini  quae  poUicili  sunt. 

Qui  si  fallant  te ,  decet  nt  fallantur  el  a  te, 

Nec   famuleris  eis  totiens    dflusus  ab   illis. 

Nulli  servito  parco  nimis  aut  inhonesto. 
540     Si  tibi  contingat,  animus  tuus  unde  vacillet, 

Taedeat  ut  patriae  propriae  te ,  si  repelis  me, 

Ejusdem  velle  conlra  te  repperies  me, 

Quo  nunc  te  lincpio  :    dubium  non  hujus  habeto.' 

Post  nuerat  digito  prae  se  stanti  paranympho, 
545     Et  sibi  secretim  de  more  susurrat  in  aurem, 

Illuc  ut  peras   canierarius    afTerat  illas, 

In  quibus  hi  panes  fuerant  intus  locupletes, 


158  R  U  O  D  L  I E  B     ft  affm.  IIT. 


Polllne   perfusi  forls,  Iiilus  pecuniosi. 
Allalls   pei-is  rex  inquit :    'mi  bone ,  sodes, 

550     Hos  geniinos  panes,  nuniqunm  karissime,  frangap, 
Priniitus  ad   nialrem    venias  quam   lani  tibi  karam, 
Cuius  in   aspectu  solius   fi-angc   minoreni: 
Cum  sedeas  nuplum  cum  sponsa,  frange  secuiuluni. 
ITinc  et  dilectis  quantum  vls  detur  amicis, 

555     Ut  sapiant,  qualis   noster  soleat  fore  panis.' 
Atque  valedicens  rex  oscula  ter  sibi  figens, 
Cuni  gemitu  liquit.     INHles  lacrimando  recessit, 
Cumque  valedicunt,  sibi  flenles  oscula  figuut. 
Qucm  sequitur  cunclus  ad  equum  populus  gemebunduSj 
fol.isa.  560     Inde   recedenle  ,    solo  comitante  sodali, 

Scutifer,   entliecam   qui    vexit  eo  modicel[lani], 
Traxit  sagmarium  variis  opibus  oneralum. 
Inter  dilectos  fit  niagna  querela  sodales, 
Tam  breve  tunc  tenipus  quod  ovarent   alterut[rius], 

565     Nam   nou   ni  triduo  simul  ibant  sermocin[ando]. 
Ad  noclom  niediam   prolougant    sumere    coen[am]. 
Post  mensam  demptis  ambobus    calciamen[tis]. 
Poslquam  dormitum   decernunt  visere  lecl[um], 
Aversi  flebant  taciti ,  lacrimando  ge[mebant]. 

570     Ilt  puer ,  ille   magis  flet  se  quatiendo  soda[Hs], 
A  sibi    tam  fido  quod  disjungendus  aniic[o]. 
Nescit,  an  Iiunc  uniquajn  fuerit  visurus  In  [aevum]. 
Pervigil  insomnem  vellet  flens    ducere  uoct[em], 
Ni  citius  somnus   cor    moerens  opprimit  ejus. 

575     Cumque  diescebat,    ambo  simul  evlgilab[ant], 

Surgunt,  induerant  se ,  prandent  et  fa[lerant  se], 
Insimul  et  pergunt,  donec  confinia  cern[unt] 
Alterius  regui ,  qua  sunt  postremo  dire[mpti]. 
Exul  et,   ut  potuit  prae  fletu  vix,  sibi  dix[it]: 

580     'Kare,  meo  domiiio  de  vero   corde  ve[rendo] 
Dic,  precor,  oramen   vel  devotum  famula[nien] 


R  U  O  D  L  I  E  B     fragm.  III.  159 


Omnibus  alque  suis  nilhi  ceu  coi'  seniper  am[andis].' 
Basia  dum  sibl  dant  anibo   nimis  inti[mi  amici]; 
Alterutrinque  vale.  dlcebalur   sat   abun^^de]. 
585     Disceduiit  a  se  sic  in  sua    moeslus  u[tcrque]. 

Ulque  su.ie  palriae  jani  coopit  re[)ropi[are] 
Piufus  euni  vidif  ac  currcns  se  sibi  j[uugit,] 
Quando  salulavil  hunc  [quave  via  rogilavit] 
Ire  ve  quo  vellcl?    [n)I!es    ....    fcrebat] 

590     Sat  dedignanler,  respoiidcl  ei  saplenler: 

'[Est  viaj   communis,    quo    vullis,  pergere   quills.'  fol.lgb, 
[Rufus]   parabolas  iiicepll   dicere   niultas, 
[Quamvls  res]pousum  de    millle  non     capll  ullum. 
[Increscen]le    dle    cum   ferre  suam  nefpiit  in  se 

595      [Miles  tum   po]st  se  cajjpam  solet  ille  llgare. 

[Fiufus,  ut  ajcquirat   lianc,   tola  mente  volutat. 
[.     .     .  u]t  venlunt  ad  aquam  vel  equos  adaquabant, 
[Vertendo]   tergum   ceu    delergendo  caballimi 
LRufus  cor]rigiam   (urtim  rapit   indeque  cappam 

600     [Ilancque  s]ub  ascclla  tenet  nsque  recessit  ab  unda, 
[Exsilien]s    ab  equo  cilat  hanc  iutrudere  sacco 

arelur  jiost  hunc  velut  experiatur 

pedum   clavos  an   haberet  eoruni 

[.    .     .     .   accjurrit  et  adulando   sibi  dixit 

605     [.    .     .     no]nne,  bone ,   mihi  cernebaris  habere 

[Post  lergum  cajppam  miror  quod  non  video  quam.' 
.     .     .     .     dlxit:    'est  mirum  m[ihi],  sed  ubi  sit 
.     .     .     .     sub  aqua  quid  nescio  diffluitabat 
[.     .     ub]i  |)0lamu8,  ibi  forsan  perdideramus. 

610     [.     .     rev[erlamur,  hanc  si  reperire  queamus.' 
['Absit']  miles  ait,  simulans  sibi  ceu  nihili  sit. 

LVespere  tunc]  villae  coeperunt  appropiarc. 
Per  illam  pl]atea  vadit  sal  iata  lutosa 


160 


RUODLIEB     frasm.  III.  IV. 


615 


620 


.     ffiio   qnlvis  valel  lils  exire  lacunis 
tranjslre  via  prope    sepeni    tani  lutulenla 
.     dans  posset  [ui  pons]  arlissinnis  esset 

t  lenipiando  sepeniqne  nianu  retinendo 
.     tarct  [in  coenuni  nani]   cecidisset 

tus  e  cainpo  per  sata  trilus 
calleni  Piufus    suadebat    eundem 
illuvie  coeni  non  posse  niearc 
.     ullani  tam  cauosam  vel  aquosam 


IV. 

fol.  19^.  Aostliac  cimi  peccas ,  ndceas  cui,  n[on  maledlcas], 

Est  quia  valde  grave   duplex   [damnum 
Perderequemque  suum  superhocquepalimaledlctum.' 
E  reglone  mluas  Rufus  satls  eglt  iuanes, 
5       Noa  pernoclarl  dicens  quam  sint  mutilati 

.     .     .     .     os  qula  vult     .     .     .     dere     .... 
INIIIes  subrlslt,  slbi  quld  pejus  fore  nam  scit. 

Ad  villam   propiant  ubl  pernoctare  volebant. 

Sol  petit  oceanum  monet  hospillumque  pelen^dum]. 

10     Rufus  pastorem  vocat  unum  conveuiend[um], 
IUuc  qul  veult,  quem  Rufus  mox  rogitavlt : 
*Dic  vicinorum  mihi  uomina  praecipiiorum, 
Est   hlc  c[uls  dlves,  uoslri  fore   qul"  queat  hospes?' 
Paslor  alt:   'multi  sunt  hic,  quos  ik)u  stupellerfl] 

15     Sat  scio,  si  ceutum  scutis  comes  appetat  [unumj, 
Quln  his  servlre  posslnt  omni   sub  honore. 
Esset  homo  pauper,  uequeat  qui  sufficienter 
Vobls  servire,  veslros  et  eqiios  stabulare. 
Multi  sint  solili  llcet  hospitlbus   fanniLlari], 

20     Inter  eos  omnes  non  suscipit  advenienles 


RUODLIEB    fragm.  IV.  161 

Tam  bene  ceu  juvenis,  vel  uti  vetus  [uxor  ejus]. 
Rufus  ait:   'viduam  quid  habet  juvenis  veteranam? 
Vir  vetus  uxorem  deberet  habere  veternam.' 
Pastor  ait :  'nusquam  melius  nupsisset  ad  [ullam]. 

25     Pauper  erat  nimium,  prius  is  quam  duxerat  [islam]. 
Nunc  dominatur  ei ,  servivil  cui  [prius  ipsi,] 
[Ac]   vehiti  dignus,  est  nam  pius  atque  benignus. 
Gratia  sitque  deo,  qui  sic  niiseretur  e[geno].' 
Tunc  dixit  miles:  ^quae  te  rogo,  dic  mihi,  sodes, 

30     QiJ^lif^r  acciderit,   inopi  locuples  [muh'er  sit?] 

.     .     .s  domine,  dic  audieris  mihi ,  nonne  ful.  I9b 

[Omnis  ovi]s  cupide  vas  Hngit  saUs  amore 


'[Quem]  prius    [haec]  habuit  secum  laetissime  vixit 

35 parciis  rarissime    laetus 

vide jocantem 

.     .     porcorum  vel  apum  fuerlt  vel  equorum 
.     .     numerum  nescit  quantum  cujusque  sibi  sit. 
[Neve]  tamen  carnis  propriae  saturatur  utervis, 

40     [Cas]eolos  comedunt  duros  serumque  biberunt, 

Quicquid  habent,  vendunt,pretium  cauteque  recondunt. 
[Tunc]  is  huc  veniens  juvenis  nudus  vel  egenus 
-[Curr]it  ad  hunc ,  primo  panem  mendicat  ab  illo. 
[Qui]  eibi  buccellam  sigalinam  vix  dedit  unam 

45     [Hi]c  dum  suscepit,  reverenter  stabat  et  edit. 
Mensa  sublata  properat   sustollere  vasa, 
[Ne  in]ingat  catta  caluhisve  coinquinet  illa, 
[Sed]ulus  ac  lavit,   post  in  toreuma  reponit. 
[Cocl]ear  in  disco  curat  servare   magistro, 

50     [Ut]    sibi  praeponat,  cum  praudit  quandove  coenet, 
[App]osito  cullro  cum  saleve  cum  cocleari, 
[Si  be]ue  conditum  quid  non  sit ,  condiat  hinc  id, 
.     .     sil  holus   seu  sorbicium  seu  quidque  ciborum. 
[Haec]  notat  in  corde  senior,  si  uon  ait  ore. 

11 


162  RUODLIEB     Iragm.  IV. 

55     [Nil]  praetennisit  jiivenis  (juod  opns  foie   \i(lil. 
[Bov]es  sicut  dves  udaquat ,   ])orcosve  capellas. 
[Apjporlal  fccnuni  quibus  aunonal  j)ai'afredis. 
[Onine]  fecit  sponle  sibi  neinine  praecij)ienle. 
[Si  quidj  alius  eiat  oj)us,  id  studiosius  egit. 

60     [Et  cuni]   j)er  triduuni   niansisset  sic  apud  illuin, 
Is    n]isi  buccellam  sibi  nil  dedit  ad   coniedendum 
i"u!.i203.  Cumcjue  diutius  esuriem  sulFerre  nequiret, 

Inclinabat  ei  cuj)iens  alio  j)]'oflcisci. 
llle  sibi  dixit ,  hunc  cum  secedere  vidil: 

65     Nunc  Lic  esto  dies  binos  tantununodo  vel  Ires, 
Alterutrum  nostros  mores  donec  videamus. 
Conseuslt  juvenis,  niox  augelur  sibi  j)auis, 
Quadrans  mane  datur  sibi ,  sero  dabatur  et  aller. 
Inlerea  rogat  huuc,    si  quam  cognoverit  arlem? 

70     '•'Artem  ,    quanx  j)ossem  cognoscere ,    dic ,  ineliorem, 
Ouanr  quod  uosco  cibos  lautos  conGngere  pl[ures] 
Yilibus   ex  causis,  ex  lierbis  sive  farinis, 
Ad   quae   nil  uisi  lac  posco  modicumve  sagi[men] 
Et  tantum  salis,  delur  irt  dulcedo  sapori. 

75     Est  aliud,  domiiie ,  nobis  omnino  necesse, 
Quod   non  irasci  debes  de  me  libi   dici." 
*Dic,'  ait ,  'id  quid  sit,  non  irascor.'     Puerinquit: 
*'Eu  vehit  es,  cunclis  dives  satis  esse  videris, 
Et  tuus  est  panis  solaminis  omnis  iuanis, 

80     Furfuribus  pleuus,  fuscus,  lolio  vel  amarus. 
Si  praesentare  mihi  vis  cujusque  farinae 
Vel  modium  vel  diinidium   [ad]  panes  faciendum, 
Tot  bene    cribratos  praesentabo  tibi  paues, 
Semine  condilos  apii  vel  sale  respersos, 

85     Et uras  aliquas  lardo  superunclas, 

Atque  coronellas     ....     uti  nienchns. 
Haec  facieus  merum     .     .     .     libi 
Quicquid  et  ex  cribr 


R  U  O  D  L  I  B  B     fiagm.  IV.  m 

Arqiie  tiiis  piiUis  dabo   sive  strepentibus  [aucis] 
90       In  pueros  panem  si  fiegero  dislribuendum, 

Non  ita ut  eis  lenis  videaris 

Haec  faciendo  donuini  totani   tibi  proniptificabo 

.     .     .     cuncta  praesens  sla  nitere   furca."  rol.20i> 

'[Esset  quod]  juvenis  niulhini  sapiens,  bonio  cernens, 
95        [Janique   rege]iida  sua  cominisit  ei   bona  cuiicln, 

[Res  ut  pro]videat  pueros(jue  suos ,    uti  vellet. 

[Tali  caujtela  facit  hoc,  lali  quo([ue  cura, 

[Ut  domijno  nil  deficeret  nullive  suorum. 

[Ultra  prae]bendani  sibi  nil  tulit  ille  statutam  , 
100     [Ipse  l]aborabat,  quo  se  ves'ire  valeret, 

[Ac  fam]ulando  fide  domiuo  suninia,  sine  fraude 

[Tenipus]  nescio  quod.  Postbacc  morilur  scelus  iiliid. 

[Sordidio]r  nemo  vixit  vel  amarior  illo. 

[A  paucis]   llelur  propriorum ,  dum  tumulatur. 
105     [Quis   dubit]at  vidua  iuveiii  tunc  fiat  amica. 

[Protijnus  sed  ad   ecclesiain  simul  ire  videmus, 

[Ad  niejnsam  resident  simul,  ad  lectum  simul  ibunt. 

[llleque]  jam  dominam  vocat  lianc,  ast  luinc  ea  ualum. 

Mox   famuli,   famulae  patrem  suescunt  vocitare, 
110     [IUe  su]os  liberos  econtra   noininat  illos. 

[Nunquam]    majoreiii  nos  cernebanuis  aniorem, 

[Nec]  conteclales  sibi   tam  bene  convenieiites. 

[Janua] ,  quae  viduis  prius  est  et  clausa   pupillis, 

[Hdec  nimc]  divitibus  semper  patet  atque  misellis. 
115     [Illic]  hospitium,  si  vullis,  babebilis  aplum; 

[Est  et]  in  ingressu  villae  grandis  donnis  horurn.' 

\_  L  unc  a]it  et  Rufus  vanus  nimiumque  superbus : 
'[Est  vet]us  hic  aliquis,  cui  sit  pulcherrimaconjunx?' 
llle  ai]l:  'est  senior,  multum  bona  cui  fuit  uxor; 
120  [Proh  djolor,  ah  moriiur.  Is  nupsit  denuo  nuper 
Et  duxit  juvenenj  stultam  nimiumque  procacem. 

11  * 


164  RUODLIEB     fragm.  IV.  V. 


[Censens]   pro  nihilo  conteninit  eum  ,  niale  crebro 
[Cum  moechis]  stultis  ludens  inhonestius  illis. 


V. 

fol.2l3. 1        Jranes  ille  secat  et  in  illos  distribuebat, 

Caruis  de   seuis  discis  quod  et  decidit  illis. 
His  consolatis  laetis  ad  donia  reversis 
Hospes  item  dixit:  'cum  Christus  quem  niihi  mittit, 

5       Tunc  est  pascha  meum  nilhi  velque  meis  celebratum, 
Sicut  in  hac  nocte,  dum  laetificabimur  a  te. 
Est  niihi  quod  veuit  de  te ,  deus  ut  mihi  mittat.' 
Cui   niox  de  scapula  partem    mittit  quoque  sura, 
In  phires  ofFas  quam  concidendo  minutas 

10     Pro  sacramentis  pueros  partitur  in  omnes. 
Post  haec   sat  cocti  domiuo,  sat  ponitur  assi, 
Potus  at  in  patera  summi  tuberis  nucerina 
Praecipui  vini  piperati  sive  medonis, 
In  qua  bis  bina  sunt  aurea  flumina  sculpta; 

15     Dextra  dei  fundo  paterae  confixa  stat  imo, 

Quam,  dum  pernoctat  ibi,  quidam  summus  ei    dat. 
Numquam  gustavit  tamen  ex  hac",  ni  sibi  mittit 
Cui  servitur  in  hac,  iu  opus  servalur  at  istud. 
Finita  cceua,  poslquam  que  datur  sibi  lympha, 

20     Fertur  ei  vinum,   de  quo  bibit  et  slbi  misit, 
Qui  dederat  dominae  prius ,  et  post  ebibit  ipse. 
De  mensa  surgit  niiles  modicumque  [resedilj, 
Sicque  jacens  tractat  ,    liominem  qui  gratificar[at]. 
Tandem  matronae  dederat  sua  pallia  prompte, 

25     Possit  ut  ecclesiam  sic  compta  revisere  sanctam. 

Interea  Rufus  quid  agat  non  praetereamus. 


RUODLIEB     fragm.  V.  165 

Miles  iit  intravlt,    iibi  tot  bona  repperiebat, 

Rufus,  cur  subeat,  vetus  est  ubi  simia?   dixit. 

Miles  ait:  'velles  mecum'  post  forsan  ovares. 
30     'Quod  volui  reperi,  sed  quod  tu  quaeris  habebis.' 

Asstantes  mulli  Rufo  suut  consiliati, 

Deserat  haut  comitem 

[Ast  dedig]nanter  discessit  ab    hoc   properanter,      fol.21b. 

[Jam  praeler]    neptem  nil  naclurus  nisi  mortem. 
35     [Irruit  in]  portam  senioris  sepe  seratam. 

[Is  stetit  in]  curte,  liberique  sui  duo  prae  se, 

[Tunc  Rufus]  pulsat  qualiens  portam  nimis  inquit: 
.     ,     .     aperi,    vel  me  praelinquere  noli.' 

[Cumque  senex]  *quis  sit  per  sepem  prospice,'  dixit, 
40     ['Jam  ven]it  el  franglt  portam,'  currens  puer  inquit, 

Rufus  ait:  'pande,  rogilas  quasi  nescieris  me.' 

[Tunc  sunt  i]rali  juvenes  nimis   hinc  slomachati. 

.     .     .     .     endo  niali  iubet  illi  tunc  aperiri. 

[Rufus  pro]terve,   nimis  incursando  superbe 
45     [De  capitej  niitram  non  deponebat ,    et  ensem, 

[Desilijens  ab   equo,  freni  loro  sude  jacto, 

[Stringens],    insanus  prae  se  stetit  utque  profaiuis. 
^:     Sed  Rufus  tandem  rediens  ait  ad  seniorem  : 

*[Si  vos  n]oscatis  me  miror,  quod  reticetis.' 
50     '[Nescio  quijs  sitis,'  ait  is,  'stuUe  satis  itis ,' 

'[Nescio  quijs  sitis  ,  uunc  uobis  quidve  velitis. 

'[Est  uxor  vest]ra  mea  neptis  valde  propinqua 

Hanc  ut  conveniam  solus  permittite  solam.'; 

'[Permitto] ,  facite,'  jubet  lianc  ad  eumque  venire. 
55     [Quam ,  simulac  vi]dit,  ardens  in  corde  cupivit, 

[Gauden]s  arrisit,  ea  congaudens  sibi  risit. 

.     .     .     lun  genitor  tibi  mandat  vel  tua  maler 

.     .     .     solus   ubivis  et  quicquid  alius.' 

[Isti  ambo]  tunc  slanl  ad  sepem  seque  recHnant. 
60     Rufus  ait:  'primo  quae  dico,  corde  notato, 


166  RUODLIRB     JVaKm.  V 


[Noslrmn  col]loqulum  nam  non  debel  fore  longuni, 
Non  fle ,  non  ride,  le  conlineas  scriose, 
[Ni  velijs  iile  canis  sapiat  nostram  rationem, 
[Si  mihi]    consentis,  ab  co  cilius  redimeris. 

65     [Est  liic  najm  juvenis,  salur   omnigeiiae  probitalis, 
[Haut  b]revis  haul  longus,    sed  staturae  mediocris. 
tol.  22i.         Est  similagineus  lolus  ac  genis  rubicundus, 
In  toto  mundo  non  est  speciosior  illo, 
Qul  dum  rescisset ,  tu  quam  speciosa  fuisses, 

70     Et  quas  aeruinnas  patereris  cottidianas, 

Corde  tenus  doluit,   gemobundus  vel  mihi   dixit : 
"Umquam  si  fueris   milii  fidus  ,   kare  sodalis, 
Ito ,  dic  illi  mulieri  martirizatae, 
Si  velit,  ut  redimam  se,   vel  de  carcere  tollam, 

75     Audierit  gracilem  cras  quando  lubam   reboanteni, 
Ut  dicens  uulli  sibi  tam  fidae  mulieri 
Exeat  e   curle,   platea  slans  inopino, 
Donec  accuiTam  cum  pluribus  hanc  rapiendam. 
Posthac  haec  liera  sit,  agat  et  sibi  quodque  placcljil." 

80     Nunc  sibi  demanda  quod  vis  ,  nej)lis  mea  cara.' 
Discipiinate   stans  hoc  aiulivit  ut   omne, 
Interius  gaudens ,  tamen   inquit  ci  quasi  moerens: 
'Cuncla  libens  facio  ,   sis   cerlior,  atque  fidem   do.' 
Accepta   dexlra  Rufus    dubitans    nihil  ullra : 

85     'Ter  mihi  succumbas  in  mercedem,  volo  laudes.' 
'Si  decies  possis  ,   fac ,'  inquit,'  'vel   quoliens  vis.' 
'Sicut   abire  velim,   facio ,   quod  tu   proliibelo.' 
Adque  senem   rediil  'mihi   jjraecipiloteque'  dixil. 
lile  libens    faceret,  si  prae  muliere  valeret. 

90     Illa  rogat  mullum ,   discedere  ne  sinat  illum. 

'Si  velil,  liic  maneal,  quod  nobis  sit,  sibiiuel  sil.' 


I)ei  83  stelit  R(«fiis) ,    hei  86  N(e|)tis)  .  Ijei  87  R^ijfiis),    den 
wcolisel  (tes  gespiiiclis  zh  bezeicliiicn. 


RUODLIBB     fragm.  V.  167 

Duxerat  in  stabuhim  properanlius  il!a  caballuin; 
Non  ea  nec  Rufus  reminiscuntur  magis  ejus, 
Manducet,  si  quid  ibi  graniiiiis  Is  reperisset. 

9,5       Infrantemque  domuni  noptis  bene  suscipit  il!um, 
Insimul  assidunt  sat  sermocinandoque   ludunt, 
Insertos  slringunt  digilos  ,    sibi  basia  ligunt. 
ingredilur  senior,    quo  non   seriosior  allor,  lbl.22'\ 

Hispidus  in   facie,    polerat  cjuod  nemo   videre, 

100     Ejus  quid  vullus   fuerat,    (piia  valde  pilosus, 
Ni  solus  nasus   curviis  fuit  et  varicosus. 
Stant  oculi  gemiiii  velut  elFossi  teuebrosi, 
Hosque  relorlorum  superunibrat  silva  pllorum; 
Neve  foramen   ubi  sit  iu  os ,    quit  quis([ue  videre, 

105     Sic  se  barbicia  praetendunl  longave  spissa. 
Ille  pararo  lamcn  pueros  jussit  sat  edendum. 
Istorum  nimiiis  cum  displicuit  sibi  liidus, 
Inter  eos  residct  ,  natibus   disjunxit  et  ipsos, 
i\d  modicum   roticsnl  [sej  inlersessosque  dolcbant. 

110     Prae  se  curvando  faiilur  per  plura  jocando. 
Cum  perlaedel)at  ,  mcnsam   velare  jubebal, 
Dixit  et   uxori:   •salis  e?t ,  jam   paice   pudori. 
Non   debet  mulier  sic  essc   procax    neque    sed   vir, 
Et  praesenle  viro  hulat  decet  liaut  alieno. 

115     Sic  dicens  surgit  ad   laliinain   veliit  iret, 
Ilespiciebat  eo  terebelli  percjue   foramen. 
Rufus  et  in  solium  salit  infeiiciter  ipsum. 
Una  manus  mammas   traclabat  et  altora  gambas, 
Quod  celabat  ea ,  super  expandendo,    crusenna. 

120     Hoc  lotum  ceu  fur  rimans  senior  speculatur. 

Quando  redit,  sibi  nou  cedit,  nam  nou  ea  sivit. 
Tuncque    sedens    solio  nimis  indignando  supremo, 


J06     liir  jussit  sat  friilier  praecepil. 
115     fiir  latriiiaiu  staiid  friiher  secretuni. 


168  RUODLIBB     fragm.  V.  VI. 

Saepe  monet  donunau),  qiio  iiraecipiat  darecoenam; 
Quae  subsanuando  coenam  difFert  joculando. 
125     Is  rogitat,  'ccena,'  pueros,  'essetne  parata?' 

'Quam  cito  YOS  vultis,'    dicunt,    'coenare  valelis.' 
*Nunc  liera  coenenuis,  requiescendunique  meemus 
Pauset  et  est  tempus  ut  vester  karus  araicus, 
Satque  fatigastis  huuc,  nunc  pausare  sinalis.' 


VI. 

iol.23a.  1        Venlt  is*)  atquefidem  sibi'''*)  vultpraediceresanclam, 
Non  valet  is,  'credo'  gemebundus  ait;  nisi  crebro 
Poeniteat,  vel  eum  rogilat ,   mala  quae  faciebat  ? 
Nutibus    et  verbis  se  poenituisse  docebat. 
5       Per  domini  corpus  fil  ab   omni   crimine  mundus. 
Exlialans  animam  domino  commiserat  illam 
Dicens:  'Chrisle  pie  mihi  valde  reo  miserere, 
His  et  dimitte ,   mihi    vlvere  qui  rapuere, 
Inspiresque  meis,  ut  idem  faciant,  rogo  ,  natis.' 
10     Sic  dicens  siluit,  cito  post  haec  vivere  clausit. 

Aurorante   dle  popuhis    convenit  ubique, 
Ante  fit  ecclesiam  muhus  conventus  et  ipsam 
Et  vicinorum  majorum  sive  minorum. 
Rector  eo  venit,    scehis  ut  miserabile  rescit. 

15     TJtque  resederunt  ibi  quos  residere  decebat, 

*Hic,'  ait,  'est,'  rector ,  'miserabihs  utique  rumor, 
Quod  sil  perciissus  quo  non  meHor  fuit  ullus.' 
Flentes  dicebant  omnes ,  ibi  qui  residebant: 
'Ulciscatur,  ni  rescimus  par  iterari.' 

20     Misit  post  liberos,  posl  mordritas  slmul  ipsos. 


')  der  priester.  '^*^)  dem  sterbenden  alteii. 


R  D  O  D  L  I E  B     IVagm.  VI.  1 69 

Qui  dum  venerunt,    corani  rectore  sleteruuf, 

Rufus  rldendo,  terram  rea  consplclendo. 

Rector,  dum  vldit,  quod  rlsit,  'pessime',    dixit, 

'Rides,  cum  cunclos  liic,  flentes    cum  videas  nos. 
25     Qmd  succensebas,  quod  eutn  sic  marlirizabas  ?' 

Rufus  ait  :   'dentes  mlhl  dempserat  anterlores 

Ob    nullam  causam,  nisi  quod  sedi  prope   neplini.' 

Dixlt  et :   'ancilla  tua  neptls  si    fuit  illa, 

Cur  hanc    stuprabas ,  scelerl  scelus  adiciebas  ?' 
30     Rufus  alt:    'cur  me  [mulier]   attraxerat   ad  se? 

[Cur nl  peteret  me].' 

Quae  tantum  llevlt,   rivus   lacrimis  Ibi  quod  lit.       fol.23h. 

Ex  oculls  sanguls  posthaec  fluxit  sibi  grandis. 

Poslquam  convaluil,  quod  quid  farl  valet,   Inquil : 
35     *0  iiimls  Infide,  cur  sic   mentire  super  me? 

Exemplarls  Adam,  qul  culpam  verlit    In  Evam. 

Non  post  te  misl,  non  te  prius ,    impie,   vldi. 

Me  cum  promissis  mendosis  decipiebas. 

Non  ego   defendo  quod  feci,  sed  mage  damno 
40     Quod  tu  feclstl,  me  conslliante  patrastl. 

Non  ego ,  confiteor,  ulcisci  me  super  opto. 

Judlcium,    reclor,    fierl  dllTerlo  parumper, 

Donec  accusem  memet,    donec  quoque  daniiiem. 

En,  mea  judex  sto,    quia  valde  libens  tolerabo. 
45      Si  me  suspendi  vullis  super  arbore  grandi, 

Radile   caesaiiem,  iii   longam    plectite  funcm, 

Stranguler  ut  per   eam,  per  quam  rea  saepe  fiebam. 

Sed  rogo  ,  post  Iriduum  corpus   tollatis  ut  ipsum 

Et  comburatis,    in  aquam  cinerem  jaclatis, 
50     Ne  jubar  abscondat  sol  aut    aer  neget   imbrem, 

Ne  per  me  grando  dlcatur  laedere    miiudo. 

Inclusain  vase  vultis  submergere  sl  me, 

Deforis  in   vase ,  quod   feci,   notificate, 

Inveniant  qui  me,  ne  praesumaut  sepelire; 


170  RUODLIEB    iracrm.  M.  ' 


55     Tanlum    vas    riimpant,     iii  aquam  vel  reiciaiit  iiie 
Pisclbiis  iit    ciluis    vorer  aiit  diris  cocodrillis. 
Vijllis  in  ignitiun  famosam  trudere  furnum, 
Ingrediar  sponte,    quo  nou    creiner  igne  gehennae. 
Ut  caream  vila,  si  vultis,  inersa  cioaca, 
60     Sum  nimis  iininunda,    tali  dignissima  poeiia. 
Incidero  prompte  quia  tali  gaudeo  fine, 
Tartareus  foetor  mihi  post  ne  perpetuetur. 
Qnicquid  supplicii  [reperitis  adliuc  gravioris^, 
Onine   libciis    paliar,    iiuilto   inajora   inerebar.' 
fol  24a.  65     Qiiae  duni   coMlicuit,  reclor    miserans   ita   dixit  : 

•Judicat  haec  semet,  vos  dicile,    »i  sat  in    hoc  sil:" 
Oinnes  ploranles,    nimium  sibi   compatienles 
Dicunt:  "non  opus  est,  rector  rogilet  super  hoc  plus.' 
Dicunt  causidici:     'vilam   decerninuis  illi 
'70      Donari  tantum,  si  poeniteat  male  factum.' 
Ejus  privigni  mausuefacti  velut  agni 
Volvuntur  pedibus    rectoris   daiido  precalus, 
Ut  vitam,    veniam  sibi  concedalque  salutem, 
Esse  domus  dominam,  velut  ante  fuit,  siuat  illain. 
75     Quod  dum  promisit  clemeuter,   id  illa  recusat: 

'A  modo  non  dominam  ,  sed   me  dicant  homicidani, 
Vivere  si  vullis  me ,  istud   tamen  ,  oro  ,  salutis 
Ut  mihi  tollatis  ,   quo  me  noii    deljiiitalis. 
JNares  truiicate,    quidquid    sit  et  oris  utrimquc, 
80     Ut  stent  horribiles  omni  sine   tegmine  dentes, 
Ut  nullum  libeat,  posthac  mihi  basia  cjuo  det, 
In   crucis   atque  modum   me  coniburalis     in  allum 
Fer  geminas  buccas  rosa    ceu  lenus  hac  rulilantes, 
iSovei-it  ut  quisquam  propter  scelus  hoc  niihi  factuui, 
85     Et  dicat  :    tibi  vae,  meruisli  lale  (juid  in   tel* 


57    die  liaii(i»cIiriFt  fuiiiosaiii. 

77    'lie  liandsclirift  hat  :    sed  tanieii. 


R  U  O  D  L  I  E  B     li  agm.  VI.  171 

Ne  grandis  ciilpa  peuilus  ine  sic  slel  imilfa.' 
Tunc  rector  liberis  liunc   commisit   senioris, 
IVIater  et  ut  domina  sit  eis,  nec,  ut  ante,  novcrca. 
Quae  vestes  pulchras,  ornalus  abicit  omnes, 

90     Induitur  tunica  velut  ex  fuligine  tincla. 
Caesariem  rasit,  liinc  resliculos  ea  pleclit, 
Cum   quibiis  el  teneras  cofislrinxerat  illa  njaniillas, 
Restes  \i  mordent  carnes,  donec   putrefiunl. 
Tegmen  pannosum  caput  omne    legebat   el  ipsum  ; 

9.')     Sic  nil  xii  nares  oculi  cerniintur  et  ejus.^ 

Psallerium   discii,   animae  senis  idque    cauebal. 
Non   manducahal,    iiisi  sleilnm   (juando    debat  fi'l-24  , 

Tunc  siccum  paiiem    comedens,  alrum,  cinerosuin, 
V[cl  bi]bit    ex  limpha     tanlnm  coclearia  leriia. 

100  Ambulat  haec  pedibus  iiudis    per  frigiis    et  ae&lus, 
Dormit  et  in  leclo  niliilo  jialea  nisi  slralo, 
Et  pro  plumacio    posito  lanlummodo  ligno. 
Ante  diem  surgit  scnis  ad  tumulum   veniavif, 
Donec  sudavit ,  donec  plus  slare  nequi\il. 

105  Tunc  ruit  in   faciem,    dum  fonlem  llens    ibi  fecil. 
Ningeret  aut  plueret,  seu   sol   lorrondo  cremaret, 
Venit  ad  ecclesiam ,  mox  ut  pulsalur,  ad  ij)sani, 
}'A   non  inde  redit ,    dum  circuiiiqua((ue  diescif. 
Ad   breve  tiinc   rediit ,  donec  faciein   sibi  lavit, 

110  I*resbiler  ad   missam  vel    pulsabat  cclebrandani. 
Tunc  rediit,   nonain   post  haec  ibi  maiisit  ad  horam. 
Nilque  polestatis  sibi  vendicat,    lianc  sinit  illis. 
Quod  sibidant,  habuit,  quod  non  dant,  uon  eaquaerit. 
llaec  uunquam  risit,  cum   nemiiie  poslea  lusit. 

115  Cum   rident   alii,   llelus  dulcis  luit   illi. 
Haiic  iiascentem,  rixantem,  luxuriantem 
Ncmo   videbat  eam,  dum  vitam   deseril    islam. 


ll! 


a  commissa  nalis  ab  eisque  recepla 


172  RUODLIEB     fragm.  VI.  VII. 

Rector  ait  populo :  'quid  agamus,  diclte  ,    Rufo, 
120    Quiscelushocgemimim  patratinternosgemebunduni?' 
Rufus  judicii  certus  necis  'obsecro'  dixit, 
Hic  liabeo  comitem,  prius  huuc  curate  vocandum. 
Quam   quid    in   his  culpis  ulciscendum  rogitetis, 
Qui,   cujus  generis  sim,  qnit  sat  dicere  vobis.' 
125     Mittere  dum  post  hunc  ejus  cupidi  voluerunt, 

Militls    hospes  ait:    'quem  vos  vuhis  cltus  asstat. 
Hac  mecum  nocle  mansit,  quod  non  fuil  iste.* 
Quem  dun»  perduxit,   stanleni  rector  rogitavit: 
'Dic ,  niiles  sumnie,  socius  tuus  iste  vir  est   nei" 


VII. 

fol.25i«.  V"^ 

Farcere  quae  nesclt  pariter  cunctos  do 

Femina,   quae  hinae   par  est    in   flore    juv[entae], 

Par  vetulae  simiae  fit  post  aetate  senectae, 
5       Rugis  sulcata  frons ,  quae  fuit    antea  plana, 

Ante  cohnnbinl  slbi  stant    oculi  [vitulluij ; 

Deguttat  nasus  sordes  nlmium    muculentus. 

Dependent   buccae  quondam  pinguedine  [teusae]. 

Dentes   oblongi    nioti  stant  ut   ruituri, 
10     Per  quos  llngua  foras  pellit  locitura  fa^bellas], 

Et  verbum  profert,    plenum  ceu  poUinls  o[viun]. 

Os  et  rlslbile  ,  quod    plures  alHcit  In   se, 

Stat  seniper  patuhim  ,  popuhun  terrere,  vel  [antrum]. 

Utque  recurvatum   resupinum  stat  sibi  [mentum]. 
15     Stat  collum  graclle  dephunatae  quasi  p[icae], 

Extantes  mammae,  jam  ceu  trochi  tuberosae, 

Molles  ut  fungi  succi   pendent    vacuatl. 

Et  prius  usque   nates    slbi    crlnes  aurIcolore[s] 

Pendent  discretlm  dorsum   vohindo  pil[osumJ, 
20     Extant  horribiles   terrentes  inspicientes 


RUODLIEB    fragm.  VII. 


173 


Per  sepem  capiit  ut  annuatlm  sit  sibi  t[onsum]. 
Inclinata  caput  hunieris  extantibus  [it  nunc], 
Ut  tardus  vultur  ubi  scit  jacuisse  cadaver. 
Et  quae  discincta  consueverat  ire  juventa, 

25     Alle  succingil  tunicam,  ne  sordifica[rit] 

Calcatura  fabas  vel  ut  pultem    coquitu[ra]. 
Calciamenta  sua,   quae  jam  fuerant    nim[is  arcta], 
Cum  soccis  laxa,  liga  ceu,    slant,    ante  sup[erba], 
Sustollunt  luti  nimium  calcando  limo^si]. 

30     Et  graciles  digili,  quondam  pinguedine  pl[eni], 

Nunc  super   ossa  cutem  succo  vel    carne  carentem, 
Sordent  rugosis  nimis   ex  fuligine    nodis, 
Unguibus  incisis ,  longis,    squalore  nigellis. 


35 


40 


45 


50 


Sic 


ilem  juvenem  senium  domat  ut  mulierem. 

8  sibi  celsior  est  ubi  tellus 
pon]at  quis  crus  eellam  super  ipsani 
m  suspendat  se  socialem 
n]ec    girans  si  sella  vacillet 
etum   fuerit  si  forte    jumentum 
duni  latum  saliens  super  amnem 
b]acuIo  sese  sustollere  crebro 
n  post  multa  levamina   tandem 
s  post  se  transit  tussi  quatiente 
eas  cernit  girare  choreas 
us  juvenis  fugitabit  amarus 

bunt  cuncli  vel  ei  maledicunt 
vel  in   his  juvenilis  ovabat 
idit  quid  cautent  aure  notabit 
vit  digitls  neumas   agitabit 
meros  huc   huc  vertens  hilarescens 

cunct]os  ad   sese  respicientes 
r]es  optant  rediisse  priores 
fieri  si  posset  eundem 


fol.  25i> 


174 


R  U  O  D  L  I  B  B     fra<rm.  VII.  VIII. 


5.^ 


60 


65 


70 


.     .     .     lel  cliim  sponie  iihens  obiisset 
do  suspirans  inlime   fleiulo 
.,     uni  dicens    saepissinie  seciim: 
'[Mors  liumanoruni]  finis  lu  sola   iiialurum 
[Cur  tam  serja  venis?    ciir  uon  me  carcere  solvis';' 
li  languore ,  doloro 
.     .     .     sti]  licet  id  sibi  vlvere  niors  sit 
.     .     .     jubet  deus,  ejus  spirllus  exit. 
.      .      .     nat  omne,  quodest,  volet,  aml)ulet,  aiU  iiet 
.     .     .     habet,  non   quodam   fine  carebit. 
.     .     ter  Rollieb  minilare    frequenter 
.     .     set  et  id  eifugilare   nequisset 
.     et  alius  nil  habuerunt 
.     quicquam    tractare  suaruni 
.     ...     .     .     fili,  tua  niagua  soi)liIa.' 

e  phis  c|uani  claresc     .     .     .     .     J. 


!  meni- 
liraii. 
Iloriaii. 
lol.  1'. 


VIII  *). 

1         J.  iiric  sibimet  comedunt  [///ae]  et  pullis  tribueruut. 
Cum  per  apeiiuras  in  domate  quis  sibi  micas 
]  Praebet ,  mox  illo  concurrebant  adhiando, 

Captantes   avide  quid  quit  contingere  cuique. 
5       Sic  consuefactae  sunt  post  modicum  cilo  cunctae, 
Quin  post ,  ostiolum  sibi  cum  fieret  patefactum, 
In  manibus  rcsident,   quod  eis  datum  accipiebant, 
J}umc/ue  sunt  saturae   leniendo  manuque  politae 
Doma  sua  sponte  certatim  mox  subierunt, 
10     Et  componendo  losiris  pennas ,  residendo, 

Sic  gaudendo,  diem  quod  non  sihiere  per  omnem, 

Oblectamentum  fit  herili  deUciosum, 

Cum  nirnis  insuaoe  senibus  sit  tale    quid  omne. 


')  das  aciite  fragment  ist  ia  der  hand^clirift  von  S.  Fiorian. 


RUODLIEB    fiagni.Vni.  175 

Palmla  Tuil/igena,  vel  aqua  statit  in  domicella         XXXV 1 
1  5     Stiirnoruni,  scd  eos  duxere  fame  domitandos, 

Ut  per  aperturas  poscant  escas  sibi  dandas. 

Quod  primo  oetcres  nimium  renuere  parentes. 

(Jum  pullis  Jton   dant ,   has  illi  deseruerunt ; 

Quae  digiiuin  prael/ent,  Jiis  illi  mox  adhiahant. 
20      E/igitur  sciola  supcr  hos  doctura  mogistra.         XXXVH 

Xostratim  fari,  ^Pater'  et  'nosier'  recitare 

Usque  'qui  es  in  coelis'  h's  h's  h's  iriplicatis, 

Staza  soror,    'canite  canite'  doceat  geminare ; 

Quod  pulli  discuut,  oeteres  quam  discere  pos.smt. 
25      Interea  miles  consanguineus  simul  ejus  XXXVIII 

CAim  domina  vadunt  harpatores  ubi  hidunt. 

Miles  ut  audioil  male  quam  rithmum  modulaoit 

Inter  eos  summus   illius  artis  alumnus, 

Ad  dominam   dixit    ibi  si  plus  harpa  fuisset. 
30      'Est,  ait,  hic  harpa,  melior  qua  non  erit  ulla,         XXXIX 

In  qua,  duin  vixit,  meus  heros  symphonicwit, 

Cujus  clangore  viea  niens  languescit  amore, 

Quam    nemo  tetigit,   is  postquam   iwere  finit, 

In   qua,  si  vultis,  rithmos   modulare  \>aletis.'' 
3.5      Quam  jubct   afferri  sibi,  quani    citat  is  moderari 

.  digitis  geminis,   modo   dextra  [(!or. 

Tangenda  chordas  dulcis  reddit  nimis  odas,  *"'•  "'"l 

Multum  distincte  faciens  oariamina  quaeque, 

Quod  pede  saltandi,  manibus  neumas  i>el  ageudi 
40     Ncscius  omnino  cilus  Jiaec  perdisceret  ambo. 

Qui  priiis  audacter  chordas  pulsant  joculanier 

Auscultant  illi  taciti  modulare  nec  ausi. 

Sic  tribus  insolitis  actis   dulcissime  rithmis 

Quartum  poscit  hera  faceret,  petit  et  sua  nata,  XL 

45     Ejus  contribulis  quem  saltaret  ce/  herilis. 

Quem,  per  sistema  sii'e  diastema  dando  responsa, 

Durn  mirabiliter  operaretuive  decenter, 


176  RUODLIEB     fragm.  VIII. 

Surrexit  jwenis,  quu  cuntra  surgit  herilis. 
Ille  i>elut  falchu  se  girai  et  haec  ut  hirundo ; 

50     Ast  uhi  comeniunt,   citius  se  praeteriehant. 
r\s  se  moi>isse,  sed  cernitur  illa  natasse. 
Neutrum,  saltasse,  neumas  manihus  variasse, 
Nemo  corrigere  quo  posset,   si  voluisset. 
Tunc    ignum  dederant ,  ihi  multi  quud  duluerunt^ 

55     Deponendo  manus  finilus  sit  quia  riihmus. 

Insimul  et  resident  et  in  alterutrum  nimis  ardenl 
Lege  maritali  cupienies  consociari, 
Illius  id  matre  fieri  nimium  cupiente, 
Atque  facultante ,  quod  i>ellent  sermocinare. 

60     Hunc  dominella  rogat,  quo  secum  tessere  ludai,  XLl 

Annulus  ut  vicii  duneiur  ter  superanti. 
Tunc  is,  'qui  ludum,  quem  ludamus  mudu  primum, 
Acquirat,'  dixit,  ''digitalis  uterque  suus  sit.' 
Haec  ea  Iaudai>it,  ludens  et  eum  superOi^it, 

65     Gratls  perdente  jui>ene,  gratis  sihi  dante. 

Quae  nimium  laeta  se  sic  hahuisse  truphaeOf  XLII 

Ludendu  pruprium  citu  perdehat  digitalem, 
Quem  trahit  a  digito,  jaciehat  eique  rotandoy 
In  cujus  medio  nodus  fuerat  cams  iniro^ 

80     Hunc  nisi  laxaret,  digilo  non  inposuissei. 


IX. 

fol.  26a.  1  ^Niinc,  hera,  clrca  matreni,  quani  proxime  videris[ipsam], 
Dic  mihi,  si  valeat,  si  tranquille  sua  res  stet, 
Quandoque  commaler  fieret  tua,  si  mihi  fraler 
Ex  illa  sit,  quem  de  fonte  levaveris,  inque ; 
5  Anne  tuam  nalam  de  fonte  levaverit  ill[am]?' 
Obstupefacta  nimis  dictis  hera  militis  ist[is]  : 
*Ah,  quid  dixisti,  quod  eam  nupsisse  putasti, 
Cui  tuerat  sine  te  uon  ipsum  vivere  dulce; 


RUODLIEB     fragm.  IX.  177 

Nam  flenclo  visum  post  le  jam  perdidit   ipsum. 

10     Illa  meam  natam  de  foute  levaverat  istam, 

Et  pro  natabus  propriis  nos  post  habet  amb[as,] 
Saepeque  nos  visit  vel    nobis  lunc  aliquid  fert.' 
Audit  ut  hoc  miles ,    matri  compassus  ait  fleus: 
*An  queo  septimana   revenire  domum  vel  in  isla?.' 

15     'Cras,'  ait,  'ad   seram  malrem  quis  ceruere  karan) ; 
Sed  panem  missi  penes  lianc  volo  prima  mereri.' 
Est  divulgatum  commatris  eum   fore  natum, 
InterJPftancipia  fit  laelilia  cito   magna; 
Congaudent  matri  reditu  pro   sospite  natl. 

20     Tunc  hera  direxit  missum,   quem  dicere  jussit 
Commatri  natum  praesente  die  rediturum. 

Inlcrea  juvenis  pariter  luduut  et    herills. 

Hunc  ea  ter  vicit,    hanc  is  totiens  superavit, 

Allerutrim  vicli  gaudentes  omine  pacti, 
25     Virginis  is  quod  erat,  juvenis  quod  virgo  manebat, 

Non   se  vicisse,    sed  viclos  succubuisse. 

Haec  suus,    ille  sua  vocitabantur  vice  versa, 

Mutato  sexu  soloecismi  scheniate  faclo. 

Nec  jam  celarunt  se  quin   ardeuler  amarenl, 
30     JMaler  si  siueret ,    vel  in  ipsa  nocte  coirent. 

Illa  lamen  sineret,  sibi  si  non   dedecus  essel. 

Ut  praesloletur  tuuc  virgo  vjx  superatur. 

lus  non  dominelur  fol.^Gt». 

qua]    velit    ire  siualur 

35 domino  dominaeque  placebat 

um  domini  faciendum 

s  resident  quibus  illi 

m]    ulta  viando  loqueules. 

.     .     .     .     famuljos  videt  a   matre    mlssos 
40     . oninibus  oscula  praebel 

matris   amorem 

12 


178  RUODLIEB    fragm.  IX 


tini  prius    inluealur 

deus  utque  remitlat 

debemus   famulari 

45 rediisse.  videmus 

•     •     .     .     .     .     .     lio]noribus  amplificatum 

tes  vobis  et  liabebo 

alri  bouilatis 

rje  spondent  el  ovanter 

50 s  accuset  apud  le 

Ui  debueramus  nK 

et  ante  non  uti  servos 

.' ius  adhaec  famulari? 

r  non  venere  nisi  tres 

55 etant  here  noslri 

-  .     .     .     endum  facientes 

dans  oscula    dixit 

.     .     .     .....     s  grandis  fit  in  illis 

ibi  fuit   atque  bibebant 

60 herum   comitaulur  ovautque 

m  cum  reliqua    re 

qualiter   omuia  starent 

diceret  omnia  slare 

d  nocuisse  suorum 

65 tus  jacuisset  agrorum 

rat   omnipolentem 

cerasiorum 

Sederat  hinc  speculans  prae  se   pendeiitia   speruens 
rantia  morn. 

70     Nuutiet  ut  primus  dominus  cum  venerit  ejus 

.     .     .     monedula   supra. 

Exploraus  quid  agat,  cur  cerasiis  ila  parcat 

hoc  ea  prodal. 

IUe  magis   dominum   cupit  ut    videat  equitanfeni 

75 Rodlieb  her]e  curre  venique 


RUODLIBB    Aagm.  IX.  X.  179 

Idque  monedula  discit  et  ad  doininam  revolavit 

precor  audi. 

Quae   dixit,  loquere :  Tiodiieb  here,   curre  veuique.' 
gementem. 

80     Omnes  risere  voluirem  quid  tale  notare 

.     .     .     .     er     .....     sedeas  ubi  supra. 
Quod  dicatque  nota,  si  clamet,  tu  quoque    clama.' 

monedula  verba 

Ipsius  pueri  Rodlieb  venientis  avari 

85 quando  veniret. 

Prospicit  e  silva  socios  emergere  densa 

jujxta  quem  scutifer  ejus. 

Postremo  dominus  meat  olficialis  et  ejus 
quaeque  suarum. 

90     Tunc  puer  exclaniat :  'dominus  gaudele,  propinqnal.' 


X. 

1        ....     quia  non  pilus  uuus  ibi  fit.  fol.27a, 

Quod  lam  nemo  vafer  sit ,  qui  discernere  possit, 
Clericus,  an  mulier,  inberbis  an  esset  alumnus, 
Est  tam  jocundae  lam  virgineae  faciei. 

5        Duni  se    tondebant  sordes  limphaque  lavabant^ 

Exierant  butinam.     Lavacralem  mox  sibi  laenam 

Scutifer  imposuit,  qua  lectum  teclus  adivit, 

Donec  siccetur  aestusque  sibi  minuatur. 

Post  modicum  surgit,  sua  calceamenta  requlrit. 

10     Sic  pedat  ad  mensam  comes [mem- 

bran. 
Aora  tamen   in  solio    voluit    residere   siipremo,  Florian. 

Sed   subjeciii>e    matris   dexirim,  ^>elut   hospes,  fol.  2a. 

monac. 
Atque  lihens    iotum  sibi   permisit  dominatum.  fQj. 

27b.  •] 


')  der  munchner    codex    Iiat   blofs '  die    mit   stehender  sclirift 
gedruckten  stellen. 

12   * 


ISO  R  U  O  D  L  I  t;  B     fraff 


m. 


Haec  quod  ei  dederai ,  re\>erenler  suscipiehat. 

15     Incidens  panem  turbam  parlitur  in  ornnem, 
Transmisit  cuivis  discum  specialihus  escis, 
Cum  vino  pateram,  mittens  aJiquando  medonem, 
Rotlieh  contrihulis   conciva  fuit  sociaUs, 
Ex  uno  pane  cumedunt  una  quoque  lance, 

20     Ex  uno  cyatho  hiherant  cowmuniter  amho. 
Matri  comwa  solet    esse    monedula   soJa, 
Cui  pilulam  micae  cum  dat ,  capit  illa,    superbe 
Perspatians,  mensam  transversam  transilit  omnem. 
Fercula  post  multa  post  pocula  totque  secuta 

25     Tunc  hera  poscit  aquam,    camerarius  attulit  illam. 
Ad  mensas  quasque  summo  juhet  hanc    dare  cuique. 
Post  hinc  pincernae  passim  potum  tribuere. 
Mensis  amotis-  mensalihus  atque  plicatis 
Laeti  consurguni    dominae   gratesque    dederunt, 

30     Dicunt  gaudere    Rbtlieh    sanum  rediisse, 

Quo  consuletur   inatrem ,   ne   plus  Ivibuletury 
Primitus  ut  saepe,  dolei  illo  cum  caruisse. 
Est  dimlgatum  cito  per  totam  regionem  LXVIII 

Rotlieb  venisse  Iocup\etatum  sat  abunde. 

35     Dum  sibi  post  placuit  dum  secretumque  sibi  fit, 
Intrat  conclave  cum  t?ilecta  sibi  matre, 
Scutiferumque  juhei  enthecam   quo  sibi   ferret. 
De  qua  multiplices  ea;traxit    opes  pretiosas 
In  chrusinis,  iu  pelliciis,  census  ei  alius, 

40     Exul  quae  denis  nanciscebatur  in  annis. 

Post  poscit  peras,  quas  scutifer  attulit  amb[as'\.       LXIX 
Extrahat  ut  panesjubet  hunc  factos  aput  Afros. 
Quos  dum  produxit,  maXri  joculanter  is  inquit: 
'Hos  desenwi,  tenus  hac,  mater,  uhi  mansi. 

45     Hos  mihi  rex  dederat  n     .     .     .     . 


21  iiber  monedula   die  glosse  taha. 


R  U  O  D  L I  E  B     fragm.  X.  181 


Quani    bene   sint   sapidl  \idcani  panes  africaui.  oh 

puto  quo  soU  videamus 

F.duceus  cultruni,  quo  panem  dissec^et  unuin^ 
50     [Pe/ripit  avg^enlum  lancis,  suh  quu  fuit  aurum, 
PoHen   ut  abrasit,  jubar  argenticfue  reluxit 

\disjun\cios  cernens  tria  per   loca  lances 
Coniminuens  lima  cilo  clai'orum   capitella 
Recludens]  lances,   videt  aurcolos  ihi  nummos 
55     Hdim  s\v\c\im)\\nc\os,  quod  suppinginequitunus.       LXK 
at ,  domino  grates  et  agehat 
.    ^]  parilem  manihus  sustollere  lancem 
.     p^ollen  clavos  Jiniando  minutim 
am  vario  censuque  replelam 
60      .     .      .     .     stupuit  nimium  sua  mater  ooaoit. 
dens  in  mente  sat  ast  hilarescens. 
[Laciimans]  ocuhs  grates  Christo   dat  in  altis, 
Quod  filium  kar\im  dederat  sihi  tamipte  heatuni 
se  terram  premit    oreque  saepe. 
65      .      .      .      .      regis  pedihus  domini  daret  ejus. 
.     rans  faciem  lacrimandoque  tingens 
.     ine  num  par  tihi  quis  valet  esse 
iUum  viiscrum  dignaris  homuUum 
aere  vel  Jionorihus  amplificare, 
70      .     .     .      .     reminiscere  quod  paiereris 

[Condones  d]omine,    quo  non  moriar,  precor,    anle 
[Quam  rursus  v\ideam,  quem  pauper  egensque  peteham, 
[Qui  dona^nte  te  clementer  suscipiens  me 
[Fecit  tantar\um   consoriem   deliciarum, 
75     [Me  miserum  d]enos  secum    retincndo  per  annos 
t  me,  queo  quod  posthac  sat  honeste 
[Vivere  fildenter,   haec  si  tracto  sapienicr.'  LXXI 

.      .      .      m~\atre   dum  sat  gaudent  super  Jiac  re 
.     .     dunt  cautissime  quam  valuerunt 


182  R  U  O  D  L I E  B     fragm.  XI.  XII. 

80     ...     .     sus  secum  ferli  qwtquid  alius. 

.     .     .     .    plures  proprii  seivi  juniores  LXXII 


XL 

fol.28a.  1         L/bviat  omDiaque 

Quae  cum  tempus  erit  tibi  dicere  cuucta  licebit. 

Nunc  plialerare  tibi  jubeas   unique  clieuti 

Nam     ......     compatriotae 

5       Quando  videbuut  le ,   devitabuut  peuitus  me. 

Debes  ire  domum,  si  sit  tua   gratia  mecum.' 

Cui  cor  mox  bylarat,  prae  laetitia  quoque  flebat. 

*Desiue  ,  miles  ait,     ...... 

Sculiferum    vocat 

10     Ambo    scutiferi 

Qui  mox    ascen 

Sculiferos    dico 

Cursu  veloci  re 

Quidve  voluu 

15     Ne  .  .  .  .  ser 


XII. 

fol.28i>,  l        tisl  ibi  secrele  prope  secessus     .... 

lu  quo  sunt  clavi  plures  in  pariete  fixi, 
Queis  suspendere  res  potuisseut  quasque  viautes, 
Ne  uoceaut  mures,  cum  uon  timeaut  ibi  fures. 
5       Cum  domiuis  domina  pedat  ad  solaria  celsa, 
Qua  dicebat  eis:    'multum  beue  uuuc  veuiatis!' 
Dum  grales  referunt,    rogat  illos  ut  residereut 
Atque  jocarentur  di     .....     . 

Et  sibi    quo8    velleut    pis     .... 


R  U  O  D  L I  B  B     fi  agm.  XH.  XIU.  183 

10     Moles  multlgenae  p 

Tantum  tres   desunt    ...  .     . 

Miles  ait  nunc  piscari 

Pulvere     buglossae    q 

Est  iu  aqua  cymba 

15     Assumuut  virgam 

Donec  venerunt  pisce     ...... 

Quas  qui    gustabant 


XIII. 

1       Quos  miles    virga  perterrens  cogit  ad  arva.  foi.  29', 

Miratur  domiua  domlcellarumque   caterva, 
Contribulisque  suus  ovat   in  virtutibus  ejus. 
Fit  nimius  risus ,   manuum  plaususve  cachinnus, 

5       Accurruntque  coci,  lollunt,  properantque  parare. 
Egressus  lintre   cuncto  populo  comltante 
Ad  dominam  repedat ,  ea  quem  bene    suscipiebat. 
Tiscator  talis  est  nusquam ,  vos  velut  estis.' 
Tunc  jubet  exponi  pisces  in  gramine  molli, 

10     Ut  diversos  quot,  videat,  lacus  is  generaret. 
Tunc  sunt  expositi  quolquot  fuerant   ibi  capti: 
Lucius  et  Rufus,  qui  sunt  in  piscibus  hirpus, 
Pisces  nanique  vorant,  illos  ubi    prendere  possunt, 
Prahsina,  Lahs,  Charpho,  Tinco,    Barbatulus,   Orvo, 

15     Alnt,  Naso,  qui  bini  nimis  intus  sunt  acerosi, 
Rubeta  fundicola ,  Truta  digena,    rilfa  vel  alba, 
In  capile   grandis  Capito ,  post   degener  alis, 
Labilis  anguilla    vel  per  caput    horrida  Walsa, 
Asco,  Rinauch,  ambo  dulces  uimis   in   comedendo, 

20     Ast  Agapuz  ut  acus  in  dorso  pungit  acutus, 
Praelerea  multi  pisces  mihi  non  bene  noli. 
His  visis   tolli,  citius  jubet  illa  parari. 
Mensa  parabalur  lotis  similis  cumulalur. 


184  RUODLIEB     f.ajrm.  XIII. 


25 

Mlttit  et  interea,    cllo  ((uo  venlal  sua  uala, 
Post  quani  mox  aglles  plures    saluere  tyrones, 
Texult  ex  aiiro  quae  bina  liganilna  sponso, 
Post,  quenicunique  sibi  tribuat  clementia  Clirisll. 

30     Quae  duni   procedit,  ceu  lucida  luna  reluxit, 
Quani  sollers  esset,   nenio   discernere  posset, 
Au  volet,  an    naret,  an  se  quocumque   nioveret 
levabat 

35     ...     .     m,  c[uam  sumere  jussit  herllem. 

Et  post  hospltibus  dalur,  ultlme  sed  slbi  post  hos 

II nt  insimul  ambae. 

]Ma)or    majori ,    junlor  consedit  herlll. 
.  ^ jubet   apte. 

40     Ejus   cojitribulls  couviva  fiebat  herills. 

datur   uua, 

Prae  qulbus  ille  cauis  slat  furti  prodllor  omuis. 

faciemque   reverteus 

Cauda  blaudltur,  quld  el,  monet,  ut  tribuatur. 

45 at   ille  receplt 

Excldlt  at  slbi  quld  casu  non  id  repetlvlt. 

.  - lioc  homo  coxlt, 

Nunquam  gustavit  aut  gustatum  revllmebat  (retinebal). 
calcjarla  tollit 

50     Poslea  scutellas  dapifer  ciim  posceret  illas, 

Porrigat  lias  sibi  mox,    cuuctis  lixis   velut  est  mos 

canijs  inspatiens  male  crebro, 

Inslluit  tandem  lacerando  trahit  sibi  veslem, 
fol.29b.  Atque  momordisset,   ul  scutifer  eripuisset. 


24.  25  sclieiiien    vom  >erf.    selbst  {iii.«ge.scliabt ,    er    nollle  sie 
wol  diircli  aiidere  ersetzen. 


RUODLIEB    fragm.  XIII.  185 

55     Miles   ridebat,  plebs  cetera  cuncta  stiipebat. 

Timc  dixit  doniina  :    *res  cernitur  haec  niilii  uiira.' 
Miles  ait:    'furti  canis  est  liic  conscius  isli. 
Quod  furabaris,  nisi  reddideris,  niorieris  ! 
Vade,  fer^in  medium  quod  fecisti  cito  furtuni.' 

60     Currens  absque  mora  retulit  calcaria  bina, 
'Haec,'  ait:    'a  sella  denodavi  modo  vestra, 
Tunc  ibi  nenio   fuit  viventum    nemoque  vidit, 
Neve  canis  sciret,    a  daenione  ni  didicisset. 
]Miles  ait:    'sibi  da,  cernas  cui  praebeat  illa.' 

65     Quae  sibi  dum  jecit,  cujus  fuerant  ea  reddit. 
Hic  dixilque  cani :    'nunc  illa  referto  sodali.' 
Quae  dat  scutifero  caudam  persaepe  movendo, 
'Ante  pedes  cadile   furis,  veniamque  rogate.' 
Qui  se  prostravit,  caput  inque  pedes  sibi  ponit, 

70     Et  veluti  fleret ,  veniam    poscens  ululavit. 

'Nunc  tu  dic:  "surge  vel  amici  simus  ut  anle." 
Quod  curn  dixisset,  surgens  canis  exhilarescit, 
Nunc  liunc,  nunc  domiuos,  nunc  gratificat  residentcs. 
Miles  ait:  'vestrum   sibi  quis  captando  capillum, 

75     Accipiat  baculum  ,    vehit  ulciscendo  reatum.' 

Quod   duo  dum  faciunt  'cur  furabaris?'  et   ajunt, 
lusiliebat  eos   caiiis,  hunc  ab  eisque  redeniit, 
IMordeus  iu  suras  illos  nimium  doHturos, 
Sic  se  hisisse  cum   quo  praepacificiat  se.  ■ 

80     Quidam  ridebant,   quidam   nimis  inde    stupebaut. 
Prandia  cum  coena  sic  sat  fiunt  opulenla. 
Feixula  post   muha  ,  post  pocula  tam  numerosa 
Limpha   datur;  modicum  residetur  dum  biberetur. 
Tempus  pomorum  non  tunc  fuit  ulHgenorum, 

85     Ni  pueri  veniunt,    de  silva  fraga  ferebant 
Quaedam  pars  vasis,  pars  coiiicibus  coriUnis, 
Quae  singillatim  legerunt  undique  passim. 
His  esis  niensa  removetur,  sumilur  aqua^ 


186  RUODLIEB    fragm. XIII.  XIV. 


90 

.     .     .     .     it  se  discaligandum. 

llle  ligainiuibus  de  Lukka  crura  coemptis 

.     . ' cca  sibi    fluitaret. 

Atque  super  pedules  se  calceolos  sericatos 

95 inxit    sericosis. 

Coutribulis  rubeos  soccos  sub  curduanellis 

gestans  operosis. 

Ambo  ligaturis  conjunxit  crura  geniellis  > 

.     .  " sunt  margiue   cunctae 

100  A  quibus  et  multae  dependeut  uudique    bullae 

luerat  varicosum. 

Prae  vel  post  fissum  vel  circuniquaque  gulatum 

iuam  poueudo    profuudam 

Fibro  limbatam  lato  uimis  atque  uigello 

105 douavit  digitalem 

Ad  miuimum  digitum  beue  vix    lum    conveuieutem 

iuterulam  male  lotam 

INIantel  mardriuum  senio  sudoreque   fuscuQi 
.     .     .     .     ox  ad  domiuas  repedabaut. 
Quas  ad  cancellos  iuveuerunt  speculaiUes 


XIV. 

fol.oOa.  1        ' credo   veuire 

Quidam  karorum  uostri  cousauguiueorum, 
Qui  c|uando  veuiant,  hfec  dum  firmeulur,  ibi  sint. 
Ad  vos  uuuc  illam  vos  iuvitate  puellam, 
5       Vestri  commuues  veniant  utrimque  fideles.' 

Qui  cum  veuisseut ,  liauc  hi  circumque  slelissent, 
Curtis  amicorum  cilo  pleua  fit  adveuieutum. 
Quos  Rodlieb  beue  suscepit,  quibus  oscula  praebet, 


R  U  O  D  L  I  E  B    fragm.  XIV.  187 

Et  prandere  rogat,  satls  illis  et  tribuebat. 

10     Amotis  meusis,  dominabus  et  inde  reversis 
Ad  sua  secreta,  praecedit  eas  ea  uata. 
Posl  illasque  pedant,  sibi  qui  plumatia  porlaut, 
Et  plures  alii  comitantes  his  famulari. 
His  vinum  ferri  jubet  illo  pro  famulari; 

15     Dumque  bibit  quisque,  sibi  vicino  dedit,  usque 
Pincernae  paleram  reddebant  evacuatam. 
Inclinant,  abeunt,  Rodlieb  dominosque  revisunt. 
Tunc  Rodlieb  dixil :  'quia  vos  deus  liuc  glomeravit, 
Nunc  audile,   mihi  cupite   vel  auxiliari, 

20     Connubium  quoddam  quo  fiat  nunc  stabilitum, 
Est  quod  laudatum  sic ,  ad  nos  induciatnm, 
Ad  quod  praesentes  mihi  vos  cupio  fore  testes. 
Contigit,   ut  juvenis  meus  iste  nepos  et  herilis 
INIutuo  diligerent  sese  ,    dum  tessere  luduut, 

25     Lege  maritali  cupientes  consociari.' 

Dicunt:  'hoc  cuncli  debemus  consillari, 
Indolis  ut  tantae  vir,   tam  virtutis  oplmae, 
Non  dehonestetur,    citius  sed  ut  erlpiatur 
A  scorto  turpl  digno  satis  Igne  cremari.' 

30     Et  laudant  dominum,  quod  in  hoc  cosmo  fult  usquam 
Femlna,   quae  maglcam  de  se  divelleret  ipsam. 
Tunc  surgit  juvenls,  grates  dabat  omnibus  illis, 
Quod  tam  clementes  sibi  sunt  communiter    omnes, 
luqult  el  'horrere  penitus  se  seque  pudere 

35     SIc  dehonestatum  per  id  execrablle  scortum. 
Nunc  opus  uxore  nimium  mlhl  ceruitis   esse, 
Quam  quoniam  facile  nuuc  possumus  hic  reperlre, 
Hanc   desponsarl  desldero  vel  mihi  jungi, 
Ut  siiis  testes  et  ad  hoc  mlhl,  qiiaeso,  libentes, 

40     Alterutros  cum  nos  dolablmus  est  veluti  mos.' 


.31     viclleictit  niagnam 


188  RUODLIEB    ftagm.XIV. 


Qui  diciinl:    'promple  tibi  subveniemus  in  liac  re.' 
Rodlieb  post  dominas  pariter  direxit  eas  tres, 
Quae  cito  venere  nata  praeeunte  mo[deste]. 
Contra  quas  agmen  surrexit  eis  ad  honorem. 

45     Cuncti  dum  resident,  spalium  breye  conticuerunt, 
Tunc  Rodlieb  surgit  et  ut  auscultent  sibi  poscit. 
His  post  contribulis  pactum  dixit  vel  amicis 
4     .     quod  et     .     .     rveret  in    allerutrius  amorem. 

si  vellet 

fol.30b.50     .     .     .     .     , 

lllum  si  vellet,  rogitant,  parum  quoque  ridet, 
Post  ait:    'an  servum   uolim  ludo  superatum, 
Tessere  quem  vici  sub  talis   foenore  pacti, 
Seu  vincat,   seu  succunibat,   soli  mihi  nubat. 

55     Serviat  obnixe,  volo,  quo  mihi  nocte  dieque, 
Quod  tauto  melius  facit,   est  tanto  mihi  karus.' 
Tuuc  risus  magnus  fit  ab  omnibus  atque  cachinnus, 
Tam  praesumplive  loquitur  quod  tam  vel  amice. 
Ejus  at  ut  matrem  cernunt  haec  nou  renuentem, 

60     Et  genus  amborum  par  posseque  divitiarum, 

Discutiunt  caute  beue  conveniant  quod  utrimque, 
Hanc  despousari  sibi  censent  lege  jugali. 
Sponsus  at  extraxit  eusemve  piramide  tersit. 
Auulus  iu  capulo  fixus  fuit  aureus  ipso, 

65     Affei't  quem  sponsae  sponsus,  dicebat  et  ad  se, 
'Anuhis  ut  digitum  circum  capit  undique  totum, 
Sic  tibi  stringo  fidem  firmam  vel  perpetualem, 
Hauc  servare  mihi  debes  aut  decapitari.' 
Quae  satis  astute  juveni  respondet  et  apte: 

70     Judicium  parile  decet  ut  patiatur  uterque. 

Cur  servare  fidem  tibi  debeo ,  dic,  meliorem, 
Quam  mihi  tu  debes?  Dic  ,  si  defendere  possis, 
Si  licuisset  Adae  ,  moecham  superaddat  ut  Evae, 
Unam  cum  costam  faceret  deus  iu  mulierem, 


RUODLIEB     fragm.  XIV.  XV.  189 

75     Quam  de  se  sumpfam  cum  proclamaverat  Adam, 
Dic,   ubi  concessas  biuas  sibi   legeris  Evas? 
Cum  meretricares ,  essem  scortum  tibi  velles? 
Absit,  ut  hoc  pacto  tibi  jungar.     vade,  valeto, 
Et  quantumcunique,    scortare ,  velis,  sine  s6d  me. 

80     Tot   sunt    in    mundo  tibi  ceu  quo  lam  bene  nubo.' 
Sic  dicens  gladium  sibi  liquerat  et  digitalem. 
Cui  dixit  juvenis:  'Cat ,  dilecta,  velut  vis. 
Umquam  si  faciam,  tibi  quae  dedero  bona  perdam, 
Istius  capitis    absciudendique  potens  sis.' 

85     Quae  modicum  ridens  ad   eum  seseque  revertens 
Inquit:    'ea  lege  modo  jungamur  sine   fraude.' 
Hujus  'anien'  dixit  procus  et  sibi  basla  Cxit, 
His  ita  conjunclis  enesis  fit  maxima    plebis, 
Laudantes  dominum  canlizabant  bymenaeum. 

90     Rotlieb    pellicium   dederat  bene  valde  gulalum 
Sponso ,   vel  crusinam  limbo  terrae  crepitantem. 
Dat  et  equum  celerem  sibi  compte  sat  faleratum. 
Munerat  et  sponsae  consanguineo    sociatae. 
Huic  tria  dat  spinlhra,  quae  velent  pectora  pulchra, 

95     Atque  dat  armillas  sibi  bis  binas  operosas. 
Et  pariter  sibi  tres  dat  gemmatos  digitales, 
Datque  supcrductam   cocco  crusinam  migalinam. 
Cetera  turba  sua  sibi  dant  sponsalia  magna. 
Qualiter  inter  se  concordent,    quid  mihi  curae? 


XV. 

Haeres  lunc  valeat,  si  filius  haut  sibi  fiat,  foI.3la. 

Si  sine  ,  dic,  liberis,  quld  erit,    fili,  morieris? 

De  nostris  rebus  erit  allercatio  grandis. 

Deficiunt  vlres  omnino  mihi  juveni[les],l 

Nam  denos  annos,    quos  lu  fueras  apud  [Afros], 


190  R  U  O  D  L  I  E  B    frasm.  XV. 


Cotudie  curls  angebar  in  oBinibus   hor[is] 
Post  te  moerendo  pro  nostra  reque  tuenda. 
Nique  revertisses,   citius  jam  coeca  fuisse[m], 
Sed  juvenescebam  cum  te  remeare  scieb[am], 

10     Coutineo  nielius  et  me  modo  quam  mea  sit  v[is]. 
Vellem ,   si  velles ,  quo  nostros  congenerales 
Et  nobis  fidos  uunc  conveniamus  amicos, 
Quorum  consilio  quorumque  juvamiue  fido 
Possis  ia  uxorem  reperire  tibi  muliere[m], 

15     Esse  parentelae  quam  noris  talis  utrimque, 

Claudicet  ut  neutrim  vestri  genitura  [vicisslm], 
Per  cujus  mores  tlbi  Jiec  miuuanlur  hono[res], 
Quam  tibi  demonslret  clemens  deus  ac  tibi  j[ungat].' 
Rodlieb  respondit,  matri  placidisoime  [dixit]: 

20     'Cras   demandenius  cousanguiueis  et  aml[cis], 
Ut  nos  conveniant,   quam  veloclsslme  posslLnl]. 
Quod  mlhl  conslllum  dant,  si  censes  id  ageudum, 
Non  praeternilllani   quod  vultls    quln  ego  solv[am].' 
iVllssis  legatis  et  aniicis    couglomera[tis] 

25     Ad  se  dum  veniuut  bene  suscepti     .... 
Rotlieb   dlsposult  sedilla,  ceu  beue  [novit], 
In  quo  qulsque  loco  sedeat  slbi  certificato, 
Dans  geminls  unam  mensam  domluls  ad  h[abendam], 
El  matri  solium  fieri  jubet  altius  un[um], 

30     Ut  super  aspiceret  cunclos  ibi  qui  resi[derent], 

Solaque  manducet.     hera  cerni  slc  fore   [quo  quit]. 
Sic  et  honorando  matrem  dominam  vel  h[abendo] 
A  populls  laudem,   sed  ab  omnlpotente  coronam 
Atque  dluturnam  vltam  merultve  bea[tam]. 

fol.31b.35 

.     .     .     fores,    quos  observant  duo  fortes 

[Qui  non  Ire  slnunjt  intro  quem,  neve  foras  quem 

um  diffinlretur   Id    ipsum 

.     .     .     surgens  modicum  slleant,  rogat  omnes 


RUODLIEIi     fragm.  XV.  191 

40     .     .     .     et  propter  quod  eos  glomeraret 

it,  geuitrix  sua  ceu  sibi  suaslt 

' in]ei  consanguinei  vel  amici 

mea  mater  quove  labore 

ulla  palris  atque  mei  viduata 

45 cta.     vobis  in  re  patet  ipsa 

.     .     .     defijciuut  vires  et  membra  faliscunt 

valet  a  modo,  quivit  ut  ante 

bro  narrat  vel  id  ipse  videbo 

ri  non  cessat  consiliari 

50 os  misi  me  couveniendos 

.     eat  sibi  quisque  vel  lioc  milii  dicat 

mulieres  sunt  mihi  notae 

scire  quo  me  vertam  mihi  fauste 
super  bac  re  quid  faciatis 

55 si  quam   reperire   queatis 

.     .     .     et  nostrum  genus  id  sed  inauret, 

ita  vel   vitae  nobilitate.' 

[Respondent  pjariler:   'id  quam  faciemus  ovanter 
e  te  videamus    obortum 

60 virlutum  sive  bouorum 

[Quibus  dita]vit  te  Christ  et  houorificayil.' 

,  que  se  spondens  haec  agitare 

ens  cui  notae  sunt  regioues 

qui  fuerant  ibi  summi 

65 unam  scio  quae  tibi  par  fit 

virtute  ve   nobilitate 

deas  cum  videris   ut    fatearis 

nuUam  quod  \idisses    domiuellam 

em    tam  strennuiter    facientem 

70 it,   ut  quemque  virum  decuisset.' 


192  RUODLIHB    fragm.     XVI. 

XVI. 

fol  32a.  1        xVpportans  palera  nunc  ipsamet  opllma  vlna 
Anratis  vasis   dlilcorem  saepe  inedonis 
Stans  de  viiginibus  rogitabat  compalriotiLs], 
Cujus  sint  famae,   formosae  sint  an  honestae? 

5       Subridens  ille  :  'scio  ,  cjuod  ,  niinime  ,  rogitasme. 
Nil  minus  intromisi  me ,    c|uam  tale  notare, 
Quid  facerent  dominae ;  moreni  talem  sino  scurr[ae]. 
Sicubi  praetereo ,  dominas  ubi  stare  videbo, 
lllis  inclino,    c|uo  mens  est  ire  vel  ibo. 

10     Quid  respondere  Rotlieb  nunc  vis,    liera  per  me?' 
Dixit :    'dic  illi  nunc  de  me  corde  fideli 
Tantundem  liebes  ,    veniat  quantum  modo  loub[es], 
Et  volucrum    vvunna  quot  sint,  tot  dic  sibi  [minnal, 
Graminis  et  florum  quantumsit,   dic  et  lionor[um].' 

15     Qui  dubitans  miiiime,  liuic  illam  nubere  p[osse], 
Dum  se   ditnini  petit,    ut  mutus  subilo  fit, 
Et  veluti  stupidus  loquilur  vix,  ut  gemeb[uudus]: 
'Qualiter  acciderit  mihi,  quam  male,  quam  viti[oseJ 
Me  pudet  id  fari;   pejus  non  contigit  uUi. 

20     Nam  sigillata  misit  tibi  xenia  parva.' 

Pixiden  e  caliga  traliit,  in  qua  sunt  ea  d[ona]. 
Quam  dimi  suscepit,    ab   eo  properando  recedit, 
Adque  fenestellain  stans  solvit  pixiden  [illam], 
In  qua  sublilem  dum  cernebat  fore  pan[numj 

25     Sigillis  cum  bis   binis  suimet  uigitalis 

Tam  bene  munitum,  quid  sit,  mirans  ea  [multum], 
Sigillis   fractis   panni  nodisque  solutis, 
Dum  tam  praeclarum  convinclum  viderat  ostrum, 
Id  pandens ,  cydarim  reperitve  liga[miua  cnirumj, 

30     Quae  cecidere  sibi,    dum  clericus  jungitur  i[lli]. 
Haec  cum  vidisset ,  ubi  perderet  et  memin[isset] 
fol.32b.         [Contremit]  et  pallet,  per  totum  corpus  et  alget, 


RUODLIEB    fragm.  XVL  193 

.     .     .     .     us  dubilat  quin  is  sit  qui  simulabat 
.     .     .     m  nimis     ....     agentem 

35 e  plebes    omnes   liabuere 

mi  coepit   firmata   reverti 

eat  si  sciret,    eunique  requirit 

.     .     .     .     .     .     erintquae  sic  signata  fuerunt 

in  pixide  cum  posuisset 

40     [Juravit  per  eum  rerum]  quem  nil  latet,  haut  se 

it  mirans  cur  id  rogitarit 

sit  quod  erat  sibi  missum 

[Tunc  ait  illa :    'tu]o  dic  conlribuli  vel  amico : 
[Usquam  si  nullus]  vir  plus  foret  is  nisi  solus, 

45     [IUe  vel  in  dotem]    milii  mundum  si  daret  omnem, 
.     .     [Nubere  nolo  sibi]  dic  tu  veraciter  illi.' 

qui  facUis  tristis  ab  liac  re 

' ani  deveni  suspiciouem 

,     .     .     dem  videns  tibi  solvere  fraudem.' 

50     ...     .     nunc'  ait:    'absque  'vale'  modo  vade.' 
pVuntius  absced]it  ad  Rodlieb  reproperatque. 
[Is,  simulac  vid]it,  subridens  dixit  ad  illum: 

* 8  scio    tractalus   saUiratus 

a  sint  demandamina,   narra 

55     ...     .     non  haesita,  sunt  mea  doua?' 

sese  quatiendo  cachinnat 

quod    amicum   perderel  ipsi 

tunc  se  faceret  sibi  missum 

Rodlieb    sibi  serio    dixit 

60     , is  ea    dixisset  quid  herilis 

.     .     .     .     meum  magnum  narraris  amorem. 
Quod  demandasti  sibi,    cum  plenissime  dixi,  fol.  33». 
Omnino  siluit,   mihi  prandia  summa  paravit, 
seque , 

65     Respondere  tibi  quid  velit  cumque  rogavi, 
Dixit :    "dlc  illi  de  me  de  corde  fideli 

13 


194  RUODLIEB    fragm.  XVI. 


Tautundem  llebes,    quantiim  venial  niodo  loubes, 
^  Et  vohicruni  wunna  quot  sunt,  sibi  clic  mea  mlnua, 

Gramiuis  et  florum  quantum  sit,   dic  et  lionorimi." 

70     Quando  licentia  quo   delur  mibl  vel  rogltavl, 
Obmutui  subito  vel  ei,    quid  slt  mlhl,  dico, 
Oblitum  simulans,   tua  non  sibi  dona  dedisse. 
Quae  dum  suscepit,  de   me  jubllando  recessil. 
Post  modicum  rediit  nlmis  indignanter  et  Inquit: 

75.  "Dic  milii,  si  uosli ,    quid  sint  quae  dona  tulisti?" 
Juravl  per  eum ,    qui  cuncta  scit  omnipotentem, 
Numquam  vldisse,    penitus  quid  sint  ea  scire, 
Nam  sigillatum  patuit  mlhi  scire  negatunu 
Tunc  ait  ilia :    "tuo    dic  contribull  vel  amlco, 

80     Usquam  si  nulhis  vir  phis  foret  is  nisi  sohis, 

IUe    vel  iu  dotem  mllii  mundum   sl  daret  omnem, 
Nubere  nolo  sibi,  dic  tu  veraciter  ilU." 
Nunc  opus  est  aliani,  reor  ut,  mihi  poscere  sponsam, 
Quae  non  furtive  quem  suescat  amare  super  me.' 

85     »^ed  R6dh'eb  mater,  quodcumque  potest,  operalur 

In  Christi  mlseros ,  viduas,  orbos,  peregrinos. 

Inde  merebatur,  quod   Piudheb  vahle  beatur, 

Namque  revelat  ei,  veht  hunc   quam  glorlficare. 

In  somuis  geminos  vlce  quadam  vlderat  apros, 
90     Hos  grandlsque  suum   comilatur  denle  niinacum 

Turba ,  vehit   belhini   cum   Rodheb  Inire  minautum. 

Ilie  sed   utrlque   caput  apro  dlrlpit  ense, 

Quodque  suuni   fuerat  ferientum,  strage  cadebat. 

Post  mater  tiham  latam  videt  et  nimis  aham, 
95     lu  cujus  summo  residere  cacumiue  fulchro 
fol,33f>.         Rodlieb  cernebat ,    circa  quem  phirlnia  stabal 

lu  raniis  turba  vehill  bellare  parata. 

Posl  modicum  nivea  venit  speciosa  cohimba, 


RUODLIBB    fragm.XVI.  195 


Rostro  genunatani  preciosam  ferlque  corouani, 

100    Inponens  cnplli  Piodlieb  niox  assidet   illi 
Suavia  figendo  recipilque  non   renuendo. 
In  visu  niater  liaec  cernens  praemeditatur, 
Quid   qiieal"  lioc  onine,  quod  vidit,  signlficare. 
Et  cjuamvis  sciret,  quod  honoreni  praetilularet, 

105     Inde  superbior  liaut  ea  fit,  scd  liumilllma  mansit, 
Nil  sibi,  sed  domini  dans  gratullae  pietali, 
Ouicquid  tantorum  Fiodlieb  concedat  honorum. 
Post  trlduum  narrat ,  deus  illi  quaeque  revelat, 
De  suibus,    capita  cjuibus  abscidit  truculenta, 

110     Et  de  strage  suum  geminos  apros  comitantuni, 
Qualiter  in  tiliae  sununo  videt  hunc  residere, 
In  ramlsque  suos  sub  se  vidisset  alumnos, 
Quodque  columba  sibi  ferat  advolitaudo  coronanl, 
In  mauibusque  sedeus  sibi  dulcia  suavla  praebeus. 

11.5     'Ilaec    dum  cernebain ,  subllo  mox  evigilabam 
Atque  pigebat  me  nimium  ,  sic  evigllasse. 
Id  vigilare   scio,  .c[uia  signat  me  morlturam 
Esse  prius',  rerum  veniat  c|uam  fuiis    earum. 
Nate  recordare  quam  saepe   sua  bonitate 

120     Te   deus  adjuvlt  et  ab  ipsa   morle  redemit, 
Et  quod  in  exilio  mullum  libl  subvenlendo 
Sospes  \el  locuples  patrlam  dat  cpjod  repetebas.  • 
Nunc  scio ,   majores  nacturus  eris  cjuod  houores, 
Et  timeo  valde ,  dominitm  sic  retribuisse 

125     Nobls  ambobiis,   umquam  slquld  faceremus 
Quod  placuisset  ei,  caveas  quod  dlcere,   fili; 
Nam  quid  possemus,  qui  nll,nisi  quod  dat,  habemus? 
Sed  bene  seu  male  contingat  tibi,   da  sibi  grales.' 


1(M.  114  steht  savia. 


13* 


196  R  U  O  D  L  I  E  B     fragm.  XVII. 

XVII. 

fol,34a.  1        liixilieus  el  abire  voleiis  salit  iindique  clamaus, 
Duni  lassus  cecidit,  vix  spirameuque  recepit. 
Cui  vigor  ut  rediit ,  ad  Rodlieb  huniiliime  dixit : 
Tarce  mihi  misero  ,    scio  qnod  gratum  tibi  dico. 

5       Si  me  non  octideris  atque  mauus  mihi  solves, 
INIoustro  tibi  censum  binorum  denique  regujn, 
Et  patris  et  nati ,  qui  tecum  praeliaturi. 
Nomen  habet  genitor  Immunch ,  sed  fiiius  Harlunch. 
A  te  vincentur  et  ambo   per  te  perimeutur. 

10     Filia  sed  regis  haeres  tuuc  sola  supersles 
Regni  totius  Heriburg,  pulcheriima  virgo, 
Est  libi  lucrauda,  sed  non  sine  sauguine  magno, 
Ni  quod  consiliar,   facias,   ego  quando  resolvar.' 
Rodlieb  ait  nauo  :  'non  occideudus  es  a  me. 

15     Te  cito  solvissem,  tibi  si  coufidere  possem. 
Si  me  uou  fallis,  a  me  sauus  remeabis. 
Quando  poleus  fucris  tuimel,  uil  post  mihi  dices.* 
'Absit ,  ut  inter  uos  umquam  regnaverit  haec  fraus; 
Non  tam  longaevi  tunc  essenuis  ueque  saui. 

20     luler  vos  uemo  loquitur,  nisi  corde  doloso. 
Hiuc   uec  ad  aetatem  maturam  pervenietis: 
Pro  cujusque  fide  suut  ejus  tempora  vilae. 
Non  aliler  loquimur,  uisi  sicut  corde  tenemus, 
Neve  cibos  varios  edimus  morbos  generantes, 

25     Longius  iucolumes  hiuc  nos  durabimus  ac  vos. 

Non  mihi  diffidas,  faciam ,  mihi  quod  beue  credas. 
Si  mihi  diffidas,   mea  conjunx  sit  tamen  obses.' 
Hanc  vocat  ex  antro,  quae  mox  processerat  illo. 
Parva,  nimis  pulchra  ,  sed  et  auro  vesleque  compta. 

30     Quae  ruit  ante  pedes  Rodlieb,    fundeudo  querelas: 
'Optime  cuuctorum  ,  vinclis  mihi  solve  maritum, 
INIeque  tene  pro  se,  donec  persolverit  omne.' 


R  U  O  D  L  I  E  B    fragm.  XVIII.  197 


XVIII.  *) 

a)  1 fol.34b. 

Exuat  ut  vestes ,  lassos  ut  frigeret  arlus. 
Tu  cape  me  virgo  veutum  slans  assiduando 
Maxime  quo  sit  opus  studeas  minileris  ut  ictus, 
Ne  noceat  musca  mordendo  cuiix  neque  vespa. 

b)  1   rlas  vini  plenas  tecum  deferlo  lagenas. 

Propler  dulcorem  si   malis  ferlo  medonem. 
Seu  sis  veuatu  seu  sis  alio  comitatu, 
Vim  lenirc  sitis  si  vis,  prandere  valebis, 
5  Ibis  et  ad  curtem  si  forte  potenlis  herilem 

Si  pincerna  libens  tvinc  est    tibi   saepe  propinans. 
Quando  domum  remeas,  forsan  repleverit  illas, 
Cauponae  nummum  cupidae  quod  uon  dabis  unum. 

c)  1   xlaec  pari  venatum  lia  dum  vadas  ,  velie  tecum. 

Cum  mitis  inmitem  cervus  reslinguet  ad  amnem, 
Tu  intus  exlingue  succensus  litis  ab  igne, 
IIoc  quod  veneris  ul  eo  citius  domineris. 
5  Et  si  vectabis ,  quid  obest  quocumque  meabis 
Prandens  in  pratis  quod  poles ,    est  tibi  gralis, 
Quin  ad  mercipolim  venles  si  nummivoracem, 
Nil  das  cauponae  quod  Irudal  in   ijna  crumenae, 

d)  1    \^ui  tot  efilatas  ocreas  desiderel  istas, 

Nunquam    vendendos  melius  denos  dato  nummos. 

e)  1     vJ  vassalle  bone,   tibi  quam  bene  congruo  crure, 

Hinc  operatori  dato  quod  tibi  vel  placet  illi. 

f)  1    JVlilitis  ad  gambas  operali  nos  sumus  ambas, 

Algor  ut  immensus  non  se  laedat  neque   ventus. 


')  alles  Iiier  itn  XVIII.  fragment  gedruckte  ist  von  gleiclier 
hand ,  wie  das  vorliergeliende ,  gesclirieben ;  der  inhalt  lafst  aber 
zwelfelliaft ,  ob  es  nocb  zu  Ruodlieb  gehorc. 


198        R  U  O  D  L I E  B     fragm.  XVIII.  XIX. 

M 

g)  Tiibalcain  invenit  cytliaram  et  organa ,  Piihagoras 
testudinem  i.  Larpam,  Davld  psalteriuni  triangulum 
i.  roltam ,  Boecius  monochordum. 

1       Juin  isti,  quales  repererunl  sensibus  arles 
Ad   consolaudos  iu  curis  nioeslificatos 
"Quiddam  coeleste  uam  quaevis  continet  in  se, 
Leuiri  diras  illis  scimus  daemonis  iras. 


XIX. 

fol.  V\  i mirabilior  famulalus 

virtus  dinoscitur  esse  per  actus 
fallls  ullum   vel  stigma  sit  oris 
tanlus  gelidus,  diem  flavero,  venlus 
ardorem  velat  insudando  Iluorem? 
Die]tmaro  virlulibus  undique  claro 
,     suis  dapibus  cuni  deliciosis 
.     \ictu  procurat  eos  et  amictu 
evenses]  liostes  contra   niniis  enses 
10     [Servio   cot]lidie  Dietmaro  sat  studiose 

.     t]errendo  culices,  vespas  abigendo. 
pro]que  meo  famulamine  nil  mage  posco 
[Quam  lioc],  ut  pulclire,  decet  utque,  reserver  houeste. 
ostiolo  binis  effeclibus  uno 
oppositas  visum  depromere  causas. 


6  den  worteu  virtutlbus  unHique  claro  wird  als  besserung  von 
gleiclier  liand  beigesclirieben:  niniis  liostibus  ejus  amaro.  sie  er- 
innern  an  den  zusatz  des  schreibers  beim  schlufs  des  Waltliarius. 


RUODLIEB.  199 


i-iin  paar  ahe  pergamentblatter,  kiinimerliche  reste 
eines  ganzen,  das  weiland  iinler  der  schei'e  und  dem 
kleister  eines  buchbinders  zu  grunde  gegangen  ist,  ver- 
fiihren  zu  dem  undankbaren  versuche,  von  ihnen,  iiber 
sie  und  iiber  jenes  ganze  melir  erfaliren  zu  wollen, 
als  sie  vielleicht  zu  sagen  im  stande  sind.  Bereits  ini 
jahre  1807  erwahnte  B.  F.  Docen  in  seinen  mlscella- 
neen  zur  gescliichte  der  deutschen  literatur  I,  69  eines 
von  ihm  entdeckten  fragmenls  aus  eincm  lateinischen 
rittergedicht  in  leoninisclien  versen,  in  welchem  die 
namen  Pvuodlieb  und  Immunch ,  und  des  crslern  kampf 
mil  einem  zwerge  vorkomme.  AIs  ,  am  9.  april  1829, 
Docens  lilerarischer  naclilafs  versleigert  wurde,  fandeu 
sich  in  einem  mir  zugesclilagnen  handexcmplar  des  mu- 
seums  fiir  altdeulsche  literatur,  initer  einer  menge  ein- 
gelegter  papiere  von  des  seligeii  hand,  auch  einzelne  mit 
lateiuischen  versen  beschriebene  blatter  und  slreifen  per- 
gamenls,  auf  deren  einigeu  sogleich  der  name  Piuodlieb 
auffiel.  Dafs  diese  pergamenle  aus  der  miinchner  bib- 
liothek  herriihrten,  davoa  konnte  ich  niich,  bald  nach- 
her  bei  dieser  auslalt  an  Docens  stelle  getreten  ,  leicht 
iiberzeugen.  Es  fanden  sich  allmalich  noch  mehrere, 
im  ganzen,  mit  jenen  ersteu ,  34  octav,  oder  beslimm- 
ter  17  in  octavform  gebogene  und  beschriebene  quart- 
blatter,  und  stiicke  von  solcheu ;  dafs  sie  vorher  auf 
die  innere  seite  von  holzdeckeln  und  zwar  tegernseei- 
scher  handschriften  geklebt  waren,  ergab  sich  theils  aus 
der  zweimal  vorkomnienden  aufsclnnft  'allinet  Tegern- 
see,'  theils  aus  der  vergleichuug  solcher  deckel,  auf  de- 
nen  sich  spuren  der  schrift  verkehrt  abgedruckt  halten. 


200  R  U  O  D  L 1  E  B. 

Unter  Docens  fiir  die  bibliolhek  selbst  ersleigerleri  pa- 
pieren  lagen  auch  ein  paar  bogen,  auf  wolclien  er  einen 
theil  der  niitunter  schwer  zu  lesenden  niembranen 
abzusclireiben  und  zu  ordnen  angefangen.  Er  scheint 
aber  dieses  vorhaben  bald  wieder  aufgegeben  und,  ver- 
mutlich  in  der  hofnung,  noch  niehrere  stiicke  uud 
dadurch  deuth'chern  zusamnienliang  zu  finden ,  auf  spa- 
tere  zeit  verschoben   zu  haben. 

Auch  ich  konnte  nacli  wiederholter  ansicht  dieser 
fragmente  nicht  umhin ,  des  vorgangers  verfahren  zu 
billigen ,  und  so  behielt  ich  mir  eine  wiederaufnahme 
der  sache  fiir  den  zeitpunkt  vor,  in  welchem  nach  deni 
vorgestecklen  gang  bibliotliekarischer  arbeiten  eine  ge- 
nauere  beschreibung  auch  der  tegernseer  handschriften 
(liber  tausend  stiicke)  an  die  reihe  gekommen  und  vol- 
lendet  sein  wiirde.  Nichts  scheint  da,  wo  es  noch  dar- 
auf  ankommt  garben  zu  bindeu  ,  unverzeihlicher  ver- 
loren,  als  die  zeit,  die  auf  das  heraussuchen  einzelner 
ahren  verwendet  wird.  Dazu  kam,  dafs  ich  mich  durch 
die  beschaffenheit  dieser  fragmente  lauge  zeit  fiir  be- 
rechtigt  hielt ,  iu  ihnen  nicht  viel  melu"  zu  sehen ,  als 
das  maunigfach  corrigierte  exercitium  eines  tegernseei- 
scheu  meisters  oder  schiilers  in  der  kunst  lateinische 
verse  zu  reimen,  welcher,  bei  der  kostbarkeit  des  ma- 
terials,  jeden  streifen  benutzt  habe ,  seine  augenblick- 
lichen  eingebungen ,  oft  ganz  iiber  kreuz  und  quer, 
nieder  zu  schreiben.  Inzwischen  ward  mir  zu  nicht 
geringer  iiberraschung  im  april  1834  durch  einen  von 
Wien  iiber  Sanctflorian  bei  Liuz  zuriickreisenden  freund 
(hofrath  von  Martius)  vom  dortigen  cliorherrn  und  ar- 
chivar  Jodok  Stiilz  die  abschrift  eines  fragments  keines 
andern  als  eben  dieses  gedichts  mitgetheilf,  welches  der 
herr  canonicus  im  jahr  1830  auf  der  zum  umschlag 
eines  verzeichnisses    mehrerer    traditionen   dieses    sliftes 


RUODLIEB.  201 


aus  dem  13.  jalirli.  verwendelen,  im  11.  jabrh.  in  vier 
oclavcolumnen  beschrlebenen  membrane  enldeckt  hatle. 
INIeine  anfaugliche  besorgnis ,  dies  mOchte  denu  doch 
nnr  ein  einzehies  nach  Sanclflorian  verschlagenes  blatt 
des  tegernseeiochen ,  als  erster  aufsalz  eiuzig  gebliebe- 
nen,  exemplars  sein ,  -wurde  bald  angenehm  beseitigt 
durch  die  iiberzeugung ,  dafs  hier  nicht  blos  liicken  der 
miinchner  fragmentenreilie  ausgefiillt ,  sondern  auch 
mehrere  stellen,  welche  bereits  in  diesen  vorkommen, 
enthahen  sind.  Die  sancinorianisclie  membran  wies  sich 
als  iiberbleibsel  einer  weilern  abscbrift  des  tegernseer 
aufsalzes  aus,  welche  ehmals  vorlianden  gewesen  sein 
mufs.  Noch  mehr.  herr  professor  lloffmann  aus  Bres- 
lau ,  welcher  auf  einer  lilerariscben  reise  bald  darauf 
Sanctflorian  ebenfalls  bcriibrte,  brachte  ein  klcines  fac- 
simile  mit,  aus  welcliem  sich  ergibt,  dafs  jener  wei- 
land  ganze  codex  eine  fleifsige  und  zierliclie  reinscbrift 
und  sogar  durch  rotb  beigesetzte  romisclie  zahlen 
formUcli  in  abscluiille  eingelheilt  war.  Da  nun  gleich 
im  juli  darauf  jenes  eine  sanclflorianerblatt  in  Moriz 
Haupis  'exempla  poesis  latinae  medii  aevi '  Wien  1834 
abgedruckt  erschienen  und  bei  dieser  gelegenheit  das, 
was  etvva  auch  in  JMiinchen  dazu  vorliege,  neuerdings 
offenllicli  in  frage  gebracht  worden  war,  glaubte  ich 
nicht  liinger  saumen  zu  diirfen,  vorlaufig  weuigstens 
eine  elwas  niibere  uachrichl  von  der  beschaffenheil  und 
anzahl  der  miinchner  blatter,  von  dem  was  sie  enthal- 
ten  und  was  sie  erratheu  lassen  zu  geeigneter  offeilt- 
licher  mittheilung  in  bereitschaft  zu  setzen.  Ich  ge- 
stehe,  es  hatte  fiir  mich  aufser  dem  dringenden  zu- 
spruch  mitlebender ,  welche  nach  Docens  fliichtiger  uo- 
tiz  aus  diesem  fund  aufschliisse  iiber  sage  und  mytho- 
logie  der  Deutschen  erwarteten ,  auch  noch  jenes  aner- 
keuntuisses   von  seite  der   zeitgeuossen   des    alten  dich- 


202  R  U  O  D  L  l  E  B. 


ters  uncl  c1es  vorkoinnieiis    seiner  prodiiclion  aufserlialb 
Tegernsees    bedurft,    iini    dcrselben     in    ilirer    ganzlieit 
einen    werlli   zuzulranen,    den  sie  in  ilen  bis  jelzt  vor- 
liegenden    18  zerstreuleu    blatlern    kauni    sclion  anspre- 
clien  zu   diirfen    scbien.     Ranicn   auf  68   niiiiicbner   oc- 
tavcolumncn   fortlaufend   die   nummern    der  absiilze  vor, 
wie  dies  aiif    deu  4    sancldorianiscben  der    fall   ist,    so 
ware    damit    von  selbst  die    ordnung   gegeben ,   in  wel- 
cher  diese  fragnienle  aufeinander    folgen    miissen ,    uud 
leicht  wiirde,  wenigstens  im  alJgenieinen,    der   gang  der 
fabel   angedeulet  werden    kunnen.      AUein    es  war  an- 
fangs  niclit  blos  in  bezug  auf  die  cjuarlmembranen  iiber- 
haupt,   sondern   aucli   bei  ilnen   34  octavhalften  ,    ja  so- 
gar  oft   bei    den   einzehien    seiten  niancher  der   letztern 
ungewis  welclie    vor,    und    welche    nacli  gehen  niiisse. 
Allmalich    zeigte    der  zusamnienhang  ini    texte ,    welche 
membranen   m^spriinglich  zu  amben  und  ternen  u.  s.  w., 
in    einandcr    gelegt    und    so     beschrieben    worden     sein 
muslen ,    aber  auch  ,   dals  da,    wo  eine  liicke    erschien, 
diese  voni   abgang  nicht    blos   einzelner   blatter.   sonderu 
ganzer  amben  und  lernen  herriihren  konne.     Nach  viel- 
fachen  yersuchen,  die  verschiedenen  auf  solche  weise  ge- 
wouueueu   partien   iu  cinige,   wenigslens  deni  geretteten 
texte  nirgeuds  widerstrebende  ordnung  zu  bringen,  was 
ich  mir  bei    deu    letzten    14   bliittern    am  wenigsten   zu 
dauke  machen  konnte,  blieb  ich  endlich,  iiin  doch  ein- 
mal  abzuschliefsen,  bei  gegenwiirtiger  eintheilung  und  be- 
zeichnung    der  verschiedenen    bruchstiicke  slehen.     iFiir 
leser  die  eine  audere  anordnung  wiinschenswerth  Iinden 
imd  yersucheu   soIUeu,    bemerke   ich ,  dafs   je    zu  einem 
quartstiicke   pergament  geiiuren  die  ocfavbliitler  (folia): 
lu.4.  5u.8.  9U.12.  13U.18.   19  u.  24.  25  u.  30.  31u.34. 
2u.3.  6U.7.10U.  11.  I4u.  17.  20u.23.  26u.29.  32u.33. 
15u.  16.   21U.22.  27U.28. 


RUODLIEB.  203 


Ubrigens  siuil  bei  'der  liier  erscbeineuden  ausgabe  die 
florianer  bruclisliicke  von  den  muuclmcru  durch  cursi- 
ven  druck  unterscliieden ,  ergauzungsversuclie  der  ab- 
gescluiittnen  iind  unleserlichen  \\urter  iu  klammcrn  auf- 
genommen  worden. 

Eine  genaue  inhallsanzeige  ist  zur  rechtrerllgung 
des  eingeschlagnen  vcrfahrens  und  fiir  den  gaiig  der 
weiter  beizufiigenden  beinerkungen  hier  noch  uneut- 
behrlidier  als  beim  Wallharius. 

lliin  edler  held,  dieuslmaun  mehrcrer  grofscn  her- 
ren,  erschupft  fiir  sie  leib  und  leben  auf  ihren  gejai- 
den,  in  ihren  fehden.  Sie  lohnen  schleciil,  vcrsprechen 
inimer,  liallen  nie.  Zulelzt  weifs  er  sich  auch  der 
feinde,  die  er  sich  ihrelwcgen  zugezogen  ,  nicht  niehr 
zu  erwehren.  Er  iibergibl  haus  und  hof  der  nuitter 
und  nur  vom  treuen  knappen  und  einem  bracken  be- 
gleitet,  fahrt  er  wol  geriislet  aus,  iu  fremden  reichen 
besseres  gliick  zu  suchen.  AYeineud  sieht  die  muller 
mit  den  ihrigen  deui  sohu  nach.  Er  selbst  reitet  in 
tiefen  sorgen  und  gedanken  iiber  die  grenze.  Da  ge- 
seilt  sich  zu  ihm  ein  waidinann,  der  liebliug  eiues 
benachbarten  kcinigs,  und  ihut  neugierige  fragen.  so 
kurz  augebunden  der  held  antworlet,  wird  er  docli  als 
eln  geiibter  kunstgenosse  erkannt  uud  von  jenem  be- 
redet  in  dcn  dieust  seines  herrn  zu  trelen.  Beide 
schliefsen  freundschaft  und  reiten  der  hauptsladt  zu. 
Der  waidmann  stellt  dem  kunig  den  angeworbneu  jagd- 
gesellen  vor.  Nun  die  ersle  und  vielleicht  die  gruisle 
liicke,  da  sie ,  wie  sich  aus  dem  folgenden  zweilen 
fragmeute  ergibt,  einen  zeitraum  von  fast  zelin  jahren 
umfafst,  in  welchen  unser  held  seineu  ueuen  herrn, 
der  iibrigens  nirgends  mit  namen  genannt  ist,  und  uur 
einmal     zum    unterschicd  eines    auderu    kouigs^.    seines 


204  R  U  O  D  L I E  B. 


weitern  naclibars,  der  grofse  (rex  niajor),  sein  reicli 
aber  Africa  Iieifst,  durcli  ratli  iind  that,  nanienllich  im 
kriege  gegen  jenen  naclibar,  die  wichllgsten  dienste  lei- 
stet.  Mit  dem  eingang  des  zweilen  fragmentes  jfindet 
sich  der  held  als  abgesandter  des  grofsen  kcjnigs  selb- 
dritter  am  hollager  jenes  andern,  Avelchen  wir  als  deu 
kleinen  bezeichnen   woUen. 

Es  hatten  leiite  dieses  letztern  ,  iinler  anfiihriuig 
eines  ungenannten  grafen  (conies),  leute  des  erstern  un- 
vermutet  angefallen,  theils  erschlagen  ,  theils  zu  gefan- 
genen  geniacht  und  veibrannt.  Hierauf  ein  krieg  oder 
doch  eine  schlacht  zwischen  den  beiden  volkern  ,  nacli 
welcher  jene  angreifer  samt  ilirem  fiihrer,  dem  gra- 
fen,  ihrerseits  als  gefangene  vor  den  grofsen  konig  wa- 
ren  gebracht  worden.  Statt  gleiches  mit  gleichem  zu 
vergelten  ,  hatte  dieser  sie  iinter  seine  grofseu  und  pra- 
lateu  zii  sorgfiiltiger  pflege  vertheilt ,  ja  sogar  den  gra- 
fen  In  personliche  obliut  genommen.  Und  nun  lud  er 
durch  seinen  gesandten  ihren  konig  ein ,  auf  dernselben 
platz  ,  wo  die  schlacht  war  geschlagen  worden,  mit  ihm 
zusammenzulreten ,  da  sollten  samtliche  gefangene  zu- 
riickgegeben ,  und  beide  volker  auf  ewig  miteinauder 
versohnt  werden.  Der  dichter  hat  fast  alles  in  reden 
elngekleidet,  die  der  kleine  von  des  grofsen  grofsmut  gar 
sehr  geriihrle  konig  au  seine  versammelten  riilhe,  dann 
an  des  grofsen  konigs  gesandten,  uud  in  solclie,  die  der 
gesandte  theils  an  jenen,  theils  nach  der  heimkunft  be- 
richt  erstattend  an  seinen  eignen  konig  richtet.  Diesem, 
der  auch  wissen  will ,  Avie  sein  abgeordneter  am  fremden 
hofe  die  zeit  sonst  zugebracht,  erziihlt  er  auf  ergetzliche 
weise,  wie  er  mlt  dem  kleinen  kiinig,  obschou  aufangs 
nlcht  ohue  ehrfurchtsvolles  striiuben  (lorifrangere,  zugil- 
prechon)  schach  gespielt  und,  mit  wahrem  herzeleid,  ihni 
und  nachher  den   hofleulen   ihr  geld  abgeuommeu  habe* 


RUODLIEB.  205 


Gegen  den  sclilufs  dieser  parlie  trHTi  der  grofse  ko- 
nig  mit  den  seinigen  *)  anstalt  zu  der  mit  dem  kleinen 
verabredeten  zusammenkunft  j  auch  die  gefangenen,  na- 
nientllcli  jener  felndselige  comes,  sollen  wolgenahrt  und 
geriislet  mltgebraclit  worden.  Im  drltten  fragnient  slnd 
beide  konige,  der  eine  diessells,  der  andere  jenseits  der 
grenzbriicke,  mit  ihrem  hofstaat  gelagert.  Nachdem  der 
grofse  konig  in  eile  (properantius)  messe  geliort,  liidt 
er  den  andern  durch  unsern  helden  zur  zusammen- 
kunft  dn  der  briicke  eln.  Ilier  wird  frlede  und  freund- 
schaft  gcschlossen  und  Averden  dle  gefangenen,  nament- 
lich  jener  graf,  stattlich  geschmiickt,  zuriickgegeben, 
Hierauf  halt  jeder  mit  den  seinigen  mittag.  Es  folgt 
eine  beschreibung  der  geschenke,  die  der  kleine  fiir  den 
grofsen,  und  dessen  gefolge,  ziuual  unsern  lielden 
als  friedensslifler  hereit  hult.  Gold  und  silber  und 
pfelle  (pallla),  panzer,  lielme,  pferde,  maulthierc,  wald- 
esel ,  kameele,  zwci  leoparden,  zwei  Iciwen  ,  ein  paar 
kunstreiche  tanzbaren ,  ein  lyncus,  aus  desseu  harn 
man  den  edlen  stein  ligurius  bereilet ,  ^vozu  das  ver- 
fahren  weitliiufig  angegeben  wird,  ein  aiTe ,  eine  meer- 
kalze,  zwel  sittiche ,  endlich  nicht  zu  vergessen  ge- 
lehrte  und  gelehrsame  dohlen  und  staare.  Der  kleine 
konig  begibt  slch  zum  grofsen  und  ladt  ihn  eln,  die 
geschenke  zu  empfangen.  Dieser,  nachdem  er  vorher 
die  seinigen  gebelen,  zu  thuu,  wie  er  selber  tliuu 
"werde,  kommt  mit  ihnen  dahin,  wo  die  geschenkelhrer 
warten.  Fiir  sich  uimmt  er  von  allem  nichts,  als  das 
barenpaar,  eine  elster  und  elnen  staar  fiir  seine  toch- 
ter.  Auch  wlll  er  nicht,  dafs  den  seinlgen  etwas  ge- 
schenkt  werde ,  aufser  den  zwiilf  ablen,  denn  von  die- 
sen  werde  es  ja  reichlich  vergolten  dcirch  fleifsiges  be- 


*)  Satrapae  comitesque  .  .  .  pontifices,   abbates  duodeni. 


206  RUODLIEB. 


ten  bei  tag  uiul  bei  iiaclit.  Die  koiiige  zielien,  in  frie- 
clen  ,  jeder  -sviecler  nach  liause.  Kauin  lieimgekelirt,  er- 
liaUHuodlieb  (Lier  koninit  in  deu  gerellelen  bruclistiicken 
des  lielden  name  zuerst  vor),  durcli  einen  boten  seiuer 
mutler  eiuen  brief  der  friiliern  lierren ,  die  ihn  billen, 
da  seine  dorligen  feiude  seildem  alle  todt  oder  auiser 
sfaud  zu  schaden  seicn  uud  da  sie  selbst  sein  ver- 
dieust  niui  besser  zu  schalzen  Aviifsten,  ^vleder  heimzu- 
kehreu.  Dem  briefe  der  herren  folgt  eine  zuschrift  der 
multer,  AVelche  dieselbe  bille  noch  eiudringlichcr  wie- 
derholt. 

Er  goht  mlt  seinem  freunde  zum  kunig,  umfafst 
dessen  kule  und  zelgt  ihm  deu  empfangneu  brief.  Gnii- 
dlg,  obschon  ungerne ,  Avliligt  dleser  ein ,  ihu  zlehen 
zu  lasseu  :  uoch  elne  woche  moge  er  deu  abschled  ver- 
schieben.  Unterdessen  liifst  der  konig  aus  silber  vier 
schiissehi  schmieden  ,  deren  je  zwei  so  verbiuiden  wer- 
deu ,  dafs  sie,  vou  aufsen  mit  speltmehl  iiberkleistert, 
■\vie  brot  aussehen.  Das  elne  dleser  brote  Ist  ganz  dlcht 
mit  besanten  (goldstiicken  aus  Byzanz)  augefiillt,  das 
andre  grcifsere  nlmmt  blos  iu  elner  abtheiluiig  gold- 
sliicke  auf,  iu  dle  andere  aber  werden  zwolf  kostliche 
armringe,  und  von  seiteu  der  konigin  elue  kunstreiche 
brustspange,  acht  olirrluge,  und  drelfslg  kustllclie  finger- 
riuge  gelegt.  Der  koulg  versanimelt  seiue  mauuen  und 
lafst  auch  den  fremden  rltter  vor  slch  bescheideu.  Nach 
einstimmigeu  lobspriichen  wlrd  Ihm  dle  frage  gestellt: 
was  er  vorzlelie  zum  abscliledsgeschenk,  gold  und  geld 
oder  lehren  der  w  elshelt  ?  der  rllter  bittet  sicli  von 
letzteru  aus.  Hlerauf  fiihrt  ihu  der  kunig  ganz  allein 
iu  selu  gemach  und  glbt  ihm  ZiVoIf  goklene  lehren.  Man  soll 
orstens  keinem  rothen  traueu  ; 
zweitens  nle  einen  obwol    schmulzlgen   dorfweg  verlas- 

sen  ,  um  dafiir  iiber  das  saalfeld  zu  reiteu ; 


RUODLIEB.  207 


drilteus  bei  keinem  gaslfreimd  iiberiiaclilen,    der  alt   isf, 

uud  eiu  junges  weib  Lat;  hingegeu  da    zusprechen, 

■Nvo  der   mauu  jung,   die  frau  bejalirt  ist; 
viertens  dem  nachbar,  der  zum  egeu  seiues  ackers  eiue 

triichlige  slute  leiheu   \vi!l ,  sie   nicht  gewalu-eu; 
fiinftens     verwaudte    nicht    zu     oft    durch    besuche  be- 

lastigeu ; 
sechstens    eine    magd     (aucilhim    propriam,     eigon    thiu) 

wie  schon  sie  auch  sei,    nicht   allzu  verlrant  wer- 

deu  lassen  ; 
siebeuteus  bei  der  wahl    eiuer  ebeubiirtigeu    frau,    sich 

vou  der  mutler  uicht  eiureden  ,    auch  die  gewahlte 

genossin  sodaun  uicht  alles  wissen  lassen ; 
achlens  jede  raclie  iiber  naclit  verscliieben  ; 
neuulcus  sich  mit    deui  herru  oder  meister  uie  iu  slreit 

oder  widcrspruch  eiulasseu  ; 
zehhtens  keiuer  kirche,  wie   eih*g  auch  die  reise  sei,  vor- 

bei  reileu  ,    ohue  sich  ihrem  heiligeu  zu  euipfehlen 

und  z»i   seguen;  iusouderheit  wo  zur  niesse  gelautet 

wird   absteigen  und  sie  mit  auhoren; 
eilfteus  uicht  widerslreben ,    wenu  mau  vou  jemaud  um 

Christi  willeu  eingeladen  wird,  die  fasteu  zu  brecheu  ; 
zwulfteus  an  saalfeldern,  die  uebeu   der  heerstrafse  lie- 

geu  keiue  grabeu  ziehen. 
Diese  seltsam  durch  einauder  gemeugteu  rathschliige 
lasseu  uus  ahudeu  ,  wie  viel  von  der  dichtuug  verloreu 
ist,  denu  ohue  zweifel  musseu  sie  im  verlauf  der  abeu- 
teuer  samtlich  ziu'  auweudung  gelangeu.  Es  ist  ein  ur- 
alter  zug;  wer  deukt  dabei  Jiicht  der  lehreu,  dle  der 
auszieheude  Parzifal  von  seiuer  multer  uud  dauu  von 
dem  allen  ritter  empfaugt,  au  die -lehreu  des  Winsbeke, 
im  castoiement  d'un  pere  a  sou  fils,  iu  Catos  distlchen? 
Besouders  iiberrascht  dle  einslininiuug  altnordischer  sage, 
in    der    edda   werdeu    astradh    (S;cm.  196^),    von    Niall 


208  RUODLIEB. 


heilraedhi  (Nialss.  55)  ertheilt,  am  alleruachsten  liegen 
die  acht  rdihe  des  weisen  Hofundr  an  Heidhrek  (Her- 
vararsaga  cap.  8.  fornakl.  sog.  1,  447.)  imser  fiinfter 
ralh  ist  fast  ganz  Hufuuds  driller.  der  iibermiilige 
Heidhrekr  geht  aber  inimer  darauf  aus,  seines  vaters 
leiiren  zu  vereiteln  (at  unj^ta  i-adh  fodhur  sius,  p.  449. 
459.)  Einzelnes  findet  sich  in  marclien  und  andern 
dichtungen  zerstreut  \vieder,  so  wird  im  57  kinder- 
marchen  vor  galgenfleisch  und  brunnenrand  gewarnf, 
iind  oft  Ivelirt  die  lehre,  sicli  vor  dem  rothliaar  in  acht 
zu  nelimen  (Reinh.  XXX.  Facetus  75);  aucli  das  be- 
gegnet  oft,  dafs  ein  frommer  vor  der  capelle  absteigt 
und  dadurch  der  gefahr  entrinnt.  *)  die  zwolfle  lehre 
gemahnt  an  IMoroIf  658.  Ich  nehme  den  faden  des 
gedichls  wieder  auf.  Nach  ertheilten  rathschlagen  tritt 
der  kunig  mit  Rudlieb  wieder  heraus  in  die  versamm- 
lung,  und  iibergibt  ihm  die  beiden  brote  mit  dem  auf- 
trag,  sie  nicht  eher  als  bei  der  mutter  angelangt  in  ih- 
rer  gegeuwart  das  kleinere,  das  gi"6fsei'&  aber  erst 
wann  er  nebeu  seiner  braut  sitzen  werde  anzusclineiden. 
Den  nachsten  morgenreitet  Rudlieb  mit  seinem  knap- 
pen,  bis  an  die  grenze  vom  freunde  begleitet,  der  liei- 
mat  zu.  Alsobald  beginnt  aucli  die  anwendung  der  gol- 
denen  lehren.  Noch  diesseits  der  grenze  erhalt  Rod- 
lieb  einen  rothkopf,  der  vielleicht  schon  friiher  in  den 
verloruen  membranen  vorgekommen  und  naher  bespro- 


*)  dem  lieben  gotte  weicli  niclit  aus, 
findst  du  ilin  auf  dem  weg !  — 
das  spriclit  er  ist  kein  aufenthalt, 
was  fordert  himmelac. 

Schiliers  gang  nach  dem  eisenhammer. 
in  einer  neugriechischen  legende  ist  Theophilus  eingedenk  des  be- 
fehls   seines   sterbenden  vaters ,    nie  vor  einer  offenen  kirche  vor- 
beizugehn,   ohne  darin  zu  beten. 


RUODLIEB.  209 


chen    ist,    zum  imwillkommeneu  gefahrteu.      Das  erst« 
abenteuer,   welches  R.  mit  ihm  besteht,    ist  nicht  sou- 
derlich  klar,    da  auf  fol.  18^  die  verse  von  vorne  ver- 
stiimmelt   siud.      Sie  reilen,    scheint  es,    um  die  pferde 
zu  triinken,  in  ein  wasser,  -Nvobei  der  rotlie  geselle  den 
ritter    um   den  reisemantel  (cappa),    den    er   hinter  sich 
aufs    pferd    gebunden    bat,    entweder    bringt  oder  doch 
zu    briugen    versucht.      Bald   darauf  gelangen  sie  in  die 
nahe  eines  dorfes     bei  welchem  der  weg  sehr  schmutzig 
wird.     die    hier  hCchst  unlesbare  slelle  am    ende  dieses 
fragments  zeigt  blofs  soviel,  dafs  dabei  auch  von  eiuem 
reiten    durch    das   saatfeld ,    als,    wie  es  scheiut,  eineni 
rath,    den  der  rothe  erlheilt  und  befolgt,    die  rede  ist. 
Im  fragm.  IV,  desseu  seclis  erste  verse,  uach  einer  liicke 
vou    einem    blalt ,    sich    uoch    auf   das   reiten  des  rolh- 
kopfes  durch  das  saatfeld  zu  beziehen  scheinen ,  nahern 
sich  unsre  beiden  wanderer  einem  dorfe,  wo  sie  iiber- 
nachten    wollen.      Der    rothe    befragt  einen  hirleu ,  bei 
welchem    der    einwohner  sie  die  beste  herberge  ervvar- 
ten  diirften?    Unter  allen,  sagt   der  hirt,  wvirde  keiner 
sie    so    gut   bewirlen  ,    als    ein  gauz  junger  mann,    der 
unlangst    eine    betagte  witwe    zur  ehe  genommen  habe, 
und    vorher    ein    gauz  armer  wicht  gewesen  sei.      Auf 
die  frage  des  ritters,    wie  dieses  gekommen  ,  wird  sehr 
idyllisch  des  mannes  friihere  geschichte  zum  beslen  ge- 
geben ,  wie  er,  zum  vorigen  gemahl  der  frau  als  nack- 
ter  betleljunge  um  eiu   sltick  brot  ins    liaus  gekommen, 
durch   allerhand    kleiue    dienste ,    anstelligkeit  uud  ver- 
lassigkeit  nach  und  nach  das  vertrauen  des  knauserigen 
alteu  iu  dem  mafse  gewonneu  habe ,    dafs    ihm    eudlicli 
die    aufsichl  iiber  die  ganze  wirtschaft ,    luid  nach  dem 
tode    desselben    sogar  die  haud  der  wilwe  zu  theil  ge- 
worden   sei,       er  verdiene    aber  auch  alles  gliick   durch 
seine    gasllichkeit    uud    niilde    gegeu    reiche    uud  arme. 

14 


210  RUODLIEB. 


Der  rolhe,  der  den  jiiugen  Nvirt  niit  elner  alten  ehe- 
Ijjilfte  nicht  nach  seinem  geschniacke  findet ,  fragt 
ilen  redseligen  hirten,  ob  denn  unter  den  be^-voh- 
nern  nicbt  irgend  ein  alter  sei ,  der  eine  junge  schone 
frau  habe?  der  hirt  nennt  ihm  einen  solchen ,  der, 
ein  witwer,  ein  junges  thcirichtes,  leichtfcrtiges  dirnlein 
geheiratet  habe ,  die  ihm  nun  auf  gar  iirgerliche  weise 
mitspiele. 

Hier  schliefst  das ,  am  ende  selbst  nur  zum  theil 
lesbare  blatl  20  und  es  Irilt  eine  liicke  vermutlich  vou 
blofs  einem  blatte  ein. 

Zu  anfang    des   fragments  V  finden  wir   deu  ritter 
auf   der   nacbtlierberge    im    hause  jenes  jungen  gcmahls 
einer  ehrenwertlien  matrone  aufs  allerbeste  uud  freund- 
lichste  bewirtet.     Sein  begleiter,    der  rothkopf,    hinge- 
gen    hat    sich    an    den  allen  mann  der  jungen  frau  ge- 
macht,    die  er,  sogleicli  von  ilir  verstandeu  ,  als  ulclite 
behandelt    und    durch    das    verspreclien ,    ihr  zur  flucht 
mit  einem  stattlichen  jungen   manne,  den  sie  liebe,    zu 
verhelfen  ,  daliin  bringt,  dafs  sie  ihm  selbst,  fast  unter 
den  augen  des  gramlichen   ungeslalten  eheherru  zu  wil- 
len  wlrd.     Fragm.  VI  folgt   auf  eine  liicke,  in  welcher 
die  darstellung  dessen  was  die  nacht  iiber  zwischeu  dem 
rolhen ,    der   leichlfertigeu  frau  uud  ihrem    alten  weiter 
vorgegangen  war,    und  aus  dem  folgendeu  zu  schlielsen 
tragischer   art    gewesen    sein    mufs,   vorauszuselzeu    ist. 
Der  vom  rothen  auf  den  tod  mishandelte  alte  hcirt  un- 
ter    dem    beislande    eines    pi'Iesters  zu  leben  auf.      Am 
friihen  morgen  versammelt    sich   alles  volk  vor  der  kix'- 
che.    Auch   der  richler  (reclor) ,  vom   verbrechen  imter- 
richtet,  begibt  sich    dahiu.      Er  sitzt,    da  mlt  denen  es 
zukommt,     zu    gerlcht.       Des   todten    kinder,    und  die 
beiden    schuldigen    (mordritae)     werden    licrbei    geliolf. 
Lachend  schiebt  der  rothc  die  schuld  auf  den  alten,  dcr 


RUODLIEB.  211 


ihm  die  zahne  eingeschlagen ,  iind  auf  das  weib  ,  das 
ihn  ihrerseits  an  sich  gezogen  habe.  Sie  aber  ist  ganz 
zerknirscht  iiber  ihren  antheil  an  dem  verbrechen ,  iind 
selbst  gibt  sie  als  wohl  verdieut  die  harlesten  strafen 
an.  Das  gerlcht  beschliefst  der  reulgen  das  leben  zu 
schenken.  Sie  wird  den  bitlenden  kinderu  zuriickgege- 
ben ,  denen  sie  forlan  nujtler,  nicht  was  sie  friiher  war, 
stiefmutter  seiu  soll.  Streng  aber  ist  die  bufse,  die  sie 
selbst  sich  auferlegt  bis  an  des  lebens  ende.  Da  nun 
das  gericht  sich  an  den  rothen  wendet,  fordert  dieser, 
dafs,  ehe  man  etwas  bescliliefse,  sein  gefahrte  vorgerufen 
werde ,  es  geschieht  durch  Rudliebs  wirt ,  der  in  der 
versammlung  anwesend  ist.  Der  richter  fragt  den  her- 
beigekonimeuen :  hoher  ritter,  ist  dieser  mann  dein  ge- 
fahrte  odev  ist  ers   nicht?   .  .  . 

Der  ausgang  des  verlaufs  steht  leider  auf  einer  der 
noch  nicht  wiedergefundenen  membranen.  Hatten,  wie 
man  annehmeu  darf,  auch  die  iibngen  jener  lehren 
auf  ahnlichc  weise  an  die  reihe  zu  kommen,  so  waren 
fortan  etwa  die  vierte  (deren  anwendung  auf  Rudlieb 
selbst  freilich  schwer  zu  begreifen  ist)  und  fiinfte  zu 
erwarten.  Es  scheinen  aber  diese  stellen  verloren ,  da 
wenigstens  das  niichste  oder  fragmentVII  nichts  der  art 
bietet.  Das  sehr  beschnittene  fol.  25  enlhalt  vielmehr 
auf  der  einen  seile  eine  ins  einzelne  gehende  (vielleicht 
mit  fragment  XVIII  zu  vergleichende)  darziihlung  der 
xmsicherheiten ,  in  welche  nach  dem  lauf  der  dinge  die 
reize  auch  der  schonsten  schonen  iibergehen.  Den 
versen  der  andern  seite  dieses  blattes,  denen  durchweg 
die  vordere  hiilfte  fehlt,  ist  kein  bestimmter  sinn  abzu- 
gewinnen.  Es  kommt  darin  cin  rilt,  gesang  und  tanz, 
aber  auch  todtende  sehnsucht  vor.  Hierauf  trifft,  so 
scheint  es ,  wenn  schon  wieder  nicht  ohne  liicke,  als 
fragm.  VIII    das  vordere    stiilzische  oder  st.  florianische 

14  * 


212  RUODLIEB. 

blalt  nilt  (lein  35sten  absclinill.  Dafs  alles  vorange- 
liende  aus  deren  34  beslanden  liaben  muls ,  wurde  nur 
dann  bebauplet  werden  diirfen,  \venn  nian  wiiste,  dafs 
das  gauze  nicbt  aucb  grofsere  abtlieiliuigen  (biicber, 
gesange  luid  dergl.)  gebabt  babe.  AVir  finden  unserii 
lielden  niit  eineni  jungen  neffen  (consanguineus,  con- 
Iribulis,  juvenis,  nepos),  dessen  beslinunte  bekannt- 
scbafl  wir  bier  zuersl  niacben,  im  bause  nocb  imnier 
nicbl  seiner  niutler,  sondern  vorerst  blols  einer  witwe 
(doniina ,  liera ,  coninialer),  die  ein  tocbterlein  liat, 
an  ^Yelclieni  Rudliebs  mutter  patbenstelle  verlreten. 
Gleicb  zu  anfang  dieses  blattes  (XXXV-XXXVII  nacb 
sl.  Ilorianiscber  eintbeilung)  wird  gar  idjlliscb  erzalilt 
von  wuiulersam  znbmen  vogeln,  au  denen  das  tochler- 
lein  seine  fieude  liat ,  besonders  an  jungen  slaaren, 
welcbe  von  der  kliigen  scbwester  Siaza  gelebrl  werden, 
Noslralim  *)  fari  •Patei-'  et  'noster''  recitare 
Usqiie  'ijiii  es  in  coelisy  lis ,  lis,  lis  triplicatis. 
Wenig  erbaut  von  dem  spiele  einiger  barfner,  die  sich 
horen  lassen,  greift  iinser  lield,  ein  zweiter  Volker, 
selbst  iii  eliie  Iiarfe ,  welcbe  ihm  ,  als  weiland  die  ihres 
geliebten  ebeNYirls,  von  der  bausfrau  dargebolen  wird. 
Er  spielt  drei  kuiistreicbe  tanzweisen,  inid ,  auf  ver- 
langen  von  nuitler  und  tocbtor,  eine  vierle,  unter  wel- 
cber  der  iiingling  und  das  fraulein  mit  nicht  minder 
kunstreicben  bevvegiingen  der  hiinde  als  der  fiifse  **) 
elnen  dux-cb  gegenseilige  neigung  belebten  reigen  tanzen. 
Darauf  ladt  das  fraiilein  den  jiingling  ziim  wurfgabel- 
gpiel    ein*        Sie    will ,  wer  dreimal,    er,    wer  auch  nur 


*)  also  wol  (leutsoli ,  etwa :  Fater  iinser  dii  dir  pist  in  himele, 
**)  /leinnas  agitarc  (ii;;ilis,  variare  niaiiibiis  ■    variare  pedilms. 


RUODLIEB.  213 


eiiinial  gesiegt,   soll  des  andern  ring  haben.      BaUl  und 
gerne  hat  jedes  ein   spiel  und  seinen  ring  verloren. 

Hier  bricht  das  erste  sanctllorianische  blalt  ab. 
Folgl  ohne  zweifel  das  niiinchner  n^.  26  mit  fragnient 
IX,  wo  des  frauleius  nuiUer  niit  R.  im  gespracli  iiber 
ilire  gevatterin,  seine  mutler,  begi-iffeu  ist  luid  dersel- 
ben  die  frohe  bolschaft  sendet,  dafs  ilir  sohn  den  folgen- 
den   abeud  eudlich  in  ihren  armen  sein  werde. 

Unterdessen  hat  das  piirchen  das  anziehende  spiel 
um  ring  und  herz  iind  hand  fortgesetzt,  und  dreiuial  ist 
sie  ihm ,  dreimal  er  ilir  verfallen. 

Die  auf  der  riickseite  iu  gev^ohnlichen  wagrechten 
zeilen  gescliriebenen  verse  blelen  nur  noch  ilire  zwei- 
ten  lialften  dar.  Es  sclielnt,  dafs  R.  auf  dem  wege 
dienern  begegnet,    dle  die  mutter  ihni  entgegen  scliickt. 

Auch  von  den  ersten  der  auf  den  leergebliebeuen 
raum  je  zu  zweien  nach  der  quer  gescliriebenen  ver- 
sen  ist  nur  noch  das  ende  iibrig.  Sie  versetzen  uns  iu 
^udliebs  mutterhaus,  wo  eln  junger  diener  niit  einer 
dohle,  die  er  die  worle  Ruodlleb  liere,  curre,  venique 
sagen  gelelirt  hat,  auf  der  warte  sleht,  und  endllch 
die  ankunft  des  mit  selnen  begleltern  aus  dem  wald 
hervortauchenden  gebleters  freudig  verkiindigt.  Fol.27. 
vou  welchem ,  wie  von  fol.  28 ,  nach  oben  zu  mehr 
als  zwei  drittel  weggeschnltten  siud ,  bildet ,  nilt  dem 
zweiten  stiiUischen  blatte  theils  zusammenfallend ,  theils 
es  ergiinzend,  das  fragment  X.  Auf  ein  bad,  das  Rud- 
lieb  nilt  dem  jugendlichen  neffen  genommen,  gehen  sie 
im  hause  der  mutter,  deren  tiscligenossln  sonst  nur 
dohle  ist,  zur  tafel.  Nach  dem  niahle  tritt  R.  mit  der 
mutter  in  ihr  gemach.  Er  lafst  den  relsesack  mlt 
pelzwerk  und  kiissen ,  die  er  in  den  zehn  jaliren  sei- 
ner  fremde  erworbeu  ,  dann  die  beiden  brote  bringen, 
die    ilini    der    konig    gegcbeukl    habe ,    damlt    auch    dle 


214  RUODLIEB. 


imiller  selieu  konne,  \vie  giil  africanisclie  brole  sclinie- 
cken.  Als  er  das  eine  ansclineiden  will ,  widerslelit  es 
dem  niesser,  er  schabt  den  nieliliiberzug  "weg,  und  es 
zeigt  sich  den  staunenden  das  helle  silber,  und,  nach- 
dem  er  die  nagel  abgefeilt,  die  fugen  geoffnet,  der  schatz 
von  glanzendem  golde.  Rudlieb  bricht  in  worte  des  dan- 
kes  gegen  deu  koniglichen  geber  aus.  FragmeutXI,  aus 
dem  drittelsblatte  28  mit  meist  imganzen  theils  horizon- 
tal,  theiis  vertical  geschriebenen  versen  besfehend,  so 
wie  das  fragment  XII  gewahrt  keinen  l)efriedigenden 
sinn.  Rudlieb  ist,  scheint  es,  mit  dem  neffen  wieder 
bei  jener  gevatterin  und  ihrer  tochter.  Die  erwahnung 
des  kahiies  und  fischfauges  am  schkisse  lafst  zusammen- 
hang  mit  dem  folgenden  fragment  XIII  voraussetzen. 
Im  fragmeut  XIII  legt  zur  verwunderung  der  wirtin 
und  der  vom  soller  herab  zuschauenden  jungfraulein, 
zur  freude  des  uefTeu  und  der  herbei  eilenden  koche, 
Rudlieb  proben  seiner  kunst,  fischezu  fangen  ab,  indem 
er  dieselben  mit  seiner  ruthe  (virga),  die,  wie  aus  dem 
vorigen  fragmeut  zu  vermulen,  etwa  durch  das  pulver 
der  buglossa  diese  kraft  erhielt,  nur  so  leichthin  aus 
dem  see  an  das  laud  jagt.  Nun  kommt  eine  auch  fiir 
die  altdeutsche  philologie  interessante  stelle,  welche  zu- 
gleich  auf  die  zeit  und  den  ort  des  dichters,  die  frei- 
lich  auch  aus  andern  umstanden  zu  erratheu  siud,  be- 
statigende  andeutuugen  gewahrt.  Es  ist  die  aufzahlung 
der  ausgelegten  [fische,  griifsten  theils  unter  deutschen, 
noch  ganz  das  geprage  des  zehnten  jahrhunderts  tra- 
genden  namen ,  wie  sie  auch  dermalen  im  Tegern  und 
audern  unsrer  oberlandischen  seen  vorkommen.  Hier- 
auf  liifst  denn  die  wirtin  ihre  schone  tochter  zur  tafel 
lierabholen ,  an  welcher  Rudliebs  nefTe  ihr  zur  seite 
sitzl.  Zur  grofseji  verwuuderung  und  ergetzung  der 
gesellschaft  wurden    die  kiinste  eiuei  huudes,     nament- 


RUODLIEB.  215 


Ilch  die ,  ^vo  irgeiul  etwas  enlwendet  worden  ,  sogleich 
den  dieb  zu  erkennen ,  auf  die  probe  gestellt.  Nach 
dem  mahle  werfen  sich  rilter  und  neife  in  fesllichen  an- 
zug,  wobei  dieser  des  jiingst  gewonnenen  ringes  nicht 
vergifst.  x\uf  fragment  XIV,  welcliem  eine  melir  oder 
minder  bedeuteade  liicke  vorangeht,  hat  endlich  nach 
formlicher  zustimmung  und  in  gegenwart  aller  deshalb 
von  Rudheb,  zusammeu  gebetenen  beiderseitigen  freimde 
iind  verwandteu,  deuen  es,  wie  ihm,  darum  zu  thuu 
ist,  dafs  der  edle  jiingling  den  arnien  der  schandHcIien, 
auf  uuseru  fragmenteu  uirgends  uaher  besproclieneu 
buhlerin  gerissen  werde  —  die  feierliche  verlobung  des 
letzteru  mit  der  gevatteriu  scliunem  tochterlein  statt  Es 
werden  dabei  zwischeu  braul  luid  brautigam,  der  ihr 
den  trauring  am  schwerlhefte  '"'')  darreicht,  heitere 
scherzreden ,  vou  ihrer  seite  nicht  ohne  uaive  spitze, 
gewechselt.  Nachdem  der  dichter  uoch  die  von  Rud- 
lieb  dem  parcheu  gemacliteu  gescheuke  aufgezahit, 
iiberlafst  ers  seinem  weiteru  schicksal  —  qualiter  inter 
se  concordent,  quid  mihi  curae? 

Es  sclieint,  dafs  das  friihere  verlialtuis  des  jiiug- 
lings  mit  der  angedeuteten  buhleriu  ,  desseu  darsteUung 
leider  verloren  gegangeu  ist,  sich  auf  die  sechste  un- 
ter  deu  zwolf  lehreu  bezogen  habe.  Dem  gemais  wiire 
nuu  deuu  die  reilie  au  der  sieljenteu.  lin  fragmeut  XV 
fiudeu  wir  nach  eiuer  liicke  vou  weuigstens  einem 
biatte  Rudiieb  wieder  iin  hause  der  multer,  die  ilim 
vorstellt,  wie  sie  uun  ait  uud  schwacli  werde,  utid  wie 
sehr  sie  wiiusclie ,  dafs  aucli  er  uiclit  ohne  eineu  er- 
ben  bleibe ;  dafs  er  sofort  die  vervvandten  und  freunde 
versammelu  und  nach  ilirem  ratli  sicli  eiue  ebenbiirlige 


*)    'daz  viiigeriin   an    di    liilzen'  cod.   lal.  nioaac.  2.  lol.  28b 
Watkeniageis  leseburli  I,   128  '°. 


216  RUODLIEB. 


gallhi  ^vahlen  nioge.  Er  willfiilirt.  Unter  deni  vorsilz 
der  nuitter  hat  eine  solclie  versamnilung  slatt  und  es 
Avird  (nicht  klar  ist,  ob  von  der  niutter  oder  von  wem 
aonst,  denn  hier  sind  die  verse  -Nvieder  verstiimmell) 
auf  eine  dominella  hingewiesen,  die  durch  adel  und 
hohe  tugend  vor  allen  werth  sei,  des  helden  genossin 
zu  werden.  Das  nun  folgeude  abganglge  blatt  niiiste  zei- 
gen,  ob  wirklich  liier  wieder  eine  anwendung,  und  zwar 
der  siebenten  unter  den  zwolf  lehren,  eingeflochten  sei. 
Nach  spaterem  scheiut  es,  dafs  Rudlieb  jene,  von  der 
niulter  und  den  freunden  geriihmte  trefFliclie  seinestheils 
bereits  besser  kennt,  und,  um  sich  folgsam  zu  zeigen, 
einen  verlrauten  absendet,  der  die  schone  um  ihre  hand 
angehen,  zu  gleicher  zeit  aber,  iiud  ohne  dafs  ers  selbsl 
80  recht  weifs,  zum  entschiedensten  von  ihr  ausgehen- 
den  nein  bestimmen  soU.  Im  fragment  XVI,  auf  fol. 
32  und  33  nemlich,  erfahren  wir  den  verlauf  und  er- 
folg  dieser  sendung ,  eiumal,  iind  in  zum  theil  ver- 
stiimmellen  versen,  vom  erziihlenden  dichter,  und  dann 
nochmal  und  vollslandlger  als  bericht,  den  der  abge- 
sandle  an  Rudlieb  erstatlet.  Die  schone  hat  ihn  ganz 
freundlich  empfangen  und  ihm  nach  allerlei  fragen  iiber 
seine  landsmanninnen  fiir  Rudlleb  wegen  der  auch  hier 
wieder  eingemischten  altdeutschen  worte  uniibersetzba- 
ren  bescheid  gegeben: 

dic  illi  uunc  de    me  corde  fideli, 
tantundem  liehes ,    veniat  quantum  modo  louhes, 
et  volugrum  wurma  quot  sint,    tot  dic  sibi  minna, 
graminis   el  florum  quantum  sit,    dic  et  honorum. 
Auf  diese  worte,  diealsjagellen  konnen,  nimmt  er  abschied, 
bleibt  aber  eine  weile  wie  in  gedanken  steheu  ,  und  klagt 
sich  an,  dafs  er  ein  kleines  vou  seiten  Rudliebs  fiir  sie  mltge- 
brachtes  geschenk  zu  iiberreichen  vergessen  habe.  Freu- 
dig  empfangt  sie   ein  ladchen  (pyxidem),  das  er  aus  der 


RUODLIBB.  217 


tasche  (e  caliga)  zlelit,  mid  eilt  es  zu  ofnen  ans  feuster. 
Darin  findel  sie ,  wol  eingewickelt  und  vierfach  versie- 
gelt,  gewisse  bander,  die  ihr  bei  dein  (vermutlich  auch 
auf  einem  der  verlornen  fragmente  erzahlten)  aben- 
teuer  mit  einem  clericus  entfallen  waren ,  (cidarim,  das 
schapel,  el  ligamina  ....).  Wiilend  geht  sie  auf  dea 
bolen  zu ,  und  nachdem  er  hoch  und  theuer  geschwo- 
ren ,  dafs  ev  nicht  gewust,  was  das  versiegelle  gebiinde 
enthalten,  spricht  sie:  'sag  deinem  freunde,  gab  es  v.  ei- 
ler  keinen  mann  als  ihn ,  brachl'  er  mir  die  ganze  ivelt 
zum   brautscliatz,  ihn  niihni'  ich  nimmermelir. 

Nun  werd  ich  wol,  sagt  Rudlieb,  da  er  den  be- 
richt  vernommen  ,  eiae  braut  mir  wahlen  niiissen ,  die 
nicht  im  stillen  eiuen    andern    liebt. 

BIs  hieher  triigl  alles,  selbst  die  ruthe,  die  Rudlleb 
beim  fischen  braucht,  und  den  hund ,  der  jeden  dieb 
erkennt,  kaum  ausgenommen,  so  sehr  dle  naturfarbe 
des  moglichen ,  zum  theil  des  gewohnllchen,  dafs  man 
sich  iiber  nlchts  als  iiber  die  unermiidete  idyllisch  didac- 
tische  breite  des  versillcators  wundern  niochte.  AUein 
von  nun  an  und  zwar  leider  erst  in  niitle  dieses  frag- 
ments  und  so  am  ende  der  geretteten  liberbleibsel,  scheint 
unser  gedlcht  einen  ganz  andern  neuen  schwung  nlcht 
blofs,  wie  elwa  das  vom  herzog  Ernst,  hiniiber  ius  aben- 
teuerliche  iiberhaupt ,  sondern  sogar ,  was  denkbarer 
zusammenhange  wegen  fiir  luis  viel  bedeutsamer  ist, 
bis  in  die  nebelhohen  der  germanischen  heldensage  zu 
nehmen.  Rudliebs  mutter  wirkt  (fol.  33*.  v.  83)  so  vlel 
chrlslliche  werke  der  milde  gegen  arme  und  witwen 
und  waisen  und  pilger,  dafs  golt  ihren  sohn  begliicken 
will  vor  vielen,  vuid  ilir  dies  im  traume  andeutet.  Sle 
sleht,  wie  der  sohn  zween  wllde  eber ,  dle  an  der 
spitze  einer  lieerde  wilder  bachen  ihn  anfallen,  mil  sei- 


218  RUODLIEB. 


iiein  sclivverl  ei'legl.  Hierauf  sieht  sle  ihn  silzen  auf 
dem  glpfel  einer  hohen  linde,  um  ihn  her  auf  den  aslen 
seine  slreitgenossen.  tlber  ein  kleines  fliegt  eine  schnee- 
weifse  taube  herbei,  eine  koslliclie  krone  im  schnabel. 
Sie  legt  die  krone  ihm  aufs  haupt  und  setzt  sich,  kiisse 
gebend  und  empfangeud,  auf  seine  hand.  Dieses,  jelzt 
das  vorletzte  blatt,  bricht  ab  mit  der  erofnung,  die  die 
mutter,  wolbedachtlich  erst  drei  tage  nacli  dem  traum, 
dei.-  sohne  macht  iiber  die  hohen  seiner  -Nvartenden  ge- 
schicke.  "Wie  viele  blalter  nach  diesem  fehlen  mogen, 
isl  schwer  zu  errathen.  Doch  scheint  auch  auf  dem 
jetzt  letzleu  die  neue  sagenhafte  folge  von  begebnissen 
erst  noch  im  beginnen  zu  seiu,  Es  liegt  nemlich  ini 
fragment  XVII  foL  34'^.  eines  der  mylliisclien  wesen ; 
deren  in  unserer  heldensage  unter  bcslinuiiten  uamen 
mehrere  ihre  roUen  spielen,  ein  zwerg,  vermullich  nach 
schwerem  kampfe,  gebunden  zu  Piudliebs  fiifsen.  ''Tod- 
test  du  mich  nicht,'  spricht  er,  'und  losest  mir  die 
liaude ,  so  zeig  ich  dir  zweier  konige  horl,  die  mit  dir 
kampfen  werden,  Immunchs  und  seines  solines  Hartunchs. 
Beide  wirst  du  erschhngeu.  Des  reiches  dann  ein- 
zige  erbin  ,  Herihurg  die  schone  maid,  wirst  du  erwer- 
ben ,  aber  niclit  ohue  viel  des  bhiles,  thust  du  nicht, 
was  ich,  so  du  mich  losgebunden ,  dir  rathen  werde.' 
Nicht  zu  verkennen  ist  hier  eine,  mit  dem  trauni  von 
deu  beiden  ebern  und  der  weifsen  taube  iibereinstim- 
mende,  noch  deutlicher,  und  in  namen ,  ausgesprochene 
darlegung  dessen  ,  was  im  Aveitern  verfolg  unsers  wer- 
kes  vorkommen  muste ,  leider  aber,  falls  es  iiberhaupt 
volleudet  worden,  verloren  gegangen  scheint.  Denn 
nun  folgt  nur  noch,  wie  Rudlieb  den  zwerg  nicht  los- 
binden  will,  weil  er  worlbriichigkeit  bcsorgt,  worauf 
dieser  antwortet ,  nicht  wie  das  geschlecht  der  meu- 
schen    gehe   das  der   zwerge    mit    betrug  um    uud  des- 


RUODLiBB.  219 


halb  sei  es  vou  sleclilhuni  frei  und  so  langes  lebeus. 
Endllch  bietet  er,  bis  zu  voller  erfiillung  seine  gatlin, 
eiu  anniutiges ,  zierliclies  weibchen,  das  er  aus  der 
hole  lierbeiruft,  dem  zweifeluden  als  gelsel  au.  Was 
als  fragment  XVIII  fol.  34^  nun  noch  folgt,  slnd  lui- 
zusammenhangende,  vom  dlchler  vielleicht  zu  anderm 
zwecke  oder  im  voraus  gearbeitete  uud  schon  friiher- 
liin  auf  dieser  pergamenlselle  nledergeschriebene  slellen. 
Unter  anderm  \vlrd  elne  jungfrau  als  iliegen  verscheu- 
chende  warterln  aufgeslellt  und  (wem?,  vou  wem?) 
eln  paar  wie  es  scheint  lederner  vvelnllaschen  (lagenae), 
dle,  wol  scherzweise,  auch  sliefel  (ocreae)  genannt  wer- 
den  *),  lobprelsend  dargebolen.  Dafs  indessen  dlese 
verse  dennoch  auch  ziu"  ^orllegenden  dlchtuug  gchoren 
niochten,  ist  dadurch  wahrscheinllch,  dafs  auf  der  riick- 
seite  von  fol.  1,  leider  von  der  scheere  sehr  iibel  zu- 
gerichtet,  mehrere  hexameter,  hler  als  fragment  XIX 
aufgefiihrt  vorkommen,  iu  welchen  ebenfalls  von  elner 
fliegen  abwehrenden,  und,  was  bedeulsamer,  von  einem 
'Dietmaro  viiiuiihus  undique  claro^  niit  iibergeschriebener 
verbesserung  ,  ^nitnis  hostihus  ejus  amaro''  dle  rede  ist. 

Ware  der  dlchter  mit  eigenen  namen  seiner  hel- 
den  und  heldlnnen  **)  nlcht  so  sparsam  lungegangen, 
so  wiirde  slcli  eine  etwalge  beriihrung  mit  andern  sa- 
gen  uud  dichtungen  der  vorzelt  leichter  herausfinden 
lassen.  So  aber  sind  die  namen  RaoiUieh ,  Immunch, 
Ilartunch,  Herihurg ,  Staza,  wozu  vlellelcht  auch  Dietmar 
genommen    werden    darf,    sodann  Jfrica,    die    einzlgen. 


*•)  In  der  romanisclien  sprache  bedeutet  botta ,  bota,  boUe 
—  woraus  botiglia  ,  boteila ,  bouteiile  ,    eins  wie  das  andere. 

''"^)  waren  sie  etwa  nls  bestimmte  niclit  in  seiner  walil  lie- 
gende  deutsclie  ins  lateinisciie  versniafs  gar   zu  unbequem  ? 


220  R  U  O  D  L I E  B. 


die  in  deii  blsher  bekannleii  fragmenten  zum  vorschein 
kommen.  Was  Ruodlieb  die  hauplgeslalt  des  gedichts 
betrift,  so  erscheint  im  Eggenlied  (str.  82  p.  30  bei 
Lafsberg)  ein  kunig  Ruotliep,  da  wo  die  geschichte  des 
beriihmten  schwertes  Eckesachs  beriihrt  wird.  Vou  die- 
sem  seinem  schwert  sagt  Ecke  ruhmredig  dem  zum 
zweikampf.aufgesuchten  Dietrich  dem  Berner,  nachdem  er 
erzahlt  hat,  dafs  es  dem  ersten  besitzer  von  einem  >vil- 
den  gezwerg  aus  dem  berge  gestohlen    ^vorden  vvar: 

Dem  kiinge  RuotUehe 

Dem  wart  ez  sit    ze  lianden  braht, 

Der  kund  ez  wol  behallen. 

Er  hatz  der  siten  sin  gedaht. 

Der  wart  ez  nie  verschalfen, 

Uuz  daz  sin  sun  wuohs  zeineni  man, 

Der  wart  damit  ze  ritter, 

Des  manger  not  gewan, 

Sus  wuohs  her  Port  ze  einem  man, 

Sin  tiurlich    sahs  er  au  sich  nan, 

Er  was  ein    degen    kuene, 

Darmit  er  Hugeholden  sluoc  *). 

« 

Dieser  lier  Port  oder  lieber  Herbort  scheint  also  Ruot- 
liebs  sohn?  lu  der,  aus  deulschen  d.  h.  in  Deutsch- 
land  geschriebeuen  quellen  zusammengestellten  Wilkina 
saga  wird  cap.  XL  bei  derselben  gelegenheit  von  Ekki- 
sax  gesagt,  dafs  es  Alfrikur  (Alberich)  der  zwerg  sel- 
nem  vater  im  berg  gestohlen  und  es  dann  dem  konig 
RozehiJ  (in  einlgen  codd.  Roseleif,  Rutseleif)  gegeben  liabe, 
der  es  bewahrte,  bis  der  junge  Rozeleif  es  trug,  und 
jnanchen  niann  damit  erschlug.  Die  ideulitiil  zwischen 
Rozeleif  und  Ruotliep,  vvelchem  ein  alteres  Hrodleif,  Hrod- 


•)  die  dresHner  lis.  des  Eckenlieds  (T4,  v.  d.  Hagen  87)  niadit 
aus  Ruotliep  einea  weigant  (lielden)  von  Yban. 


RUODLIBB.  221 

laibs  zu  gruiule  llegen  wii'd,  ist  bei  gleicliheit  aller  iibri- 
gen  umslande  \\o\  kauni  zu  bezweifeln.  Nur  scliade, 
dafs  weder  in  der  AYilkiua  saga  noch  in  den  bisher  wie- 
der  zu  tage  gekonmienen  deutsclien  dichtungen  jener 
zeit  VOH  dieseni  heldeu  niehr  zu  finden  ist.  In  unserm 
gedicht  niiisle  deni  heldcn ,  der  nacli  der  voraussage 
spaterhin  zuni  kunig  wird ,  das  wundersame  schwert 
erst  nocli  zu  theil  werden,  wozu  das  abenleuer  mil  dem 
zwerg,  der  daun  wol  kein  andrer  als  jener  aus  deu 
ISibelungen  bekannle  Alherich  "ware,  den  anfang  zu  nia- 
clien  scheint.  Der  konige  Itnmunch  imd  seines  sohnes 
Hariunch  ,  welclie  Ruodlieb  erschlagen,  so  wie  ihrer  er- 
bin  ,  der  schonen  Ilerilurg,  die  er  zur  braut  gewinnen 
soU  ,  linde  ich  sonst ,  wenigstens  unler  ahnlichen  be- 
ziehungen,  nirgends  erwiilinung  gelhan.  Denn  es  ist 
wol  weder  der  unter  den  helden  des  rosengartens  *) 
genannle  Hartung  von  Riuzen,  noch  die  in  der  Gudrun 
vorkommende  hunische  kiinigin  Herhurg ,  nocli  die  in 
der  Wilkina  saga  (cap.  221.  223)  als  geniahlin  des  kii- 
nigs  Salomon  von  Frankenland  aufgefiihrte  Herburg 
oder  ihre  gleichnamige  tochter,  um  welche  Apollonius, 
ktinig  Artus  sohn  wirbt,  in  anschlag  zu  bringen.  Staza 
scheint  die  verkiirzung  eines  zweisilbigen  frauennaniens, 
den  ich  nicht  erralhe.  Gehorl  aber  der  name  Dielmar 
in  uiiser  gedicht,  so  kunnle  ,  insofcrn  iii  der  alten  sage 
iiberhaupt  von  chronologie  die  rede  seiii  mag,  gar  wol 
Dielmar  nach  der  ATilkina  saga  ein  sohn  kunig  Sani- 
sons  von  Salern  ,  oheim  AVallhers  von  Aquitanien,  er- 
bauer  von  Bern  (Verona),  und  vater  des  iiber  alle 
gefeierlen  Dielrichs  von  Bern ,  oder,  wenn  hislori- 
sche    anlehnung    erlaubt    isl,    Tlicudumir   einer    der  drei 


•)  deulsche  lieldensage  p,  247.  339.  Roseiigarten  p.  XV.  XXII. 
vgl.   deutsclie  mytli.    140.  206 


222  RUODLIEB. 


solnie  Amalimgs,  der  valer  des  grofsen  Theodoriks,  ge- 
nieint  sein.  Sellsam  klingt  yljrica  fiir  das  land  ,  nacli 
dessen  liauptstadt  Ruodlieb  aus  seiner  Iieimat  fortreitet, 
ohne  dafs  er  iiber  ein  wasser  zu  selzen  brauclil.  man 
darf  deni  lateinisch  gebildeten  dichter  vvol  zulrauen, 
dafs  ihm  hier  irgend  ein  andrer  passenderer  namebeige- 
fallen  sein  wiirde ,  hiitle  er  nicht  einer  bestimmten  aus 
dem  leben  genonimenen  sage  folgen  wollen.  Jener  name 
konnle  vor  den  kreuzziigen  ,  -Nvenn  nicht  noch  von 
Genserich  ,  doch  von  den  Mauren  ,  den  besiegern  der 
spanischen  Gothen  her,  in  die  germanische  sage  gera- 
then  sein.  Spatere  dichtuugen,  z.  b.  die  Blomsturvalla 
saga,  verlegen  unbedenklich  ihren  schauplatz  nach  Africa. 
In  der  larl  Magussaga  erscheint  cap.  72  ein  konig  von 
Serkland  und  Africa.  Sogar  die  recken  Hildebrant  luid 
Herebrant  werden  in  einem  altfranzosischen  gedicht 
(altd.  museiun  II,  312.  314)  Africaner  genannt,  und  nach 
Tristan  5772  hatte  eines  konigs  sohn  von  Africa  Ir- 
land   erobert. 

xch  kann  iiberhaupt  nicht  umhin ,  wenigstens  an 
dem  in  vorliegenden  fragmenten  enlhaltenen  ersten  theil 
unsers  gedichts  eine  gewisse  ahnlichkeit  zu  finden  mit 
dem  von  herzog  Ernst ,  und  zwar  sowol  was  die  fabel, 
als  was  die  form  belrift.  Auch  Ernst  entflieht  aus  dem 
vaterland,  auch  er  kommt  nach  Africa,  auch  er  wird 
von  seiner  mutter,  der  kaiserin  Adelheid,  zuriickgeru- 
fen.  Und  dafs  auch  die  sage  von  herzogErnst  in  ahn- 
lichen  freilich  schon  vcillig  gereimten  laleinischen  hexa- 
metern  bearbeitet  worden,  darf  nian  wol  aus  den  ein- 
zelnen  stellen  schliefsen  ,  welche  in  der  spatern  lateini- 
schen  prosaischen  erzahlung  der  miinchner(st.  ulrichischen) 
deutschen  hs.  572  daraus  beibehallen  sind.     z.  b.  fol.  3. 

Unum  speravi,  melius  c|uod   nie  meruisse  putavi, 


RUODLIEB.  223 


At  comes  Henricus  sine  re  nobis  ininiicus 
Haud  impune  feret,  licet  Luic  rex  fautor  adliaeret, 
fol.4.  Is  rumpendo  moras  cilo  deveniebat  in  oras. 
Dafs  endlich  diese  laleinische  bearbeirung  des  Ernst 
auch  ins  eilfte,  \vo  nicht  schon  zelinte  jahrli.  falle,  er- 
gibt  sich ,  scheint  es ,  aus  der  form  der  altdeutschen 
worter,  vvelclie  bei  aufzahlung  des  kriegs  und  schilfs- 
apparates  fol.  7,  gerade  wie  andre  hie  und  da  auf  un- 
sern  vorliegenden  fragmenlen  als  glossen  beigeschrieben 
sind.  Hingegen  die  zweite,  in  dieseu  fragmenten  blofs 
angefangene  ,  zur  heldensage  gehorige  parlie  unsers  ge- 
dichles  schlagt  mehr  in  die  art  des  X^Sallliarius  ein.  Es 
niufs  liberhaupt  in  dieser  noch  nicht  durcli  die  kreuz- 
ziige  aufgereglen  luid  erfiillleu  zeit  unter  den  lateiniscli 
gebildeten ,  also  zuniichst  geisllichen ,  besondere  lust 
geherscht  haben ,  sicli  in  poetischer  darstellung  llieils 
wirkitclier  ereignisse,  iheils  aherer  volkssagen,  die  sicli 
wol  als  solche  von  jeher  nur  sellen  schriftlicher  auf- 
zeichnung  erfreute ,  zu  versuchen.  Denn  von  wel- 
cheu  der  spaterhin  in  der  laiensprache  verfafsten, 
nichl  von  westeu  lier  entlehnlen  giofsern  dichtungcn 
ware  nicht  ausdriicklich  gesagt,  dafs  sie  friiher  in  latei- 
nischer  zunge  geschrieben  war?,  Aber  wie  viele  jener 
lateinischcn ,  besonders  der  mehr  profanen,  exercitien 
und  compositionen,  aus  klosteilicher  bescheidenheit  und 
bei  der  koslbarkeit  des  schreibmaterials  vielleicht  nie 
oder  nur  das  eine  und  andere  nial  abgeschrieben  ,  mo- 
gen  eben  so  bald  wieder  verloren  gegangen  sein ! 

Was  wiisten  wir  selbst  von  des  noch  ziemlich  in 
dieselbe  epoche  (1060)  fallenden  Tegei-nseers  Metellus 
durchaus  frommen  Quirinalien,  hiitte  nicht  Canisius  das 
damals  noch  vorhandene  einzige  exemplar  in  seinen  an- 
tiquae  lecliones  abdrucken  lassen? 


224  RUODLIEB. 

Es  Ist  >vol  kauni   zu  verkennen,  dafs  die  vorliegen- 
den  fragmenle  ein  ersler  aufsatz  von  der  hand  des  dich- 
lers  selbst  sind.      Dafiir    sprechen ,    weun    nicht    schon 
die  sparsame  art,  nach  welcher  die  hie  und  da  aus  klei- 
neru   slvicken    zusannnengeleimten    pergamenlblalter  an 
mehrern  platzen  iiber  kreuz  uud  quer  benulzt  werden,  und 
wenn    nicht    die  an    verschiedenheit    der    dinte    und  an 
der  ungleich  gut  gesclmitteneu  feder,    als  zwischen  man- 
cherlei  unterbrechungen    niedergeschrieben   erkeunbaren 
stellen  ,    doch   gewifs  die    an    nicht  wenig  orteu    ausge- 
slricheneu,  und  durch  bessere  ersetzteu  sowol  einzehien 
ausdriicke  als  ganzeu    verszeileu.     Dafs  der  dicliter  ei- 
ner  der  briider  am    Tegernsee  gevveseu  ware  freilich  aus 
dem  lobe  der  geistlicheu  leule,    das  er  (fragm.  111,  211) 
dem   eiuen  kOnig  iu   den   muud    legt,  oder  aus  der  um- 
sti-iudliclieu  beschreibung  kunstreicher  metallarbeiten,  auf 
welcha  man  sich  damals  zu  Tegernsee  so  wol  verstand, 
oder  aus   der    aufzaliluug   und    den    uocli   jetzt  im  dia- 
lect  geheuden   deutscheu  namen  der  fische,  die  Rudlieb, 
auch  iu  eiuem  see,  gefangen,  nicht  sehr  sicher   zu  schlie- 
fsen;  weun  man  nicht  den  umstaud,    dafs  die  niembra- 
nen  ,  die  deu  ersteu  aufsatz  des  gediclites  enthalteu,  spii- 
ter  zum  biudeu    von    gerade  tegeruseeischen  handschrif- 
ten  gedient  haben ,    ja  dals    sie    zum   theil   urspriinglich 
aus    leergebliebeueu   bliittern   tegeruseeischer  handsclirif- 
teu  bestaudeu  zu  haben  scheinen,  fiir  entscheidend  gellen 
lasseu   will.     Geniigt,  bis  vielleiclit  eiumal  gewisheit  her- 
gestellt  werdeu  kanu  ,  die   wahrscheiulicbkeit,    dafs  uu- 
ser  dicliler  iu   Tegernsee  zu  suchen,   so   fiihrt  vorerst  die 
form   der  im  text  oder  als  glosseu  vorkommeudeii  deut- 
schen  ausdriicke  auf   kein    jiiugeres    zeitalter    desselben, 
als  hochsteus  deu  anfang  des  zweiteu  jahrlausends.    Die- 
selbe  zeit  wird  aucli  durch  die  schriftziige  sowol  unsrer 
als  der  st.  florianer  fragmeute  nachgewicsen.    In  die  wahl 


R  U  O  D  L  I  E  B.  225 


kann  folglich  uiiter  deti  bislier  als  dichtern  bekannt  gc- 
■NvordenenTegernseern  sicliernichtmehr  der  ini  jahr  1197 
abgeschiedene  verfasser  des  schatzbaren  deutschen  ge- 
dichtes  auf  die  jungfrau  INIaria,  Wernher,  uud  kauui 
der  verfasser  der  um  1060  geschriebenen  Bucolica  Qui- 
rinalia,  IMetellus  ,  koninien.  Aber  vieles  vereinigt  sich 
um  auf  Froumunt  ralhen  zu  lassen  ,  von  welcljcni 
wir  im  cod.  teg.  1008  noch  ein  biichlein  besitzen ,  iti 
welches  er  vierzig  selner  kleinern  gedichte  und  ver- 
schiedene  von  ilim  oder  von  bekannten  geschriebene  briefe 
eingetragen  hat  ' ).  Auch  cod.  teg.  1021  isl  von  ihin  zu 
schreiben  angefangen,  und  von  seinen  scluilern  vollcndct. 
Schon  iii  einem  a°.  990  geschriebenen  briefe  (cod.  pag. 
11)  erbiltet  er  sich  vom  abte  Gozpert  'ad  utiliialeiu 
spiritualis  el  temporalis  exercitii  aliquas  membranas. 
Nam ,  ut  scitis  ,  libenter  interdum  scriptitalionis  immo- 
ror  studio.  Sed  nunc  facultatem  scribendi  pergamenis 
deficlentibus  non  habeo ,  nisi  vestrae  manus  largitione 
tribuatur.'  Von  dleser  pergamentnoth  geben  unsre  frag- 
mente  das  anschaulicliste  bild.  Da  ihm  erst  nach  1017 
abt  Ellinger,  der  ihn  als  ehemaligen  lehrer  begriifst,  /.u 
der  endlich  angenommenen  priesterNviirde  gliick  wiinscht 
(cod.  p.  143),  so  muls  er  mindestcns  20  jahre  lang  als 
laie  **)  oder  doch  aus  wah    blols  mit  den  minderu  vvei- 


')  von  weiclien  briefen  und  gedicliten  die  meisten  bei  Mahillon 
(analecta),    Meichelbeck  liist.  Fris.    und    Petz  ('tlies.  anecd.)  abge- 
druckt  sind.     Er  sagt   zu  anfang  seines  biicliieins: 
Quae  milii  dictanti  concessit  gratia  Christi 
Versibus  aut  kartis,    in  corpus  vertere  scriptiim 
Decrevi,  quotiens  lioc  possum  ferre  peraptnm. 
Quin  scribatur  enira  quicquid    non  miltitur  igni, 
Aut  cnrsu  celeri  transportet  nuiicius  orbi? 
*')   'Fronmundus    soio  vestitu    monacliica   vi(a    adlitulatns    .  .  . 

15 


226  a  U  O  D  L  l  B  B. 

hen  imkloster  gelebl  liabei),iiii(l  theilsadiiiinistrator,  thells 
scliolaslicus  (magisler  clericoriun  iler  dainals  bliihenden 
tegernseer  schule)  geweseu  sein  *),  Seine  correspondenz 
liifst  ausgebreitele  verbindungen  **)  und  bedeulende  gel- 
lung  seines  naniens  vernuiten.  Seine  gediclite,  darun- 
ter  eines  auf  seine  verstorbene  niutter  llisa  ( —  oo), 
sind  mitunter  eingebungen  der  heilersten  laune,  mauche 
in  sehr  kuustlichen  formen ,  mebrere  iu  hexamelern, 
welche  wie  im  E.udlieb  die  letzle  silbe  auf  die  casi.i'- 
silbe  reimen,  yerfafst.  INIanche  stelle  mahnt  lebhaft  an 
enlsprechende  unsers  gedichtes,  z.  b.  an  fragm.  XVI,  67 
der  anfang  eincs  grufses  an  Liutold,  den  bischof  zu 
Augsburg,  (cod.  p.  57) 

Fraler  Froumundus  Liutoldo  mille  salules 
Et    quot    nunc     lerris    emergunt    iloscula    cunclis  ■, 
an    die    seltsame    trennung    des    wortes    parilia    fragm. 
XVin.  c.  1  die  stelle  (cod.  p.  64): 

Te  Tegrin  somno  suscilat  ipse  seu. 
Lusimus  omnigenis  cautibus  et  studiis  sagt  er  (ced.  p. 
82)  iu  den  dislichen  an  kaiser  Ileinrich  und  desseu 
bruder  Bruno.  W^enu  in  dem  genannten  sanuuelbuch 
nicht  aucli  das  gedicht  Piudlieb  vorkommt ,  so  kann 
man  denken,  entweder,  dafs  es  schou  au  sich  zu  um- 
fangreich    geschienen ,    oder  dafs    es    ein    vielleicht  uicht 


portarius  monasterii'    sagt  er  voii    sicli    in    einem   brief  an    biscliof 
Gotascalc  zu  Freising  (cod.  p.  91). 

•)  vertrautlieit  mit  deutscher  sage  verrjitli  aucli  seine  liistoria 
monasterii  tegernseensis  (Reinti.  fuclis  XLIX-LI.) 

*')  in  einer  fiirstl.  wallersteinisciien  liandsclirift  des  Boettiiiis 
de  cons.  pliilos.  4o  ist  nacli  Kolilers  handscliriftl.  catalog  auf  dem 
dritten  blalte  zu  lesen: 

Hunc  ego  Frouinundus  librum  ecce  Colonie  scripsi 
At^ue  huc  devexi  tibi,  sancte  Quirine.     .     . 


R  U  0  D  L I  E  B.  227 


cinmal  vollendeler  versncli  jiingerer  jalire  gew^esen,  auf 
den  der  altere,  ernslere  presbyter  etwa  aucli  sonsi 
niclit  gerne  zuriick  kam  *). 

In  der  that  sind  die  hcxameter  unsers  dichlers 
ziemlich  leicht  gebaut;  die  riicksicht  auf  den  sogenann- 
len  leoninischen  reim  ,  eine  niclit  unbedeutende  fessel, 
hat  ihn  hie  uud  da  iiber  die  sonst  notliwendige  laiige 
der  casursilbe  wegsehen  lassen,  wie  denn  auch  nach 
dem  metrischen  bediirfnis  einzehie  worter  umgemodeU, 
z.  b.  peccunna  III,  424.  446  strennuUer  I,  8.  XY,  6'J. 
tessereWW,  60.  XIV,  24,  54.;  die  relalivpronomina  und 
conjuuctionen  wie  al ,  et ,  ne  ^  nem  ,  (juando  ,  quani ,  ijuo 
cjuod,  scd,  si,  ut  u.  s.  f.  vom  anfange  des  satzes,  deii 
sie  einleiten  soUen  ,  in  die  miile  oder  gar  ans  ende  ge- 
riickt,  prapositionen  von  ilirem  casuswort  getrennt,  vel 
meist  fiir  et  gebraucht,  andere  parlikehi ,  wie  ceu  ,  nec^ 
neque ,  fjue,  sive ,  i>e ,  velut  entweder  versetzt  oder  unuo- 
tliig  eingeilickt  sind. 

Das  reflexive  pronomen  sibi ,  se  wird  fiir  dnt.  uml 
acc.  des  pronomens  der  drilten  persou  iiberhaupt  also 
fiir  ei,  eis ,  eum,  eam ,  eos,  eas  genommen  (z.  b.  II,  14. 
77.129.196  u.  s.  f.  I,  6.  11.  83.  113.  II,  20,  91.  110. 
112.  192.  194  u.  s.  f.)  fore  wird  fiir  ^55^  (z.  b.  III,  32'J. 
555.  IV,  55.  IX,  17.  XV,  31.  XVI,  24),  posse ,  i^elle, 
i>ivere  werden  als  subslanlive  gebraucht. 

Der  positiv  fiir  comparativ:  tanto  (quanto)  melius 
tanto  karus^W,  57,  fiir  superlativ:  quam  strennuiter  I,  8, 
quam  districte  II ,  206 ,  quam  bene  III ,  304.  (cf.  quani 
familiariter  beiTerentius)  wie  sich  denn  wol  fiir  die  mei- 
sten    dieser  freiheilen   aucli  aus   friilierer  lalinitat    belege 


')  vgl.  Walthftriiis  obeii  s.  62.  65. 

15 


228  R  l)  O  D  L  I  E  B. 


fnulen  lielsen.  Die  tenipora  werden,  fast  wie  iin  Wall- 
liarius,  auf  deutsche  weise  gesetzt,  praes.  und  fut.  ne- 
beneinander,  z.  b.  resident,  ibunt  IV,  107;  vincunlur, 
perinientur  XVII,  19;  perf.  luul  pluscj.  deseruisset,  nolit 
1,  70.  surgunt,  iiuluerant  111,  576.  constrinxerat  VI,  92 
fiir  constrinxit.  aucli  der  inf.  praet.  posses  nicliilasse  II^ 
140;  scit  jacuisse  VII,  23,  verearis  II,  89  passiviscli,  wie 
freilich  scliou  bei  Gellius  15,  13:  ubi  maluut  nietui  quam 
vereri  se  ab  suis.  Der  lebendige  iibergang  iu  die  aurede 
(VValtharius  s.  67)  konunt  hier  III,  170  vor. 

INIehrcre  siitze  werden  blofs  durch  verdrelite  stellung 
ihrer  theile  fiir  den  ersteu  anlauf  etwas  dunkel.  ein 
paar  beispiele : 

3  2  1 

I ,  32      tuba  quam  melius. 

2  14  3. 

II,  20      Veniunt  quando  sibi  (illis)  dixit. 

1  2 

36     Non  tam  nosco  locum  vestris  conventibus  aptum 
Campus   ut  est  ille. 
5  6  7     12  3  4 

112     Noli  recordari  te  sed  postquam   sibi  (eij  dixi. 
123465  7  8 

42     Nam  mala  malo  bono  quam  reddere  vincere  pravo. 
13  2  4 

VII,  31    nunc  super  ossa  cutem. 

125  3  786  4 

XV,  2     Si  siue  dic  liberis  quid   erit  fili  morieris, 

13  2  4  5 

XVI,  5    Scio  quod  miuime  rogitas  me. 

2  7  4         6  5        13 

70     Quando  licentia  quo   delur  milii  vel  rogilavi 

(et    quando  rogilavi  ut  mihi  delur  licenlia). 


R  U  O  D  L  I  E  B.  229 


llbrlgens  wird  das,  was  uns  laleinlsche  dlcliter  vom  be- 
giun  des  zweilen  jahrtausends  iinsrer  zeilrechnung   eai- 
pfehlen  kann,  am  allerlelzten  der  bau  ihrer  verse  seln. 
es    wlrd    niclit    in    den    worlen    uud   formen  elner  blos 
augescluilten    sprache    beslehen.       \Yas    wir   vor   allem 
suchen ,     sind    sachen ,      aufschliisse    iiber    intiere     iind 
iiufsere  zustande  der  damah'gen ,  in  wlssen  und  meineu, 
in  slnnen  und  trachten  ,  in  kunst  und  art  und  sltle  von 
unsrer  heutigen  gar  sehr  verschledenen  biirgerliclien  ge- 
sellscliaft.      tJnd  an  solchen   aufschliissen  lafst  uns  auch 
unser  .Ruodlieb,  schon  in  den  vorllegenden  fragmenten, 
nicht    leer    ausgehen.      Denn    die    geslalteu  und  farben, 
umgebungen    und    gesinnungen ,    die    der  dlchler  selnen 
lielden    verlelht,    kann    er    zum    grofsten  thell  nur  aus 
dem,    was    er  selbst  erfahren  luid  mlt  angescliaut,    enl- 
nommen   haben.      INIan  verglelche  iiber  kleldung  II,  93. 
V,  45,  XIII,  91  ff.,  riistung  I,  18  it,    kunstwerke  Ilf, 
309   IT.,    miinze  III,    323,    spiele   II,   187  If.   VIII,    60, 
niusik,   tanz  VII,  25  if.     wirtschaft    IV.    15   If.,    lisch- 
sltte  V,    1   ff.  X,   10  ff.  XIII,  81    ff.,    hochzeilgebraiiche 
XIII,  28.   XIV,  38  ff.,    rechtsiibung    VI,   14  ff.      Dafs 
elne   composilion ,  dle  slch  nlcht  blofs   auf  dem  gehalle- 
nern  hlstorlsclien  oder  rellgiosen  und  ascellschen  gebiete 
bewegt ,    aucli    manches    fiir   dle    medla  latinitas  werde    ^ 
gewinnen    lassen ,    ist    khir.        Sollte    slch    fast    alles   bei 
Ducange    finden,     so    werde  n    doch   neue    belege    wlll-  ^ 
kommen    seln.      es    schien    der   miihe  werlh  die  auffal- 
lendern  ausdriicke  zusammenzustellen. 
aenesis  XIV,  88  laudatio,  asseiisio. 
aequipedara  II,  240  vom  pferde. 
ylfri  X,  42.  X\',  5. 
africanus  X,  47. 
am]'/iiprehftisus  111,  1.  164  cirrumdatn*. 


230  RUODLIEB. 


(innuno  IV,  57  |jabuluin  praebeo ,  iiiit  dcni  dat,  wie  nilid.  deii  ros- 

seii  fuotern  gr.  4,  692. 
(ippropio  111,  G12  appropinquo. 
arlus,  arctus. 

in  arto  11 1,  443  im  engpafs? 
ad  artuin  1,  29. 
[auca']  IV,  S9  gans. 
aurificantes  byznMtes  111,  315. 
auroro  VI,    II.  aurorante  die. 
hrdtna  1,  21   konimt   bei  Ducange  iu  einer  steiie    so  \or,    dafs  e» 

ein  gefiifs  fiir  (liissiglieiten  bedeuten  kann. 

das  lat.   baiaena  ist  etwas  anderes. 
boga  111,  3.56,  nrmilla,  torques? 
brevis  III,  230.  251   epistola,   brief. 
bulla  XIII,  100.   Waltliarius  s.  76. 
hul^ina  111,  105.  107.   116.  X,  6  labrum  ,  biifte, 
hyzantes  111,  315  nummi  alias  hjzanlii,    hesantes  appellati.      ('in 

igne  evamiiiati'  /'J  perpyra ,   hyperpera?) 
liyzanluTn  polis   III,  324. 

lahiainentuiii  11,  229.     sarcire  calciamenta  geld  gewinnen. 
tainerarius  X,  25, 
caniinata   II,  45  cubiculiun. 

cancelli  1,  52.  XUl,   110  balkoii  ,  feiister,  lineherga. 
cape  XVllI,     a.  3.    kaum    von    capio.      etwa   an    das   alts[>aiiisciie 

cahe  hei  zu  denken. 
capellanus  III,  78. 
cappa,  595.  599.  606  art  mantel. 

catla  IV,   47.   katze,    catla    marina  111,    132  meerkatze.     coerula 
V  catta  maris,  ecb.  654. 

causa  1,  90.   116.  IV,  72     ital.  cosa,  fr.  cliose. 
liclaris  II,  93.  XVI,  29,  fiir  liiit,  den  man  wol  aus  Iiofliclikcit  ab- 

iiinimt. 

clerieus  srlieiiit  X,  3.  XVI,  30  clericus  sc/iolaris  (scliiiler,  studeiit.) 

iibngens  waren  alle  zu  dieser  zeit  die  kloster  Beiiedictbeuern 

iind  Sclilelidorf  bewolinenden  dcrici  wol  wirkliclie  priester  und  als 

seculares   etwa    den  monacliis  gegeniiber  gestellt.      Dafs  dcr  magi- 


R  U  O  D  L  I  E  B.  231 


ster  clericoruai  zu  Benedictbeiiern  Ricliolfus,  vater  von  neuu  tocli- 

tern,    wie  sein  naclifolger  Reginbertus ,    beweibt  war,    wird  niclits 

dagegen  versciilagen,     s.  Meiilielb.   Iiiot.  fris.  I.  1.  203. 

lUens  IJ,  245.  XI,  3  knappe. 

cUenlare  se  I,  65,  sicli  in  einen  dienst  begeben. 

comjafriota  III,  26i.   XVI,  3.      vgl.   Reinli.   LXVI. 

congaudeo  111,  329.  V,  56.  9,  19  vgl.  "Waltliarius  s.  72. 

congeneraUs  XV,   1 1   cognatus ,    consanguinens. 

conglomero  XV,  24  congrego. 

congregium  111,   l   congregatio. 

contectdles  IV,  112  coiijuges. 

contrihuUs  Vlll,  45.  X,  18.  XUI,  3.  96.  XIV,    48.  XVI,  43.  con- 

sanguineus. 
coroneUa  IV,  86   forma  panis. 
cosmus  XIV,  30  mundus. 
cottidianus  III,  306  quotidianus. 
crisus  11,  6.  III,   132.   141,      griseus  (?) 
crusenna,    clirusuia     II,  6.   161.  237.    III,   142.    V,   119,     X,  3}>. 

XIV,  92.  98,    mastruca,  die  kursen, 
cnncticolor  III,  3G3, 
cunctigenus 
curduaneUi  (oder  -  a)  Xlll,  96    calceoli  ex   pelle  de  Cordulia  (coi- 

duaii)  confecti? 
cursus  III,  12   iibliclie  gottesdieustliclie   verriclitung,    gesange,   ge- 

bete, 
decapenta  111,  81.   124,   194.   fiinfzelwi. 
deizo  II,  146  gott  aliiilicli  Iiandeln. 
demandamen  II,  132.  XVl,  54  petitio, 
depouo  im  spiele  setzen  II,  211.  220. 

desertio  I,  5,  C2.  90.   11,  25.  111,  276.    X,  44.  niereri ,  ver.lieneM. 
diastema  \Ill,  45  intervalluiii.     cf.  sysLema. 
diatini  111,   357  (juotidie. 

dice  vel  dicis  111,  229  alias  dica ,  cliarta ,  scliedula. 
digenus  Xlll,  16  duplicis  geiieris. 
digitaUs  111,  382.  VIII,  63.  67  tingerriiig ,  ring. 
disvidigare  se  Xlll,  91. 


232  R  U  O  D  L I  B  B. 


fUscifU/iote  V,  81      zilclitiglkli. 

(lo  1,  3.     qiii  dciftir  habuisse  fur  traciitur,  fertur.     vgl.  Reinli.  XC. 

<loma  111,  133.   V,  3.   VIll ,   2.  9     domus,  liaus.     domicella  Vlll, 

14.  Iiausclien. 
(lomicella  Xlll,  2     fraulein. 
domhiella  VIII,  60    XV,  68.     fraulein. 
enesis  s.  aenesis. 
entheca    1,19.    111,561.    VIII,  37.      reisesack ,    m!iiiteL-ack.      eii- 

tliecam  suppellectilem  gl.  Jun.  382. 
epatica  111,  339  vielleicht  hepatica? 
exemplor  VI,  36     imitor. 
faida  I,  63.  88.     III,  231     inimicitia, 
falera  II,  241,  III,  188     phalerae. 

falero  ],  37.  II,  5.  61.  III,  145.  166.  576.  XI,  3.  XIV,  93  plialero. 
famulameu  II,  136.   III,    191.   581.   XIX,  12,  famulatus. 
famularis  XIV,  14   familiaris,   dilectus? 

fodrum  1,  23  futter. 
gamba  III,  85.  V,  118.  XVIII  f.  1   crus. 
Gerdrudis   11,    162.      Gerdrudis    amore    vinum    haurire   (deutsclie 

mjth.  37.  38) 
glomero  XI V^,  18.  XV,  10  congrego. 
gripis  ungula  wird  I,   27  wie  es  scheint  als  eine  art  blnsinstrn- 

mentes,  hifthorn,  genommen.     in  AVolframs  "Willehalm  356, 

28    dient   ein    grifen    kld    als    schneide   einer    lanze.       in 

Schilters    glossar    415    kommen    becher   aus  greifenklauen, 

im  "NVigalois  6155  gar  ein  schild  von  eines  grfjen  kld  vor, 
grossus  111,  123,  ad  grossum,  in  der  grofse. 
gulatus  XIII,   102.  XIV,  91  gulis    i.  e.  pelliculis  pretiosis  rubri- 

catis  (gall.  gueules)  ornatus, 
harpa  VIH,  29,  30. 
harpator  VIII,  26. 
herilis    \\\\ ,  12.  45.  48.    IX,  22.    XIII,  35.  38.    XIV,  23.    XVI, 

60  fraulein. 
hcros  VIII,  31  &o  nennt  die  witwe  den  verlornen  gattcn. 
hirpus  Xlll,  12  lupus  (Servius  in   Aeneid.  IX,  785). 
Iiomullus  X,  68.  vgl.  Waltharius  s,  67. 


R  U  O  D  L I E  B.  2:]:i 


/mperiosus  111,  388  lierrlicli. 

induciae  II,  178  actio  de  pace,  verliandlung. 

inducio,    inducior   11,  32.    119.  1.58.  182,     111,  393.  XIV,  21   fest- 

setzen;  verliandeln,  iibereinkommen. 
iteror  VI,  19  erwiedere ,  vergeite. 
laudo  11,  43.  61.   116.   158    177.  183.    199.     111,  36.  V,  85.    Vlll, 

64.  XIV^,  21  gelobe,  sage  zu. 
legamen  II,  22  botsciiaft. 
liga  VII,  28  liarke,  fiir  ligo? 
ligamen  Xlll,  28.  92.  XVI,  29  knieband? 

J.ii^urius  lapis  (fiir  Lyncurius)   111,  102.  385.  vgl.  Marbod  §.  24. 
lincHS  vide  lyncus. 

lorifrango  II,  226  sich  .strauben,  zieren. 
Lukka  Xlll,  92    ligamina    de   J.ukka    coempta ,     ein  Alderspaclier 

(cottonpapier-)  codex  des  Xlll    jli.  no.  44  fol.  llOb  sagt: 
nota  quod  cendalicutn  de  Luk,     quod  est  optimum ,   ponderat 
duas  marcas  ponderis  coloniensis,  deinde  a  liud  VII  fertones. 
l)nrus  111,  99.    170. 

madrus  111,  141    marder.     cf.  mardriiius. 
[magica]  XIV,  31    wenn  niclit  magna  zu  lesen. 
mancipium  IX,  18. 
mantel  XIII,  108. 
mardrinus  XIII,  108  voni  marder. 
medo  IV,  13.  X,   17.  XVI,  2.  XVIII,  b.  2  metli. 
memla  IV,  86    i/wA/J  ,    liier    forma    panis.      die    lesart    niclit    ganz 

siclier;  vielleiclit  mentla  f.  mentula? 
tiiensale  X,  28  tisclilaken. 
nieicipolis  XVlll,  c.  7  kramer. 
niiitinus  111,  132  sclirillend. 
niitra  1,  25.  V,  45. 

modicellus  I,  41.  III,  561    vgl.  "WaUliar  s.  71. 
nioestifico  XVllI,  g.  2. 
niordrita   VI,  20  morder. 
niorigeratus  sic  11,  28  so  gesiltet ,  gesinnt. 
niultigeiius  lil,  353. 
iia.so  XIII.  14.  art  tisrh. 


234  R  U  O  D  L  I E  B. 

nata  XIV,  11.    filia,  puella,  virgo, 

natus  IX,  17  fiiius. 

neuma  111,  88,  VII,  50,  VIII,  39.  52  modulatio  musica,    numerus, 

rliyflimus    musicus,      Pertz  2,  101,      alid.  niumo  (Graff  2, 

1089.  1090.)  neumas   agere ,    agitare    variare  digitis,    ma- 

nlbus ,   pedibus, 
nlchilo  II,  116.  140,  III,  244.  436  riclite  zu  grunde. 
nimis  III,  121,  265.  268  selir,  admodum,  valde. 
obrjzum  I,  30   aurnm ,   ad  obrussam  (o^-J^hs^  probierstein)  exami- 

natum,  probatum, 
ofnciaiis  III,   179.  216.  IX,  88    minister. 
oramen  III,  581    bitte, 
ostrum  I,  41.  XVI,  28. 
pauis  missi  IX,  16  botenbrot,  ahd.  botiu  prot,  petinbrot  Notk.  ps. 

29.  10. 
papilio  III,  7.  73   gezelt, 
parabola  III,  592  rede,  gerede ,  parola. 
parafredus  IV,  57    pferd. 

paranjmplius  III,  544  vertrauter  dieuer  des  kouigs,   edelknabe? 
pasclia  III,  306.  V,  5  fest,  festmalil  ,  gastmalil. 
patrio  II,  222.  412    gelie  lieim, 
pedo  X,   10,  XI,  5  gelie. 
pedules  XIll,  94    art  fufsbekleidung. 

pcllicium  II,  6.   161.  237.  III,  142.  X,  39.  XIV,   91   pelz. 
penitus  A'I,  86  pro  penes  praepos.  ? 
plialera  vide  falera. 
pincillus  III,  380  peniciilus,  pliise!. 

pisa  II,  212  art  miinze,  wo  niclit  eine  gewisse  summe  geldes  statt 
j>esa,  pensa    (zu  vergl.    die    spaiiisclie   pesela  nuiuzstuck  4 
leale  wertli.) 
plumatium  \'l,  102.  XIV,   12  federkissen. 
podiimus  III,  6  gang  wie  die   glosse  sagt. 

poledrus  lll,  141,  crisi  poledri  sclieinen  liier  niclit  ebcii  fiillen. 
polis  m,  32 1  urhs. 

posse  I,  82.  II,   113.  XIV,  61   vermogcn ,  maclit. 
post    I,   130.  Ji,  20.   128.    192.    VI,  2o.   37.    125,  XIV,  42.   XV,  7 


R  U  O  D  L  1 E  B.  235 


bei  mittere,  dirigere,   nioerere    wie  das  deutsclie   uacli  bei 

seiulen,  sicii  seiinen  u.  dgi. 
|)Ost  ,  prae    I,  29.  III,  140.  Xlll,   102  liiiiten  und   vorn 
praecipio  V,  88  praecipitote  niilii !    hufliclie    formei  beiin  abscliied- 

nelimen  ,  gleiciisam  :    liabt  ilir  mir  auftriige  mitzugeben,    so 

gebt  sie.      vgl.  das  nilid.  gebietet,  ob  ir  gebietet  (gramni. 

4,  849.) 
primitus  111,    16.  551    jirimitus  quaiii  fiir  juius  quam. 
promptifico  IV^  92. 

propio  IV,  8    propinquo,   ^gl.  appropio. 
proprius   servus,    proprin  aiicilla  X,  81 
pro\isor  11,  70.  166    art  reisemarscliall  dem  gaste  vom  konig  bei- 

gegeben. 
pulso    III,  r^l5.  VI,   lOr.  110  lante. 
pyraniis  XIV,  64  tergere  ensem  pjramide  docli  wol  niclit  mit  deui 

feuer(wetz)staiil  streiclien  ? 
quam    \11I,  24   ante  quam. 

111,  28  quam  j^rius  fiir  priusquam. 

2  1 

X,  79   cautissinie  quam  valuerunt. 

(|iiis  ((|uil)us)  11,  48. 

.|iio    1,  99.  92.    139.    11,  7.   181.  111,  68.   247.   488.  506.    V,  123, 

VI,  78.  81.  VUl,  37.  XIV,  56.  XV,  31    ut,  damit,  dafs. 

reclor    VI,  14.   16.  21.  42.    65.  68.    72.    87.    119.   128.    vorstelier 
der  ortsgemeinde,  ricliter. 

rcpiopio  111,  586    cf.  propio  et  appropio. 

rotta   XVlll,  g. 

rufus  Xlll,  12  art  fiscli. 

rumor  I,  128.  II,  80.  121.  173  maere,  iiiumaere. 

sacramentum  V,   10. 

sagimen  IV,  73  sclinialz. 

sarcio  11,  229    vgl.  calciiinicntum. 

savium  XVI,   101.   114   suaviuni. 

scaclii  II,   187  scluuli. 

scelus  IV,   l()2    voii  eiuer  person  gesagl  ,  wic  ini  deutsclien   iaster, 

liaufig  bei  Plautiis  und  Terenz, 

sciolus  IJ,  253.   Mll,  20  kundig ,  gescliickt. 


236  RUODLIBB. 


111,  229.   399   sclireiber,    secretarius.      Aucli   bei    Ducange 

ein  Seguinus  sciolus  (notarius). 
secretum    V,  115.  X,  35.  XIV,  11  ad  sua  secreta  ire,   an  siu  ge- 

niacli  gan. 
sera  IX,  15  vespera. 
sericosus  Xlll,  95    seiden. 
servimen  II,  59.  29.  III,  274  servitium. 
signo  III,  327  segne. 
simila  lota   Xlll,  23     semmelbrot. 
simiiagineus  V,  67. 

simnista  III,  195  vertrauter,  rathgeber ,  vide  synmysta. 
socialis  VII,   38. 

sopliia  11,  86.   137.  III,  424.  432.  446.  VI,  79  sapientia,  prudetitia, 
speruia  III,  366    spliaerula,  globuius. 
sperulatus  111,    339. 
strennuiter  I,  8.  XV,  69. 
subjective  X,  12. 
summates  III,  152.  154.  214. 
superexsulto  III,  181  springe  iiber,  vergesse. 
sjmplionio  VIII,  31  spiele  auf  der  liarfe. 
synaxis  III,  11   die  collecta  iu  der  litnrgie. 
synmysta  111,  195   miteingeweiliter ,  ax'nnvaxij<;. 
systema  VIII,  46  vgl.  diastema  in  der  musik. 
tinco  Xlll,  14  tinca ,  ein  fiscli. 
toreuma  IV,  48    sclirank  ,   belialter  fiir  gescliirre. 
tralio  II,  207.  208  zielie  im  scliaclispiel. 
tribulamen  III,  391. 

trinso  Ilf,  96  bnimme  wie  der  bar,  vgl.  trensen  "bair.  wb.  I,  496. 
truta  Xlll,  16  forelle,  franz.  truite. 
tyro  III,  402.  XIII,   27. 
vafer  X,  2  klug  ,  gesclieid. 

vale,  valete    I,  33.  48.  II,  67.  69.   111,  221.  X\  I,  50. 
variamen  VIII,  38. 
varicosus  11,  6.  XIll,  101    geslreifl  ? 
vassalius    XVllI,  e.  1;  vgl.  vassiis  AVallli.  s.  71. 
\t\o  V,  111.  veinre   niensani  den  tiscli  decken. 


R  U  O  D  L  I E  B.  237 


velle  I,  114.  II,  13.  143.  III,  495.  542,   voluntas.  Waltharius  s.  69. 

venio    VI,  103,  veiiias  i.  e.  genuilexiones  facere,  nilid.  venie  falicn. 

vio  IX,  38.  Xll,  3  gehe. 

vicedomnus  II,  68.   165.   185. 

vile  I,  65  adv. 

vivere  VI,  10.  IX,  8  vita. 

ulligenus   XIII,  84. 

INIan  sielit  dafs  der  dlcliter  fiir  seine  worlcr  iri 
keiner  verlegenheit  war.  wo  der  lateinische  ausdnick 
etwa  niclit  ins  niafs  pafste,  wurde  oline  bedenken  nacli 
einem  griechischen  gegiiifen.  beispiele  :  aenesis,  amphi- 
prehensus ,  cosmus,  decapenla ,  donia,  enlheca,  para- 
nymphus,  podisnuis  ,  polis  ,  pyramis,  synmysta,  sophia, 
symplioniare ,  synaxis  u.  dergl,  Das  latein  ,  diese  lin- 
gua  franca  des  millelahers,  wurde  so  ziemlich  wie  eine 
lebeude  noch  bildsame  sprache  behandelt.  So  inaclile 
niau  sich,  falls  sie  nicht  dennoch  sciion  von  friilierer 
zeit  herkommlicli  wareu  ,  ohne  ansland  bequeme  verba 
wie  aurorare  ,  clientare ,  deizare  ,  exemplari,  induciare, 
nihilare  ,  patriare ,  pedare  ,  propiare  ,  veniare  ;  ver- 
balia  auf  -  amen,  -  imen  :  demandamen,  famulamen,  le- 
gamen  ,  oramen  ,  servimen  ,  tribulamen  ,  variameu  *)  u. 
dergl.  m.  Erst  spaterhin  kam  der  fiir  neueres  wissen 
eiumal  viel  zu  enge  gewordene  ciceronianische  scliul- 
mantel  wieder  zu  ehren  und  ausschliefsendem  ansehen. 
Durch  jene  lingua  franca  wurden  viele  aus  den  einzel- 
uen  vulgarspracheu  besonders  deu  deutscheu  entlehnte 
ausdriicke  mehr  oder  mindcr  zuni  europaischeu  gemein- 
gut :  boga  ,  bulina  ,  cappa  ,  calta  ,  cruseuua,  faida  ,  fo- 
drum  ,  medo  ,  mordrita   u.  dergl. 


•)  vgl.  oben  s.  71  und  narramen   Isengr.  523;  decoramen  Au- 
sonii  Mosella  320  u.  s.  w. 


238  R  U  O  D  L I  F  B. 

IManche  niugen  (irtlicli  gel)lleben  sein,  wle  z.  b.  ilas 
tjem  ileiitsclien  nacligebilJete  lorifrangere ,  das  panis  misai, 
lota  Jides ,  vielleiclit  aucli  post  (aliqueni  niillere  ,  suspi- 
rare)  iinsers  dichters.  Deser^ire  entspricht  deni  verdie- 
nen,  laudare  deni  gehhen.  der  inf.  bei  cito  gleicht  dem 
deutschen  bei  ilu  (granini.  4,  98):  citat  intrudere  Ilf, 
601;  citat  moderari  Vllf,  35.  Manclies  glaubt  niaii  ge- 
rade  zu  iibersetzt ,  z.  b.  III,  290  venias  quin  neve  re- 
relinquas:  unde  ne  lazes  du  ne  quenies  III,  570;  Ilere  ut 
puer,  weinen  ^vie  ein  kind.  Deni  Deutschen  sind  viel- 
leicht  auch  die  als  substanliva  behandelten  iniinitive 
posse,  velle  ,  vivere  zuzurechnen. 

SoUle  crisus  slalt  grisus,  niadrus  stalt  mardrus  den 
Baier  kund  geben?  ihn  verrathen  auch  unter  den 
ganz  deulschen  iheils  in  den  tcxl  geflochtnen,  theils  als 
glossen  beigesetzlen  wortern  XIII,   14-20  die  Gschnamen: 

agapuz  (bair.  worterb.  I,  88  apeiJJ,  wol  hesser  appciuji) 
alDl  (b.   w.  I,  52  alt) 
asco  (b.  w'.  I,  22   asch) 
charplio 
lahs 

naso    (b.   w.  II,  705  nasen) 
orvo  (b.   w.  I,   105   orfen) 
prahsina   (b.  w.  I,  250   hrachsen) 
rinancli  (b.  w.  III,   102  renk) 
rubeta    (b.  w.  III,   118.   170  ruppen,  rutten) 
walsa. 
Audere  deutsche  worler  sind  : 
gang   podisnuis  III,   6. 
liep,   liebes  XVI,  12.  67. 
loup  ,  loubes,  daselbst. 
manlel  XIII,  108. 


RUODLIEB.  289 


niiuna  XVI,   13.  68. 

lat  I,    116. 

taha  mouedula  III,  174.  X,  21.  isl  das  nlid.  dolilc 
blofs  fortbildung  —  tahala? 

wuuna  XVI,  13.  68 

zugilprechon  lorifrangere  II,  226  slch  strauberi  selzt 
eln  suhst.  zugilpreclio  voraus,  das  bei  JNilhart  (Ben.  351), 
vorkomnit  :  jd  hut  vil  daz  Markevelt  solher  ziigelbreclien. 

Hieher  gehort  denn  auch  nebst  denelgennamen  Diet- 
mar,  (XIX,  6,  lO)  llartunch  (XVII,  8)  Herehurg  (XVII, 
11)  Immunch  (XVII,  8)  Slaza  (VIII,  23)  der  des  lielden 
Rhdlieb  (19  mal  —  III,  224.  XIV,  8.  17.  18.42.  47.  91. 
XV,  19.  XVI,  51.  58.  95.  87.  91.  96.  100.  107.  XVII, 
3.  14.  30  —  also,  3  mal  —  VII,  65.  X,  18.  XV,  26  — 
Rhtlieh  geschrieben).  Er  bleibt  auch  in  den  obliqucn 
casus  unverandert  und.eein  zweiter  buchstabe  ist  ini- 
Mier  das  o  mit  dariiber  gesetzlem  v.  So  wenig  hat  sich 
der  autor  unlerslanden  dem  vvorlG  volllg  laleinische 
form  zu    geben. 

Zum  schlufs  d^rf  wol  ausgesprochen  werden,  dafs 
unser  gedicht,  wenu  aucli  nur  jugendarbeit  Froumiinds 
oder  eines  zeitgenossen  in  oder  aufser  Tegernsee  schon 
allein  selnes  hohen  alters  wegen  in  der  llterargeschlchle 
des  bahischen  luid  deulschen  niiUelallers  eine  gute  slelie 
verdient.  Es  zeigt  durch  reichlhum  au  erfindung,  kunst- 
reiche  verkeltung  der  begebenlieilen  ,  und  mitunter  er- 
greifende,  wahrhaft  poelische  darslellung,  dafs  man  auch 
ums  jahr  1000  so  ziemlich  wuste,  niciit  blofs  was  er- 
baulich,  sondern  auch   was   schciu  und  unterhaltend  sei. 


Selt  dem  jahr  1835,  in  welchem  diese  bemerkungen 
niedergeschrleben  wurden ,    hat    sich   wirklich   noch  die 


240  R  U  O  D  L I  E  B. 


eingeschaltete    wertlivolle  ergaiizung   der  bliilter  19,  20, 
23  iind    24    vorgefunden,    aber  alle    Lofnung,    auf  der 
liiesigen    bibliolhek    selbst    niehr    von    dem    gedicht    zu 
eutdecken,  sehr  herabgestimmt. 
Miiuchen   1.  october  1837. 


I.  A.  S. 


E      C      B      A      S     I     S. 


16 


ECBASTS.  243 


ECBASIS     CUJUSDAM    CAPTIVI     PER    TRO- 
POLOGIAJM  *). 

'^uin  ine  respicio,    transaclaqiie  teinpora  volvo, 
De  niullis  niiror,    puerilis   quae  veliit  error; 
Nil  cogilans  sanuni,    tenipnens   consortia  fratrum^ 
Neclebar  neniis,  nugis   quia  tolus  in  illis. 

5       Tenipore  discendi  periit  cautela  niagislri, 
Hoias  dictandi  superavit  cura  vagandi ; 
Nam  quia   sic  vixi  ,  possedi  nomen  aselli, 
Cujus  raucisonum   quaerens  vitare  ruditum, 
Quamquam    sit  serum ,    nieditabor  scindere  saccum, 

10     Ut  juga    torporis  pellant  rudimenta    laboris, 
Incipiens  versus,    quos  rarus  denegat  usus. 
Pellilur  his  sompnus,  frenatur  potus  et  esus, 
Saepe  caput  scabitur,  vivus  conrodilur  unguis, 
Tundilur  atque  stilus  grandi  medilamine  striclus. 

15     Talia  qui  versat,   pigrilandi  jura  recusat, 

Hic  sua  devilat,    dum  pulchra  pocmata  cantat. 
Sunt  eteuim  quidam  ,   si  me  depingere  quiddam 
Audierint  falsi,  cerlabunl  legibus  aequi, 
Ac  mea  transniisso  transfigent  carmina  telo. 

20     Consuescunt  nuilli,  quamquam    sunt   carniiue  docli; 
Lougos  accenlus  per  miros  verlere  flexus. 
Nam  pede  composito  certans  insistere  metro, 
Sillabicos  cursus  cum   sim  discernere  tardus, 
Tempora  temporibus  aeque  conjungere   coecus, 

25     Rectius  hoc  faciam,  linguam  si  pressero  Waesam. 


♦)  es  stelit  TOPOLOGIAM. 

8  ciipieiis  B.  21  flectere  fletus  B. 

16 


244  E  C  B  A  S  I  S. 


Scribltur  el  legilur,  prlsconim  carmlne  scitur, 
Per  campos ,  silvas,  fluvios  properare  Camenas, 
Qno  pede  pervolitent,  vel  quae  sibi  carmiua  diclent, 
Exitus  et  redilus  quarum  per  maxima  caulus 

30     Commonet  insulsum,   ne  fimo  polluat  aurum, 
Increpat  indoctum  de  coelis  scribere  versum, 
Arguit  invalidum  per  .fortia  tendere  gressum. 
Territus  liisce  niinis    nieditor    desistere  coeptis. 
Rerum  gestarum  viguit  mos  tempore  palrum, 

35     Nullus  ut  auderel  conscribere  quae  sibi    vellet, 
Ni  prius  auditor  certus  foret    ille  notator, 
Disceret  aut  visu   quid  commemorabile  scriptu ; 
Pagina  sic   cerla  valuit  sub  testibus  acta. 
Haec  ego  dissolvam ,    raram    si  pono  fabellam, 

40     Confiteor  culpani,    inendosani  profero  carlani: 
Sunt  tamen  ulilia   quae  multa  notantur  in  illa; 
Si  recitas  totam,   panis  mercabere  torlam. 
Denique  nonprodest,  sed  obest,  ut  saepeprobatuni  est, 
Uua  re  quemcumque    suain    consuinere   curam, 

45     Sed  varias  artes  ediscant  quique    scolares. 
Sit  scola  discendi,  succedat  cura    docendi, 
Sub  specie  cerli  nascetur  quaeslio  scripli. 
Ad  quid  coepissem?  sed  talia  cur  replicassem? 
Ad  quod  solvendum  scribetur  quod  r-eferendum. 

50  Namque  die  quadam  consueto  more  sedebam, 
Inspexi  quosdam  generalem   sumere   curam, 
Grandia  triticeum  cumulare    per  horrea  fructum  ; 
Illos  post  segetes    dilectas  visere  vites, 
lllos  colleclis  sollertes  esse  veliendis, 

55     Non  solis  monachis,  qui  servant  mistica  legis, 

W 

28  ut<iue  sibi   B.     29  qnoium  A.     30  commovet  B.     33  Terri- 

tur  .4B.     36  ceris  foret    B.     37  quod  comni.  scripto  B.     40  prae- 

fero  B.     43  si  oli  est  B.      45  Si  varias  a.   e.    quisaue  B.      38  seu 

talia  cum  B. 


ECBASIS.  245 


Immo  peregrinis,    meiidicis  alque  pupiUis 
Per  sibi  commissas    reliquas  discurrei^e    curas. 
]Mi  vero  vacuo  ,  claustrali  carcere  seplo 
Acrem  mordebant  atiimum  monimenla  priorum, 

60     Flebilibusque  vagas  conlingens  vocibus  auras 
Moesli   fel    cordis  reparabam  more  medentis, 
Parlim  cauterio,  parlim   medicamine  puro, 
Imperiosa  prius   dellens   solamiua  slulta; 
Dicere   non  poleram,  tauta  qiiod  meule  coquebam, 

65     Ceu  truncus  sterilis  lignis  aequabar  aduslis, 
Ac   misero  vilulo,  sudibus  quam  saepe  ligato, 
Uli  consimiiis  patrum  frenabar  habenis, 
Cujus   et  liistoriam   non  simplo  slamine   texani. 
■t^ost  octingentos  domini,  post  ter  qualer  annos, 

70     Aprili  mense  pascliae  bis  septima  luna, 
Sic  vixit  vilulus  Vosaginis  parlibus  altus, 
Ut  legitur  scriptis  in   praecedentibus  iUis, 
Annuus  existcns  redeunte  tempore  veris. 
Pastores   ovium  multi  tai'dique  subulci 

75     Cum  grege  foetoso  satagunt  exire  gregatim, 
Custodesque  boum  nec  non  servator  equoruni. 
Cura  pervigili    dum  luslrant  pascua  campi, 
Claudilur   ille   domi ,    lugens  sibi  colla  ligari, 
Gaudia  nulla  foris,  intus  pressura  doloris, 

80     Et  quod  plus  istis,  absunt  consortia  matris. 
Trisle  sat  ingemuit,  cordis  suspiria  traxit, 
Erigit  ad  coelum  facies  atque  invocat  lesum, 
Couclamat  lacrimis  binis  pariterque  vicenis, 
Ut   custos  stabuli  solvat  sibi  viucula  colli : 

85     Ubere   de  matris  quoque  gustet  gaudia  lactis. 
Haec  duo  suspirat,   quae  per  contraria  tornat, 
Cumque  negatur  iter,  distentum  tollitur  uber. 


58  me  vero  A.       fiT  frenatiir  A. 


246  E  C  B  A  S  I  S. 

Nililiir  arle  fugae,    qiio  possit  currere  late, 
INIastical,  lingit,  tandem  sic  ora  resolvit, 

90       Prosilit  et  plaiidit,  tenero  terram  pede  tundit, 
Mugitum  repriiuit ,  \ernanlia   prata  revisit. 
Concessa   est  pecori  libertas  laxior  illi, 
Scandere  seu  laevo  malit  seu    tramile  dextro, 
Sumere  seu  requiem  seu   conlinuare   laboreni. 

95       Cursitat  iile  strepens,  paribus  concurrei-e  gaudens, 
Haec  cum   fastidit,  silvae   tutaniina  quaerit. 
XTujus  in    occursum  forslrarius   elicil  jniinim, 
Moris  ut  est  mouacliis  longo  de  calle  reversis  : 
'Sit  salvus,  Christe,  servus,    qui  mittilur  ad  me, 

100     Te  fisus  domino  laclelur  semet   in    ipso. 

Hic  habet  hospitium  noctis  sub  pace  quietum, 
Has  nostras  post  cras  sacrabit  tempore  mensas; 
Qui  peccare  valet,   valet  et  succumbere  poenae.' 
Moxque  cavernosos  jussus  penetrare  recessus 

105     Ducitur  ad  lustra  multo  foetore  referla. 
X  unc  lupus,  ad  libitum  sese  satiare  gavisus, 
Extulit  hunc  versum  cuncta  pietate  perustum: 
'Dicito  quid  venias,  qua  nos  ratioue  revisas? 
Tu  mihi  nunc ,  sodes ,  optatus  diceris  hospes. 

110     Laudes  dic  superis,  silvae  novus  incola  surgis, 
Tu  recreare  venis  tenuatum  corpus  ab  escis: 
Tertius  est  mensis,    quod   frustror  uectare  carnis, 
Nec  biberam  cratum  pecudis  de  sanguine  tiuctum. 
Cum  prorepserunt  primis  animalia  terris, 

115     Mutum  et  pingue  pecus  nobis  fabricaveral  usus. 
Ordinis  est  virtus,    placetur  sanguine  divus.' 
Xncipit  haec    vitulus  singultim ,  pauca  loquutus, 
Infans  namque  pudor  prohibebat  plura  profari. 

vitulus  secum. 
'Jupiter,  iugentes  qui  das  adimisque  labores, 

120     Peccatis  uoctem,  quin  fraudibus  obice  nubem. 


E  C  B  A  S I S.  247 


Si  redeani  gratis ,  grales  exolvero  cllvis, 
Hisce  pro  meritis  dabitur    caper  oninibiis  aris.' 

responsio  ejusdem  publica. 
'Jam  dudum  ausculto,  sed  dicere  plura  retardo, 
Inberbis  juvenis,  tuUensis  discoius   urbis, 

125     Peccatum  fateor,   juvenilis  me  gravat  error, 
Hoc  reus  existo.    nolens  parere  magistro 
Sensu  quo  sensi   dissolvi  vincula  colli, 
Huncce  locum  petii,    mortem  mihi  forte  paravi, 
Hanc  noxam   dona,  rellquam  si  fecero  macta. 

130     Non   facias  longum,  magnorum  maxime  regum, 
Pacis  palma  detur,  donec  cras  missa  canatur. 
Helnrici  placitls  cepi  moderamina  pacls, 
Ut    sunt   scripta  patrum ,    ploret    transgresslo    fra- 

truni, 
In  levibus  modlcus,  per  fortia   forllor  ictus.' 

135     Tum   domlnus  caveae  'mlsere  cupls'  inquld  'abire, 
Ut   vult  Ipse  deus,    optatum  sll  tibi  tempus; 
lUud  adluic  jubeo,    teniet  servare  memento, 
corpore  stes  laeto,  concedens  oscula  caro.' 

vitulus.     lupus. 
'Quid  soclum   siinulas,  et  amica   fraude  salulas?' 

140     'Pelllto   namque   famem,   pransurus  scandilo  sede.' 

lupus. 
'Nec  poscas  vario  multum   dlversa  palato, 
Quaecunque  Inmundls  fervent  allala  poplnls, 
Quae,  nlsi  divitibus,  nequeunt  contlngere  mensls; 
Sed  potlus  follis  parcus  vescarls  acerbls. 

145     In  gravltate  clbl  cresclt  dlscordla  morbl. 

Sunt  mlhi  lactucae,  radlces,  semlna  sllvae. 
Sanlor  est  mullum  cerebro,  qui  potat  acetum  : 
Ex  vitio  cerebri  frenesls  furiosa  movetur. 


13T  meiuet  A.       147   sanius  est  uiulto  cerebrum  A. 


248  E  C  B  A  S  I  S. 


Stringeris  meliiis ,    si  fliixa  cucurrerit  alvus. 

150     Cursitat  ericius,  poinis  revehetur  onuslus, 
Luter  piscator  properat  pro  piscibus  emptor. 
Ne  plores  nimium  ,  sed  pangilo  carmina  regum. 
Poscis  inane  deos,  inferni  jure    sepultus 
Victima  Plutouis  sterneris,  nil  miserearis, 

155     Dum  licet  in  rebus  jocuudis  vive  beatus.' 

Xlle  cubans  gaudet,  praelambens  oinne  ([uod  affert, 
Quid  durum,  quid  molle  foret,  quid  lene,  quidhorrens, 
Quid  calidum  gelidum,  dominorum  quid  famulorum, 
Continuansque  dapes   succinctus  cursitat  liospes, 

160     Fungitur  officiis   nec  non  verniliter  ipsis, 

Multaque  de  magna  creverunt  fragmina  coena, 
Quae  procul  iustructis  iuculcat  habenda  canislris. 

Jam  nox  per   medium  gaudebat  currere  coelum, 
Cum  subito  missi  properant,    qui  munera  })ortant, 

165     luter  quae  roinbus  cum  multo  milite    barbus, 

Flexilis  et  congrus,    cum  quis    mugil    generosus, 
Gobio,  sepiolae,   lolligo  cum    capilone, 
Cancri,  muUi,    trutla,   cavedonus,  hicherus ,  allec, 
Affuit  et  sahuo  nutritus  flumiue  Hreno, 

170     Nec  aberat  douis  piscosi  grex  Rabadonis, 

Quod  fundoque  IMosae  capitur  piscis  genusomne; 
Profert  se  cesto  spinx    captus  in  amue  petroso: 
Squamigeros  coetus    punctis  pellebat  acutus. 
Detulit  liaec  hiter  carus    placidusque  miuister. 

175     Optulit  ericius,  spinoso  vellere  sutus, 

Rugosum  piper  ac  costus   lentumque  papaver, 
Porros  et  caules,  rafanos  quoque    viribus  acres, 
MoUes  castaneas  domnis  coenautibus  aptas, 
His  cydonia  sunt ,  crustumia  denique  mixla. 

150  reveliatur  A.       170  piscosiis  A.       172  ceto.        173  squa- 
migerosque  cetus  A.       176  stelit  vor  174. 


E  C  B  A  S I  S.  249 


l80     HIs  ita  susceptis   redhibetur  gralia  missis. 

Considunt  pariler.     tuni  sic    ait  ipse   niagisler  : 
'Sepliinus  octavo  propior  jam  praelerit  annus, 
Ex  quo  cum  pomis,    cum  piscibus  urbe  pelitis 
INIeusas  ornavi ,    convivas  ipse  refeci; 

185     Sic  vixi  mouachus  claustralia  jura  seculus, 
Omnia  distraclis  cocmens  obsonia  gazis. 
Gralia  sit  vobis,  quod  sic  milii    subpeditaslis. 
AlTicior  senio,  vobis  mea   cuncla  relinquo, 
Ericio   rupem  ,    lulio  pro  piscibus   amnem.' 

190     Prolinus  arrident,    coHum  faciemque  remulcent. 
Ut  me  couspiciunt,  confeslim  talia  dicunt: 
'jNIirum  fit  iiobis,    quid  hic  caslcllat  in  antris?' 

lupus    ad  lulrum. 
*Dum  sprevit  stabuhim,  noslrum  diverlit  ad  antrum, 
Et  manet  insopilis,  noslris  addictus  habcnis. 

195     Jure  fruor  torlo,    quia  vivit  tempore  tanlo  ; 
IVIe  tenet  hujus  amor,  legirupis  ipse  vocabor, 
JNIane    sed  oiricium   faciat  mihi  more    suoruni, 
Sanguinis  ex  salice  roret  siccamina    linguae, 
Prohiet   liic  potus  spurcamiiia  pectoris  liujus. 

200     Hic  fossa    est  ingens,  liinc  rupes  maxima  pendens: 
Mergilur  in  Ihivium,    mergens  educ  fugitivum, 
Si   scandit  rupem  ,   prosternes  hunc  ab   eadem  ; 
Ne  nos    inplanet,-  constans    tua   caulio   curet. 
Tunc  milii  carus  eris,  cuslos  si  providus  adsis.' 
luler. 

205     'Hoc  sequar,  lioc  fixo  conccplum  corde  lenebo.' 
Armiger   ericius,  clavata  sindoue  tectus, 

Nec  studio   citharae,  nec   musae  deditus    uUi, 

Fit  capitale,  lupi  cilharizans   fortia  belh*, 

Romani ,    res  laetas  et  prospera  quaeque  relexens, 


183  pepitis  A  B.         186  cfmens  A.    ccmen$  B. 


250  E  C  B  A  S  I  S. 

210     Mllle  trlumphorum  memorans    ex  ordlne  pompas, 
Duclaque  per  mediam  spollorum  fercula  Komam 
Omnibus   ex    terris,    quas  undique  continel  orbls. 
Occupat  ipse  aditum ,   ne  fas  sil  vadere  captimi, 
Ut  canls  a   corlo    nunquam   absterrebltur   unclo. 

215     Nam    vltulum  luter  reficit ,  cum  belua  stertit, 
Dulcla   depromit  super  haec   horlamina   fudit: 
Jrellito  nunc  vino,  nunc   curam  solvito   somno, 
Forllaque  adversis  opponilo  pectora  rebus: 
Grata  supervenlet,  quae  non  sperabltur,    hora,' 

220     Ad  mensam  viluli  legltur   reparatlo    lapsi, 
Cum   fult  expleta ,    collatio  dicitur    ista : 
'Conditor  ipse    poll ,   prudens   fabricator   et  arvi, 
Qui  moestos  refoves,  vinctis  solamina  praebes, 
lu  te  confido ,   clauso  me    solve  baratro, 

225     Ut  te  collaudem,    videam  geminumque  parentem.' 
Haec  lacrimans  poscit ,  quin  completoria  dixit. 
Post  noctem  mediam  ,  quando  sunt  somnia  vera, 
Speluncae  dominus  de  visls   obstupefactus 
Quod    strato    vidit,  enarrans  fratribus,  inquit : 

230     'Diclte   consocil,  quo  tendat  vislo  somnl? 

Bruchi  cum  vespa ,    cynifes ,  coenomia  multa 
Me  circumvolilabant ,    dente  sed   asperitabaut, 
Bini  crabrones  certabant   stringere  fauces, 
Quod  mihi  nulla   salus  mansit  nec  invldd   virtus. 

235     Adfult  his  vitulus,    celso  cum  carmine  mutus, 
Quln   etiam  vulpes  geminabat  in  aelhere  voces. 
Ah,  si  docta  manus  monslret  modulamlna  cantus!' 

luter. 
'Hostlbus  isla  tuis  nihil  est  quod  [tu]   verearis, 
Credas    consilio  viso  salvabere  somno, 

240     Scilicet,  ut  vitulum  patiaris  abire  tenellum; 


214  uncta  A.         2l6  orlamiiia  A.         237   ac    si    A. 


E  C  B  A  S  I  S.  251 


Quod  sl  poslponis^  soli  tibi  damiia  paiabis         : 
Iii   grege  imiscaruiii  noscas    spelaea  ferarum, 
Quae  te   dilanienl  et  lolo   corpore    scindent : 
Nain  stimuli  vespae  sunt  vires  morlis    acerbae. 

245     Binos  crabrones  ambos  cognosce    parentes, 

Qui   natum  deflent,    fauces  tibi  slipile  figeut. 
lu  jubilo  vulpis  proprii    cape  signa  moeroris. 
Infelix  vilulus    non   grata   compede   vinctus 
Kxiet  ad   campuin  ,  bellum  cum   veiicrit  orlum. 

250     Quid   dabis   ergo  bonis?    sic  stat  senlentia  somni, 

lupus. 
'Heu  milii!  quld  faciam,  vel  qualia  verba  relexam? 
Quae  bona  dislribuam?  quae  mundiburdia  quaerani? 
Poscis  pro  vitulo  ,   mitiilaris    pro   perituro, 
Si  daret  Heinricus   nolns  percarus  amicus 

255     Sporcos    c[uingentos,   vitulos  tolideni  saginatos, 

Non  feret  inpune,  quod  sparsit  fragniina   coeuae, 
Viniae   dulcoiem ,  solitum   [niilii]   ferre  soporem. 
Cur  perit  incassum    tanlo  sudore  paratum  ? 
Quod    foris  excessit ,    nobis   nullalenus  liaesit, 

260     Sed  post  ingressum  sit  nobis  disculiendum ; 

Instauret  quadruplo  sumptus     stullus    inihi  slmplo. 
Mane  canam    psalmos,  si  tardat  sacra  sacerdos.' 
Arcliicapellanus ,  camerarius  et  cocus  almus, 
Index  consilii,  quin  judex    illius   antri, 

265     Extitit  ericius    perplexo  vellere  sutus, 

Namque  super   cunclos    nanus  fuit  iste  sacerdos, 
Indumenla  uovis  texebat  plumea  telis. 

lupiis  ericio. 
*Post  horam  sextam  capto  mox  tollilo  vitam, 
Quod  petiit  feci,    nam  vix  promissa  replevi. 


242  spolea  A.       251   iiei  A.       256    fragmine  A.        257  lieTse 
sicb  'aucii  scaiidieren  soli  tuni  erre.       261  stultos  A. 


252  E  C  B  A  S  I  S. 


270     Portlo  nulla    detur,   sed  nec  per  frusta  secelur, 
Dispice,  neve  cocoque   foco  tostetur  ab  ullo. 
Haec  caro  neclarea   feslivuin   sit  milii  pasca, 
Hanc  tege  pignientis  redolcnliljus  et  sale  pauco. 
Esca  multiplici  ne   fallas  foedera  disci, 

275     Per  varios  guslus  liaec  fercula  nostra    regamus. 
Lignuni  poniiferum  si  roras  jusse  fabarum, 
Pvadix  conliiiuo  siccabilur  liujus   ab    iino, 
Marcescet  sucus,  vanescet  in   arbore   fructus. 
Tussis  sicca  fabis  asiuo  sit  gloria    dulcis, 

280     Sit  vox  scabra  fabae  porcello  gloria    pabnae. 
Hisce  fabis  virtus    vitiata  est  corporis  bujus, 
Nec  possum  teneram   telluri   alTigere  plantam, 
Sic  periit,    sob'tum   dum   non   babet  arida  pastum. 
Sunt  haec  barbaricis   niandenda  legumina  Francis, 

285     Sic  erit  nuUus  honos.   polior  milii  prislinus  est  mos, 
Hunc  morem  repelam,    ad  mea  prisca  recurram. 
Devoro   nunc   carnem,  praeclaram  persono  vocem, 
Sunt  vituli    carnes   poliores  quain    gobiones, 
Inde  traham  sucum   crassoque    humore  sahitem, 

290     Fit  rubor  in   facie ,  pallor  tabescit  in  ore, 

Blandus  corde  sapor,   fragrans  odor,  apta  vohiplas, 
Omnia  percurram,    quo  limum  pectore    pellam.' 

hUer. 
'Ah,  perversa  vigent,    legalia  jura  faliscunt.'  _1 

hipus. 
'Ergo  sales  vestri  veterani  slnt  sine  dente? 

295     Noa  patiar  teneas  veteres,  ut  me  duce  negas.' 

hiter. 
'Si  sapis,   liaec  tacito   consumes  verba  palalo. 
Utere  sorte  tua,    doclus  pietate  paterna. 


270  ne    spes  frustra  A.         271    testetur  A.         276  uisse  A. 
281   liisce  fabe.         291   fla^rrans    A. 


E  C  B  A  S  1  S.  253 


Annls    jam  septem  deducis  vltam  agrestem, 
Omne  genus  carnis  vilabant  iullma  ventris, 

300     Cunclis  deliciis  praeponens  munera  piscis, 

Saepe   tuae  nieiisae  jungens   consorlia  trutlae, 
Nunc  coniedes  viluluin  sanctuni  spernensmonacliatura. 
Non  praeter  soliluin  cogor  dissolvere  luclum, 
Tot  mala  succedent,  quae   te  per  tristia  verlent. 

305     Nomine   tu  monachus,  sed  dextro  liinite  torlus, 
Crimina  perlractas  ,  sanctum  subvertere  certas. 
Adversus  niitem   piceum  postpone   furorem 
Evlgilet  monachus,    pergrandi  compede    vinctus, 
Regula  quaeque  docel  verbis,  simul  actibus  ornet, 

310  Nil  fore  quod  proprlum,  commune  sed  omnibus  unum, 
Quod  sibi  non  fieri  fialri  non  irroget  ulli. 
Sic  quia  non  vivis,  praedonis  lege  peribis, 
Judicio  canonum  morieris  more  lalronuu).' 
Haec  luter  caulus  dicenda  tacenda  locutus. 
lupus. 

315     'Haec  illi  narres,  qui  surdas  possidet  aures, 
Nam  caudae  viluli  jungetur  lumbus   aselli; 
Sic  natura  parens    jussit  dlscuiTere  soles.' 

luter. 
'De  lingua  monachi   volilet  discretio  verbi.' 

lupus. 
'Si  tibi    sum  curae ,    frenos  imponlto  llnguae.' 

320     Frustratur  multum   plceat  qui  vas  adaqualum, 
Slncerum  nisi  vas,  quodcunque  infundis  acescit. 
i  ostera  lux    orltur ,    mullo  gratissima  fertur, 
Cum  faciem  noclis  pepulissent  lumina  solis, 
Corniger  armenti  perlustrat  ovilia  vici, 

325     Singula  qul  revocat,    praesenlla  quaeque  regirat, 
De  sibi  commlssis  aspeclat,    ne  pereat  quis. 

321  acessit  A. 


254  ECBASIS. 


IMiiglt  vacca  loqnax,  quin  laurus  cornlbus  audax, 
Perdila  demonstrant ,  nalum  per  singula  luslranl. 
Ast  vosagina  canis ,    luslrosis  conscia  silvis, 

330     Venerat  ad    niediuni  certuni    dictura  relatuni : 

'Aeslimo,  quod  vobis  referenlur  gaudia    moestis, 
In  genesi  legilur,     Esau    cuni    gesla   ferunlur, 
Ille  sagitta  doctus   erat  gravidacjue  faretra, 
Portabat  cornu  ,    fuerat    qui  doclus  in   arcu, 

335     Capsidile  suo  gestabat  in   inguine   dexlro, 
Hic  me  nutrivit,  per  raia  lalibula  duxit. 
Post  mortem  domini  vobis  mendica  remansi. 
Visis  conslernor,  audilis  corde  relundor. 
Juxta  est  spelaeum  mullo  praedamiue  plenum, 

340     Sole  sub  occiduo  latrans  prope  jam  pede  fesso 

Audieram  strepitum ,    certans  conprendere  melum; 
Reddetur  stabulo  ,  si  forsan  quaeritur  antro.' 
Suscipitur  sermo,  quem  dixerat  barbarus  liospes, 
El  praedocta  canis   ceu  fertur  odora  canuni  vis, 

345     Non  praeter  centum  properans  praetendere  gressum, 
Donec  pervenit,    quo  se   conducere  vovit. 
Tunc  equitum  turmae  certant  pedilumque  catervae, 
Ne  numero  plures,    viitule  et  honore  minores, 
ludocti  stolidi  simul   impugnare  parati. 

350     Viribus  editior,  collecto  tum  grege  major, 
Irritat ,  mulcet  taurus,  nnigitibus  implet; 
Fit  sonus  in  terris  ,    quasi  totus  corruat  orbis. 
Exilit  ille  lupus  somno    vinoque  sepultus, 
Convocat  armigeros  pugnandi  jure    remotos, 

355     Sperat  belligeros  solo  torpore  peritos, 

Arcem  contendit  hostes,  quo  cernere  possit, 

Visis  expavit ,    reparatis  viribus  infit: 

'0  famuli  fortes,   animosas   cernite  gentes, 


335  capsilide  A.         337  nidica  A. 


B  C  B  A  S  I S.  255 


Uniis  eis  animus,    quamqnain  non  unica  virlus, 

360     Perdere  nos  liscunt,   ac  morli  tradere  quaerunl; 
Quid   dalis  auxilii  rabiosae    obsislere  genti? 
Non  pugnant  nianibus,  uon  arcus  tendilur  ullus, 
INlissile  non  jacilur,  nec  funda    saxa  rolanlur, 
Non  sunt  pennigei'i  pugnaces  insidiosi, 

365     Nam  neque   calce    lupus   neque    quemquam    dente 

pelit  bos; 
Absit  solus  aper  el  cornlger  utique  cervus, 
Ilis  cornu  bellum  cum   dentis  acumine  saevnm, 
Insislunt  antro,    non    decidet  ariete  crebro, 
Non  patet   ascensus,    nec  scandit  ridiculus  nuis. 

370     Sed  vereor   vulpem  solilum  turbare   bilumen, 

Non  solitunj  potest,  plures  sibi  jungere  gaudet, 
Ad  me  perdendiun  vigilavit  curu  suorum; 
Praevalet  in  quanlum  cumulavit  ipsa  tumullum, 
Si  desunt  vires ,    regnabunt  undique  fraudes. 

375     Morlua  sit  vulpi  versulia    decipiendil' 

Namque    duo  fan)uli   nullo  terrore   subacli, 
Libere  respondent,  dicto   talique  cohercent: 
'Non  simus  injusti,    neque  talibus  associati. 
Culpis  gestorum,    quae    dampnent  more  reoruni, 

380     Ex  liis  nulius  erit,    qui  nos  convincere  possit 

Sanguine  de  fratris ,  nec  non  de  morte  parentls. 
Coelibis  illaesam  cupientes  ducere  vitam 
Grates  factori  persolvlmus    omnipotenti, 
Leges  qui  slatuit,  facli  moderamina  jussit. 

385     Quae  dare  non  poteras,    hostili  jure  tenebas, 
Nobis   jurabas,    ex  lioc  tibi  consociaras, 
Annis  jam  septem  vls  non  incurrere  mortem, 
Non  ita  promeriti,  sic  nos  opponere  morti, 
Fraudibus  in   vulpis    quae  sit    tlbi  cura  timoris, 

377  lil>pra  A, 


256  E  C  B  A  S I  S. 

390     jNe  feriant  jacula,  quae  praesens  concio  vibrat, 
Discere  percupimus  celaluni    quod  latet  ulcus.' 

lupus. 
JLempore,  quo  reges  vaduiit  ad  bella  feroces, 

Renibus  in  silvis  torcjuetur  vila  leonis. 

Forte  fuit  causa,  decaniae  lege  recepta, 
395     Altavus  eligitur,  camerarius  ille   notatur, 

Exiit  edictum ,    silvae  fera   currat  ad  anlrum, 

Aegroli  membris  apporlet    quaeque  salulis. 

Onuies  buc  properant,    nullum  vitale  minislrant, 

Quod  prosit  capiti,  cruri,    venlrique  pedique. 
400     Est  sibi   commissum  ,  peragret  consorlia  fratrum  ; 

An  quis  deficiat?    crebro    meditamine  pensat. 

Absunt  a  leliquis  caulae  medicamlna  vulpis. 

Auribus  haec   regis  mox  infert   sedulus  liostls, 

His  pejora  sonat  illud  quod  tradere  quaerat. 
405     Imperat  aegrolus ,    quicunque   est  fidus  amicus, 

XJt  vulpem  capiat,  membralim  membra  resolvat. 

Allavus  ut  uovlt,  cruclatus  mlra  requirit: 

Ai'bore  de  celsa    vulpi  crux  figltur    alla. 

Condolult  pardus    confratrcm  de  grege  solus, 
410     Conprehendit  cursum ,    regls  depromere  jussum. 

Finitis  stadlis   quingentls  atque  vicenis, 

Jam  prope  lassescenti  occurrerat  obvla  vulpes, 

Quae  vldlt  recitat,   cruclatus  uec    quoque   celat. 

Ut  nova  suscepit,  palmas  utrasque  tetendlt, 
415     x\lfa  petll  slmul  w,    tormento  solvat  ab  illo 

Et   quae  vera  cupit  subridens  irrita  fingit. 

Haec  pardum  satlat ,    trevirensla  vina  proplnat. 

Ut  bene  sunt  pransi,   benedicunt  omnipolenti, 

Nam  modicum  pausant,  el  jussa  silentia  servanl 


400  est  Ibi  A.  sibi  vermiite  ich.         412    iassessens  \. 


E  C  B  A  S  I  S.  257 


420     Post  iter  arrlpiunt,  tlavilica  carniiua  premlunt, 

Se  simul  excutiunt,  montana    cacumiua    scandunt, 
Inibi  considunt ,  fini  concepta  reducunt. 
Ternilnat  lias  laudes  defessa    monasllca    vulpes 
'Christum  de  coelis  conlaudet  splrltus    omnis !' 
425     INIox  genu  curvavlt,    slnuil  liaec  oramina  fudit 
'Christe ,  patris  fili ,  mihi  te  decet  -en  niisereri, 
Sum  menior    ipse  mei,    satis  et  mea  frivola  novi, 
Tu  mihl  sis  galea,    qui  (ormas  muta  elementa 
INIe  facias  reducem,  fallacem  subrue  testem.' 
430     Solvit  vincla    pedum  ,  tendilque  leonis  ad  antrum. 
Cum  prope  pervenit:    'niiserere  mei  deus'   in([uit. 

vulpes     pardo. 
'Hic  maneas,    donec  regis  mollmina  noscas. 
Quercus  adesl  juxta,  cui  figas  posleriora.' 
Non  tamen  indecorem  sua  se  regina   reliquit, 
435     Namque  viae  comili  dodrantem  contulit   auri. 
Nec  pede  composllo    sese  sociaverat  antro, 
Pectore  cum  trenuilo  slelit  antri  limine   primo, 
Intro  caput  flexit,  donum   benedicere  poscit. 
Quae  benedicitur  a  sociis,    sed  amen  geminafur» 
leo. 
440     'Belua  multoruin  capitum  visls    moribundum?' 
vulpes. 
*Ad  quld  venlssem,  si  non  medicamina  ferrem?' 

leo. 
*A  grege  cur  fralrum    cerlas  divellere  gressum? 
Inspice  concilium,  si  desit  quis  sociarum.' 

vulpes. 
'Hercle  jacere  tuum   per  magna  silentia  pressum!' 
leo. 
445     'Discere  persitio,   quid  te  semoverlt  antro?' 

434  relinqiiit   A. 

17 


258  E  C  B  A  S  I  S. 

vulpes. 
'Slagmini   Geiipsarel  ciun   fiilica  transvolitaret, 
INIe  visa  rediil,   de  le  iiiox  talia  pandit: 
''Cara  soror  vnlpes,  quaenani  nova  Irislibus  alFers? 
An   leo   convaluit,   queni    punclio   dira  gravavil? 

450      Fit  planclus  grandis  in  parlibus  isce  mainnis. 
Currilo,  feslina ,    latel  lioc  niedicamine  vila. 
Qiiod  tibi  compono,  compoue  fideliter  aegro, 
Ut  lias  agilis,   nec  erres   montibus  istis, 
Hac  iter  ad  laevam ,  per  quod  descendifo  Roiuam, 

455     Burdegalo  caslro  cursu  tendas    properato, 
Psllacluis  occiirret,   regis  tentoria  quaeret, 
llli   mox   dices,    quae  lunc  certissima  scies: 
Nam  regi  domino  suplex  oramina  mando." 
Haec  dicens    rediil,    pacis  sinuil  oscula  pressit. 

460     Finibus  italicis,  fessis  cum  robore  membris, 
IMore   peregrini  mirans    ripatica  Padi, 
Dum  prope  perveni  pontatica    fixa  Ticiui, 
Venerat  immenso  moerens  ciconia  rostro. 
Fulica  quae  dixit,  eadem   gemebunda  revolvit; 

465     Addidit  hoc  solum  ,  sanclum  deposcier  Aprum, 
Prosperet   incepta  ,     conformet    tot  niilii  jussa.' 

leo  vulpi. 
De  te  nuilta  volant,    quae  vitam  criinine  turpanl.' 

vulpes. 
'Circalor  veniat,  dictum    scelus  omne  revolvaf; 
Si  dignum  morti,    cogar  succumbere   legi, 

470     Judicor  innocua ,  domini  laetabor  in  aula.' 
Totus  conticuit  grex ,  atque  crucis  siluit  lex. 

vulpes. 
'Qnicquid  sub  terra  est,  in  apricum  proferet  aefas, 
Singula    de  uobis  anni  perdentur  eunfes, 

468  zelus  A. 


E  C  B  A  S I S.  259 


Jam  tempeslivi  fundunliir  verllce  canl, 
475     Auribiis  ecce    nieis   inolevlt  pluma  senilis, 
Aspera  jam  pellis  insedit  cruribus  istis, 
Nocte  dieque  gravi  franguntur  crura  dolore, 
Nou  cursu  superabo  canem  ,   nec  viribus  apruin, 
Assimilor  cigno,  commutor  corpore  toto, 
480     Conrugor  felix  velud  assolet  indica  cornix; 
Prope    salute  tui    peragravi  climata  mundi.' 
Atque  ila  menlitur,  sic  veris  falsa  reniiscet. 
Primo  ne  medlum  ,  medlo  ne  discrepet  imum, 
Prompta  sequi  tortum  pollus,  quam  dlcere  vcrum. 
485     Flebllis  ista  feris  placuit  sententia  vulpis, 

Conclamaut  omnes  'veneretur  olimpica  vulpes,' 
Slernuulur  pedibus ,  nec  sese  segregat  ullus. 
Poslquam  labore  gravi  superest  niiseratio  vulpi, 
Prlnclpis  ira  perit ,  nam  vulpis  gloria  crescit, 
490     Carmine  solenni    deducllur  obvla  regi; 

Haec  sceptrum  i"egis   tetlgit  sub  foedere  pacls, 
Tempore  slc  pacis  fuerat    mos  regibus  illis. 

leo. 

*Fulica  quae  misit  soIIers[que]  industria  vexit, 

Proferto  ad  medlum   conventus  silvicolarum.' 

vulpes. 

495     'Nolle  meum   dicam ,    medicamina  jussa  requiram. 

Summus  praeco   dofhus,  quamquam  meus  ille   pa- 

trlnus 
Est  lupus  hic  dlclus,  pastoribus   usque  pero*sus, 
Prae  foribus  curtls,  ne  turbet  vlscera  regis, 
Sane  ducatur  ,  sed   et  unguibus  excorietur. 
500     Hoc  faclat  citius  geminis    cum   Ilnclbus  ursus. 

De  cerebro  piscis ,  tuleram  cjuod  partlbus  indis, 
lUiniam    dorsum  ,  renes ,   sinnil  ilia  circum, 
Fienes  acgroti  strlngentur    pellc  recentl. 
Per  calidum  vellus  spargetur   morbus  acutus.' 

17  * 


260  R  C  B  A  S  I  S. 


leo. 

505     'NIl  nilhi  tam  belluni,  carum.  quani  vlvere  sanum/ 
Fleutlbus  hic  paucis  discedit  moeslus  amlcls. 
Jusserat  ut  vulpes,  cerlaiil  coniponere  lincos, 
Cum  quibus  est   ursus  ,    uativo  niurnuire  motus, 
Nani  caput  atque  pedes  hi    salvant  excoriantes, 

510     Ab  humerls    sursum    denudant    usque  deorsum, 
Unguitur   infirmus^  praecingitur  ac  refovetui". 
Cum  resideret  humi,    jussit  sibi  pocula  ferri, 
Ut  modicum  biberat,  confestim   talia  narrat: 

vulpes. 
^Heu  malelida  cohors,  male  sarlo  foedere  concors, 

515     Quam  temerc  in  vosmet  legeni   sancilis  inlquani 
Si  volumus  genli,  si    nobis  vivere  cari, 
Dum  licet,    ac  vullum  servat  fortuna  benignum, 
Legis  decrelum   servemus    more  parentum, 
Indigni  quocunque  sumus  disrumpere  foedtis, 

520     Haec  res  conservat  junctos  et  jungit  aniicos. 
At  vos  virtutes  ipsas  invertltis  omnes, 
Non   mlhl  judlcium,  sed  vobis   ponitls  ipsum; 
Dedecet  hunc  regem   rationem   scribere  talem, 
Absens  damnelur,  nlsi  legibus  ante  vocetur, 

525     Si  sequitur  legem  ,  mercabitur  undique  laudeni, 
Si  refuglt  placltum  semel  ac  bis  terc|ue  petitum, 
Nec  premlt  hunc  niorbus  tardatque  vicarius  hujus, 
HIc  subit  et  perfert  cfuod  quisque  viriliter  horret, 
Nec  sit  lugendus,    sl  deperit  in   cruce  tensus. 

530     Verum  nil  sceleris  faciat    pia  dextera  regis, 
Sensibus  inlendat,  legis  praecepla   revolvat, 
Millus  acclinl  limido  ,  quam   corde  tumenti, 
Nulllus  ore  viri   sensi  nec  discere  quivi. 
Tardius  adveni,  magis  istls  omnlbus   egi, 

535     Obsecro  clementer  mihimet    mitescere  regem  : 
Si    niale    cjuid  dixi ,  reprobel  grex   istius  anlri, 


BCBASIS.  261 


Si  quid  et  utllius,  caruni  ferat  iste  senatus.' 
Collaudant,  venerantur,  amanl  et  laude  frequentant. 

vulpes. 
'Esurit  aegrolus,  languore  lanieque  gravatur, 

540     Languidus  in  cubiluni  jani  se   conviva  reponat, 
-  Vescatur    dominus,    juonaclulis  quae  veliit  usus, 
Pane  ,  fabis ,  variis  Iierbis  tellure  crealis, 
Poniis,  lacle,  mero,  caseis,  sale,  nielle  et  olivo, 
Piscibus  et  panis  lorlls,  calldisque  placentis, 

545     Pinguibus  et  ficis,  bollelis,  uec  siue  mergis ; 
Piegali  disco  juugatur  sturlo  celo, 
Quod  voniult  Jonam  refugani  moeslunique  profetani. 
Dulce  saporatls  oneretur  dlscus  Ijerllls. 
Praeclpiat  dominus,    ut  serviat  blc  leopardus, 

550     Suggerat  impensas  ponto  el  tellure  creatas, 

Vel  quae   judaicis   fragrant  bene  credlta  capsis.' 

leo    vulpl. 
'Tu  dlspone  domuni ,  ne  quls  solllcllet  aegruni, 
Nec  quis([uani  noceat  cni^Ido  nillii  pacls,    et  ultra 
De  grege  conventus  non   sll,    qui  calcitret  ulliis, 

555     Qui  te   conimovit,    nielius  non  tangere  scibit, 
Verbere  conlorto  toto   lorquebitur  antro. 
Colla  superborum  dlscent  f{uae  poena  reorum. 
Currile  tranqulllum,  vulpis  cognoscile  jussum, 
Qui  veneralur  eum,  veneretur  ad  onine  minlstrum.' 

560  Greslamen  sceptrl  vulpi    concesserat  illi. 

Plus  solilo  major  percurrit  pectora  terror, 
Nec  vox  ulla  valet,    pompae  vis  nulla  relucet. 
Tunc  Iremefactacoliors  complet  quod  jusseral  Iierus, 
Assurgunl  cuncli,   subnulliuit  coUa  jubenll. 

565     Innuit  ille  domus  comes,  ut  properet  leopardus 
Accelerare,  palatiuam  quod  condecet  aulam, 


541  veit  A.       544  (^'^His  A.       562  popeius  A.      563  lieros  A. 


262  E  C  B  A  S  I  S. 


Caslos  paueficos ,    farlores   ac  ciuinoues; 

Quis  piucerua  domus,  dapifer,  ncc  prodigus  ullus 

(Nullus  tam  parcus  quiu   prodigus  ex    alieno); 

570     Secreti  tacitus  camerarius  ordiue    denus, 

Potio  quae  fiat,  vel  quis  cristallica  |)romat. 
^Servator  porlae  sit  caulus  limiue  linguae, 
Lignifer  a  nemore  conporlet  robora  silvae, 
Torrida  ligua  vehat,  ue  fumi   virgula  surgat, 

575     Quo  corrumpantur  dorsalia ,    nec  vilientur 
Pallia  suspensa,  substrata  tapecia  niira. 
Pervigilis  niulti  graudis  sit  copia  curti, 
Verrere  valde  domum ,  ne  quid  sit  quisquiliorum, 
Rursus  odoriferum  renovetur  floribus  antrum, 

580     Lumina  largifluae  slatuautur  cerea  mensae, 
Officiis  dictis  uon  desit  aquarius  istis, 
Descriptis  gradibus   non  sit   qui  murnuiret  ullus. 
Illustris  monaclii  captivi,  nomine  IMalchi, 
Fortia  cum  vita  recitentur  in  ordiue  gesta : 

585     Percipiaut  animi  dociles  teneantque  fideles ; 

TJnicornis  ,  ad  haec  perstrenua ,  conferat  islaec, 
Voce  puellari  delectet  peclora  cleri, 
Convivas   delectando   pariterque  mouendo. 
Nam  mixtum  capiat  languens,  ne  forte  gravescat. 

590     Exeat  hinc  dominus,  horto  nam  proxima  quercus, 
Membra  sub  adversa  ponat  lauguentia  quercu,  ■ 
Esuriesque  sitis  visis  reparabitur  herbis, 
Quas  habet  haec  horti  species  et  anioena  venustas, 
Quas  lambit  uitidi  circumflua  copia  fonlis, 

595     Nil  luteum  de  fonte  iluit,  nec  turbidus  humor 
Nascitur,   aut  primae  violatur  origine  venae. 
At  nos  deiicias  plumarum  et  linea  tecla 
Sternimus  atque  cutem   fulcro  tenuante  polimus. 


fehlt  eiti  vers  liiater  577?    390  orto  A.     592  erbi»  A.     593  orti  A. 


E  C  B  A  S  I  S.  263 

Audiet  et  liricae  moclulanuiia  celsa  puellae. 

600     Non  decet  aegrotum   laulo  medicamine  tectum 
Tam  cito  se  sociare  loro,    nec  jungere  disco, 
At  donuis  haec  domini  pingalur  tlore  recenti, 
Corlinis  croceis    per  longa  palalia  tensis ; 
Cetera  formentur  \elut  usus  regis   liabetur.' 

605     jNamc|ue  manus  vulpis  sustenlat  membra  leonis 
Ac  latus  aegroli  ducens  per  lilia  prati, 
Nec  pes  ire  valet,  nec  cervix  praevalet  illi. 

leopardus  vulpi. 
Turljae  condoleo,   triduo  jam  suslinel  anlro, 
Esurit  alque  silit ,  jejuno  corde  (aliscil, 

610     Pro  morbo  regis  convenlus  condolet  omnis, 
Nil  falsi  sinuilat,    sed   amica  pace  salulat, 
Tu  quocunc|ue  jubes  una  sunt  voce  sequentes, 
Diversisque   modis   tua   curabunUii'  ab  islis; 
Ecce  casis  clausis  coiisedit  turba  fidelis. 

615     Ergo  fave  volis,  qui  scrvas  inlima  regis, 

Tu  quamcunque  deus   libi  forUinaverit  liorani, 
Ut  ciiique  est  aetas,  ila  cjuemc|ue  facelus  adopla, 
Quo  sil  amore  parens,  cjuo  frater  amaiulus  el  liospes, 
Ruslicus  urbano  quid  distet  turpis  lionesto.' 
vulpes. 

620     'Consilium  melius  proavorum  non  dedil  ulhis, 
Nec   poliore   cibo  pavil  quis  tempore  taiito. 
Si  polis   est  fieri ,    tilubet   iie  gratia   domni, 
Dum  donuis  excolitur  generaliter  esca   paralur, 
Qtii  servire  valet  acri  ne   dcnte  relardet, 

625     lile  cibum   capiat,  domino  cpii'  sponte  minislrat.' 

leopardus. 

'Uncla  satis  spisso  poneutur  oluscula  lardo, 

Nec  salis  est,  cara,  pisces  averlere  mensa, 


615     quae  servas?  vgl.  cara  627,  <locIi  care  707  uiid  eum  559. 


264  E  C  B  A  S  I  S. 

Seniesos  plsces,    quos  IlhIus  llqueiat  liospes, 
Insiinul  acclpiaut,  e  quarto  niuuere  carpaut, 

630     Quae  sint  cuuque   dapes  silliuit  cousuniere  fauces ; 
Jejuuus  raro  stomacluis  vulgaria  teniuil.' 

vulpes. 
'Causa  nanique  lui  roreulur  nuiuera  Bacclii, 
Ut  bene   suut  prausl,  redeaut   ad  liuuua  tenipli.' 
L/oufeslini  trisles    leopardus  currlt   ad    aedes 

635     Exclauialque  palam  ,   couveutus  deserit  aulaui, 

'Currite  vos   cilius ,  sic  rex  jubet  iste  secundus: 
llice  sub  deusa  stomachantia  slernite  membra, 
Horas  cantate,  jeutacula  parta  vorate, 
De(|ue  cibo  celeres  proprias  cognoscile  sedes. 

640     JNou  strepllus  vocis  ,  nec  sit  mulalio  sedis. 
Llgua  feraut  ursi,    comporleut  suta  camell, 
Naai  latices  luter  deducat,    ac|uatica  flber, 
Sic  fiat,  slc  slt,  lioriau  uatura  reposcit ; 
Obsequio   ligrldis  curetur  copia  pauls, 

645     Piscibus  aplaudis,  avibus  rarls  plperaudis, 
Escis  cum   reliquls,   nigris  soUertia  barris. 
Praepouor  dapibus,   dispouat  pocula  cervus, 
Deute  tlmeudus  aper ,  turbatis  viribus  acer 
Has  portas  servet,  nobis  obstanlia  spectet.' 
apcr. 

650     *Ne  venalores  suffoceut  uos  velut  hosles, 
Fagus  adest  alta,   consceudat  squirlo  celsa, 
Hos  peragret  visu ,  percurram  cetera  sensu.' 

leopardus. 
'Liuces  cum  damis  hi  sint  custodia  regis, 
Coerula  catta  marls  couservet  strata  jacentis, 

655     Tincla  super  lectos  caudescat  vestis  eburnos, 
Slmia  deformis  reparet  caudelabra  lichnis. 


633  sint  A.         638  seutacula  A. 


E  C  B  A  S I S.  265 


luipiger  erlcius,  condenso  vellere  tectus, 

Poma  veliat ,   iniranda  canat,   sed   amigdala  poiial. 

Atque  niices  coriii  siut  mensae  largiter  isti, 

660     Squirio  quaiu  nobilis  compilet  pomula  glandis.' 
ericius. 
'Quis  tibi   vel   qualis?  magui  sum  gente   Calouis, 
Ex  atavis  longo   si  ducis  slemmala  fdo, 
Disces  me  uatum  maguorum  saijguine  reguui  ; 
la  me  priscorum  virlus  defluxit  avorum, 

665     Stirpe  recensila  removebis  vilia  jussa. 

Juxla  progeuiem  manda  servimiuls   arlem.' 

leopardus. 
'Convenit  ecce  libi  lalis  reverenlia  fati.' 

ericius. 
'IIIuc  vlvam  reliquo  despecllor  ipse  popello.' 

leopardus. 
'Tempore  namque  suo  generis  recltabitur  ordo.' 
ericius. 

670     'Xunc  sequar  boc  jussum  ,  deposcens  te  leoparduju, 
Praeclpias  uunquam  mihi  contempliblle  quicquam. 
Si  brevls  exlslo  ,  jmidenti  regmiue  regnOj 
Ingenium  purum  ,  saplens,  subtlle  ,  serenum. 
Vllibus  in  volucris  latitat  substantia  grandls. 

675     ]Marcliio  sum  luitulis,  romauae  slguifer  iirbls, 
Esl  testudo  niihi  spaclosa  cacumine  saxl, 
Tutlor  illa   magls ,    quam  sint  muulmiua  regls, 
Uuius  iu  funda  pelluntur  milla  dena, 
Praevalel  argutas  hoslis  vltare  saglttas. 

680     Scandeutl  peditl  nou    est  vla  libera   soli, 

VIx  culix   qulsquam  voliians  couscendet  eandem, 
Sic  cllvus  caslrl,  leretis  quasi  sperula  poml; 


665  recensela  A.  673  subtili  A.  676  cacuniiiia  A. 

677  sit  A,  678  uiius  A. 


266  E  C  13  A  S  I  S. 

Alpibus  italicis  hic  inous  est  altior  illis, 
IMillenis  cubitis  praeruptior  alque  vicenis, 
685     Opida   Chuonradi  coguutur  ad   hunc  famulari. 
INIanna  vescuntur,  qui  uostra   curte  fruuntur. 
Est  hoc   spehieinn   teutonice  Slcnsile   dicluni, 
Aunguis  est   diclus  vere  porlarius  hujus, 
Et  cameram  lecti  scias  Hunsaloa  vocari. 
690     Ultra  serviliis  si  me  non  truseris  ullis, 
Isla    tuae  soboli  tradani  sub  clave  sigiHi, 
Caulio   fuiiialur,    conventio  si  slabilitur. 
Tritas  servilio    manicas  non  eximo  longo.' 

leopardus. 
'Scando  si  soliuni,  spernam  le  valde  superbum. 
695     1   piier,    alqiie  meae  citus   hunc  iaipone   coquinae, 
Dum  toslat  verua,  scutelLie  bahiea  potet. 
Potus  hic  est  habiiis  simili  sub   niore  superbis.' 

ericius. 
'Quo    deus    et  quo  diira  vocat  forlnua   sequanuu'.' 

leopardus. 
'Dedecus  est  domiuis,    dum   laxant   debita  servis, 
700     Argumenlum  ingens  testis  sentenlia  prodit. 
Jus  est  hoc   modicis  semet  praepouere  celsis, 
Corpore   qui  parvo   peragunt   contraria  niagno, 
Quamquam  forma  minor,  verum   prudenlia  major  ; 
Viribus  imbelles,   aslu   tamen   acre   rebelles, 
705      Arlibus   expugnant.  cum  robore  membra  fatiscaul"' 
vulpes. 
'Talia  coiiferre   compellit  siinius   isle.' 

leopardus. 
'Consule,  care,  tuis,  uam  diclis  le   volo  paucis, 
Fac  spatium  socio,  tibi  mox  paiere  parabo.' 


685  opjiida  ciinradi  B.  687  avuguis  A.  693  cs  staiid 

exigo,  uber  das  g  isl   iii  corrigiert.  l)ti   707  stelit   lepus,  was 

icii  iii  leoparJus  andere. 


E  C  B  A  S I  S.  267 

\ulpes. 
'VuU   doniinus   secum    fralreni  de   pluribiis   umini, 
710     Qui  recitet  spaluios,   divinos  personet  yniuos, 
Organa  spallcrii  rcpelat  modulaniine   dulci. 
Impedior  lacriuiis   prorumpere   nomen  anianlis. 
Virlutes  pardum  corailantur  amiciler  islum  : 
Non   est  peijurus,  neque  sorclidus  ac  furiosus, 
715      Comis  el  urbanus,    animo   pius,   ore  sercnus, 
Consilio    caulus,   moileratus  ,  pacis  amicus, 
Novit  quid  pulcium,  quid  turpe,  quid  ulile,  falsuu)  ; 
Si  foret  ad  pracsens,  solus  praecelleret  omnes.' 

leopardus. 
'Fiat  velle  luum,  simplex  dumtaxat  et  unum, 
720     Sit   lixum   cpiod  vis,  sit  \ivax  gratia   nobis. 
Dum  lupus  infestus  pecori ,  venanlibus  apri, 
Frigida   dum   pugnant  calidis,   Lumentia  siccis, 
Dum  nova  crescendo  rcparabit  coruua  Pliocbc, 
Sit  nobis   soliduu)   concoidi  foedere  paclum.' 
725     Sic  ait,    et  mediis  iuterseril  oscuia  labris. 
\idpes. 
'Quantus  amor  coeli,  tanta  est  dilcclio  noslri.' 

leopardus. 
'luspice,    si  bcne  sit,  quod  rcgia  curia  poscit.' 
Egregie  factum  laudat  \ulpecula  totum. 

vulpcs  leoni. 
'Hora  est  surgeudi,    tua  sinil  quasi   regia  Croesi.' 
leo. 
730     'Ad  mcnsam  \ado  ,  perfortia  vina  requiro, 
Quinquennis   viui  sitis   est  citra   mare    nati.' 

vulpes. 
'Non  valel   id  fieri ,  quaeras   quod   possit  liabci  i. 
Ad  te  cuui  redii,   trevirensia   viua    probavi, 


732  possis  A,  oder  dazu  liabcreY       733  irevireiilia  A. 


268  ECBASIS. 


Ex  liis  sexlariiim  sanxi  tibi  feire  bibeudum, 

735     Dulcius  ac  melius  nec  liabet  scrutarier  ullus, 

Qiiod  curas  abigit,  ,quod  linguae  verba  mlnisti'at, 
Morbos  averlit,   metiienda  pericula  pellit. 
Trevirici  calices  quos  non   fecere  loquaces? 
Indiciis  cerlis  portavi  dona  salulis.' 
leo   vulpi. 

740     'Tradere  st  cuperes,  uon   lanla  periciila  ferres, 
Debitor  es  meriti,  pro  tauli  pondere  facti. 
Crimina  llngua  lupi   concusserat  ore  bilingui, 
Hic  crucis   exilium  properabat  figere  dirum, 
Furcifer  ecce  jacet,  non  sit  qui  tollere  curet. 

745     Hanc  meruit  poenam ,  vitasti  denique  culpam.' 
vulpes. 
'Audit  quod  non  viilt,  qui  pergil  dicere  quod  vult.' 

leo. 
'Demiror  pardum  nostrum  rarescere  visum.' 
*  vulpes. 

'Ne  turbere  pater,   veniet  mox  advena  fratej', 
Cujus  ad  ingressum  pellelur   cpiodque  nocivum.' 
leopardus. 

750     'Quod  mora  sit   fratris,  slillis  perfundor  acerbis; 
Si  forsan  periit,   melior  se  nemo  remansit, 
Dispar  comparibus ,   verax  psalniista  probatur, 
Sobrius  ,  armipotens  ,  caslus  ,  moderamine  pollens. 
Cautior  est  homine,  prudenlior  hic  Salomone.' 
vulpes. 

755     'Si  redeat,  visam  decet  en   te  poscere  mensam.' 
Vulpes  ire  parat,    caudam   versuta  regirat, 
Ut  prosit  pardo ,    signum  facit  haec  leopardo. 
Congreditur  quei'cum,  cui  sciverat  adfore  parduni. 


739  indiliis   A.  759  wieder  lepus  fiir  leopardiis.  758 

ciiitrat  A.  759  talem  sclialte  ich  ein.     proferre  A. 


E  C  B  A  S I S.  269 


leopardiis  leoni. 

'Quem  scio  pervigilem  [talem]  perferre  laborem  ? 
760     Qiiid  prosit  quaerit,  quid  delectabile  poscit.' 

leo. 

'Non   missura  cutem  nisi  plena  cruoris  hirudo. 

Juxta  velle  tiuim  ,    velle  esl,  extollere  pardum. 

Escas  non  capiam  ,  donec  capit  ille  coronam.' 
vulpes  pardo. 

'Ne  mora  sit,  regi  saltu  transcurre  celebri, 
765     Regis  praefeclus  regno  scriberis  secundus.' 
pardus  vulpi. 

'IMenlio   sil  primo,    si  vinceris  liosle  superbo?' 
vulpis  pardo. 

'Decidit  in  laqueum,  quem  fx'aude  lelenderat  ipsum  ; 

Sic  David  cecinit,  perraro  haec  alea  fallil.' 
pardus. 

'Jam  prope  psalterium  finivi  carmine  sacrum, 
770     Incumbens  veniis ,   ne  forsan   victimareris. 

Psalinos  explebo,  cecini  quos   usque  memento, 

Psalmo   finito  curvabar  poplile  fixo.' 

Concurrunt  ambo ,  psalmos  pariter  recitando, 

Deque  tribus  pueris  dum  laus  finitur  ab  illis, 
775     Se  sociant  regi,  benedicunt  suscipienli. 

0  qui  conq)lexus   et   gaudia  quanla   fueriuil! 

Hic  benedicendus  communi   sorle  beandus. 

Ducitur    inpransi  susceptus    laude  magistri, 

Dum  manet  iu  mediis  medius  permixlus  amicis 
780     Unguitur  in  regem  cum  fratrum  post  quoque  laude, 

In  speciem  regni  viriiit  domus  aulica  regis. 

Tunc  se  proluerat,  niensas  ex   ordine  donat, 

Imperital  geminare  cibos,  ut  regius  est  mos, 

Nam  vadit  sessum,  prae  mensa  ponit  amicum, 

T61  irodo  A.  76i  sis  A. 


270  E  C  B  A  S I S. 


785     Ab  speculae  prlinis  Jeferlur  sella  curulis, 

Vulpes  subrisit  dum  sculpla  scabella  locavit. 
Fecit  adoptivum  vulpina  aslulia  pardum. 
Praesulis  officio   vulpis  grex  conticet   omnis, 
Non  murmur  resonat,  pacis  concordia  conslat. 
790     Finiit  unicornis   ubi  memorabile  JMalcbi, 

Vulpes  consurgit,  crislallica  vascula  promit, 
Non  solum  vulpes,  sed  multo   nobiliores, 
Polio  talis  adest,  quae  versu    dicere  non   est, 
Quam  portant  regi  psallentes,    more  precandi. 
oralio. 
795     'Quo  sine  nemo  polest,    qui  mire  condita    profeii, 
Qui  faciem  coeli  depingit  sidere   pluri, 
Huncce  regem  decoret,   regem  cum  decore  salvet. 
Sic  sua  perpetuus  non    claudat  Iun)ina   somnus, 
Sed  sua  perpetuo  vegelentur  membra  vigore, 
800     El  peragat  placitura  per  niulta  decennla  vitam, 
Nec  sibi  sit  medicis  opus  unquam,  nec  sibi  casus 
Aul  morbus  ulluni  pariaut  quandoque  laborem; 
Sed  procul  a  curis  et  sano  corpore  vivat. 
]\il  prave  cupiat,  faciat,    uec  proferat  unquam, 
805     Sit  vita  locuples  et  Cliristi  munere  dives!' 
Ut   fluit  oceanus  fluxit  potus  piperatus. 
Singula    quid    memorem?     superent     cum    siiigula 

laudem, 
Nemo  potest  sci^iptis  coeuam   depingere  regis. 
Inter  praudeudum  leo  scrutatur  nova    pardum : 
810     'Cur  le  subtraheres  paribus?  volo,  tu  mihi  narres, 
Tardasti  multum  ;  velle  est,    cognoscere  cerlum.' 

pardus. 
'Somnus  te   fugitat ,  vigilantia  te  cruciabat, 
Condolui  tibi,  iion  parcens  mibi,  congrua  voi: 


785  stella  A.   B. 


E  C  B  A  S  I  S.  2?  l 


Nec  regina  Saba   Salonioni  sic  lulit  alla, 

815     rSec  rex  ille  pares  avium  possedit  honores. 

Praeses  eas   clamet,    blando  palpamiiie  tractet; 
Accedat  nierula  colludeus  cum  filomena, 
Organa  cjuae  merula  miscet,    luscinia  nnilcet.' 
Qui  surgens  currit,  juvenilia  jussa  peragit, 

820     Hos  capit  ingressus    concinno  carmiue  primus: 
'Qui  rex  esl  avium  languenlem  visitet  islum, 
Det  vilam,  det  opes ,  somnos  pastusque  salubres, 
Erigat  aegrotum,  corroborel  anlra  ferarun», 
Prosperel  luuic  pardum,  cjui  lanluin  dellet  amicuin. 

825     Vobis  ecce  canam    caslam   purani([uc  ^lariam, 
Atque  Galnilielem  ,  qiii   luinlial   Ilemaiuielem 
Virgine  nascendum  ,    morlali  carne  tegeiidllm, 
Ut  salvet  populum  peccali  pondere   pressum.' 

leo   filomenae. 
'Gusla  tu  modicuni,  [ut]  possis  producere  conlum.' 
filomeua. 

830     'Si  quid  inexpertum,    nobis   servetur  ad   imum  ; 
Ne  tamen  amolo  quaeramus  feria  ludo, 
Sit  cibus  ac    potus  Christus,    c[ui  dicilur  unclus, 
Adsit  in  ore  meo,  dulci  ferat  organa  pleclro.' 
Haec  volitans  poscit   pardum,  nolum   sibi  \isil, 

835     Consislit  a  dextris  repetens  insignia   laudis 
A  natalilio,  quo  coiicipit  innuba  viigo, 
Usque  sacrum  flanicn,  quo  certum  est  adfore  niissum. 
Concentu  parili   memoratur  passio  Chrisli. 
Passer  uterque  deuni   caesum  ilel  verbere  Jesum: 

840     Exanimis  faclus  ,  clnudens  spiramina   flalus, 

Commutal  vocem,  dum   turbaut  Irislia  laudem, 
Organa  divertit,  dum  Christi  vulnera  plangil, 
Solvitur   in  luctum  recolens   dominum    crucifixum, 


820  his  A.         829  ut  liinzugefiigt. 


272  E  C  B  A  S  I  S. 


Squalet  se  cinere,  duin  ferlnr  molio  terrae, 
845     Offuscal  visum    meniorans   soleni  tenebralum. 

Hil  gemini  trepidas  pressere  ad   pectora  palmas, 
Unicus  ut  matrem,  sic  deflent  hii  patientem. 
His  avibus  molis  stupuit  militia  regis. 
Turbatur  pardus  tam    gratum  perdere  munus. 
philomena. 
850     'Nec  tibi,  nec  islis  sit    controversia  menlis.' 
pai*dus. 
'Linquere   nou  potui,  flevl  improperia  Clirlsli.' 

philomena. 
'Singula  non  menioras ,  quae  me  dixisse  slupebas.' 

pardus. 
^\udieram;  sed   fama  fuit,  penltusque  recessit.' 

pliilomena. 
'Non  tibi,  care  pater,  debet  istud  fama  videri, 
85.5     Sed  magis  in  cordis  secreto  }ure  recondi, 

Ut  domini    noscas    quae  sit  de  corde  voluntas. 
Ecclesiae  doctor  qnid   dixerit  an  meministi?' 

pardus. 
'Nescio  si  legi ,  profer  quae   dixerit  ipse.' 

philomena. 
'Corpus  ,  quod    morlis  vitio  corrumpitur  ,  inquit, 
860     Vitalem  flatuni   ne  possit  cernere  virum 

Aggravat,    et   coecis  immergit    saepe  lenebris. 
Istius  exilii   fleres  si  forle  tenebras, 
In  quo  pro  primi  lacrimando  crimine  plasti 
Degenuis,  mecum  sentires,  dum   modo  mundum 
865     Expleri  cuperes ,    aeternaque  desiderares, 
Ul  felix  patriam  Christo  duclore  redires. 
Sed  niage  quod  doleo  ,  coelestibus  obice  diro 
Oppouis  temel ,  nec  perdita    gaudia  defles.' 


851.  853.  854.  859  die  uamen  zusefiigt. 


ECBASIS.  2;3 


pardus. 
^lNIiror  quam  patriam    tu  mandas    esse  petendam  ? 

870     Niinquid  non  patria  est,  malernis  ventribus  in  qna 
Fiisi  praesenlis  fruimur  servimine  lucis, 
Affectu  dulci  carorum ,    nec  ne  fovemur?' 

pliilomena. 
'Non  equidem  palria  est,  sed  carcermorlis  obumbrans, 
Si  palriam  dicis,  palriam  tum  credilo  mortis, 

875     Nam  vitae  patriam  non    est  fas    dicere  talem, 
ITic  morbis  premimur,  illic  sed  gaudia  dantur, 
Quam  miser  atque   miser,  cui  talia  regna   uegari 
Contigerit ,    baralri  vel   saevo  carcere  Irudi 
Unusquisque  gemat ,  capitalia  crimina  tergat, 

880     Coniluat  ad  lacrimas ,    si   vult  seducere  poenas.' 
pardus. 
*De  pelo ,  quo  plane  repelas  quae  moesta  cauebas.' 

pliilomena. 
Quantus  in  orbe   furor,  vobis   modo  testibus  utor, 
Dum  rapit  hunc  judaea  manus  bene  conscia  cujus, 
Cum  sic  astrictis  incumbunt  vincla  lacertis, 

885     Quod  jubilum  cordis ,   patitur  dum  conditor  orbls, 
Gaudiaque  plebis ,    legitur  cum   passio  regis. 
JNIos   fuit  inde   prius  anliquis  partibus  orlus, 
In  cruce  quod  Christi  reticescunt  signa    melalh', 
Nec  Yox  ulla  tubae  resonat,  sed  nec  quoque  cordae; 

890     Lugubre  portendunt,  dum  moesta  silentia  prendunt, 
Ne  laus  horarum  consuetum   transeat  cursum, 
Fagina   signa  sonant   quo  clerus  debila  solvat, 
Nec  vacat  a    ti])icis  subpressa  melodia  vocis 
Turbis  belligeris,    ubi  funditur   unda   cruoris, 

895      Omnis  rlsus  abest,  cordis  violentia  prodest, 
Affectu  cordis  crescit  mensura    doloris. 


883  coiida  A. 

18 


274  E  C  B  A  S I  S. 


Quis  siccis  rcferet  oculls  opprobrla  niortlj:, 
Quod  capilur  domiuus  veluli  niilissimus  aguus, 
Praesidls  ad  sedem  vitulus  ceu    duclus  ad  aram? 

900     Caedltur  et  alapis  colafis    cjuod  condilor  orbis, 
Afficitur  flagris,    conslrlugilur  undique  loris, 
Spinea  cui  ferlur  regis  pro   jure  coroua, 
Tundltur,  expultur  ,  deludilur  atque  negatur, 
Pocula  melllti  vini  mox  dant  sitlenti, 

905     Clavis  confixo,  perfosso   cuspide  Christo. 

Haec  sunl  quae  nostram  perlurbant  luidiquementem.' 

pardus. 
Tlurima  sat  passi  tractasli  vuluera    Christl 
Desine,  cara,  precor,   jam  desiue  fundere  ftetus, 
Nobiscum  gaude    depellens  tristla  plaude.' 
plillomeua. 

910     'Nuuc  precor,  ut  dlcas,  cur  me  gaudere  rogabas? 
Unde  etenim  trlsti  persuades  parcere  menti? 
Suut  mlhi  laeta  quidem,  sed  tanto  pondere  mentem 
Infero   lugentem  ,    quo  me  uec  vivere  vellem, 
Saepius  exopto  gelldo  me  tradere  leto.' 
pardus. 

915     'Verum  si  possem  ,  quod  dicls  ,    credere  vellem, 
Sed  pectus  lubricum  quoniam  gerls  iujDerfectum, 
Profer  veracem,  quem  possim  credere  testem.' 

pliilomena. 
Ut  quid  plus  referam,    vel  secula  longa  retexam? 
Nontibi  laeta  manent  quod  prius  ab  aethere  plaslus 

920  Pulsus  coellcolls  iterum  conjungltur  almis; 
Quae  majus  a  uobls  traclari  gaudia  poscis, 
Quam  paradlsiacae  pauduntur   limina  porlae.' 

pardus. 
'Sufficlat  tantas  jamjam  terebrare    latebras.' 

pliilomena. 
'Desere  daedalei ,  jam  desere  limina  tecti.' 


B  C  B  A  S  I  S.  27j 


925     Hi  lacrimis  huniidi,  terrae  de  pulvere  foedi, 
Cuni  jussu  pardi  vadunt  simul  anine  lavari 
Cantores  socii ,  Girinda  Iluniiue  loti, 
Dum  repedant,  reges  biuos  dum  visere  certaiit, 
Udi,  jejuni,  dicto  de  carmine  fessi, 

930     Voto  communi  conscendunt  robora  fagi. 

Dum  pennas  aplant,  plumas  ex  sole  reformant, 
Psitacus  accurrit ,    regem  resipiscere  quaerit, 
Cignus  adest  etiam  languentis  discere  vitam. 
Scrutanli  multa  respondet  ayicula    tanta: 

935     Tasca  resurgeutis  celebrandum  est  aedibus  allis 
Quis  bini  reges  resident,  cum  milite  prandent, 
Vos  rogo  nobiscum  solvatis   gaudia   vocum.' 

psytacus. 
'Caiisa  namque  tui  paterer  discrimina  belli, 
Davidicae  citharae,  melodiam  prosequar  ipse. 

940     Imminuentur  atrae  solenni  carmine  curae, 
Tu  tamen  incipias,  cantu  superabo  syrenas.' 

ciguus. 
'Omne  genus  hominum  viucam  clangore  tubarum, 
Nou  juxta  solitum  Francorum  corniferoruni, 
Est  miliipsalterium  ,  quod  erat  David  decachordum, 

945     Asaph   me  docuit,    qiii  psalmos  fingere  juvit, 

Incipe,  si  quid  habes,   pascales  psallito  laudes.' 

pliilomela. 
'Esl  hinc  longa  via ,  qua  perveniatur  ad  aiilrum, 
Hinc  cernes   summi  volitando  culmina  tecti.' 
Flegmate  detersis  rostris  canluque  paratis, 

950     Excutiunt  rapidas  coujuncto  foedere  penuas. 

Nec  mora  conveniunt,  pinnae  fasligia  prendunt. 
Praevia  fu  merula,  pardo  offert  hacc  uova  monslra, 
Qui  surgit  subitus,    longinqiios  osciilaturus : 


944  decliacorduin. 

18 


276  E  C  B  A  S  I  S. 

Visis  arrisit,    caros  sibi  foedere  jiinxit. 
psitacus. 

955     ^Oceauo  posilis  regis  fit  fania  jacentis. 

Est  quia  divinum  languentis  visere  stratum, 
Conipuncti  lacrimis  palniis  deflevimus  arlis, 
Ordine   confuso  lustravimus  aere  denso, 
Quo  via  sit  nobis  invidit  semita  nubis, 

960     Donec  Burdigalis  opacae  tempore  noctis 

Fit  slrepitus  plebis  matutinos  imno  petentis, 
Namque  Severini  celebrabal  festa  beati. 
Cumque  fatigati  moraremur  ad  atria  sancti, 
Cum  reliquo  vulgo  redibentes  cantica  Christo, 

965     INIox   aurora  rubens  maturat   pellere  nubes, 
Inde  recedentes  iuvenimus  hasce  sorores, 
Conductu  quarum  quaesituni  invenimus  aegrum. 
Ergo  repetamus.     sis  nobis  fixus  amicus, 
Diceris  a  cunctis  clari  hix  altera  solis, 

970     Te  duce  ducamur,  te  praeduce  mox  revehamur. 
Haec  filomela  soror,    uimius    quam    detinet  ardor, 
Subpeditare  tibi  servirec|ue  corde  fideli, 
Nos  prece  blanditur,   ut  Christi  pascha  colatur, 
Comprime  tustrepitum,  nostrum  quoque  dirige  gressum.' 

975     It,   redit ,  attactu  levi  introducere   coepit, 

Protinus  intrantes  has  ponunt  ordine  laudes: 
'Salve  festa  dies ,  quam  credens  magnificat  plebs ! ' 
Hoc    post  odecolon  graecissant  kirie  eleison. 
Fit  vox  omnigenum  vohicrum  pecudinnque  ferarum, 

980     Muhiplicique  modo  sacra  cantio  personat  antro, 
INIanes  devicti  lugent  sua  damna  revolvi, 
Celera  gesta  dei,    recolit  quae  pagina  libri, 
Lingua  judaica  ruciant,    graecaque  hitina. 
Ut  complent  apices,    quos  scribit   virgo  Johanues, 


963  morarentur  A.         978  kirrie 


E  c  B  A  s  I  s.  2rr 


985     Aptaut  hae  celeres  herboso   cespile  sedes. 
psltacus. 
'Scrutor  rauclsona,  iiuin  sil  quoque  fracta  lagena? 
Quod  niihi  poscenti  non  dantur  pocula  vini, 
Nam  neque  divitibus  continguut  gaudia  solis.' 

leo  psitaco. 

'Appouas  aliquam  ,  si  nosti  forte,  niedeLim.' 

psitacus. 

990     Nil  nisi  lene  decet  vacuis  committere  venis.' 

leo  psitaco. 

'Nil  ego  praetulerim  jucundo  sanus  amico.' 

psitacus. 
*Oderunt  hilarem  moesti  tristemque  jocosi.' 
Nam  leo,  cum   vino  incahiit ,  mox  talia  dixit : 
'vulpes   sensata  prudenter  rexerat  ista, 
995     Meque  meamque  domum  super  omne  revexit  ho- 

nestum, 
Corpus  lauguentis  confoverat  igne  sahitis, 
Seminecem  membris  nec  cessat  reddere  mensis. 
Haec  petiit  pardum   post  me  regnare  secundum, 
Istius  ad  votum  regem  sacravimus   istimi : 
1000  Nam  mea  sint  pardi  quae  pardi  proxiuia  vulpi. 
leo   pai'do. 
'Vulpem  versutam  lateri  ne  depresseris  uiiquam.' 
Tuuc  versuta   dolis  de   tanto  munere  regis 
Ti'islatur  facie  quaniquam  laeletur  ad  omne. 

pardus  leoni. 
'Tristior  est  solito,  me  cernit  lumiue  torto.' 
leo  pardo. 
1005  'Si  quid  vuU  proprium,  verum   nou  celel   amicuni.' 
vulpes. 
'Est  specus  in  silvis  celsi  sub  cuhniue  monlis, 
Hanc   mihi  posco  dari,  facti  muniniiue  scripti.' 
Coufirmaut  reges .  petiit   quod  subdohi  vulpes, 


278  E  C  B  A  S I  S. 


Teslibus  ab  taiilis  iiiinalur   caulio   vuli>is. 
lupus  lulio. 
1010  'Haec  est  ista  specus  dala  tuiic   sub  regibus  illls; 
Pro  faclo  scelere ,  quod  vulpes  gessit  iuique 
Adversus  proavuni ,  tultum  fuerat  sibi  castrum.' 

luter. 
'Successit  soboles,  successit  tortus  et  heres : 
Deliuquunt  patres,  solvuut  delicta  sequaces. 
1015  Cetera  prosequere,    quae  siut  insiguia    coenae.' 

lupus. 
'ToUuntur  lances,  longinquus  vescitur  hospes.' 

pardus  vulpi. 
'Praevideas  ne  turpe  toral,    nec  sordida  mappa, 
Sordidus  aut  dapifer  nares  conruget  edentum, 
Magna  movet  stomacho  fastidia,  seu  puer  unctis 
1020  Tractavit  calicem   manibus,  dum  furta  ligurrit, 
Sive  gravis  veleri  craterae  limus  adhaesit. 
Pocula  miscentem  nutritum  pone  clientem, 
Casla  serenatis  impone  cibaria  mensis, 
Ponantur  nuclei,  corilorum  robore  nati, 
1025  Persica  cum  cerasis,  cjuectonia  mixtaque  fragis, 
Poma  geroldinga,  quae  detulit  haec  philomela, 
Praecoqua  purgetur   claris  iu  fontibus  uva ; 
Ut  dabis  elixa,  coufestim  dentur  et  assa, 
Accubet  et  reliquum  servum  pecus  ad  comedenduni.' 
vulpes. 
1030  'Insistam  cunctis,  quae  monstrat  sermo  jubentis.' 
Sublato  disco  surgens  fera  sistitur  antro. 

psitacus. 
'Praecipiat  dominus,  licitos  repetat  fera  cursus.' 

leo. 
'Accipite  ergo  omnes,  auresque  adverlite  cordis, 


lOVl  pateres  A.       1016   longiiiqviis  A.        1026  gero  dijjiia  B. 


B  C  B  A  S  I  S.  279 


Gralia  sit  vobis,  quod  sic   niihi   condoluislis : 

1035  Exitibus  vestris  nullus  dominetur  ut  liostis 
Finibiis  in  cunctis,  latus  qua  tendilur  orbis.' 
Potio  defertur,  teinulenti  quique  vehuutur, 
Pace  salutantis  discedit  concio  castris, 
Nec  calamus  referet ,  quae  regis  jussio  praebet. 

1040  Tuuc  vaga  prosihiit  frenis  natura  remotis, 

Seque  per  immensas  dilFundunt  agmina  silvas. 
Mox   magni  parvique  lupum  lusere  gavisi, 
Accessit  laetae   turbae  glomeratio  tantae. 
Exprobrat  in  facie ,  cpiae  sit  custodia  linguae, 

1045  Informat  scriptis,    cjuae  sit  caulela  bilinguis: 
'Dentibus  iufrendis  vaue  tua  labra  voraris 
Te  tua  culpa  premit ,  tu  dum  tua  navis  in  alto  est, 
Hoc  age  ne  mutata  relrorsum  te  vehat  aura; 
luspicit  onuiipotens  actus.,  qua  mente  reganlur, 

1050  Nam  semel   emissimi  volat  irrevocabile  verbum. 

Haec    dolis    est,    ininiice,    luis  concepta  simultas!' 
IMultifluisque  diem  verbis  ducendo  fatigant. 

psitacus  leoni. 
'Non  capiam  quicquam  rediens,nec  laesero  quemquam, 
Dum  vacat  ergo  tibi,  sine  causa  vivere  noli, 

1055  Quod  cupide  poscis  mature  plene  relinquis. 

Disce  miser  taudem  ,   si  vis  contemnere  morleni, 
Quod   ceu  ilos   foeni    sic  omnis   gloria  nuuidi. 
Cur  tibi  credis  opes,  cur  coecos  quaeris  honores  :* 
Cur  putridis  mullam  te  nulris  verniibus  escani  ? 
1060  Hunc  diligis  nuuidum  ,  proprium  qui  fallit  aniicum.' 
leo  spilaco. 
'Quod  das  concilium,  quo  possim  prendere  somnuin? 
Quae  mihi  sunt  regno,  vadens  hinc  desero  pardo. 


1035  existibus  A.         1044  exprobat  A. 
5101   Lic  dolus  A.         1053  lesere  A. 


280  B  C  B  A  S  I  S. 


psitacus    pliilonielae. 
'Plectris  dulcisonis  curaruni  seniiua  pellis, 
Tu  cuni  sis  quod  ego  fortassis  caulior  uUo, 

1065  Nuiic  in  amore  niei  comportes  somiiia  regi.' 
pliilomela. 
'Quotl  petis  Iioc  peragani,causam  non  respuo  jussam.' 
Rex  ubi   melliti  capitur  dulcedine  pleclri, 
Obdormire  parat,  vulpes  differre  laborat. 

vulpes. 
'JNatuiale  tibi  confirmat  pagina  libri , 

1070  0"od  dormis  Iriduo,  sed  quid  manelliospesin  antro?' 
pardus. 
'Defessi  veniant,  pausent  modicum  atque  redibunt.' 
Expleto  triduo  rex  mox  discessit  ab  antro, 
Et  Suuarzuualt  petiit,  alemanuica  rura  revisit, 
Divitiasque  domus  usurpat  mox  sibi  pardus. 

1075  Cignus  Nortmannos  possedit,  psitacus  Indos, 
Pardus  duxit   aves  ad  partes  occiduales. 
His  ita  dispersis  sic  fil  migratio  vulpis, 
Ad    proavum  teudit,    probrosa  epitafia  scribit: 

epilafium. 
'CoJivenlens  curtim    parvam  venerare  coLortem, 

1080  Flecte   capud  timidum   susceptus  sede  potentum, 
Praemeditare    prius,    quae  [des]  aenigmata  cautus, 
Rarus  in  eloquio ,  sollers  sermone  serendo, 
Falsa  loqui  fngito,   reseratis  auribus  esto, 
Quid  de  quoque  viro ,  et  cui  dicas ,   saepe  videto, 

1085  Saepe  rogus  modicus  comburit  culmina  saltus, 
Nam  neglecta  solent  incendia    sumere  vires ; 
Officio  linguae  nullum   frustreris  bonore, 
Nam  tua  res  agitur,  paries  cum   proximus  ardet. 
Sic  tibimet  verae    continget  gratia  famae. 


1071  ^eiiiimt  A.      10T3  smiazuualt  A.  B.       1081    iks  zuKefugt. 


ECBASlS.  281 

1090  Sic  sic  niaguus  eris,     aelernum  iiomen  habebis, 
Ipse  bilinguis  eras,    nepti  tormenta  parabas, 
Nec  minus  optali,  quam  facli  poeua  lueuda  esl : 
Vermibus  el  vespis  oplabilis  esca  jacebis.' 
lude  petens  castrum  duxit  secum   leopardum, 

1095  Nuucius  ut  regis  sibi  det  muuimiua  pacis. 
i.  alibus  a  culpis  facta  est  expulsio  vulpis. 
SuiFiciat  dlclis  de    tanto  tramite  vulpis.' 

luler. 
'Vere  sufTiceret ,    si  non  fortassis  abesset ; 
Ast  bene  fecisti,  quod  nobis    sic  reserasti 

1100  Tecta  diu,  planis  nudaus  archana  loquells. 
Esse  potest  ab  re  quod   tardat  concio  turbae, 
Conimlssus  sanctls  scrutabor,    quid  gerat  liostls. 
Luter  adit  collim  ,    qui  cingit  de  prope  rupem, 
Aspeclat  vulpem  pilacia  scripta  vehentem, 

1105   Testibus  apposilis  fuerant  quae  folibus  illis. 
Coetus  erat  fortls ,    conclamans  voclbus   altls: 
'Regls  praeceptum  nunquam  fruslretur  inultum, 
Passeribus  proslt,    qui    regis  jussa  refellit 
Sublateransquemquam,nonhocsibIproderIlunquam. 

1110  Si  scandit  fraude,  mox  mistica  seminat  ore, 
Perplexos  morsus  resuplnat  corde  lupinus, 
Occultans  anlmum ,    certat  subvertere  justum. 
INIortls    hlc    est    annus  viroso   escamine    tectus, 
Propinat  mortem   dum  finglt  ferre  salutem. 

1115   Fraudem  quam  fecit  vicinam  coufore  scrlblt. 
Oiiod  sine  lege  sletit,  vere  sine  lege  perlblt. 
Hos  repeteus  ludos  enutriat  in  cruce  corvos, 
Et  famull  nequam  vincli  mittautur  Ylerdam. 
Vestitura  dati  confestim  reddltur  illi.' 

1120  Audlerat  proceres  istas  imponere  leges, 

Terrltus  hlsce  mlnls,    correptus   mente   furoris, 
Onuiia  quae  vidit  relegens  ex  ordlne  pandit, 


282  ECBASIS. 

Hortaturque  lupum  coucedal  abire  juvencum. 
lupus. 

'Non  honiinem  vereor,  nec  vulpis  me  quatit  horror.' 
luter. 
1125  'Consilium  refugis,  cervicibus  imniinet  eusis, 

Judicio  morlis   ad  praesens  tu  capieris. 

Quique  tui  capti  vincli  morientur  et  illi. 

Auxilium    quaeris  quaerendum  tempore  pacis, 

Dicere  et    audire,    et  meliori  credere  uon  vis, 
,1130  Non    magui  pendis  habitum  vultumque  poteutis, 

Principibus  placuisse  viris  non  ultima  laus  est. 

Gratia  tantorum   tultum  reddet  sibi   castrum, 

Nec  magno   aut  parvo  leti  fuga  nuUa  erit  antro.' 

Luter  discipulus  collis  de  culmine  lapsus 
1135  Formidaus  hostes,    possessaque    castra   relinquens, 

Horrens  exitium  iluvii  se  misit  ad  imum. 

Ericio  latis  solito   considere  cellis 

Abdere  se  silici  curae  fuit  atque    labori. 

Curritur  ad  castra ,  sola  lalraute  licisca, 
1140  luvaduut   castrum  franco   de  milite   castum. 

Alloquitur  vulpis,    seducitur  atque  querelis : 
vulpes. 

'His  est  aut  nusquam  quod  quaerimus,  hicilatel  hostis. 

Cernitis  en  patruum?  quid  agis  dulcissime  rerum? 

lucolumi  capite  es,    qui  cauo  flore  reluces, 
1145   Formosus  facie ,  sura,  pede,  dente,  lacerto, 

Candidus,    et  talos  a  vertice   pulcher  ad  imos. 
Tu  patre  praeclaro  nutritus  pectore  casto, 

Certum  est,    iugenuos  habeas  dilesque  parentes, 

In   regum   numero  reguas    Cuououe  secundus, 
1150  Praecellis  cunctos  famosis  partibus    ortos, 

Lilierulis  doctus,  multis  et  houoribus  auclus. 


1125  refugit  A. 


B  C  B  A  S  I  S.  283 


Obiciet  neuio  sordes   libi ,    quas  iniiii   iiuilli, 
Oui  tibi  complaceo,    qiii  turpia  vincis  lioueslo. 
Susum  scande  paler,    niirabilur    uuus  et  aller 

1155   Arlus  egregios  generoso  in  corpore  sculptos ; 

Mentior  at  si  quid ,  nierdis  caput  inquiuer  albis.' 
Couservus  vilis,    queni  tardal  acuta  securis, 
Dum  lupus  asceudit,  objecla   repagula  traxil, 
Sic  foras  exiliit,    nialrem  cuni  palre  reposcit, 

1160  Ubera  cum  suxit   matri  laelatus    inbaesit. 

Prolulit  exemplar,  veri  cpiod  lucet  ad  instar, 
Non  seniper  feriet  quodcunque  minabilur  arcus. 
At  lupus  a  tauro  truiico   conligitur    allo. 
Yulpes  liunc  geniino  collaudat  pollice  ludum, 

1165    Haec  pravo  scri])tum  praedoui  perbibe  aptum: 
epilapbium. 
'Hoc  legimus  scriptum,  credamus  et  esse  probatum, 
Vae  qui  praedaris,    Cjuouiam  praedaberis  ipse ; 
JMercatur  morlem ,    qui  fraudis  diligit  artem, 
Nec  capiet   i"isum ,    qui  sic   sectatur  iuiquum, 

1170  Inde  se  discat,  qui  juste  vivere  tardat.' 

INlox  palrios  iugressa  lares   eliininat  bostes, 
Nam  murum  scandit,  caris  cum  fralribus,  iuquid  : 
'Divitis  omne  bouum,  si  non   fuerit  stabilitum 
Consilio,  ratione,  modo,  solet  adnicliilari, 

1175  Aeque  neglectum  pueris    senibusve  nocivum. 

Quae  major  pestis ,  heu,  quidve  nocentius  istis 
Aspidibus,  colubris ,    basiliscis  alque  cbelidris? 
Et  tamen  bos    fertur  supei'are  domesticus   hospes. 
Quid  tardat  sapiens,    forsan  si  ceperit  hostes, 

1180  Ni  liget  ac  cruciet,  obstruso  carcere  damnet? 
Compedibus  tales  num  sub  custode   tenebit? 
JMoris  erat,  fortassis  erit,    dum   quiscjue  vigebit, 


1163  vielleicht  triincus?         1170  iiite  A.       1174  adiiiciiiiare  A. 


284  E  C  B  A  S  I  S. 


Si  prece ,    si  prelio  laxatur  captio  capto, 
Obside  suscepto,  seu  flrmo  sit   sacramento. 

1185  Qui  hos  vocat  ad  cameras,  piperatas  porrigit  escas, 
Mollia  strata  jacit,  quaeciinque  taceuda  resolvit, 
NuUa  catena  premit,    nec  ferrea  passio  cogit, 
Excors,  follus  eques,  abnormis  garrulus  idem  est, 
Et  perit  ut   hipus  hic   condigno  £ne  perhemptus; 

1190  Nam  muhi   pereunt,  quia  sensu    vivere  uolunt. 
Non   jactu  lapidis ,    nec  jacto  missile  quovis, 
Captio  fit  castri  tanti,   siue   caede,  peculii, 
Ingenii    sensus  prudentum  fortis   et  astus 
INIilibus  armatis   citius  dominatur  inhermis. 

1195  Credite,    consocii,   me  visit  gratia  Christi. 

Conservate   fidem,  nodosam  pellite  fraudem, 
Subveniat  frater  fratri ,  pro  posse  fideli.' 
Talibus  hosce  monens  Christo  mandaverat  omnes. 
Dum  redeunt  pariter,  affatur  taliamater: 

1200  *Cur  non,  nate,  refers,  quae  saevus  fecerit  hospes?' 
vitulus. 
'0,  mater,  peccas  dum   tristia  metra  retractas, 
Taedet  sacrilegas  antri  percnrrere  curas, 
Has  si  plus  refero,  fastidia  magna  parabo : 
Dulce  sonat  modicum  ,  coufert  fastidia    magnum. 

1205  Perluleram  triste  ,  quod  sic  tardastis   utrique, 
Prorsus  jucundam  uoctem  produximus   istam, 
Possedi  socium_,  qui  fletiun  fudit  amarum, 
Pro  me  saepe  rogans   lacrimas  eduxit   amaras: 
Luter  ridiculus  famoso  esl  nomine  dictus 

1210  "Attrectans  amnes,  piscosi  gurgilis   heres." 
Hisce  meis  oculis  deterslt  signa  meroris 
Sub  noctem  gelidumque  foco  calefactat    amicum. 
Nou  tamen   adversis  insomuia   duximus    austris, 


1210  aurectai!3  A. 


E  C  B  A  S I  S.  285 


Me  Baccho  satiat ,  quin  lenia  verba  propinat. 

1215  Ericium  vafrum  servis  de  pluribus  unum 
Iiistruit  Herodes  vitulinas  scindere    carnes, 
Qui  dixit  vitulum  festivum  pasca  futurum, 
Per  se  sumendum,  nuUi  per  frusta  secandum, 
Ad  jugulum  tantum  ferrum  reddebat  acutum, 

1220  Me  cupiens  miserum  morsu  lacerare  ferino. 
Laus  domino  qui  [me]  salvarat  d^nte  lupino, 
Sanus"et  incolumis  malernis   deferor  uluis. 
Sit  nonien  sanctum  Chrisli    domini  benedictum!' 
Versus  milleni  cejiteni    septuageni ; 

1225  Verum  operi  longo  fas  est  obrepere  somnum, 
Nimirum  sapere  est  abjectis  utile  uugis, 
Me  tenipestivum  psalmis  concedere  ludum  ; 
Iratus  pariter,  jejunis  dentibus  acer, 
Sermonem  claudam,    verbum  nou  amplius  addam. 


1221  me  z\\Re(uKt. 


286  E  C  B  A  S  I  S. 


Uies  bislier  unbekannle  gedlclit  entdeckle  icli, 
nach  tliierfabelu  begierig,  im  september  1834  unter  deu 
liandschriften  der  burgundischen  bibJiolhek  zu  Briissel. 
es  ist  doppelt  da,  einmal  im  codex  8742  bl.  187-191, 
dann  im  cod.  7925  bh  130-134,  jenen  bezeichnet  A, 
diesen  B.  A  "svird  betitelt  homiliae  Salviaui,  B  Isido- 
rus  in  genesim  ;  in  A  ist  voruen  eiugetragen  -j-  ms.  120% 
hinten  die  zahl  629^,  iu  B  vornen  ms.  105,  hinteu  330 
vvas  sich  auf  aUere  cataloge  bezieht.  beide  enthalteu 
noch  mauche  audere  laleinische  saclieu.  In  A  gelit  der 
ecbasis  von  gleicher  haud  geschrieben  bl.  185.  186  vor- 
aus:  epitaphium  JiiHani  apostatg;  auf  die  ecbasis  folgen 
wieder  vom  uemlichen  schreiber :  enigmata  Aldhehni 
epi  dactilico  carmine  contexta.  und  auch  in  B  stehen 
bl.  135  fF.  vou  derselben  hand  die  euigmata  Aldhelmi. 
aus  dem  anderu  ist  keiner  der  beideu  texte  geflossen, 
beide  sclieinen  sich  aber  millelbar  zuriickzufiihreu  auf 
eiueu  jilteren  codex,  iu  welchem  schou  die  ecbasis  deri 
aldhehuischen  ratlisehi  vorausgieug.  Icli  hahe  A  fiir 
etwas  alter  als  B,  den  schrlftziigen  uud  gebrauchten 
abkiirzuugeu  nach  noch  aus  dem  eilfteu  jh. ;  B  obgleich 
weniger  abkiirzeud  mag  aus  dem  zwolften  seiu.  A 
zeigt  eiuzelne  ae,  sehr  viele  g.  B  hat  viele  fehler  mit 
A  gemeiu ,  nicht  alle,  aber  auch  eigue.  Dafs  der  ur- 
spruug  des  werks  iiber  die  zeit  beider  abschriften  liiu- 
aufreiclie,  lehrt  im  allgemeinen  schon  die  fehlerhafte 
besclialTenheit  des  textes  in  verschiednen  stelleu  (na- 
mentlich  z.  173.  1026),  welche  die  copisten  nicht  mehr 
verstanden    und  zu   andern  suchten.      INIeiu  abdruck  ist 


B  C  B  A  S  I  S.  287 


nach  A ,  fiir  sclnvicrige  verse  vind  aiisdnicke  wurde  B, 
im  einzelneii  niclit  dnrcligangig  verglichen. 

Da  vers  1224  das  gedicht  selbst  nur  zu  1170  zei- 
len  anschlagt ,  so  scheiuen ,  >venn  nian  die  fiinf  noch 
weiter  folgeuden  nicht  beriicksichtigt,  ihrer  54  einge- 
schahet.  Oder  darf  der  49  verse  fiillende  prolog  abge- 
zogen  werden  iind  fiir  spatere  zufiigung  gellen  ?  es 
trafe  beinahe.  Sonst  aber  lassen  sich  gerade  auch  ei- 
nige  funfzig  aus  Horaz  eingelragne  verse  nachweisen  ; 
beruht  auf  ihjien  die  interpolation?  wir  wollen  im  ver- 
folg  naher  zusehn. 

Der  klosternanie  des  verfassers,  obwol  diesen  die 
rubrik  nur  als  quidam  bezeichnet,  niag  kein  andrer  als 
Malchiis  sein.  deni  dichler  gefallt,  ihn  in  das  werk  selbst 
zu  verslecken :  ani  liofe  des  liiwen  werdeu  den  tiscli- 
gasten  vom  eiuhoru  die  forlia  gesla  ilkistris  monaclii 
captii>i,  nomine  IMalchi  vorgesungeu  (583-588),  das  me- 
niorabile  Malchi  (790.)  der  monaclius  caplivus  ist  der 
cpiidam,  dessen  fluclil,  oder  ecbasis,  aus  dem  klosler 
gescliildert  wird,  verliiilh  in  die  fabel  von  einem  aus 
seinem  stall  entrinnenden  kalb.  darauf  deutet  auch  der 
ausdruck  'per  tropologiam ,'  welclier  den  ausgang  des 
kalbs  figiirlich  zu  nehmen  riith.  Wahrscheinhch  floh 
der  verfasser  uicht  einmal  wirklich ,  sondern  wiinschte 
sich  nur  ledig ,  entweder  seiner  verscliuldeten  haft  im 
klosler,  oder  des  kloslers  iiberhaupt :  er  nennt  sich  v. 
58  claustrali  carcere  scptum,  und  vergleicht  sich  66. 
67  dem  kalb ,  dessen  geschichle  er  vortragen  will.  iji 
dieser  erzahlung  heifsl  es  v.  191  :  ut  me  conspiciuut, 
wo  dem  zusammenhang  nach  i>iliihim  gefordert  wird. 
hieraus  geht  hervor,  dafs  der  verfasser,  dem  dies  me, 
vielleicht  absichtlich  enlschliipft,  unler  dem  kalb  ver- 
borgen  liegt.  ]\Ian  weifs  sonst  das  geringsle  nicht  voJi 
den    merkwiirdigen    begebenheiten    clnes  Malchus ;     die 


288  E  C  B  A  S  I  S. 


verse  583.  790  wurdeu  ganz  nuifsig  iind  unverslandlicli 
in  der  diclilung  stehn  ,  wenn  sie  niclit  deu  vermuteten 
bezug  haben.  Ini  prolog  beklagt  der  verfasser  seine 
iibel  angewandte  kindheit  oder  jiigend;  er  will  sich 
aufraifen  und  an  diesem  werk  versuchen,  dem  er  wei- 
ter  keiue  vorziige ,  doch  einigen  nutzeu  beimifst. 

Meiut  er  sich  also  unter  dem  kalb,  so  geht  aus 
den  zeilen  124-128  noch  niehr  iiber  ihn  hervor.  liier 
heifst  er  'imberbis  juvenis,  Uillensis  discolus  xirhis.^  disco- 
lus,  d.  i.  (^VGZoXog  bedeutet  difficilis,  morosns'*'),  in  der 
klostersprache  aber  einen  slraffiilligen ,  der  sich  tadel 
und  verweis  zngezogen  hat  *'*).  in  solchem  fall  scheint 
Malchus ,  als  schiiler  oder  noviz,  und  darum  in  haft  ge- 
wesen  zu  sein. 

Zugleich  erfahren  wir ,  dafs  er  aus  Tull  gebiirtig 
oder  dort  im  klosler  war.  Aber  auch  ohne  das  hatte 
genug  anderes  den  Lothring  verrathen.  v.  465  soll  der 
heilige  Aper  angerufen  werden ,  der  fiinfte  bischof  von 
Tull,  der  ini  anfang  des  sechsten  jh.  lebte  ^,  dessen  fest 
17  cal.  oct.  fiel.  *'*'*)  AIs  die  fische  aufgezahlt  werden, 
welche  die  otter  fiir  den  wolf  herbeischaft,  nennt  der 
dichter  aufser  dem  Rhein  auch  die  Mosa  (entweder  Maas, 
franz.  ]Meuse,  oder  lieber  Mosel)  und  den  'piscosus 
Rahado^  (170.  171),  zwei  lolhringische  fliisse.  dieser 
Rabado    ergiefsl    sich    in  [den  Vogesen  durch  das  gebiet 


*)  veniet  sedl  dyscolus  alter,  Juvencus  in  Geo.  Fabricii  poet. 
lat.  p.  484. 

'*)  nocli  im  18  jli.  in  Baiern:  discola,  verworfne  des  ordens 
(Lipowskys  gemalde  aus  dem  nonnenleben  p.  162.) 

••')  Adso  in  gestis  episc.  tullensinm  cap.  135.  145.  Richerii 
cliron.  senoniense  (ans  der  niitte  des  13  jli.) ,  in  Dachery  spicileg. 
tom.  3  Parisl659.  4.  p.  312.  es  bestand  ein  collegium  sanctiApri, 
ein  Benedictinerkloster  dieses  namens  zu  Tuli  (vgl.  oben  s.  54, 
anm.)  ' 


B  C  B  A  S  I  S.  289 


der  abtei  Senones ,  niclit  weil  von  der  gegend,  die  wir 
obeu  s.  123  fiir  den  Wasgeustein  ausgeniittelt  haben; 
walirsclieinlich  ist  es  der  bach  an  des  wolfs  wohustatte 
(189.  1136.)  die  sliflungsurkundeu  des  klosters  ueuuen 
ihn  ausdriicklich  ebeuso.  *)  Hierzu  stinunen  uun  der 
weinbau  iu  des  dichters  lieiiuat  (dilectae  vites  53)  und 
die  geriilimten  trierer  weiue:  vina  trevirensia  (417.  733. 
738)  "^*)*,  die  fosaginls  parles  (71);  die  cosagina  canis 
(329),  so  dafs  die  liole  oder  burg  des  wolfs,  in  wel- 
cher  die  hauplhaudhuig  vorgeht,  beslimmt  in  deu  Was- 
geuwakl  gesclzt  werden  uuifs.  Die  hole  des  igels  ist 
687  Stmsile  {- v  v)  beuaunt,  und   sein  schlafgemach  (die 

kemenate)    Ilunsaha    ( v.)      jene  lafst  sich  nordlich 

von  Seuoues,  ;weun  man  dem  laufe  der  Saar  bis  uach 
tiustriugen  (teueslrange)  folgl ,  im  ehmals  rapolsleiui- 
sclien  orle  Steinsel  odei'  Stensel  nachweiseu  ***).  viel- 
leicht  keunen  diplonie  auch  uocli  Hunsaloa.     Beide  na- 


*)  Cliilderici  privilegium  vom  j.  661:  'iu  pago  Caivomontist 
in  Vosago  super  fluviolum  Rabaduiiem.'  cliarta  Ottonis  II.  a.  949: 
'monasterium  quod  a  novo  in  lionore  i)eatae  Mariae  sanctique  Pe- 
tri  in  sylva  Yosago  vocata,  in  loco  Senonico  dicto,  prope  fluvio 
liabodoni  construxit,'  Don  Calmet  probat.  fiist.  Lotli.  1  ,  258. 
354.  Bouquet  9,  382.  auf  den  carten  bei  Don  Calmet  ist  das 
fliifschen  aucli  angegeben. 

**)  aus  einer  Iis.  des  13  jli.  Iiat  Docen  misc.  2,  192  folgendes 

lat.  lied: 

Trefir  metropolis, 

Urbs  amoenissima, 

Quae  Bacclium  recolis, 

Bacclio  gratissima, 

Da  tuis  incolis 

Vina '  fortissima. 
"*)  es  gibt  eiu  Niedersteinsel   und  Oberstelnsel.     zwei  urkun- 
den  voh  1051    baben    ecclesia    in   Steinseila ,   Steinsiela  (Kremers 
origines    nass.    pars  2.    \Visb.  1779.    p.  125.  128.)    verscliieden  ist 
davon  der  wald  Steinzel    im  Luxenburgisclien. 

19 


290  E  C  B  A  S  I S. 


nien  zeicliiiel  schou  der  dlchler  als  deutsche  aus,  sie 
kunnten  steuseli  (sleiusaal)  und  Iiunsalaha  (opferwasser) 
bedeulen,  wenn  man  in  aloa  niclit  alal»  (liaus,  tenipel) 
sehn  will.  Das  gedicht  ist  also  enlweder  ini  kloster 
Seuones  oder  iu  dem  (zehn  sluudeu  davou  reruen)  TuU 
selbst  enlsprungen. 

Scliwerer  fallt  die  zeilbestiinmung.  zwar  dle  fabel 
selbst  geht  voni  aprll  des  jahrs  812  aus  (69),  was  aber 
hochslens  darthut,  dafs  sie  uicht  friiher  abgefafst  sein 
konne.  es  wlrd  docli  wol  absichth'ch  eiue  langer  ver- 
flossene  zeit,  um  dle  begebenheit  zuriick  trelen  zu  las- 
sen,  gewahlt  worden  sein.  in  das  neunte  jh.  ist  gar 
nicht  gerecht,  was  ich  gleich  anfiihren  will.  v.  132. 
254  begegnet  der  nanie  Ilemricus;  685  und  1149  Chuon- 
radus  oder  Chuono.  darunler  miissen  deutsche  konige 
gemeint  sein  ,  und  die  frage  ware  nur  zwlschen  Con- 
rad  1  und  Heinrich  1,  oder  Conrad  2  und  Helnrlch  3? 
iu  jenem  fall  ware  das  gedlcht  vor  936,  in  diesem  huu- 
dert  jahre  spater  vor  1056  enlstanden.  ini  zehnten  6o- 
wol  als  ellften  jh.  machte  Lothrlngen  den  deutsclien 
konigen  viel  zu  schaffen  ,  Conrad  1  trat  911  und  913 
in  Lolhringen  und  im  Elsafs  wider  konig  Carl  vou 
Frankreich  auf,  den  der  tuller  bischof  Drogo  begiin- 
stlgte.  Heinrich  3  demiiligle  im  j.  1044  den  elirgelzi- 
gen  Gottfried  den  barligen,  herzog  von  Lolhrlugen. 
Der  verfasser  sclieint  nlcht  von  der  deutschen  parlei, 
denn  Helurichen  stellt  er  als  elnen  freund  des  wolfs 
dar  (254)  und  lafst  den  wolf  als  wiirdigen  nachfolger 
Chuonos  preisen  (1149),  denkt  sich  also  wieder  einen 
Heinrich  darunter.  der  hochmutige  (freilich  gestrafle) 
igel  behauptet  (685)  ,  dafs  gegen  sein ,  wle  wir  sahen 
in  Lothringen  gelegnes,  Steusile  Conrads  burgfesten 
nichls  bedeuten.  das  vom  wolf  gefangen  gehaltne  kalb 
schelnt  sich  auf  konig  Heinrlchs  laudfrieden  zu  berufcn, 


ECBASIS.  291 


wenn  ich  'Heinrici  placitis  ccpi  moderamina  pacis' (132) 
recht  verslehe.  das  ware  niin  leicht  Heinrich  des  drit- 
ten  treiiga  dei  vom  jahr  1043.  *)  gleichv\'ol  konnten 
auch  Heinrich  1  siege  und  griindungen  der  inneren  wol- 
fart  des  reichs  als  friedensbefestigung  angesehn  werden. 
Ich  niochte  aus  folgenden  griinden  auf  Conrad  1  und 
Heinrich  l  **)  in  unserm  gedicht  angespielt  sehen. 
Conrad  2  und  Heinrich  3  waren  schwerlich  unler  dem 
blofsen  eigenuamen  aufgefiilirt,  da  schou  andere  gleich- 
iiann'ge  konige  ilmen  vorauegehn ;  wie  hatte  aber  der 
dichter,  falls  er  im  eilflen  jh.  lebte,  nicht  vielnielir  der 
Oltonen  gedenken  soHen  ,  deieu  nanie  unter  deni  volk 
viel  grcJfser  war?  auch  des  bischofs  Bruno  von  TuU, 
der  im  j.  1049  unter  der  benennung  Leo  IX  den  pabst- 
lichen  stuhl  beslieg ,  seines  beriihmten  landsmannes, 
erwalint  er  nirgend. 

Der  hernach  folgende  ausziig  der  fabel  ergibt,  dafs 
zwei  generationen  von  thieren  vorgestellt  werden ,  eln 
wolf  und  fuchs,  die  zur  zeit  des  kalbs ,  im  jahr  812, 
leben,  und  ihre  vorfahren,  deren  friihere  abenteuer 
daneben  erzahlt  sind.  jene  anspielungen  auf  Heinrich 
gehoren  der  jiingeren  periode ,  auch  das  Cuonone  se- 
cundus  (1149)  betrift  den  spaleren  wolf.  Conrads  bur- 
gen  hingegen  setzt  herab  nicht  der  als  dieses  wolfs 
dienslmann  auflretende  ericius,  sondern  ein  alterer  eri- 
cius ,  der  mit  des  wolfs  und  fuchses  grofsvalern  am  ko- 
nigshofe  zusammen  auftritt.  Das  wird  jedoch  uichts 
versclilagen ,  um  hinter  des  dichlers  Cuono  beidemal 
einen  und  denselben  kiinig  zu  verslehn.  Ob  auch  un- 
ter  dem  konlg  der  thiere ,    der  in  seiner  krankheit  auf 


•)  Reinhart  fuclis  LXVII. 

'*)  anf  deQ  zweiten  Heinrich  deshalb  schoa  nicht,  weil  ihn  ein 
geistiicher  wiirde  geschont  haben. 

19* 


292  E  C  B  A  S  I  S. 


sclilaues  ansliften  des  fiiclises,  tlen  parder  adopliert  und 
zum  milkoiiig  erwalileii  lafsl,  ja  cliesem  zulel/.t  das  west- 
liclie  reicli  iibergibt  uiid  sich  in  den  Schwarzwald  zu- 
riickziehtj  wirkliche  begebenlieilen  genieint  seien  ?  be- 
zvveille  icli.  der  salische  Conrad  liefs  zwar  1028  Hein- 
rich  (den  dritten)  zum  nachfolger  kronen  ,  dies  war  aber 
sein  leiblicher  sohn  ,  und  Conrad  beliielt  bis  zum  tod 
(1039)  die  ganze  reichsgewalt.  jene  adoplion  hat,  wie 
niir  scheint,  gleicli  dem  siechtlium  des  kunigs,  blols  in 
der  fabel  grund.  Geliurt  Malchus  selbst  dem  zehnten 
}h.,  so  konnte  er  uichls  vou  den  jiingern  ereignisseu 
wissen. 

Meine  ansicht,  dafs  die  ecbasis  caplivi  der  abfas- 
sung  des  Waltharius  gleielizeitig  sei,  vielleicht  um  jahr- 
zehende  vorhergehe,  wiil  ieh  nun  durch  einiges  andere 
zu  bcstarken  suclien.  Jene  deutschen  w^ortformen  hun- 
saloa ,  stdnseli  (falls  so  zu  lesen) ,  rabado  klingen  voU 
iind  all ,  wie  sie  freilicli  in  eigennamen  auch  das  eilfte 
)h.  forterhalten  kounte.  den  namen  des  pforlnersy/«n^z/w 
(688)  erachte  ich  fiir  verderbt ;  Graff  1,  351  fiihrt  eineu 
eigennamen  Angisi  auf.  poma  geroldinga  (1026)  habe 
ich  sonst  nur  in  Carl  des  grofsen  capitulare  de  villis 
(a.  812)*),  niclit  mehr  spaterhin ,  getroffen.  die  sclirei- 
bung  Hremis  (169),  nicht  Rhenus,  scheint  alt,  und  fin- 
det  sich  in  vielen  urkunden,  z.  b.  zweicn  von  821.824 
in  Schannat  trad.  fuld.  n<>  320.  355,  deutsche  denkma- 
ler  liaben  friihe  schou  Rin  (GrafF  2,  522.)  mundihurdia 
(252)  ist  auch  sonst  haufig. 

In  dem  eigentlich  lateinischen  ausdruck  scheiut  mir 
folgendes  hervoi-zuheben.  der  wolf  nennt  sich  selljst 
kgirupis  (196)  d.  i.  gesetzbrecher,  ehbrecher  (ahd.  ewa- 
brehho) ;     ebenso    hat    eia    andres   gedicht   des   zehnten 


")  Pertz  3,  187. 


E  C  B  A  S  I  S.  293 

jli.  *):  Leglrupis  en  Wido  Uil)is  retliviva  resuniil  Agnnua, 
nur  dafs  liier  besser  scandicrt  wird   -vv~,   iu   der  ecb. 

V  vi    ricbtiger    ist    legirupa  ,     oder    das    adj.   legiru- 

pus.  atiele  (368)  wie  arjiie  genoniuicn  erinnert  an  Ab- 
bos  ^■''■)  'super  argete'  (Perlz  2,  782)  vgl.  Erniold 
(Perlz  2,  473)  und  Statii  Tlieb.  l  ,  492.  muncra  Bacchi 
(632)  gemabnt  au  Erniold.  Nigellus  (Pertz  2,  510)  und 
Wallbar.  318  (oben  s.  66),  ^vieNvol  wir  nocb  beute 
sagcn:  die  gabcn  des  B.  aucb  potls  est  (622)  wie  ini 
Wallbarius  (oben  s.  65)  und  soniiio  vinoque  sepultus 
elimnit  zur  lesart  von  C  Waltb.  358.  Die  wendung 
'simon  fortassis  abesset'  (1098)  klingt  fast  so  unverstand- 
licb  wie  das  s.  87  besprocbne  'forsan  abesset'.  iultus 
fiir  ablatus  (1012.  1132)  findet  sicb  iji  der  lex  Alani. 
34,  in  INlarculpbs  fornielu  1,  28,  bei  Pertz  1,476  u.  s.  w. 
Dunkel  ist  ihcaniae  lex  (394);  nian  konnte  den  vers 
niit  deni  vorausgebenden  veibinden  ,  und  die  ursacbe 
der  krankbeit  des  kcinigs  iu  einer  lex  decaniae,  die  ver- 
liafst  oder  goltlos  gewesen,  aufsucben,  dann  vviirde  re- 
cepta  zu  causa  zu  uebmcn,  und  soviel  wie  accepla  seiu. 
eine  solcbe  decaniae  lex  weifs  icb  aber  uicbt  zu  deuten. 
besser  geborl  also  der  vers  zu  den  folgenden :  da  die 
lcx  dccaniae  eingefiibrt  w^ar  (d.  I.  recepta),  so  fiigte  es 
sicb  (forte  fuit  causa,  es  w  ar  die  sacbc,  gescbab),  dafs 
der  wolf  2uni  JtT««'iind  Aa//////67r/- gewiiblt  wurde.  der 
decau  balle  nenilicb  darauf  zu  sebn ,  dafs  des  konigs 
alle  tbiere  an  bof  rufender  befebl  genau  erfiillt  werde 
iMid  keins  ausbleibe :  est  sibi  commissuni,  peragret  con- 
sorlia  fratrinii ,  an  quis  deficiat?  (400.)  u\  einer  andern 
stclle    beifst    der  canierarius    aucb    'ordine  denus''    (570.) 


-^)  iiicerti  auctoris  carmeii  ia  laudeni  Bereiigarii  (f  916)  bei 
Leibnitz  1,  249. 

**)  Abbo  (ein  dicliter  aiis  der  zweiteii  baHte  des  neunten  jli.) 
de  bellis  parisiensibus. 


294  E  C  B  A  S  1  S. 


Man  welfs  aus  Regino,  dafs  damals  in  jede  pfanei  rcJ- 
Hche  und  fromine  laien  angeordnet  Averden  soUlen, 
welche,  tlecani  genannl,  iiber  kirchenbesuch  und  sitlen- 
reinheit  an  jedeni  orle  zu  waclien  hatten  *^.  der  prii- 
iner  abl  bliihte  im  beginn  des  zehuten  jl).,  und  diese 
arl  von  kirchenpolizei  sclieinl  vorziiglich  fiir  es  ge- 
recht,  wenn  sie  sicl»  aucli  liinger  erlilelt.  das  clironi- 
con  senoniense  hei  Dachery  p.  315  nennt  noch  vilHcos, 
decanos  und  foreslarlos  nebeu  elnander. 

Die  859-61  ausgehobnen  worle  eines  klrchenva- 
ters  konnten  zur  festsetzung  der  zeit  dienen,  insofern 
dieser  dem  zehnten  jh.  oder  gar  einem  spatern  gehorfe; 
sind  sie,  was  icli  vernuite,  iilter ,  so  bleibt  ihre  anfiih- 
rung  gleichgiiltig.  die  zum  grund  gelegle  sentenz:  cor- 
pus  quod  corrumpilur  aggravat  anlmam  ist  aus  dem 
buch  der  weishelt  9,  15  und  gewis  von  vielen  lehrern 
commentlert  worden  **).  Am  wlllkommensten  waren 
andere  lllerarische  nachweisungen  iiber  den  verfasser, 
oder  seine  arbeit.  Viellelchl  liefert  Richers  lange  er- 
sehntes,  der  zeit  und  den  ortlichkelten  nahes  gescliicht- 
buch  elnige  mlr  noch  entgeliende  liahpuucle.  Auf  nieine 
aunalime  fiihrt  im  allgenieinen  nicht  nur  das  vorhin 
s.  286  bezeichnele  verhaltnls  der  liandschriften  zu  deiii 
werke  selbst,  soudern  auch  stil ,  elnkleldung  und  be- 
sclialFenlielt  des  iiim  zum  grund    liegenden  stofs. 

Den  an  sich  selbst  armen,  niageren  iuhalt  der  dich- 


•)  Regiiio  de  ecclesiasticls  disciplinis  II.  5,  69:  si  in  una- 
quaque  parroecliia  decani  sunt  per  villas  constituti,  viri  veraces  et 
deum  timentes,  qui  ceteros  admoneant,  ut  ad  ecclesiam  pergant 
ad  matutinas,  missam  et  vesperas,  et  nilii!  operis  in  diebus  festis  fa- 
ciant,  et  si  iiorum  quisquam  traiisgressus  fuerit,  statim  presbytero 
adnuntient.  similiter  et  de  luxuria  et  omni  opere  pravo. 

*•)  vgl.  z.  b.  dea  sermo  277  bei  Augustiuus  (opp.  Antwerp. 
1700.  5,  T78b.) 


ECBASIS.  295 


tung  verwlckelii  zwei  in  einander  gefiigle  fabeln ;  es 
wiirde  niiihe  kosten  ,  oline  die  beigesetzten  namen  der 
redenden  *)  deni  weclisel  des  gesprachs  zu  folgen.  zur 
iibersicht  gebe  ich  hier  einen  auszug  des  ganzen. 

Als  iui  friihling  des  jahrs  812  alle  hirlen  und  heer- 
den  des  Wasgaus  frohlicli  auf  die  weide  auszogen  ,  blieb 
ein  nocli  saugendes  kalb  angebunden  im  slall  daheini. 
es  wiire  gern  seiner  niullcr  nachges[)rungen.  mil  lecken 
inid  kauen  niaclite  es  sich  eudlich  der  fessel  los  ,  und 
eille  nun  auch  zuin  gefilde. 

Ks  geraih  aber  in  einen  dichten  wald ,  und  wer 
ihm  begegnet  ist  ein  geislliche  lieder  singender  wolf. 
dieser,  froli  solcher  beute,  fiihrt  den  gezwungnen  gast 
seiner  hole  zu.  seit  drei  monalen  hatte  er  kein  siifses 
Ileisch,  keinen  blutigen  becher  gekoslet,  und  den  leib 
kasteit  durch  nionchische  speise:  jetzt  solle  das  opfer 
fallen.  Das  kalb  erkenut  die  schuld  seiner  flucht,  neht 
aber  um  aufschub  der  hinrichtung,  bis  morgen  messe 
gesungen  werde ;  konig  Heinrich  habe  frieden  im  lande 
gebotcn.  Der  wolf  gewiihrt  die  frist;^  unterdessen  moge 
es  essen  ,  was  sein  monclishauslialt  biete,  und  die  aus- 
gesandlen  diencr  heimbringen. 

Beim  anbrucli  dcr  uacht  langen  dlese  an,  die  ot- 
tcr  mit  fischen,  mit  geniiise  und  obst  der  Igel.  da  fuhrt 
der  wolf  wieder  klagen  iiber  seit  nun  bald  acht  jah- 
ren  **)  genossene  monchskost ;  jetzt  altere  er  und  wolle 
nach  seinem  tod  den  treuen  dienstmannen ,  dem  igel  die 
felsenhole  ,  der  oller  den  fischreichen  bach  hinterlassen. 

AIs  die  diener  das  kalb  gewahren,  wundert  sie  des 


•)  im  Ruodlieb  gescliielit  diese  beifiigiing  nur  einmal  s.  166; 
im  AValtiiarius  ware  den  e.  86.  87  besproclinen  etellen  dadurcli 
sehr  geliolfen. 

•*)  182,  vgl.  298.  387;  vorlier  aber  112  war  blofs  die  rede 
vom  dritten  monat. 


296  E  C  B  A  S  I  S. 


fremden  gasles.  der  wolf  erklart  seliie  absiclit  es  iiior- 
gen  zu  verzeliren  und  empfielilt  ilinen  waclisanikeil,  dafs 
es  niclil  entwisclie.  llierauf  lialt  der  igel  den  eingang 
der  liijle  beselzt  und  singl  ein  lied  von  den  tlialen  des 
■vvolfs;  wabrend  dieser  in  schlaf  fallt,  labt  die  gulniu- 
tige  ottcr  das  kalb  mit  speise  und  trostendem  zusprucli. 
iintcr  dem  esscn  wird  die  'reparalio  lapsi'  gelesen  und 
gebetet. 

Nach  mitlernaclit  scbreckt  den  wolf  ein  traumge- 
slcbt,  das  er  seinen  leulen  erzablt:  kiifer,  -\vespcn,  lh'e- 
gen,  ziimal  zwei  liornisse  umflogen  ibn,  das  kalb  stand 
daneben  ,  und  ein  kiutscbreiender  fucbs.  dessen  ge- 
scbrei  wiinscbt  er  sicb  gedeutet.  Sogleicb  ist  die  olter 
zur  auslegimg  erbolig:  iiber  ibm  scbwebe  todesgefalir, 
wo  er  nicbt  das  gefangue  kalb  ledige,  unter  den  iliegen 
seien  die  wilden  tbiere  gemeint,  uuter  dem  slacbel  der 
wespe  der  bittere  tod  ,  imler  den  bornissen  die  eltern 
des  kalbs,  deren  burner  *)  ibn  durcbbobren  w^erden. 
der  fucbs  aber  jubele. 

Dieser  traumdeutung  mag  der  wolf  nicbt  folgen ; 
selbst  wenn  ibm  Heinricb,  sein  gonner,  fiinfbundert 
scbweine  und  ebensoviel  geniastete  kalber  geben  wolle, 
diirfe  das  kalb  nicbt  ungestraft  bleiben,  welcbes  ilun 
nocli  die  iiberbleibsel  seines  niabls  verlban  babe.  Er 
beifst  seinen  erzcaplan  ,  kammerer,  kiicbenmeister ,  lat- 
geber  und  ricbter  (alle  diese  amler  vereiuigte  der  igel 
*n  sicb) ,  am  friiben  morgen  den  gefangneii  zu  todten, 
allein  weder  zu  zersliicken  nocb  zu  braten,  er  will  das 
siifse  fleiscb  ganz  friscb  genielsen.  llierauf  sctzt  er  in 
mebrern  versen  die  bobnen  berab,  durcb  deren  lange 
kost  sein  leib  gescbwacbt  worden-sei;  solcli  geniiise 
tauge  barbariscben  Franken,    er    wolle   zur    allen   sitle 


*)  245.  1163;  fulirte  das  hom  der  riiider  auf  hornuz? 


E  C  B  A  S  I  S.  297 


des  kraflvevleihenden  fleisclres  wiederkeliren ,  iind  ge- 
siinden.  Vergeblicli  warnt  die  olter  vor  diesem  greuel 
iind    vor  der  veraclilung  des  lieillgen  monchlliunis. 

Miltlervveile  ist  dem  rinderhirlen  durch  der  kuh 
und  des  ochsen  gebriill  die  abvvesculieit  des  kalbs  kund 
gevvorden.  Da  nahel  ein  spiirhund  des  Vosagus  mit 
der  niehlung,  in  einer  rauberhule  des  gebirgs  habe  er 
geslern  abend  liirm  vernommen,  dort  sei  zu  suchen. 
Alsogleich  maclieu  sicli  haufen,  an  ihrcr  spilze  der  briii- 
lende  stier,  daliin  auf,  und  behTgern  die  burg.  Schlaf- 
trunkcn  sammelt  der  \\o\i  seine  streiter  zur  vertlieidi- 
gung.  beide  dienstmannen  versichern  iiin  iinerschiilter- 
licher  treue,  wiinschen  aber  bei  dieser  veranlassung  den 
iirsprung  seiner  feindschaft  niil  dem  fuchs  zu  vernelimen. 

llir  lierr,  der  ^volf,  ist  dazu  bereit  und  erzahlt 
ihnen  den  liergaiig  der  lange  nach.  hier  beginut  die 
andere,  den  grofsten  theil  des  gedichts  (392-1095)  fiil- 
lende  fabel,  nur  einmal  durch  vvechselrede  des  wolfs  und 
der  olter  (1010-1015)  kurz  unlerbrochen. 

JJer  luNve  liegt  krank  im  wald.  an  alle  thiere  er- 
geht  gcbot,  der  hole  ihres  konigs  zu  nahen  uiid  Iieil- 
mittel  zu  bringen.  des  wolfs  grofsvater,  als  ernaunter 
kammerer,  beaufsichlet,  ob  auch  alle  erscheinen,  blofs 
der  kluge  fuchs  bleibt  mit  seiner  arznei  aus,  und  das 
wird  des  konigs  ohren  nicht  unvermeldet  gelassen  ,  der 
ihn  zu  fahen  und  zu  zerreifsen  befiehlt.  der  vvolf  sinnt 
auf  qualen  und  lafst   eiiien  hohen  galgen  errichten. 

Den  einzigen  pardcr  kiimmcrt  dies  vcrfahren,  und 
er  macht  sich  auf,  seinen  mitbruder  zu  holen.  nach 
weiter  reise  trift  er  ihn ,  wird  von  dem  fuchs  gespeist 
und  niit  trierischem  vveine  bewirlet.  dann  verrichten 
beide  ihr  andiichtiges  gebet  und  trelen  den  vveg  nach 
hof  an. 

Bei    der   hole    angelangt   liifst   gleichvvol    der    fuchs 


298  E  C  B  A  S  I S. 

den  parcler  unler  einer  nalien  eiclie  '■'),  iind  gelit  selbst, 
niclit  ohne  ziUern,  iinler  die  aiigen  des  konigs.  dieser 
forsclite  sogleicli  nach  der  iirsaclie  des  ausbleibens.  *als 
das  wasserluin ,'  versetzte  der  fuchs ,  'voni  see  Genesa- 
rel  lllegend  niich  erblickte ,  gab  es  niir  die  arznei  an, 
die  ich  nacli  Bourdeaux  eilend  dem  kranken  konig  hin- 
terbringen  sollle;  als  pilgrini  ^vallte  ich  iiber  Roin  an 
die  ulor  des  Po ,  bei  Pavia  stiels  ich  auf  den  langge- 
schnabellen  storcli ,  der  niir  traurig  dasselbe  heihniltel 
>viederholle  und  nur  hinzufiigte,  dafs  aucli  der  beistand 
des  heiligen  Aper  angeilelit  -werden  niiisse.'  'iibel  beriich- 
tigt  ist  dein  leben ,'  ant^vorlete  der  kiinig,  Sver  niag  dir 
trauen?'  'deinelwegen  habe  ich  die  weile  \\e\i  durch- 
■wandert,  ich  bin  alt  und  greis,  wie  sollte  ich  teuschen? 
der  ganze  hof  urlheile  iiber  niich ,  werde  ich  des  todes 
schuldig  befunden,  so  unteiliege  ich  deni  recht.'  Alle 
pilichlelen  geriihrt  dieser  rede  bei,  des  liiwen  zorn  siinf- 
tigte  sich  ,  uud  zum  zeichen  des  friedens  beriihrte  der 
fuchs  den  koniglichen  zepter. 

Nun  begehrte  der  lowe  das  heilmiltel  des  vrasser- 
huns  zu  erfahren.  'icli  niuis  es',  versetzte  der  fuchs, 
'auch  gegen  nieinen  vvillen  oiTenbaren  :  der  wolf ,  niein 
pathe,  werde  von  dem  baren  und  beiden  liichsen  vor 
die  thiire  der  pfalz  gefuhrt,  daniit  nicht  erbarmen  die 
seele  des  konigs  riilire  ,  und  schnell  seiner  liaut  ent- 
bloist ;  dann  reibe  ich  das  nwtgebrachte  gehirn  eines 
indischen  fisches  auf  dem  riicken  und  den  lenden  des 
siechen  ein  und  schlage  die  frische  wolfshaut  iiber;  die 
■warme  des  pelzes  wird  das  heifse  iieber  herausziehen.' 
Unverziiglich  genehmigt  der  lciwe  diese  vorschrift,  den 
besliirzlen  wolf    fiihren    bar  und    liichse    hinaus ,    und 


*)  431.  435  dunkel;  warum  verelirt  hier  der  fuclis,  deii  man 
doch  unler  regina  zu  verstehn  liat,  seiuem  reisegefdlirten  ueuu 
scLilliiige  goldes? 


E  C  B  A  S I  S.  299 


slreifen  ihm  die  Iiaut  von  der  sclniller  an  viber  den 
ganzen  leib  ab,  so  dafs  sie  niir  noch  aii  kopf  und  fiifsen 
haften  bleibt.  Der  sieche  ^vird  eingerieben ,  mit  der 
liaut   iimgiirlet  iind   er\varnit. 

Der  arzt  silzt  neben  deni  kranken,  lafst  sicli  einen 
labelrunk  reichen  und  ladelt  dann  das  ungcreclite  iiber 
ihn  gefjillle  uitheil ;  ^unler  allen  tliieren  sei  er  zuletzt 
an  hof  erschicnen,  habe  abcr  auch  niclir  als  alle  ge- 
leislel.  Die  ganze  versanilung  riihmt  iim  und  erweist 
ihm  ehre.  Der  fuchs  lafst  den  loNven  zu  betl  brlngen 
und  veiordnet  einfache  moncliskost ;  der  kOnig  hinge- 
gen  verleiht  ihm  den  slab  (geslamen  sceptri  560)  und 
unbeschrankte  liofgewalt.  Alle  sollen  auf  sein  wort 
gehorchen,  wie  auf  das  des  konigs. 

Der  neue  graf  des  kOniglichen  hauses  (domus  co- 
mes  565)  iibertragt  seinerseils  dem  leoparden,  sorge  auf 
speise  und  getrank  zu  haben ,  iind  den  iibrigen  haus- 
lialt  zu  orduen.  namentlich  befiehlt  er,  diirres  holz  aus 
dem  walde  zu  holen  ,  damit  kein  rauch  gewander  und 
teppiche  verderbe ,  die  liiile  zu  kehren  und  mit  \volrie- 
cbeiiden  blumen  zu  beslreuen ,  auch  wachskerzen  auf 
die  tisclie  zu  slellen.  iiber  tafel  solle  das  cinhorn  mit 
seinem  gesang  die  gaste  erheilern  ,  der  konig  aber  nacli 
eingenommner  arznei  sich  an  den  duftenden  kraulern 
imd  der  murmelnden  cjuelle  des  garlens  ergolzen,  wah- 
rend  haus  und    belle   geliiflet    ^verde. 

Der  leopard  legt  bille  ein  fiir  das  hungernde  und 
diirstende  liofgesinde,  worauf  geslaltet  wird ,  dafs  es 
sich  niil  wein  erquicke.  Vom  leopard  werden  nun  alle 
ihiere  zusammen  berufen  und  jeder  in  sein  geschiift 
gewiesen  :  der  biir  soll  holz,  das  kamel  kleider,  die  ot- 
ter  brunnenwasser,  der  biber  das  iibrige  wasser  Iragen, 
der  tiger  fiir  brot  sorgen,  der  schwarze  elefant  fiir  zu- 
bereilung  der  fiscbe  und   vcigel ;    der   leopard  selbst  ist 


300  E  C  B  A  S  1 S. 

Iruclisefs,  cler  liirsch  schenk.  der  eber  Ihiirhiiler.  die- 
ser  verlangt  sich  dos  cichhorn  beigegebcn,  das  eine  liohe 
biiclie  besleigen  iiiid  nahende  feiiide  erspahen  soll,  wie 
er  sie  niit  deni  gerucli  willern  ^vilh  hichs  und  genisc 
liaben  waclie  beim  honig,  die  nieerkalze  sleht  dem  belt- 
Avcrk  vor ,  der  aife  den  leuchlern  ;  der  stachlichle  igel 
soll  apfel  hcrbeischalfen  und  siiiiger  sein,  das  eichhorn 
eichehi  uiid  niisse  brechen.  (IMan  erinnere  sich  dcr  an- 
derwiirls  uulcr  die  thiere  ausgelheillen  geschafte,  Reinh. 
CCXVIII.  CCXCI.) 

Jetzt  erhebt  sich  heftiger  wortwechsel  zwischen 
leopard  und  igel,  dessen  slolz  sicli  durch  das  ihm  er- 
tlieihe  amt  beleidlgt  fiihlt.  obschon  klein  sei  er  khig 
und  niachtig,  er  zahh  ahnen  und  ^viirden  auf  und  schil- 
dert  seine  burgfesle ,  vvelcher  Conrads  schlosser  niclit 
das  vvasser  reicheu ,  diese  burg ,  vvenn  ihn  der  leopard 
uicht  weiter  zu  knechlischem  dienst  drauge ,  vvolle  er 
seinen  (des  leopards)  kindern  durch  fdrmliche  urkunde 
abtreten ,  denu  unertraglich  sei  ihm  iu  langer  knecht- 
schaft  die  ermel  zu  zerreifsen.  Diese  vvorte  niiiimt  der 
truchsefs  hochfahrend  auf  uiid  befiehlt  den  igel  in  die 
kiiche  abzugeben,  vvo  er  braten  drehen  und  schiisselgespiil 
trinkeu  soll :  so  werde  iibermiitiges gesinde  zurecht  gebracht. 
Der  igel  niufs  sich  seiuem  harten  geschicke  fiigeu. 

Nuu  gibt  fuchs,  vvelcher  des  leopards  verfahren  gut 
geheifsen  hat,  vveiter  zu  erkenneji,  der  konig  vviinsche 
in  seine  gegenwart  einen  auserwahltea  brudcr,  der 
psalmen  und  geistliche  lieder  zu  singen  wisse;  hierfiir 
scheiue  keiner  geschickter  als  der  parder.  in  dieser  an- 
sicht  stiinmt  ihm  unter  schmeicheleieu  und  freundschafts- 
versicheruugen  der  leopard  vollig  bei. 

Nachdem  sich  der  konig  aus  dem  belte  erhoben 
hat ,  fordert  er  starken  auslandischen  wein ;  doch  wird 
ilun  vom  fuchs  nur    trierischer.  bewilli^t,     AIs  der  lowe 


ECBASIS.  301 


nacli  dern  abwesenden  parder  fragt,  riiluiicn  dcssen 
tugenden  fuclis  und  leopard ,  uud  der  fuclis  enlfernl 
sicli ,  lun  ihn  bei  der  eicbe  abzurufen.  unler  dessen 
aufsert  der  lowe  die  gLinsligslc  meinung  von  deni  par- 
der,  den  er  alsbald    neben  sicb  kronen  lassen  wollc. 

Der  fucbs  begriifsl  dcn  parder,  welcber  die  zeil 
iiber  psabnen  fiir  ibn  gebetet  liatle,  dafs  er  den  slricken 
seiner  felnde  enlgebn  nioge.  beide  singen  xnid  belen 
iiocb  zusammen,  und  begeben  sicb  dann  an  bof,  wo  sie 
ebrenvoll  empfangen  werden.  der  parder  enipfiingt  ko- 
niglicbe  salbung  und  wird  vom  lowen  adoptiert ;  beide 
sitzen  neben  einandcr  zur  tafel  auf  erliabnen  sliilen,  die 
der  fucbs  lacbelnd  stellt.  gesang  des  einliorns,  weiu- 
trunk  iHid  feierlicbes  gebet. 

Nun  fragt  der  konig  aucli  den  pardcr  iiber  sein 
langes  ansbleiben.  dleser  gibt  vor,  er  liabe  ein  niillel 
fiir  die  scblaflosigkeit  des  kranken  aufgesucbt  und  gliick- 
licberweise  gefunden.  es  sind  zwei  siifssingende  vogel, 
amsel  uud  nacbtigall.  Sogleicb  wird  der  fuclis  (prac- 
ses  816)  entsandt,  die  vogel  herzuliolen.  Sic-  Jangen  aa 
iind  singen  lieilige  lieder,    dafs  der  ganze  liof  slaunt. 

Es  folgt  ein  gespracb  zwiscben  nacliligall  und  par- 
der,  dem  nicbt  alle  umstande  der  heiligen  gescbiclile  in 
lebendigem  gcdacblnis  sind.  der  vogel  belehrt  ilin  iiber 
die  vergaiiglicbkcit  des  irdisclien  und  iiber  die  hinini- 
liscbe  beimat.  dann  fiilirt  die  nacbtigall  fort  die  lci- 
densgescbichte  zu  singen  (849  -  924). 

Tbranenbenetzt  und  slaubbesprengt  fliegen  die 
beideu  sanger  zur  Gironde ,  um  sicli  rein  zu  baden ; 
dann  kebren  sie  an  den  hof  der  thiere  zuriick,  uud 
sitzen  auf  einer  boben  bucbe  nieder,  sich  zu  souuea 
uud  ibre  federn    zu   orduen. 

Da  nahen  sicb  ibnen  sitticb  und  scbwan ,  nach  des 
krankeu    kouigs    belinden    forschend.     eingeladen,   ihre 


302  E  C  B  A  S I  S. 

stiinmen  aucli  vor  beideii  konigen  horen  zu  lassen,  slnd 
sie  bereit  dazu,  imd  die  anisel  stellt  dem  parder  die 
neuen  gaste  vor.  Der  sittich  sagt,  in  weiter  ferne  sei 
kunde  der  krankheit  erscliollen  und  alsogleich  der  v\'eg 
von  ihnen  durch  die  liifte  eingesclilagen  worden ;  da 
habe  eine  wolke  ihren  pfad  verhiillt,  bis  sie  iu  dunk- 
ler  nacht  ani  geriiusche  des  nietlengesangs  zur  feier  des 
Severinusfestes  *)  erkannt,  dafs  sie  iiber  Bourdeaux 
geschwebt;  mit  tages  anbruch  seien  sie  hier  auf  beide 
schwestern  (nachtigall  und  amsel)  gestofsen  und  nun  am 
ziel  ihrer  wanderung. 

Alle  vier  vogel  singen  vor  den  konigen  lieder  zum 
preise  des  osterfestes.  der  sittich  fragt,  ob  die  flasche 
gebrochen  sei ,  dafs  ihin  kein  wein  gereicht  werde?  als 
der  konig  auch  von  ihin  ein  lieilmillel  wissen  will,  rath 
er  frohliches  sorgenfreies  leben  an.  (es  scheint,  dafs 
uun  gezecht  wurde,  was  im  gedicht  nicht  ausge- 
driickt  ist.) 

Vom  wein  erwarmt  riihmt  der  lowe  die  klugen 
dienstieistungen  des  fuchses  und  empfiehlt  seinem  ihron- 
folger  diesen  treuen  freund  fest  zu  lialten.  Das  gclilaue 
thier  macht  niedergeschlagne  mienen  und  wird  aufge- 
fordert,  was  ihni  anliege  zu  entdecken.  'es  gibt  pinp 
waldhole  auf  eines  liohen  berges  gipfel,  die  bitte  ich  in 
fOrnilicher  urkunde  mir  zu  gewahren.'  beide  konige 
verwilligen   ihm  die  burg  unter   zuziehung  von  zeugen, 

*Das  ist,'  unterbricht  der  wolf  den  faden  seinep 
erzahlung,  'die  hole  worin  wir  uns  jelzt  befinden.  sie 
wurde  den  fiichsen  von  unserm  geschlecht  genommen, 
um  der  iibelthat  willen  ,  die  jener  an  meinem  grofsva- 
ter  veriibte.'     Darauf  fahrt  er  weiter  fort. 

Der  parder  gibt  dem  fuchs   befehle    iiber  die    be- 


♦)  Severinus,  episcopus  burdegalensis.    acta  sanctor.  23  oct. 


ECBASIS.  303 


slellung  des  gaslmalsj  auch  die  knechte  solleu  sich  zum 
esseii  lageni. 

Nach  aufgeliobner  lafel  eischeiuen  alle  thiere  vor 
der  hole,  der  sillich  Iragt  bille  um  enllassuiig  vor,  nun 
dankt  ihuen  der  kiinig  und  liist  die  versammlung  auf, 
die  sich   in  den  wald  zerstreut. 

Da  slofst  die  frohe  schar  auf  den  wunden  vvolf, 
uud  spottet   sein. 

Der  sittich  weigert  sich  gaben  des  konigs  anzu- 
nehmen  iind  ertheilt  ilim  zu  guter  letzt  fromme  ermah- 
nung  iiber  die  nichtigkeit  weltlicher  giiter.  Der  lowe 
erbillet  seinen  rath ,  wie  ilim  schlaf  zu  iheil  werden 
moge?  das  reich  woUe  er  dem  parder  abtreten.  jener 
fordert  die  nachtigall  auf,  den  ktinig  in  schlaf  zu  singen. 

AIs  er  entschlunimert  ist,  urtheilt  der  fuchs,  dieser 
schlaf  werde  drei  tage  auhalten,  auch  die  gaste  mogen 
der  ruhe  pflegen. 

Nach  verlauf  dreier  tage  erwaclil  der  kiinig  und 
niacht  sich  auf  iu  den  Schvvarzwaia  nacli  i!\l??ii»a»."ien  j 
seine  ganze  hofhaltung  nimmt  der  parder  in  besiu.  iibep 
die  Nordmannen  herscht  der  schvvan ,  iiber  die  Inder 
der  sittich;  die  vogel  (nachligall  und  amsel)  belialt  der 
parder   im  westlichen  reich. 

Nun  wandert  auch  der  fuchs  erst  hin  zum  wolf, 
dem  er  eine  schimplliche  grabschrift  schreibt ;  dann  zur 
burg ,  die  ihm  von  dem  leopard,  als  koniglichem  b^- 
voUmachtigten,  formllch  iibergeben  wird  (1095.) 

xliermit  schliefst  der  wolf  seine  erziihlung,  und  das 
gedicht  wendet  sich  wieder  zur  ersten  fabel.  Die  ot- 
ter  besteigt  eiuen  hiigel ,  zu  schauen  was  die  belagerer 
unternehmeu ;  sie  sieht  den  fuchs  seiue  verbriefung  iiber 
die  burg  vorvveisen  und  liort  den  haufen  lautes  geschrei 
anstimmen  :  'des  konigs  geheifs  diirfe  nicht  ungerochea 
verlelzt   werden,    der   wolf  gerechler  strafe  nicht  eut- 


304  E  C  B  A  S  I  S. 


gelin !'  Geschreckl  diiicli  diese  reden  kehrt  dle  oller 
in  die  burg  zuriick,  verkiindet  sie  ilireni  lierrn  und 
erniahnt  ihn  noclinials   zur    lierausgabe  des  kalbs. 

Der  wolf  wcigert  ,  iind  bleibt  unerschiittert.  da 
lafst  die  otter  furclilsain  sich  voni  hiigel  herab  und  ent- 
rinnt  in  den  llufs,  auch  der  igel  birgt  sich  in  eine 
steinschlucht. 

Das  belagernde  heer  stiirnil,  der  fuchs  aber  ver- 
sucht  eine  list ,  um  den  wolf  aus  der  burg  zu  locken. 
er  ruft  ihn  schmeichelnd  an,  seine  schonheit,  tapferkeit 
und  herkunft  preisend;  kein  andrer  thue  es  ihm  gleich, 
iu  der  reihe  der  konige  folge  er  auf  Cuouo,  er  nioge 
heraussteigen  und  seine  edle  gestalt  zeigen  ! 

Er  liifst  sich  bethoren.  Indem  er  aufstelgt,  lost  ein 
slrafwiirdiger  knecht  dem  gefangnen  kalb  deu  riegel, 
das  sogleich  heraus  springt  und  zur  geliebteu  nnitter 
lauft.  Der  wolf  wlrd  vom  stier  nieder  gestofsen;  froh- 
lockend  spricht  Ihm  der  fuchs  elne  grabschrlft,  nimmt 
seine  valerliclie  biirg  •vvieder  In  besilz,  uud  redet  worle 
der    ermahnung  zu  seinen  gefahrlen  *). 

Auf  dem  heimweg  will  die  multer  von  dem  kinde 
horen,  wle  es  ihm  ergangen  sei  bel  dem  wiiterich? 
Das  kalb  lehnt  genauen  bericht  ab,  riihmt  aber  die 
freundllche  otter,  im  gegensalz  zum  Igel,  dem  hen- 
kersknecht. 

^ach  dleser  darlegung  des  Inhalts  wird  sich  eln 
urtheil  iiber  den  werth  des  gediclits ,  und  zwar,  was 
hier  hauplriicksicht  sein  mufs,  fiir  dle  deutsche  thierfa- 
lel,  ergebeu.  Wenn  es ,  wie  mlr  scheint ,  wirkllch  im 
zehnten    jh,  entspruugen    ist,    so    hat    sich   In    ihm   dle 


*)  bemerkenswerth  der  ertheilte  rath,  gefangne  streng  zu  be- 
handeln  (1178-1188.) 


E  C  B  A  S  I S.  305 


alteste  bearbeitung  dersell)en  iiberhaupt  erhalleii.  es 
geht  dem  Isengrimus  fast  um  zweihuudert  jahre,  dem 
Reinardus  um  diese  voUe  zeit  *)  voraus.  zwar  ist  es 
ungefahr  nur  funfzig  jahre  friiher  geschrieben,  als  die 
iiachricht  von  der  hofhallung  des  baren  bei  Fiomund  **) 
aber  diese  erfolgt  auch  ganz  beilaufig  und  unausfiihr- 
lich.  Hatte  der  bairische  mcinch,  was  ihm  davon  bekannt 
war,  in  der  weise  des  Ruodlieb  gedichlet,  wiirde  man 
dem  lothriugischen  seine  arbeit  gerne  schenken. 

Dieser  hat  wenigstens  aus  der  volksiiberlieferung 
eine  sage  aufgefafst,  die  schon  damals  einen  millelpunct 
iii  dem  thierepos  bildete,  auch  in  den  folgenden  jahr- 
hunderlen  als  solcher  sich  behauptele:  die  erzahlung 
von  der  lieihmg  des  kunlgs  durch  die  wulfsliaut.  Sie  be- 
ginnt  ebenwol  den  lateinischen  Isengrimus,  ninunt  im 
Reinardus  ihre  slelle  ein  ,  entfallet  sich  aber  im  deut- 
echeii  Reinhart  viel  vollslandiger  uud  bedeutsamer.  im 
fi"anz6sischen  Renart  trilt  sie  schon  zuriick ,  noch  mehr 
ini  Reinaerl  ''=**).  Sichtbar  lieben  die  sj)ateren  dichlun- 
gen  eine  andre ,  gleichgriindliche  sage,  den  gericJilshan- 
del  zwischen  wolf  und  fuchs,  hervor,  und  des  kran- 
ken  konigs  geschieht  blofs  nebenbei  erwahnung.  es  ist 
dann  eine  friihere  geschichte,  die  sich  nicht  unter  den 
auftretenden  thieren ,  sondern  schon  unter  ihreu  vor- 
fahren  zugelragen  hat.  diese  ansicht  liifst  sich  selbst 
beim  verfasser  der  ecbasis  nachweisen,  der  um  die  fa- 
bel  von  dem  kranken  konig  noch  ein  andres,  aber 
wenig  anzieheudes  gewebe    zu  ziehen  sucht. 


*)  an  den  friiben  ursprung  des  lat.  Reinardus  glaubt ,  aufser 
dem  lierausgeber,  nieniand.  wie  verscliieden  klingen  aucli  die 
disticlien  des  zwoiften  jli.  von  den  leoninisclien  versen  des  zelinten. 

*')  Reiiiliart  LI,  vgl.    oben   s.226. 

"•)  Reinliart  CXXXI.  CLllI. 

20 


H()«  E  C  B  A  S  1  S. 


Beide  niillelpuncle  des  epos ,  \oni  kvanken  lowen 
soNVol  als  voni  gericld  zivisclien  tvulf  luul  fiichs,  sclieinen 
n)ir  iiidculsch  und  iincrborgt ;  liir  lelzleren ,  gar  nicht 
in  ausNviirtiger  quelle  auffindiichen ,  niuls  es  vou  selbst 
zugeslandeii  'Nverden.  die  erste  sage  ist  iieilich  iiso- 
pisch  *) ,  hat  aber  iu  unsrer  auffassung  einige  grund- 
ziige  verschiedeUj  iini  derenlwilleu  entlehnung  geleugnet 
werden  darf.  In  der  griechischeu  niythe  bleibt  der  ge- 
tchundne  wolf  lodt  liegen ;  dle  deutsclien  sagen  lassen 
zu  deni  wunden  noch  seine  feinde  lieten ,  deren  hohu 
er  vernelinien  niuis ;  in  vieleu  erzahlungen  koninit  er 
mit  deni  lebeu  davon  iind  besteht  neue  abenteuer.  liier 
iu  der  ecbasis  uaht  ihni  erst  die  heiniziehende  thier- 
versamlung  (1042-1052),  zuletzt  sein  hauptfeind  der 
fuchs  (1078-1093),  desseu  'vermibus  et  vespis  optabiHs 
esca  jacebis'  stinimt  zu  dem  *vespae  et  crabroues  coe- 
perunt  comedere  carnes  suas  ac  aculeis  stimulare'  einer 
exlravagante.  **)  zumeisl  ausgeliilirt  sind  die  spottre- 
deu  iu  dem  jiiugeren  gedicht  vom  kranken  loweu.  '='**) 
der  monch  des  10  jh.  erklart  sich  nicht  deutlich  genug, 
ob  der  fuchs  die  huhnische  grabschrift  deni  sterbenden 
oder  dem  todlen  selzt';*  vgl.  744  jacet  furcifer.  Etwas  an- 
deres  alleii  erzahlungen  der  deutschen  sage  gemeinschaflli- 
ches  ist  die  ausfiihrung  von  der  pilgrirnschaft  des  fuchses, 
um  die  arznei  herbeizuholen.  da  vverden  spiiler  Salerno 
nnd  Montpellier,  ja  Paris  eingeschallet,  wovou  der  alte 
lateinische  dichter  uoch  nichts  vveiis,  der  hingegeu  frenide 
seevogel  mit  ins  spiel  briugt ,  uud  den  gesang  der  nach- 
tigall  und  amsel  fiir  den  schlaf  des  kranken  einfiihrt. 
Die  geschilderten  reisewege  iiber  Kom  und  Pavia  nach 
Bordeaux  gemahnen  an  Rom,  Salerno,  Moriane,  Lom- 
bardei  uud  Toscaua  im  frauzosischeu  gedicht.  ***)      der 

*)  Reiuliart  CCLX.  ")  das.  s.  426.  427, 

"•)  (ias.  s.  439.  440. 


B  C  B  A  S  I  S.  307 


zug,  dafs  eine  ^volke  den  flicgenden  vogelu  den  -weg 
verdeckt,  uud  sie  das  ziel  ibrer  reise  erst  am  feierli- 
chen  meHeugeliiute  erkeuneu,  scheiut  gut  und  echt.  von 
dem  mijncli  sind  gewis  eine  menge  der  besten  unislaude 
unterdriickt  vverdeu  ,  die  ihm  allenlhalbeu  die  iiberlie- 
ferung  an  haud  gab. 

Es  ist  betriibt,  dafs  uns  diese  fabel  des  zehnlen  jh. 
keineu  einzigen  jener  characteristischen  thieruamen  dar- 
bietet,  die  fiir  geschichle  und  verbreitung  der  sage  so 
"wichtig  siud,  uud,  wie  ich  es  mir  vorstelle  ,  nicht  nur 
damals  sonderu  viel  friilier  bereils  vorhandeu  vvaren. 
Sie  hai  aber  auch  uirgeuds  andere  poeiische  eigenna- 
men ,  ich  glaube  dafs  der  verfasser  dergleicheu  absicht- 
lich  zuriick  wies.  ein  einzignial  scheint  er  eine  solche 
benennung  auzugebeu  ,  weuu  er  gauz  zuletzt  uoch  (1209. 
1210)  beibringt,  dafs  die  otter 'famoso  nomine'  geheifsen 
werde  'attrectans  amnes'  (im  llufs  patschend)  und  ^piscosi 
gurgitis  heres.'  SoUte  nicht  auch  den  gefundnen  siun 
vou  Reginhart  bestaligen ,  dafs  620  die  worte :  'cunsi- 
lium  melius  proavorum  non  dedit  ullus'  in  des  fuclises 
muud  gelegt  sind?  er  weifs  es ,  dafs  seine  vorfahren 
vou  je  rathgeber  des  konigs  waren.  Noch  audere  kleiue 
ziige  stimmen  zur  jiingeren  thierfabel  und  bezeugen  alte 
grundiage.  so  ist  das  venvandtschaftsy er\\a.\\.ni&  zwischen 
wolf  und  fuchs,  das  miJnchthum  **)  fiir  beide  thiere, 
schon  vollig  anerkannt,  jener  heilst  patrinus  (496),  pa- 
truus  (1143),  die  vulpes  aber  neptis  (1091.)  der  wolf 
wird  dargeslellt  als  vvaldmann ,  furstrarius  (97),  d.  i. 
hijlziug,    silvigena    (Reinh.   LV),    als   aller   greis,    senex 

•)  Reiuhart  CXXXII. 

•*)  die  bislier  friiliste  spur  dieser  vorstelluiig  im  luparius  (Reinli. 
CXCl)  wird  also  jetzt  uni  ein  jalirliundert  uberboten ,  uiid  warum 
sollte  sie  uiclit  nocli  alter  sein?  den  iuparius  mag  Marbod  (7  1123) 
gediclitet  liabeu  (Endliclier  codd.  vlndob.  I,   171.) 

20  * 


308  E  C  B  A  S  I  S. 


(188)  und  vwnachus  (98.  185.  302.  305.  318),  darum 
aucli  maghter  (181),  wahrend  seln  dieiier ,  die  olter, 
discipulus  {li 34)  genannt  ist.  seine  bose  nalur  driicken 
aus  kgiiupis  (196),  furcifer  (744),  pravus  praedo  (1165), 
Herodes  (1216);  auf  seine  felsenburg  bezielien  sich  do- 
minus  cai'eae  (135),  speluncae  dominus  (228.)  Den  fuchs 
redet  der  lowe  an  :  belua  mulorum  capitum  (440)  *) ;  gut 
lieifst  es  auch  'vulpes  caudani  versula  regiral'  (756.)  iu 
beiwortern  komnit  vor :  vulpes  sensata  (994),  <>ersuta 
(1002),  suhdoJa  (1008),  olympica  (486),  monastica  (423); 
einnial  ist  er  aucli  regina  (434)  genannt,  wie  der  Nvolf 
vom  armen  kalb  magnorum  maxlme  regum  !  augeredet 
wird  (130.)  Die  fabel  berlchlet,  dafs  dem  fuchs  fiir 
die  heilung  des  konigs  eine  burg  verliehen  ward,  in 
welclier  forlan  sein  geschleclit  liaust  (1006-1008. 
1171);  elne  zeitlang  aber  war  er  durch  den  wolf 
daraus  verlrieben ,  sle  musle  belagert  und  wieder  ein- 
genommen  werden.  kein  name  der  burg  erhellt,  sie 
lag  im  Vosagus  auf  elnem  berggipfel.  ist  es ,  wie  man 
nach  V.200  und  1006  mutmafsen  darf,  der  Im  Waltharius 
beschriebue  Framuni  (s.  123.  124),  so  kcinnte  auch 
diesem  die  in  der  spiiteren  thlerfabel  erhaltne  beiien- 
nung  Ubellocli,  Mauperiuis  zugestanden  liaben,  die  gleich- 
wol  in  manche  andere  gegend  verriickt  werden  niochte. 
Diese  spalern  sagen  erziihlen  niclit  mehr,  wle  der  fuchs 
die  burg  erwarb,  sie  lassen  ihm  fiir  den  verrath  des 
wolfs  blofs  durch  ehren  und  hofiimter  lohuen. 

Als  konig  der  thlere  gill  der  liiwe  und  niclit  melir, 
wle  bei  Fromund,  der  bar;  in  Baieru  war  die  echte 
fabel  weniger  zuriickgetreten  als  In  Lothringen;  der 
bar  (der  brummende ,  nalivo  miu-mure  notus?  508) 
erscheiut ,    wie    in    spateren    sagen,    am    hofe    des   ku- 


*)  brauciit  Asop  vom  fuchs  eiiimal  nohiy.f^cJ.oi? 


E  C  B  A  S I S.  309 


nigs,  bei  der  schindung  des  Nvolfs.  einnial  ^vird  dcr 
liiwe  paierl  angeredet  (748);  das  ferox  (392)  koiuite 
mau  anf  ilin  eigenlliiiinlich  ziehen ,  wie  Isengr.  II.  *) 
Die  thierversanihiiig  heifst  conventiis  sibkolarum  (4931) 
iind  die  wohnung  des  lciwen  findet  sich  aiich  hier  in 
einer  hole  (947).  ]Merkwiirdig  aber,  dafs  wiederum  eiu 
gegensatz  durclibricht  zwischcn  vornehmeren ,  feinercn 
thieren,  iind  roheren ,  vvilderen.  **)  letzlere  verlegt 
der  dicliter,  gleich  den  spatercn  bearbeitern  der  thier- 
fabel ,  in  rauhe  deulsclie  gegend  ,  nainentlich  liausl  der 
■Nvolf  im  Wasgenwald  und  schill  seinerseits  die  Franken 
barbaren  (284)  ***),  die  vosagina  canis  (329)  heifst  barharus 
liospes  (343.)  die  pfalz  des  lowen  liegt  bei  Bourdeaux 
^455.  960)  an  der  Gironde  (927),  im  warmen  Siiden 
oder  TVesten,  wie  man  sicli  das  vorstellcn  will.  daruni 
schon  niusle  der  iingeschlachte  biir  vom  konigtlium 
ausgeschlosseu  sein.  doch  als  der  alte  kiinig  abdankt, 
zielit  er  iiber  den  Rlieiu  iu  deu  Sclnvarzwald  (1073), 
gleichsam  seiue  rechte  heimat,  zuriick  ,  und  der  junge 
konig  wendet  sich  iu  partes  occiduos,  auf  entgegenge- 
setzter  seite.  INIan  darf  hier  auch  den  iinterschicd  zwi- 
sclien  Austrasien,  Westrien  und  Neustrien  (Neuweslrien) 
fiuden;  die  altere  tliiersage  schob  ilire  kiinigspfalz  in 
das  fernere  Westreich ,  die  spJitere  wieder  mehr  ins 
nordliche  Frankreich ,  nach  IMonleon  ■{-) ,  das  ihr  wie 
Lowenberg  klang. 

Eigenlhiimlich  dem  gedicht  ist  das  verhaltnis  des 
pnrdus  zum  fuchs  wie  zum  konig.  bci  jenem  splelt  er 
ganz    die   roUe  des  Ireuen  freundes,    welche  die  jiinge- 

♦)  Reinh.  CCXXXil.  *•)  das.  LXXIX. 

***)  aucli    sonst   lieifst    der   Francus  ferus    (Pertz  2,  4T3)  wie 

fcrox ,  was  wir  oben  s.  86    ilini  \\ie  dcm   Sailisen  beigelegt  salien. 
barharus  Gernianicus  (Pertz  1,  228,  267.  2,  3.  57.  98.) 
f)  Reinhart  CXLII. 


310  ECBASIS. 

ren  fabeln  dem  daclis  anweisen:  er  niaclit  sich  aiif ,  deu 
angeklaglen  fnclis  lierbeizuholen ,  findet  ilin  nnd  wird 
von  ihm  bewirtet  (417),  beide  freunde  trelen  dann 
iiuler  gebeten  die  gefahrliclie  hofreise  an.  Vielleicht 
setzte  der  monch  den  nanien  pardus  an  die  stelle  eines 
bekannteren  ,  einheimischen  tliiers;  wie  sich  in  den  lo- 
wen  der  deutsche  biir  umwandelte ,  muste  es  in  den 
parder  der  dachs  oder  hiclis.  denn  ich  finde  in  alid. 
glossen  luhs  fiir  pardus  oder  panthera  (Diut.  2,  192. 
GralT  2,  163)  und  der  luchs  ist  beiden  ,  dem  fuchs  und 
wolf,  befreundet.  *)  inzwischen  tritt  auch  ein  lynx  am 
liofe  auf  (507),  also  vom  pardus  unterscliieden.  Deii 
pardus  weifs  nun  der  fuchs  mit  hilfe  des  leopards  (liin- 
ter  welchem  wieder  ein  andres  thier  stecken  nuifs)  **) 
dem  konig  als  fromm  und  weise  "*"**)  so  zu  empfelilen, 
dafs  ihn  dieser  an  sohnes  statt  annimmt  und  ilim  zu- 
letzt  das  reich  iiberlafst.  einzehie  beweggriinde  bleiben 
aber  dabei  im  dunkel,  namenllich,  warum  der  parder, 
nach  der  ankuuft  bei  der  eiche  liegen  nuifs,  und  warum 
er  vom  fuchs  gold  erhUlt?  das  nahm  der  verfasser  aus 
der  sage,  liefs  es  aber  unentwickelt.  Beide  konige, 
lowe  und  parder,  herschen  eine  zeitlang  gemeiuschaft- 
lich,  die  burgverleihung  an  den  fuchs  wird  von  beiden 
ausgefertigt.  INIan  kbnnte  hier  anspieUing  auf  zwei  ne- 
beneinander  regierende  frankisclie  konige  verimiten; 
icli  wiisle  sie  so  wenig  als  die  nachher  eintretende  be- 
schrankung  des  luwen  auf  Alemaniiien  aus  der  geschichte 
zu  deuten. 


*)  Reinh.  XXIV.  XXV. 

*')  iii  glosseii  wird  pardus  aiicli  durcli  liebart  verdentsclit  (su- 
nierlat.  12,  56.  Graff  2,  80)  uiid  der  leopard  sciieint  dcm  tliron 
gleiclifalls  nalier  zu  stehn  :    'scaiido  si  solium'  (694.) 

***')  dennoch  gibt  der  parder  der  naclitigall  in  der  heiligen 
geschichte   Mofsen. 


ECBASIS.  311 


Otier  und  igel,  iu  der  spatereii  ihierfabel  fast  ver- 
gessen ,  treten  im  alten  gedicht  ziemllch  liervor.  lufer 
wird  als  getreu ,  fronim  und  gulwillig  (carus,  placidus 
175)  geschildert ,  ericius  als  stolz  und  busarlig  (vafer 
1219.)  von  jeiies  beneniinng  ^var  vorliin  die  rede  (.«. 
307.)  auch  ridiculus  ist  gebraucht  (1213)  und  discipuhis 
(1138)  gegeniiber  dem  niagisler  wolf.  der  igel  heifst 
'spinoso  vellere  sutus  (17,5),  'perplexo  vellere  sulus' 
(265),  auch  einmal  'armiger,  clavata  sindone  tectus' 
(206) ;  icli  verslehe  nicht  warum  von  ihm  gesagl  wird  : 
indumenla  novis  texebat  plumea  teb's'  (267)?  er  webt 
neue  federkleider.  den  hiibsclien ,  in  der  natiirge- 
scliiclite  gegriindeten  zug ,  dafs  er  apfel  aufziistacliehi 
und  heranzutragen  versleht  (658)  ,  berichten  schon  die 
alten.  er  wird  als  zcverg  dargeslellt  (nanus  266)  *),  aber 
auch  als  waffentrager,  meislerkocli,  ricliter,  priester  und 
sanger,  kurz  als  faclotum  des  wolfs  inderhole.  kuiule 
des  gesangs  scheint  ihm  ironisth  beigelegt  (658),  da  er 
dem  lied  und  der  musik  abhold  scin  soll  (207)  und 
den  ruhm  des  wolfs  nur  ungeschickt  zu  besiugen  ver- 
mag.  Dieser  igel  der  wolfshole  kann  aber  blofs  iinch- 
komme  eines  alteren  am  hofe  des  kranken  luwen  sein, 
welchen  der  leopard  so  gewallig  demiiligt.  er  weigert 
sich  dort  des  apfelholens  und  sangeramts ,  obschon  diese 
geschafte  nicht  knechlisclier  siiid  als  was  den  iibrigen 
thieren  aufgetragen  wird ,  und  verheifst  dem  truclisefs 
seine  feste  burg  *"'),  wenn  er  ihn  der  schmach  erlassc. 
Dies  liat  der  verfasser  wieder  nicht  ersonnen  ,  walir- 
scheinlich  aber  schlecht  und  ungenau  erzahlt.  des  igcls 
feste  legt  er    nach  Lothringen    (s.  289)    und    doch    gihl 


*)    man    erinnere   sicli    dos    kinderniarclicns    '  Hans  mein   igel' 
(n.  108.) 

")  wie  die  anieise  dem  fiiclis  ilire  liuigcn  Itietet  (Reiiiii.  2(itil.) 


312  ECBASIS. 


sich  das  tliier  fiir  ilalienisclier  abkunft  aus  (675);  sollle 
aiif  einen  welschen  vornehmen  angespielt  sein ,  welchen 
der  deutsche  kunig  geslraft  hatle?  Thasselgart  ein  rau- 
ber,  den  der  salisclie  Conrad  im  j.  1027  aufkniipfen 
liefs  *),  ist  mir  aus  zu  junger  zeit.  noch  ■sveniger  denke 
jch  an  Gottfried  den  biirtigen  von  Lothringen  ,  dessen 
demiitigung  durch  Heinricli  3  vorliin  (s.  290)  erwahnt 
wurde.  Die  bosheit  des  igels  war  "damals  allgemein 
geglaubt:  'per  ericium  malitiosi  designantur'  gl.  Jun.4O0. 
Ungewohnlich  scheint  die  vorstellung  einer  jung- 
fraulichen  unicornis  (586.  599.  790),  die  am  hofe  mit 
siifser  stimme  vorsingt.  denn  die  physiologen  des  nu*t- 
telalters  erzalilen  sonst,  dafs  das  einhorn  (unicornuus, 
nionoceros ,  ahd.  einhurno  masc.)  im  schofs  einer  jung- 
frau  schlafend  gefangen  wurde  (Parz.  482,  25),  nicht 
aber  schildern  sie  es  selbst  als  jungfrau. 

Diesen  gewinn  etwa  fiir  auflielUing  des  altdeutsclien 
thierepos  wirft  die  ecbasis  ab.  er  ist  niclit  ansehnh'ch, 
doch  immer  aufhebens  werlh.  ich  liabe  mit  fleifs  die 
ersle  fabel ,  in  deren  rahmen  der  verfasser  eine  eclile 
und  alte  iiberlieferung  spannt ,  gar  nicht  in  anschlag 
gebracht,  aufser  fiir  einzelne  nebenziige.  Denn  dafs 
eiu  saugekalb  aus  dem  slall  seiner  mutter  nachlauft, 
von  dem  wolf  aufgefangen  wird  und  gefressen  werden 
soll ,  zuletzt  aber  durch  die  einnalime  der  wolfsburg 
seine  freiheit  erlangt,  ist  keiiie  walire  thierfabel  ,  son- 
dern  offenbar  luir  von  dem  monch  ,  zur  figiirlichen  dar- 
stellung  seiiier  eignen  gefangenschaft  und  flucht,  schlecht 
genug  erfimden  **).  hochstens  liat  er  das  hin  und  wieder 
mit  echtem  beiwerk  ausgeschmiickt,  wozu  vielleicht  der 
Iraum    des    wolfs    gehort,    der  in   andern  sagen   eizahlt 


')  ^Vippo  p.  473. 

**)  docli  vgl.  72  die  scripta  praecedeiitia. 


ECBASIS.  313 


>verden  konnte.  das  besle  war,  dafs  er  die  erzalilung 
von  dem  kranken  lovven  dainit  verfloclit. 

IJberliaupt,  von  der  dichterischen  gabe  und  dem 
geschick  des  tuller  dyscolus  kann  man  sich  luir  einen 
geringen  begrif  machen.  War  es  bei  ihm ,  wie  zu 
Sanctgallen  und  Tegernsee  ,  auf  metrische  iibung  abge- 
sehn  ,  so  ist  seine  leistung  schiilerhafter ,  und  oft  ein- 
fallig;  er  verslaiid  weder  natiirlich  zu  erzahlen  noch 
sich  mit  gewandlheit  auszudriicken  ,  doch  ist  ihm  ein- 
zelnes  besser  gerathen,  z.  b,  661  ff.  Zwischen  seinen 
zeilen  glanzen,  wie  goldfaden  in  grober  leinwand,  edle 
verse,  die  aus  Horaz  abgeschrieben  sind,  iind  gegeii 
deren  sinn  die  unpassend  eingeflochtenen  geistlichen  be  - 
trachtungen   und  gebete  grell    abstechen. 

Ich  stelle  hier  die  lappen  zusammen,  vs^eil  es  nutzen 
bringen  kann,  die  lesart  der  dem  interpolalor  vorgeleg- 
nen  handschrift  zu  ersehn.  einzelnes  hat  er  freilich 
absichtlich  gerinderl. 

119.  Jupiter,    ingenles  qui  das  adimisque  labores. 

serm.  II.   3,  288  wo :   dolores. 

120.  Peccalis  noctem  ,  '^quin   fraudibus  obice  nubem. 

epist.  I.   16,  62  wo :  noclem  p.   et  fraudibus. 
142.     Quaecunque  immundis  fervent   allata  popinis. 

serm.  II.  4,   62. 
155.     Duiu  licet,   in  rebus  jocundis  vive  beatus. 

serm.  II.  6,  96. 

159.  Coutinuansque    dapes    succinclus    cuisilat  hospes, 

160.  Fungitur  ofiiciis   nec   non  verniliter  ipsis. 

serm.  II.  6,  107  :  veluli  succinclus  cursitat  hospes, 
Conlinuatque  dapes,  nec  non  verniliter  ipsis 
Fungitur  ofliciis. 

161.  IMuUaque   de    magna  creveruut  fragmi«a  coena. 

serm.  II.  6,  104:  superessent  fercula  coena. 

162.  Q)uae  procul  iustruclis  inculcat  habenda  cauistris. 


314  ECBASIS. 

serni.  II.  6,  165:    exstruclis   ineraut  heslerna 
canistris. 
186.     Oninia  distraclis  coemens  obsonia  gazis. 

serni.  I.  2,  9 :    Oninia  conduclis  coemens  obso- 

nia   nummis. 
207.     Nec  sludio  citharae  nec  musae  deditus  iiUi. 

serm.  II.   3,   105. 
214.     Ut    canis    a   corio   nunquam    absterrebitur   inicto. 

serm.  II,  5,  81. 

218.  Fortiaque  adversis  opponito  pectora  rebus. 

serm.  II.  2,   136. 

219.  Grala  superveniet,   quae  non  sperabitur  hora. 

epist.  I.  4,  14. 
227.     Post  noctem  medlam  quando   sunt  somnia  vera. 

serm.  I.  10,  33   Post  mediam  n.  visus,  cum  s.  v. 
483.     Primo  ne  niedium,  medio  ne  discrepet  imum. 

ars  poet.  152. 
517.     Dum  licet  ac  vultum  servat  fortuna  benignam. 

epist.  I.   IJ,  20. 
616.     .  .  quamcunque  deus  tibl  forlunaverlt  horam. 

epist.  I.  11,  22. 
619.     Rusticus   urbano   quid  distet  turpis  honeslo. 

ars  poet.  213:   urbano  confusus. 
626.     Uncta  satls  splsso  ponuntur  oluscula  lardo. 

serm.  II.  6,   64 :  pingui  ponentur. 
632.     Jejunus  raro  stomachus  vulgaria  teninit. 

serm,  II.   2,  38. 
655.     Tincta  super  lectos  candescat  veslis  eburnos. 

serm.  II.   6,   103  :    canderet. 
696.     I  puer,  atque  meae  citus  hunc  impone  culinae. 

serm.  I.  10,  92  :    I   p.  a.  meo  c.  haec  subscribe 

libello. 
738      Trevirlci  callces  quos  non  fecere  loquaces? 

episl.  I.  5,   19:  Fecundi  c.  queni  n.  f.  diserlum? 


E  C  B  A  S  I S.  315 


761.     Non  missiu'a  cutem  nisi  plena  cruoris  luruclo. 

ars   poet.  476, 
776.     0   qui  coniplexus   et  gaudia  quanla  fuerunt. 

serni.  I.  5,  43. 

986.  Scrutor  raucisona ,  num  sit  quoque  fracta    lageaa 

987.  Quod  mihi  poscenli  non   danlur  pocula  vinl. 

serm.    II.    8,    81:     Quaerit    de    pueris,     n.    s. 
q.    f.   I. 

Quod  sibi   p.  n.  dentur  p. 

988.  Nam  neque  divitibus  continguut  gaudia  solls. 

epist.  I.    17,  9. 
990.     Nil  nisi  lene  decet  vacuis  committere  venls. 
serm.  II.  4,  25  :    quoniam  v.  c.  v. 
Nil  nisi  lene  decet. 
992.     Oderinit  liilarem  moesti  trlstemqne  jocosl. 

epist.  I.   18,  89  :    tristes  trislemque. 
1017.  Ne  turpe  toral  nec  sordida  mappa 

Sordidus  aut  dapifer  nares  conruget  edentum. 

epist.  I.  5,  21  ne  t.  t.  ne  s.  m. 
Corruget  nares. 

1019.  IMagna  movet  stomacho  fastidia,    seu  puer  unclis 

1020.  Tractavit  calicem  manibus,   duni  furla   ligurrit, 

1021.  Sive  gravis  veteri  craterae  limus  adhaesit. 

serm.  II.   4,  78-80. 

1047.  Te   tua   culpa   premil.       tu ,     dum  tua    navis    in 

alto  est, 

1048.  Hoc  age ,  ne  mulala  retrorsum  te  vehat  aura. 

epist.  I.   18,  87.  88:   fcrat  aura. 
1050.  Nam  semel  emissum  volat  irrevocabile  verbimi. 

epist.  I.   18,  71:    Et  semel. 
1086.  Nam  neglecla  solent  incendia  sumere  vires. 

episl.  I.  18,  85.     Et  neglecla. 
1088.  Nam  tua  res  agilur  paries  cum  proximus  ardet. 

daselbst   84. 


316  ECBASIS. 


1118.  Et  famuli  nequani  vincli   niillanlur  Ylerdam. 
episl.  I.  20,  13: 
Aut  fugies  llticam,  aut  vinctus  mitteris  Ilerdam. 
1131.     Principibus  placuisse   viris   nou  ultinia  laus   est. 

epist.  I.   17,  35. 
1146.  Candidus  et  lalos  a  vertice  pulcher  ad  imos. 

epist.  II.  2,  4. 
1148.  Cerluin   cst,   ingenuos  liabeas   ditesque  parentes. 

serni.  1,  6,   91:  Quod   non  i.  liabeat  clarosque  p. 
115  6.  ]Mentior  at  si  quid,    nierdis  caput  inquiner  albis. 

serni.  I.   8,   37. 
1162.  Non  semper  feriet  quodcunque  minabilur  arcus. 

ars  poet.  350. 
1164.  Vulpes  liunc  geniino   collaudat   pollice  luduin. 
epist.  I.  18,  66  : 
Faulor  iitroque  tuum  laudabit  pollice  ludum. 
1225.  Verum  operi  longo  fas  est  obrepere  somnuni. 

ars  poet.  360. 
1228.  Iratus  pariter,  jejunis  dentibus  acer. 
epist.  II.  2,   29. 
Aufser  diesen  fast  ganz  ,    oder  niit  geringer   abwel- 
cbung  beibelialtnen  zeilen  lassen  sich  noch  andere  nach- 
weisen ,  in  welchen  einzelne  horazische  wendungen    und 
ausdriicke  beibehallen   werden ,    z.   b. 
123  jam  dudum   ausculto.  serm.  II.  7,  1. 
156  praelambens    omne    quod  afTert.  II,  6,  109  praeli- 

bans  o.  q.    a. 
217  Pellito    nunc    vino,     nunc    curam   solvito    somno. 

carm.  I.   7,  31  :  nunc  vino  pellile  curas. 
725   Dum  lupus  infestus  pecori. 

epod.   15,  7:  dum  pecori  lupus  .  .  .  infestus. 
1029  servum  pecus.  epist.  I.  19,   19. 
1154  unus  et  aller.     serin.  II.  5,  24. 
Iin   ganzen   54    eutwendete    verse;    gerade    die  zahl   der 


ECBASIS.  317 


vorhin  s.  287  bezeiclinelen  einschaltlinge.  Hat  sie  niin 
Malchiis,  nachbessernd ,  hiiiziigefiigl?  oder  eiu  andrer 
iudnch?  nian  nuJchte  sicli  /ur  lelzlen  annahnie  nei- 
gen  ,  weil  der  verfasser  selbst  doch  wol  den  vers  1224, 
vvelcher  nur  1170  zeilen  berechiiel ,  gelilgt  oder  abge- 
andert  haben  vviirde  :  der  interpolalor  liefs  ihn  stehii, 
iind  riickle  noch  nachher  1125  iind  1228  aus  Horaz  *}, 
sanit  drei  andern  versen  zuni  scldiifs  ein.  Habe  nun 
wiiklicli  ein  unbekannter  nachgeholfen,  es  wird  wenig 
ursache  vorhanden  sein  diese  naclihilfe  in  ein  anderes 
als  gleichfalls  das  zehnte  jh.  zu  verlegen.  Den  Horaz 
konnten  abfasser  und  corrector  der  ecbasis ,  einer  wie 
der  andere,  vor  augen  gehabt  haben  **).     Deni  zusam« 


*)  diese  beiden  darf  man  stren{^gcnommen  niclit  zu  den  1170 
zahlen,  um  1224  herauszubriiigen ;  ich  kann  leicht  zwei  andre 
dafiir  uberselin  iiaben. 

**)  es  gebricht  noch  an  genauer  nacliweisiing,  auf  welchen 
wegen  sich  die  bekanntsciiaft  mit  einzelnen  lateinischen  classikern 
in  jedem  jh.  des  mittelalters  erweiterte.  gewisse,  wie  Virgil,  Te- 
renz,  Lucan  u.  a.  waren  von  friilie  an  verbreitet.  Horaz  drang 
seltiier  und  spater  ein.  der  sangalier  Notker  Labeo  ('f  1022)  fiihrt 
ilin  nie  an,  so  viel  ich  weifs,  jene  ofter.  docli  scheint  nacli  San- 
gallen  eine  horazisciie  handschrift  um  965  gelangt  (Pertz  2,  125); 
bei  Conradus  de  Fabaria,  dem  spateren  forlsetzer  der  dortigen 
casus,  werden  niehrmals  'versus  Oratii'  ciliert  (Pertz  2,  174.  183), 
freiiich  ini  13  jh.,  wo  dieser  dichter  schon  einen  umfassendereu 
kreis  gewonncn  hatte.  er  mochte  vorziiglich  seit  deni  eilften  jli. 
haufi;,'er  geiesen  werden,  'viguit  Horatius  niagnus'  heifst  es  in 
der  vita  Meinwerci  (bischofs  von  Paderborn  1009-1036)  cap.  52. 
aber  nach  der  vita  sancti  "Walae  (geschrieben  um  851)  war  ein 
Hornz  sclion  im  neunten  jli.  zu  Corvei  (Pertz  2,  536)  und  der 
aquitanische  Ermoldus  Nigellus  in  seinem  826  gedicliteteii  werk 
fiihrt  1,  17  den  Flaccus  uiiter  andern  siingern  auf,  uiid  noch  fru- 
her  bezog  sich  Alcuiiis  beiiiame  Flaccus  eben  aiif  den  romisclien 
dichter ,  niit  dem  die  angelsachsischen  inonclie  wahrsclieinlicli  elier 
bekannt  waren  als  die  deutschen.  ohne  scliwierigkeit  konnte  also 
im  zehuten  jli.  ein  codex  des  Horaz  in  Lothringeu  sein. 


318  ECBASIS. 


menhang  sclieinen  die  eingeschobnen  verse  fast  immer 
entbehrlich;  niir  bei  eiiizelnen  horazischen  aiisdriicken, 
-Nvie  wenu  'iiiberbis  jiivenis'  (124)  aus  ars  poet.  161, 
oder  'popellus'  (668)  aus  epist.  I.  7,  65  *),  'quaeque 
retexens'  (209)  aus  serni.  II.  3,  2  enllehnt  wird ,  lielse 
sich  das  gegentheil ,  folglich  ihre  verweudung  von  der 
ersteu  hand  behaupten.  auch  'abuorinis  garrulus  (1188) 
sieht  nach  Horaz  aus.  ^varuin  kounte  aber  nicht 
der  naclibesserer  einzelne  ^vorter  des  textes  durch  ed- 
lere  ersetzt  haben  ;*  Eiuigemal  \verdeii  andere  clas- 
siker  gepliindert  :  '  odora  canum  vis'  (344)  ist  deni 
Virgil  Aen.  4,  132,  'rugosum  piper'  (176)  dem  Persius 
3,  55,  das  kraut  'costus'  (176)  dem  Lucan  9,  915, 
'desine'  (908)  deni  Properz  V.  11,  1,  'amiciter'  (713) 
fiir  amice  dem  Plautus  Pers.  II.  3,  3  nachgesagt.  An- 
dere  erborgungen  (Nvie  der  verse  593-596.  700.  723.) 
weise  ich  jetzt  uicht  nach  **). 

Nebeu  einigen  selfneren,    aber  guten,  wortern  nici- 
gen  folgende  mittellaleinische    ausgehobeu    werdeu  : 
ad  praesens,  zugegen  71S.   1126;  vgl.  a  present. 
asperito  ,   icli  wetze  232. 

bolietus  f.  boletns,  ein  efsbarer  scliwamin   545. 
camera  lecti  689   ganz    das  aiid.  petticlianiera ,   mhd.  bettekamere, 

tlialamus.  N.  ps.  104,  30. 
capitale,  was  bedeutet  es  208?  icli  denke  so  etwas  wie  biirge,  burg- 
schaft  dafiir,  dafs  der  gefangne  niciit  entrinne,  vgl.  213.  der 
igel ,  den  eingang  der  liole  bewacliend  und  sicli  durcli  naclit- 
lichen  gesang  munter  lialtend  (wie  Volker  in  deu  Isibeluu- 
geii,  Hiltgund  im  Walthar),   steht  seinem  herru  fiir  das  kaib. 


*)  popeilus  schon  bei  Ermellus  Nigellus  (Pertz  2,  506.) 
**)  einzclnes   wird  spatern    dichtern  entnonimen,    so  vers  712 
aus  Venant.  Fortunatus  4,  18    (ed.  moguut.    p.  106);    ebendalier 
9,  'H  (p.  222)  scheint    'dulce  saporatis'    (548);    ebendaher    11,  12 
(p.  271)  castaneas  molles  (178.) 


E  C  B  A  S  I  S.  319 

diese  ausleguug  von  'fit  capitale'  verdient  bestatigung.     Sonst 

Iiiefs  capitaie    was  dem    eigner   statt  der   verlornen  saclie  er- 

setzt    werdCn    niiiste    (RA.  635)    uiid    gewissermafsen   ist   der 

personlich  sicli  verbiirgeude  aucii  eiii  liaftendes  capitale.     viel- 

leiclit  aber  mufs   man  lupi  nocli  zu   capitale   nehmen ,    besser 

als  zu  fortia  bella. 
capsidile,    tasche   335.     cnssidile  Pertz  2,   167. 
castello,    ich  wohne  ,   hause  192;  vgl.  castellani,  biirger,  einwoh- 

uer  Pertz  1,  618. 
castus,  rein,  frei.     castrum  castum  de   milite  franco   1140,  unein- 

genommen.     die  priip.  de  wie  unser  fun  bei  rein,  frei  (gramm. 

4,   880.) 
causa  394  sache,  vgl.  Rudl.  s.  230,  Unibos  123,  4  und  Heriger  2,  2. 
cautio,  rechtsgescliaft,  vertrag  692.  1009. 
certo    oft  bei   infinitiven  im  sinn  von    eile,    strebe:  22.  233.  306. 

341.  442.  507.  928. 1112.     auch  bei  Ermoldus  Nigellus  (Pertz 

2,  519.) 
cestus  172  korb. 
chelidrus    1177    waSserschlange,     ^ffV.icf^io?.    Ermoldus   Nigellus  4, 

351   (Pertz  2,  508.) 
circator,  der  umgeht  468. 
clavatus,  nagelbeschlagen.     clavata  sindou  206,  was  mhd.  genegel- 

ter  pfeller,  mit  glauzenden  borten  besetzt,    vgl.  clavatum  gi- 

burdid  gl.  Jun.  406. 
coenomia  y.oivonx^M  231. 

coUatio,  sacroruni  librurum  lectio,  quae  statis    horis  fiebat,  221. 
comporto  somnia  ich  briiige  schlaf  zu  wege  1065. 
conduleo  alicui  813.  1034,  wie  congaudeo  (oben  s.  72.) 
consortia  fratrum  3,  400» 
coiiscius  329. 
cratus  fiir  crater  113. 
crustumia  pira  179,    wie  sie  zu  Crustumerium ,    einem  sabiuischen 

ort  wuchsen,  Virg.  Georg.  2,  88. 
cydonia  mala  179,  sonst  auch  cytonia,  cotonia,  quitten.  s.  quectouia, 
discolus   124  s.  vorhin  s.  288. 
dorsalia  575,    ahd.  hruckilahhan. 
eques  fiir  equus  1188  vgl.  oben  s.  67. 


320  E  C  B  A  S I  S. 

escamea  1113,    speise,  =  esca. 

factor  omnipotens  383,  scliiipfer.     "Waltliar.  1161. 

faniiilor  ad  aliqiiem  685  ,  ganz  der  ronianisclie  dat.  a  quelqu'un. 

folibiis  1105,  wie  in  A  und  B  stelit,  ist  niir  dunkel ,  soll  mnn 
follibus  lesen,  von  follis,  beutel  ?  dem  widerspriclit  sclion  das 
prou,  illis. 

follns   1188  stultus,   stupidus. 

forstrarius  37,  forster,  waldbewohner,  hier  der  wolf,  als  waldein- 
siedler,  gewohnliclier  forestarius,  qul  silvas  curat',  sclion  ia 
urkunden  Pippins  und  Carl  des  groCsen  oft. 

fortia  belli  208.  fortia  gesta  584. 

frivolum  427  causa  levis,  futilis. 

gemino  amen  434.    gemino  cibos  783. 

geroldinga  poma  (vorhin  s.  292.) 

glomeratio  1043. 

graecisso  978,   ich  singe  griechisch. 

imperiosa  solamina  63  stolze  freuden?  vgl.  imperiosa  dona  Rudl. 
3,  388. 

improperium  852  dedccus. 

indica  cornix  480,  die  scliwarze  ,  weil  Indus  von  einem  schwarz- 
farbigen  menschen  giit. 

inibi  422,  sclion  bei  classikern  gebrauclilich,   seltner  insimul  629. 

inplano  203  decipio  ,    ilnonXuvuofiat.    ecclesiast.  15,  12. 

iusopilis  194,  ohne  sciilaf;  pupiila  sopilis  (gallus  et  vulp.  72,  2); 
horis  subsopilibus  (Adso  cap.  144.) 

judaicae  capsae  551. 

jusse  276  scheint  fiir  jure  gesetzt;  nach  falscher  analogie  von  os, 
oris  und  os,  ossis  daclite  man  zwischen  jus,  juris  und  jus, 
jussis  zu  unterscheiden.  dies  jus,  jussis  kann  ich  aber  sonst 
nicht ,  ebenso  wenig  die  meinung  nachweisen,  dafs  bohnen- 
briihe,  absud  von  gekochten  bolinen,  obstbaumen  scliade.  um- 
gckehri  werden  der  bobne  gute  wirkungen  beigelegt,  nament- 
lich  voci  prosunt  fabae.  Plin.  XVI II.  12,  30.  XXII.  24,  69. 
Hraban.  Maur.  de  inst.  cler.  2,  48;  Isidorus  de  div.  off.  2,  2. 

laxo  debitum   699. 

lisco  360  fur  glisco,  vehementer  cupio?    oder  hisco? 

lustrosus  329. 


ECBASIS.  321 


meditamen  401. 

melus  341  caiitus,  liier  gcsclirei. 

mercor   fiir  mereor,    paro   milii:    panis  mercabere  tortam  41;  lau- 

dem  525;  niortem  1172. 
mergis  545,  dat.  pl.  von  niergus,  merga ,  mergum?     das  ein   efs- 

bares  gewaclis  auszudriicken  sclieiiit. 
mirum  fit  nobis  192,   es  wundert  uns,    ahd.  mili  ist  (wirdit)  wuq- 

tar    (gr.   4,  242.)    est  niirum  niilii  Rudl.  3,  607. 
miserere  milii  426;    mei,  431,      milii  Rudl.  6,  7;  eis  2,  101. 
mixtum  589  mixtur,  gemisclite  arznei. 
monstra  952   tliiere. 
motus   murniure    508,    impulsus?   oder  zu  1,  notus  (s.  308),    vgi. 

murmure  triiisant  Rude.  3,   96. 
mundus  expletur  865,  die  welt  vergelit,  erreiclit   ilir  ende. 
munus  quartum  629 ,    was    ist   das  ? 
nam,  zu  eingang  des  satzes,  nielir  verbindend,   als  grund    angebend 

419.  509.  589.  642.784.993,     aucli  namque50.  605.  632.  669. 
nectar  carnis  112;  caro  nectarea  272. 
ooccidualis  1076,   autli    Prudeiitius    adv.  Symm.  2,  597   sagt  occi- 

dualis  oceaiius. 
odecoloii  878,    im  kircliengesang  ein  glied,    absclinitt,    ruliepuoct. 
oramina  fundo  425  ;  mando  458. 
organa  diverto  812;    misceo  818. 
palma  pacis  131.  gloria  palmae  280. 
palpamen  816  beriilirung.     Prudentius  liamart.    302. 
pascba  festivum  272.  1217  fur  grofse  ergetzung,  festmalil,  wie  wir 

noch  sagen :    das  soll  mir    ein  walires  fest  sein,     ahnlich  mhd. 

ostertac.     vgl.  Rudlieb  s,  234. 
passer  839.  1108  insgemein  fiir  einen  kleinen  vogel, 
passio    ferrea    scheint    gleich\iel    mit  dem   vorausgehenden  catena, 

wenn  man  es  nicht  fur  hartes,  schweres  leid  nehmen  will. 
patrinus  496,  gevatter,  verschieden  vom  lat.  patrimus. 
perfortis  730,  von  starkem    wein, 

persono  hymnos  710.  vocem  287,    transitiv  :  lasse  erschallen, 
perustus  versus    pietate    107;    livore    perustus    Eugenii    praef.    in 

Dracontium  13. 
peto  415  ftir  oro,  im  sina  von  bete. 

21 


322  ECBASIS. 


pliilomeiia  verscliiedentlich ,  besoiiders  in  den  uberscliriften,  statt 
pliiloniela  ,  wie  daneben  vorkommt.  icli  nioclite  wissen,  wo 
diese ,  naclilier  im  franzos.  niclit  seltne ,  verderbnis  im  mit- 
teliatein  zuerst  ersclieint?  ein  provenzalisclier  roman  des  12 
jli.  Iiiefs  Philomena,  was  docli  auch  nachtigail  bedeuten  soll? 
(Rajnouard  2,  283.  293.)  In  der  schwerlicli  ecliten  grabin- 
schrift  einer  nachtigall  bei  Durmann  anthoi.  4,  406.  Meyer  n. 
1459  Lusciniae  Philuvieuae  u.  s.  w.  ist  wol  der  bekannte 
name  'InXoinhi]  gemeint,  wenn  auch  nicht  ohne  anspieluiig 
auf  Philomela.  Aber  in  Lucilins  Aetna  58.5  liat,  statt  en  Phi- 
lomela,  die  helmstadter  hs.  zuerst  amphilonia,  dann  aus  cor- 
rectur,  en  philomena.  die  hs.  1290  der  ieipziger  universi- 
tatsbibliothek,  perganient,  quart,  13  jh. ,  enthiilt  bl.  64a-66b 
excerpte  aus  dem  'Alexander'  des  Gualtherus  de  Castellione. 
darunter  bl.  64b  der  vers 

Vocis  amorifer?  citharam  philomena  repressit. 
In  der  casseler  bibliothek  wird  ein  schoner  codex  geistlicher 
psalmen  und  gebete  aufbewalirt,  von  der  hand  eines  capel- 
lans  konig  Heinrich  des  zweiten ,  namens  Marcus,  im  j.  1020 
geschrieben.  die  fiinfte  strophe  des  osterlieds  'Salve  festa 
dies  toto  venerabilis  aevo'  *)    lautete  darin : 

Hinc  filomena  sui  adtemperat  organa  cantus, 
Fitque  repercusso  dulcior  aura  nielo. 
es  ist  aber  hernach  aus  n  ein  I  corrigiert.  Eudlich  gewah- 
ren  die  bekannten  verse  'Hic  volucres  caeli'  (aitd.  bl.  1,  348, 
HofTm.  gloss,  XXXIL  Gratf  sprachsch.  LXXl)  die  sclireibart 
philomena  in  der  zwettler  hs.  293,  1 1  jh.  und  in  der  wiener 
85,  friiher  cod.  univ,  1013,  11  jli.,  filomena  in  den  beiden 
ndmonter  hss.  106  und  476,  12  jh.  Jilomena  auch  iii  der 
stuttgarter  hs,  theol.  et  philos.  219,  fruher  ia  Zwifalten,  11 
jh. ,  Mones  anz.  1836 ,  46.  Mit  allen  diesen  beispielen  wird 
nicht  entschieden,  dafs  unser  dichter  selbst  philomena  gC' 
schrieben  habe,  blofs,  dafs  er  es  kunnte. 


*)  von    Venantius    Fortunatus,    Moguntiae    1603   p.  79.     man 
lese:   suis  attemperat  organa  cannis. 


E  C  B  A  S I S.  323 

pigritor  15  fur  pigror.     aucli  in  der  vulg.  act.  9,  38. 

pipero    aves  645;     potum    806;    escam    1185.     urspriinglich    vom 

pfeffern ,    danii    wiirzen   der   speisen  und   getr.iiike  iiberliaupt. 

vgl.  Rudi.  5,  13.    Reinh.    s.  XCVII  iind    Waltli.  440  pigmen- 

tis    condire    pisces,    301    pigmentati    crateres.    Parz.  238,  27 

werden  neben   einander  genannt  salsse,    pfeffer,   agraz;   Mar. 

160,  20    pigmente,    6le    und    niirre.     alid.   gimirroter  win  T. 

202,  3  ;  der  gemyrrolo  wiii  N.  ps.  68,  22,  ganz   was  bci  Wil- 

lerani  gepiuientoter  win.     provenz.  pimeiit,  Raynouard  2,  144. 

314.       Gregor  von  Tours  7,    29:    vina    odoramentis    immixta, 

vina  potentiora,  und  8,  31   neniit  er    lionig  und   werniut,    die 

deni  wein  eingemisclit  werden. 
pitacium  ,  pittacium  1104  brief,    verbriefuiig,    urkunde,  nmuxioi', 

auch    pictatium.     Ducange    s.  v.    Hoffni.    sumerlaten    1.3,    II. 

Hrabani  epist.  ad  Heribaiilum  gieicli  eingangs:  'capitula  f|tiaedani 

in  pittatio  scripta  per  nuntium  Cuinadi  comitis  mihi  allata  sunt.' 
plastus  864.  919  creatus. 
pompae  vi.H  562,    wenn    die   lesart    recht,  ein  seltsamer  ausdruck, 

auch  wegen  relucet. 
pontatica  462  scheinen  bruckenzolle  am  Po. 
portarius  688,  thurlifiter.     in  der  vulg.  Reg.   H.  7,  II. 
posco  =  oro  226;  pro  aliquo,  2.^3  bitte  fiir  einen.    Ermo^his  bei 

Pertz  2,  521.  vgl.  deposco  465. 
post  cras  102  iiber  morgen. 
praedamen  339. 

praeses  899  richter,  vgl.  816  und  praesul  788. 
prendo  carmen  420;  fastigium   951;  soninum  1061;  silentium  890. 
pressura   79. 

prorumpo  712  profero,  effundo. 
puDctio  449  fleber,   acutes. 
quam  neben   adj. :    quam   nobilis  660;    quam    miser  877;    gerade 

so  bei  Fromund  (Reinhart  p.  Ll)  quam  acer.    vgl.  quam  saepe 

66  und  Schm.  zu  Rudl.  s.  227. 
quectonia   1025  quitten,   s.  rydonia. 

quin  copulativ  fur  ett    120.  226.  264.  327.  881.  913.  1214. 
quisquilia  578  statt  des  iiblichen  quisquiline. 

quo  fur  quod  oder  ut :  292. 356. 892. 91 3  \  gl.  Walth.  s.  70.  Ruodl.  s  235. 

21  * 


324  E  C  B  A  S I S. 


regmen  672  ffir  regimen. 

reparatio  lapsi  220. 

ripatica  461. 

roro  198.  276  fiir  irroro ,  profundo,  adspergo, 

satago   mit   dera   inf. :    satagunt    exire    75 ;    flexisse  sategit  \^'altli. 

1065.     Abbo  1,  152.  320. 
scies  457.    scibit  555. 

scindere   saccuni    9,  was  bedeutet  die  redensart  eigentlich? 
sensatus  994  caliidus. 
sereno  mensa  1023,    ich  declie   den  tisch  ab?    gegensatz  zn  relo 

niensam  (oben  s.  236.) 
servator  equorum  76,  pferdehirt,  alts.  ehoward. 
servimen  666.  871. 
siccamen  198. 
sopilis,  s.  insopilis. 
SP  fiir  PS:  spalmus  710  (spalmista  Rolant    123,  7;)    andere   be- 

lege  hat  Ducange   s.  v.    spalmus,  spalterium ;    spitacus    1059. 

aber  auch  fur  P:   sporcus  255.   hieriier  gehort  eine  stelle  aus 

Isidorus  orig.  XII.  1,25  'porcus  quasi  spurcus',  wo  nach  Are- 

valo  einige  liss.  sporcus  geben. 
spelaeum  242.  339.  687.  anij)Miov ,    spelunca. 
sperula  pomi    682  f,  spiiaerula. 
spurcamen  199. 

sublatero  1109  fiir  subblatero?   calumnior? 
susum  1154  fiir  sursuni,  der  wolf  soll  aus  seiner  grube  in  die  hohe 

steigen ;    sciiiene  der  sinn  vorziiglicher,    dafs  er  aus  der  burg 

zu  den  belagerern    herab  gehe,  so  ware  leiclit  zu  andern  ju- 

surn,    was  deorsum    ausdriickt    (Pertz  1,  S81,  627);    'aut  su- 

sum  aut  jusum'  (Pertz  2,   103.)    es  steht  aber  1158  deutlich 

ascendit, 
tangere  555  scheint  nicht    das    gewohnliclie    lat.  wort,    doch    aber 

kaum  das  alte  tanganare    (RA,  812)? 
tenebro  845  tenebras  induco. 
terebro  latebras  923. 
testudo  676,    locus  in  aedibus  fornice  tectus  in  modum  testudinis 

conformatus. 
toral  1017  decke. 


ECBASIS.  325 


torno  80.  aucli  Ijel  Venant.  Fortunatns  (ed.  mognnt.  p.  73.) :    'nisi 

solicitatus  laudibus,  rusticns  calamus  nou  tornasset.' 
torta  panis  42.  544. 
tortus   193.  305.  484.   1013. 
tosto  271.  696  brate. 
trado   740  f.  prodo. 

vcuiis  iucnmbere  770,  mlid,  venie  fallen. 
virgula  fumi  574.  wer    bat  das    nielir  gesagt? 
^ilale  398  heilraittel. 

Wie  iiun  niehrere  unler  diesen  wurtern  eluen  deutschen 
verfasser  ankiindigen  (ad  praesens,  post  cras,  castus  de, 
mirum  fit  nobis) ;  so  scheint  auch  deutsch,  dafs20l  nier- 
gitur,  470  judicor  stehn  fiir  simergitur,  si  judicor.  lin- 
quere  non  poliii  852  (vgl.  oben  s.  238)  ist  ganz  unser:  ich 
konnte  nicht  lasseu.  quae  dicere  non  est  (nicht  zu  sa- 
gen  ist)  793,  ^vie  eiii  alleres  lied  anliebl :  de  Clotharia 
est  canere  (ist  zu  singen.)  infinitive  erscheiuen  auch  in  die- 
seni  gediclit  substantivisch:  velle  tuum  719  ;  velleest  (nieiii 
wille  ist)762, 811 ;  nolle  meum  495  ;  pro  possefidelill97  ; 
lacere  tuum  (deln  licgen  ,  dein  lager)  444  ;  parere  708. 
tenipora  finde  ich  weniger  vernieiigt,  doch  436.  437  so- 
eiaverat  und  sletit;  812  fugitat  und  cruciabat  f.  fugie- 
bat  oder  fiigilabat;  613.  626  curabunlur  fiir  curantur, 
ponentur  fiir  ponuntur,  weil  das  deulsche  werden  zuni 
fut.  verfiihrt.  unniiltelbar  neben  dem  deponens  prae- 
daris  steht  1171  ein  passivisches  praedaberis ,  was  an 
sich  verlheidigt  werden  kann  ,  weil  nach  Priscian  8, 
799  praedo  ,  as  vorkomml.  sibi  =  ei  400.  801.  1012. 
1109.    1132;    melior  se  =  eo  751;    se  =  eum  434   *) 


*)  gramni.  4,  364  wird  zu  viel  belianptet.  die  unreflexive  ver- 
wendung  zeigt  sicli  allerdings  vorziigiicli  im  dat.  sibi  und  abl.  sa^ 
ist  aber  auch  fiir  de»  acc.  o,c  nicht  zu  lengnen:  Rudl.  1,  70. 
a,  202,    5,  74  vgl.  Schm.    obeu  s.  227.      sciioii    Ermoldus    Nigel- 


326  E  C  B  A  S  [  S. 


bemerkenswerth  das  sic  vorvixi,  vixit,  vivis  7.  71.  185. 
312.  die  versscliliisse :  ab  eadem  (202),  couscendet  eari- 
Jem(681)  und  corporis  lutjus  (281);  vicarius  hiijiis  (527)', 
portariiis  hiijus  (688);  pecloris  hujus  (199);  geniahnen  an 
\Yaltharius  *).  auch  JMarbod  de  gemmis  487  scldiefsl : 
pulveris  hujus.  slatt  de  niore  (s.  69)  hier  blofses  more: 
niedentis  (61);  latronum  (313);  reorum  (379)  ;  peregrini 
(461);  parentum  (518).  dic  gewahrungsformel  :  sic  fiat, 
sic  sit  (643)  vergleiche  icli  dem  fiat  und  5/'/  Im  Unibos 
141,  1.  2.  Auch  in  uuserm  gedicht  viele  subst.  auf 
-imen  und  -ameu  (oben  s.  237.)  Geschmacklos  wird 
die  in  gedichlen  des  milleLilters  beliebte  weise  zu  zah- 
lep  (Reiuh.  XCl)  hier  auf  ihranen  angewandt:  lacrimis 
binis  pariterque  vicenis  (83);  erlraglicher  heifst  es:  sla- 
diis  quingeutis  atque  vicenis  (411),  millenis  alque  vice- 
iiis  cubitis  (684.) 

Sprichworter  und  eigenthiimliche  redensarten,  aufser 
dem  was  Horaz  herleiht,  begegnen  wenig.  der  spruch : 
frustralur  uiultum  piceat  qui  vas  adaquatum  (320)  lau- 
tet  Reinardus  2,  845  paterae  pix  cassa  niadenti ;  noch 
einfacher  im  Renuer  14795:  swer  sie  nu  strafet,  der 
pichet  naz ,  d.  h.  thut  etwas  vergebliches.  Nicht  iibel 
294:  sales  sine  dente,  salz ,  das  niclit  mehr  beifst,  seine 
scharfe  verloren  hat;  aber  dcn  folgenden  vers  295  be- 
kenne  ich  nicht  zu  verstehn.  escas  non  capiam  ,  do- 
nec  (753)  d,  h.  ich  will  es  uiiverziiglich  thun,  bcsta- 
ligt  meine  Reinh.  s.  106  gegebne  erlauterung  des  ver- 
ses:    ich  eiiaz  noch  eutranc  sit ;  man  vergleiche  Renner 


lus    Iiat   xibi   uixl  se  auf  solclie  weise,    z.  b.  Pertz  2,  495  v.  310. 
3)1. 

•)  vgl.  Waltliarius  s.  70;    Rudl.   1,  9.  3,  293.    concidit    /lujus 
Waltli.  1361. 


E  C  B  A  S I S.  327 


0526 :  die  wiJe  ich  niit  im  tranc  u.  az.  Was  bedeulel 
370:  solituni  turbare  bilumen  ?  Die  phrasen ;  indu- 
nienta  pUunea  novis  telis  texere  (267)  und:  trilas  ser- 
vitio  nianicas  eximere  (693)  wurden  bereils  angefiibrt 
(s.  311.)  Auf  eine  unliekannle  ihierfabel  beziiglich 
sclieint:    caudae  vituli  jungetur  lunibus  aselli  (316.) 

Die  bescliiinpfende  slrafe  'scutellae  bahiea  potare' 
(696)  gleicht  dem  essen  aus  dem  liundetrog  (Parz.  528 
28.)  fiir  das  alle  gerichtswesen  ist  aufser  dem  'fit  capi- 
tale'  (8.319)  524  IT.  und  536-538  die  schlufsformel  des 
urlheilenden  samt  der  coUaudalion  anzumerken.  Be- 
riihrung  des  kuiu'gh'clien  zeplers  wird  als  veraltetes  frie- 
denszeichen  (491),  tragen  des  slabs  (5&0)  als  symbol 
hoher   hofNviirde  angegeben. 

Nicht  ohue  inleresse  scheint,  dals  der  frankischen 
musik  zumal  horner  beigelegt  werden  :  Frauci  corniferi 
(343);  auch  im  krieg  erschollen  ilire  horner,  und  vor 
allen  beriihmt  ist  Rolands.  Dafs  an  den  tagen ,  •xvo  liie 
feier  der  passion  einfiel,  in  den  kirchen  keine  glotken 
liiuteten  (887-896),  ist  auch  sonst  genug  bekannt  *), 
man  bediente  sich  alsdann  holzerner  klappern  (crepi- 
tacula)  und  der  brauch  reicht  in  die  jiiugere  zeil 
hinab. 

Gleich  Fromund  hat  auch  INIalchus  seinem  gedicht 
verse  mit  fisclinamen  eingefiigt,  nian  kcinnte  darin  deu 
geschmack  des  zehnlen  jahrhunderts ,  selbst  eine  ahnlich- 
keit  zwischen  Waltharius  und  Rudlieb  finden:  beide 
helden  zeigen  sich  des  fischfangs  kundig,  und  es  vviirde 


♦)  ScheflTers  Haltaus  p.  227.  Fraiiz  "VVessels  scliilderiing  des 
catliol.  gottesdienstes ,  herausg.  von  Zober  (Stralsund  1837)  p.  7. 
8:  nu  moste  men  ock  mit  iieiien  klocken  ludea  vor  pasclienacht, 
iiien  mit  holteaea  klappercn. 


328  E  C  B  A  S I S. 


gar  iiiclit  unepiscli  gewesen  sein ,  ^venn  Gerald  oder 
EckeharJ  der  von  Wallhari  unterwegs  gefangnen  llufs- 
einwohner,  die  hernach  am  Rliein  zu  seiner  erkennung 
anlafs  geben  (s.  122),  ausfiilirlicher  gedacht  halle.  jNininit 
niau  zu  jenen  aufzahhuigen  nocli  das  sclion  von  Auso- 
nius  *)  gelieferle  verzeichnis  der  Moselfische ,  die  nomina 
piscium  in  leoninischen  deutschglossierten  versen,  walir- 
sclieinlich  des  eilften  jh.  *'') ,  -svas  in  andern  glossen  ^*"**), 
endlich  aber  in  deni  lateiuischangelsachsisclien  gespraclie 
Alfriks  7)  vorliegt;  so  -wird  es  nicht  an  niittehi  zur  erkla- 
rung  der  schwierigeren  ausdriicke  fehlen.  ganz  reichen 
sie  nichtljin.  die  benennungen  aus  Rudl.  13,  12-20  er- 
klart  schon  Schmeller  s.  2.38  ,  ich  finde  nur  noch  den 
*degener  alis'  nachzuholeu,  dem  sich  des  Ausonius  alausa, 
fi'anz.  alose,  nhd.  else  vergleichen  lafst ;  kaum  ist  alis  abl. 
pl.  von  ala,  so  dafs  )ene  worte  den  am  vmterleib  sclnuacli- 
tigen  capito  bezeichneten  ?  agapiiz  scheint  eineilei  niit 
dem  ags.  aleputa  oder  akpfite,  woneben  auch  myne  fiir 
capito  vorkommt.  in  den  versen  der  ccbasis  sind  un- 
bedenklich  romhus ,  hathus,  gohio  (auch  288),  scpioki, 
vmgil,  mullus,  trutia  (aucli  301),  sahm)  aus  dem  Rhein)  -{--{-), 


*")  Mosella  85  ff.  wird  aufgefiUirt  iii  zieriicheii  versen  :  capifo, 
salar,  barbus,  salmo,  perca,  mullus,  lucius,  tinca,  alausa,  fario, 
gobio,  alburnus. 

**)  neben  den  nomin.  volucrum,  ferarum  und  lignorum  (vor- 
bin  s.  322.)  ein  abdruck  aus  der  straf»!).  Iis.  des  12  jli.  (altd.  bl. 
1,  348-350)  liefert  nur  zwei  verse  mit  fisclinamen,  die  vollstan- 
dige  recension  zalilt  ilirer  dreizelm. 

***)  gl.  Jun.  278.  380.  381.  403.     sumerlat.  4,3,    1 1  ,  32.   38, 
TO  tr.  52,  5  ff.     Mones  quellen  318b. 
t)  Thorpes  analecta  anglosax.   p.  106. 
if)  vgl.  oben  s.  122;  aucli  Venant.  Fortunatus  10,   12  (p.  253) 
voni  Riieiii  redeud : 


E  C  B  A  S I S.  329 

allec.  hlligo  (=  prahslna)   ist    clas    nihd.  lulecke  oder    lil- 
leike  in  einem  gedicht  des   cod.  pal.  341    124*^: 

so  get  inanec  lieimzogen  knabe, 

als  er  lulecken  gezzen  habe. 
congriis  gr.  y.oyyoos  >  hit.  auch  conger.  hicherus  vermul- 
lich  vy.y.rj ,  vy.xT^g  ,  lat.  hycca.  capito  wird  unterschie- 
den  von  cavedunus,  ^vie  siimerl.  39,  7  capilo  chape  von 
38,  76  capedo  caudin ,  -welcher  lelzte  ausdruck  sicht- 
bar  aus  cavedin,  cavedon  i-ervorgeht.  blofse  neben- 
form  von  capito  scheint  capcdu ,  denn  beide  werden 
durch  alant  verdeulscht.  Den  haiiplanslofs  gaben  v. 
172.   173,  die  in   der  hs.  so  laulelcn : 

Proferl  se  ceto  spinx  captus  in  amne  peiroso 

Squamigerosque  celus  punctis  pellebat  acutus. 
was  soll  im  sleinbacli  der  wallfisch?  ")  von  diesem 
ceto  verschieden  sein  miisle  aber  der  acc.  pU  cetus 
des  folgenden  verscs.  ich  liabe  jenes  celo  veiandert  in 
ceslo,  und  profert  se  ccslo  (wird  aus  dcm  korb  ge- 
lioll)  schickt  sich  vorlreflich;  in  der  andern  zeile  tilge 
icli  que  und  schreibe  coetus ,  squamigeri  coelus  ist 
umschreibung  der  fische.  was  fiir  ein  fisch  sein  wird 
nun  spinx?  die  spliinx ,  das  ungeheuer,  woliir  wol 
auch  spinx  geschrieben  stehl,  kann  nicht  rechl  gemeint 
seiu,  der  fisch  ist,  gleich  fischen  iusgemein ,  mannlich. 
■\vare  stinx  oder  tinx,  zu  lesen  =  tincus,  tinca  ,  worun- 


Retibus  inspicitur  quo  salmo  fasce  levatnr. 
und  7,  4  (p.  163): 

Si  prope  fluctivagi  remorafur  iittora  Rheai, 
Ut  salmoiiis  adeps  rete  traliatur  aquis. 
•)    docli    wird    am    koiiigiiciien    liofe    neben    dem   stor   (sturio) 
wirkiicli    ein  wailfiscli  (cetus)  aufgetischt  (546) ,    wie  die  folgende 
anspielung  auf  Jonas  lelirt. 


330  B  C  B  A  S  I S. 


ter  sonst  die  sclileihe  ( ahd.  slio)  verstanden  ^vird? 
Frisch  2,  236^=  scheint  tinca  fiir  den  stint,  slinz,  stink 
zu  halten;  iiiir  zweille  ich ,  ob  auf  diesen  die  schilde- 
rung  gerecht  ist,  dafs  er  niit  seinen  stachehi  die  an- 
dern  fisclie  iu  die  flucht  treibe.  nian  sollte  an  einen 
der  fisclie  denken ,  die  wir  noch  heute  stichlinge  nen- 
nen,  ihrer  slachelichen  ilofsfederu  halber,  auch  der  ca- 
pito  wird  von  Ausonius  beschrieben  als  :  niultis  spinis 
ventreiii  sepluin  habens.  Juli.  Sinthis  expos.  in  Alexau- 
dri  granun.  ed.  Arg.  1487.  4°  p.  49*  gibt  aufser  den 
bekaimten  bedculungen  auch  die  eines  seethiers :  'spiux 
est  et  belua  ponti,'  und  die  spinx  iiu  lolliringischeu 
flufs  zugestanden  vvird  ain  ende  der  cetus  bleiben  niiis- 
sen,  nach  gleich  einfahiger  iibertreibung.  in  den  korb 
taugt  das  unthier  uicht. 


A     N     H     A     N     G     E. 


HEINaiCUS    II.  333 


IN  OBITUM  HEINRICI  II. 

1.  Lamentemur  nostra, 
Socii,  peccata, 

Lamentemur,    [et  ploremus!] 
Quare   tacemus  ? 

Pro  iniquitate 
Corruimus  late, 
Scimus  coeli  hlnc  offensum 
Regem  immensum. 
Heiurico  requiem  rex  Christe  dona  perheunem. 

2.  Non  fuimus  digui 
Munere  insigni : 
^lunus  disce  sive  donum 
Heinricum  bonum, 

Qui  ex  juventute 
IMagnae  fuit  vitae, 
Procreatus  regum  stirpe 
Rexit  et  ipse. 
Heinrico  requiem  rex  Christe  dona  perhennem. 

3.  Orbis  erat  pignus, 
Regno  fuil  dignus 
Imperator  Romanorum, 
Rector  Francorum, 
Imperavit  Suevis, 
Saxonibus  cunctis, 


2,  3.  4    munus  siue  donum  diue  H.  b. 


334  HEINRICUS    II. 

Bavaros  truces[que]  Sclavos 
Fecit  pacatos. 
Helnrico  requiem  rex  Cliriste  dona  perhennem. 

4.  Possumus  niirari 
De  domino  tali, 

Res  tractando  laicatus 
Fit  litteratus, 
Prudens  in  sermone, 
Providus  opere, 
Viduarum  tutor  bonus 
Orphanis  pius. 
Heiiuico  requiem  rex  Christe  dona  perhennem. 

5.  Heinricus  secundus, 
Plangat  ilhim  mundus. 
Fide[Ie]s  servans  Christianos 
Pellit  Paganos, 

Stravit  adversantes, 
Pacem  persequentes; 
Vohintati   conlradixit, 
Sobrie  vixit. 
Heinrlco  requiem  rex  Christe  dona  perhennem. 

6.  Quis  caesar  tam  largus 
Fuil  pauperibus? 

Quis  tam  loca  subllmavit 
Atque  dicavit 
Atria  sanctorum 
Ubere  bonorum? 
Ex  propriis  fecit  magnum 
Episcopatum. 
Heinrico  requieni  rex  Christe  dona  perhennem. 


3,  7     truces  sola  uos  4,  3     Sit 

5,  3     Fides,  Eccard  besserte  Fines. 

6,  7     fecit  magiiauit 


HEINRICUS    II.      HERIGER.      335 


7.  Plorel  liunc  Europa 
Jam  decapitala ! 
Advocatum  Roma  ploret, 
Christum  exoret, 

Ut  sibi  fidelem 
Praeslet  senlorem, 
Et  cognoscat  grave  damnum 
Ecclesiarum. 
Heinrlco  requiem  rex  Clirlste  dona  perhennem. 

8.  Dicamus  Heinrico 
Dominl  amico, 

Ut  requiescat  post  oblium 
Semper  In  aevum. 
Dicat  omnis  clerus 
Animac  illius: 
Pace  Christi  [re]quiescat, 
Gaudla  noscat. 
Heinrlco  requiem  rex  Christe  dona  perhennem. 


HERIGER. 

1.  rleriger,  urbis 
Maguntlacensls 
Antistes,  quendam 
Vldit  prophetam, 
Qui  ad  infernum 
Se  dixlt  raptura. 

2.  Inde  cum  multas 
Referret  causas, 
Subjunxit,  totum 
Esse  Infernum 
Acclnctum  densls 
Undique  silvis. 


336  HERIGER. 


3.  Heriger  illi 
Ilidens  respondit: 
'JMeiim  subulcum 
llluc   ad   pastuni 
Volo  cum   niacris 
Miltere  porcis.' 

4.  Vir  ait  falsus  : 
*Fui  translatus 

In  templum  coeli, 
Christumque  vidi 
Laetum  sedenlem 
Et  comedentem. 

5.  Johannes    baptista 
Erat  pincerna, 
Alque  praeclari 
Pocula  vini 
Porrexit  cunctis 
Vocatis  sanctis.' 

6.  Heriger   ait: 
'Prudenter  egit 
Cliristus  Joliannem 
Ponens  pincernam, 
Quoniam  vinum 
Non  bibit  unquam. 

7.  INIendax  probaris, 
Cum  Petrum  dicis 
Illuc  magistrum 
Esse  cocorum: 
Est  quia  summi 
Jauitor  coeli. 


3,  l     Herigers  4,  2     Fuit 

7.  Herigers  antwort  in  bezug  auf  Petrus  zeigt,  dafs  vor  6 
oder  7  eiiie  stroplio  ausgefailen  ist ,  in  welclier  der  abenteurer  den 
Petrus  ais  meisterkocli  des  himnjels  dargestellt  liatte. 


HERIGER.  337 


8.  Honore  quali 
Te  deus  coeli 
Habuit  ibi? 
TJbi  sedisti? 
Volo  ut  iiarres 
Quid  nianducasses.' 

9.  Respondit  homo; 
'Angulo  uno 
Partem  pulmonis 
Furabar  cocis. 
Hoc  manducavi 
Atque  recessi.' 

10.  Heriger  illum 
Jussit  ad  palum 
Loris  ligari 
Scopisque  caedi, 
Sermone  duro 
Hunc  arguendo: 

11.  'Si  te  ad  suum 
Invitet  pastum 
Christus,  ut  secum 
Capiaa  cibum, 
Cave,  ne  furtum 
Facias  [tetrum.]' 


ALVERADAE    ASINA. 

1,    Est  unus  locus 
Homburh  dictus, 
In  quo  pascebat 
Asinam   Alverad, 
Viribus  forlis 
Atque  fidelis. 


22 


338  ALVPJRADAE   ASINA. 


2.  Quae  cluDi  in  amplum 
Exirel  campum, 
Vidit  currenlem 
Lupum  voracem  : 
Caput  abscondil, 
Caudani   ostendit. 

3.  Lupus   accurril, 
Caiidam   momordil, 
Asina  bina 
Levavit  crura, 
Fecilque  longum 
Cum  lupo  bellum. 

4.  Cum  defecisse 
Vires  sensissel, 
Pjolidil  magnam 
Plangendo  vocem 
[Clajmausque  suam 
Moriendo  domnam. 

5.  Audiens  magnam 
Asinae  vocem 
Alverad  cucurril, 
Sororibus   dixit : 
'Cito  venite, 

Me  adjuvate. 

6.  Asinam   caram 
Misi  ad   erbam, 
Illius  maguum 
Audio  planctum, 
Spero  cunj  saevo 
Ut  pugnet  lupo.' 

7.  Clamor  soiorum 
Veuit  in  clauslrum 


4,  1     defecisset 


ALVERADAE   ASINA.  339 


Turbae  virorimi 
Ac  miilierum 
Assunt,  cruenlum 
Ut  captent  Uipuni. 

8.  Adela  uamque 
Soror  Alveradae 
Rikilam    quaerit, 
Agalham  invenit, 
Ibant  ut  fortem 
Sternerent   hoslem  . 

9.  At  ille  ruptis 
Asinae  coslis 
Sanguinis  undam 
Carnemque  lotam 
Simul  voravit, 
Silvam  inlravit. 

10.  Illud  videnles 
Cunctae  sorores 
Crines   scindebant, 
Pectus  tundebant, 
Flentes  iusontem 
Asinae  morten». 

11.  Denique  parvum 
Portabat  puUum, 
IUum  plorabat 
IVIaxime   Alverad, 
Sperans  exinde 
Prolem  crevisse. 

12.  Adela  mitis 
Fritherunque  dulcis 
Venerunt  ambae 
Ut  Alveradae 


12,  4     Adeleitliae 


22* 


340  ALVERADAE    A  S  I  N  A. 

Cor  confirniarenl 
Atque  sanarent. 
13.     'Delinque  maestas, 
Soror,    querelas: 
Lupus  aniaruni 
Non  curat  fletuni. 
Dominus  allam 
Dabit  tibi  asinani.' 


SACERDOS  ET  LUPUS. 

1.  t^uibus  ludus  est  animo 
Et  jocularis  cantio, 

Hoc  adverfant  ridiculum. 
INarrabo  nou  ficlicium. 

2.  Sacerdos  jam  ruricola 
Aetale  sub  decrepita 
Vivebat  amaus  pecudis, 
Hic  enim  inos  esl  rusticis. 

3.  Ad  cujus  tale  studium 
Omne  partiret  commodum, 
Nisi  foret  tam  proxima 
Luporum  altrix  silvula. 

4.  Hi  minuentes  numerum 
Per  ejus  sunimam  generum 
Dant  impares  ex  paribus 
Et  pares  ex  imparibus. 

5.  Qui  dolens  sibi  fieri 
Detrimentum  peculii, 
Quia  diffidit  viribuSi 
Vindictam  quaerit  arlibus. 

1,  4     EuQirabo  3,  2     patiret 


SACERDOS  ET  LUPUS.  341 

6.  Fossain   caval  non  modicam 
Intus  ponens  agniculam, 
Et,   ne  pateret  hostibus, 
Superne  tegit  frondibus. 

7.  Humano   datum  commodo 
Nil  majus  cst  ingenio; 
Lupus,   dum  nocte   circult, 
Spe  praedae  captus  incidit. 

8.  Accurrlt  mane  presbiter, 
Gaudet  viclsse  tallter: 
Intus  protento  baculo 
Lupi  minalur  oculo. 

9.  'Jam'  inquit,    *fera  pesslnia, 
Tibi  rependam   deblta : 
Aut  hic  frangetur  bacuhis, 
Aut  hic  crepabit  oculus!' 

10.  Hoc  dicto  slmul  impulit, 
Verbo  sed  factum  defult, 
Nam  hipus   servans  ocuhim 
INIorsu  retentat  bacuhim. 

11.  At  ille  miser  vetuhjs, 
Dum  sese  trahit  firmlus, 
Ripa  cedente  corruit 

Et  lupo  comes  incldit. 

12.  Hinc  stat  hipus,  hlnc  presbiter,^ 
Timent  sed  disparlHter, 

Kam,  ut  fidenter  arbltror, 
Lupus  stabat  securior. 

13.  Sacerdos  secum  mussitat, 

Et  septem  psahnos  ruminat,^ 
Sed  revolvit  frequeutius : 
'  INliserere  mei  deus  I ' 

T,  4    spem 


342  SACERDOS  BT   LUPUS. 


14.  'Hoc'  iiiqult  'inforlniiii 
Dant  mihi  vota  populi, 
Quorum  neglexi  animas, 
Quorum-  comedi  viclimas.' 

15.  Pro  defuucloruni  merito 
Cantat  'placebo  domino,' 
Et  pro  volis  viventiuni 
Totum  cantat  psallerium. 

16.  Post   completum  psalterium 
Commune   perslat  commodum 
Sacerdolis    timidilas 

Atque  lupi  calliditas. 

17.  Nam   cum  acclivis  presbiter 
Perfiniret  *pater  noster,' 
Alque  clamabat   domino 
'Sed  libera  iios  a  malo!' 

18.  Hic  dorsum  ejus   iusilit 
Et  saltu  liber  elTugit, 

Et  cujus  arle  captus  est, 
IUo  pro  scala  iisus  est. 

19.  At  ille  laetus  nimium 
Cantat  'laudate  dominum,' 
Et  promisit  pro  populo 

Se  oraturum  a  modo. 

20.  Hinc  a  vicinis  quaerilur 
Et  inventus  exlraliitur, 
Sed  non  nunquam  devotius 
Oravit,  nec  fidelius. 


20,  3     das  dem  verse  notliwendige  uoii  verneint,   auf  deutsclie 
weise,  mit  uunquam  zusammea  uur  einfach. 


HBINRICUS  —  SACERDOS.       343 

Uie  vier  erslen  gediclile  liat  mir  Kenible  aus  einer 
lis.  der  canibridger  bibliolheic  (Gg.  V.  35  blalt  437-440) 
niitgellieiU.  der  schon  seit  Eccards  qualernio  theilweise 
bekannte  codex  scheint  uni  die  niitte  des  eilften  jh.  iu 
Deulschland.  violleiclil  von  eineni  Angelsachseu  ,  ge- 
sclirieben.  er  cnlhalt  dichlungeu,  die  unler  deu  Olto- 
nen ,  Heinricli  2  und  deni  salischen  Conrad  abgefafst 
wurdeu.  Von  deu  histoiischeu  wiederhole  icli  blofs 
die  ersle ,  weil  niehreres  an  Kccards  abdruck  zu  be- 
richtigeu  war ;  eine  aiisgabe  des  lateinischdeutscheu 
leichs  auf  Otto  I  behalte  ich  audrer  gelegenlieit  vor. 
den  niodus  Ollinc  und  Liebinc  liabeu  erst  neuerlich 
Kberl  und  Laclunanu  besorgt.  Die  iiberschrifteu  aller 
vier  gediclite   sind   vou    niir  zugeliigt. 

Das  lequieni  auf  Ileinrlch  den  zweiteu  nuifs  un- 
niittelbar  iiu  j.  1024  eutsprungen  sein ,  und  verkiiudet 
ilie  tiauer  dcr  geisllichkeit.  6,  7  wird  das  bisthuni 
Bamberg  (inons  Bavonis)   genieint. 

Lrzbischof  Heriger  liifirle  deu  stab  zu  Maiuz  vou 
912  bis  926.  *)  ich  vvill  das  lied  nicht  grade  so  alt 
macheu  ;  die  halb  lustige,  halb  derbe  art,  init  welcher 
er  deu  aufbinder  abfiihrte  **),  kanu  sich  eine  zeit  laug 
in  der  iiberlieferung  umgetragen  haben ,  eh  sie  latei- 
uisch  gesuugeu  wurde.  vielleicht  gieng  ein  deutsches 
volkslied  voraus.  Viele  ziige  sind  noch  spater  uuver- 
loien.  Dafs  Johannes  baptista  als  hinmilisclter  mundschenk 
dargestellt  wird  ,  ^scheint  absichlliche  verwechslung  mit 
deiu  evangelista,  dessen  minne  gelriinkeu  zu  werdexi 
pllegle  (mytli.  37.)  Gleicherweise  mag  der  heilige  /V//-«a 
in   marchen  ,  deneu  vom  bruder  Luslig  uud   deni  lauds- 


•)  Pertz   1,  98.  614.  616.  2,   241. 

*')  aian  kauu  sicli  kauni  denken,  dafs  der  erzbischof  dca  spafs- 
vogel  wirkiicli  staupen  Uefs. 


344       HEINRICUS  —   SACERDOS. 

kuecht  ahnlicli ,    als  koch  des   hiimucls  vorgeslellt  Nvordeii 
seln,    obschon    er    soust   (als   schliissellrager)    ihiirhiiler 
•\var.     Der  schwankmacher  zeigt  sich  ganz  in   der  weise 
eines  spaleren  landskneclils,   nnd  die  worle  :  'angiilo  uno 
partem  puhnonis  furahar  cocis'  bewahren  niir  einen  punct 
von    hochstem    alterlliuni.      denn    auch  der  landsknecht 
oder    der    Schwab    liaben  das  leberlein  heinilich  geges- 
sen.       ATenn    nun    niylh.  XIX.  XX   die    volkserzahhin- 
gen    \on     Chrislus    und     Pelrus     den     heidnischen    von 
Odhinn,   Hoenir  und  Loki  vergliclien  werden ;  so  konnle 
wirklich  eine    nur    unvollslandig  bewahrte  liberliefernng 
bestanden    haben,    worin    erzahlt    war ,    dafs   die    drei 
wanderuden    gcitter    die   gefangne  ottcr  oder  ein  andres 
thier    brieten    und    verzehrlen ,    Loki    aber  das   halbge- 
bratne  herz  fiir  sich    entwendete.      darauf  sclieint  nem- 
lich  eine  sonst  iindeutliche  stelle    Saem.  118*'  beziiglich, 
dle  ich  schon  Reinh.  Lll  zu  einer   allen ,    weit  verbrei- 
teten  mythe  halte,      Hoenir  wiirde  die  rolle  des  kochs, 
Loki   des    landsknechts    spielen  ?    Auf  jeden  fall  ist  uns 
die   bezeugung ,    wenn    auch    eines    blofsen    nebenzugs, 
durch    ein    gedicht    des     zelinlen    jh.  sehr   willkommen. 
Die  vorstellung  der  von   diclUen  ivaklern  rings  umgebnen 
holle  scheint  wiederum  die  heidnische,    denn   auch  nach 
der    edda  fiihrt    der   weg    zur  unterwelt   durch   dunkle, 
tiefe  thaler  (mythol.  s.  463.) 

Weniger  bedeutend  ,  wiewol  erggtzlich  ist  der 
scherz  iiber  Alveradens  eselin  ,  die  der  wolf  frafs.  Es 
gibt  zwei  alte  uonnenkloster  Ilomhurg.  das  eine  im 
Elsafs,  von  der  heiligen  Odilla,  angeblicli  schou  ini 
siebeuten  jh.  gesiiftet  *);    das  audere   au  der  Unstrut  in 


*)  Odilia  griindete :  in  castro  patris,  qiiod  Hoemburh  appella- 
tiir,  claustruni  sanctimonialinm,  Riclierii  cliron.  senoniense  1.  li 
(<ler  folioausg.  2,  609.)  vgl.  Konigsliofen  p.  238. 


HEINRICUS   —  SACERDOS.      345 

Thurliigen.  fiir  letzteres  entscheiclen  hier  die  fast  siich- 
sischen  sprachfonuen  cler  eigennamen  Alverad ,  Frithe- 
nin ,  Rikila. 

Mil  dem  vierten  gedlcht  wlrd  uns  elue  eclile  ihier- 
fabel  geboten,  die  aucli  in  der  spiileren  altfranzOsi- 
schen  sage  nicht  untergegaugen  ist.  *)  sogar  die  worle 
4,  3.  4  'dant  impares  ex  paribus  et  pares  ex  Iniparibus' 
slininien  zu  Renart  7401  so  -Nvie  zu  Reinardus  1,  1019. 
Dafs  der  -wolf  iiber  des  ])rieElers  riicken  aus  der  grube 
springt ,  eriiinert  an  den  fuchs  bci  Asop ,  der  iiber  dle 
horner  des  bocks  aus  dein  bruiinen  gekingt,  inid  virk- 
licli  Ist  auch  hier  dem  ^volf  dle  listige  natur  des  fuch- 
ses  beigelegt  werden. 


GALLIJS  ET  VULPES. 

1.  Otans  aplo  consislorio 
Galhis  in  sterquilinio, 
Cujus  laetus  cacuniine 
Cantabat  constanlissinie. 

2.  Vulpes  ad  est  famelica. 
Audit  ingrata  carmlna, 
Quibus  motu  plausibili 
GaUus   fiebat  pervigil. 

3.  Haec  tarditatis  conscla 
Dolo  parat  Insidias, 

Et  prinuim  blandis,    milibus 
His  adulalur,  vocibus : 

4.  'Felicem  o  progeniem, 
Quae  genuit  superstitem, 
Qui  sic   patrizat,    eminus 
Ut  patrem  vincat  cantibus! 


*)  zwolfte  braiiclie  des  Renart  (Reiuli.  p.  CXXIV.) 


346  GALLUS    BT     V  U  L  P  E  S. 

5.  Umini  decsse  video, 
Qiioil   iilruiu  possis  diibito: 
Quia  saltando  canere 

IUe  solebat  slrenue. 

6.  Nain  ila  sese    tertio 
Sallu  rotabat  concito, 
Ul  turbine   wandalico 
Tornum  niisceret  jubilo.' 

7.  IMox  liaec  gallus  aggreditur, 
Saltans  canensque    volvitur, 
Et  avidus    gloriolae 
Verbis  cedit    vulpeculae. 

8.  'Cur  ergo'   iuquit    'degeuer 
A  patre  nieo    aestimer, 
Cuin   genitoris  fornuilani 
Gestu  voceque  referanil" 

9.  At  vulpes   e  contrario: 
'Benedicanius    domiuo, 
Quia  paler  iu   filio 
Vivus   est  quodam  modo. 

10.  Jam  non   erat  credibile, 
Ut  esset    nostro  tempore, 
Qui  faclis  mirabilibus 
Sic  fieret  conspicuus. 

11.  Sed  ille  doctus   dexterum 
Saepe  claudebat  oculum, 
Cum  concitato   corpore 
Saltaret   in  vertigine.' 

12.  'Similiter    et  facio.' 
Gallus    infit    continuo: 
Tunc   flectilur    in    circinum 
Et  dextrum  premit  oculum. 

13.  Ast  vulpes    astu    subdolo 
Supina    cadit   subito, 


GALLUS    ET    VULPES.  847 

Et  siinulans    miraciilum 
Nec  liabet  ultra  spiritum. 

14.  Suspiriis  coucutitur, 

Vix  tandem    denuun  loquilur, 
Affectu  quoque   debili, 
Quasi  fessa  sit,  incipit : 

15.  *Haec  credere  quis  potei^it, 
Nisi  visu  probaverit? 
Hoc  auris    si    audierit, 

Ad  fidem  nunquam    sufficit. 

16.  Ipsum  patrem   praecelleres, 
Si   tantum    unum  jungcres: 
Gemellis  ut  luminibus 
Pressis  saltares  altius.' 

17.  Huc  usque  gallus  positus 
In    prosperis   successibus 
Jam  dabit   exemplaria, 
Quid  conferat    jactantia. 

18.  Tunc  eadem  reciprocans 
Quae  jam  monstrarat   sallilans, 
Ostentat  dum  prodigium, 
Expertus  est  ludibrium. 

19.  Nam  exilit  in  aerem 
Utramque  claudens  aciem. 
Quem  vulpes   cursu  subiit 
Et   ore  bians  suscipit. 

20.  Hoc  gallus  iufortiuiio 
Ti'isti  fertur  veliiculo. 
Acres  vicini  sentiunt 

Et  celeres    post   irruunt. 

21.  Clamore  complent  nubila: 
*GaIlum  tollit  vulpecula  I 

16,  3  gciia  eliis. 


348  GALLUS    ET   VULPES. 

_ . j — 

Succurrite  quantoclns, 
Ales  perit  egregius  !' 

22.  Jain  longe  vulpes  aberat, 
Sequentibus  spem   luleraf, 
Cuni  gallus  prae    Irislitia 
luit  nova   consilia 

23.  Cumque  vulgarls  cuneus 
Instaret  ululatibus, 
Conversus  ad  vulpeculani 
Hanc  intulil;  sententiam : 

24.  'Forluna  me   destituit, 
Insuper    tibi     tradidit; 

Si    mors    non    potest    dirimi, 
Sit    certe  vel    laudabilis. 

25.  Te  rustlci    nunc   impetunt, 
Rapiuae  ream  arguunt, 

Et  nesciunl,    quid  inclita 
Tua  fecit  prudentia. 

26.  IMeum  sepulclirum  asserunt 
Raptrlcis   fore   stomachum, 
Pronieruisse  nequiter, 

Ut  bac  lacuna  conderer. 

27.  Fit  causa ,  qua  calumpnior, 
Ipsa  morle  molestior, 
Pari  dum  ignominia 

Te  laedit    haec    infamia. 

28.  INIe  pone,  quaeso,  pauhilum, 
Et   sic  affare  popuhim, 

Et  quoque   dicas    tertio : 
"JNIeum,   non  vestrum  aufero." 

29.  His  verbis  expurgabitur 
Quicquid  nobis    objicitur. 
Hoc  morlis  aliquautuhun 
Repperio  solatium.' 


GALLUS    ETVULPES.  349 

30.  Illa  confestini  siibslilit, 
Piillum  iii    terra    posuit, 
Conlra  vulgus  revertitur 
El  galli  verba    loquilur. 

31.  At  ille  surgens    properat, 
Et  plausis    alis  abvolat, 
Post  quem  vulpes  accelerat, 
Sed  penna   pedem  superat. 

32.  Hinc  indignata  duriter 
Fixit  gradum    celeriter, 
Sicque  niente  nialivola 
Intorquet  imprecamina : 

33.  'lucurrat  lingua   pustulas, 
Quam   possidet   loquacitas, 
Cum  est  dampnosum  proloqui 
Neque  sic  valet   comprimi.' 

34.  *Has.  incurrant  et    oculi,' 
Gallus  e  contra  reddidit, 
*Qui  sponte   semet  occulunt, 
Cum  imminet  periculum !' 

35.  Jam  iios  spernamus  otia 
Prorsus  nulli  proficua. 
Quibus  non  eget  veritas, 
Quae  detestatur    fabulas. 

36.  Severus  judex  ingruit, 
Otiosa    redarguit. 

Haec   eadem ,    quae  scrlpsinuis, 
Mutemus  melioribus. 

37.  Sic  quippe  Babiloniam 
Cogemus  ad  angariam, 
Cum  tollet  pacis  visio, 
Quae  peperit  confusio. 

35,  1  Jam  non. 


aaO  GALLUS     ET    VULPUS. 


38.  ScripUiin  de  sterquilinio 
Scinnis  in  evangelio, 
Qnocl  vinitor  ficnlneani 
Inde  fecit  fructiferam. 

39.  Securim  namque  dominus 
Aptans  illi   radicitus 
Succidi  hanc  imperilat, 
Dicens  :    cur    terram  occupal  ":* 

40.  At   ille    stalim   impelrat, 
Ne  ficus    adhuc    corruat, 
Donec  aplaret   sarculo 
Et  impinguaret    cophino. 

41.  Unde  per  fimi  sfercora 
Signalur  poenilentia, 
Quibus  peccator  sterilis 
Sese  foetere  couspicit. 

42.  Nam  pravus  quis ,  cum  resipit, 
Mala  quae  fecit    aspicit, 
Alque  pinguescit  lletibus 

Ab    scelerum  stercoi'ibus. 

43.  Desuper  quoruni    cumulum 
Componens  slratum  solidum 

Jam  priscam  vitam  subigit 
Et  altius  se    subrigit. 

44.  Et  quia  corde   lacero 
Praecessit    lameutatio, 
Jamjam  plaudit  in  carmine 
Hiezechielis  ordine. 

45.  Quam  ob  rem  non  incongrue 
Notavimus  in  capite 
Stantem  gallum    iu    stercore 
Alis  perciissis   canere. 


41,  4  sese  fetore         4?,  4  percussiini 


GALLUS    ET     VULPES.  351 


46.  Priusquam  nxinc    subjiclani 
Juxla  voceni  proplielicanij 
Quia   iimuni  descripsimus, 
Non   gallum    praeleribimus. 

47.  Per  gallum   decenlissime 
Doclores  subintellige, 

Qui    voce,    geslis   clamitanl, 
Audilores    ne    torpeant. 

48.  Se  ipsum  prius  exejil, 
Duni    latus  alis  perculil, 
Ut  ipse  primum  sential, 
Quo   subditis    annuntiat. 

49.  Edit  voces  produciiles 
Nocte,  cum  stertunt  Iiomines, 
Nam   opus  est  clamoribus, 
Coecanlur  dum    erroribus. 

50.  Sub  lucem  crebro  perstrepit, 
Signans  horam  judicii, 

In    qua  uox  hujus  seculi 
Perhenne  mane    deperit, 

51.  Voce  cum   sic  circumtonat, 
Obsurdescentes   fuhninat, 
Suo   monens    hortaminc, 

Jam  nos  de   sonino  surgere. 

52.  Non  est   res    incredibilis, 
Doctores  posso  fieri 
Divinis  juvaminibus 
SoUitos  a    criminibus. 

53.  Ktenim   post  aj)Oslolos 
Praedicatores    inclilos 
Errorum  coeno    felida 
l^lmisit  idolalria. 

54.  Quos  sal    salvator  nominat 
Loquela  narraus    lipica, 


352  GALLUS    ET    V  U  L  P  E  S. 

Quod  si  sal  evamierit, 
Qiio  condiatur  deerit. 

55.  Valemus  liinc  perpendere, 
Hos  posse  fatuescere, 

Ut  per  inanem  gloriam 
In   os  ruant  LeviatLan. 

56.  In   fabula  descripsimus, 
Gallum    ferri  verticibus, 
Deiu   clausis   luminibus 
Immersum  vulpis  faucibus. 

57.  Siguatur  in  vulpecula 
Insidialor  Satlianas, 

Qui,    quos  nequit  poteutia, 
Supplantat  fraudulentia. 

58.  Hic  gallo   dampnatiliam 
Suadet  primo  jactantiam, 
Post  per   rotatus  inpios 
Ejus  obvelat  oculos. 

59.  'Nani  inpii,'   psalmigrapluis, 
*AmbuIant  iu  circuitu, 

Et  obscurantur  oculi, 
Ne  videant,'  subintulit. 

60.  Ecce  vae,  quod  promisinius, 
Quodammodo  nunc  panditur, 
Nam  carmen  post  laelificum 
Homo  cadit  in  baratrum. 

61.  Sed  ante  quam    inferius 
Deglutiatur    penitus, 
Divinam    per    clementiam 
Exit  ora  Leviathan. 

62.  Cujus  maxillam  perforat 
Ille  qui  hamo  straugulat, 
A  cujus  saevis  dentibus 
Pelrus  nesator    trahitur. 


GALLUS    BT    VULPES.  353 

63.  Galluni,  ut  ait  fabula, 
Deposuit  vulpecula, 

Et    sic    dicebat   populor 
*]Meum,  uon  vestruin  aufero.' 

64.  Gentiiitas    niiserrima 
Sathanae  quoudam    tradila 
Praemagnis  a    doctoribus 
Revocabatur  vocibus. 

65.  Quos  contra  sathan   substitit, 
Et    praedam  quasi  posuit, 
Quando  lotam  seutentiam 
Relorsit  ad    ecclesiam, 

66.  Se   blandum  illis  praebuit 
Lacerent[ur]  ut  inviti, 
Adversus  hanc  iiifremuit 
Conquei*ens,   suos  substrahi. 

67.  Hinc  veVbum  dei  audiens 
Et  se    ipsam   discutiens 
Genlilitas  ingemuit, 
Praedam   fuisse   daemonis. 

68.  Slatim   alis  perslrepuit, 
Leviathan  deseruit, 
Volis  volans    ad  supera, 
Nativum  locum   vendicat. 

69.  Nec  mirum ,  si  per  alitem 
Figuram   feci  duplicem, 

Ut  nunc  desiguet  populum, 
Et  nunc  doctorum    cuneum. 

70.  Nam  membra  sunt  ecclesiae, 
Quae  gaudet  Christo    capite, 
Doctores  nam  cum  populo 
Unum  corpus  iu  domino. 


66,  2    die  hs.  Iiat  unverstandlich :    lacerent  ut  invitiis. 

23 


354  U  N  I  B  O  S. 

71.     Sed   eadein  liaec  fabula, 

Pro  parte  placet  ullinia, 

Qua  gallus  et  vulpecula 

Utuntur   vera    clausula. 
72.     Haec  linguam  damuat  perpete, 

llle  pupillam  sopilem. 

Sicque  certa   sententia 

Claudltur  tota  fabula. 
Aus  der  briisseler  hs.  8142,  worin  die  ecbasis  stelit, 
fol.  172,  wahrsclieinlicli  aucli  im  eilften  jb.  gedichtet. 
JLs  ist  eine  der  gaugbarstcn  und  jilleslen  thierfabehi,  im 
Renait  und  Reinhart  viel  friscber  erziihh ,  als  iu  die- 
sen  lateinischen  versen ,  in  nocli  aUeren  hexamelern 
(Reinh.  420)  diirfliger,  und  vom  wolf  und  hahn.  am 
uachslen  steht  die  prosa  einer  extravagante  (Reinh.  421), 
iind  auch  die  breite,  mystisclie  auslegung  stimmt  ganz 
zu  dem  vortrag  dieser  letzten  erz"ahkingsart.  Bemer- 
kenswerth  die  eigne  redensart  'lurbine  wanJalico  lor- 
jium  miscere'  (6,  3),  im  wirbelkreis  (vertigo)?  vou  wan- 
deln ,  vertere ,  ohne  bezug  auf  die  Vandalen. 


VERSUS  DE  UISIBOVE. 

1.  Jiebus  conspectis  seculi 
Non  satiautur  oculi, 
Aures  sunt  in  hominibus 
Amicae  novitatibus. 

2.  Ad  mensam  magni  principis 
Est  rumor  unius  bovis, 
Praesentalur  ut   fabiila 

Per  verba  jocularia. 

3.  Fiunt  cibis   convivia, 
Sed  verbis  exercitia. 


U  N  I B  O  S.  355 


In   personarum  tlraniate 
IJno   cantemus  de  bove. 

4.  Natis  nalus  ridicuhs 
Est  rusticiis   de  rusticls; 
Natura  fecit  honiinem, 
Sed   forluna  niirabilem. 

5.  Gravis  fati  conimercio 
Boves  emit  pauper  homo, 
Sub  exemplis  agricolae 
Terram  laborat  scindere. 

6.  Evenlus  per  horribiies 
Nunquam  ducit  duos  boves, 
Nec  simul  pungit  stimulo 
Nec  uno  ponit  sub  jugo. 

7.  Frustra  fortunam  vincere 
Sua  certat  pauperie, 
Duro  fatorum  staniine 
Boves  perdit  assidue. 

8.  Seqiiax  unius  fit  bovis, 
Excoriatis    reliquis, 

A  vicinis  deluditur: 
Unus  bos  miser  dicitur, 

9.  Tristis  sors  mugientium 
Bovem  rapit  novissimum, 
Jam  res  minor  fit  elegi 
Egestate  vocabuli. 

10.  Exinanito  nomine, 
Evacuato   bostare, 
Tergus  disponit  vendere 
Denudato  cadavere. 

11.  Corpus  lioquit  quadrivio, 
Sumpto  bovis  amphibalo, 

12,  2     pestera 


23 


355  U  N  I  B  ()  S. 

Siiper  jumenti  selliilani 
Ponit  vitae  fiduciani. 

12.  Ad  foruni    postlimlnii 
Bovis  fert  pellem  morlui, 
Non  tardat  se  per  sanctas 
Dum   festinat  ad  uundinas. 

13.  Sed   ut  intrat  emporium 
Facit  venale  corium, 
Quod   putat  niagni    prelii 
Sicul  decorem  pallii. 

14.  Parlicipes  commercii 
Capacitatem  corii 
Pedum  mensurant  terminis 
Sutorum  testimoniis. 

15.  Unibovem    nullus  juvat, 
Solus  pellem   magnificat, 
Pro  nummis  octo  tunicam 
Bovis   largitur  sordidam. 

16.  Post  expletum   commercium 
Ascendit  jumentum  suum, 
Distento  ventre  turgidum, 
Retrorsum  verlendo  gradun». 

17.  Unum   habens  argenteum 
Intrat  lucum  frondiferum, 

Qui  dum  ventris  purgat  limum 
Nummatum  trahit  meritum. 

18.  Anum   dum  cerlat  tergere, 
Herbam  festinat  rumpere, 
Sed  herbam  vellens  repperit 
Quod   gens  avara  diligit. 

19.  De  uummis  tres  sextarios 
INlox  offendit  absconditos, 
Quos  in  flaccenti  sacculo 
Ponit  mox  facto  turgido. 


U  N  I  B  O  S.  357 

20.  Super  jumentuni  coucilus 
Totis  inipoiiit  viribus 
Casu  repertas   vir  opes, 
Ad   paternas   redit  lares. 

21.  Keversus  saccuni  disligat, 
Infanteni  stultus  advocat, 
Queni  niillit  pro  sexlario 
Praeposili  justissimo. 

22.  Quaerit   puer   sextariuin, 
Praeposilus  orficluni, 
Paiidit  puer  negoliuni 
Nimis  siinplex  argenleuni. 

23.  Largitur  vas  praeposilus, 
lufanli  doiians  ocius: 
Unibovein  paupei  rlinuni 
Stupet  factum  ditissimum. 

24.  Post   terguin  vadit  pueri 
Ferentis  lancem  trilici, 
Massam  videl  argenteam, 
Fumosam  duiu  lustrat  duniain. 

2.5.     Nummoruni  visis  montibus 
Dicit  complosis  maulbus: 
'Hujus   egeni  gaudium 
Est   furlum  ,  noii  coinmercium. 

26.  ]Non   est  in  musac  caesaruin. 
Nec  corbanan  poullficum 
Argeuti  tautum  pretium, 
Quantum  teglt  tugurium.' 

27.  Irritalus  praeposito 
Respondet  valde  llvido: 
'Nou  est  lioc  furlum  noctium, 
Sed  corii  comuiercium. 

2T,  3     iiatlitdiebslal ,  RA.  637;    oder  zii   lesea  iioxiiu»? 
(Jotli  6.   13S,  4. 


358  UNIBOS. 

28.  Posl  hwjus  regni  lernutuiiu 
Sollenipne  fit  emporium, 
Dum  data  bovis  tunica 
Argenti  ridet  copia. 

29.  Non  est  niercalum  simile 
Slcut  de  bovis   lergore, 
Exemplum   de  me  paupere 
Si  vis  tenere ,  suscipe.' 

30.  Post   haec  ministri  pitblico 
Conveniuut  in  trivio  : 
Villae  major ,   praepositus, 
Templi  sacerdos   inclilus. 

31.  Oeconomus  attonitus 
Suis  refert  comitibus 
Famani  novi   conunercii, 
Unius   quaestum  corii. 

32.  Tunc   gavisus  praeposilus 
Faclus   tantis   rumoribus 
Profunda  dal  suspiria. 
Cum  poinpa  dicens  talia: 

33.  'Vobis  dicam   miracuhim, 
Revehibo  prodigium, 
Aperiam  consilium 
Celandum  sahibeiTimum. 

34.  Si   vuhis  esse  diviles, 
Si  fortuuati,    comites, 
Quae  sum  facturus  facile 
Sequenda  nunc  perpendite. 

35.  A  nostris  tabernacuh's 
Onuiis   fortuna   slerihs 
Discedet   per  commercium 
Commercioruin   niaxlnuim. 

36.  Est  mercandi  feHciias, 
Quam  transmisil  divinitas, 


U  N  I B  O  S.  359 


I3e  vitiiloruHi   coriis, 
De  vitiilarum  spoliis. 

37.  Hic  noster  pauper  unibos 
Habet    nuillos  denarios, 
Quos   non  niensurat  nuiiiero, 
Sed  ferralo  sextario. 

38.  Kst  fortiinalus  siil)ito 
Lnius   pellis  pretio, 
Quam  vendidit  in   proximo, 
Eventu    felicissimo. 

3'J.     Non  est   opus  sub  inibribns 
Arare  nobis  amplius, 
Si   piobatis  una  die 
Locupletem  de  paiipere. 

40.  Sed   quod  naiTO  coinniercium 
Occultum  sit  per  triduiim; 

Si  trapezelae  saperent, 
Argentum  niinquani   tuiulerenl. 

41.  Est  facta  deinonslratio 
Commercii  de  commodo ; 
Fiat  deliberalio, 

Quid  nobis  sit  in  aniino:*' 

42.  Ad   liaec  suspirans  presbyter 
Prior   lespondit  impiger, 
Pleiuis  novae  laeliliae 
Plusquam  possit  ostendere. 

43.  Si  imitarelur  unibovem, 
Uxor,  quam  duxi  nobileiii, 
Pro  tanti  lucri   spe  bona 
IMox  carei'et  pellicula.  , 

44.  Mox   major  villae   tertius, 
Ilabeiidi  ciii   non   est  niodus, 
Quae  coiicepil  ex  fabiila 
Eructavit  prodigia : 


360  U  N  I  B  O  S. 

45.  'Per  isliim  jiiro   baciiliiin, 
Per  corpiis   lioc  perspicuiim, 
Si  ruminant  diluculo 

JNIei  boves  in   stabulol' 

46.  Dextras  furlivo   foedere 
Vicisslni  certant  tangere, 
Ut  clam  boves  excerebrent, 
Inlerfeclos  excorient. 

47.  Firmati  per  slulliliam 
Procedunt  ad  insaniam, 
IMactant  boves  crudeliler, 
Excoriantes  acriter. 

48.  Suspeudunt  cariies  trabibus, 
Pelles  laxant  in  curribus 
Quietae  noctis  lempore 
Petunt  mercalum   Iransfugae. 

49.  Plauslra  pelles  vehenlia 
Locant  sub  arrogantia 
In  inercali  confinio 
Inani  pleni  somnio. 

50.  Respectum    per   silenlia 
Vibrant  per  fori  stadia, 
luterpretari  sub  prece 
Sperant  a  niullitudiue. 

51.  Vulgus  Iransit,    vulgus  redif, 
Nullus  sub  cura  consulit, 
Non  est  qui  quaerat  cupide 
Commercium  de  tergore. 

52.  Post  intervalla  temporum 
Major,   tenendo  stimulum, 
Clamat   in  rauco  gulture 
'Quis  vult  has  pelles   emere?' 

53.  Assunt  sutorcs  sordidi, 
Quibus  siinl  septem  solidi, 


UNIBOS.  861 


Qiiibus  placel   coemplio 
Uno  signalo  corio. 

54.  Dicit  sulor  ^qiianluni  dabo 
Hoc  pro  bovino  corioi" 
Responclit  major  subilo: 
'Tres   libras  da  conlinuo!' 

55.  Sulor  iiiquit  'es  ebrius,' 
JVlajor  ait  'suni   faluus, 
De   Irlbus  libris  niiniinuin 
Non    diinillam   denariuiii.' 

56.  Tuuc  inlit  sutor   setifcr : 
'Si  dicis  joculariler,' 

E  contra  niajor  soinnifer 
Tres  libras  clamat  firniiter. 

57.  Vulgaris  aniniiralio 
Sonoro   niox  fil  in   foro 
Est  vulgus  in  spectaculiSf 
Reliclis  nieicimoniis. 

58.  Ira    coiniiiolus  presbyler 
Majori   dicit  duriter  : 
'Insulse,  nescis  vendere 
Quod   praesentas  liic  publice. 

59.  Hac  liasta  discerno  nieum 
Triuni    librarum  coriuni ; 
Solve,  sutor,  marsuppium, 
Audisli  lixuin   numerum.' 

60.  Quam  mensuram  conimercii 
Profert  sensus   presbyleri, 
Sutor  subinfert :    'stullior 
Non   est  in  terra  vendilor. 

61.  De  qua  sint  lii    proviuciai' 
Dicaiit  Ires  in   praesenlia, 
Qui  putant   boum   tergora 
Diviliarum  niaxima. 


362  U  N I B  O  S. 

62.  Decem   iiiimmoruni  coruiin 
Ad  niagiium   levaiit  pretiuni 
Nudis  planlis  incedite 
Hujus  coloni  palriael' 

63.  Allernat  ex  obprobriis 
Utraque  pars  sub  jurgiis, 
Sutorum  congregatio 
Iralo   crescit  animo. 

64.  Ducuntur  a  lictoribus, 
Praesenlanlur  judicibus, 
Vendunlur  exattoribus, 
Corripiunlur  legibus. 

65.  Reddunt  per  vadimoniuin 
Convenlioiiem   lergorum, 
Quam   posuerunt  in   foro 
Lnibovis  consilio. 

66.  Persolvunt  legis   debila, 
Reverluntur  ad   propria, 
Exbauslis  in   marsuppiis 
Otiosis   in  curriculis. 

67.  Deyudali  pecunia, 
Arniati   tres  moeslilia, 
Conanlur  inlerficere 
Unibovem  ineridie. 

68.  Infra  coeli  tenloria 
Non  suiit  audila  talia, 
Quae  perpetravit  unibos, 
Ut  sedaret  stullissimos. 

69.  Versutus   miles  reildidil, 
Lit  tres  iratos  respicil, 
Insaniam   prudenlia. 
Respoudenl   per  ludibriu, 

69,  3     iiisauia.  70,  i     tiiictain 


UMBOS.  363 


70.  Mori  diiin  Ireineiis  .lestiinat, 
Occasiouem  simiilat, 
INIorteni  piiigens  in  conjuge 
Tiucla  suilio  sanguine. 

71.  Uxor  dolosi  sub   dolo 
Strata  jacet  tugurio, 
Quasi  sit  vere  niorlua, 
Occisa  sponsi  dextera. 

72.  Cadaver   foeduin  sanguine 
Corpus   apparet   feniinae. 
Crudeles  niansuescere 
Incipiunt  pro  criniine. 

73.  Qui  venerant  occidere, 
Certant  percussani  plaugere, 
lucrepantes  uuibovem, 
Flendo  mactatam  conjugeni. 

74.  Simul  diciint  ferociter : 
'Heus,   insensate  compaler, 
Qua  causa   tu  durissima 
Perpetrasti  facinora? 

75.  Confusionis   trux   faber 
Nos  seduxisli  nequilei-, 
Ut  mercatum  probavimus 
ISIortem  tuam  tractaviinus. 

76.  JMagnum  damnum,  stultissime, 
Adquisisti  de  conjuge : 

Non  est  culpa   mediocris 
Vitam  fugasse  conjugis.' 

77.  Inquil  securiis  uiiibos, 
Magis  seducens  tres   viros : 
'Mirabile   (lagitium 
Perpetravi   per  gladium. 

78.  Si  mecum   pacem   facilis, 
Si  cordis  iram  rumpitis. 


364  U  N  r  B  O  S. 

Vivain   cilo   videbilis, 
Interfectam  qiiam  cernili?.' 

79.  Tiat ,    fiat'  hilariter 
Diciint  seducti  pariter, 
'Repellimus  a  pectore 
Testes  iuimicitiae.' 

80.  Dum  sic  perpendit  unibos 
Loqui  tres  adversarios, 
Ad    cistam    currit  lignearn, 
Suniens  salignam  bucinain. 

8[.     Lustrat  cadaver  conjugis, 
Sub   testibus  erroneis, 
Bis  lustrat,  saepe  bucinaL 
Horam  surgendi  |5raedicat. 

82.  Lustralione  tertia, 
Tanquam  virlule    niistica, 
Dum  nomen  sponsae  noininat 
Quiescentem  resuscitat. 

83.  Exurgens  uxor  impelu 
Astat  deformis  liabitu, 
Jubetur   ab  unibove, 

Ut  se  mundet  a  sanguine. 

84.  Confestim  lola  facie 
Induta  meliuscule 
Apparet   speciosior, 
Vultu  mundato   pulcbrior. 

85.  Seducti  per  unibovem 
INlirautur  pulchritudineni 
Resuscitatae   feminae, 
Slupentes    illam    plaudere. 

86.  Dicunt  suppressis  vocibus  : 
'JNunquam  tam   pulchram   Niilinius 


80,  3     a  derstam  curriit 


II  N  I  B  O  S  365 


Isliiis  forinam  femiiiae, 
Qiiae  siirrexit  in  hac  die. 

87.  Ante  mortem  tiirpis  fuit, 
De  morle  pulclira  rediit; 
Felix  mors  quae  pulchrificat 

88.  Quam   felix  sonus   bucinae, 
Qua  reiiovanlur  velulae. 
Sponsae  nostrae  decrepitae 
Pro  mullo  fiunt  tempore. 

89.  Si  nos  divina  gratia 
Honoraret  hac  bucina, 
Occideremus  conjuges, 
Prae  rugis  execrabilcs. 

90.  Precemur   unibovem, 

Ut  nobis  praestet  ad  vicem, 
Vel  ut  vendat  hanc  bucinam, 
Quae  turpem  tollit  maculam. 

91.  Tubam  certemus  emere, 
Ut  sponsas  interficere 
Uno  possimus  tempore 
Ornandas   j)ulchriludine. 

92.  Cum  resonabit  bucina 
Fugabitur  mors  aspera, 
Sicut  in   hoc  probavimus 
Examine,  quod  vidimus. 

93.  Facturi  siimus  alteras 
De  redivivis  niiptias, 
Offeramus   pecuniam 

Ut  uobis  vendat  bucinam.' 

94.  Oblato  magno  munere 
Tubam  merentur  emere. 

92,  3     in  hac.  92,  4     quam 


366  U  N  I  B  O  S. 

Posl  comparatain  bucinam 
Verluntiir  in  insaniani. 

95.  Duobus  dicit  presbyter: 
'Oro ,  precor  sollenipniter, 
Ut  prinius  interficiam 
Sponsam  mihi  carissimam. 

96.  En  praesletur  gratissima 
IVlihi  yitalis   bucina. 
]Minoi'abo  per  jugulum 
Presbylerissae  senium. 

97.  Posl  me  secundus  bucinam 
Assuniet  saluberrimam, 
Qui  prior  suam  feminam 
Occidet  sicut  vitulam.' 

98.  Petitiones  annuunt 
Sacerdotis  ,  quem   diiigunt, 
Ut  occidat,  ut  jugulet, 

Ut  occisam  resuscitet. 

99.  It  sacerdos  cum  bucina 
Armatus  ex  insania, 
INIoriturae  dat  basia, 
Stricta  coma  feminea. 

100.  CultelUim  monslrat  presbyter, 
Ridendo  dicit  mulier: 

'Quid  vultis,  care,  facere? 
Nolile  dure  facere.' 

101.  Sacerdos  ait  letifer: 
'Te  jugulabo  dulciter, 
In  juvenili  corpore 
Resurges  voce  bucinae.' 

102.  Solum  vae!  clamat  femina, 
Percussa  jacet  mortua. 
Stultus   paterfamilias 
Exclamat  deo  gralias. 


U  N 1  B  O  S.  367 


103.  Apponit  ori  biicinain 
Siifllat  per  arrogantiam ; 
Diim  ler  jacentem  circiilt, 
Obscoenis  verbis  arguit. 

104.  '0   simulatrix  callida, 
Surge  dolosa  simia ! 
Petulca  sicut  aslna, 
Leva  caput  de  buclna!* 

105.  Audilis  his  clamoribus 
Ameiis  suam  praepositus 
Festinat  inlerficere 

Sub  spe  vitalis  buclnae. 

106.  Ad  orbatum  presbyterum 
Venlt  post  Iiomicidium, 
Ut  sibi  praestet  bucinam 
Qua  suscitet  praeposltam. 

107.  Tandem  recepta  bucina 
Sacerdolem  de  femlna 
Interrogat  jam  mortua, 
Si  surrexit  juveucula? 

108.  Interroganti  dicitur : 
'Hecate  non  vldebitur, 
Donec  linien  ecclesiae 
Tua  pelet  cum   conjuge!' 

109.  Sponsaecida  praepositus 
Privatus   nienlis  sensibus 
Ad  domum  portat  proprlam 
Seductionis  bucinam. 

110.  Nunquam  sacerdos  alius 
Moestis  tubae  mugltibus 
Bucinavit  profundius 
Quam  fatuus  praeposltus. 


107,  3     iia  mortiia 


368  UNIBOS. 

111.  Quaiituiii  lubae  concavitas 
Tanluin  prodest  ventosilas; 
Ut  revixit  presbylera 

Sic  surrexit  praeposita. 

112.  INIajor  villae  non  est  ininor 
In  reatu ,   si  tarcUor, 

Qui  sponsae  vitam   dissipat, 
Qui  bucinat,   non   suscitat. 

113.  Tres  gebulae,  tres  niortuae 
Praesentautur    ecclesiae, 
Orlo  tristi  diluculo 

Cuni  lugubri  sjjectaculo. 

114.  Sponsoruni  sub    insania 
Infossantur  cadavera, 
Tres  occultanlur  conjuges 
Per  threnos  lamentabiles. 

115.  Discedentes  a  tumulis 
In  profuudis  suspiriis 
Ti'es  susurrant  ad  inviceni : 
'Occidamus  unibovem! 

116.  Qui  gazas  nostras  sustulit, 
Suis  verbis   nos  tradidit, 
Dum   dixit  juvenescere 
Anus  mugitu    bucinae. 

117.  Auctor  tanti  periculi 

_      A  nobis  possit  conteri, 
Ejus  invadat  verticem 
Amara    mors  ignobilem!' 

118.  Mentis  commoti  fluctibus 
Ad  arina  currunt  protinus, 
Artificem  versutiae 
Occisuri  durissime. 


113     neben  gebulae  stelit  ein  f. 


U  N  I  B  O  S.  369 


119.  Calliditas  unibovis, 
Plena  multis  ingeniis, 
Siiperavit    jactantiani 
Trium  virorum    fervitlam. 

120.  Ad  suos  currit  luiibos, 
Quondam  pauper,    denarios, 
Massam   de  nummis  accipit, 
Armatos  liostes  decipit. 

121.  lu|uam  traliit  de  stabulo, 
Caudam  levat  plus  solilo, 
In   nalurae   foramine 
Niunmos   certat  immergere. 

122.  In  medio   lugurio 
Equae   formalur  statio, 
]\Iox[que]  jumenlo  candidum 
Expandit  imum  linteum. 

123.  In  foribus   tugurii 
Adsunt  tres  adversarii, 
Dum   miuanlur  unibovem 
Causam  vident  mirabilem. 

124.  Tres  stant  in  domus  limine 
Volentes  interficere 
Unibovem ,    sed  non  valent, 
De  novo   facto  dum  stupent. 

125.  Observantes    officium 
Unibovis  argcnteum, 

Qui  costas    equae   dum  fricat, 
Partum   nummorum   provocat. 

126.  Exclamant:    'quid  est,  unibos? 
Quod  jumentinn    denarios. 
Aperte  tibi   parturit 

Miram   causam  nobis  parit.' 

127.  Caude  respondet  unibos; 
'Videlis  hos    denarios? 

24 


370  U  N  I  B  O  S. 

Fundit  immnios  liujiis  equae 
Venter  pro  vili  stercore. 

128.  Per  noctes  equa  singulas 
Tales  iactat  pecunias, 
Ops  regina  pecuniae 
Ani  sedet  foramine.' 

129.  Repente  visis  talibus, 
Auditis  liis  sern»onibns, 
Hostes  irani  reiciunt, 
Unibovi  sic  inquiunl: 

130.  'Si  de   forluna  gaudeas, 
Vende  nobis  lioc  animal : 
Deponenuis  tres  odiuni, 
Si  comparamus  turgidum.' 

131.  Vestilus  teclinis  iinibos 
Ad  Ires  hoc  dicit  socios : 
Non  est  hanc  dare  facile 
Genitricem  pecuniae. 

132.  Hujus     sub  pelle  bestiae 
Arca  latet  laetitiae; 

Nou  est  haec  vilis  bestia 
Quae  tanta  parit    munera,' 

133.  *Si  de  tua  subslantia 
Tua  laetetur  anima.' 
llli  dicunt,    'carissime, 

Ne  differas  hanc  vendere.' 

134.  Versipellis  unibos 

Ad  brufos  dicit  tres  viros: 
'Jumentum  vendam  nobile, 
Sed   non  pro  parvo  munere. 

135.  Vos  vidislis,   quid  peperit, 
Cognoscitis,  quid  hic  pluit; 

128,  3  obs. 


UNIBOS.  371 


Si  nummoruin  lalibiilum 
Vultis,  conferle  pretium, 

136.  Sed  ut   silis  benivoli, 
Conferle  libras    quiudeclm. 
Plures  in  brevi  tempore 
Libras  reddet  pro  stercore.' 

137.  Tres  illi    libras  quindecim 
Ut  persolvunl   unibovi,   • 
Equam   ducunt    ligamine 
Cuslodienles   cupide. 

138.  Feslinus  inquit  presbiler: 
'Audile  nie,  sicut    decet, 
Jumenlum  volo  ducere 

Ad  stabulum  domus  ineae. 

139.  Quia   primus    ecclesia, 
Sum  primus  in  cuslodia, 
Diluculo    recolligam 
Quam  donavi    pecuniam. 

140.  Sit  prima  nox   presbileri, 
Secunda  sit  praepositi, 
Majoris  nox  sit  terlia 

'Sub    aequilalis  trulina.' 

141.  'Fiat,'  dixit  praepositus^ 
'Sit,'  dicit  major  lertius, 
'Haec  est  iiostra  concordia, 
Sub  mili    patientia.' 

142.  Equam    procurat  presbiler 
Daiis  hordeum  celeriter, 
Per  nocturnas    vigilias 
Equae  praebet  auriculas. 

143.  Facto  tamen   diluculo 
Sacerdos  a  praesepio 
Commuuem   traliit  besliam, 
Ut  deponat  pecuniam. 


24* 


372  U  N  I  B  O  S. 

144.  Illa  piilans  ad  aralriim 
Deduci  sibi  cogniliini. 

Sub  cauda    laxat  S([uibulas, 
Sicut  solet ,    foedissinias. 

145.  Duni  slercoris  (juassalio 
Audilur  a    presbilero, 
jNuinnios  pulat  procedere 
Ex  alvo  brulae  bestiae. 

146.  Claniat    sacerdos:    *pueri, 
Abscedile,    donieslici, 
Solus  nieani  recolligani 
Quani  donavi  pecuniani.' 

147.  Cuni  sacerdos  scruliniuni 
Per  Jinuini  facit  foetiduni, 
Ununi  iniinituin  rcpperit, 
Qiiod   feslinanler    accipit. 

14S.     Jumentuni,    cuin  sex  niensiuin 
Olini  fuisset  parvuluin, 
Vuluus  suscepit    stipite 
Ani  tenelli  limine. 

149.  Ibi  niinulum  substitit, 
In  cicatrice  laluit, 

Ecjua  cum  nunimos  reddidit, 
Quos   unibos  subintulit. 

150.  Illa  scrobs  illi  vulneris 
Invenienti  profuif, 

Dum   commovit  pecuniam 
In  clinus  hordeaceam. 

151.  Est   vulgare  proverbium  : 

*Quod   non  prosit  non    est   nialuni.' 
Ani  laesi  moleslia 
Presbilero  dat  gaudia. 

152.  Praepositus   per  studium 
Sacerdolis   pelit  donnim, 


U  M  B  O  S.  373 


Ruclalricem  pecuniae 
Certam  mane    requirere. 

153.  'Jimieutum  praesla,    presbilei-, 
Ex  una  uocle  locuples 
Manebis  omni  tempore 
Nummorum  muUitutliue.' 

154.  'Dedam  equam,    praeposite,' 
Dicit  sacerclos  lepide, 
'Intempestive  reddere 
Equam  me  cogis  hodie. 

155.  Aurorae  gallicinio 
Exierunt    ab  utero -■ 
]Male  cocli  dcnarii^cfB"' 
Recentes  hordeacei.' 

156.  Cum    inagnis   poteslatibus 
Equam  ducit  praepositus, 
Idem  tanien  quod  presbiter 
Praeter  minutam  possidet. 

157.  Jumentum  nocle  tertja 
Major  claudit  domo  sua, 
Reperlurus    dihiculo 
Quod  ferebal  in  angulo 

158.  Comedit  hordeaceum 
Equa  communis  pabuhun, 
Quae  stercus  foetoriferum 
Horis  conceplt  noctium. 

159.  Quid  sit  facturus   unibos 
Conlra  commotos  aemulos, 
Meditalur  iu  lectulo 
Frequenti  cum  suspirio. 

160.  Conveniunt  cum  turbine 
Ferraia  tres  in  acie. 


156;  1  potcntalibus. 


374  UNIBOS. 

Posl  nocluriiani  cariglneni 
Adeinites  unibovem. 

161.  Viri    claniant    Ires    pariter: 
'Exi  scelesle  fraudifer, 
Occidende  crudeliter 
INIactaberis  carnaliter.' 

162.  Rcspondet   adversariis 

Qui  quaerilur  sub   stipulis: 
'Praesto    sum  vester  unibos, 
Vos  nieos  dico    dominos. 

163.  Si   vultis  interficere 
Quem  quaeritis  durissime, 
Vobis  narrabo,    quomodo 
Perire  velim  subito. 

164.  Sunt  mortis  multa  genera, 
Unum  finem  dant    omuia; 
Ut  vobis  salisfaciam 
Modum  mortis  mox    ellgam. 

165.  Quae  mors  fiat  amarior 
Iq  mundo  sive    tristior, 
Nunquam  probastis,  dominJ, 
Nec  probetis,  dulcissimi. 

166.  Dicam  tamen  pacifice, 
Qua  ratione  perdere 
Me    possilis  in  hac  die 
Aul    cras  futuro    tempore. 

167.  Ligate  me  de  funibus, 
Aut  de  contortis  restibus, 
In    apotlieca  millite, 

In  qua  me  missum   claudite. 

168.  A  doctis  carpentariis 
Striugatur  tonna  circulis; 
Tonnam  cum  meo   corpore 
Ad  mare  magnum  volvite. 


U  N  I  B  O  S.  375 


169.  Ciim    tonna  nie    dimergile, 
Ad   abyssum  transmitlite ; 
Hac  arle  me    confuudile. 
Sic  peream  me   judice.' 

170.  'Fiat  tibi,'   tres  inquiunt, 
Hoc  mentes  uoslrae    cupiunt, 
Ut    tali  morte  pereas, 

A  nobis  ut    sic  exeas.' 

171.  Nectunt  loris   unibovem 
In  terra  delestabilem, 

Qui  poslquam  tonna   claudifur 
la  ripa  maris  sistilur. 

172.  Clausus  sic  fatur  unibos, 
Magis  seduceus  tres  viros: 
'Confileor  hic  bodie, 
Reclusus  sum   justissime. 

173.  In   agone  judicii 

Sic  constilulus  ultimi, 
Propler  diem  novissimum 
Deponite    nunc  odium. 

174.  Miser  nianus   erigere 

In  boc  non  possum  carcere, 
Heu ,  lunibos  vexant  brachia 
Per  maledicla  vincula. 

175.  Pietatis    viatico, 
Apothecae  sjiiraculo 
Meudacium  non  profero, 
Caritalem  pronuntio. 

176.  Bis   seni   sunl    denarii 
In  fundo  mei  loculi, 
Quos  bibite  ,  piissimi, 

Ad   honorem    summi   dei.' 

177.  Caritativus  presbiler 
Fatclur    temporaliler: 


376  UNIBOS. 

'Doiicc  blbanius  dulciter 
In    touna  dornii  dulciter.' 

178.  Tres    festinant  ad  pocula 
Bibiluri  prae  caniina 
Sedent.   loquuntur  ninuum^ 
Bibunt  viuum  clarissinuim. 

179.  Et   cuni  porcinis  gregibus, 
Sonore  grunuientibus» 
Subulcus  transit  pervius 
lu  pharetralis  renibus. 

180.  Dum  porcos  audit  unibos 
Tonnae    fricare   circulos, 
Exclamat :    'adversarii, 

Ah,    nou  suut  adhuc  ebrii  1* 

181.  Horret  subulcus  de  sono 
Unibovis  incognito, 

Vas  quernum  tangit  baculo 
Dicens    incluso    niisero : 

182.  'Pro  quo  clausus  es   crimine 
In  apotheca,    perdite?' 
Prompte  respondet  unibos: 
'Honores  nolo    maximos. 

183.  IIujus  coloni  patriae 
]Me  compellunt  cotidie, 
IMe  volentes  eflicere 
Praepositum  potentiae. 

184.  Ergo  nunquam  praepositus 
Ero  meis  aetatibus, 

ISam  sufTicit  quod  habeo 
Honores  regni  reuuo.' 

185.  Subulcus  inquit    cupidus: 
'j\le  decet    honor  maximus; 


178,  -1   vielleiclit  jiigitiiry         179,  2   sonoris   graniiientiiim. 


U  N  1  B  O  S.  377 


ligo    pro  te   praeposilus 
ElTlciar   dilissimus. 

186.  Conipulsus  sum  fataliler 
Apotliecam  tuam ,  miser, 
Hoc  fuste   meo  tangere, 
Certa  me   tonna  ponere.' 

187.  Subulcus  pellit  cixxulos, 
Multum  laetalur  uuibos. 
Aperitur  vas  ligneum. 

Fit  forluuae  commercium. 

188.  Eicilur,  dissolviiur, 
Festiuanter  dimittitur, 
Dui-is  fit  liber   vinculis 
Qui  jacuit  sub  circulis. 

189.  Subulcus  inlrat   concavum 
Vas,    aplans  corpus   proprium, 
Quasi  sentiret  lectulum 

De  Iloribus  conipositum. 

190.  Trux  vas  oblurat    unibos, 
Slrictim   repouit  circulos, 
Per  locos  transit  invios 
Ducens  porcos  pinguissimos. 

191.  Reversis  potaloribus, 
Tres,    de    potalionibus, 

Dum  volvunt  tonnam  in  mare 
Audet  subulcus    dicere : 

192.  *Fian),  fiam  praepositus, 
Sub  vestris  voluntatibus, 
IMaris  ne  jacter  fluctibus 

A   vobis  jam[jam]  domitus!' 

193.  Plenus  vino    praepositus 
In  indignalionibus 
Subulco  dixit  simplici : 

'Xon  esl  baec  vox  dulcis  milii. 


378  U  N  I  B  O  S. 

194.  Toiinani  certate   volvere, 
0  socii ,  certissime : 

Sit  Iluctuum    praepositus 
Hic  unibos  nequissinius.' 

195.  In  ponto  salso  mergilur, 
Apollieca  coUiditur, 
Subulcus  ,  heu,  conterilur, 
A  cunctis  obliviscilur. 

196.  Fatuilatis   divites 

Tres  persolvisse  compares 
Existimaut  novissinias 
Unibovis  exequias. 

197.  Post  liaec   in  die  lerlia, 
Sollempni  tamen  feria, 
Visitaturus    faluos 
Redit  magistros    unibos. 

198.  It  per  villae  quadrivium 
Tenens  in  dextra   baculum, 
Porcorum  multitudinem 
Deducens  ante  faciem. 

199.  Dislente  prudens  bucinat, 
Subulci  more    sibilat, 
Piufos  cum  furvis  convocat, 
Dente  laedentes  territat. 

200.  Qui  viderant  uuibovem, 
Ejus  dicebant  similem, 
De  quo  fama  volaverat, 
Quod  mortuus  jam  fuerat. 

201.      Nuntiatur    praeposito, 

Majori   cum   presbitero. 
Quod  unibos  revixerit, 
In  ponlo  qui    mersus    fuit. 
202.     Tros  illi  surgunt  slupidi, 
Famam  credcnles  somnii, 


UNiBOS.  379 


Suis   quassantcs  geuibus 
Subsellia  poplillbus. 

203.  Forniani  videnl   unibovis 
Poi'cini  duclriceni  gregis, 
Ipsuni  sed  esse  non  putant, 
Occidisse  putaverant. 

204.  Recognoscunt  uniboveni, 
Vident   porcorum  diviteni, 
Interrogant,  quis  dederit 
Tot  porcos ,    aut  vendiderit? 

205.  Respondet  'sub  prodigio 
Maris  praecipitalio ; 

Ad  regnuni  felicissinnim 
Fui  per  praecipilium. 

206.  Inde  nunquam  recederem, 
Si  non    amassem  conjngem, 
Quam  vidistis  resurgere 
Veracis  tubae  inurmure. 

207.  Non    fuit  culpa  bucinae 
Sed   bucinantis  pessime, 
Omnes  si  vestrae  feminae 
Modo  sterlunt  sub  pulvere. 

208.  Heu,    cur  in  pueritia 
Ble  non  jactaslis  ad  loca, 
Unde  felix  regredior, 
Revertor  eruditior? 

209.  INIe  jactastis  per  odium 
Ad  propitiatorium, 

Ubi  porcorum  sunt  greges 
Per  nullum  numerabiles.' 

210.  Sub   ammirationibus 
Prius  dicit  praepositus: 
'Nos  pernarum  spes  optima 
Monet  temptare    maria. 


380  U  N  J  B  O  S. 

211.  Me  qulsquis   eril    slullior 
Parebil'  diclt  stultior. 
Pelunt  fluctus  aequoreos, 
Post  quos  iucedit    iwubos. 

212.  IMoUis  niarini  personant, 
Grunnire  porcos  aestinmnt, 
Requirunt  ab   unibove, 
Qua  sint  porclnae  semilaei' 

213.  Sed  unibos  periculuin 
Dicens  designat  pessiniuni, 
Ubi  litus  esl  altius, 

Ubi  niare  profundius. 

214.  'Illuc    feslini    currile, 
Sine  melu    vos  mergite: 
Majores  porci    sunt  aquis, 
Quam  siut  in  terris  aridis.' 

215.  Unibovis  consiliis 

Tres  danl  se  praecipitiis, 
Sub  capitali    frenesi 
Per  saltum  stulte  morlui. 

216.  Inimici   consilia 

Non  sunl  credenda  subdola, 
Ostendit  ista  fabula 
Per  seculorum  secula. 


Im  briisseler  cod.  8176  bl.  38^-42^,  v,ie  niir  scheint, 
von  einer  liand  des  eilften  jb. ;  die  abschrift  verdanke  ich 
lierrn  Willems  zu  Gent.  das  gedicbt  kdnnle  schon  im 
zehnten  jh.  verfafst  sein,  ich  ghiube  jenseit  des  Rheins, 
M^age  aber  nicht  naher  iiu  bestinimen  ,  ob  in  Lothrin- 
gen,  den  Niederlanden ,  oder  wesllicher  in  Frankreich? 
certo  mit  deni  inf.  slimmt  ganz  zum  sprachgebrauch  der 
ecbasis:    46.  2.  73,    2.   91,  1.    121,  4.    186,   4.    194,   1. 


U  N  I  B  O  S.  381 

auch  IMaibod  de  gemmis  361  liut  cerlant  operire.  aiif- 
faileud  ist  das  haiifige  suh :  sub  exemplis  5,  3;  sub  ar- 
rogantia  49,  2;  sub  prece  50,  3;  sub  cura  51,  2;  sub 
dolo  71,  1;  sub  teslibus  81,  2;  sub  spe  105,4;  siib  in- 
sauia  114,  1;  sub  trulina  140,  4;  sub  patientia  141,  4; 
sub  volunlatibus  192,  2;  sub  prodigio  205,  1;  sub  am- 
miratiouibus  210,  1;  sub  frenesi  215,  3;  vgl.  simili  sub 
more  ecb.  697.  per  studium  (studiose)  152,  1;  per  odium 
(209,  1.)  mitlere  pro  sextario  21,  3,  nach  dem  sechler 
schicken  ,  Fromund  wiirde  sagen :  post  sexlarium  (oben 
s.  234.)  gehulae  113,1  sind  todtenbaliren ;  o^/r/fH/ag  142, 
4  pulvinaria ,  olirkissen  ,  franz.  oreillers ,  Ducange  hat 
auriculare,  auriculariuni  statt  dieses  auricuki.  tonna  168,2. 
180,  2  fiir  dolium  iindet  sich  oft,  z.  b.  Pertz  1,  504. 
apotheca  dasselbe  167,  3.  175,  2.  minutum  147,  3.  149, 
1  und  mimtta  156,  4  eine  kleine  miinze.  squihulae  144, 
3  slercus  ,  naviSulov i  gleichviel  scheiut  chnus  150,  4. 
hosiar  10,  2  locus  ubi  stant  boves,  bei  Isidorus;  x\bbo 
de  bell.  paris.  1,636  brauchl  das  worf.  zvvei  liebraische 
ausdriicke  sind  musac  26,  1  und  corhanan  26,  2.  jenesstelit 
auch  Ileinardus  4,  926  ;  corbanon,  corban  31atth.  27,,  6.  JNIarc. 
7,  11.  kgus  fiir  miser  9,  3  vvird  oft  von  Abbo  gesetzt  1, 
309.  367.  2,  91.  101.  trapezetae  wechsler  40,  3.  amphihahis 
11,  2   byrrhus,  lodix  villosus  ,  vou  ufUfi^SuXleiv. 

Zeit  uud  ort  der  abfassung  konnen  zwei  umslande 
beslimmen  lielfeu  ,  eiumal  ,  dafs  eiue  obrigkeitliche  per- 
sou  auflrilt ,  welche  major  vil/ae  heifst,  der  zum  zei- 
chen  seiner  wiirde  einen  stab  (baculus,  stimuhis  45,  1, 
52,  2)  fiihrt.  das  ist  der  villicus,  meier  oder  maire  RA. 
758  *),  verschieden  voni  praepositus  (183,  4  praepositus 
potentiae)  dem  sogeuanuteu  bajuhis  praepositus  (bailli.) 
Dann  dafs  der  presbyter   beweibt  ist  (43,   2),    was   auf 


•)  villicus  major ,   iii  eiiier    iirk.  von   1140  (Miraei  opp.  dipl. 
1,  688.) 


382  UNIBOS. 


(las  zelinle  und  elllfe  jh.  ganz  besonilers  pasl,  vgl.  oben 
s.  231  und  Sigebeiius  genibl.  ad  a.  1074:  'presbyteri 
conjugati,'  '^uxorali  sacerdotes  ab  officio  remoti';  j)af- 
feuesse,  presbytera  gl.  Jun.  302  ;  Reinh.  fiiclis  s.  CXLI. 
CXLII.  der  braucli  erstreckte  sicb  freilicli  bis  ins  zwolfte 
und  drelzehnte  jh.  Bemerkens^verth  scheint ,  dafs  der 
sauhirl  rtiit  einem  kocher  an  der  seite,  in  pharetratis  re- 
iiibus  (179,  4)  vorgestellt  wird,  wie  soust  jager  (ecb. 
333.)  auch  einen  stah  tragt  er  (181,  3,  198,  2)  und 
pfeift  die  heei'de    zusammeu   (199,  2.) 

Rumor  2,  2  driickt  gerade  wie  Rudl.  s.  235  und 
Isengr.  13  aus,  was  ein  deutscher  dichter  mccre  ge- 
nannt  hatte.  wirklich  ist  der  ganze  iuhalt  des  gedichts, 
im  eigentlichsten  siun ,  volks  und  hausmarchen ,  wieder 
eiu  wichtiges  zeuguis  fiir  die  lange  dauer  dieser  stolFe* 
"VVie  hier  der  Lnihos  drei  einfaltige  bewohner  seiues 
dorfs ,  die  noch  dazu  als  priester,  probst  und  meier 
vorgeslellt  werden ,  viermal  hintereinander ,  durch  ver- 
kaufle  ochsenhaute ,  seiue  aus  dem  tod  ins  leben  ge- 
blasene  frau,  eiu  pferd,  das  geld  von  sicU  geben  soll, 
endlich  den  see,  in  welchem  schvA'eiue  weiden  sollen, 
ergOtzIich  anfuhrt;  das  sind  schwauke  die  noch  heut- 
zutage  von  dem  hiirle,  vom  bauer  Kihitz ,  von  Fiuiscliki 
oder  unter  andern  namen  ,  im  eiuzelneu  vermehrf,  ver- 
miudert  und  verandert  umlaufen  (KJNI.  n°.  61)  und  ihr 
unverwiislliches  dasein  behaupten.  IManche  ziige  er- 
scheinen  nur  in  der  alten  erziihlung  vollstandiger  und 
genauer ;  schon  der  name  Einochs  iibertrift  die  spateren 
ich  mufs  das  geldmessen  mit  dem  geliehnen  sechter  (21. 
23.  37),  in  welchem  nun  eigeutlich  eiu  stiick  miinze 
stecken  bleiben  soUte,  liervorheben  ;  das  ist  in  melirere 
sageu  eingegaugen  (KIM.  n°.  142.  Olmars  harzsagen  s. 
236.  237.)  goldlegende  rosse ,  enten  und  hiiner  fiihren 
andere  marchen  ernsllich  ein.     Die  geldverleihende  kcini- 


N  A  C  H  T  R  A  G.  383 


giii    Ops  (128,  3)  hat    der  verfasser  eulweder  aus   Ovid 
oder  Macrobiiis. 


NACHTRAG. 

s.  55.  56.  die  handschriften  des  Walthariiis  vernielireii 
sich  noch  uin  zwei,  die  ich  K  und  L  bezeichne.  Iv 
ist  gleichfalls  zu  JVien ,  aber  von  D  verschieden,  in 
Endlichers  codd.  philol.  lat.  1,  108  nur  kurz  so  ver- 
zeichnet:  cod.  206  ol.  289  sec.  XII.  fol.  103-130 
Wallliarius.  inscriptio  et  subscriplio  nulla.  versus  ul- 
timus  deest.  Eine  vergleichung  soll  gelegentlich  nach- 
geh'efert  werden  zusauuiien  niit  der  des  briisse- 
ler   cod. 

L  zvvei  perganientblatler  der  leipziger  universilals- 
bibliothek,  aus  deni  13  jh.,  niitgetheilt  von  dr.  liCy- 
ser  in  dem  bericht  der  deutschen  gesellschaft  1837 
s.  41-46.  das  bruchstiick  enthalt  die  verse  143-213 
iind  351-414;  ich  bemerke  folgeude  lesarten:  147 
seria  161  an  medio  164  retrahunt  fuge  precantur 
165  propriam  temet  propriam  166  pannoniorum  175 
Ut  b.  confortet  179  consurgens  180  numerose  185 
liuc  undique  190  postremo  196  tunc  in  203  Pan- 
noniorum  205  Deicit  206  Donec  perciperet  sub  forle 
208  recavo  ductor  355  Vicos  effugiunt  361  salutant 
369  Ospirn  hiltegundem  370  defeneqiie  suelas  373 
pannonicas  374  Quod  dudum  jam  doniino  375  Ab- 
stulit  i.  d.  quam  376  veslri  379  Hiltigundemque  388 
dare  non  permiserat  391  Et  cum  nox  terris  dep. . .  . 
396  surrectus  397  in  urbem  406  hinc  iude  atque 
onerarem  (bei  diesem  vers  hole  ich  auch  aus  I  nach  : 
cjuidem  hinc  inde  onerarem)  407  vivo  413  tunc  ira- 
tum  presumeret 

s.  30  wollte  man  v.  811  vorschlagen  'loquerer  5/'  so 


384  N  A  C  H  T  R  A  G. 

aiiderle  das  neuerclings  den  wechsel  der  gesprache  imd 
ziige  andere  schwierigkeiten  nach  sich. 

s.  68.  das  sic  sic  1404  erinnert  an  dcn  vers  dcr  Hrosullh : 
Sic  sic   nioerenlis  tolo  conamine   cordis. 

s.  75.  parmas  pictas  Abbo  1,   119;  picta  scuta   1,  257. 

s.  97.  bei  Abbo  1,  129  fragt  eine  normannische  frau 
ihren   aus   dem  kanipf  entHohnen   niann  : 

Non  tibi  nunc  Cererem  vel  aprus  Bacchumque  lilavi? 
d.  li.  gab  ich  dir  nicht  brot,  fleisch  und  wein?  aper 
driickt  demnach   das   beliebte   fleisch  aus. 

s.  101.  um  so  eher  durfte  Wallher  von  der  i^ogeUveide 
anspielen  auf  Hildgund,  da  derialle  hekl  wahrend  seiner 
flucht  vogel  und  lische  fangt  (421.  422.)  die  scharf- 
sinnlge  vermutung  ist  von  Lucas  (iiber  den  krieg  von 
Warlburg  s.  229.)  wie  wenn  im  verlornen  deutsclien 
liede  bei  Walther  wirklich  der  ausdruck  vogehveide 
vorkame  und  sich  dann  nach  jener  anspiehuig  der 
beiname  des  spateren  siingers  iiberhaupt  erst  gebihlet 
lialle? 

s.  120  wegen  der  formen  Gisellier,  Walther  u.  s.  w. 
vgl.  Lachm.  zu  Nib.   118,  2. 

s.  121  bei  Hildgund  ist  doch  die  mehr  historische  lldico, 
Atlilas  gemahlin  ,    nicht  zu  iibersehn. 

s.  124.  Ermoldus  NigeUus  bei  Pertz  2,  517.  518  fiihrt 
den  JVasaciis  im  zweigespriich  mit  dem  Rhein  per- 
sunlicli  auf. 

s.  126.  in  IliJdgund  habe  icli  die  heldnische  siegsjung- 
frau  mlt  recht  anerkaunt.  wer  die  verschleduen  sa- 
gen  von  diesen  Ilildcny  Ilildgunden  und  Hildlmrgen  cr- 
wiigt ,  gewahrt  leiclit ,  dafs  sie  alle  enlfiibrt ,  und 
gegen  dle  verfolger  im  kampf  behauplet  werden.  der 
sieg  ist  durch  sie  an  die  geliebten  lieklen  im  voraus 
gefesselt.  ])esonders  gleichen  Hihle  und  Herbort  (^Vilk. 
saga  211-218)  unsrer  Hihlgund   und  Waltliern,  sogar 


NACHTRAG.  385 


das  wundeiiveibindeu  felilt  nitlil;  sonst  heifst  diese 
Hilde  aucli  Hildburg  (heldens.  134.)  auf  ihrem  haupt 
silzen  zwei  vogel,  deren  ausgebreitete  filtiche  die  son- 
nenstrahlen  abhalten  (Vilk.  saga  213);  selir  alter- 
thiinilich  ,  und  anf  ein  iibermenschiiclies  wesen  deu- 
tend.  Aber  die  altn.  Hildr,  welche  durcli  nachtliche 
lieder  die  erschlagnen  kampfer  weckt  (heldens.  s. 
328),  gemahnt  wieder  an  HiUlgund  ,  wenn  sie  in  der 
nacht  nach  dem  kampf  wacht  uud  singt  (Wallh. 
1180.  81),  und  das  mehrbesprochne  anfiigeu  der 
liaupter  an  die  leiclien  konnte  sich  in  alterer  iiber- 
lieferung  auf  eiu  solches  wiedererw^ecken  der  helden 
zu  erneutem  streit  beziehen ,  ob  es  schon  jetzt  Wal- 
ther  verrichlet,  slall  der  jungfrau.  in  der  thal  wird 
der  kanipf  am  andern  morgen  fortgesetzt.  der  uame 
Hcigni ,  Hagano  ist  beiden  sagen  gemein ,  wiewol  in 
abweichender  bezieluing.  Walthers  nachtlicher  ge- 
sang  wurde  s.  113  dem  des  Horaut  verglichen  ,  wel- 
clier  gerade  auch  in  die  sage  vou  Hilda  gehort  (hel- 
dens.  s.  329.)  * 

5.  163  V.  106  ist  zu  erganzen  [Protijnus  [hosj  sed  ad 
oder  lieber  [Fine  te]nus  sed  ad 

s.  170  V.57  und  77  siud  beide  lesarteu  der  hs.  zu 
schiitzen.  fumosa  kanu  die  verbreclioriu  reclit  wol 
heifsen  ,  sie  ist  gleichsam  vorher  schon  angcraucht  eli 
sie  iu  den  ofen  geschoben  wird.  Die  worle  nach 
vivere  si  vultis  scheinen  so  zu  verstehu  :  sed  tamen, 
quo  me  nou  debilitetis  salutis,  oro,  ut  mihi  tollatis 
nares.  Schm.  ich  hatte  islud  wegeu  des  gen.  salutis 
angebracht,  ohne  dafs  mir  das  folgende  non  debili- 
tatis  deutlich  war.  steht  bei  debilitare  der  gen.  der 
sache  (nach  deutscher  weise)  so  wiire  nun  der  sinn 
der  phrase:  verstiimmelt  midi  nicht  au  der  scehii 
heil,  sondern   am   leib.  Gr. 


386  IS  A  C  H  T  R  A  G. 


8.212.  tlies  lis  lis  lis  ii.  s.  w.  eriuiiert  aii  Reiuardiis 
1,  1167. 

s.  230.  iu  balaena  (Nvallfisch)  ist  die  ersle  silbe  aucli 
lang,  es  kouule  also  hier  eiu  aus  wallfischbeiu  gefer- 
tigtes  geralh  bedeuteu? 

s.  245   Y.  61  uioesti  fel    cordis.     Hrosuilh  : 

Felleque  phis  justo  cordis  succensus  amai^o. 

s.  251  V.  262  cocus  ahnus  scheint  beachlenswerlli ,  da 
dies  beiwort  soust  nur  konigeu  und  vornehmeu  herrn 
erlheilt  wird  und  fast  gleichbedeuleud  mif  sanclus  isl- 
das  hofamt  des  ineislerkochs,  (legalis  cocus  WaUli. 
438.  magister  cocoruiu  Heriger  7,  4,  coquorum  prae- 
posilus;  lex  Visigoth.  II.  4,  4,  altfranz,  graud  queu) 
etand  in  grofsem  ansehu  und  konutej  wie  hier  beiin 
igel,  mit  der  wiirde  eiues  priesters  verbuuden  wer- 
den,  der  widerspenslige  igel  wird  sogleich  iu  die 
kiiche  zum  bratspiefs  entsandt.  eben  lese  ich  (gcitt. 
anz.  1838,  502)  dafs  das  koptische  anire,  koch ,  frii- 
lier  priester  bedeutete. 

s.  269   v.  780.  auch  Hrosuilh  iu    der  historia    Oltonum: 
Ungitiir  iri    regem ,    Ciirislo  praestante,  poteutem. 

s.  276  V.  977  fF.   gemahut  an   Reiuardus   1,  745  iS. 

s,  285  v.  1216.  Herodes  nach  Luc.  13,  31,  wo  er  aber 
dem  fuchs  verglichen  wird. 

s.  287.  man  konnte  eibasis  auch  blofs  fiir  digressio, 
abschweifung,  excurs  nehiuen,  und  auf  die  ar- 
beit  des  dichters  statt  auf  eine  wirkliche  flucht 
beziehen. 

s.  288  itah  und  span.  bedeulet  discolo  niorosus,  idiota, 
illiteratus  ,    effreuis  ,    improbus. 

s.  294.  N.  Bth.  169  :  so  wio  geskribeu  si,  corpus  quod 
aggravat  animam    opprimit    sensum  nudta  cogitantem. 

8.  300  das  geschiift  der  biireu  :  ligna  ferant  ursi  v.  641 
erinnerl  au  das  carmen  de  sancto  Gallo  9,  5. 


NACHTRAG.  387 

s.  381  (Jie  zuni  pras.  gefiigleu  prat,  narres  (|iii(l  inandu- 
casses  Heriger  8,  6;  sperans  crevisse  Alverad  11.  6 
wie  Waltharius  8.  70  und  bei  Hrosuilh  (vorr.  s.  X); 
die  produclion  des  penult.  inulierum  wie  sonst  oft 
(vorr.  s.  XX.) 

s.  381.  Nilharts  lieder  lehren  uns  auch  unler  den  osl- 
reichischen  bauern  nieier.  Ben.  377.  390.  396,  442. 
444.  445. 


D  r  u  c  k  f  e  h  1  e  r. 


lies    s.  XXVl,  30  vorr. 

13, 

32  epulas  Pustquani 

15 

V.  361    saluteiit 

16 

V.  406  Et  tellnre 

19 

V.  48T  studebaf, 

29 

V.  770  et  niox 

V.  774  silvaiuis 

30 

V.  797  auctor. 

31 

V.  835  ignavum 

68 

zeile  19  liiiiter  zeile  20.                ** 

123, 

1 1   weidegras 

125, 

,  22  das 

134 

V.  27   Si  sic 

135 

V.  69  bene  facti. 

136 

V.  90  suminatum 

139 

V.  178  cum 

142 

V.  20  das  zweite   me  zu  tilgen. 

145 

V.  114  nequeat 

156 

V.  489  decet 

164 

V.  16  pernoctat  ibi  quidam  sunimus. 

V.  19  postquamque 

165 

V,  29  mecuin  post 

V.  30  Quod 

V.  37  inquit 

lies    s.  171   V.  101  puUatuF  ad  ipsam, 
176  V.  54  signum 
179  V.  80  volucrem 

184  V.  48  revomebat 

185  V.  79   praepacificat 
198  V.  3  follis  ullum 

V.  6  .  .  .  [Diejtmaro     , 
199,  7  B.  J. 
207,  9  vertraut 

V.  17  keiiie  kirclie 
210,  19  der  sie  liel>e 

V.  31    sitzt  da 

212,  28  wurfzabel 

213,  32  kiirsen 

223,  20  welciier 

224,  13  gewesen, 

225,  24  wahl 

226,  30  Kolilers 

227,  12  ne,  neve 
273  V.  881    'Te  peto 
279  V.  1061    consilium 

281  V.  1103    coilem 

282  V.  1142   Hic 

289,  15   rapoltsteinisclien 
318,  30  Ermoldus 
321,  13  Rudl.« 
330,  15  niciif. 
381,  22  elegus. 


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